Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 5 (2.5.1912)
- Date
- 1912-05-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volksstimme beiden Hafenstädten Swakopmund und Lüderitz. bucht. Die jüdische Bevölkerung bildet etwa 2צ/נ% der Gesamtbevölkerung. Ein alter hebräischer Druck. Die ortentalische Sammlung der kgl. Bibliothek in Berlin hat ein Unikum aus der Frühzeit deS hebräischen Druckes in Deutschland erwerben können. Es ist «in kleines Gebetbuch nach deutschem Ritus, das non dem Drucker Chajim Schwarz herrührt. Das Datum ist nicht sicher, da die Buchstaben des Chronogramms nicht zweifelsfrei gelesen werden können, doch nimmt man 1536 als Druckjahr an, Es war bisher nur ein einziges Exemplar bekannt, das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Besitz des italienisch-jüdischen Gelehrten Almanzi war. Dieses seither verschollene Exemplar ist höchst wahrscheinlich identisch mit dem eben erworbenen. Profeffor Siegwart Friedman«, der hervorragende Schauspieler und einer der Gründer des deutschen Theaters in Berlin, feierte am 25. April seinen 70. Geburtstag. Friedmann zog sich vor etwa 20 Jahren von der Bühne zurück und hatte in Blasowitz bei Dresden seinen Ruhesitz, trat aber in den letzten Jahren wieder in seinen Glanzrollen auf. Der vielseitige Künstler gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Theaterwelt. Festspiele in Rechoboth. Wie alljährlich, fanden auch diesmal in unserer Kolonie während der Halbfeiertage des Pessachfestes öffentliche Festspiele statt. Das Programm der diesjährigen Festspiele umfaßte folgende Punkte: 1. Turnübungen. 2. Schnellaufen, 3. Pferdewettrennen, 4. Ringkämpfe; außerdem Schießübungen, Wasserspiele usw. Zu den Festspielen hatte sich ein zahlreiches Publikum aus Jaffa, Jerusalem und den jüdischen Kolonien eingefunden. Eine Anzahl Preise gelangten zur Verteilung. Wein aus dem Judenlaud. In der jüngst in Rischon l'Zion abgehaltenen sünften General- Versammlung der jüdischen Winzergenoffenschaft Palästinas wurde über die Absatzverhältnisse des Weines im verflossenen Jahre folgendes berichtet: Der Absatz belief sich insgesamt auf mehr als 41.000 Hektoliter, gegenüber 34.000 Hektoliter im Vorjahre. Der Absatz weist eine stetig steigende Tendenz auf und ist noch sehr ausdehnungsfähig. Die Winzergenossenschaft plant in zahlreichen europäischen und überseeischen Plätzen neue Verkaufsstellen einzurichten. Vermischtes. Der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor der Geschichte der Medizin, Dr. Max Neuberger den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofessors verlieben. — Herr Rabbiner Jakob Schwarz in Csäktornya feierte am 8. März d. I. das 50 jährige Amtsjubiläum. — In Konstantinopel hat sich vor kurzem eine nationale jüdische Studentenvereinigung gebildet. — Aus Csatmar wird gemeldet, die Bachurim, Solomon Friedman und Mordechai Böhm, die für die Jeschibah milde Gaben sammelten, wurden von den Brüdern Czopak überfallen und niedergestochen. — Zum Rabbiner der Gemeinde Draga- Merfolu wurde der bekannte Rabb. I. M. Schwarz gewählt. — Prof. Dr. Ullrich Friedmann ist zum Vorsteher der bakteriologischen Abteilung am städtischen Krankenhause Moabit ernannt worden. — Prof. Dr. Ludwig Lewinsky erhielt den roten Adlerorden 4. Klasse. — Der rumänische Generalkonsul Leopold Louis Drayfuß ist zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt worden. — Der am 13. März im 72. Lebensjahre verschiedene Arthur Abraham David Sassoon hat 20000׳ Pfund zur Verteilung an Wohltätigkeitsanstalten hinterlassen. Leopold de Rothschild, der Schwager des Verstorbenen, hat die Verteilung vorgenommen. — Der Philantrop H. Kohn, New- Jork, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. — Wie aus Damaskus gemeldet wird, ist die antisemitische arabische Zeitung ״El Muktebis" wegen Veröffentlichung aufreizender Artikel geschlossen und der Herausgeber verhaftet worden. — Unter den 12.000 Einwohnern Betlehems gibt es nur 2—3 Juden. Unter den 16.000 Einwohnern Nazarech nur 5—0 Juden. Synagogen existieren in beiden Städten nicht. — Die israelitische Kultusgemeinde in Mainz wird im Laufe des Sommers ein Gemeindehaus und eine Synagoge errichten. — Die jüdische Gemeinde in Rom wählte den 26 jährigen Dr. Angela Safferdatti aus Florenz zum Rabbiner der Gemeinde. — Das Zentralkomitee der Alliance sandte 100.000 Franks für die notleidenden Juden nach Fez. w*) Meister Eckharts Schriften ünß predigten. Aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt und herausgegeben von Hermann Büttner. Erster Band. 23S SS. Mark 5.—. 8. Auflage. Verlegt bei Eugen Diedettchs. Jena 1912. Wenn es im gewissen Sinne richtig ist, baß das religiöse Problem das Problem der Menschheit, die Ausgabe aller Zeiten ist, so scheint gerade die Menschheit unserer Tage diese ihre ewige Aufgabe wiederum ernstlich erfassen zu wollen. Man ist ebenso müde des Streites der Konfessionen, wie dxs Kampfes der ״Aufklättker" gegen die Religion- Die Freude an den Errungenschaften der Technik an denen es sich — wie kindlich! — eine obet zwei Generattonen des 19. JahrhundettS genüg sein ließen, verstummt ob des Leides daräii, daß wir um eine Weltanschauung betrogen wurden, während wir eine erweiterte Erdenansicht mit der!anzen Energie unseres Seins suchten. Wo führt — so ragen wir heute wieder — der Weg zur Erlösung, zum lieiche Gottes. Und Meister Eckehatt, der vor einem halben Jahrtausend in Deutschland wirkte und dessen Schriften doch so über Zeit und Raum stchcn, daß seine Predigten heute wie damals zu jedermanns Herren sprechen, antwortct uns auf unsere bange Frage mit siegessroher Zuverficht: Das Gottesreich ist nahe. Nicht, daß es nun morgen oder übermorgen über die Menschheit hereinbrechen wird — wie die urchttstliche Gemeinde dies Wort mißverstanden hat — vielmehr so: Das Gottesreich ist in uns. Denn die Kreaturen sind nur die Mannigfaltigkeit, in welche sich die göttliche Einheit entfaltet hat: und wir selbst als Teil dieser Mannigfaltigkeit den Weg . , der Einheit in sie gemacht haben, so können wir uns in die Einheit zurücknehmen, wenn wir uns aus dem Getriebe sammeln in jene Einheit, aus der alles huillt. Ja, die Seele ist so recht das Organ, in dem sich die Biecheit zur Einheit sammelt: ist doch Einheit des Bewußtseins chr ureigenstes Gesetz und ist doch jedes starre Nebeneinander getrennter Teile ihrem Wesen entgegen. Wo also der Mensch ״sich selber und aller Mannigfaltigkeit eine Wüste und Fremde geworden ist", da muß sich Gott in ihn ״erließen". Darum ist dem Menschen die Aufgabe gestellt, ׳ ich zu sammeln — in der Andacht, der Meditation, dem Geber —: damit er nicht von sich selber sott sich in ein Treiben verirre und nicht enttaufe in fremde Dinge. Ist dann einmal die Gnade über ihn gekommen, ist er untergetaucht in den Quell aller Dinge, dann erscheinen chm, den Wiedergeborenen, alle Dinge der Welt gotthast, wie dem Äuge, das in die Sonne blickte, alles sonnenhast er- Icheint. So etwa die Grundgedanken der Predigten dieses Dominikaners. Mit anderen Worten und anderen Bildern, aber derselben Sicherheit gibt er für das Erlebnis des Mystikers Zeugnis, wie die jüdischen Chassidim, des 18. Jahrhunderts. Seme Predegten hat H. Büttner in vorzüglicher Welse in das heutige Deutsch übertragen und mit einer Einleitung versehen, die von tiefem Erleben der der Worte des ״Meisters״ zeugt. Karl Hanptmann. ״Nächte." Ernst Rewohlt Verlag, Leipzig, 1912. Ja, er ist der Bruder des großen Dichters, er hat auch vieles gemeinsam mit ihm. Und doch hat er eine vollkommene Originalität. Die zeigt sich auch wieder in oem neuen Buche. In seinem ״Tagebuche" halte er geschrieben» man müsse ״der demokratischen Allerweltslehre" ״die persönliche Geheimlehre" entgegensetzen. Er sordett die Idee, den großen Gedanken, der die Richtung gibt, unbekummett um die ״lausend kleinen Ornamente". Und sein Bekenntnis gipfelt in dem Satze: ״Vom Menschen groß denken, das lst die Kraft." Alle diese groß angelegten Belenntnisie tteken uns in dem Buche ״Nächte" wieder entgegen. In ״Franz Popjels Jugend" und ״Ein Später derer van Doorn" sind Menschen geschaffen worden, die, von Leldenschaflen und Wünschen durchrüttelt und aus die Nachlselten unseres Daseins geworfen, jeder nach dem Gesetze seiner Innerlichkeit aus diesem surchlbaren Kampfe hervorgehen. Die erste Novelle ״Claus Finappel" ist ebenfalls durchglühl von der Unerbittlichkeit heißer Leidenschaft, entläßt uns aber durch die entzückend frische und blühende Schilderung trotz des tragischen Endes der zwei Liebenden Satte und Claus m äußerst wohltuender Entspannung. Man könnte fast sagen, daß es ״Romeo und Julia auf dem Lande" von Keller an die Seile gestellt werden könnte — und das ist viel! LVSSvL צV&Sgfest nisattonen, dann eine erschöpfende Tabelle ker jüdischen Kolonien mit Einwohnerzakl. Landbesitz, Entpehungszeit üsw. - - Auch das jüdische Schulwerk, eme der glänzendsten Leistungen jüdischer Energie und jüdischer Intelligenz ist hier würdig vertteten. Neben rahlreichen Volksschulen und Kindergärten finden wir hier imch höher« Schulen-, wie bis. Mmnasten in Jassä uno iti JerüsaleM, die Schuten des Hilssverems der deutschen Judeti üstb sö< gar ein Lehrerseminar. Die Krönung des gtinzen Schm» Werkes wird ׳vorläufig bas, jüdische Technihim.in Lmffa bedeutest. Besonders bemerkenswert ist der Umstäno, daß in den meisten dieser Schulen das Hebräische als Unterttchtssprache ist. Im letzten Teil enthält das Merkchen eme intereffante Uebersicht über jüdisch-nattonale Organisationen, wie Sludentenvereine» Turnerschaft und die Orgamsatton der hebräischen Sprächt Und Kultur. Eine synoptische, chronologische Darstellung der wichttgsten Tatsachen aus der Geschichte der Bewegung- Adreffen zionistischer Landes» verbände und Funktionärs-, ein Kalender, und Endlich siy alphabetisches, sehr detailliert trüSßcätbettetes Sachregister beschließen das Merkchen, eine seltene Leistung, die Fleiß und Sachkenntnis hervorgebracht haben. Soren Kierkegaard: Entweder — Oder. Erster Teil. Verlag: Eugen Diederichs, Jena 1911. Der gesamweiten Werke erster Band. — Er war ein Spätkind, Sohn eines Vaters, der durchwühlt und durchquält war von grausamer Selbstmatterung, von Ettnnerungen an ün» sühnbare Jugendsünden. Dieser Vater hatte ihm einmal ein Wort gesagt, daß er nie wieder bergeffen konte Uno das wie ein dunkler Segen sein Leben beschatten-sollte׳! -;ArmeS Kind, du gehst wie in elnLr stillen Verzweiflung." Sein Vater war ein stiller Dulder seines Selbst gewesen. Sören Kierkegaard aber wurde ein Rufer, ein Verkünder seiner Qual und seiner Erkenntniffe. Eine rastlose Arbeitskraft machte ihn zu einem der fruchtbarsten Schriftstelle! und seine Innerlichkeit und tief erschütternde Wahrhasttgleit machte es möglich, daß er lange, lange Zeit vor sen die nordische Welt durch und durch untergraben halte. _ in Ausspruch: ״Ich möchte wünschen, man setzte auf mein Grab ״Jener Einzelne" charaktettsiett seine ganze ~ ischauungsweise. Immer und imMer wieder betont et . s Recht des Einzelnen, dem gegenüber die Masse stets Unrecht hat, und den Persönlichkettsgedanken, die Lehre vom Adelsmenschen hat er schon längst vor Rosmetsholm vertreten. Sein ttefes Eindringen in die Schäden der Gesellschast mußten ihn auf ein Gebiet bttngen, zu dem auch sonst sein Wesen allerdings auf sonderbarste Art hinnrigte, nämlich auf das Gebiet der Erottk. Da ist es nun bewundernswett, wie er diesen Gegenstand, der allmählich der Lieblingsgegenstand seines Denkens geworden ist, behandelt. Er phiwsophiert, aber seine Phiwsophie baut keine festen Systeme. Sie ist ein Mosaik der geistessprühendsten Aussprüche, die das Berhältnis von Mann und Frau beleuchien. Leicht baut er vom Erotischen zur Musik und im besonderen zu Mozatt hinüber und nennt Don Juan das eigentliche Medium der Erotik. Charaktettstisch für seine Vergrabenheit und Schwermut ist die Abhandlung über die Langeweile. Wir fühlen uns durch ünd durch ge; troffen von dieser Unerbittlichkeit, die alle unsere Beschäftig gungen zur Langeweile stempelt. Ein besonderes und hochintereffantes Expettment macht Kierkegaard im Tagebuch ״Tagebuch des Verführers". Er schildert den Verführer, der seine Kunst selbst als Kunstwerk genießt, die höchste und sublimste Erotik, die man fich denken kann. Der Verführe! genießt bloß geistig, er experimentiert mit der Geliebten und bttngt sie sogar soweit, daß sie die Verlobung aushebt, ohne zu wlffen, daß sie nur seinen Willen tut. Am Ende liegt sie doch vernichtet am Boden, da er ihr seine Kraft nicht mehr sendete und sie ganz verlaffen hat. Man har dieses Werk Kiettegaards als eine Art Büßpredigt ausgesaßt und in der Vorrede zum ״Verführer" findet Kierlegaard ja genug Verdammungsworte für diesen gottwsen Expettmenrator. Aber meiner Ansicht nach, ist diese ganze Vorrede ironisch zu nehmen, ganz sicher aber ist es, daß die eine Seele Kiettegaards der anderen ironisch zugeschaut hätte, hätte sie es ernsthaft niedergeschtteben. Denn so wie Kierkegaard, ein Neuer, ein starker Rufer stets gewesen ist, hat er auch die Erotik und Mann und Frau umzuwandeln gewünscht, ins Geisttge, Uebersinnlich e ins Mystettum. mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. Zionistisches Handbuch. Hugo Schachtel, herausgegeben im Austrage des zionistischen Aktionswmitees, 96 Seiten 64°, Preis Mk. 0-2», in Komission beim Jüdischen Verlag. — Die Tatsachen über die zionistische Bewezu sammeln und übersichtlich darzustellen, ist die Ausgabe dieses Heftchens. Es ist erstaunlich, was für eine Fülle von Matettal hier auf so knappem Raum geboten wird. Nach» einander werden folgende Gebiete behandelt: Die zionistische Organisation, die Jnstituttonen der Patteien (die Kolonialbank in London, the Palestine Land Devewpment Company, der Jüdische Nationalsonds usw.), ein Berzeich» nis der zionistischen Preffe. Bon ganz besonderem Jntereffe ist die Abteilung: das jüdische Palästina, wo neben einigen allgemeinen Daten über Klima, geographische und staatliche Verhältniffe vor allem die jüdischen Leistungen in 1912 Wochenkalender 5672. אייר Mai Festtage הפטרה M D שזק־ל F r l פרק רביעי אמור והנהנים הלוים S ל־נ בעומר Schülerfeier M D M D F S פרק חמישי. מברבין החדש ה׳ עוזי ימעוזי בהר בחקותי Es ist höchste Zeit das Abonnement zu erneuern. ») Zu beziehen durch den jüdischen Buch» und Kunst- Verlag in Brünn. > (