Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 4 (25.4.1912)
- Date
- 1912-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebetbücher zu beziehen durch den ״Jüdischen Buch- und Kunstverlag", 2. Seite Jüdische Volksstimme 8- Ersten Wiener Konsumvereines, an der Redner als Mitglied teilgenommen hat. Derselbe ergriff daselbst das Wort und interpellierte schließlich die Berwaltung, warum denn keine jüdischen Angestellten ausgenommen werden; denn eS ist eine feststehende Tatsache, daß, sobald sich Juden um eine Stelle beim Konsumvereine bewerben, sie regelmäßig abgewiesen werden. Trotzdem nun ein großer Teil der Generalversammlung durch beifällige Aufnähme dieser Anfrage zustimmten, fand es der Herr Direktor Maresch nicht der Mühe wert, bei Besprechung der anderen Punkte, die vom Redner bemängelt wurden, auch auf diese Frage zu ant Worten. Ebenso wurde die Präsidentin des Verbandes der Hausfrauen, FrauBeer-Angerer, nervös, als Redner in der letzten Versammlung der Hausfrauen diese Angelegenheit zur Sprache brachte und bat, nur nicht mit den Juden wieder anzufangen. Die Sache verhält sich nun folgendermaßen: Der Erste Wiener Konsumverein zählt etwa 50.000 Mitglieder, wovon zumindest 50 Prozent Juden sind. Dagegen sind unter 800 Angestellten nur' drei jüdische zu finden, zwar ein Herr und zwei Damen. Diese Ziffe 1׳ sprechen viel zu deutlich, als daß man darüber noch ein Wort verlieren müßte. Es gilt hier nicHt allein gegen die Vorgangsweise des Konsumvereines, sondern auch gegen alle jene Firmen die prinzipiell keine Juden anstellen, zu protestieren. Das einzige Gebiet, wo sich die Juden bisher frei betätigen konnten, waren Handel und Gewerbe neben den freien Berufen. Um Angestellte des Staates zu werden, müssen die Juden gewöhnlich die Tauft nehmen, so daß die Staatsverwaltung hier allen Privatunternehmen vorangeht. Zum Beispiel ist unter den 2600 Beamten der Postsparkassa, die auch mit viel jüdischem Gelbe arbeitet, kein einziger Jude zu finden Gegen den Staat sind wohl die Juden ohnmächtig, aber gegen Handelsfirmen, dje Juden zur Kundschaft haben, muß es wohl Mittel und Wege geben, um sie eines Besseren zu belehren. Am Schluffe der Ausführung betonte nun Herr Blume, daß es Pflicht aller jüdischen Kreise wäre, hier eine gemeinsame Abwehr zu inaugurieren. Nachdem Herr Klingenberger die Notwendigkeit des selbständigen jüdischen Verbandes betonte, weil der Zentralverband der kaufmännischen Angestellten es ablehnt, in dieser für die jüdischen Angestellten wichtigen Frage etwas zu tun, gelangte eine Resolutton zur einstimmigen Annahme, welche im Sinne des Referates gehalten ist. — Es ist hier eine Lebensftage nicht nur der jüdischen Handelsangestellten, sondern aller Berufe, in denen sich Juden betätigen, berührt worden. Der jüdische Kaufmann und Gewerbetreibende, der jüdische Arzt und Advokat haben unter dem wirtschaftlichen Boykott zu leiden, der nicht nur von der staatlichen Verwaltung geduldet, sondern auch selbst prakttziert wird. Ja, die schändlichenAuswüchse, daß Juden, Juden boykottieren, ist geradezu unerhört. Es wäre Aufgabe aller in Bettacht kommenden Faktoren eine Enquette einzuberufen, mit Heranziehung aller jüdischen Parteien ohne Unterschied der Gesinnung um diese das Judentum bedrohende Lebensfrage einer gründlichen Beratung zu unterziehen und eine entsprechende Gegenwehr zu organisieren. S. I. Im neuen jüdischen Museum. Prag, im April 1912. Nach mühseligen Irrfahrten mancherlei Art, nach Ueberwindung von Schwierigkeiten und Hemmnissen hat nun das jüdische Museum in Prag endlich eine dauernde Stätte der Unterkunft gefunden. Der Gedanke zu seiner Gründung war eigentlich so naheliegend und doch hat es vieler Jahrzehnte bedurft, bis er gar zur Verwirklichung reifte. Prag »st mit der Geschichte des Judentums im westlichen Europa auf das allerengste verknüpft. Weit über die Grenzen Böhmens hinaus ragen seine Zusammenhänge und Berühruvgspunkte mit dem wechselnden Schicksal der abendländischen Judenheit. Hier hat eine Zenttale bestanden, ein Konzenttationspunkt. dessen geistige Werte alle übrigen Ghettt beeinflußte, zusammengedrängt auf einen engen Raum, hat sich hier jüdische Art und jüdische Sitte am längsten in fast unverfälschter Reinheit erhalten. Hier auch wurden jüdische Altertümer am liebevollsten gepflegt und behütet, hier wurde ihnen jene Verehrung gezollt, die durch das mitempfundene Verständnis gezeugt wird und darum ist wohl kaum eine andere Stadt zur Beherbung eines jüdischen Museums so geeignet, wie gerade Prag. Die alte Judenstadt ist dem unerbittlichen Assanierungsplan zum Opfer'gefallen. Vom sanitären und volkshygienischen Standpunkte ist diese Maßregel nur zu begrüßen. Der pietätvolle Jude hätte aber wünschen müssen, daß diese ganze Stadt mit ihren pittoresken Häusern, ihren krummen, unregelmäßigen Gäßchen, mft dem feinen Hauch der Jahrhunderte, der über den halbzerfallenen Gebäuden lag, für ein Museum rekonstruiert und der Nachwelt erhalten werde. Der Wunsch mußte ptatonisch bleiben und deshalb ist es umsomehr zu begrüßen, daß es den Bemühungen einiger Männer gelungen ist, wenigstens Etwas aus dem Wirbel vergangener Zeiten zu retten und systematisch in einem kleinen Museum anzuordnen. Bis jetzt hat die Frage der Unterbringung die größte Sorge bereitet. Da ist die Beerdigungsbruderschaft hilfebereit beigesprungen, und hat den Zeugen jüdischer Vergangenheit gastliche Aufnähme gewährt. Schräg gegenüber dem jüdischen Rathaus, in der nächsten Nähe der Alt-Neuschul und des ehrwürdigen Judenfriedhofes erhebt sich der prächtige Neubau der Beerdigungsbruderschaft, in dessen Parterre dem jüdischen Museum einige Räume überlassen wurden. Am Portal schon merkt man, daß man ein jüdisches Haus betritt, denn vertraut und freundlich grüßt eine Mesusah von der Pfoste. Im Vor raum des Museums hängen in passendem, aber anspruchslosem Äahmen einige ausgezeichnete Stiche, den alten'Friedhof, die Alt-Neuschul und den ehemaligen Tandelmarft am Galliplatz darstellend. Das geschäftige Treiben der emsigen Händler ist wahrheitsgetteu festgehalten. Auf dem geräumigen Platze vor der Gallikirche tummeln sich die Gestalten in ihrer düsteren Tracht und über sie hinweg ragt die Silhouette der Kirche malerisch empor. An den Wänden des Vorraumes stehen mehrere Gedenksteine mit jüdischen Inschriften. Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, der älteste trägt die Jahreszahl 1342, alle sind ausgezeichnet erhalten; massive, schwere Granitblöcke, die tief unter der Erde lagen und durch die lange Zeit nur wenig Schaden genommen haben. Sie erzählen von der Enichtung des ersten Brunnens auf dem Hampaß, von der längst verschwundenen Franklsynagoge usw. — Rechts vom Eingänge in den großen Museumssaal, sind die alten Stücke aus der Zigeunerschul untergebracht. Das große Messinggitter, feine Prager Schmiedearbeit, umgibt die prächtige Bundeslade, die mit reichem Schmück versehen ist und von der Decke herab hängen die zierlichen Lampen für das ״ewige Licht", auch die traditionellen Armleuchter haben hier ihren Platz gefunden. Im Hintergründe steht in behäbiger Breitspurigkeit ein alter Beschneidungsstuhl, zweisitzig, mit einem gesonderten Platz für den Paten und einem Sitz für den Propheten Eliah. Er ist aus schwarzem Holz geschnitzt, bequem gepolstert und hat meist reichlichen, ornamentalen Schmuck, die Insignien der ״Mile", Becher, Kerzen, Flasche mit dem blutstillenden Mittel und das Beschneidungsmesser eingebrannt. An der dem Eingange gegenüberliegenden Wand sind auf einer mächtigen Tafel, die von einem alten, holzgeschnitzten Rahmen umsäumt ist, die Namen der Gründer des jüdischen Museums festgehalten. Mitten im Saale hängen in großen Glasvittinen alte Thoraüberhänge aus dem 18. Jahrhundert. Kostbare Gold- und Seidenstickereien, meist Geschenke frommer Juden an die Zigeunersynagoge, Neusynagoge und Großsynagoge. Eine wundervolle Arbeit ist das Zeichen der jüdischen Fleischerzunft. Ein eisernes Hackmesser, kunstvoll verziert, mit einer Inschrift, welche die Jahreszahl 1720 enchält. Es wurde mitsamt der wertvollen Fahne, die darüber angebracht ist, den jüdischen Fleischern Prags in Anerkennung für ihr heldenmütiges Verhalten im böhmischen Aufstande 1620 verliehen. -Im Saale verteilt sind an den Wänden die meist lebensgroßen Porttäts der ehemaligen Prager Großrabbiner und Gemeindevorsteher angehängt. In anderen Vitrinen sind alte Sederschüsseln aufbewahrt, von der einfachsten bis zur prunkvollsten Ausstattung, aus dem verschiedensten Material hergestellt, Geißeln, die am Jom Kippur verwendet wurden, mächtige, schwere Kronen für die Thora aus massivem, getriebenem Silber, sonstiger Thoraschmuck, alles aus S-lber und Gold, Gewürzbecher, die am Sabbathausgang in Verwendung kommen, lauter feine ziselierte Handarbeit, die sich an keine besondere Regel hielt, sondern nach dem persönlichen Geschmacke und in den bizarrsten Formen schuf. Dann Erinnerungsmedailen, mehrere gelungene Schekelfalsifikate, schwere jüdische Berlobungsringe, ttaoitionelle Waschbecken, kurz eine Fülle interessanter Kleinigkeiten, die im täglichen Leben und in der Synagoge gebraucht wurden. Und alles ist harmonisch angeordnet, liegt förmlich gebrauchsbereit da. Sehr reichhaltig ist die Urkundensammlung und es sei hervorgehoben, daß hier eine ganze Reihe für die Geschichte der Prager Juden von ungemein wertvoller Patente im Original erhalten ist. Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und sind vielfach mit dem Namenszug und sigillum der Reichsfürsten versehen. Einen wertvollen Bestandteil der Sammlungen bilden die uralten Thora- und Estherrollen. Sie sind fast alle auf Pergament geschrieben, mit reichverzierten Anfangsbuchstaben der einzelnen Absätze. Einzelne besitzen neben ihrem historischen auch einen hohen künstlerischen Wert. Die Schriftzeilen bewegen sich zwischen zwei kühn geschwungenen Säulen, auf denen rankenartig die Jllustration zu dem Text eingestochen ist. Das jüdische Museum steht in seinen ersten Anfängen. Der Sammeleifer der Mitglieder wird so manche Lücke wirkungsvoll auszusüllen wissen und man darf wohl hoffen, daß die jüdische Bevölkerung, wenn sie erst mal die Sammlungen besichtigt hat, den hohen erzieherischen Wert der jungen Institution durch werktätige Unterstützung ihre Anerkennung zum Ausdrucke bringen wird. W. Chacham Dr. M. Gaster. Zu seinem 25jährigen Amtsjnbiläum. Der großen jüdischen Oeffentlichk-'it ist Doktor Gaster als Zionist bekannt. Im Zionismus spielt er eine große Rolle, in den ersten Jahren des politischen Zionismus zitterte man gar häufig die Ansicht des englischen Chieftabbi Gaster, ja nach Herzls Tode galt er vielen als sein prädestinierter Nachfolger. Wer aber Dr. Gaster persönlich kennt, erkennt ihn als eine der markantesten Persönlichkeilen des Judentums. Schon sein Lebensgang ist eigenartig, in Rumänien, seiner Heimat, anfangs in den höchsten Kreisen beliebt, dann einfach aus seinem Vaterlande verttieben, ist Gaster, der geborene jüdische Aristokrat der schärfste Gegner der englisch-jüdischen Aristokratte, Demokrat vom reinsten Wasser mit selten ausgeprägter Ueberzeugungstteue bleibt er auch trotz vielfachem Verkehre mit den Reichen dem Volke tteu. Dr. Gaster hat mit 21 Jahren in Leipzig das Doktorat erlangt, bald darauf die Rabbinatsbefähigung und beschäfttgte sich eingehend mit römischer Philologie; seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Theaterkritiker zu Bukarest, seinem Diskonto-Gesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschäfte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Mährisch-schlesische Bank Brünrt TaUpfaon Nr. 3i0, Dlrmktt—. Ferdkiandsgasse Nf. 29 Talaphon Nr. 1018, Wadwtstob». verzinst EINLAGEN gegen /11 Oj gebundene Einlagen laöt Übereinkommen. Bank- Bäche! * und in laufender Rechnung »tt *T |2 )0 geschäftealler Art, Bdrsen-u.Wechslesgesddfte.