Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 3 (18.4.1912)
- Date
- 1912-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Jüdische Sette 3. Siegmund Hufferl, gestorben. Am 9. d. M. ist Herr Siegmund Husserl, der verdiente und allfettig geschätzte Archivbeamte der israelitischen Kultusgemeinde gestorben. Er wurde nur 53 Jahre alt. Husserl war auch literarisch tätig. Plenarsitzung der israelitischen Kultusgemeinde. Die öffentliche Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Kultusgemeinde findet Sonntag, den 21. April» 10 Uhr vormittags, I., Seitenstettengasse 4, 2 Stock, statt. Tagesordnung: Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter der Gemeindeverwaltung stehender Fonds und Anstalten für das Jahr 1911. Neuwahl im Kantorenverein. In den Vorstand des österreichisch-ungarischen Kantorenvereines wurden wiedergewählt: Präsident Oberkantor I. Bauer, Präsident-Stellvertreter S. Dünmann, Ausschuß: 2Jf. Schorr, Josef Basier, G. Friedländer, S. Jurberger, M- B. Kaufmann, Josef Morgenstern, Heinrich Rosenberger, I. Schleifer, Josef Schlesinger. Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlnng an jüdische Hochschüler. Die diesjährige Generalversammlung wird für Mittwoch, den 24. April, 7 Uhr abends, im Saal der israelitischen Kultusgemeinde einberufen. Die Chewra Kadischa Fünfhaus hielt im Sitzungssaale, XV., Turnergasse 22, ihre 47. ordentliche Generalversammlung ab- Der Vorsitzende, Herr Neufeld, begrüßte die Erschienenen, Herr Kassier Josef Löwy erstattete den Rechenschaftsbericht und Herr Revisor Isidor Spitz referierte über die Tätigkeit des verflossenen Vereinsjahres. Es wurden wiedergewählt die Herren Julius Löffler, Siegfried Reichenfeld, Heinrich Neufeld, Max Haas, Julius Fritz. Eine Millionenstiftnng. Ein Sonderling, wie ihn nur die Großstadt aufweist, ist der am 9. d. M. verstorbene Josef Spitzberger. Derselbe bewohnte als Aftermieter ein armseliges Kabinett in der Schönlaterngasse, ging stets dürftig gekleidet, gönnte sich fast nichts, und alles dies, weil er — סן sagt man — recht viel Geld zur Errichtung eines Kinderspitales zusammenbringen wollte. Er hinterließ 2*/» Millionen Kronen mit der Bestimmung, ein Ktnderspital zu errichten, das unter der Verwaltung der israelitischen Kultus» gemeinde stehen soll. Der Verstorbene wurde in ein Ehrengrab beigesetzt. Eine edle Tat. Vor mehreren Monaten ist in der ״Jüd. Volks stimme" ein Artikel unter dem Titel ״Kantorenbildungsanstalten" erschienen, in welchem unter Anderem berichtet wurde, daß einige der intelligenten Kantoren den Beschluß gefaßt haben eine Kantorenbildungsanstalt zu gründen, damit in Zukunft nicht mehr, wie bisher, Unberufene — denen oft jedes Wissen ein ter.-a incognita ist — ihre Zuflucht mit Hilfe eines gewaltigen Protektors zuui Betpult nehmen könnten. Diesen lobensworten Vorsatz haben auch die verdienstvollen Herren, die da glaubten, daß vom Willen bis zur Tat nur ein Schritt sei, rasch zu verwirklichen gesucht. Einige Jünger haben sich gar bald inskribieren lassen und der Gemeinde- Vorstand kam diesem Unternehmen insofern freundllch entgegen, indem er dem Kantorenverein zu diesem schönen löblichen Zwecke das Lokal — das früher der Religionslehrerbildungsanstalt gewidmet war — zur Verfügung stellte. Die Herren vom Kantorenverein aber, die wohl schön zu singen, erhabene Gebete weihevoll vorzutragen, aber nicht Lehranstalten ohne Kapital zu gründen verstehen mögen, scheinen vergessen zu haben, daß jedes lebende Wesen — wenn es sich soll ausleden können — nebst der geistigen auch der materiellen Nahrung nicht entbehren kann. Woher aber diese nehmen, wenn sie nicht vorhanden ist? Allerdings werden von machen reichbegüterten hochherzigen Juden für Krankenhäuser, Versorgungsanstalten rc. Millionen gespendet, aber für Talmud-Thora-Schulen, die nicht nur für die künftigen Rabbinen, sondern auch für die Chasanim dringend notwendig sind, geschieht sehr wenig. Und so mußte natürlich diese neu kreierte Kantorenbildungsanstalt bald nach ihrem Entstehen wieder vergehen. Sie kam wohl lebend zur Welt, konnte jedoch nicht länger als einige Wochen ohne Nahrung ihr trauriges Dasein fristen. Still und ruhig wie sie gelebt, ebenso geräuschlos zog sie von dannen. Nicht einmal ein Partezettel kündigte ihr Hinscheiden an. Ebensowenig wurde ihr ein Ehrengrab gewidmet, obwphl sie es ihres, wenn auch sehr kurzen, sittenreinen Lebenswandels wegen verdient hätte. — Ohne Sang und Klang, ohne Grabreden und überhaupt ohne jede Trauerfeier wurde sie eines Tages, fast geheimnisvoll, zur ewigen Ruhe bestattet. — Damit jedoch das Lokal — das von historischer Bedeutung ist, da es seit 6 Jahren zwei wichtige jüd. Lehranstalten beherbergt hatte — nicht zu profanen Zwecken verwendet werde, hat der Gemeindevorstand in weiser Vorsicht angeordnet, daß das jüdische Museum dahin übersiedle, auf daß die nächsten Generationen erfahren sollen, daß noch zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts an der Spitze dieser großen Gemeinde edle Männer gestanden, die unausgesetzt bestrebt waren für die Erhaltung religiöser und humanitärer Institutionen, ja sogar für Religionslehrer- und Kantorenbildungsanstalten, also für ״Thora" und ״Abodah" Sorge zu tragen. Dieses jüdische Museum, das doch zumeist Symbole in seinen Räumen — bergt, die uns an das alte echte Judentum erinneren sollte mit einer Botivtafel geschmückt werden, deren Inschrift zu lauten hätte: ״Chwal al deabdin welo mischtakchin.“ I. L. G. Verein der Sabbathfreunde ״Schomre Schabbos", Wien. Am 14. April fand die dritte ordentliche Generalversammlung des Vereines im Talmud-Thorasaale statt. Obmann Herr M. Felsenbürg begrüßt den in Vertretung der Kultusgemeinde erschienenen Herrn Rabbiner Kramer, sowie den von schwerer Krankheit genesenen eifrigen Förderer aller jüdischen Bestr-bungen Herrit Professor M. Antscherl. Von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes, als in Händen der Mitglieder befindlich, wird Abstand genommen und dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Der Jahresbericht weist in den Einnahmen gleiche Ziffern aus; die Stellendermittlung konnte erfreulicher 98 Stellen besetzen 68 im abgelaufenen Jahre. Vorsitzender spracht dem Kultusvorstande den Dank aus für die Er- Höhung des Jahresbeitrages, als erfreuliches Zeichen der Anerkennung. Die Generalversammlung votiert Herrn Dr. Heinrich Haase den Dank für Ueberlassung seiner Arbeit für den Jahresbericht, dem Borstandsmitgliede Herrn Nathan Pollak votiert die General- Versammlung den besonderen Dank für seine unermüdliche, zielbewußte Arbeit im Dienste des Vereines. Die Herren Lamm und Benau geben verschiedene Anregungen zur Förderung der Vereinsziele, welchen der Vorstand eingehende Würdigung zusagt. Herr Abend beantragt die Gründung eines Kindergartens, in dem den Kindern schon im zartesten Alter die jüdischen Religionsgebräuche praktisch gelehrt werden. Die Idee wird sympathisch begrüßt, jedoch als nicht eigentlich in den Rahmen der Vereinstätigkeit gehörig bezeichnet. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der austretenden Herren: M. Felsenburg, W. Pappenheim, M. Nasch, G. Austerlitz, sowie der Revisoren Herren Ad. Rosenthal und Elias Weiß. Aus der Kurie der Angestellten wurden die Herren Ad. Breuer und H. Figdor in den Vorstand gewählt. _: vorm. Hotel Romania iz. Neu erötfnet! Wien II., Kleine Sperlgasse Nr. 5. 5 Minuten vom Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Nord- und Nordwestbahnhofes. PRACHTNEUBAU! 100 ZIMMER. Elegantes Familienhotel. Zentralheizung. Kaltu. Warmwasser in Jedem Zimmer. 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Die in den verschiedenen Ateliers des Verbandes gearbeiteten Spitzen zeichnen sich durch besonders sorgfältige Ausführung aus und erfreuen sich in Europa, wo sie durch verschiedene Ausstellungen bekannt wurden, großer Beliebtheit. Sie haben sich ein großes Absatzgebiet erobert und bieten vielen jüdischen Frauen und Mädchen in Palästina die Möglichkeit, sich einen für dortige Verhältnisse ziemlich guten Erwerb zu verschaffen. Die Schriftführerin des Verbandes, Frau Betty Leszynskl, Berlin, hatte Gelegenheit, auf ihrer Reise durch Palästina sich persönlich von dem Fortschritte der Institutionen zu überzeugen und sich über die Arbeitsmöglichkeiten für die jüdische Frau zu orientieren. Im verflossenen Jahre gelang es dem Verbande durch Gründung einer Mädchenfarm einen großen Schritt vorwärts zu tun in dem Bestreben, den jüdischen Kolonisten durch Heranbildung von Mädchen zu Gartenarbeit, Gemüse- und Geflügelzucht eine notwendige Stütze zu schaffen. Denn der Teil der La dwirtschaft, der überall von der Frau besorgt wird, liegt leider sehr im Argen, da die Frauen der Kolonisten, die fast durchwegs den östlichen Ghetti entstammen, naturgemäß kein Verständnis für die Landwirtschaft haben. Eine größere Subvention des Herrn Kremenetzki, Wien, und der Alexander und Fanny Simon- Stiftung, Hannover,' gab dem Verbände in erster Linie die Möglichkeit, die unter Leitung von räulein Dr. Maisel stehende Mädchenfarm in inereth bereits im Mai letzten Jahres auf der Farm der Palästine Land Developement Comp, mit sechs Schülerinnen zu eröffnen. Zur Zeit arbeiten bereits 10 Mädchen auf der Farm mit sehr gutem Erfolge. Wie uns Herr Direktor Au- Hagen, der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt ist. mitteilt, sei den Schülerinnen der Mädchenfarm die Anlage der Baumwollpslanzungen dort zu verdanken. Die Schule erfreut sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens eines so guten Rufes, daß viele Mädchen, die gern für ihre Ausbildung bezahlen würden, sich zur Aufnahme melden. Leider müssen diese aus Mangel ati Wohnungen zurückgewiesen werden. Die Mädchen werden im Gemüsegarten, in der Baumschule, im Geflügelhof, bei der Milchwirtschaft, in der Küche und auch beim Nähen beschäftigt. Im Winter erhielten sie theoretischen Unterricht, dreimal wöchentlich. Ein großes Verdienst hat sich der Verband bei der Eröffnung des jüdischen Hospitals in Haifa erworben, das unter der Leitung des Herrn Doktor Auerbach steht. Er gab 6000 Frank für die Inneneinrichtung und subventioniert es jährlich mit 1000 Frank. Die Moskauer Ortsgruppe des Verbandes hat außerdem eine Wöchnerinnenstube beim Hospital errichtet. Zu gleichem Zwecke überwies diese Ortsgruppe größere Summen nach Jaffa. Der Verband bringt allen Gebieten, auf denen sich die Frau betätigen kann, Interesse entgegen. Er sucht durch aufklärende Vorträge zu verhindern, daß der bis hierher vordringende Mädchenhandel festen Fuß faßt. Sein Hauptbestreben ist, die jüdischen Mädchen und Frauen zu arbeitskräftigen und arbeitsfteudigen Menschen heranzubilden. Der Verband hat gezeigt,.daß seine segensreiche Tätigkeit in dem Maße sich steigert, als seine Mittel wachsen. Es wäre um der hohen Ziele willen, welche der Verband sich gesteckt hat, wünschenswert, daß das Interesse an ihm und seine Mitgliederzahl immer weiter zunehmen, damit er immer mehr den große» Forderungen, welche an ihn gestellt werden, gerecht werden kann. Anftagen sind zu richten an die Schrift, führerinnen Frau Betty Leszynski, Berlin W. 62, Beyreutherstraße 36. Frau Rechtsanwalt Gronemann, Berlin N., Monbijouplatz 10. Der tschechische NationaLrat in Mähren und der Antisemitismus. Brünn, den 14. April 1912. Vor kurzem ging eine Meldung einer Wiener Lokalkorrespondenz durch die Blätter, die in der Gebetbücher zu beziehen durch den ״Jüdischen Buchuud Kunstverlag",