Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 6 (9.5.1912)
- Date
- 1912-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jtttsche B-lkr-imme. Nr. 6 deS Wortes ein Escheth chajil, wie man heutzutage solche jüdische Frauen u, d Mütter nur sehr selten findet. Sie rube in Frieden! Kuäapefter Raekrickten. Viktor Zstoczy als ״Nikkanes". Das ist das vorläufige Ende des ehemaligen Reichstagsabgeordneten und Führers der von ihm begründeten ״Antisemiren-Partei" in Ungarn, der in den Achtzigerjahren eine große Rolle gespielt. Er hatte ein Gesuch an das Bügermeisteramt eingegeben und es wurde ihm auch gestattet ein Blättchen: ״Juridischer- und Berwaltungssührer" das er herausgibt, in den Straßen zu verkaufen. Dann meldete er bei der Polizei an, daß er sein eigener ״Camelot" sei und verkauft nun sein Blättchen durch die Straßen ziehend selbst. Dahin hat es der einst einflußreiche Mann, der auch ein Advokatursdiplom besitzt, gebrockt. Bcrstorbcucr Rabbiner. Wie aus Facsad berichtet wird, verstarb am 18. April der dortige langjährige Rabbiner Ignaz Steiner im Alter von 62 Jahren. Der Verblichene, der sich in den Preisen der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession oder Nationalität großer Beliebcheit erfreute, war 4V Jahre mit seiner treuen Ehegattin, Frau Jg Steiner, geb. Regina Großmann, in überaus glücklicher Ehe vereinigt Das Leichenbegängnis des Verewigten fand am 19. April unter überaus großer Beteiligung von Leidtragenden statt. Die Beerdigungszeremonie vollzogen Oberrabbiner Dr. Emanuel Lenke und Oberkanwr Josef Bruder aus Lugos- Ersterer hielt seinem nun in Gott ruhenden Kollegen einen ttesergreifenden Nachruf. Der Verblichene wird ,rebst seiner Gattin, von fünf Kindern, mehreren Enkeln und einer großen Zahl Verwandten tief und innig betrauert. Rabbiner Wühl. Die aut.-otth. isr. Gemeinde zu BekeScsaba wählte am 28. v. M. Herrn Karl Klein, Schwiegersohn des Oberrabbiners von Kolozsvar, zum Oberrabbiner. Pcster israelitische KultuSgemciudc. Der Vorstand der Pcster israelitischen Kultusgemeinde hielt jüngst unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Ludwig Adler eine Sitzung, in welcher die Jahresberichte verhandelt wurden. Die Generalversammlung wurde aus den 5. Nlai, halb 4 Uhr nachmittags, anberaumt. Aus Pietät für den verstorbenen Hofrat Dr. Philipp Weinmann wurde die Präsidentenwahl auf den Herbst verschoben. — Der uns vorliegende JahreSdeucht g.deiilt zunächst der schweren Betluste, die tue UutluSgememde im vorigen Jahre durch den Tod des Präsidenien und meh erer Repräsentanten erlitten hat. Der Präsident des Spitalkomitees Julius Adler hat auf diese seine Stelle verzichtet; an seine Stelle wurde Artur Szecsy gewählt. Für den Wiederaufbau der Kecskemeter Synage hat dre Kultusgemeinde 10.000 Kronen votiert und 5000 Kronen an Spenden gesammelt. Die aus Initiative Gustav G. Ehrlichs durchgefuhtte Erhöhung der Kuttussteuer hat eingeschlagen; aus dem Mehrerträgnis wurden unter anderem die Bezüge des Lehrpersonales erhöht. Eingehend befaßt sich der Bericht mit dem Unterrichtswesen. Die Zahl der Zöglinge betrug: Knaben 829, Mädchen 929; Religionsunterricht genoffen in den Mittelschulen 5381), in den Bürgerschulen 5494, in den Elementarschulen 12,954 Schüler, die Gesamtzahl der Schüler betrug 25.911. Die Gemeinde enifaltete eine großzügige Wohltättgkeit; die einschlägigen Ausgaben bezifferten sich auf fast 200.000 Kronen. Im Gerne,»despilal ,vurden 3429 bettlägerige Kranke bebandelt; die Zahl der ambulanten Kranken betrug 26.843. Die Gesamtausgaben beziffern sich auf 281.244 Kronen. Im Siegmund und Adele Brody-Kinderspilal wurden 19.824 Kranke behandelt, darunter 1767 bettlägerige. Die Gesamtausgaben betrugen 187.380 Kronen. — Die Ausgaben für das laufende Jahr sind mit 2,492.669 Kronen 15 Heller, die Einnahmen 2,493,521 Kronen 30 Heller prülrminiert, der Ueberschuß beträgt datier 852 Kronen 15 Heller. — Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir, daß anläßlich des Samstag- Gottesdienstes Rabbiner Dr. Simon Hevesi im Rahmen seiner Predigt ein Gebet für das Seelenheil der Verunglückten des ״Titanic" sprach. Ü Sternhof i bestes aller Bitterwässer. Uriinncr üacfirichien. Verein Machsikc Hadas- Zufolge erlassenen Aufrufes und Bitte, auch unseres Vereinsbet- Hauses eiugenk zu fein, spendeten in edler Fürderung unserer Bestrebungen, Herr und Frau Siegmund J. Schnabel 8 schöne seidene Wickelmappen, Herr Moritz Breda für Neuanschaffungen 10 St., eine ungenannt fein wollende Dame zur Anfchaffuvg einer Sefer-Thora 20 K. Für die Vereinsblbtiothek spendete Frau Katharina Gutfreund' 15 Stück diverse Machsorim. Sämtliche einlausenden Spenden werden in einem Gedenkbuch verzeichnet. Herzlichsten Dank! Weitere Gaben übernimmt Herr Rudolf Meifl, Krapfengasse 4. Lag b'omer Feier. Sonntag, den 5. d. M. fand unter reger Beteiligung im Bethause des Vereines Machsike Hadas die Lag b'omer Feier nerrenvväsckie statt, bei der Sr. Ehrw. Herr Rabb. Hoffmann Kastl die Festrede hielt. Herr Rabb. Hoffmann verstand es, in ausgezeichneter Weise, auf die Anwesenden durch seine formvollendete Rede und durch seine begeisternden Worte derart einzuwirken, daß viele nach dem Bortrag dem Vereine beitraten. Wir werden in der nächsten Nummer das vorzügliche Referat auszugsweise veröffent- Ein Beitrag. Zur Erläuterung der Plastik. Es gibt in unserer Sprache Wörter, deren bloße Nennung schon geeignet erscheint, uns eine Fata Morgana von paradiesischen Bildern hervorzuzaubern. Man lasse bei den Wörtern: Blume, Wald die Einbildungskraft ein bißchen schweifen und man wird sofort die Wahrnehmung erfahren, daß ein ganzer Schwarm von göttlichen Gefühlen unser Gemüt erfüllt! Zu dieser Gruppe gehört auch das Wort ״Dichtung" und insbesondere .Faust". ״Faust" gehört zu jenen Meisterwerken, die jeder Mensch sein Leben lang einmal im Jahre durchnehmen und durchfühlen sollte! Der dreiundachtzigjährige Josef Unger sagt in seinen letzten Betrachtungen: ״Wie oft habe ich mich in trüben Tagen an Goethe aufgerichtet! Noch jetzt, in meinem hohen Alter, lese ich die Gedichte oder ״Faust", so fühle ich mich wie durch einen Zaubertrank verjüngt usw." In diesen Worten liegt nicht nur ein sprachliches Bild, sondern sie enthalten ein §sychologischcs Geheimnis. Der hiesige Volksbildungsverein veranstaltete einen Rezitationsnachmittag und während des Lauschens und bei genauer Beobachtung fielen uns sofort die Worte Ungers ein. Nun kam uns oessen Empfindung zum vollen, klaren Bewußtsein! Bei jeder Gefühlsäußerung maskiert sich gleichsam die Seele: bei Traurigkeit wird die Mene traurig, bei mürrischen Stellen wird das Gesicht mürrisch, Melancholisches stimmt melancholisch usw., und warum sollte nicht die ewigjunge Dichtung Goethe verjüngen! Können wir den Adel der Dichtung nicht mitsühlen: Und wären wir nicht imstande, bei gründlicher Vertiefung in Goethes Faust unsere Seele konsequent in Schach zu halten? Zum Verständnis der hehrsten Dichtung der deutschen Literatur führt aber nur einzig und allein der Dichter selbst. Goethes Werke können wir uns am besten mit Goethes Werken kommentieren. Dies wollen wir gleich an der Hand eines uns sehr interessierenden Beispiels Nachweisen. ״Im Spaziergang" sagt Mephistopheles u. a.: ״Die Kirche allein, meine lieben Frauen, Kann ungerechtes Gut verdauen." Darauf Faust: ״Das ist ein allgemeiner Brauch, Ein Jud' und König kann es auch." Der große Literatur- und Goethekenner Witkowski erläutert diese Stelle wie folgt: ״Bitter: es gibt außer der Kirche noch andere Privilegierte, die ohne Schaden sich auf Kosten anderer bereichern dürfen, der Jude durch Wucher, der König durch Steuern und Dienste." Wenn man aber Goethes allumfassende Toteranz berücksichtigt und sodann Witkowskis Auslegung unter die Lupe nimmt, so muß man zu dem Resultate gelangen, daß sich in dessen Kommentierung offenbar ein Fehler eingeschlichen hat. Zur Bekräftigung unserer Annahme brauchen wir nur den Dichter selbst zu hören. Zu diesem Behufe nehmen wir seine Gespräche mit Eckermann zur Hand, schlagen die Unterredung vom 6. Juni 1831 aus und da heißt es schwarz auf weiß: ״Wir redeten sodann über den Faust, den das Erbteil seines Charakters, die Unzufriedenheit, auch im Alter nicht verlassen hat, und den bei allen Schätzen der Welt und in einem selbstgeschaffenen neuen Reiche ein paar Linden, eine Hütte und ein Glöckchen genieren, die nicht sein sind. Er ist darin dem israelitischen König Ahab nicht unähnlich, der nichts zu besitzen wähnte, wenn er nicht auch den Weinberg Naboths hätte." Will man aber dann den ganzen Sachverhalt erfahren, so nehme man unsere Bibel zur Hand und schlage das I. Buch, Könige, Kapitel 21, auf. Hier wird uns die Gewalttat Ahabs vor Augen geführt und diese Begebenheit veranlaßte Goethe zu der obzitierten Bemerkung. Wir ersehen aus all dem, daß Goethe diesen Satz nicht verallgemeinern wollte, sondern einen König vor Augen hatte, der auch gleichzeitig Jude war. Wer den Dichter will verstehen, Muß in Dichters Lande gehen." Gehen wir auch in des Dichters Lande, studieren wir fleißig alles, was Goethe geschrieben hat und seine gesamten Schriften bieten uns auch gleichzeittg den gesamtm Kommentar zu all' seinen Werken. M. P. S. Rabbinische Don Quichotterientt! Durch Zufall kommen mir die ״Mitteilungen des israelitischen Landes-Lehrervereines für Böhmen" in die Hand. Ich blättere darin und finde einen einleitenden Artikel ״Sttenge Zucht im eigenen Lager" und steue mich, daß auch der Lehrerstand die Notwendigkeit strenger Zucht einsieht. Aber meine Freude währt nicht lange, denn ich komme bald an einen Artikel, der mir verrät, daß Zuchtlosigkeit höchsten Grades auch in der Redaktion der ״Mitteilungen" platzgreist. Denn wie könnte sonst ein zweieinhalb Seiten füllender Aufsatz darin Aufnahme finden, dessen Tendenz dahin geht, unser Gebetbuch in wichtigen Teilen als Unsinn, unsere Altvorderen, die es benützt, als Dummköpfe oder geistlose genußsüchtige Tyrannen hinzustellen. Herr Rabbiner Stimmer, der sich dieses Stückchen in einem Aufsatze ״Zur Zensurierung des Gebetbuches" leistet, geht sogar daran, die Bibel zu zensieren, er will einen ״el nekumouS", wie er schreibt, nicht kennen oder kennt er ihn wirklich trotz seiner rabbinischen Fähigkeiten nicht aus der Bibel. Ich überlasse es Berufeneren, dem Herrn Rabbiner zu widerlegen und zu zeigen, daß unser alter Siddur viel zu gut ist, als daß jeder und sei er auch graduierter, von der Statthalterei vom Nachweise jüdischen Wissens besteiter Rabbiner sein Mütchen daran kühlen. N. Jüd.-nation. akad. Verein ״Emunah". CzernowiH. Bei der 18. ordentlichen Plenarversammlung erstattete der abtretende Präses nachstehenden Rechenschaftsbericht über das verflossene Wntersemester 1911/12. Die interne Arbeit des Vereines war darauf eingerichtet, die Mitglieder durch Vorträge und Seminare zu tüchtigen Vorkämpfern für die zionistische Idee zu erziehen. Es sprachen Bb. Dachner über ״Maiuionides", Bb. Bartfeld über ״Die Juden in Frankreich zur Zeit der französischen Revolution", ״Palästinensische Städtebilder", Bb. L. Chaies über ״Die Anfänge der praktischen Palästinaarbeit" (s. Volksstimme Nr. 7) und anläßlich des 100. Todestages Moses Heß hielt Bb. Fnnkenstein eine Gedenkrede. Im abgelaufenen Semester wurden 2 Seminare und zwar ein zionistisches von Bb. Weichselberger und ein palästinensisches von Bb. I. Silberbusch geleitet. Im ersteren wurde der Zionismus in der jüdischen Geschichte und die Geschichte des Zionismus bis zum Erscheinen der Autoemanzipation von L- Pinsker, mit besonderer Berücksichtigung der Pioniere Heß, Kali scher, Smolenski und Pinsker gelehrt, im letzteren die geographischen, geologischen und klimattschen Verhältnisse Palästinas besprochen. Beide Seminare dürften noch im Laufe des Sommersemesters beendet und die Gründung eines hebräischen Seminars in Angriff genommen werden. Die externe Arbeit, welche in erster Linie die Propaganda für die zionistische Idee umfaßte, wurde durch einen Vortragszyklus gefördert. Es sprachen Gg. Univ.-Professor L. Kellner über ״Was Herzl vor fand", .Parteisekretär K.. Blnmenseld über ״Zionismus und freies Menschentum" und Gg. Großrabbiner Dr. Ehrenpreiß (Sofia) über ״Die Grundlinien zu einer GeschichtedesZionismus" und ״Die Aussichten des Zionismus in der Türkei". Die Vorttäge hatten den Zweck, die jüdischen Kreise mit den Uranfängen des Zionismus bis zu seinem heuttgen Stand bekannt zu nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby“ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.