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Jüdische Volksstimme · 1912-05-02 · Heft 5 (2.5.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 5 (2.5.1912)
Date
1912-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N.. 5 Jüdische Volksstirrun׳ S-׳te 5 Steuerträgern verteilt, so wird man ohne weiteres zugeben, daß bei der Bemessung der Kultussteuer sehr vorsichtig vorgegangen wird und, daß keine Ursache zu Klagen über allzu hohe Steuern vor- Händen ist. So zeigt uns ein kurzer Blick in den mit großer Sorgfalt ausgearbeiteten Jahresbericht, wie mustergültig und geradezu ideal die Gemeinde verwaltet wird und welchen Aufschwung sie gerade unter der Aera des Dr. Straucher nahm. Badener Brief. Am 24. März d. I. fand die Neuwahl des Kultusausschusses l. und II. statt. Von 198 Wahlberechttgten erschienen 60»/, an der Urne. Im I. Kultusausschusse wurden die alten Vorstandsmitglieder bis auf den Herrn Albert Deutsch, der nicht mehr kandidierte, mit an sehnlicher Stimmmenzahl wiedergewählt. Als neu eingereiht erscheint Herr Adolf Raab. Im verstärkten Ausschuß II. fanden einige Verschiebungen statt, dagegen erscheinen die vier Ersatzmänner als Neue auf der Tribüne. Der Wahlakt verlief, nachdem vonseite der Unzufriedenen keine Gegenagitation zu verspüren war, und der übrige beträchtliche Teil der Wahlberechtigten sich ganz absentierte, ruhig. Zum Ueberfluß waren die Dynamomaschinen zur Erzeugung von Agitationsmittel im vollen Gange. ״Ich müßte mit einer moralischen Existenz und Ueberzeugung in Konflikt geraten, wenn ich über das Wahlenthalten, sich resigniert in das Schmollwinkerl stellen, ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen mochte. Ich muß mich doch fragen, wo mag die Ursache dieser Indolenz liegen? Denn, wie es durch das Walten der Natur bestätigt wird, ist es Wahrheit, daß wo Licht ist, da muß auch Schatten sein. Allerdings sind Licht und Schatten nicht immer regelmäßig verteilt. Auch im Leben und Walten der Gemeinden und Korporationen nicht. Daß gerade in unserem Gemeindeleben der Schatten über das Licht zu siegen weiß? Daß gerade in unserem Gemeindeleben sich die Gegensätze so entwickeln und fortwuchern können? Sind es Prinzipien oder Personenfragen, die schuldtragend sind, daß sich die immer erweiternde Kluft der Gegensätze nicht Überdrücken läßt? Wie drastisch und komisch wird Schreiber dieses, als er unmittelbar nach dem Wahlergebnisse ein langjähriges Mitglied und Wähler ftug, ob er sich der Wahl enthielt und unter den Abstinenten zu zählen ist, beantworten: Erlauben Sie mir, daß ich Ihre Frage mit einer Erzählung, die mein alter Freund Salomon Leopold Felsinger, Pferdegroßhändler in Wien, an einem Kaffeehaustisch am Quai zum besten gab, beantworte. Vor mehreren Jahren, erzählt F-, erhielt ich eine größere Pferdelieferung, wovon ich meinen Agenten Madräszy in Budapest verständigte. Wir fuhren zusammen nach Nagy-Körös zu Markt, waren aber nicht wenig erstaunt, unter dem großen Auftrieb von Pferden nichts Passendes mustern zu können. Das sonst schön gewachsene Pferdematerial war durchaus mit Fehler behaftet, das eine war bockbeinig, daß andere war ein Dummkoller, das dritte ein Stützer, usw. Hier ist nichts zu machen, meinte Madräszy, wir fahren von hier, nach Groß- Wardein, dort wird ein ganz anderes Materiale zu finden sein, dort können sie wählen. Wir fuhren nach Großwardein, aber welche Ueberraschung! Wir fanden auch dort nur dasselbe Materiale, mit denselben Fehlern behaftet. Die folgenden Besuche anderer Märkte ergaben daselbe ungünstige Resultat. Indigniert sagt Felsinger zu seinem Agenten, ״wenn Sie sie mir nichts besseres bieten können, gehe ich auf gar keinen Markt mehr. Ebenso, sagt mein Erzähler, ergeht es mir und meinen Gesinnungsgenossen bei den hiesigen Kultus- Wahlen. Wir fanden nur wenige passende Kandibaten, die den reparaturbedürftigen Gemeindekarren ins richtige Geleise zu bringen befähigt sind und diese Wenige wollten auch nicht in exponierter Stellung aufmarschieren, und wir gehen nicht mehr zur Wahl. Wie recht mein Erzähler mit seiner Behauptung, da» bei uns die Befähigten kein Mandat mehr übernehmen wollen, behielt, beweist die Resig- Nation des kais. Rates Herrn Dr. Emil Raab, der, nachdem er fein wiedererhaltenes Mandat analisiert und röntgenisiert und zu wenig steril befunden hat — dasselbe wieder zurückgelegt hat. Herr K. R. Dr. Raab hat sich, trotzdem ihm als vielbeschäftigten Arzt nur wenig Zeit disponibel blieb. doch hervorragend als Mitglied des Kultusbeirates betättgt. Seine Wähler bedauern aufrichttg seine Resignation und wünschen ihn bald wieder auf den ihn gebührenden Ehrenposten st-llen zu können. Vorläufig liegt Grund vor, zu hoffen, daß der gleichnamige neugewählte Herr Adolf Raab als ein neubelebendes Element eingeschattet sein wird. Möge sein Bestreben vom besten Erfolge begleitet sein. Ich schließe mich mit dem Rufe ״Auf zur Arbeit" beiseite jede Rivalität und Eitelkeit übernehme jedes Mitglied des Vorstandes seine ihm zugewiesenen Agenden um die weitere Entwicklung unserer Gemeinde zu fördern. Was hiezu notwendig ist, was schon geschehen und was noch rückständig ist, soll in diesem Blatte publiziert werden. Ein Mitglied der Badener Kultusgemeinde. Krankkeilen dei־ Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im vr.Wdails Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte Äorrejponäelrzen Proßuitz Hier ist Herr Adolf Bill im 83. Lebensjahre gestorben. Aus diesem Anlasse gingen der Kultusgemeinde für wohltättge Zwecke folgende Spenden zu: Familie Adolf Bill 10V Kronen, Firma Moriz Altar 30 Kronen, Familie Julius Altar 20 Kronen und Sofie Kaufmann 10 Kronen. Lemberg. Die Organisation der Kultusbeamten in Lemberg ist in Bildung begriffen. Lemberg. Sonntag den 14. April, tagte hier eine Landesversammlung der jüdischen Schächter und Kultusbeamten Galiziens an der zirka vier Delegierten teilnahmen. Die Versammlung beschloß die Gründung einer Organisation der Schächter und Kultusbeamten, deren Hauptaufgabe die Wahrung der wirtschaftlichen und Standesinteressen der Schächter bilden soll. Es wurde ein Komitee zur Ausarbeitung der Statuten eingesetzt. Przemysl. Am 14. April wurde hier eine Ausstellung der Erzeugnisse der Kunstgewerbeschule Bezalel in Gegenwart des Vorstandes der jüdischen Kultusgemeinde und zahlreicher jüdischer und christlicher Notabeln der Stadt eröffnet. Nach einer kurzen Ansprache des Oberrabbiner G. Schmelkes würdigte Herr Dr. Alexander Hausmann aus Lemberg in längerer Rede das Wirken der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem. In Vertretung der Kultusgemeinde sprach Herr Dr. Pordes. Die Ausstellung blieb bis zum 21. April geöffnet. Sie hat enchalten zum Teil ganz neue Erzeugnisse der Bezalelschule, die anderwärts noch nicht ausgestellt waren. Der Besuch der Ausstellung war sehr rege, und es sind bereits zahlreiche Bestellungen auf die ausgestellten Objette ein gelaufen. Auch in anderen galizischen Städten sollen in den nächsten Wochen Bezalel-AuSstellungen statt- Györ. Bei der am 21. abgehaltenen General- Versammlung der Chevra Kadischa wurden gewählt die Herren: Adolf Freund, Präses, Adolf Grünbäum, Vizepräses, Adolf Freund jun.. Kassier. Arad. Unter dem Vorsitze des Reichsratsabgeordneten Sigmund Nemec fand die General- Versammlung der hiesigen Chevra statt. Das Vereinsvermögen beträgt Kronen 325.504— Die Wahl in den Vorstand ergab folgendes Resultat: Präses, Josef Funkelstein, BizepräseS, David Weiß, Ausschuß, L. Fülep, S. Lamdauer, E. Wechsler, I. Weinberger. A. Hegyi, M. Schwarz, E. Messer, F. Freund, A. Walfisch. Sarajevo. Bei der vor kurzem stattgefundenen Konstituierung der Advokateukammer wurde der Präsident der Aschkenasischen Judengemeinde Dr. Moriz Rotkopf zum Präsidenten der Advokatenkammer gewählt. Der jeweilige Präsident der Advokatenkammer besitzt im Landtage für Bosnien und Herzegowina eine Virilftimme. Es werden nunmehr im Landtage 2 jüdische Abgeordnete sitzen. Frankfurt a. M. Die Kuranstatt für arme Israeliten in Bad Soden, eine Frankfurter Jnstitution, verpflegte im Jahre 1911, 216 Patienten. — Baron Wilhelm E. v. Rothschild gewährte abermals einen Betrag von 9000 Mark. — Die Stellenvermittlung Schomreh Schabos konnte im vorigen BereinSjahre 155 Kommis und 38 Lehrlinge unterbringen. Tolna. Die hiesige Chevra Kadischa hat 5000 Kronen zum Baue einer neuen Synagoge gespendet. London. Das durch das 5 Millionenlegat des jüd. Millionärs Barnata errichtete Hospital für Krebskranke ist nunmehr eröffnet worden: Für die jüdischen Kranken enthält es eine besondere rituelle Küche. Kiew- Die öffentliche Verhandlung des Prozesses Justschinstt ist auf den Herbst angescht worden. itiuidjcfraii. Judenauswandernug nach Angola. Der Times wird aus Lissabon gemeldet: Dem Kolonialamt liegt ein Plan vor für die Auswanderung von Juden aller Nationen nach Angola. Jedem Familienvater sollen 100 bis 250 Hektar Land zugeteitt werden, das sein Eigentum wird, wenn er es bebaut und gewisse Bedingungen erfüllt. Dom jüdische» Nationalfonds. Die Spendeneingäoge für den jüdischen Nationalfonds beliefen sich im ersten Vierteljahr 1912 auf 114.000 M., und zwar waren eingegangen: aus Oesterreich 35.400, aus Rußland 26.700, aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika 15.400, aus Deutschland 11.000, aus Südaftika 8300, aus Rumänien und Ungarn (ohne Kroatien-Slavonien) je 3000, aus Holland. 2500, aus Belgien 1200, aus England 1100, aus Kroatien-Slavonien, Lstasien und Argentinien je 1000 M. und der Rest aus 12 kleineren Sammelgebieten. — Der jüdische Nationalfonds hat bekanntlich die Aufgabe. Grund und Boden in Palästina für gemeinnützige Zwecke des jüdischen Volkes zu erwerben. Er hat bereits eine Reihe städtischer und ländlicher jüdischer Siedelungen, sowie verschiedene Schulanstalten im heiligen Lande geschaffen, beziehungsweise durch Hergabe des Baugrundes tatkräftig ge- Eine Spende des Herr» Nathan Strauß für de» ״Bezalel". Außer den bereits früher gemeldeten palästinensischen Stiftungen des bekannten Philanthropen Nathan Strauß hat derselbe auch der jüdischen Kunstgeweröeschule ״Bezalel" in Jerusalem den Betrag von 50.000 Frks. gespendet. Ei« Sammelwerk über die Juden in Bulgarien. Aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums Ferdinands l., das im Ottober d. Ifestlich begangen werden soll, plant die Judenheit Bulgariens die Herausgabe eines großangelegten Werkes in bulgarischer Sprache, das in Monographien die Geschichte und das Leben der Juden in Bulgarien behandeln wird. Mitarbeiter dieser Sammelschrift sind Großrabbiner Dr. Ehrenpreis, Rabbiner Dr. Rosenwasser, Dr. Med. Navon (Sofia) der Historiker Salomon RosainS (Rustschuck), der Nationalökonom Peter Gabbe (Baltschik), Prof. E. Kohen (Philippopel) und viele andere. Eine Jca-Bank. Am 1. Januar d. I. wurde durch die Initiative des ״Volksrates" unter der Firma ״Bukowinaer Zentralkeditgenossenschaft für Kleinhandel und Kleingewerbe" von der Jca, welche bekanntlich in Galizien bereits mehrere solcher Banken gegründet hat, eine Bank in Czernowitz ins Leben gerufen. Zweck dieses Institutes ist, den jüdischen Kleinhändlern und Kleingewerbetreibenden gegen geringe Zinsen und unter günstigen Rück- Zahlungsbedingungen — Wochenabzahlungen — billigen und bequemen Kredit zugänglich zu machen. Stiftungen des Herrn Nathan Strauß. In den letzten Wochen bereiste Herr Nathan Strauß aus New-Jork, der Bruder des beim Schiffsunglück der ״Titanic" ertrunkenen Isidor Strauß, Paläsüna und informierte sich eingehend über die jüdischen Kolonisationsbestrebungen. Er hat für die Errichtung einer Volksküche in Jerusalem, in der täglich 500 Personen gespeist werden sollen. 150.000 Frks. bei der zionistischen Bank (Anglo- Palestine Co.) hinterlegt. Außerdem hat Herr Strauß dem Krankenhause Schaare Zedek in Jerusalem 5000 Frks. und der dortigen sephardischen Gemeinde 2000 Frks. gespendet. Jüdische Bevölkerung in Deutsch-Süd- Westafrika. Nach den soeben veröffentlichten Ergebnissen der Volkszählung 1911 zählt das deutsche Schutzgebiet 13.962 weiße Einwohner. Die Zahl der jüdischen Einwohner beläuft sich auf etwa 350. Dieselben wohnen zum größten Teil in den

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