Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIII (1912)
- Issue
- Heft 2 (10.4.1912)
- Date
- 1912-04-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Jüdische Volksstimme Nr. 2 A leerer Platz. Bun Salamon Dembitzer. 'S steht a leerer Platz — 'S Haus is do gewe'en Vun mein Mammen. Wenn sie is aweg Is es auch mit ihr Fort zusammen. Auf dem leeren Platz Wackst dos Groß arum- 'S kummen essen Hüudlech, hungerige- Un mein Mammes Haus Is vergessen! In a Jomtoviog Spielen Kinder do In a Rädel. Un in fülle Rächt Kischt a Jüngel sich Mit a Maidel... Fremd un frei der Platz. Un vergessen is As var Zeiten. Wollt ich nicht gewollt, Var der ganzen Welt 'S Haus verbeiten!... 1en. Zeitungsdeutsch gesprochen. Der Charakter Nebukadnezars ist bald maßlos heldenhaft, bald christlich.sentimental, bald heidnisch bizarr dargestellt. Keines trifft zu. Aber, wie gesagt, Fleiß steckt in dieser Arbeit. Zugegeben muß werden, daß eS unendlich schwer ist, sich in eine so ferne Zeit hineinzuleben. Wenn der Verfasser, dem Talent nicht ganz abzusprechen ist, etwas mehr in die neuere Zeit vorrücken würde, könnte er es vielleicht richtiger treffen. Die Ausstattung ist mittelmäßig, der Druck ziemlich klar. sgm. I. Die rcligionsgeschichtliche Bedeutung Rabbi Akibas. Bortrag gehalten von Rabbiner Prof. Dr. I. Hirsch. II. Der Kampf um die Emauzipation der Juden. Borlrag, gehalten von Rabbiner Prof. Dr. A. Deutsch. Prag, 1912, Publikation des Vereines ״Afike Jehude" in Prag. Der rührige Verein ״Afike Jehude" veröffentlicht die in der Ueberfchrift genannten beiden Vorträge, deren Qualität ein vortreffliches Zeugnis für seine auf die Verbreitung und Förderung der Wissenfchast des Judentums gerichteten Bestrebungen ablegen. Den vielfach geäußerten Wünschen, die im Vereine gehaltenen Borträge auch der breitesten Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, ist der Verein durch diese Publikation in dankenswerter Weise entgegengekommen. Sie bilden aber auch einen wertvollen Beitrag zur jüdischen Wissenschaft, indem sie teils bekannte Einzelheiten in konziser, zusammenfassender Form wiedergeben, teils neue Forschungsresultate bringen. Die von der Sage verklärte Gestalt des Rabbi Akiba erscheint in Dr. Hirschs Arbeit im vollen Glanze ihrer Bedeutuug für die Religionsgeschichte. Der Verfasser stellt zunächst die im Talmud und in den Midraschim enthaltenen biographischen Noüzen zusammen und entwickelt aus deren geschichtlichen Niederschlag den Charakter des großen Lehrers, seine Lehrweise, seine Bejahung des Judentums, seine Polemik gegen das griechische Freidenkertum. Der Kernpunkt der Ausführungen gipfelt in der Darstellung der Polemik Akibas gegen den Apostel Paulus. So verlockend es nun auch wäre, die Ausführungen Dr. Hirschs im einzelnen durchzugchen, so muß sich der Bericht dennoch nur auf diese allgemeine Skizze beschränken und dte Lektüre dieser kurzen, aber außerordentlich inhaltSreichen und wertvollen Arbeit aufs Wärmste an- .zuempfehlen. Im zweiten Teile der Publikation entwirft Dr. Deutsch ein kurzes, aber effektvolles Bild des Kampfes um die Emanzipation der Juden, wobei er gleich von vorneherein das Geschichtsfeld adgrenzt: Das ehemalige römische Reich. Er schitden zunächst die günstigen Verhältnisse der Juden in Rom, die Nachahmung jüdischer religiöscr Bräuche durch die Römer und die dadurch veranlaßte gegenjüdische Bewegung, die zur Zeit Hadrians zur Unterdrückung der Juden führte. Treffend sind die Bemerkungen über den grundsätzlichen Haß des jungen Christentums gegen die Mutterrelrgion. Die Darstellung des EmanzipationskampfeS durch all die Jahrhunderte hindurch bis zum endlichen Siege der guten Sache und mit dem hoffnungsreichen Ausblicke auf die Zukunft ist umso genußreicher, als der Verfasser das streng wissenschaftliche Material in fesselnder, bis zum schönen Pathos sich entfaltender Weise vorträgl. F. K. Gott uud Götter, Roman von I. W- Neumann- Bonifazius-Druckerei, Paderborn. Won diesem dickleibigen Romane aus der Zeit des Exils, besten Held der Prophet Daniel ist, können wir nur sagen, daß er bas Werk eines gebildeten und fleißigen Mannes ist, der das Material vollkommen beherrscht. Der dichterische Wert des Buches ist gering. Auch haben die Juden vor 2500 Iahen kein Die ״Bibliothek der Romane".*) Bon meiner Kindheit her hat mich der heiße Wunsch jleitet, eine Bibliothek zu besitzen; die Verwirklichung dieses Wunsches schien mir das Maß aller Glückseligkeit zu sein. Eine Büchersammlung wünschte ich mir immer, nur, wie erklärlich, waren die Bücher, die ich mir wünschte, einem steten Wechsel unterworfen, gleich meiner Erfahrung und meinem Geschmack. Die wachsende Reife ließ manches Buch aus meiner geistigen Liste schwinden, manches Buch wurde eingereiht. Die moderne Literatur, die Literaturdes Tages, hat mich wenig bereichert; sie konnte mich zu einer Verirrung hinreißen, aber nie oder selten festhalten. Was die Verleger aus den Markt werfen, sind meistens Bücher voll Unkultur und Unnatur, Werke der Mittel- Mäßigkeit, Mißgeburten eines ahnungslosen DUetantismuffes, Produkte der Gewinnsucht. In meiner Bibliothek fanden diese Erzeugniffe keinen Platz. Ich hatte meine Lieblingsdichter, die ich regelmäßig und immer wieder las, die mich beim zehnten Lesen ebenso staunen machten, wie beim ersten; die mich bereicherten und erquickten, wenn ich müde war vom Kampfe des Lebens. Nur einen Schmerz konnte ich nicht verwinden: daß diese überaus köstlichen, überaus wundervollen Werke verklärten Menschengeistes nur im dürftigsten Gewände zu haben waren, daß sie auf vergilbtes Holzpapier mit miserablen äugenmörderischen Typen gedruckt, schlecht gebunden und barbarisch beschnitten waren. Einige Verleger sind in letzter Zeit mit Versuchen befferer Editionen hervorgetreten, aber die Krone dieser Schöpfungen bildet die vom Jnsel-Verlag zu Leipzig herausgegebene ״Bibliothek der Romane", in der ich alle Wünsche des Bidliophielen, bei erstaunlicher Wohlfeilheit, erfüllt sehe. Ich sage nicht zu viet, wenn "uh behaupte: Hier sind selbst gerechte Erwartungen übertroffen! Es bereitet Wohlgefühl, einen dieser wohlproportionierten schmiegsamen roten Bände in die Hand zu nehmen. Das Das Auge ergötzt sich an dem schönen Seilenbild, der wohltuend klaren Satzordnung, der edlen allen Fraktur. Technisch dar der Verlag eme Meisterleismng geliefert, der ich uneingeschränktes Lob, hohe Bewunderung zollen muß. Und welche Autoren sind m dieser Sammlung vereinigt?: Jacobsen, Flanbert, Turgenjeff, Scott, Murger, AlexiS. Welch' ein Parheon erhabener Geister, welche Freunde der einsamen Seele! Was möchte man am Meeresstrande, was aus den fteien Bergen, was in der Stunde der Adgeschloffenheit lieber lesen, als jene wundervolle Dichtung Niels Lyhne? Wer, von der Welt gekränkt, von ihrer Komplikation verwirrt, von Liebe verraten, wer wird da nicht die Einsicht des Verstehens, die Kraft des aus ״Frau Bovary" schöpfen? Du junger Mensch, du frühlluges Mädchen des zwanzigsten Jahrhunderts, du ringender Dichter: stärket euch am schäumenden Lebenswem der Frühlingsdichtung ״Boheme". Und du. Besinnlicher, grerse zu ״Väter und Sühne", zu ״Uli, der Anrecht", zur ״Letzten Reckenburgerin,״ zum ״Talisman", zu diesen unendlily vollblütigen Geistrejervoirs, aus deren Blätterrr die tiefe Erfahrung, die Mächte des Schicksales, die Stimmen der Well und die aller Dinge zu dir sprechen. _ Jakob Fingermann. Rosa Pinkus, Wien Samuel Stern, Abbazia empfehlen sich als Verlobte. RUDOLF SCHNIDA Teppich-, Möbelstoff- und Decken-Fabriksniederlage Brünn, Liechtensteingasse 2 empfiehlt Teppiche, Vorhänge u. Decken in allen Qualitäten zu konkurrenzlos billigen Preisen. M— Auf Verlangen bequeme Teilzahlungen. -WW Konkurs. Die Lieferung des Fleisches für bas allgemeine isr. Krankenhaus in Prag im Ausmaße von ca. 1500 kg jährlich, gelangt im Offertwege zur Ausschreibung. Dieses Fleisch muß von rimell geschachteten Tieren herrühren, muß von guter Qualllät sein und muß angefangen von der Schächtung bis zum Verkaufe unter ununterbrochener strenger Aufsicht des Oberrabinats bezw. seiner Organe sich befinden. Bei zufriedenstellender Lieferung dürften auch andere Institutionen innerhalb der isr- Kultusgemeinde ihren Bedarf bei diesem Fleischhauer decken. Ausführliche Offerte mit Preisangabe der zu liefernden Fleischsorten und der Verpflichtungsüdernahme der Unterwerfung unter die Kontrolle des Oberrabinats und seiner Org. sind bis zum 10. April 1912 an die isr. Kultusgemeinde-Repräsentanz (Prag, isr. Rathaus Nr. 250—V.) zu richten. Isr. Kultusgemeinde-Repräsentanz. Prag, den 25. März 1912. BRÜNNER VARlfiTfi. Programm vom 15. bis 31. Grete Bölling, Tanz- und Verwandlungssoudrelte- Duval Brothers, Exzentriks-Comedians. Hans Glrardet, sächsischer Humorist• The Johnstons, Kombinationsakt. ERNESTO BELLINI, das größte telepathische Phänomen des XX. Jahrhunderts• Ausserdem noch die wunderbare Ergänzung des Programmes bestehend aus 5 Atraktionen. Anfang des Konzertes 8 Uhr abends. ״ ״ Programmes 8'/, ״ ״ Jeden Sonnu. Feiertag 3‘/4 Uhr Nachmittags-Vorstellung bei ermässigten Eintrittspreisen. Jüdisch-volküche Gedenktage. Vom 17. bis 21. Niffan. 17. 5532 starb R. Israel Samoschl, der Lehrer des Moses Mendelsoyn. 18. 5433 starb R. Rüben Soser, Verfasser des ״Jaitut Reubeni". 19. 5532 starb R. Aron Karlin, ein Schüler des Dow-Ber von Misritsch und gefeierter, Ehassidim-Rabbi. 20. 4795 starb Raw Hai Gaon, Schuloberhaupt zu Pum- 21. 5043 haben in Mainz, Bacharach und mehreren anderen Städten furchtbare Judenverfolgungen und!Metzeleien stattgefunden. 22. 5663 fanden in itischinew (Beßarabien) die bekannten furchtbaren Judenmayakres statt. 23. 5643 starb, in Bukarest der bedeutende Arzt und Hebraist Julius Barasch. 24. 5390 starb R. Moses ben Israel als Märtyrer in Przemysl (Galizien). 1912 Wochenkalender 5672. 1 Aprilj *) Die Bibliothek der Romane. Jeder Band im Leinen K 3 60, in Leder K 6 —. Erschienen im Insel- Verlag zu Leipzig. I. Luise von Francois ״Die letzte Recken, burgerin". II. und lll. I. P. Jacol sen ״Frau Maria Grubbe". ״Nielo Lyhne". IV. Gustav Flanbert ״Frau Bovary". V. Jeremias Gotthelf ״Wie Uli, der Knecht, glücklich ward". VI. Iwan Turgenjeff ״Väter und Söhne". VII. Henry Murger ״Die Boheme". VHi. Willibald Alexis ״Die Hosen des Herrn von Bredow". IX- und X. Walter Scott ״Ivan, hoe" und ״Der Talisman", Einzige כשר si Josef Bock & Co. Brünn, fosefstadt 18 geben den P. T. Glaubensgenossen bekannt, daß ihre Selchwaren-Erzeugung stets unter Aufsicht des BrUnner Rabbinats steht und empfehlen daher ihre sämtlichen Selchwaren in bekannt bester Qualität. Filiale, Krapfengasse Nr. 19. ״ Bahnviadukt Nr. 41. jtampiglien sowie sämtliche erzeugt Franz Smejkol Brünn, Nammallengasse 2 (neben dem liedouiengebäude). DU- Adlergasse Nr. 18. “1 Mulm Ü2P MN« Gottlieb Lustig,' I! ---n.griindrt 1855. ~ Scstc ciakaufsquclic für reinste Liköre echten R Kognak, bliwowllz etc.