Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 3 (18.4.1912)
- Date
- 1912-04-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebetbücher zu beziehen durch de» ״Jüdischen Buch- und Kunstverlag €>eite 2 Mische B-Mstimme. Är. 3 die Art der Ermordung auf eine an Schlachtung von Tieren gewöhnte Hand Hinweise? Das Anklagegebäude ist aber so hinfällig, daß selbst die rabiatesten Fanatiker des Ritualmordwahnes und all jene, die sich durch den Beilisprozeß eine Karriere machen wollen, die Schwäche ihrer Position empfinden. Darum suchen sie nach feilen Gesellen, die ihnen mit Meineiden zu Hilfe kommen sollen, darum setzen sie einen Hetzapparat in Bewegung, wie ihn selbst der russische Antisemitismus bislang nicht gekannt hat, darum überschwemmen sie ganz Rußland mit Broschüren, Aufrufen, Bildern über angebliche Rirualmorde aller Zeiten und suchen eine Stimmung zu schaffen, die jeden Justizmord ermöglichen soll. Wo die wirklichen Mörder sitzen, wissen die Anklagebehörden ebensogut wie die Pogromagitatoren. Sie brauchen nur ernstlich den Spuren nachzugehen, welche auf die Verbrecherbanden um JuschtschinskiS Verwandten- und Bekanntenkreis herum Hinweisen, um die Wahrheit an den Tag zu bringen. Statt deflen lassen sie einen immer größeren Zeitraum unbenützt verstreichen und machen die bekannten Ent- Hüllungen, welche vor einigen Wochen die Oeffentlichkeit beschäftigt haben, zuschanden. Schisma. Prag, im April 1912. Die Suche »ach ausländischen autisemitischen Autoritäten. Bekanntlich hat der im bevorstehenden Ritualmvrdprozeß als ״Zivilkläger" fungierende Antisemitenhäuptling Schmakow an das Gericht, das über ihr jetzigen Stadium der Juschtschinskiangelegenheit zu entscheiden hat, ein Gesuch eingereicht um Zitierung weiterer antisemitischen Autoritäten, welche den Nachweis führen sollen, daß die Juden in allen Ländern und zu allen Zeiten Christenblut gebrauchen. Unter den als Experten von ihm vorgeschlagenen Autoritäten befinden sich die verrufenen ausländischen Vertreter der Blutlegende Rohling. Eckert, Bayer, Fritsch. Viskonto-Beselischatt bei der Nordösterreichischen Bank für Industrie, Handel and Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung in Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch für den Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungei. Frohsinn belebte sie. Du blühtest auf in dem neuen Leben, das doch von einem tiefen, wundersamen Glücke durchsonnt war. Und noch schöner sollte es werden! Bald sollte Kinderjauchzen die hcllen Räume durchtönen und Eure Herzen noch inniger verbinden. Aber die alten Bäume im Garten rings um Dein HauS schüttelten die Kronen im brausenden Herbststurm. Ich habe Dein Kind noch nicht gesehn, AgneS. Ich kann's noch nicht! Und doch ist mir dies Kind wie ein Geschenk von Dir an uns Alle, die wir Dich gekannt und geliebt. Es ist mir, was ein scheuer, zitternder Sonnenstrahl nach trüben, regenschweren Tagen ist. Solch kleiner, hoffnungssroher Goldstrahl, der durch die die schwarze Nacht der Wolken bricht und zagend lacht und neue Hoffnung bringt.- Auf dem Friedhofe ist es füll und trüb. Blätterlos die Bäume, verdorrt das Gras, und traurig, schmucklos Hügel an Hügel. Nur auf einem Hügel am Wege, einem frischen Grabe ein paar halbwelke Kränze ein paar langstielige Rosen.... Ein letztes Liebeszeichen von Freundeshand. Dort unten schläfft Du, Agnes. Schlafe wohl... Das Prager Deutschtum durchtobte in den verflossenen Tagen ein wilder Kampf. Die Deutschradikalen und die Deutschliberalen lagen in erbittertster Fehde und hieben wacker auf einander ein. Die Ursache bildeten die Wahlen in die Krankenkaffa des Prager Handelsgremiums. In dieser Körperschaft besaßen die liberalen, jüdischen Mitglieder sei׳ jeher die Majorität. Sie führten in der den Juden eigenen Weise die Geschäfte ganz objektiv, hüteten sich stets davor, Juden bei der Einreichung von Krankengesuchen den Vorzug zu geben, um nur ja nicht den Schein zu erwecken, als ob die deutschnationalen Antisemiten irgendwie benachteiligt wären. Vor drei Jahren gingen sie sogar so weit, den antisemitischen Handelsangestellten freiwillig vier Mandate einzuräumen. Dieser Großmut wurde natürlich den Herren recht übel gelohnt, eine Erfahrung, die ja die Herren alljährlich machen, aus der sie lernen könnten, wenn nicht ihr Selbstbewußtsein durch das deutsche Bekenntnis bereits stark gelitten hätte. Kaum befandm sich nämlich die Radikalen im Besitze ihrer vier Mandate, als sie sich wie der Fuchs im Hühnerstall gebärdeten. Sie vergaßen ganz, daß ihnen diese Verttetung nur aus unangebrachter Loyalitätshascherei bewilligt wurden, daß sie ja im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Zahl auf eine solche Vertretung keinen Anspruch hatten. Sofort ließen sie alle Seiten ihres programmatischen Anttsemittsmus springen und trugen in eine humane, dem Wohle der Handelsangestellten gewidmete Institution den wildesten AntisemittSmus herein. Jüdische Kcaukengesuche wurden einfach abgewiesen, ohne jede weitere Begründung, nur dem Grundsätze zufolge, daß die Juden keine Deutschen seien und infolgedessen auch keinen Anspruch auf Unterstützung auS einem sogenannten deutschen Fonde beanspruchen dürsten. Außerdem wurde natürlich mit Verdächtigungen niedrigster Art gegen die Juden gearbeitet, den Kaufleuten wurde Gewohnheitswucher vorgeworfen usf. Das taten dieselben Leute, die fast in ihrer Gänze bei jüdischen Firmen bedienstet sind, sich mit jüdischem Gelde ihre Wänste mästen und durch jüdisches Geld die durchlochten Kehlen begießen. Hätte die jüdische Kaufmannschaft Prags noch einen Funken Ehrgefühl, sie müßte diese wüsten Gesellen dorthin treiben, woher sie kamen, in die Sau- und Pferdestelle Nordböhmens, den Herd des Antisemitismus. Den jüdisch-liberalen Angestellten wurde aber die Sache doch zu bunt. Sie besannen sich auf sich selber, und die Wut. die sie durch die verflosjenen vier Jahre verschluckten, all der Aerger und die Demütigungen, die sie erlitten, kamen nun darin zum Ausdruck, daß sie für die kommenden Wahlen jedes Kompromiß ablehnten und bloß die'Zahl der Stimmzettel entscheiden lassen wollen. Darob sind natürlich die Radikalen arg verstimmt; schon deshalb, weil sie ja ihre Nieder׳ läge voraussaheu. Und sie haben sich nach SukkurS umgesehen. Aus Wien kamen der Abg. Pacher her, um die widerspenstigen Juden an ihre ״deutsche Pflicht" zu mahnen, der Trebnitzer Volksrat wurde alarmiert und auch in Prag fanden sie einen warmen Verteidiger ihrer Interessen, der den Deutschliberalen hart zusetzte und die schwersten Pressionen zugunsten der Antisemiten auf sie auszuüben versuchte. Dieser treue Helfer ist niemand anderer als der sattsam bekannte Dozent Kafka, ein Meschumed, ein Getaufter. Dr. Kafka mit der kühn geschwungenen Judennase und dem typisch jüdischen Aussehen, macht in Anttsemittsmus. Nicht zum erstenmale, er hat sich bereits im Ortsrat trainiert, aber desto ungenierter und ftecher. Er will die jüdischen Angestellten unter allen Umständen zu einem schändlichen, verächtlichen Kompromiß zwingen und verlangt unbedingte Annahme der von ihm vorgelegten Thesen. Dozent Kafka hat eine harte Haut. Er ist die Fußtritte und Herauswürse seiner anüsemittschen Konnationalen gewöhnt, er hat sie zu oft erdulden müssen, mit einer Selbstverleugnung aber und einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, setzt er Kriechereien fort und sucht nun auch noch anderen das wiedererlangte Mckgrat zu beugen. Als er von Alexander Richter, einem jener arischen Liberalen aus der guten alten Zeit seinerzeit zur Taufe geführt wurde, sagte der Taufpate nach vollzogenem Akt zu seinem Täufling: ״Und jetzt werden Sie mir nur nicht Antisemit". Alexander Richters Befürchtungen waren berechttgt. Sein Patenkind gehört heute zu den überzeugtesten, radikalsten Radauantisemiten. Diesmal wurde ihm aber noch rechtzeitig in die Suppe gespuckt. Die jüdischen Handelsangestellten deutschen Bekenntnisses haben sich durch die Brutalitäten der Anti» semiten in ihrem Judentume gekränkt gefühlt und das sei heute hervorgehoben. Sie haben endlich erkannt, was sie von den radikalen ״Brüdern" zu erwarten haben und wenn sie auch noch immer an ihrem Deutschtum festhalten, so sind doch bedenkliche Zweifel in ihrer Brust eingezogen. Durch weitstes Nachdenken und nicht zuletzt durch den Gang der Ereignisse wird manch einer von ihnen zu dem einzig richtigen Schluffe kommen, daß der Jude nur von der Arbeit für sich und sein Volkstum alles zu erwarten hat. Z. Wiener Jüdisches Leben. Jüdischer Volksvercin für die Leopoldstadt. Zu den bevorstehenden Gemeinderatswahlen nahm der Jüdische Volksverein für die Leopoldstadt in einer massenhaft besuchten Volksversammlung Stellung, welche Dienstag am 9. d. M. im Hotel Arco stattfand. Herr Dr. Plaschkes führte in seiner Eröffnungsansprache aus, daß das frNheitliche Wahlkomitee Kandidaten nominiere, ״die ebenso gut auf einer christlichsozialen Liste figurieren könnten, ohne dem antisemitischen Programm Schande zu machen." Es mache dieser Umstand den Juden geradzu zur Pflicht, sich dagegen zu wehren, um sich nicht einer Würdelosigkeit schuldig zu machen; weshalb auch Redner namens des Volksvereines das freiheitliche Wahlkomitee warne, weiterhin mit der Würde der Juden zu spielen. Hierauf sprach, stürmisch begrüßt, Herr Oberingenieur Stricker und hob unter anderem hervor: Bei den gegenwärtigen Wahlen wiederholt sich das Schauspiel, daß Christlichsoziale von deutschnattonalen Rassenantisemiten abgelöst werden. Redner wies auf eine ganze Reihe von Kandidaten hin, die gestern erst chrichstlichsozial waren und heute schon als die einzigen Retter der fteiheitlichen Sache angepriesen werden. Diesen traurigen und den gesunden Menschenverstand hohnsprechenden Fall erleben wir gerade in der Leopoldstadt, wo man den Juden zumutet, daß sie ihre Stimmen für die Christlichsoztalen von gestern, für die Herren Schäfer und Blasel, abgeben sollen. Diesen würdigen Kandidaten gesellt sich ein dritter im Bunde, der Herr Oberinspektor Pettrich, der bis zum Momente seiner Nominierung zum Kandidaten stramm deutschradikal und prononzierter Rassenantisemit war, nun aber sein freiheitliches Herz entdeckte. Ueberdies soll dieser famose Kandidat gelegentlich einer Reise im Eisenbahnkupee gesagt haben: ״Daß Sie, Herr..., und Sie, Herr... keine Ritual- Mörder sind, weiß ich wohb Jedoch bin ich überzeugt, daß religiöser Fanatismus einen Ritualmord zeittgen kann." Am Schluffe seiner Ausführungen appellierte der Referent an die Versammelten, nicht eher ruhen zu wollen, als bis jene Herren von der Kandidatenliste verschwunden sind. — Brausender minutenlanger Beifall belohnte den Redner für seine sachlichen und vortrefflichen Ausführungen. Hierauf kam der Vertreter der Freiheitlichen, Herr Kleebinder zum Worte, der sich auf einen Brief des Mähr.-Ostrauer Kultusvorstandes berief. Herr Pettrich wäre in diesem Orte Bürgermeister gewesen und man hätte diesen Brief als Legitimaüon der Eignung des Herrn Pettrich zum freiheitlichen Kandidaten betrachtet. — Es sprachen noch die Herren Lucian Brunner und Dr. Weisengrün. Mit Recht konnte der Vorsitzende Dr. Plaschkes in seinem Schlußworte auf die Einmütigkeit der Versammlung in dieser wichtigen Angelegenheit hinweisen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese eindrucksvolle Kundgebung ihre Wirkung nicht verfehlen würde. Sj. Vom Hilfsvereiu. Sonntag, den 21. April, 10 Uhr vormittags findet die diesjährige ordentliche Generalversammlung des HilssvereineS für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens in den Räumen der ״B'nai B'rich", IX- Universitätsstraße 4, statt. Mährisch-schlesische Bank Brünrt Triaphon Nr. 380, verzinst EINLAGEN gegen Bäche! 1»und in laufender Rechnung ■it Ferdinandsgasse Nr. 29 Tatephon Nr. 1ms, w«dn»t»tobe■ mb*» JLII 01 ^bb gebundene Einlagen laut Übereinkommen. Bank- *T |2 )0 geschälte aller Art, Börsen-u.Wechslergeschäfte.