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Jüdische Volksstimme · 1912-04-10 · Heft 2 (10.4.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 2 (10.4.1912)
Date
1912-04-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3?i. 2 Znöi.zche sorgfältigen Pflege wie auch den segensreichen Einflüssen des Meraner Klimas das beredteste Zeugnis ausgestellt wird. Bei den sodann vorgenommenen Ecsatzwahten wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder per Akklamation wiedergewählt. Herr Heinrich Gutmann, Meran und Herr Dr. Em. Hirsch, Halberstadt wurden als Schiedsrichter für zwei erledigte Stellen neugewählt. Mit einem aufrichtigen Danke an den Vorstand, den Herrn Dr. Med. Popper aus Prag, namens der Versammlung aussprach, schloß die IV. General- Versammlung. Es ist aufs innigste zu wünschen, daß das Genesungsheim aus weitesten Kreisen Förderung und Unterstützung finde, damit es in für alle Zukunft gesicherter Weife seine segensreiche Tätigkeit entfalte. Krankkeilen der Nerven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg im Dr. Mbans Sanatorium in TISCHNOWITZ kuriert. — Prospekte. Indischer Handlungsgehilfenverband. Wien. Der Jüdische Handlungsgehilfenverband hielt am 31. März in seinem Verbandsheim, Wien, Taborstraße 20, seine 2. ordentl. Hauptversammlung ab, an welcher 18 Delegierte der 5 Ortsgruppen, sowie die Berbandsleitung teilnahmen. Nach einer einleitenden Begrüßungsansprache des Obmannes. Kollegen Siegfried Keßler und Verlesung der ein gelaufenen Begrüßungstelegramme und Schreiben erstattete der Schriftführer. Koll. Bernhard Grünhut den Rechenschaftsbericht. Dem Rechenschaftsberichte ist in erster Linie zu entnehmen, daß der Verband sich in erfreulicher Weise eniwickelt. Die Mitgliederzahl ist um 243 gestiegen, die Zahl der Ortsgruppen von 1 auf 5. Ferner wurde das Bertrauensmännersystcm über den größten Teil Westösterreichs verbreitet und so der Boden zur Bildung weiterer Ortsgruppen vorbereitet. Zu allen Berufsfragcn nahm der Verband Stellung; unter anderem verlangte er in einer sachlich motivierten Eingabe au das Ministerium des Innern die Ausscheidung aller kaufmännischen Angestellten aus der Pensionsversicherung. Das Rechtsfchutzbüro des Verbandes hatte wiederholt Gelegenheit zu intervenieren und die Stellenvermittlung konnte 80 Prozent aller Stellenlosen sofort plazieren. Dem Kassenbericht, den der Kassier Koll. W. Löwy erstattete, ist zu entnehmen, daß das Verbandsvermögen im Berichtsjahre eine weitere Steigerung erfuhr; vor allem wurde mit Genugtuung des gedeihlichen Entwickelns des Konditionslosen-Unterstützungsfondes erwähnt. 1 etcher trotz der großen an ihn gestellten Ansprüche einen Ueberschuß von K 751.05 aufweist. Nach der Erteilung des Absolutoriums wurde dann die Neuwahl der Verbandsleitung vorgenommen und ergab dieselbe die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Obmannes Koll. S. Keßler; ebenso wurde der bisherige Ausschuß fast unverändert einstimmig wiedergewählt. Die weiteren Verhandlungeu waren vor allem bestimmt, die fernere Taktik des Verbandes festzulegen und Maßnahmen zur inneren Festigung desselben zu treffen. Unter anderem wurde beschlossen, die erste Beitragsklasse aufzuheben und wird der Mindestbeitrag von nun ab K 1־— per Monat betragen; ferner soll die jüdische Geschichte und Literatur intensiver gepflegt werden und der gewerkschaftlichen Erziehung der Mitglieder die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Schließlich wurde noch eine Resolution angenommen, welche ausspricht, daß auch in Zukunft der I. H. V seinen streng unpolitischen Standpunkt zu wahren Nach 8 ständiger Beratung wurde die Versammlung geschlossen, deren Verlauf einen neuerlichen Bewets für die glückliche Vereinigung von gewerkschaftlichem Streben und Liebe zum Volkstum erbracht hat. Hoffentlich wird sich der Verband auch in Zukunft in gleich gedeihlicher Weise entwickeln; Sache eines jeden jüdischen Angestellten ist es, durch seinen Beitritt zu dieser Organisation sich selbst, aber auch der Gesammlheit der jüdischen Angestellten, im Handel, Industrie und Spedition zu nützen, denn tu der Einigkeit liegt das Heil. Das Leichenbegängnis Professor Mandelstamms. Kiew. Zu einer in unserer Stadt noch nie gesehenen, überwältigenden Trauerkundgebung gestaltete sich das Leichenbegängnis des in allen Kreisen der russischen Judenheit hochverehrten Vorkampfers der natioualjüdischen Bewegung, Prof. Max Mandel stamm. Man schätzt die Zahl der Personen, die dem Sarge folgten, auf 30.000. Männer und Frauen, Vertreter der höchsten Gesellschaftskreise und jüdische Arbeiter, Soldaten, Studenten und Studentinnen in großer Zahl, die Zöglinge der Waisenhäuser und die Schüler der Chadarim gaben Prof. Mandelstamm das letzte Geleit. Jüdischen Studenten gelang es in Muster- Hafter Weise, den unübersehbaren Zug zu ordnen und die Ruhe zu erhalten. Auf den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, stockte jeder Verkehr. Die Straßenbahnwagen hielten, Droschken und Autos mußten stehen bleiben. Die jüdischen Läden waren geschlossen, überall brannten die elektrischen Lampen. Es herrschte eine tiefergrisfene Stimmung, der sich auch die nichtjüdische Bevölkerung nicht entziehen konnte. 'Die Organisation jüdischer Aerzte in Kiew beschloß auf Antrag ihres Vorsitzenden Dr. Bendersky, das Andenken Prof. Mandelstamms durch Gründung einer Hochschule in Palästina auf seinen Namen zu verewigen. Arünner Jlacftriditen. Trauung. Sonntag den 14. April d. I. findet die Trauung unseres Gg. Herrn Dr. Albert Schön- Hof mit Frl. Else Müller in Wischau statt. Unsere Vesten Glückwünsche. Die Red. Auszeichnung. Der Kaiser hatHrn. Sigmund Schwarz in Anerkennung der Verdienste, die er sich als Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Brünn, insbesondere durch Reorganisation des Armenwesens und der Fried- Hofsverwaltung erworben hat, das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. Mit Lehars ״Rastelbinder" zeigte es sich, daß der forcierte Gast. Gustav Müller, ein unberechtigtes Erbe an sich riß. was sich auch bitter rächte. Diesmal blieb so manchem der zwanglos lachbereitstehende Mund vor Erstaunen ״offen" stehen, denn ein solches Vorkommnis, wie es am 27. d. M. über unsre Bühnenbretter ging, kann sich Brünn wohl nur allein rühmen, erlebt zu haben. Ein stimmloser Mensch, wie Herr Müller, macht gewaltsam B rsuche. den ״Blumenkörn" (Pfefferkorn) zu singen! Applausleere Stille war der Dank des Publikums. Er hat es auch verdient! Besteht vielleicht gar die Absicht, Herrn Müller wieder festsetzen zu lassen unter dem Vorwände eines Charakterkomikers? Vielleicht ist es ihm darum zu tun, auf irgendwelche Weise sich wieder sein Plätzchen zu erhaschen, welches ihm ״warnigehalten" zu werden scheint?! In Kürze nun über die Kunst der Heimischen Herr Warbeck fühlte sich in der Rolle des ״Janku' lehr wohl und kann man diese Partie als voll kommen einwandfrei gelten lassen. Tapfer wie immer und hilfsbereit half seine Gattin als ״Mitzi Glöppler" aus. Schneidig als ״Milosch" fügte sich Herr Pitsch in das Ensemble, ebenso Herr Pachmann als politisierender Spenglermeister. (Die Wiederbelebungsversuche, die an ihm vorgenommen werden, scheinen eine ganz gelungene Auferstehung zu versprechen.) Frl. Zierler hatte bedaucrlicher weise ״schwer" zu arbeiten. Es tat einem wirklich wehe, wie sie die bereits zur Genüge bekannten Spässe iyres Partners über sich ergehen lassen mußte. Neben schwierigen Gesangspiccen auch noch Stemmübungen vollführen zu müssen, ist entschieden nicht ratsam. In Nebenrollen seien lobend erwähnt Frau Wiesner und die Herren Bernthal. Eisner, Neufeld, Tramer und Teller. - Chor und Orchester hielten sich wacker und ist dies auch den! Konto einer guten Regie des Herrn Tramers zuzuschreiben. Herr Kapellmeister Heller leitete umsichtsvoll den musikalischen Teil. Nicht unerwähnt seien die bekannten Leistungen der kl. Janowitz und des kl. Hofmann. Die Wiederholung dieser Operette wäre wenigstens für Heuer nicht nötig gewesen, doch es mußte ja Herr Müller losgelassen werden. Das Fach des Charakterkomikers der Operette scheint also doch mit Herrn Müller besetzt werden zu wollen. Es geschieht dies in so auffälliger Weise, daß das bereits angesetzt gewesene Debüt eines Wiener Bewerbers, welches uns entschieden mehr interessiert hätte, ohne Grund und Ursache wieder abgesetzt wurde. Es ist doch unmöglich, daß man dem gestrigen Gaste dieses Fach zuschanzen kann. Sein total stimmloser ״Blumenkorn" mutete uns ein Stück ״Budapester Orpheums" zu. Endlich hatte er wieder einmal Gelegenheit einen ״Trotteljuden" (dies seine Auffassung der sonst harmlosen Rolle) mit Gewalt herauszuarbeiten. Während sein Vorgänger daraus bedacht war. dieser ״Karrikatur" eines Inden stzmpathische Setten in menschlicherer Art abzugewinnen, konnte Herr Müller nicht umhin, skandalös und derb zu unterstreichen. Gibt es für seine Ausdrücke keine Zensur, sondern noch Beifallsjohleude?? Bedauerlicherweise läßt man in der Brunner jüdischen Gesellschaft derlei Grenzenüberschreitungen ruhig zu. Hoffentlich lehrt diese neuerliche Kühnheit Herrn Müllers, daß der Verhöhnung des Judentums, wenigstens in diesem seinsollenden Kunstinstitute, energisch Einhalt geboten werden muß. M FrmlniMfl mit Menthol X altbewährtes Mittel X gegen Kopfschmerzen. Koeresponäenzea Bisenz Sonntag, den 24. März feierte Herr Sigmund Glaser. Kaufmann, die Hochzeit seiner Tochter Fräulein Steffi mit Herrn Jsak Fiskus. Die Trauung fand im hiesigen Tempel unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bevölkerung statt, wovei Herr Overkantor Jsak Lewittn mit seiner klangvollen, herrliche» Tenorstimme zum Entzücken aller Anwesenden fungierte, und Herr Rabbiner Dr. Hoff eine der Gelegenheit entsprechende. gehaltvolle und geistreiche Rede hielt. Nikolsburg. Dienstag nachts wurde im hiesigen Tempel ein Einbruch ausgeführt, aus welchem Anlasse eine Gitterstange ausgehoben wurde und der Täter durch die entstandene Oeffnung in die Synagoge drang, daselbst die Armenkassen erbrach und sich des Inhaltes derselben, bestehend aus milden Geldspenden, bemächtigte. Der Einbrecher öffnete die verschlossene Tempeltüre und entkam. Trotz der eifrigen Nachforschungen der Gendarmerie fehlt jede Spur von dem Täter- Nikolsburg. Der hiesige Zuckerbäcker Julius Feldsberg, der Erzeuger der bekannten Nikolsvurger Küchel hat auf der internationalen Kochkunstausstellung die goldene Ehrenmedaille erhalten. Mähr.Ostrau. ,Jüdischer Volksverein ״Zion" in Mähr.-Ostrau.) Ter Verein hielt am 27. März seine III. ordentliche Generalversammlung ab. Der Rechenschafts- und der Kassabericht wurden genehmigt, die Mitgliedsbeiträge in früherer Höhe belassen. In den Ausschuß wurden die Herren Dr. Färber, Dr. Huß, Kraus, Krieger, Dr. Lanzer, Löwy, Nacher, Süßmandl, Wechsberg und Dr. Winterstein gewählt. Herr Dr. Max Beer hat zu allseitigem Bedauern eine Wiederwahl abgelehnt und wurde ihm für seine bisherige Tätigkeit als Obmanstellvertreter unö uls Leiter der Rechtsschutzstelle der beste Tank votiert. Wegen LeS letzten Parteibeschlusses in Angelegenheit der polinjchen Betätigung kani es zu einer lebhaften Debatte, die in nachfolgenden, speziell diesem Thema gewidmeten Vereiusversammlungeii ihre Fortsetzung finden wird, damit die Rückwirkung des Parteibeschlusses auf die lokalen Verhältniste besprochen werden kann. Die Konstituierung des Ausschußes ergab die Wahl der Herren Sußmandl, Obmann, Kraus, Obmannstellvertreter, Nacher und Dr. Winterilcin, Schristsührer und Krieger, Kassier. ü Sternhof 1 bestes aller Bitterwässer.

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