Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 50-51 (23.12.1931)
- Date
- 1931-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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buitten, Christen und Mohammedaner, radikale Intellektuelle und orthodoxe Geistliche - ja sogar die arabischen Frauen haben in diesem Kongreß zum ersten Male in die Belvegung eingegriffen. Es mag dahingestellt bleiben, ob der Traum eines pan arabischen Reiches vom Zweistrvmland bis Mauretanien, vom Libanon bis zum Sudan jemals in Erfüllung gehen wird, oder ob die Entwicklung vielmehr in der Richtung.der Auto nomie einzelner Staaten wie Irak, Syrien, Hedschas, Aegyp ten, Transjordanien verlaufen wird. Sicher ist, daß der ara bische Ausstieg unaufhaltbar vorwärts schreitet und deshalb alle Erwägungen ganz illusorisch sind, ob England das Palästina-Mandat behält oder nicht, ob es dort diese oder jene Taktik einschlägl und was dergleichen Prophezeiungen mehr sind. Kein europäischer Imperialismus, auch der britische nicht, ist heule mehr stark genug, um den Aufstieg der orientalischen Völker zu verhindern. Schritt für Schritt verlieren die bisherigen Kolonialmächte in Vorderasien an Boden. Der Irak-Staat ist bereits so gut wie selbständig. Er hat eine eigene Verfassung mit einem auf allgemeinem Wahlrecht beruheirden Parlament, eigene Verwaltung, eigenes Finanz-, Unterrichts- und Justizwesen. Das von England ausgeübte Mandat, das sich gegenwärtig nur in der Stellung von Inspektoren und Polizeitruppen auswirkt, läuft im Jahre 1932 ab. Tann wird der Irak als unabhängiger Staat seinen Eintritt in den Völkerbund vollziehen. Großbritannien erhält lediglich auf Grund eines Bündnisvertra ges auf 25 Jahre zwei Luftstützpunkte int Irak, bei Basra und westlich vom Euphrat, um seine Verkehrsverbindungen nach Indien zu sichern, und soll fünf Jahre lang bis zur Schaffung einer ausreichenden irakischen Arnree geringfügige Truppenteile im Lande unterhalten. Noch weiter vorgeschritten in der Entwicklung ist A e gypten, dessen Unabhängigkeit von England bereits im Jahre 1922 anerkannt wurde, und wo nach einem kurzen diktatorischen Intermezzo sich die Unabhängigkeitspartci, der sogenannte Wafd, anschickt, endgültig die Macht zu ergreifen. Die Berfassungssragen sind auch hier schon eine rein innerpolitische Angelegenheit des ägyptischen Volkes (zum größten Teil .aus einer arabisch-koptischen Mischrasse bestehend) ge worden, und der britische Einfluß wird sich bald nur noch aus die Ueberwachung des Suezkanals und der Verbindungen nach dem Sudan beschränken. Tie eigentliche arabische Halbinsel, der dl e d s ch d und der Hedschas, sind das unumschränkte Herrschaftsbereich des Wahabitensührers Jbn Sand, der nach Vertreibung seines Widersachers Hussein im Jahre 1927 in einem Vertrage mit den Engländern die vollständige und absolute Unabhängigkeit seiner Länder durchsetzen konnte. Jbn Saud geht daran, in Jnnerarabien, wo sich die Reste einer feudalen Gesellschafts- Verfassung der arabischen Stämme am längsten gehalten haben, in energischer Weise neuzeitliche Reformen durchzusühren. Tie Erschließung des Landes durch moderne Verkehrsmittel erleichtert ihm seine Aufgabe. Wo über die jahrtausendealten Karawanenstraßen die Kamelzüge in monotonem Schritt einherzogen, rattern jetzt die Automobile in regelmäßigem Verkehr, wo die Beduinen die Oasen umschwärmten, werden jetzt unter Anleitung europäischer Ingenieure Schienenstränge gelegt, und quer über die arabische Wüste zieht das Flugzeug von Kairo nach Bagdad allwöchentlich seine Bahn. In noch stärkerem Maße als der Nedschd ist Trans - jordanien das eigentliche Durchgangsland für den wich tigen Verkehr vom Mittelmeer nach dem Persischen Golf sowie im weiteren Verlauf nach Indien. Dieses alte Grenzland ist gleichfalls bereits ein konsolidierter Staat, und am 2. November 1929 ist das erste transjordanische Parlament eröffnet worden. Ter britische Einfluß ist zwar noch erheblich, trägt aber in sehr kluger und entgegenkommender Weise den Wünschen der Bevölkerung Rechnung. Die Ansprüche der radikalen Zionisten auf eine Einbeziehung Transjordaniens in das palästinensische Mandatsgebiet haben in allen Schichten der arabischen Bevölkerung einen Sturm der Erregung aus- Oberkantor Leo Gollanin 60 Jahre Drei Chorsänger der Synagoge in Riga zogen einst aus, mit dein Gold ihrer Kehle die Welt zu erobern: den einen deckt, von der ganzere musikalischen Welt bedauert und be trauert, bereits' der kühle Rasen; der zweite ist, nach bei spicllvscm Ansstieg zu interualivualem Ruhen als Bühnen sänger wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, wv er als Kantor wirkt; der dritte ist ebenfalls - aber nicht aus oer Not eine Tugend machend, sondern ans Antrag und Drängen anderer hin und auf der .Höhe seiner Leistungsfähigkeit - zu seiner ersten Liebe zurückgekehrl und wirkt heute als l. Kail tor in der würdigsten deutschen Synagoge, in der Oranienburger Straße in Bertin. Dieser Mann ist der große jüdische Sänger Leo Gollanin. Goltanin vollendet am 5. Januar das 60. Lebensjahr, - das klingt nach Alter; für beit, der ihn kennt, klingt es unglaubhaft, wenn mau sich die repräsentative Gestalt mit dem markanten Künstlerkopf vorstellt, der durch das Tempe icuneut einer künstlerischen Persönlichkeit den Ausdruck von Frische und Jugend erhärt. Gollanin kommt vorn Konzert podiuru her und ist erst iu späten Jahren Kantor geworden. Aber schon seine Konzerttätigkeit bewegte sich in der Haupt fache ans jüdischem Geniel: Als Mittler des ostjüdischen Jar gonliedes, als den man ihn gehört und g e s e h c n haben muß, dürfte er nicht vielen Inden irr Deutschland unbekannt sein. Aber er hat auch ebenso seinen Bach und Händel im Geist und iu der Kehle und erfreute sich als Oratoriensänger eines sehr geschätzten Namens. Als Kantor stellt Goltanin eine heule in Deutschland einzigartige Synthese dar: sein Vortrag ist die kultivierteste Mischung von westeuropäischem Konzcrtgesang und bodenständigem Chasonus. Es mag Kantoren geben, die sich unbedenklicher an beit materiellen Stimmklang verschwenden, und solche, die (einseitiger) aus dem Gebiete des ostjüdischen 'Chasonus große Meister sind, deren Stil aber wegen der mit aller naturgewachsenen Kunst verbundenen Barbarismen in den liberalen Synagogen Deutschlands nicht geschäht wird. Aber es gibt keinen Kantor in Deutschland, oer das naturgewachsene'Können auf dem Gebiet des eigenartigen chasonischen Stils so diskret und kultiviert mit der Gesangstechnik und Vortragskunst vereinigt, wie sie in westeuropäischen Kon zertsälen verlangt wird. Ter Kantor in Gollanin gibt, insbesondere mit der Süße seiner mezza voce, seinem Vortrag die Innigkeit und Kultiviertheit, der CH äsen in ihm macht seinen Vortrag zu einem jüdischen, damit er sich unterscheide von einem Kirchengesang oder einer Arie. In dieser Mischung ist Gollanin der Meister des deutschen Kantorats, er ist der künstlerisch reifste Synagogensänger, den wir haben, gelöst. Nach der ganzen Lage der Dinge in Vorderasien ist diese zionistische Forderung um kein Haar anders zu bewerten als etwa die alldeutschen Annexionspläne vor und während des Weltkrieges. Tie geschichtliche Entwicklung wird über jene Phantasten ebenso zur Tagesordnung übergehen wie über die letztgenannten Machtpolitiker. Ten bündigsten Beweis vielleicht für die Unaufhaltsamkeit der arabischen Freiheitsbewegung bildet das französische Mandatsgebiet S y r i e n. Hier haben die Franzosen lange Zeit mit der Politik der „starken Faust" zu herrschen gesucht. Sie erstickten den Aufstand des Tschebel Trus in Blut, sie bombardierten im Oktober 1925 die Stadt Damaskus drei Tage lang durch Kriegsschiffe und Flugzeuge, sie machten im Südlibanon Dörfer und Städte dem Erdboden gleich, sie gingen, mit allen Mitteln einer neuzeitlichen Kriegstechnik und' mit schonungsloser Grausamkeit gegen ein nahezu waffenloses Volk vor. Und dennoch hat auch hier die arabische Nationalbewegung einen vollen Sieg errungen. Gegenüber dem einmütigen Widerstand der Bevölkerung erwiesen sich alle Mittel des Militarismus unzulänglich. Am 22. Mai 1930 mußten nach langwierigen Verhandlungen die Franzosen ihre Zustimmung zur Proklamier«ng einer Verfassung der syrischen Republik geben, die zwar nicht in allen, aber doch in sehr weitgehenden Punkten dem Willen der Bevölkerung entspricht. Syrien befindet sich heute dort, wo der Jrakstaat sich vor einigen Jahren befand, seine Verfassung atmet eher noch einen fortschrittlicheren Geist und ebnet 'der völligen Unabhängigkeit des Landes den Weg. Auch hier hat die arabische Freiheitsbewegung gesiegt trotz blutigsten Terrors und grausamster Unterdrückung. So stellen also die Ereignisse der letzten Jahre i.n den arabischen Gebieten geradezu ein Schulbeispiel für die Unwiderstehlichkeit einer nationalen Freiheitsbewegung und für den unaufhaltsamen Niedergang des imperialistischen Einflusses im Orient dar. Ganz gleich, ob man für diese historische Entwicklung, die sich mit elementarer Kraft fortsetzt, Sympathien aufbringt oder nicht, gebietet schon die reine real politische Vernunft und die Sorge um das Schicksal der dort lebenden Glaubensgenossen, rückhaltlos die Schlußfolgerungen auch für Palästina zu ziehen. Aus dein bisher Angeführten geht u. E. unzweifelhaft hervor: Ganz gleich, welche Regie rung oder welche Partei die künftige Politik Groß -Britanniens bestimmt, ganz gleich, ob England oder irgend ein anderer Staat das Mandat ausübt, ganz gleich, ob mit Sanftmut oder mit Entschiedenheit regiert wird -- das zio nistische Experiment ist gegen den Widerstand der Araber liescdicdten aus dem Talmud Ueb ersetzt von R a h e 1 bi n Gor ion. 7. Bruder und Schwester. Der Sohn und die Tochter des Hohenpriesters Ismael heil Elisa gerieten in Gefangenschaft, und jedes kam an einen andern Herrn. Einmal trafen die beiden Römer zusammen. Der eine sprach: Ich habe einen Sklaven, der seinesgleichen an Schönheit nicht hat. Der andere sprach: Ich habe eine Sklavin, die ihresgleichen an Schönheit nicht hat. Da sagten sie: Wohlan, laßt uns die beiden miteinander vermählen, und ihre Kinder wollen wir unter uns teilen. Und die zwei Herren nahmen ihre beiden Gefangenen und sperrten sie für eine Nacht in eine Kammer. Der Jüngling saß in der einen Ecke des Raumes, die Jungfrau in der anderen. Er sprach bei sich: Ich bin ein Priester und eines Hohenpriesters Sohn soll ich eine Sklavin zum Weibe nehmen? Sie sprach bei sich: Ich bin glorreicher Priester Kind soll ich eines Sklaven Weib werden? Also weinten sie beide die ganze Nacht. Als der Morgen anbrach, erkannten sie einander, fielen sich um den Hals und vergossen Tränen. Sie weinten so lange, bis ihre Seele verging. und die Berliner Gemeinde hat darum recht getan, hu noch in späten Jahren zur Uebernahme der Vorbeterstelie in der Oranienburger Straße, dem ..Dom" der Berliner Judenheit, zu veranlassen. Mit derselben Würde, die seinen Gesang aus,zeichnet, umgibt Gollanin sein äußeres Auftreten: er ist am Porbeter pnlt, abhold allen Mätzchen, Träger des Gedankens: „Wisse, vor wem du stehst!", und er bezeichnet es als eitle „Ssechiah" (Auszeichnung und Verdienst), am Vorbelerpnit seiner Syn agoge wirken zu dürfen. Es erweist sich an einem Beispiel mehr, das; der wirkliche Könner bescheiden ist. ohne daß er sein Selbstbewusstsein aufzngcbei, braucht. Wir wünschen dem jugendlichen Sechziger, ihn zunächst auch noch mit 70 in der gleichen Frische und Jugendlichkeit seines Ämter walten zu setzen und zu hören! A 1 t, Aachen. Ausstellung jüdischer Künstler in Hamburg In dieser Woche wurde im Gabriel Rießersaal des neuen „Tempels" in Hamburg eine Ausstellung von Werken in Hamburg schassender, jüdischer Künstler erössuel. Jwei Ge sichtspunkte bestimmten die Auswahl der Werte: es werden nur Arbeiten jüdischer und nur solche hambnrgischer Künsiler gezcigt. Das Ergebnis ist natürlich reckst bunt. Bei der Erössnrmg der Ausstellung sagte Tip!. Ing. Ascher, der Erbauer des Tempels, daß hier keine Trennung von andersgläubigen Künstlern geschaffen werden sollte die Kunst sei ja gerade ganz besonders geeignet, Trennendes zu beseitiget, - 'sondern der Zweck sei, zu zeigen., was in unserem engsten Kreis an Kräften vorhanden sei. Sehr wesentlich haben also auch hier wirtschaftliche Erwägungen diese Ausstellung zusammengebracht: in der Notzeit sollte auf das Schassen unserer Glaubensgenossen, die es oft noch schwerer haben, als ihre andersgläubigen Kollegen, hingcwiesen werden. Ein Gang durch die Ausstellung zeigt deutlich, daß jedenfalls kein neuer Beitrag zu dem umstrittenen Thema „Gibt es eine jüdische Kunst?" gebracht werden sollte. Ungefähr dreißig Schaffende haben ausgestellt. Oelgc mälde, Pastelle, Zeichnungen, Plastiken, Silberarbeiten, Rektameentwürfe und kunstgewerbliche Handarbeiten. Es würde hier zu weit führen, alle Namen und Werke aufzuzählen. Nur ein paar besonders gelungene, also auch nur interessante Arbeiten seien genannt. Ein Tanreubildnis des bekannten Hamburger Malers B r i l l, ein Porträt von G o l d s ch m i dt, spanische Motive von Bruck verdienen besonders hervorgehvben zu werden. Sehr, sehr ausdrucksvolle Plastiken von Paul H e n l e! Besonders reizvoll ist es, das weitschichtige Könnichr durchzuführen. Auch die Versuche, diesen Widerstand umzubiegen, indem man das Projekt eines „binationalen Staates" aufwirft oder gar den Arabern nahelegt, freiwillifi auf Palästina zu verzichten, müssen daran scheitern, daß gerade Palästina wegen seiner geopolitischen Bedeutung für die arabischen Aspirationen unentbehrlich ist und daß ein junger aufstrebender Nationalismus wie der arabische zu freiwilligen Konzessionen niemals genügt ist. Es bleibt nur ein Ausweg: die direkte friedliche Auseinandersetzung und Verständigung mit den Arabern, die ja von den halbwegs einsichtsvollen Zionisten auch gefordert, aber im gleichen Atemzug wieder illusorisch gemacht wird durch das Beharren auf den nationalen Heerschaftsanspruch im Lande. Der friedliche Ausgleich zwischen Juden und Arabern ist sofort möglich, wenn die Zionisten ihren Anspruch auf die nationale Beherrschung Palästinas aufgeben und./ich auf die reine Siedleraktion beschränken. Er ist u<d bleibt heute und stets unmöglich, wenn sie die nationalen Ansprüche aufrechterhallen. Das ist die nackte Wahrheit, und wenn die zionistischen Führer ihren Anhängern diese Wahrheit weiter vorenthalten, so erwächst den nichtzionistischen Juden die Aufgabe, hierüber die irregeleiteten Massen aufzuklären. Das jüdische Siedlungswerk in Palästina kann gerettet werden, wenn es seines politischen Charakters entkleidet wird. Es ist in Gefahr - und mit ihm die^ Zehntausende wertvoller Menschen, die in Unkenntnis der Situation dorthin getrieben wurden - wenn die bisherigen politischen Forderungen aufrechterhalten werden. . Tie Vorgänge der letzten Jahre, die Fortschritte der arabischen Belvegung, die schweren Konflikte in Palästina sind eine ernste Warnung. Wer sie in den Wind schlägt, wer die Augen vor der Entwicklung verschließt, macht sich mitschuldig an den unaufhaltbaren Folgen dieser Entwicklung. Vor der Wahrheit aber nicht die Augen zu verschließen, sondern sie immer und immer wieder zu verkünden, ist heiligste Gewisfenspflicht. Lazarus Goldschmidt Zu feinem 60. Geburtstage. Ohne Zweifel find die falschen Urteile über Juden und Judentum nicht nur ans den Haß unserer Gegner zurück zusühren, sondern auch auf die Unkenntnis unseres Schrift tums. Es gehört heute noch immer nicht zu den Selten beiten, daß selbst das Gebot der Nächstenliebe aus dem 3. Buch Mose Kapitel .19, 18 als ein Wort des Neuen Testaments gelehrr wird. Ja, wir erleben's noch heute, daß selbst unsere Psalmen als geistige Schöpfungen des Christentums äuge sehen werden. Wird schon über unsere schriftliche Lehre, die Bibel, die, man könnte sagen, in alten toten und lebenden Sprachen vorhanden ist, soviel Falsches verbreitet, um wie viel mehr erst über unsere mündliche Lehre, den Talmud, der in Sprache und Inhalt nicht bloß unter den Christen, sondern auch unter den Juden eine terra incognita ist. Es ist das unsterbliche Verdienst von Lazarus Goldschmidt, hierin einen Wandel geschaffen zu haben. Er hat' es fertig bekom men, einen kritischen Text des Talmuds herzu stellen und ihn von Anfang bis zu Ende ins Deutsche zu übersetzen. Eine Leistung, wie sie in den gesamten Geisteswissenschaften einzig dasteht. Dadurch hat ers allen denen, die den ernsten Willen dazu haben, ermöglicht, unseren Talmud kennen zu lernen und so zu einem richtigen Urteil über denjenigen Teil unseres Schrifttums zu kommen, der sich auf einen Zeitraum von nshundert Jahren erstreckt. Tie früheren Versuche, den Tal mud ins Deutsche oder in eine andere Sprache zu übertragen, sind in den ersten Anfängen steckengeblieben. Ausgerüstet mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug, gestützt durch eine weitrei chendc Kenntnis auf allen Gebieten des Wissens, konnte La zarus Goldschmidt dieses Werk vollenden. Er war in seiner Arbeit materiell und ideell völlig aus sich selbst gestellt. Keine wissenschaftliche Organisation hat sein Werk gefördert. Ta gegen wurde seine Arbeit anfänglich von Mißtrauen beglei neu dieses Künstlers an zwei so entgegengesetzten Modellen bewundern zu können, wie es die beiden zarten Kinderköps chen und der großartig ernste Kopf des Musikdirektors Pollack ermöglichen. Von H e n 1 e werden auch mehrere weit über den Durchschnitt hervorragende Gemälde gezeigt. Auch die Plastiken von Frau G o 1 d nnd von M i r i a in 2 o in in e r b nrg C ahn vergißt man nicht so leicht wieder. Eine Fülle von kunstgewerblichen Arbeiten ist zu sehen. Nicht alles ist Routine, einige neue und interessante Formen. Sehr sein die Silberarveiten von Elisabeth Alexandra Levy, besonders gut eine neuartig geformte Lampe, bei einigen anderen Gebrauchsgegenständen sichere und stilvolle Linien. In tcressant eine .Keksdose von S l u tz k y. Sehr hübsche Schmuck stücke von M i r i a m A s ch c r Alle n. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der geschmackvolle Gabriel Rießersaal einen wirkungsvvlltm Rahmen für die Ausstellung abgibt. Selbst wenn man sehr kritisch ist, muß man sagen, das; diese Aus stelluiig mannigfache Anregutig gibt und Interesse in allen jüdischen Kreisen verdient. Walter K a u s f in a n u. Konzert der «Ort"-Gesellschafk Auch in diesem Jahre lud die rührige „Ort" Gesellschaft zu einem Konzert, und zwar in den Bachsaat. Die Loslösung vom Synagogenraum wirkte sich auch in dem - - ein wenig zu bunte,u - Programm aus, das von den Atticalienccn über Beethoven bis zu Tschaikowsch und Verdi reichte. Ein Prominenlenquartett ans zwei Säugern und zwei Justrumen laiifieu bol einen erlesenen Kammermnsikabend. Karol §z roter, der stark in den Vordergrund getretene Pianist, gab mit Beet h o v e n s 32 E moll-Varia iioticit, die er musikalisch und technisch überragend mit äußerster Klarheit und Präzision gestattete, den Auftakt und holte sich mit dein brillant dargestellten Totentanz von Sain: Tabus einen besonderen Applaus. Martin Abendr o t h, an Stelle des verhinderten Kollegen List, ausgezeichnet bei Baßstimme, sang Schubert-Lieder und die Arie aus der Jüdin, de>- ausgezcichttete Cellist E m a n u e 1 Fcue r m ci u ii spielte mit beseeltem Ton „Bat Schein" von Er ne st Bloch, ein im „jüdischen Stil" geschriebenes, wirkungsvolles, aber doch einigermaßen reißerisches Werk, und mit größter Virtuosität die verteufelt schwierigen Rokoko Variationen T s ch a i l o w s k y s. Und schließlich zeigte die 2 a l v a t i n i, wie immer der besondere Liebling des Publikums, die Vorzüge ihres schönen Soprans nnd die Anmut ihrer Persönlichkeit an altitalienischen Liedern und Opernarien P u c c i n i s und Verdis. Ein genußreicher, schöner Abend dank des ausgeglichenen Musizierens der vier Bottkünstler, die auch mit reichem Beifall bedacht wurden. Die Begleitung am Flügel versah mit Verständnis Artur Balsam. Dr.Sch.