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Jüdische Volksstimme · 1912-04-10 · Heft 2 (10.4.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIII (1912)
Issue
Heft 2 (10.4.1912)
Date
1912-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mwische keile 3. und der örtlichen Behörden eingelaufen sind. Nur in geringem Maße werden Plätze für die russische und ausländische Presse reserviert. Es wird ein freisprechendes Urteil erwartet. Das ganze Judentum verfolgt mit fieberhafter Spannung die Borarbeiten zu dem Prozeß. Das kann auch nicht wundernehmen, denn das Damoklesschwert schwebt wieder einmal über sieben Millionen russischer Juden. Der Angeklagte Beilis hat erst vor kurzem die Kopie der Anklageschrift erhalten. Vera Tschebyrjakowa. die Hauptbeteiligte an der Ermordung des Knaben Juschtschinski, wurde Anfang März wegen Diebstahls verhaftet. Jetzt ist sie wieder auf fteiem Fuße und wird, wie vorauszusehen ist, durch ihre Aussagen vollkommen klares Licht auf die schon an und für sich nicht komplizierte Sache werfen. Mehrere Agenten und der Chef der Kriminal- Polizei, die wegen ihres Verhaltens bei der Untersuchung über die Ermordung Juschtschinskis verhaftet worden sind, sind zurzeit gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Wiener Jüdisches Leben. Das Jubiläum des ״Ferienheimes». Bor einiger Zeit haben wir bereits aus der Feder unseres Redakteurs einen Artikel an erster Stelle gebracht, der die verdienstvolle Tätigkeit des Vereines in ausführlicher Weise beleuchtete. Es fteut uns, diesmal von einer erhebenden Feier berichten zu dürfen, die am 21. März anläßlich des zwanzigjährigen Vereinsbestehens im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung, im Sltzungssaale der israelitischen Kutturgemeinde stattgefunden hat. Den Vorsitz führte die Begründerin Frau Sofie Grünfeld. Man bemerkte unter den zahlreich erschienenen Freunden des Vereines unter anderen d.n Vertreter des Unterrichtsministeriums Hoftat Ardelt, des niederösterreichischen Landesausjchusses HoftatRieger, der Polizeidirektion Polizeirat Pichler, Präfident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Hoftat Dr. Benno Rappaport, Amtsleiter Julius Braun, Generalstabsarzt Doktor Zuckermann, Präsidentin Frau Marianne Hämisch des Bundes österreichischer Frauenvereine und viele andere. Dem Tätigkeitsoerichte der Borsitzenden ist zu enMehmen, daß der Verein während semes Bestandes zirka 9000 arme Schulkinder in Ferienkolonien, Heilbädern und Kurorten entsendet, e!n herrliches eigenes Heim, das Kaiser Franz Josef-״Ferienheim-, in Tlschnowitz bei Brünn errichtet und mit einem ansehnlichen Gründungsfond als Schwesterinstitution des österreichischen Seehospitz dotiert hat. Fast rund eine Million Kronen wurde seit der Begründung aufgebracht und den geschilderten Zwecken zugesührt. Unter lebhaften Ovationen für die Begründerin und Präsidentin nahm die Versammlung diesen Bericht sowie die vom Vorstande beschlossene Ernennung der Frau Sofie Grünfeld zum Ehrenmitgliede entgegen. Hierauf wurden die turnusgemäß ausscheideuöen Vorstandsmitglieder Sofie Granfeld, Sofie Quittner, Rosa Freyberg, Linda Abelis, Marcha Bondi, Jda Güdemann, Berta Lichtenstadt, Nelly Ornstein, Antoinette Schwarzmann, Fanni Dring sowie die Revisoren Moriz Graf und Benno Kahane wieder gewählt, die Kooptierung der Damen Karoline Brünn-Rothberger, Jenny Frank und Adele Wertheimer bestätigt und OnSschulrat Quido Fuchsgelb in den Beirat berufen. Lebhaftes Interesse findet der die Vereinsgeschichte enthaltende, mtt interessanten statistischen Tabellen und zahlreichen Illustrationen geschmückte Festdericht, der eben zur Versendung gelangt. Der Verein hat seinen Sitz Wien, IX., Lürkenstraße 17. Verlobung. Fräulein Rosa Pinkas, Tochter des beliebten und renommierten Restaurateurs Jakob Pinkas, hat sich mit Herrn Samuel Stern, Sohn des Hoteliers M. Stern aus Abbazzia, verlobt. Unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Red. ChewraKadischa,Währing, hielt am Sonntag, den 7. April d. I. 724 Uhr nachmittags, ihre diesjährige Generawersammlung ab. Anzeige. Eine Gruppe!üdifcher Studenten veranstaltet demnächst einen literarischen Abend, an dem ausschließlich junge Autoren zu Worte kommen sollen. Unter anderem wird auch das Erstlingswerk des jungen Dramatikers Mose Groß ״Hauka» auf einer der hiesigen jüdischen Bühnen aufgeführt werden. Lese- und Redehaüe jüdischer Hochschüler in Wien. Ergebnis der Ausschußwahlen für das XXXVI. Semester: Präses MUC. Leon Kolb; I. Vizepräses JUC. Oskar Mannheimer; II. Vize- Präses JUC. Isidor Rosenberg; I. Kassier Stuck, phil. Ludwig Weiner; II. Kassier stuck, ing. Heinrich Schöngut; I. Schriftführer stuck, phil. Oskar Grünbaum; II. Schriftführer stuck. jur. Otto Friedmann; Bibliothekar stuck, jur. Oskar Lorber; Zeitungsverweser stuck, jur. Max Glaser; Haus- Verweser stuck, jur. Egon Latzer. Lawinenkatastrophe auf dem Hochschneeberge. Dieses schreckliche Unglück, von dem die Tagesblätter ausführlich berichtet haben, hat auch über einige jüdische Familien große Trauer gebracht. Unter den Verunglückten befanden sich Fritz Diamant, Sohn eines angesehen Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten; Otto Pollak und Emil Por. Mittwoch, den 27. März d. I., ist seitens des Landesverbandes für Fremdenverkehr mit der israelitischen Kultusgemeinde wegen Ueberführung der Leichen nach Wien und Besorgung des Leichenbegängnisses verhandelt worden. Seitens der Kultusgemeinde wurde das größte Entgegenkommen gezeigt, und es dürfte eine wesentliche Herabsetzung, wenn nicht vollständige Nachsicht der Kosten der Bestattung bewilligt worden sein. Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 29. März d. I. um 7,12 Uhr vormittags, auf den israelitischen Abteilungen des Zentralfriedhofes unter großer Beteiligung aller Kreise statt. Die Leichenrede hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann. Dr. Simo» Kehlmaun gestorben. Donnerstag. den 28. März d. I., fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des Czernowitzer Landes, und Gerichtsadvokaten Dr. Simon Kehlmann statt. Am Grabe sprach für die Freunde des Verblichenen Reichsratsabgeordneter Freiherr v. Löwenstein. Anwesend waren unter anderen: Dr. Ausländer in Vertretung der Bukowinaer Handelskammer, der Vizepräsident des Gerichts- Hofes Freiherr v. Schenk mit Familie, vom Obersten Gerichtshöfe die Generaladvokaten Wojnvrvwitz, Zeidler und Angermann sowie Hoftat Grobscheid, von der Lemberger Handelskammer der Präsident Edler v. Horowitz und Sekretär Tenner, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Ignaz Brecher, Dr. Jakob Kohn, Moriz Satter, Dr. Joief Sokal und Dr. Mich. Sommer. Ehrung. Der Kaiser hat dem Gesellschafter der Firma ״Volkswirtschaftlicher Verlag Alex. Dorn» in Wien, Herr Moritz Pozsonyi, den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Herr Pozsonyi hat-sich durch Begründung verschiedener kommerzieller Sammelwerke bedeutende Verdienste erworben. Künstlerhaus. Die Portraitradierung Arthur Schnitzlers von Emma Löwenstamm würde auf der Jahresausstellung des Künstlerhauses für die Portraitsammlung der Fideikommißbibliothek angekauft. Trauerfall. Vom Trauerhause, Wieden, Schleifmühlgasse 4, aus hat am 24. v. M. vormittags um 10 Uhr das Leichenbegängnis des am 21. v. M. nach langem schwerem Leiden verblichenen Ministerialrates und Departements- Vorstandes im Eisenbahnministerium Dr. Theobald Pollak stattgefunden. Der Trauerfeierlichkeit wohnten bei: Eisenbahnminister Freiherr v. Förster, Präsidialvorstand Dr. Hirth, kaiserlicher Rat Leopold v. Sachs, Dr. Alfted Stern, kaiserlicher Rat Leopold Langer, S. Steiner und andere. Nachdem der I. Kantor Matyas die Trauergesänge zum Vortrage gebracht hatte, wurde der Sarg gehoben und aus den Zentralftiedhof überführt. Osterurlaub jüdischer Soldaten. Das Kriegs- Ministerium hat verfügt, daß den Soldaten jüdischen Glaubens während des PessachfesteS, das ist vom 1. April 6 Uhr abends bis zum 4. April, dann vom 7. April 6 Uhr abends bis zum 10. April l. I. die Teilnahme an ihren Andachtsübungen zu ermöglichen sei; über Verlangen ist ihnen auch zu gestatten, sich während der jüdischen Osterfeiertage, das ist vom 1. April mittags bis zum Abend des 9. April auswärts zu verköstigen. Die jüdischen Provinzgemeinden sorgen wie alljährlich für die Zuteilung jüdischer Soldaten zumSedertisch jüdischer Familien. Ob die Wiener israelitische Kultusgemeinde sich dazu veranlaßt gesehen, ist uns nicht bekannt, wäre aber im Verneinungsfalle wünschens- Festakademie der jüdischen Schuljugend. Wer Montag bei diesem Kinderfeste zu Gaste war, bei welchem 300 jüdische Kinder mttwirkten und in welchem eine wunderbare Ordnung trotz des Aufeinanderfolgen von einer Anzahl von Kindergruppen, Chören, Pantomime, Reigen und dramattscheu Figuren herrschte, wer die Kinder aufjubeln hörte in ihrer Begeisterung, der mußte sich unwillkürlich an seine Stirne greifen und ftagen: ״Ist es möglich, ist wirklich ein neuer Frühling in die Herzen unserer Kinder eingezogen?» Das Publikum war begeistert. Es bildete das Fest das Tagesgespräch der jüdischen Kreise Wiens. Ueberall hörte man nur die eine Aeußerung, ״ein solches Kinderfest war noch nicht da. nicht bei Juden und nicht bei Christen». Unter der Leitung des bekähigten Organisators des Festes, Herrn Isidor Krug, wickelte sich die Festakademie in folgender Weise ab: Der Ovmann des Komitees, Herr Oberlehrer Jakob Kohn, hielt zuerst eine eindringliche und treffliche Rede als Einleitung. Hieran schloß sich die Vortragsakademie unter Leitung des Herrn Religionslehrers Jakob Bronner. Besonders künstlerisches Interesse erweckten die Musikstücke des Schülerorchesters, das vom Komponisten selbst. Herrn I. Katzberg, dirigiert wurde. Einen ebenso tüchtigen Chordirigenten fanden wir in Herrn S, Perl, dessen selbst komponierter Jubelchvr sinstrumentiert vom Organisten M. Winzer) besonders gefielen. Nach der Pause wurde eine Esther-Pantomine von 30 Kindern des XXI. Bezirkes geboten. Hierauf wurde noch ״Esthers» von Racine unter Leitung von Herrn O. Pollak mit eingelegten Tänzen, die von Herrn R. Heimann inszeniert waren, aufgeführt. Auch die stille Tätigkeit aller anderen Komiteemitglieder, der Herren Religionslehrer R. Müller. M. Pick. S. Popper, A. Schwertfinger, I. Springer, I. Schwarz, sollen dankenswert gerühmt werden. Um das leibliche Wohl der Jugend machte sich der angesehene Kaufmann I. Kommer besonders verdient. Abgeschlossen wurde die Feier durch die begeisternde Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Rosenmann, dem geistigen Vater und Gönner des schönen Festes. Wie wir hören, beabsichtigt das Komitee alljährlich zwei solche große Schülerfeste zu veranstalten. Wir wünschen ihm den besten Erfolg. Ein jüdischer Bolksstaunn in Ostafrika. Kürzlich weilte in Amsterdam Dr. Jakob Faitlovitsch, um, wie eS bereits in anderen größeren europäischen Städten geschehen ist, auch dort für den uralten, unter abessinischer Herrschaft lebenden jüdischen Stamm der Falasja an das werktätige Interesse seiner Glaubensgenossen zu appellieren. Man wußte zwar schon lange, daß in diesem Teile von Ostafrika ein der schwarzen Rasse angehöriger Stamm wohnt, der sich zum Mosaismus bekennt, dessen Traditionen mit dem Ritualgesetz treu bewahrt hat, aber bis jetzt in keine nähere Berührung mit seinen Glaubensgenossen in der übrigen Wett gekommen ist, sondern als eine Art anthropologischer und kulturhistorischer Kuriosität betrachtet wurde. Schon Marco Polo, der venezianische Reisende des XIII. Jahrhunderts, weiß über die Falasja zu berichten, und aus den Berichten der Jesuiten, die sich im XVI. und XVII. Jahrhundert in Abessinien niedergelassen hatten, geht hervor, daß sie einen selbständigen, von eigenen Fürsten gebildeten Staat gebildet haben, der mit den benachbarten Stämmen häufig in Krieg verwickelt Ueber Ursprung und Herkunft dieser Falasja hängt ein dichter, jetzt wohl kaum mehr zu lüftender Schleier, man hat an den alttestamentlichen Bericht, daß König Salomo Schiffe nach Ophir geschickt habe, um Gold zu holen, erinnert und angenommen, daß ein Teil der Bemannung dieser Schiffe sich in Afrika niedergelassen, sich mit den Eingeborenen vermischt, aber ihre Religion beibehalten habe, wogegen freilich eingewendet werden muß, daß es bis auf den heutigen Tag noch nicht gelungen ist, die geographische Lage dieses Goldlandes Ophir festzustellen. Andere Hypothesen stiegen in der Geschichte noch höher hinauf und wollten, daß diese Falasja die Nachkommen von Israeliten seien, die sich der von den Pharaonen über sie verhängten Knechtschaft durch die Flucht entzogen hatten, und ein angesehener ägyptischer Rabbi, David ben Zimra. der im XVI. Jahrhundert lebte, behauptete, daß sie zum Stamme Dan gehörten. Im XVIII. und XIX. Jahrhundert berichteten verschiedene europäische Reisende über ihr Zusammentreffen mit Angehörigen dieses jüdischen Stammes, und in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts veröffentlichten denn auch europäische, namentlich ftanzösische Blätter äußerst interessante Mitteilungen, wie sich auch die ״ArchiveS JsraeliteS" während der Jahre 1851—1853 eingehender mit den Falasja beschäftigten. '..övpMjunU qun -tpriE uchjMb" wq tpmq mhMg n? rchWSPG

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