Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1912-05-02 · Heft 5 (2.5.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 5 (2.5.1912)
Date
1912-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2621806-2621807-2621812--1458-2622500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Gebetbücher zu beziehen durch den ״Jüdischen Buch-' und Kunstverlag", Brüuu. Seite 4 Nr. 5 Attische S-lttstiowte. Artikel des Lektors M. Friedmann enthalten. Friedmann schreibt: In den Zeitungen wurde folgender Vorfall berichtet: In einer größeren Stadt war eine Jüdin an einem Nichtjuden verheiratet; als dieselbe starb, wurde sie auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Ihr Gatte wollte nun für sich eine Grabstätte auf dem jüdischen Friedhofe erstehen, um an der Seite seiner Lebens׳ gefährtin begraben zu werden. Die Vorsteher jedoch verweigerten ihm seine Bitte mit der Begründung, daß ein Nichtjude auf einem jüdischen Friedhofe nicht beerdigt werden dürfe. Friedmann gelangt in seiner ausführlichen Abhandlung zu dem Resultat, daß nach talmudischem Recht und «ach Anschauung der bedentendsten Rabbinen nicht uur kein Verbot bestehe, einen Nichtjuden auf einem jüdischen Friedhof zu bestatten, sondern dies sogar ein edles Werk sei. Zu diesen Ausführungen Friedmauns bemerkt sein älterer Kollege Weiß, daß in der Theorie Friedmaun wohl vollkommen recht habe, in der Praxis jedoch möchte er es nicht empfehlen, da eS ja einmal nicht üblich sei. Gegen diese Ausführungen der genannten Gelehrten wendet sich in einer eigenen Schrift LouiS HanSdorff, erschienen bei M. W- Kaufmann, Leipzig 1884. Da HanSdorff zur strengen Ortodoxie gehört, so ist der Ton ein sehr scharfer. Bezüglich der Argumente jedoch soll sich jeder Fachmann dieselben selber anschauen; ich, für weine Person möchte mir nur zu bemerken erlauben: M. Friedmann, der Bal Meir Ajin, war anerkanntermaßen ein Meir Ajin in der Hagadah und dürfte wohl auch in diesem halachischen Fall nicht weniger für manchen eia Me!r Ajin sein. Prof. Dr. I. Rabbinowicz. Lagbeomarfcicr. Sonntag, den 5. d. M.. */«II Uhr, findet im VereinSbethause ״Machsike hada." eine Lagbeomarfeier statt. Die Festpredigt wird Se. Ehrw. Herr Rabbiner Hoffmann, Kostl, halten. Gäste willkommen. Bücherspeude. Herr D. Weiß hat dem Bethhamidrasch eine größere Anzahl Bücher gespendet. Dem Spender besten Dank. * Iüd.-akad Lese- «ud Redehalle i» Brünn. Am 4d. M. findet die Promotion unseres A. H. Ing. Markus Winterstein zum Dr. techn. Wissenschaft, im Festsaale der technischen Hochschule statt. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSlCHEh UNGS GESELL־. SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 380 Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. — Billigsten Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Generalagentur: Karl Bloudek, Brünn, Krapfengasse 18/20 ' Eine neue Ausgabe der Mischnah. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums faßte vor Jahren den Beschluß, unter dem Titel ״Corpus Tannaiticum" eine kritische Sammlung sämtlicher aus der Zeit der Mischnahlehrer stammenden literarischen Erzeugnisse herauszugeben. Sie bewilligte erhebliche Geldmittel für die erforderlichen Vorarbeiten, ins» besondere für eine möglichst sorgfältige Vergleichung aller erreichbaren Handschriften und ernannte eine Kommission von Fachgelehrten, an deren Spitze Herr Rabbiner Professor Dr. Guttmann, Breslau, trat, um die Grundzüge für die wissenschaftliche Edition festzusteüen. Man kam überein, folgende Werke in die Sammlung aufzunehmen: 1. die Mischnah. 2. die Tosefta, 3. die halachischen Midraschim (Mcchilta, Sifra, Sifte), die in beiden Talmüden cnchaltene halachische und agadische Baraita. Für die Edition der einzelnen Teile wurden geeignete Kräfte gewonnen. Mit der Herausgabe der Mischuah ist Herr Dr. E. Baneth. Dozent an der Lehranstalt für die Wssenschaft des Judentums in Berlin, betraut, den sachkundige Mitarbeiter zur Seite gestellt wurden, damit die Vergleichung der zahlreichen Handschriften um so rascher vonstalten gingen. Die Vergleichung der in der rabdinijchen Literatur des 'Mittelalters zerstreuten Zitate aus der Mischnah hat Herr Dr. Horowitz, Dozent am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, freundlichst übernommen. Die Vorarbeiten sind jetzt schon soweit gediehen, daß im Mai des nächsten Jahres der erste Baud der Mischnah (Seder Berain) zu erwarten ist. Der 5. jüdische Turntag. Vom 26. bis 28. Atai 1912 halten die in der Jüdischen Turnerschast organisierten Turn» vereine den 5. Jüdischen Turntag in Berlin ab Die Jüdische Turnerschast zählt bereits 5000 Mitglieder und umfaßt Vereine in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, der Schweiz, in den Balkantändern und in der Türkei, speziell in Palästina. Ihr Programm bezweckt die Pflege der Leibübungen als Mittel zur Hebung des jüdischen Stammes im Sinne der nationaljüdischen Idee. Unter Nationaljudentum versteht sie das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte sowie den Willen, die jüdische Stammesgemeinschaft auf dieser Grundlage zrk erhalten. Die Turnerschast steht allen politischen und religiösen Fragen neutral gegenüber. Das ständige Wachsen der jüdischen Turnerschaft hat eine Dezentralisation ihrer Verwaltung notwendig gemacht. Eine vollständige Reorganisation des Verbandes in diesem Sinne wird die Hauptaufgabe des 5. jüdischen Turntages sein, dem die jüdische Oeffentlrchkeit mit Interesse entgegensehen darf. Wir geben hier das Programm des TurntageS wieder und werden später auf sein Ergebnis zurückkommen. Programm des 5. jüdischen Turntages: Sonnabend, den 25. Mai 8y2 Uhr: Zwanglose Zusammenkunft der Turntagsdelegierten. 972 06» Mannschaftssitzung. Sonntag, den 26. Mai 8 bis 11 Uhr: Vortpruerstunde und Gerätewetturnen, Vorturnerinnenstunde. 12 bis 2 Uhr: Eröffnung des Turntages, Wahl des Büros, Wahlprüfungen, Berichte des Ausschusses, der Obmannschast, der TurnzeitungSredaktivn sowie des Kuratoriums der Georg Arndt-Stiftung. 4 bis 8 Uhr: General- und Spezialdebatte, Antrag des Ausschusses auf Reorganisation des Verbandes, Referat über ״Die jüdische Turnerschaft und die jüdische Jugendbewegung". 9 Uhr: Festkommers. Montag, den 27. Mai 9 bis 1 Uhr: Fortsetzung der Berhandlungen, Referate über ״Unsere Aufgaben im Orient" und ״Turnen und Sport", Beratung und Beschlußfaffung ü er etwaige weitere Anträge, Neuwahlen. Von 4 Uhr ab: Sport-Meeting auf dem Spiel- und Sportplatz des Bar Kochba in Schulzendorf bei Berlin. _ Die Juden in Fez. Im inneren von Marokko hat es in den letzten Tagen schwere Unruhen gegeben, die noch immer nicht ganz unterdrückt werden konnten. Die fanatisierten Eingeborenen sind über die ftanzösischeu Instruktoren hergefallen und haben zahlreiche von ihnen ermordet. Dann aber ging eS gegen das ständige Ziel derartiger Ausbrüche: gegen das Judenviertel. Die Juden repräsentieren in Fez die handeltreibende Bevölkerung, auf der gleichwohl die Hand des Sultans schwer lastet. Sie müffen hohe Abgaben entrichten und sind bei den nicht allzu seltenen Revolten der Marrokkaner immer die Prügelknaben. Ihre Häuser wurden verwüstet, niedergebrannt und geplündert, mehr als hundert Juden wurden hingeschlachtet. Grenzenlos ist das Elend, das über das Judenviertel in Fez hereingebrochen ist. Man muß sich ftagen, wie eS kommt, daß die schwer Geprüften doch noch immer an jener Stätte ausharren, an der ihrer nur Tod und Verderben, Plünderung und Brand stiftung harrt. Man könnte es sich kaum erklären, daß der eingewurzelte Trieb des leidgewohnten Volkes, an dem Orte auszuharren, an dem ihre Wiege stand, nicht durch so furchtbares Schicksal besiegt würde und die Juden nicht auswanderten. Alles wird jedoch klar, wenn man erfährt, daß ein Gesetz den Juden bei TodeSsttafe verbietet, aus Marokko auszuwandern! So schlau waren die Machthaber doch, den Stamm, der ihnen reiche Einnahmen brachte und die Fäden des Handelsverkehres in!einen Händen vereinte, an die Scholle zu ketten. Bis zum letzten Blutsttopfen werden die Juden ausgenützt, ihre Abgaben sind unentbehrlich. Aber wenn die Menge ihrer Mordlust die Zügel schießen läßt, so wird sie immer den Weg ins Judenviertel finden, dessen Bewohner ihnen wehrlo; in die Hände fallen. Fürwahr ein jammervolles Geschick, wie in einem Käfig der wilden Bestie ausgeliefert zu sein. .Die Franzosen sind in Fez eingerückt und die Tage der absolutistischen Blutherrschaft sind gezählt. Den armen geknechteten Juden in Fez, die der Raubgier des marrokanischen Pöbels ein willkommenes Opfer waren, werden nicht mehr lange durch die Willkür eines verwilderten Herrschers an jene Stätte gebunden sein, die ihnen Tod und Verderben drohte. Der Aufstand in Marokko. Fez. Etwa 7000 Juden, die dem Blutbad in Mellah entkommen sind, haben halbnackt in Gärten des Sultans Zuflucht gesucht, wo sie sich ohne Obdach befinden. Einige haben in den leeren Käfigen der Menagerie des Sultans Unterschlupf gefunden. Man ist jetzt damit beschäfügt, ihnen Zelte zu errichten. Während des Aufstandes sind 51 Juden getötet und 36 verwundet worden. Fez. Die ftanzösischen Truppen halten alle Tore besetzt. Etwa 80 scherifische Deserteure sind angehalten worden. Die Entwaffnung der scherifischen Tabors wird fortgesetzt. Ein ftanzösischer Transportzug ist bei El Hajeb angegriffen worden, wobei zwei Schützen, getötet wurden. Paris. Der Konsul Gaillard in Fez ist zum Offizier und der Chef der scherifischen Telegraphisten Biarnay, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. _ Die Tätigkeit der Czernowitzer Kultusgemeinde. Soeben erschien der Jahresbericht der Czernowitzer israelitischen Kultusgemeinde. Der Bericht gibt einen ziffermäßigen Nachweis über alles, was eingeht und was aufgebraucht wird. Aber er hat auch einen gewissen kulturhistorischen Wert. Der Verfasser, dem ja nur Tatsachen Vorlagen und der nur solche zu berücksichtigen hatte, bemerkt häufig bei besonders wichtigen Vorkommnissen: dies ist ein Werk des Präsidenten Dr. Sttaucher. Und in der Tat muß jeder Widerspruch und jede Nörgelei verstummen, wenn man sich die Summe der Leistungen vor Augen hält, die über Initiative und tatkräftige Mitarbeit des Abg. Dr. Sttaucher -Hielt werden tonnte. Als Abg. Dr. Straucher im Jahre 1904 die Leitung der Kultusgemeinde übernahm, fand er recht ungeordnete Verhältnisse vor. Es fehlte der Gemeinde eine moderne, rationelle Verwaltung. Die Aufgabe des neuen Präsidenten war es also, in erster Linie die Verwaltung zu reformieren uud zu organisieren. Dieses Ziel wurde auch bald erreicht. Sodann galt es, die Wohlfahrtsinstitute und die sonstigen Einrichtungen zu vermehren und auszugestalten. Mit der seltenen Energie, die das ganze Wesen des Abg. Dr. Straucher kennzeichnet, ging er an diese Aufgabe und alle, die lhm zur Seite standen, wirkten rastlos mit. Man braucht nur. einige Daten des Berichtes herauszugreifen, und man wird bald beurteilen, was in diesen wenigen Jahren geleistet wurde. Als Dr. Straucher die Leitung der Gemeinde übernahm, verfügte diese über 28 Stiftungen. Unter seiner Aegide erreichten die Stiftungen die Zahl von 63. In dieser Periode wurde die jüdische Volksschule umgedaut und modern ausgestattet und hygienisch eingerichtet. Der Friedhof wurde reguliert, ein Kataster angelegt. Bon den in der allerneuesten Zeit ins Leben gerufenen Instituten soll nur das Nationalhaus und das Jnvalidenheim erwähnt werden. Im Kapitel Verwaltung findet man, daß der ganze verzweigte Apparat mit sehr wenigen Beamten geleitet werden. Der Beamtenstand der Kultusgemeinde, den die Widersacher ein Beamten- Heer nennen, besteht aus 2 Konzeptsbeamten, 1 Administtationsadjunkten, 1 Kassier, 1 Buch- Halter und 2 Hilfskräften. Mit diesen Kräften wird die KuftuSgemeinde verwaltet. Und diese Kräfte sind hinreichend, weil Dr. Sttaucher sowie der Vizepräsident Dr. Leiter und der ganze Vorstand selbst arbeiten und Agenden versehen, dir sonst von besoldeten Beamten versehen werden müßten. Was die Höhe der Kultussteuer betrifft, so ist zu entnehmen, daß in den letzten Jahren die Kultussteuerbettäge 62 000 Kronen jährlich ergaben. Bedenkt man, daß diese Kultussteuer sich auf die Gemeinde Czernowitz mit 28.600 Juden und etwa 20 kleine Gemeinden mit etwa 2000 Herrenvoüsckie nach Mass und Herrenmodewaren kaufen Sie am besten im Spezialgeschäfte der Firma ״Derby״ V. DRESLER, Brünn Krapfengasse 24-26. Nur apparte Neuheiten. Feste Preise.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.