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Jüdische Volksstimme · 1912-04-18 · Heft 3 (18.4.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 3 (18.4.1912)
Date
1912-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Zn-Nche BolkSfiimmr diese protestantischen Pflegeschwestern ins Haus nehmen und dieselben gut bezahlen, so ist dies noch immer keine Veranlassung zur Bewilligung einer Subvention. Hervorgehoben verdient zu werden, daß Herr Dr. Spitzer einen unserem nicht allzuweit abweichenden Standpunkt vertrat. Dem Kaiser Jubiläums-Seehospiz wurde eine Subvention von K 10 — bewilligt. Ein Gesuch des Jüdischen Rekonvaleszentenheimes in Wien wurde abgelehnt. Hierauf verliest der Sekretär Dr. Oppenheim das Protokoll der am 3. März stattgefundenen letzten Vorstandssitzung. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1011 der Gemeinde der Chevra Kadischa, fowie des Hirschfondes wurde ohne jede Debatte genehmigt. Interessant ist es daß der Religionsunterricht im verflossenen Jahre die Gemeinde K 6434•— kostete. Hingegen wurde für Sänger, Kantore, Orgel usw. über K 20 000 — verausgabt. Sehr billig kommt unsere Gemeinde das Koscher Fleisch zu stehen. Im ganzen sind 360 K hiefür verausgabt worden. Aus dem Hirschfonde wurden der Chevra Kadischa K 18000 — zugewiesen. Wir erhalten von geschätzter Seite nachstehende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Die skandalösen Vorgänge, die sich alljährlich während des Seelengedächtnisses an den hohen Festtagen in unserem großen Tempel abspielen, schreien nach raschester und gründlicher Abhilfe durch den Kultusvorstand. Kaum hat der Rabbiner die übrigens leider kurze Liste der Wohltäter unserer Gemeinde zu verlesen angefangen, beginnt seitens einer Gruppe von Besuchern, deren Namen einer schwarzen Liste einverleibt werden sollten, ein fluchtähnliches Verlassen des Gotteshauses unter geräuschvollem Zuschlagen der Sitze und Verschließen der Bankladen, das nicht anders, als eine schamlose Demonstration aus allerdings unbegreiflichen Gründen aufgefaßt werden kann. Vergessen denn diese Störenfriede, zu welchem Zwecke sie den Tempel auffuchten? Daß es sich um das Gebet für das Seelenheil auch ihrer Hingeschiedenen handelt, das ein Dankopfer kindlicher Dankbarkeit und Verehrung, ein Sühnopfer aller Verfehlungen und Vergehungen aus jugendlichen Leichtsinn und Unverstand, ein Freudenopfer allen jenen sein soll, denen noch das Glück eines lückenlosen Familienlebens beschieden? Was bei privaten und öffentlichen Veranstaltungen aller Art eine bloße Taktlosigkeit ist, die übrigens heute nicht mehr geduldet wird, indem alle besseren Konzert- und Theatersäle bis zum Schluffe feierlicher Darbietungen einfach geschlossen bleiben, wird im Gottes- Hause zur ״Religionsstörung", an der sich alle diejenigen mitschuldig machen, die ein derartiges Verhalten an geweihter Stelle nicht zu einem Dinge der Unmöglichkeit machen. Einer für Biele. NIEDERLÄNDISCHE LEBENS VERS1CHERUNGS- GESELL- SCHAFT, WIEN, I. ASPERNPLATZ 1 im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 380 Milionen. Reserven cirka 113 Millionen Kronen. Billigsten Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Generalagentur:KarlBloudek, Brünn, Krapfengasse 18,20 Verein ״Ahavath Zion", Eger. Sonntag, den 31. März 1912, veranstaltete unser Verein in den Kronprinzsälen einen ״Jungjüdischen Abend", der einen außerordentlich glänzenden Verlauf nahm. Eingeleitet wurde der Abend durch einen Prolog (״Euch״ von B. v. Münch- Hausen), der von jur. Walter Spitz (Barissia) in sehr wirkungsvoller Weise zum Vortrag gebracht wurde. Hierauf folgte ein Lichtbildervortrag des Herrn Prof. Dr. Engel—Prag ״Jüdische Künstler". Herr Dr. Engel scheute keine Mühe und Arbeit, er kam eigens nach Eger, um uns. begleitet von wunderschönen Worten, an der Hand von Herrlichen Lichtbildern die Arbeit ״Jüdischer Künstler" zu zeigen. Raum und Worte sind hier zu gering, um diesen Vortrag entsprechend zu würdigen. Der tosende Beifall bewies, daß jedem der Anwesenden dieser Vortrag ein Erlebnis war. Hieran schloffen sich ״Jüdische National- und Tempelmelodien", welche von teckn. Rich. Herrmann (Violine) und jur. Paul Löwy, Barissia (Klavier) mit Kunst und Verständnis zum Vortrag gebracht wurden. Auch dieser Bortrag wurde, ebenso wie die schönen Rezitationen des Herrn jur. Walter Spitz, mit großem Beifalle ausgenommen. Einen großen Teil des Abends füllte ״das jüdische Volkslied" aus, welcher durch eine entsprechende Konferenz des Herrn jur. Ernst Kohn (Barissia) eingeleitet wurde. Mit viel Geschick zeigte uns Herr jur. Kohn die Entstehungsgeschichte, Bedeutung, Leid und Freud des ״jüdischen Volksliedes" und erntete ebenfalls viel Beifall. Dann hatten wir den seltenen Genuß, einige sehr stimmungsvolle ״Jüdische Volkslieder" (״Der Parom", ״Dos Tallesl", ״Gruß aus Sibirien". ״Dos Peckele") zu hören, welche Herr jur. Paul Löwy sang und am Klavier selbst be gleitete. Er brachte diese Lieder in unvergleichlich schöner Weise zum Vortrage und äußerte sich die Begeisterung der Zuhörer, welche den Liedern sowohl wie dem Vortragenden galt, in rauschendem Applaus. Wir haben einen solch herrlichen Abend mit rein jüdischem Charakter feit Bestehen unseres Vereines noch nicht erlebt und war auch der moralische Erfolg ein dementsprechender. An dieser Stelle sei nochmals allen Mttwirkenden, besonders Herrn Prof. Dr. Engel—Prag der herzlichste Dank ausgesprochen. Ein Tanz sowie eine fidele Kneipe beschlossen den schönen Abend. Pogramprapaganda im Süden Rußlands. Nicht nur aus Kiew, auch aus anderen Städten des Südens Rußlands, insbesondere aus Jekaterinoslaw kommen Meldungen über die überhandnehmende gefährliche Pogromagiration. Mit dem Bild. Jufchtschinskis wird eine Art Götzendienst getrieben, da es auf den Märkten und in den Spelunken in massenhaften Reproduktionen vertrieben wird und den Mob in die stärkste Aufregung versetzt. In Kiew selbst kehrt die Ruhe nicht ein. Während der Osterfeurtage war die Panik so groß, daß der Gouverneur von Kiew sich veranlaßt sah, die lokalen Rabbinen zu sich zu berufen und ihnen zu erklären, daß er alle Maßnahmen zur Verhinderung eines Pogroms getroffen habe. Kaum ist das Osterfest ohne Zwischenfall verlaufen, als auch die Hetze schon von neuem eingesetzt hat. Eigens zu diesem Zweck ist Markow herbeigeeilt, der bekrnnte Skandalmacher der Duma, um in einem Vortrag über ״Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" die Pogrompropaganda mit frischen Kräften aufzunehmen. Die Geistlichkeit sekundiert den Hetzern. So hat, um ein Beispiel anzuführen, der brkannte Mönch Serapion seine an verschiedene Institute und Organisationen versandten gedruckten Osterglückwünsche mit den Worten geschlossen: ״Möge Gott auferstehen und mögen seine Feinde, die verfluchten Juden, die mit Revolutionen sich befassen, vernichtet werden. Nordau Ehrendoktor. Aus Anlaß der Jubiäumsfeierlichkeiten hat die hellenische Universität in Athen 90 Ausländer, unter ihnen auch Dr. Ma^ N o r d a u, zu Ehrendoktoren ernannt. Eine jüdische Rigoletto-Borftellung. Im neuen yiddischen ״The Temple-Theater" in London nehmen die regulären Vorstellungen unter stetigem Zudrang der Bewohner von Whitechapel ihren Fortgang. Auf die Eröffnungsvorstellung sind inzwischen andere Aufführungen gefolgt. Vorigen Mittwnch wurde mit einem Libretto in yiddischer Sprache Verdis ״Rigoletto" gegeben. Das Zusammenspiel war abgerundet und temperamentvoll, und die gesanglichen Leistungen waren derart vorzüglich, daß nunmehr alle Londoner Zeitungen der yiddischen Oper anerkennende Bejprechungen zollen. _ Die Kammerwahlen in der Türkei. (Wahlerfolge der Jungtürken.) ״Es kommt anders als man glaubt" — dies ist und bleibt das Leitmotiv für die Beurteilung der innerpolitischen Lage in der Türkei. Das hat sich schon nach dem Revaler Programm bewahrheitet, damals, als alle Welt auf den Zusammenbruch des ottomanischcn Staatsgefüges vorbereitet war und sich dann über Nacht vor der Revolution und dem Bruch mit dem Absolutismus sah. Knapp ein Jahr später, als die Reaktion scheinbar die Oberhand gewonnen, hieß es wieder, das Regime der Jungtürken sei mit Mann und Maus untergegangen. Statt dessen war binnen drei Wochen der allmächtige Abdul Hamid, was er heute noch ist — der Geiangene der Jungtürken. Die vierjährige Parlamentssession hat den Jungtürken inzwischen wenig Freunde und wenig Dank, aber viel Feindschaft gebracht. Bald nach den Befreiungstagen setzte auch schon ein Abbröckelungsprozeß ein. der bis in die jüngste Zeit fortdauerte und schließlich blieb eigentlich nur die Gruppe der ״Dissidenten" als die letzten Getreuen des einst ruhmumglänzten allmächtigen ״Komitees" zurück. Nicht prinzipielle Meinungs- Verschiedenheiten über das Parteiprogramm waren aber die wirklichen Ursachen der Zerwürfnisse, sondern persönlicher Ergeiz, oder das Streben nach persönlichen materiellen Vorteilen, oder mit Unwiffenheit verbundene Charakterschwäche. So zum Beispiel erklärte ein der Komiteepartci angehöriger Hodschah offen in der Presse, daß er deshalb aus der Partei auStrete, weil er in der Ueberzeugung lebe, daß die Opposition schon in kurzer Zeit die Komiteepartei an Mitgliederzahl überflügeln werde! Für das KÜmitee ״Union de Progres" war. wie sich jetzt herausstellt, dieser Reinigungsprozeß nur von Vorteil. Denn nun war es unschwer, die unsicheren Heerespflichtigen zu erkennen und die Spreu vom Weizen zu sondern. Als dann die Ueberläufe zu große Dimensionen annahmen, griff man zu dem Mittel, das Parlament zu schließen und Neuwahlen auszuschreiben. Aberwals war nach der Ansicht der Politiker und Kenner das Schicksal der jungtürkischen Partei besiegelt. Allgemein rechnete man mit einem überwältigenden Uebergewicht der Opposition bei den Neuwahlen. Albanien zum Beispiel galt von vornherein für die Jungtürken als verloren. Tie Klublokale der Partei ״Union el Progres" verwaisten, neue Klubs der Opposition wurden eröffnet, alle Feinde' des Jungtürkentums triumphierten. Auch diplomatische Kreise sprachen offen von dem Fiasko des Komitees. Die Jungtürken waren aber nicht müßig. Sie verstärkten das Kabinett durch den Wiedereintritt ihrer ausgesprochenen Parteigänger Dschawid und Talaat Bei; die Wahlagitation wurde mit Ernst und Nachdruck ausgenommen und bald zeigte es sich, daß die Disziplin und das feste Prograinm der Jungtürken über die Zerfahrenheit und Inhaltslosigkeit der Opposition einen vollständigen Sieg davonttugen. Dem jungtürkischen Komitee dürste eine Zweidrittelmajorität nach allem bis heute Be kanntgewordenen für das zukünftige Parlament bereits gesichert sein. Das jungtürkische Element hat durch seinen Erfolg zur allgemeinen lieberraschung seine entschiedene Ueberlegenheit als Parteiorganisation gezeigt. Bei den Wahlen der zweiten Klasse in Konstantinopel haben bisher ausschließlich die Jungtürken Gewinne zu verzeichnen. Die liberale Union beschloß infolge von Wahlmißbräuchen, wobei Parteigänger der liberalen Union angeblich auch geprügelt wurden, sich einigen Wahlbezirken Konstantinopels der Stimme zu enthalten. Auch die Juden werden das Resultat begrüßen. Prager Nackmekten. uleischlieseruug. Die Konkursausschreibung, wegen Lieferung des rituellen Fleisches für das Prager israel. Krankenhaus, ist dahin zu korrigieren, daß 6uüO Kilo und nicht 1500 Kilo gebraucht werden. Tchiur. Im israel. Rathaus. Z.mmer Nr. 3, wird dreimal pro Woche ein spezieller Tchiur für Erwachsene abgehalten, der keinesfalls mit den Schiurim einzelner Synagogen konkurriert. Diesbezügliche Aufklärungen erteilt Herr Schwarz in der Altneusynagoge. Hotel Bristol. Dieses renommierte rituelle Hotel leitet von nun an nur Herr Joses Diamant, nachdem der frühere Mitbesitzer Herr Fischl einem anderen Unternebmen als Kompagnon beigetreten ist. Herr Diamant wird das Hotel Bristol (Prag, I-, Lange Gasse) in denselben Intentionen, wie bisher, weilersühren und wir wünschen diesem liebenswürdigen Besitzer weiter recht viel Glück. Das Befreiungsfest ist aus ein weiteres Jahr dahin und so sind viele Präget Juden der einen Sorge enthoben, ob sie mit dem restlichen Quantum der ungesäuerten Brode auSkommen werden. Schier unglaublich, vor dreiviertel Jahren spekulierte man in Zucker und siehe da. in Prag, dieser alten berühmten Judengemeinde, hat sich im 20ten Jahrhundert der Fall ereignet, daß sogar in Mazzos ein Börsenhandel betrieben wurde. Ein Kulrusrat hak mit seiner Regiekunst in punkto der Mazzosbäckerei Eklatantes geleistet, denn es trat in der Prager Gemeinde der erstaunliche Fall ein, daß so ein großer Mangel in Mazzos Heuer herrschte, daß dieser Artikel von 1 20 Kronen sprunghaft auf 360־ Kronen gestiegen ist. Der betreffende Herr Kultusrat, der nebenbei auch ein scharfsinniger Advokat ist, hat eben kalkuliert, baß der Konsum für ungesäuertes Brod in dieser Stadt des Forkschrütes zurückgehe : er hat daher die Bäckerei um 3 Wochen später als sonst instand setzen lassen und auf einmal wurde eine solche Hausse inszeniert und nächstes Jahr wird iichs wieder ereignen» daß wir die Überbleibsel von Heuer der ver-

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