Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-05-09 · Heft 6 (9.5.1912) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 6 (9.5.1912)
Date
1912-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621813--1470-2622513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6. MMfq- &nm*M* Beite 3. Als lag' ein schwarzes Trachten ihr im Schoß. Und drüben an der Mauer, morsch und bloß. Wer weiß, was dort sich zaub'risch bildet, webt, Was hinter jenen Zäunen lebt? Was für ein tiefer, wunderlicher Hall, Der, kaum erwacht, auch schon versinkt im All? Wer ist's, des Stöhnen heimlich so erklang? Um welche Hoffnung, die das Grab verschlang? Nicht immer ist die Natur bei ihm von Schrecken und Düsternis erfüllt. Es gibt einen Frühling auch in der russischen Steppe, und der Dichter weiß alle seine Zauber zu künden. Lieblicher werden dann auch seine Strophen, die sonst den Rhythmus Beethovenscher Trauermärsche haben. Es ist etwas Gesundes, Zukunftsfreudiges in Bialik, die Heiterkeit starker Menschen, und neben seinem Zorn prädestiniert ihn sein hinreißender Optimismus dazu, ein geistiger Führer seines Volkes im Osten zu werden." Diu! FNizMnii mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. Ein edler Priester. Wie auf dem Gebiete der Kultur und Bildüng, der Kunst und Wissenschaft, ebenso sind — in einem gewissen Sinne — auch auf dem des Klerikalismus seit hundert Jahren riesige Fortschritte gemacht worden. Wenn man jetzt die Klerikalen, antisemitische Hetzblätter zur Hand nimmt, so wäre man beim Lesen derselben versucht zu glauben, daß man nicht im aufgeklärten, kulturfreundlichen, lichtvollen zwanzigsten Jahrhundert, nicht im Zeitalter der Elektrizität, Eisenbahn, Luftschiffahrt und drahtlosen Telegraphie, sondern im finstern, grausamen Mittelalter lebt. Wie werden da Tag für Tag die Bekenner des Judentums, dessen heilige Schrift, die Thora, jeden Menschenhaß, jede Rachegier und Verfolgungssucht strengstens verbietet und nur allgemeine Menschenliebe, Menschenverbrüderung, Menschenbeglückung lehrt und predigt, gerade von jenen Herren, die das geweihte Priesterkleid tragen und daher verpflichtet wären, im Sinne und Geiste ihrer Religion, die das göttliche Gesetz unserer hl. Thora Weohawto lereacho komocho: ״Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst" adoptiert und zu ihrem obersten Grundsatz gemacht hat, wohltätig zu wirken, mit echt mittelalterlichen Waffen angegriffen, bekämpft, in unflätigster Weise begeifert, beschmutzt und befleckt, um sie auf diese Weise der Verachtung und Verfolgung preisgeben zu können. Wie ganz anders war es in dieser Beziehung zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, obwohl damals noch Pharaonische Ausnahmsgesetze das Judentum tief zu Boden drückten. Um jene Zeit fand man denn doch unter den christlichen Seelsorgern erleuchtete Geister, edle Menschenfreunde, mit ei^em Worte, wahrhaft ftomme Priester, oder wie der Talmud sie nennt, ״Chasside umot hoolam", die die Humanitären Gesetze d.r Religion zu beherzigen und zu würdigen verstanden. Im Jahre 1804 ist ein christliches Gebetbuch erschienen, dessen Titel lautet: ״Gebetbuch für aufgeklärte katholische Christen. Herausgegeben von Philipp Joseph Brunner, der Gottesgelehrtheit Doktor, Reichsstift Odenheimischen Schulen-Visitator und Pfarrer zu Tiefenbach und Eichelberg. Mit Genehmigung des hochwürdigen Dikariats zu Bruchsal. Siebente Auflage. Heilbronn am Neckar, 1804". In diesem Buche ist Seite 326 zu lesen: ״Gebet für die Juden". ״Allmächtiger, ewiger Gott! Ich flehe zu dir für das Wohl einer zerstreuten Nation, die so Die schönste manchen Druck, so manche Verachtung in der Vorzeit dulden mußte. Ach, das Elend dieser Un glücklichen schien vielen ein Triumph der Lehre Jesu zu sein, und um diesen Triumph desto glänzender zu machen, vergrößerte man ihr Elend und zerstörte in diesem geschäftigen Volke jeden Keim des bürgerlichen und häuslichen Glückes. Die Religion Jesu wurde ihnen verhaßt, weil so manche Bekenner derselben ihre ewigen und gleichsam geschworenen Feinde waren. Nie soll ein so unwürdiger und feindseliger Glaubensstolz mein Herz verblenden und verderben. Da ich. o mein Gott! von Jesu gelernt habe, daß alle Menschen Brüder sind, so will ich an ihnen die Menschennatur und die Menschenrechte verehren, die sie mit uns gemein haben; ihr Elend selbst und ihre bürgerliche Erniedrigung soll mir allezeit die tätigste Begierde einflößen, sie zu trösten; ihr Leiden zu mildern und sie durch den Anteil, den ich an ihrem Schicksale nehme, von dem betäubenden Schlage ihrer ehemaligen Zerstörung wieder aufzurichten. Amen". Wenn in unserer weit fortgeschrittenen, hochkultivierten, aufgeklärten Zeit ein christl. Priester es wagen würde, ein solch beachtenswertes Gebetbuch für Katholiken zu schreiben, wie würde er von den ftommen Christlichsozialen verketzert und und verfolgt werden. Das sind die riesigen Fortschritte des modernen Klerikalismus. ^mjtai Wiener Jüdisches Leben. Bortrag Rabbiner Goldstei». In fesselnder Weise sprach Samstag vor einem aufmerksamen Publikum Ehrw. Rabbiner Goldstein über ״Samson und Raffael Hirsch'S Schriften". .Dem Vortrage wohnten auch zahlreiche Damen bei, die den geistvollen Ausführungen des gelehrten Redners unteilten Beifall spendeten. Bortrag I. A. Loubetzky. Im Akademischen Verein ״Jüdische Kultur", der mit Eifer seinen Aufgaben nachkommt, referiert der Schriftsteller I. A. Loubetzky über jüdische Literatur, die Borträge werden nur leider zu wenig besucht. Allerdings, das Cafshaus ist die stärkste Konkurenz aller geistigen Bestrebungen, und dort leider findet man die Jugend, sie. auf die unsere Zukunft ruht.. Die Taufseuche greift immer mehr um sich, daß man saßt an einen Uebermut glauben möchte. Leute, bei denen man vergeblich stichhältige Gründe sucht; Leute, die dem Judentum ungemein viel zu danken haben, denen jüdisches Geld Wege bahnte, die zum Erfolg führen. — solche werden Marannen. Denn, glaubt mir, das Wasser macht es nicht; es trocknet m der Sonne und die verachtete Judenmaske tritt hervor. Selbstmorde. Auch diese häufen sich in letzter Zeit bedenklich. Leute, deren Leben einen Bogen ״Budapester-Cafe-Terby" schlägt, verlieren gar bald den Halt, wenn nicht alles klappt,^ wenn es sich einmal zeigt, daß die Rechnung nicht ganz stimmt. So hat sich ein angesehener Getreide- Händler letzter Tage erschossen, weil er Verluste hatte. Wo ist die moralische Kraft unserer Väter hin, haben sie umsonst so herrliches Beispiel gegeben? Aus der türkischen Gemeinde. Etwas verspäter zwar, aber doch, fand anläßlich der Thronbesteigung des Sultans der Ottomannen, Mohamed V. ein Festgottesdienst im türkischen Tempel in der Zirkusgasse statt. Herr Rabbiner Papo hielt die Festrede und es wurde vom Oberkantor Bauer ein Gebet für den Sultan gesprochen. Unter den Anwesenden bemerkte man auch u. a. den Borsteher S. Hassan, Licco Adutt und Ä. Canetti. Sodann begab sich eine Deputation in das Palais des türkischen Gesandten, der sie freundlich empfing. Religionslehrer S. Elias hielt eine französische, Ansprache, worin er der Vaterlandstreue der > türkischen Juden Ausdruck verlieh. Der ״Indische Verein Einheit" legt folgenden Jahresbericht ab: die ״Einheit" wurde im Jahre 1911 von 322.616 Personen frequentiert, also um fast 70.000 mehr, als im Vorjahre. Die! Gesamteinnahmen betrugen 147.14448 K, die Aus-1 gaben stellen sich auf 146.377 96 K, also per1 Tag 1854־ K. Jeder bemittelte Jude sollte dem j Vereine, der für unsere ärmsten Glaubensgenossen segensreich wirkt, beitreten. Der jüdische Handlungsgehilfenverband fordert alle jüdische Handlungsgehilfen zum Beitritte auf. Er weist auf die materielle Notlage der Angestellten hin, die auch von jüdischen Arbeitgebern boykottiert werden. Nur eine starke Organisation kann dem abhelfen. Nach den Gemeinderatswahleu. Die Wahlen sind gottlob vorüber, die sog. liberale Presse fühlt x.» jns unverschämte Gesicht, aber sie sagt, ®*ORK - vorm. Hotel Romania ~׳ __ Neu erötfnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzenlrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in jedem Zimmer. Bäder im Hause. — Elegante Halle. Musik-, Schreib- und Lesezimmer. — Exquisite und rituelle Küche, p^• Zimmer von K 360־ aufwärts. ־^| Besitzer Karl Geiringer. es tut nicht weh. Wäre diese Windpolitik der käuflichen Tagespresse nicht ungemein beschämend,! wären die Herren im Besitze eines Funken Ehrgefühls, sie müßten ihre Niederlage angesichts der deutschnational-christlichsozialen Bündnispolitik mit Blamage bekennen. Aber nein — sie sehen nichts, hören nichts, fühlen nur die Schläge, die sie ver-! läugnen, und zitteren fort: ״Deutsch sein, heißt! treu sein, usw. Die ״Wiener Israelitische Allianz" hat! eine Hilfsaktion zugunsten der unglücklichen Juden in Fez eingeleitet. Bekanntlich hat der dortige Pöbel das Fezer Judenviertel vollständig ausgeplündert und tausende Juden sind dem Hungertode ausgeliefert, wenn nicht rasche Hilfe erfolgt. Allen Menschenfreunden sei es aufs Herz gelegt, die Aktion der ״Allianz" durch Geldspenden zu fördern, damit es möglich wird, das unsägliche Elend der Beraubten zu lindern. Trauungen. Sonntag der 5. Mai fand im Seitenstellentempel die Trauung des Fräulein Melanie Rotier, Tochter des Religionslehrers Herrn Adolf Rotier, mit Herrn M >x Holder statt. Im gleichen Tempel fand die Trauung des Fräulein Anna Dukat mit Herrn Hans Königstein statt. Prüfer ^!uc^eictrten. Prag. Dem Bernehmen nach wird die Prager Kultus, gemeinde gemeinsam mit anderen jüdis > en Korporationen energische Schritte zur Abwehr der verhetzenden Tätigkeit der tschechisch-klerikalen Presse übernehmen. Das Verdienst dies veranlaßt zu haben, gebührt in erster Reihe der jüdischen Bolksstimme, deren Prager Briese mtt beharrlicher Ausdauer auf diese Blatter hinwieien und die zulryt auch einen offenen Brief att den Kardinal Skrbensky veröffentlichte. N. Prag, den 6. Mai. Heute ist hier nach längerem schwerem Leiden Herr JUDr. Felix Fischel, Sekretär der israelitischen KultuSgemeinde Prag, gestorben. Ter Verblichene, der im 50. Lebensjahre stand, hat sein austrengendes und verantworrungsreiches Amt durch mehr als 20 Jahre in treuer Pflichterfüllung zur allgemeinen Zufriedenheit versehen. Er war auch verschiedentlich schriftstellerisch tätig und hat mit seinen belletristische» Aufsätzen und Gelegenheitsgedichten viel Beifall gesunden. 'Jt. Eröffnung des jüdischen Museums Am 28. v. M. bezog das jüdische Museum seine neuen Lokalitäten im Gebäude der israelitischen Beerdigungsbrüderschast. Rach einer kurzen Ansprache des Obmannes Herrn Adolf Hahn begrüßte Herr MagistratSrat Dr. August Moses Stein die Feftgäste in beiden Landessprachen und gab ein detailiertes Bild über diese neueste jüdische Jnstttution. — In Vertretung der Kultusgemeinde erschien zur Eröffnung der Bizepräsidenl der KultuSgemeinde Dr. Bendiener, der Borstand der israelitischen Beerdigungsbrüderschast, der Vertreter der Stadtgemeinde, Prof. Dr- Egnront Münzer, der Landtagsabgeordnete Dr. Anton Jtienta» usw. Das Museum ist Samstag von 1l—12 und Sonntag von 10 -12 Uhr geöffnet. Am 5. d. M. besuchten die israelitischen Schüler des Smichower Gymnasiums unter Führung des Herrn Rabbiner Dr. Aije das Museum, bei weicher Oielegenheit Herr Dr. S. H. Lieben in liebenswürdigster Weise die nötigen Aufklärungen gab. Sterhefail. Am Montag ti. Mai starb Frau Julie Abeles, Rabvinerswitw״ in Prag, Mutter des Herrn Rabbiner S. Abeles in '/,titow und Wilhelm Abeles, Lehrer i. R. zu Trebüsch in Mährpii im 84. Lebensjahre. Die^Berstorbene war eine kluge, fromme Frau, im wahren Sinne Schrift in Kürzester Zeit erreicht jedermann! K K. Del), aut, SchrelPschule Professor Rudolf Roubitscbek ־־«.» ״m s״״«»״!״!־ Prafl iiltn7£l$nlat7 XI nacl> au$wäm drieMcher Unterriag, Wgll4mp1q1Z rtcW nach eig. ges. gesch. Methode

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.