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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-12-23 · 50-51 (23.12.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
50-51 (23.12.1931)
Date
1931-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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tet, aber er hat sich durchgesetzt. Sein wissenschaftlicher Ruhm geht weit über die jüdische Welt hinaus, Gelehrte in allen Lagern, auck^ unter uns Juden in allen Parteien, wissen seinen wissenschaftlichen Ruhm zu künden. Wir dürfen ihn zu den unsrigen zählen. Bei den letzten Gemeindewahlen hat er durch seine Unterschrift unter unseren Aufruf bewiesen, daß wissenschaftliche Erkenntnis der Quellen des Judentums die Grundlage für ein modernes Judentum bilden muß. Wir gratulieren ihm von Herzen zu seinem wissenschaftlichen Erfolge und wünschen, daß es ihm vergönnt fein möge, noch recht lange in geistiger und körperlicher Kraft für die Wissenschaft des Judentums zu schaffen und zu wirken. Wir geben aus seinem Leben nachstehende Daten und folgen hierbei den Angaben des jüdischen Lexikons: Geboren 1871 in Plungianh (Litauen), besuchte Goldschmidt die Jeschiwa von Slobodka bei Kowno, studierte in Berlin und Straßburg orientalische Sprachen. Er schrieb u. a.: „Tim'at Zion. Lacrimae Sionis, carmina in lingua Hebraeorum", 1891; „Das Buch Henoch, aus dem Äthiopischen in die urspr. hebr. Abfassungssprache zurückübersetzt", Berlin 1892; „Biblio checa Aethiopica", Leipzig 1893; „Das Buch der Schöpfung": Seser jezira 1894; Barajta demaas'se bereschit („Tie Geschichte der Schöpfung"), 1894; „Tie abessinischen Handschriften der Stadtbibliothek Frankfurt", 1897; Vida do Abba Daniel, Lisboa 1897 (mit Pereira); Mischle schu'alim, die Fuchsfadeln des Berechja b. Patronaj, 1921; Machbereth hatofet weha'eden, Hölle und Paradies, nach Tante, Dwina Commedia von Immanuel b. Salomo Zisroni, 1922; Sefer hajaschar („Das Heldenbuch"), 1923; Nachträge zu Jacob Levys Wörterbuch der Talmudim und Midraschim, 1924. Von großer Bedeutung für die talmudische Textkritik ist feine mit lexikritische« Scholien versehene Faksimile-Ausgabe der alte ste» Talmudhandschrift in der Hamburger Staatsbibliothek, die die drei Traktate Baba kama, Baba mezia und Baba lratra enthält (19l3). Auch eine noch nicht vollständig er schie'ncne deutsche Bibelübersetzung (1923) und eine lieber setzinig des Korans (1916) stammt von ihm. Goldschmidt, der als Bibliophile und Sammler seltener Truckwerke be kan nt ist, betätigte sich auch aus diesem Gebiete durch ver schiedenc bibliographische Aussätze und Luxusausgaben klas fiischer und neuerer Dichtungen. Er schrieb ferner mehrere polemische Broschüren, die an den Arbeiten von Hermann Strack, David Hoffman«, Jakob Fromer, Immanuel Loew n. a. in scharfer Form Kritik üben. f* i Aus den Gemeinden * Neerstlden. (Neuer Lehrer.) Ter hier gebürtige Amerikaner A. 2. Rosenthal, NewUork, hat seiner Heimatgcmciiidc aus Anhänglichkeit eine Stiftung übcrlvicsen, die es der kleinen Gemleinde auf Jahrzehnte ermöglicht, einen Lehrer anstellen und besolden zu können. Ter neugcwählte Lehrer Schapiro ans Halberstadt wurde in Gegenwari des hochherzigen Wohltäters am 22. November in sein Amt eingeführt. Der erste Vorsteher, .Herr Jonas Sondheimer, begrüßte Den zur Freude der Gemeinde anwesenden Herrn A. S. Rosenthal, New 4)ork, und alle übrigen Gaste. Rabbiner Tr. Bien heim, Darmstadt, und Lehrer Schapiro hielten Ansprachen; Herr Rosenthal dankte für die ihm erwiesenen Ehren und betonte seine Verbundenheil mit. der Gemeinde. Berlin. (Gründung s fest der I ü d i s ch c n Alters- Hits c.) Am Sonnabend, 12. Dezember, fand im Marmorsaal des Zoo das diesjährige Gründungsfest der Jüdischen Altershilfe Groß- Berlin statt. Unter den Gästen, die bcu großen Festsaal und die Ncbenräume füllten, sah man Staatssekretär Tr. Wilhelm Abegg, Generatkonsul Eugen Landau, Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Dr. h. c. Wilhelm Kleemann, den früheren langjährigen Vorsitzenden der Gemeinde, Geheimrat Dr. Julius Stern, Direktor Adolf Schoyer, Dr. Bruno Weil, Polizei Vizepräsidenten Dr. Weiß, Vertreter großer jüdischer Organisationen und eine große Zahl bekannter Persönlichkeiten aus Kunst, Wissen schaft, Industrie und Handel. Das künstlerische Programm rvurde von Camilla Spira, Paula Lindberg, Maria Rapp Janowskaja mit chrem Vokal Instrumental-Quartett, Jascha und Tossi Spiwakowslp, Irene de Noiret, Mara Frati und dem Rechenkünstler Dr. S. Fintel stein bestritten. Nachdem Herr Generaldirektor Nacher im Namen des Vorstandes ver Jüdischen Aliershilse die Gäste begrüßte, das Wirten der Allers- Hilfe uinrift, wobei er das Wesen sozialer Hilfe auch als ..seelische Ausrichtung" desinierle, hielt Staatssekretär Tr. Abegg inner größter Spannung aller Anwesenden eine Ansprache, in der er die sittlich reli giöse Grundlage des Judentums pries, oie Opferwilligkeit der Inden aus sozialem Felde hervorhob und den Antisemitismus strls die Schande unserer Zeit brandmarkte. Berlin. (R a b b i n e r T r. S a m u et L i n k 0 0 I a h r e.) In diesen Tagen vollendete der Tircllor der Chelvra Kadischa Groß- Berlin, Rabbiner Tr. Samuel Link, sein 60. Lebensjahr. Rabbiner Dr. Link ist eine volkstümliche Figur im jüdischen Leben Berlins. Einer bekannten Gelehrtenfamilic entstammen!), widmete er sich dem Rabbinerberus. Während des Weltkrieges übte er eine für sein» Pfleg linge unvergessene Tätigkeit als Feldrabbiner ans. Seit ctlva 15 Jahren hat er seinen ständigen Wohnsitz in Berlin, lvo er sich unermüdlichen Werken der Wohlfahrt und der Lrebcstätigteit lvidmet. Er lat sich besonders in der Reorganisation der Chelvra Kadischa Groß Berlin, deren rabbinischer Direktor er ist, hervor, und er war es auch, der sich für die Verbreiterung der philanthropischen Tätigleii der Ehe'vrn, die über ihre eigentliche Bestimmung hinaus sich Werten der Liebe an Lebenden lvidmet, zahlreiche Bedürftige mit Lebensmitteln usiv. versorgt und in der Keantenunterstütznng eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet, einsetzte. Dr. Link, der den Wunsch hatte, auch an seinem Geburtstage seine Arbeit Ilichi zu unterbrechen, hat, Ivie wir erfahren, sich jeder ihm ziigedachten Ehrung entzogen und Ehrengaben Berlin. (H e l e n e F >. s ch b ein 3 t i f t u n g.) Die Zinsen der Helene Fischbcin Stiftung sind in diesem Jahre in Anbetracht der wirtschaplichcn Not anstatt in 2 große in mehrere kleine Preise geleit: worden. Prämiicrt wurde»: Ilona Singer, Erira Plachie, Eva Hauser, Charlotte Nierthardt, Else .Hossmann, Irene Kolsty. Kiste Knorr Treßler, Ilse Häfner-Mode, Adele Reifcnberg Roscnbaum, Ille Rvtzoll. Tic Jury bestand aus den Herren Adolph Donath und Tr. Karl Schlvarz und Frau Eva Stört, in Vertretung der er krankten Frau Pros. Küthe Kotlwitz. Berlra. «Tagung d c^r jüdischen Lehrer der Pro '■ 'i B rand e n b u rg Z Tie diesjährige Jahresversammlung fand an:!8. November stall. Der Vorsitzende (Guttmann, 'Potsdam) ging in seinem Bericht besonder? aus die Auswirkungen ein, die die allgemeine Not auf die Verhältnisse der Lehrerschaft hat. Die Bcschäfligu'iig ungeeigneter und sogar unberechtigter Lehrkräfte durch die Gemeinden sei nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Lohndrückerci, sondern auch im Hinblick aus den Lehrzweck zu verdammen. Nur ein sachlich hoch stehender, geistig und materiell unabhängiger Lehrcrstand vermöge zum Wohle des Judentums zu arbeiten. Redner setzte sich in diesem Zusammenhänge auch kritisch mit dem kürzlich vom Preußischen Landesrerband jüdischer Gemeinden hcrausgegebenen Entwurf einer Beamtenordnung auseinander. Dortmund. (Albert H e i n c m a n u.) Einen außerordentlich schweren Verlust hat unsere Gemeinde am letzten Chanukkahtage erlitten. In der Frühe des Sabbats starb plötzlich an einem Herzschbage Herr Albert He inemann im 65. Lebensjahre. Seine Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit war so vielgestaltig, anregend uno ¥ Gottesdienste * Berlin-Norden. Literal« Synagoge Norde«. Schö«ha«fer Allee 162. Freitag, den 25. Dezember, abends 6 Uhr. Predigt: Dr. Andora. Soum> abend, vormittags 10 Uhr. Freitag, de« 1. Januar, abends 6 U h r. Predigt: L. Mehlrr. Sonnabend, vormittags 10 Uhr. Berlin-Osten. Liberal« Synagoge Osten, Aaiserstraß« 30. Aula der Mädchen, schale. Freitag, den 25. Dezember, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Hirschberg. Freitag, den 1. Januar, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Plotte. Lerlin-Westend. Liberale Synagoge «estend, Lristikoroftratz« 7*8. Freitag, de» 25. Dezember, abends 7.15 Uhr. Predigt: £. Mehler. Freitag, den 1. Januar, abends 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Berlin-Ekunewald. Liberale Synagoge Grunemald» Berkaer Straße 32 (am Hoheuzollerndamm-Elsterplatz, Nähe Roseneck). Freitag, abends 7 Uhr, Sotleshienst mit Harmouium und Ansprache. Sonnabend, vormittags 9 Uhr, Gottesdienst mit Harmonium und Predigt. Berlin. Jüdische Rciorm-Gemeind«. Gottesdienste am Sonntag, dem 27. Dezember. Zohannisstratze 16: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Jeisli. Kleiftstrahe 10: vornftttags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Lehmann. Gottesdienste am Sonntag, dem 3. Januar. Iohannisstratzr 16: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Rvsenthal. Klriststraße 10: vormittags 10.30 Ahr. Predigt: Dr. Jelski. hingebcnd, daß es schwer ivird, auch nur e i n Arbeitsgebiet hervorzuhcben. Jahrzehntelang lvar er führend im Rcpräsentantcn-Kolle gium, ii. a. Vorsitzender des Gottesdienst und des Friedhofs-AuS - schusses, ivirkte überall ansgleichcrid und versöhnend. Der Central- Bercin und die Liberale Vereinigung verlieren in ihm ein wertvolles Vorstandsmitglied. Die Richtlinien liberaler Gemeindepolitik für die Provinz Westfalen sind von ihm entworfen und geschaffen worden, und die N nmi 2 a tz u n g e n der Syiiagogengemeindc, die z. Zt. in den Repräsentanten Sitzungen zur Beratung stehen, sind unter seiner Hauptmitarbeit in der Satzniigskonnnission entstanden. Er ge hörte politisch der Freisinn-Demokratie an, war langjähriger Stadtverordneter und besaß durch die politische Tätigkeit zahlreiche Freunde in Stadt und Land. In der großen Tranerhalle des .Hauptsricdhofs hielt Herr Rabbiner Dr. W i l h e l m die Gedenkrede, und Herr Rechts anwalt Dr. Koppel sprach für die Gemeindeverwaltung und den Centralvcrcin. Der Synagogenchor, das Lieblings und Sorgenkind des Heimgegangenen, umrahmte die Trauerfeicr durch den Vortrag niehrercr Gesänge, und dann verabschiedete sich das große Trauer gefolgt von Albert Heinemann, dem wackeren, edlen Manne. Wir werden den aufrechlen Mann künftig sehr vermissen, aber nie ver gesscn. - Tie hiesige Ortsgruppe beging am 9. d. Mts. unter außcoordcnilich großer Beteiligung im großen Saale des „Reinoldus- Hauses" ihre C h a „ u k k a h f c i e r. Dortmund. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g e n.) Die Reprä sentanten-Versammlung beschäftigte sich in den beiden letzten Sitzungen mit oer Beratung über den vorliegenden Satzungs-Entwurf. Seit Anfang d. I. hat die Satzungskommission eingehend gearbeitet, und dieser Entwurf ist bereits der dritte, nachdem nach längeren internen Verhandlungen bezüglich des Wahlrechts zwischen Vorstand und Repräsentanz eine Einigung erzielt worden ist. Unter Leitung des Vorstehers Rechtsanwalt Dr. Koppel wird n. a. folgendes beschlossen: Anstelle des bisherigen Namens „Synagogengemeinde Dortmund" heißt es fortan „Jüdische Religions-Gemeinde Dortmund". Ausgabe der Gemeinde ist es, für diejenigen Einrichtungen zu sorgen, die nach Her-" kommen einer jüdischen Religionsgemeinde obliegen. Die Zahl der Repräsentanten beträgt 19; bisher ltz und 6 Stellvertreier. Durch das neue Wahlrecht fäll: das System der Vertreter fort. Die Reprä sentanten werden in unmittelbarer und geheimer Wahl nach den G r u n d s ä tz e n d e s V e r h ä l t n i s w ahlr e ch l e S gewühlt. Das Recht zur Teilnahme an der Wahl steht sämtlichen v o l l j ü h rigen geschäftsfähigen und unbescholtenen Mitgliedern, ohne Un t e r s ch i e d des Geschlechtcs und der S t a a t s z n g e h ü r i g k e i t zu, lvenn sie bei Auslegung der Wählerliste mindestens l2 Monate in der Gemeinde ihren Wohnsitz haben. Unbescholten ist, wer sich im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet. Wählbar ist jedcs Milglied der Gemeinde, ohne Unter schied des Geschlechtes und der Staatszugehörigkeit, das am Tage der Auslegung der Wählerliste das 30. Lebensjahr vollendet hat und an diesem Tage mindestens fünf Jahre Mitglied einer deutschen jüdischen Religionsgemeinde, davon mindestens ein Jahr das Mitglied der J.R.G. Dortmund, war. Ter Gcmeinöevvrstcui!) besteht aus fünf Mitgliedern und ivird von den Rcpräsentanlen in geheimer und unmittelbarer Wahl gclvählt. Wählbar ist, >ver die Eignung znm Amte eines Repräsentanten besitzt; jedoch mit der Maßgabe, daß sich unter der: fünf Vorstandsmitgliedern nicht mehr als eine Frau befinden soll. Der erste Vorsitzende der Gemeinde wird fortan gemeinsam durch die Vorstandsmitglieder und die Repräsentanz gewählt: nicht wie bisher nur durch die Vorstands-Mitglieder. - Verstößt ein Mitglied der RV. gegen die Anitsverschlviegenheit oder dergl., so hat die Bersamnilung das Recht, es »ach ziveimaliger Verrvarnung durch den Vorsitzenden bis zu drei Sitzungen ausznschließen. Diese Vestiramnngen gelten auch für die Mitglieder des Vorstandes. Mit der Annahme dieser »vichtigsten Bestimmungen und Aenderungen des Satzungs Eiulvnris zur ersten Lesung sind dessen entscheidende Teile angenvramen: und die hil'jige Geineinde dürste damit ein Statut erhalten, da? zu den demolralisch steil innerhalb der deutschen itzrvßgemeinden gehört. - Vorträge. | Unter den zahlreichen Vorträgen in den letzten Woche» innerhalb unserer Gemeinde können zivei hervvrgehoben iverden, die beide int ü b e r - voll besetzten Saale des ttzemcindehause.s staltsanden. Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r Düsscldvn sprach über von Nürnberger Tauntldyrozef; vom l.ä. bis 17. Oktober, dem er als Ginachler beiwohnte. Erich Cohn Hofs, ein Sohn unserer Gemeinde, Diplom Volkstvirt und Chemiker am wisseiischastlichen Institut für Agrarwirtschaft in Moskau, sprach über das Thema: „Ausbau und Entlvicklung im heutigen Rußland". - Beide Vorträge ernteten reichen Beifall. Dortmund. (D s sizi e t l c r Protest g e g e n z i o n i st i s ch e P e r i ch t e r st a i t u n g.) Die Versammlung bclvilligte ein weiteres Darlehen an die Jüdische Darlehnskasse im Betrage von 1500 Mk., da an die Kasse weitere dringliche Darlchnsgesuche Herangelreben find. Vor der Erörterung des Hauptpunktes der Tagesordnung: „Weiter beratung der Satzungen" erklärte der Vorsitzende, Rechtsanwalt Tr. Koppel: Tie Berichbccstartung der „Jüdischen Rundschau" über unsere Satzungsberatungeil vom 19. November 1931 ist so enlstellcnd und in solchem Maße geeignet, die Tätigkeit der Rcpräsentantcnversammlung.herabzusetzen, daß es eines Protestes dagegen bedarf. Ter be-- zeiäinetc Bericht in der „Jüdischen Rundschau" ist im Einzelnen ent stellend -- der Vorsitzende geht auf die Einzelheiten ein — und auch in seiner Tendenz demagogisch ausgemacht. Er läßt von der ernsten geleisteten Arbeit und von den Fortschritten, die der Entwurf bringt, absichtlich nichts übrig. Es ist erforderlich, dies einmal ftstzustcllen. — Sodann wird in der Beratung der Satzungen sortgcfahren. Die Erörterungen sind soweit gediehen, daß in der nächsten oder übernächsten Sitzung idie Satzungcir sertiggestcllt sein können. Dresden. (Aus dem Geme Inde leben.) In den Gemeinderat wurdr-als neues Mitglied Herr Herbert T r e i t e l ein - geführt. Das noch nicht abgeschlossene Ergebnis der Winterhilfe Aktion übertrifft erfreulicher Weise die Erwartungen, die man bei bet gegenwärtigen Lage und im Hinblick aus die hiesigen, ihrer Auf- Närung entgegensetzenden Gemcindevorgänge an die oft erprobte jüdische Opserfreudigkeit knüpfen konnte. Man hofft, bis auf 16 000 Mk. zu kommen, der Betrag ist bald erreicht. Bad Dürkheim. (Persönliches.) Frau Klara Strauß, die Gattin des Synagogenvorstandes und Stadtrates Ludwig Strauß und langjährige vewiente Vorsitzende des israelitischen Frauenvereins, beging am 16. Dezember ihren 75>. Geburtstag. Im vorigen Jahr» konnte die Jubilarin mit ihrem Gatten die goldene Hochzeit feiern. Gotha. (7 0. Geburtstag von Geheimrat Pick.) Die für uns kämpfen: mit dem Wert ihrer Perfönlichleit, mit hervorragenden Leistungen innerhalb deutscher Kultur und Wissenschaft, jüdische Männer, die es geblieben sind trotz aller judenfeindlichen Umwelt — ein Bolltverk sind sie dem deutschen Judentum. Eine solche Persönlichkeit, ein Wissenschaftler von internationalem Stttf: der Numismatiker Geheimrat Professor Behrendt Pick, feiert in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag in Gotha, wohin er schon 1893 berufen wurde, als Direktor des Herzoglichen Münzkabinetts, eine der größten Sammlungen in Deutschland, und später auch als Leiter der wissenschaftlich hochbedeutenden Bibliothek dort. 1911 übertrug man ihm^ auch nebenamtlich ein Lehrfach an der Thüringer Landesuniversität Jena als ordentlicher Honorarprofessor, das er erst im letzten Jahre aus Zeitmangel aufgegeben hat. Seine menschlich vornehme Persönlichkeit hat bei aller Hingabe an sein Werk und sein Staatsamt sich doch stets treu für sein Judentum eingesetzt und der Gothaer jüdischen Gemeinde beim Bau ihrer Synagoge mit Rat und Tat beigestanden; er hatte auch in den jetzt leider aufgelösten Jüdischen Literaturvcreinen Thüringens den Vorsitz übernommen. Auch über altjüdischc Münzkunde hat er Vieles in Wort und Schrift veröffentlicht. Kassel. (Persönliches.) Nach mehr als sechzigjähriger Berufstätigkeit ist Direktor Richard Gotthelft, der Seniorches der A.-G. Druckerei und Verlag (vormals Gebrüder Gotthelft), die gleichzeitig Verlag des Kasseler Tageblatts ist, in den Ruhestand getreten. Körperlich und geistig noch frisch und regsam, wird Herr Gotthelft als Mitglied des Aufsichisrats der A.-Ä. noch wertvolle Anregung und Mitarbeit bieten können. Aber noch eifriger als bisher wird der von anstrengender Berufsarbeit Enilastete seine Fähigkeiten und Kenntnisske in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft stellen, der er in mehrerien Ehrenämtern, u. a. als Mitglied des Verwaltungsrats der „Humanität" und als Mitbegründer und ehemaliger Präsident der Sinailoge, mit vorbildlicher Hilssbereitschaft uird Selbstlosigkeit Bcmter sein konnte. Möchte dem trotz seiner 71 Lebensjahre noch schassenssreudigen alten Herrn, dem man das biblische Alter nicht ansieht, ein sonniger und ungetrübter Lebensabend Geschieden sein! Köln. (A u s der G e m e i n s ch a f t.) In einer gut besuchten Mitgliederversaininlung sprach am 7. Dezember Herr Rabbiner Dr. G o t t s ch a t k über das Thema: „Unser Kampf um die Emanzipation in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". An Land reichen historischen Materials« kennzeichnete'der Redner den Sinn dieses Kampfes um das Recht, der zugleich ein Verteidigen überzeitlicher, im tiefsten Sinne religiöser Werte sei; der nicht abgestellt werden dürfe nur aus zeitgebundcue politische Situationen, weil diese vergänglich seien. Dem Vortrag, der die einzelnen Epochen der Emanzipation wieder einmal den Hörern lebendig werden ließ, folgte eine angelegte Aus spräche. Am 13. Dezember hatten sich die Mitglieder der Gemeinfchast mil ihren Kindern im Klubzimmer der Rheinlandloge zu einer Cha nukkahseier zusammengesunden. Etwa 50 Knaberr und Mädchen vergnügten sich eine Stuirde bei Schokolade und Kuchen. Unter dem Schein der Chanukkahkerzeu wurden Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen. Mit frohem Lachen begleiteten die Kinder die Verse ihres Religionslehrers Dr. Gottschalk, iit denen er jedes einzelne Kind apostrophierte. Ein lustiges Theaterstück und einige turnerische Vor^ führungen gaben der Feierstunde den Abschluß. Kv«jgsberg. (Verband der Synagogen gemeinde,r Ostpreußens.) Der Ausschuß des Verbandes der Synagogengemctndcu Ostpreußens hielt tu Königsberg eine aus den verschieiliensten Teilen der Provinz gutbesuchie Sitzung ab, bei der der Berbandsvor-- stehec Arthur Cohn- Königsberg über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die ostpreußischen Synagogengemeinden und ihre Be amten referierte. Die vom Verband vorgenommeue Umfrage habe die Notlage der ostprcußischen Gemeinden aufs erschütterndste beleuchtet. Aus der lebhaften Debatte, die sich an die Ausführungen des VcrbandSvorstehcrs anschloß, seien besonders die Ausführungen von Previger Mannheim-Osterode hervorgehobeu, der in seiner Eigenschafl als Vorsitzender des jüdischen Lehrervereins für die Provinz Ostpreußen eine starke Kritik an den Etatsaufstellungen der Gemeinden übte. Tie Steuersätze dürften nicht nur nach dem Einkommeir festgesetzt werden, sondern sie müßten nach dem (Grundvermögen unter Hinzunahme einer Kopfsteuer ergänzt werden. Redner kritisierte besonders eine Reihe durch die Synagogengemcinden vorgenommcmer Kündigungen der Kultusbeamtc», die teils aus tatsächlichen, teils aus formalen Gründen erfolgt seien, um die Gehälter zu verkürzen. Gegen diese Ausführungen nahm der Verbandsvorstcher Stellung, der vor einer steuerlichen Erfassung der Vermögensinstanz warnte und die Beamtenschaft bat, eine andere Taktik gegenüber den Gemeinden einzuschlagen. Gemeinderabbincr Dr. L c >v i » Königsberg nahm zur Frage des Judrngesctzes Stellung, das trotz mancher Schönheitsfehler dem preußischen Judentum eine gewisse gesetzliche Fundierung bringen »vserdc. Nach einer Aussprache regte der Verbandsvorstcher an, eine oft preußische Zentralvcrwaltuug der Synagogengemeinden zu schaffen, die das Judentum in der ganzen Provinz gleichsam als Einheitsgemeinde organisiere. Aus Antrag vvn Bankdirektor i. R. Marx- Königsberg wurde beschlossen, einem besonderen Ausschuß die Aus nrbeilung eines ueueu Normalvertrages für Beamte zu übertragen. lieber die Neugestallung der PeusiouS und Hilsskasfe für die Beamte!, der Synagogengemcinden Ostpreußen? referierte deren Vvr sitzender Kantor W o l t h e i m - Königsberg. Nachdem zur Frage der Kulturarbeit in den ostprcußischen kleinen Gcnicinde» Stellung genommen wurde, erstattete der Schatzmeister des Verbandes, Bantdirektor Marx, den Kassenbericht. Königsberg. (E r ö s s n n n g s f e i e r im C.-B.-H e i m.) Um den Geineiudemitglieder» ohne Unterschied der religiöseu und politischen Einstellung die Möglichkeit zu geben, in einem gemültichcn Heim znsanimeuzutvmmeu und sich über jüdische Dinge zu unterhalten svlvie jüdische und allgemeinpvlitische Zeitungen zu lesen, hat der Centralvercin sei» Jugendpeinr an drei Abc,,den in der Woche sämtlichen Olemeindemitgtiedern, die hiervon Gebrauch mache» wolle», zur Verfügung gestellt. Ter erste Abend wurde mil einer Chanukkahseier im Rahmen eines Teeabeiids eröffnet, bei der Kantor W oll heim die Lichter anzündele, während Syndikus Sabatzky namens des Vorstands der Ortsgruppe Königsberg des Centralvereins dic Gäste begrüßte und Kantoratskandidat PoderewSli eine Reihe wohlgelungener Jargontieder wie anderer Lieder vortrug. Es folgten sodann „och andere Darbietungen. - Weitere Chanuklahfeicrn wurden von der Frauengrnppe des Centralvercins, vom Jüdischen Jugendverein (Jugend und Schülergruppc des C.-V.) und dem Jüdischen Alters heim solvic von der Kantloge N.O.B.B. veranstaltet. Königsberg. (A u s der Ge m e i n d c.) Hier verstarb nach langem schlverem Leiden im Alter von 67 Jahren der Mühlenbesitzer Louis Gr um ach, der seit sünsundzlvanzig Jahren hier wohnt, nachdem er aus seiner Heimatstadt Wartcuburg hcrgezogcn war. Im jüdischen Leben hat sich Louis 'Grumach als Vorsitzender des Israelitischen Stiftes ausgezeichnet, sowie als Kassierer des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und als Vorstandsmitglied der Wohltätigen Gesellschaft. Sein 5)inscheidk,i wird in weiten Kreisen der Gemeinde bedauert. Rörenbekg. (P e r s ö »l i ch e s.) Am 6. Dezember beging der längsährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Paul Hirsch, seinen 80. Geburtstag. Ter Jubilar feierte vor drei Jahren mit seiner Gattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit; bei dieser Gekegenl>eit kam die allgemeine Verehrung und Beliebtheit der ehrwürdigen alten Leute besonders lebhaft zum Ausdruck. In seiner 45 jährigen Tätigkeit als Vorsteher der Gemeinde hat der Jubilar auch den Bau einer

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