Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 7 (16.5.1912)
- Date
- 1912-05-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Attische B-tt»stimme. Nr. 7 genommen. Die jüdische Bevölkerung wird nochmalS dringend gebeten, der Peo-Sammlung Kleidungsstücke jeder Art zur Verfügung zu stellen. Kleiderspeuden. Frau Dr. Meitner in Wostitz hat der Peoiammlung des Vereines Machfike HadaS eine stattliche Anzahl Kleider und Wäsche zur Verteilung an Arme gespendet. Der edlen Wohltäterin sei an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt Verein Machfike Hadas. Für die Peo- Brockensammlung sind uns zugekommen von der Firma Rud. Meist 30 Stück Strohhüte, 79 Stück Kravatten, 2 Gummibandrest-, von Frau F. Feldmann, Bahnring 3. alte Kleider, Wäsche, Hüte usw. Herr Max Ticho diverse Kleider, weitere Spenden erbeten zuhanden Rud. Meist, Krapfengasse 4. Ostjüdischer Theaterabend Donnerstag den 16d. M. um 8 Uhr abends, findet in der Schwechater Bierhalle ein Ostjüdischer Theaterabend, ausgeführt von einer jüdischen Theater- Gruppe statt. Die jüdische Bevölkerung wird auf diese Veranstaltung besonders aufmerksam gemacht. Lag bamerfcier des Vereines Machfike Hadas in Brünn. Wie bereits in der letzten Nummer unseres Blattes mitgeteilt, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Hofmann, Kostl die Festrede. Wir glauben im Sinne unserer Leser zu handeln, wenn wir aus dem vortrefflichen Referate einen Auszug veröffentlichen. Nachdem der Festredner die Früchte, die die Assimilationsepoche im allgemeinen gezeitigt, geschildert, kam derselbe auf die Zustände in Brünn und Mähren in religiöser Beziehung zu sprechen. Er führte folgendes aus: .Und es gibt wohl wenige Länder, wo diese Verheerung solche Dimensionen angenommen hat, wie bei uns in Mähren. Was ist in wenigen Jahrzehnten auS den blühenden jüdischen Gemeinden Mährens geworden? Was ist aus den Gemeinden geworden, in denen תודה und יראה tiefgründige Thoragelehrsamkeit und tiefinnige Gottesfurcht heimisch waren und das jüdischreligiöse Leben zur vollen Entfaltung gebracht haben? Acht Jahrzehnte sind erst verflossen, seit der weltbekannte Gaon, Rabbi Mordochai Benet דצ״ל dem Erdenleben entrückt wurde. WaS ist in dieser kurzen Zeit aus dem Erbe geworden, das dieser Große in Israel zurückgelassen? Ach, נחלתנו נהפכה לזרים בתינו לנכרים (איכה ה׳) dieses Erbe hat seither ein fremdartiges, betrübendes Gepräge erhalten; ein fremder, unjüdischer Geist ist in diese Häuser und Gemeinden eingezogen und hat sie in ihren Grundfesten erschüttert... Und dieses kam, und dieses mußte kommen, weil wir der תורה den Rücken gekehrt haben, weil gar viele Gemeinden verlernt haben, die תורה, das schriftliche und mündliche Religionsgesetz als die einzige und unverrückbare Grundlage der jüdischen Gemeinden zu betrachten und die Verbreitung der זזזזז^-תודה™^ und die Förderung der gewissenhaften Beobachtung der mTi־®efe&e als die heiligste und ureigenste Aufgabe der jüdischen Gemeinden zu begreifen. So lange der Lebensbaum der Thora in unserer Mitte blüht, so lange wir uns an den köstlichen Früchten dieses Baumes erfreuen und ergötzen, vor allem aber, so lange wir diese Früchte unseren Kindern reichen, auf daß sie durch deren Genuß an Leib und Seele gesunden und erstarken, so lange blüht bei uns daS ganze Gefilde jüdisch-religiösen Lebens und so lange sind wir auch berechtigt zu hoffen, daß dieses Wachsen und Blühen anhalten und auch den kommenden Generationen zum Segen gereichen werde. Die Kenntnis der Thora erschließt uns erst daS rechte Verständnis für unser einzigartiges, herrliches Judentum, und dieses Verständnis weckt in uns jene opferbereite Begeisterung für תורה und יראה, die keine Hemmnisse kennt und keine Opfer scheut, wenn es gilt, als Jude zu leben und jüdische Gesetzestreue zu bekunden. Denn: תורת אלקיו בלבו לא תמעד אשריו (תהלים לזי) Wer die Gotteslehre im Herzen trägt, dessen Schritte wanken nicht, der wandelt sicheren und festen Schrittes auf dem Wege jüdischer Pflichterfüllung, ungeachtet der vielen Strömungen, die ihn umspülen und der mannigfachen Versuchungen und Verlockungen, denen er begegnen muß... So lange diese Thora die rechte Pflege und Würdigung in unserem Kreise gefunden hat, so lange alle Institutionen des religiösen Lebens von dem Geiste dieser Thora belebt wurden und der Verbreitung und Beobachtung dieser Thora gedient haben, so lange standen die jüdischen Gemeinden auf der Höhe ihrer erhabenen Aufgabe. Da kam aber das Zeitalter der Aufklärung und brachte eine Menge ködernder Schlagworte und bestechender Phrasen, die von einem sittlich schwachen und von dem Sonnenschein der winkenden Freiheit und Gleichberechtigung geblendeten Geschlechte, das der Thora Schranken beengend und hemmend fand, mit unverhohlener Freude aufgegriffen wurden und so wurde die Thora im Namen des — Fortschrittes und der Reform in den Häusern und Gemeinden entthront und verdrängt. Die Verdrängung der Thora hatte aber zur Folge, daß die religiösen Institutionen der jüdischen Gemeinden allmählich verkümmerten oder einunjüdisches Gepräge erhielten. Die Verdrängung der Thora hatte ferner zur Folge, daß die Begeisterung und Opferbereitschaft für unsere religiösen Güter immer seltener in Erscheinung traten. Für ein Judentum, daß man nicht recht kannte, für das man nicht frühzeitig begeistert und erwärmt wurde, war man nicht gewillt, die großen Opfer zu bringen, welche die modernen kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse zuweilen erheischen, und so sind die Sabbate und Feste in vielen Kreisen zu Werkeltagen geworden. Wo aber die Thora verkümmert und der Sabbat entweiht wird, dort ist daS Judentum krank an Haupt und Gliedern und kann nur ein jämmerliches Zerrbild darstellen. Freilich hatten und haben wir auch Heilkünstler zur Hand, die dem Judentum helfen wollen. Wohl wurde die Thora vielen jüdischen Gemeinden genommen, dafür bekamen sie aber die christliche Orgel, Mädchenkonfirmation und noch eine Reihe köstlicher Dinge, mit denen die neue Zeit daS alte Judentum beglücken möchte. Allein wer Augen hat, zu sehen, Ohren, zu hören und einen klaren Geist zu prüfen und zu urteilen, den kann der Orgelklang nicht über die Grabesstille hinwegtäuschen, die, vornehmlich in den Gemeinden mit Orgelsynagogen, auf dem ganzen Gebiete jüdisch-religiösen Lebens herrscht und der wird selbst im Anblicke der zur Konfirmation eilenden Mädchenschar sich sagen müssen, daß dies nicht der rechte Weg sei, jüdisch begeisterte und pflichttreue Männer und Frauen dem Judentum zu erziehen. Für den verständigen Beobachter, der es noch ehrlich mit dem religiösen Judentum meint, kann es heute nur mehr ein Entweder-Oder geben. Entweder das historische, überlieferte und gesetzestreue Judentum, dem die Thora als Gotteswort heilig und unverbrüchlich ist und das mit aller Kraft und allem Ernste für die Pflege und Betätigung dieser Thora eintritt, oder — soviel wie gar kein Judentum. Denn das kraft- und saftlose Scheingebilde von einem Judentum, das Produkt sittlicher Schwäche und unwürdiger Affimilatonssucht, ist nicht imstande, die Entfaltung echt-jüdischen Lebens zu fördern, geschweige denn, daß sie imstande wäre, den Abbröckelungsprozeß in unserer Mitte aufzuhalten. Wie vor tausenden Jahren, da unsere Vorfahren dem Berge Sinai gegenüberstanden, gilt auch heute noch von den jüdischen Gemeinden das talmudische Wort: אם אתם מקבלים התודה מוטב ואם לאו שים תהא קבורתכם (שבת פתי) Wollt ihr, Gemeinden, als jüdische Gemeinden fortbestehen und eurer historischen Aufgabe gerecht werden, dann müßt ihr wieder den Boden der Thora betreten, dann muß eure Parole lauten: ״Zurück zur Pflege der Thora und zurück zur unverkürzten Erfüllung des jüdischen Religionsgesetzes! .... Aus diesen Erwägungen heraus, begrüße ich fteudig und warm den Verein ״Machsike Hadas". Denn sehet, meine lieben Brüder, solange der Kranke seiner Krankheit inne ist, solange er fühlt, woran es es ihm gebricht und er auf rationelle Weise seine Heilung erstrebt, solange kann ihm Genesung werden. Wäre ihm aber schon das Bewußtsein seiner Krankheit geschwunden, wäre er schon einer lähmenden Apathie verfallen, woher soll ihm dann die Heilung kommen? — Der ״Machsike Hadas" ist aber aus dem Bewußtsein heraus entstanden, daß das jüdisch-religiöse Leben auch hier in Brünn von schweren Gebrechen behaftet und von ernsten Gefahren bedroht sei. Und der zweijährige Bestand dieses Vereines spricht wohl deutlich dafür, daß auch schon hierorts in manchen Kreisen die Erkenntnis aufdämmert, daß die religiösen Zustände einer gründlichen Sanierung bedürften, daß ferner auch hier die nötigen Anstalten und Institutionen fehlen, die geeignet erschienen, jüdische Lehre und jüdisches Leben zu verbreiten. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zur Gesundung. Auch zu positiven Leistungen sind bereits die ersten Ansätze gemacht worden. Für Bethaus und rituell zuverlässige שחיטה haben sie bereits Sorge getragen. Auch eine Schar jüdischer Knaben strömt schon in diese Räume, um gründliche Unterweisung in unserer heiligen Lehre zu empfangen. Wieviel müßte aber noch geschehen und wieviel könnte auch noch geschehen, wenn diese Vereinigung die ihr ׳gebührende Würdigung und Förderung finden würde! O, meine geehrten Freunde! Wie wünschte ich mir jetzt eine siegreiche Beredsamkeit, um die Gewissen aufzurütteln und die Herzen zu entflammen für das uralte und doch ewig jugendfrische traditionelle Judentum und für das schöne Werk, das im Geiste dieses Judentums hier geschaffen werden soll! חזק ונתחזק בעד עמנו ובעד ערי אלקינו(שמואל בייי) Laßt uns stark und mutig sein für unser Volk und unseren kostbaren Besitzstand! Helfet mit an der Schaffung und Erhaltung von wahrhaft religiösen Institutionen! Vor allem aber bestrebt euch, durch eure Lebensrichtung'und Lebensführung מחזיקי הדת zu sein, das jüdische Religionsgesetz in eurem Kreise zu erhalten und zu befestigen! Seiet stark, zeiget euch in eurer Seelengröße und Opferbereitschaft und rettet euch den Sabbat, dieses unschätzbare Kleinod des Judentums! Den שבת heiliget und ihr habet der jüdischen Gesetzestreue die mächtigste Stütze gegeben. Den שבת heiliget, und die gehobenste Freude wird euer Leben verklären, und der beglückendste Segen wird in euren Häusern wohnen. Den שבת heiliget, und eure Kinder werden zu aufrechten, charakterfesten, gottdurchdrüngenen und ideal gesinnten Juden und Jüdinnen erstarken, ein starkes Geschlecht in unserer schwachen und zerrütteten Zeit. אם ראית הבריות שנתיאשו מן התורה עמוד והתחזק בח ואתה מקבל שבר כלם. (יוושלמי ברבות פ״ט) ״Wenn du siehst, daß die Leute die Lehre verloren geben, dann raffe du dich auf und halte fest daran, und du erhältst den Lohn für alle." Heil euch, meine Brüder, wenn euch gelingen wird, hier jüdisches Leben erblühen zu lassen! Euer Beispiel würde auf weite Kreise weckend und belebend wirken, und euch bliebe das Verdienst vor Gott und den Menschen, den Hebel zur verbessernden Umgestaltung angesetzt zu haben. Ob ihr es auch vermöget? Ob auch dem geringen Ansage eine solche Entwicklung beschieden!ein könne? Seht, meine Brüder! Wir haben heute Lag-boaumer. An diesem Tage wird die Trauer der Sfiroh-Zeit unterbrochen. Ihr wißt ja, welchem geschichtlichen Ereignis diese Trauer in erster Reihe gilt. Rabbi Akiwo, unter den großen Mischnah- Lehrern einer der größten, hatte einst in den Sfiroh-Tagen seine nach vielen tausenden zählenden Schüler durch den Tod verloren. Nur am Lag-boaumer hatte der Tod keine Opfer gefordert. Diese Schüler waren die namhaftesten Lehrer und Träger der Gotteslehre in der damaligen Zeit, die fast im ganzen Lande im Geiste ihres Meisters das Gotteswort lehrten. והי׳ העולם שמם עד שבא ר״ע אכל רבותינו שבדרום ושנאה להם. (יבמות ם״ב> So wird im Talmud erzählt. Oede wars überall. Das Thora-Wort war verstummt, und es schien fast, als müßte die Lehre der Vergessenheit anheimfallen. Da raffte sich der greise Rabbi Akiwo wiever auf, sammelte wieder einen kleinen Kreis von Jüngern um sich, und fünf hervorragende Jünger haben alles wettgemacht, was durch der Tausenden Tod verloren gegangen war. Auch bei uns ist's öde. Das einst so blühende Gefilde gleicht einer Wüste. Die alten Arbeiter sind dahmgegangen, und die jüngere Generation kümmert sich um das Wachstum nicht mehr. Wohlan denn, tretet zusammen, streuet wieder die keimfähige Saat in den einst so fruchtbaren Boden! Sobald euch nur einmal auf diesem kleinen Flecken die Saat aufgegangen ist, wird euer Bei- Herrenwäsche nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.