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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-12-09 · 48-49 (9.12.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
48-49 (9.12.1931)
Date
1931-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Punkten nur die üblichen zionistischm Gedankengänge wieder, mit denen es nicht lohnt, sich eingehender zu beschäftigen. Interessant ist es, daß über die große Kundgebung der Zionisten in der Berliner Stadthalle kurz berichtet, daß aber kein Wort von den unerhörten Schmähungen erwähnt wird, mit denyn der Zionist Kareski den Berliner Gemeindevorstand beehrt, in den er sich hat hereinwählen lassen, und dein anzugehören er heute als eine Schande bezeichnet. All das gehört zu den sattsam bekannten Tendenzen der Zionisten. Protest muß indessen gegen den.Artikel erhoben werden, den Professor Tr. Theodor Lessing in Hannover über das „Krästespiel in Palästina" schreibt. Ob es sehr geschmackvoll ist, wenn dieser Herr sagt: „Es ist die Sendung Israels, der Welt Asiens das Höchste zu bringen, was in dieser Erden Hölle zu bringen ist: das Wasserklosett, die Seife, das saubere Hemd, begründen wir die Religion des fließenden Wassers", das mag zur Beurteilung den zionistischen Freunden dieses sogenannten Philosophen überlassen bleiben. Ganz unzulässig aber scheint es, wenn dieser Herr die Engländer, die in Palästina regieren, wie folgt bezeichnet: „Zwischen den religiös sanatisierten Arabern und den energiegeladenen, vom Zukunftglauben beschwingten Juden wandeln säulenstarr und unbewegt baumlange, dürre Kerle mit Pferdegebissen, Beefgesichtern, ehernen Stirnen, die alle das Sehnen und Ringen der wehrlosen Millionen gelassen als Schauspiel und Theater betrachten, gar nichts davon verstehen, gar nichts davon verstehen wollen, sondern immer nur eins denken: „Wir sind Engländer, also die Perle des Weltalls". Wir haben nicht den Vorzug, Herrn Professor Tr. Theo dor Lessing persönlich zu kennen, und wir wissen ilicht, ob seine männliche Schönheit eine so bezwingende ist, daß er das Recht hat, sich über die Gesichtszüge der Engländer in Palästina zu mokieren. Tie Art aber, in der er über sie schreibt, ist dieselbe widerliche und unzulässige Generalisierung, wie die Antisemiten sie uns Juden gegenüber anwenden. Abnei gung gegen das Gesicht, das Einzelne von Eltern her ins Leben bekommen haben, wird zur Feindschaft gegen die All gemeinheit uiugewandelt, mit übelsten, an Äeußerlichkeiten hastenden Vorurteilen wird ein ganzes Volk bekämpft. Un erfreulichere Methoden kann man sich überhaupt nicht vor stellen. Wir Juden kämpfen immer wieder gegen sie an. In einem neuen zionistischen Blatt aber finden sie sich als Argument gegen die Engländer, die nicht so wollen, wie die Zionisten. Herr Professor Tr. Lessing hat mit unbedachter, und unerfreulichen Aeußerungen über einen deutschen Mann, zu dem das ganze Vaterland in Verehrung und Dankbarkeit emporblickt, schon vor Jahren uns deutschen Juden erheb lich geschadet. Es ist tief bedauerlich, daß zionistische Führer verantwortungslos genug sind, jetzt die Spalten ihrer neuesten Zeitung zu Angriffen gegen das gesamte englische Volk zu öffnen. Etwas mehr Berantwortlichkeitsgefühl hätte man selbst den zionistischen Führern zumuten dürfen! Spectator. Aus den Gemeinden * Berlin. („5>ic Hilf e". - E i n Vcrsicherangsverein für Mitglieder der Jüdischen Gemeinde.) „Die Hilfe", Versicherungsvevein A.-G. für Mitglieder der Jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches, Berlin N. 2t, Ornnienburger Straße 1, ist in der Senats-Sitzung des Reichsaussichtsamtes für Privatversicherung vom 3. 12. 1931 zum Geschäftsbetrieb in Deutschland zugelassen worden. Damit ist die erste jüdische Bersicherungsgcsellschaft -in Deutschland gegründet worden. Um das Zustandekommen der „Hilfe", die mit Unterstützung der „Victoria zu Berlin" gegründet wurde, haben sich führende jüdische Persönlichkeiten Deutschlands bemüht, die auch tveiter ehrenamtlich im Vorstand und Aussichtsrat Mitarbeiten. Die „Hilfe" betreibt die Sterbegeld-Versicherung zu niedrigen Monats Prämien und will mit ihrer Arbeit den Interessen der jüdischen Ge meinden und ihrer Mitglieder dienen. Dem Vorstande und der Ge schästsleitung gehören unsere Freunde Wilhelm Marcus und Alfred Jaulus an, Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der derzeitige Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Tr. Wilhelm Kleemann von der Dresdener Bank, dem Aufsichtsrat gehören ferner an: Adolf Schoher, Wilhelm Graetz, Moritz Rosenthal, Heinrich Stahl, Tr. A. Singaloivsky, Tr. Rudolf Ziegel u. a. Berlin. (E ine b r m e r k e u S w e r t e S y u a g o g e u >v a h l.) Bei den Wahlen für den Vorstand der Synagoge Rykcstraße, bei denen erstmalig eine liberale Liste ausgestellt war, erhielten diese 425 Stimmen, während die Liste des bisherigen Synagogenvorstandes (Heilbrunn) *ji Versammluugskalender Berlin-Nordoften. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Mischen Gemeinde ui Berlin E. v.. Bezirksgrupp« Nordoften. Donnerstag, 10. Dezember» abends 8 Uhr, in den Aniou-Festfälen» Berlin RO. 55» Greifswalder Straße 221-223, Versammlung. Referenten: Rechtsanwalt Dr. Mar Mayer (Mitglied d. Repr.-Berf.): „Was wir wollen", Lonr» Wolfs (Mitglied d. Repr.-Berf.s: „Was gehl ln der Jüdische« Gemeinde oor?" Berlin--Nordrvesten. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.» Brzirksgruppe Nordweften. Am Sonnabend, dem 12. Dezember, abends 8.30 Uhr pünktlich, findet aus Anlaß des ChaMklahfestes in de« gesamten Räumen des Kaffee Gärtner, Haiftekner Ufer 27-28, gemeinsam mit dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und dem Synagogenoerein Levehowstraße geselliges Beisammensein mit Tan; statt. Berlin-Charlottendurg-West. Liberaler Benin für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirlsgruppe Charlottendurg-West. Dienstag, 15. Dezember, abends 8.30 Uhr, im Kaffee Stadion, Reichskanzlerplah 6, Dortragsabend. Dr. Manfred Swarfensty spricht über das Thema: „Der jüdische Mensch in der Großstadt". Dortmund. Unser« Ortsgruppe hat ihre Thauukkahfeier Mittwoch, den 9. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im „R e i« o l d n s", Reinoldistraße. Dresden. Am Mittwoch, dem 16. Dezember, 8.30 Uhr. Dresdner Kaufmannfchaft, Ostra-Allee: Mitgliederversammlung. Herr Bankier Wilhelm Graetz Borstandsmitglied d«r Berliner Jüdischen Gemeinde, spricht über: „Liberale Gemeindepolitik". ¥ Gottesdienste Verlin-Nsrde» Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 11. Dezember, abends, ausnahmsweise Beginn um 6 Uhr, Chanulkahsestgottesdienst für Jugendliche. Ansprache: sind. phil. E. Zimet. Sonnabend, den 12. Dezember, vormittags 10 Uhr. Dr. Swarsenfki. Freitag, den 18. Dezember, abends 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Salomonfki. Berlin-Osten. Liberal« Synagoge Osten, Kaiferftraße 30. Aula der Mädchenschule. Freitag, den 11. Dezember, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Swarfenfki. Freitag, den 18. Dezember, Predigt: Dr. Bogelstein. Bcrlin-Westcnd. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8. Freitag, den 11. Dezember, abends 7.15 Ahr. Predigt: Rabbiner Dr. Galliner. Freitag, den 18. Dezember, Predigt: Dr. van der Zyl. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, dem 13. Dezember. Johännksstraße 16: vormittags 10.30 Ahr. Predigt: Dr. Lehmann. Kleiftstraßr 10: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Jelski. Gottesdienste am Sonntag, dem 20. Dezember. Jvhannisstraß« 16: vormittags 10.30 Ahr: Gottesdienst der Jugend. Kleiftstraßr 10: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Rosenthal. nur 238 und die Liste Röchelsohn nur 51 Stimmen erhielt. — Der Vorgang ist deshalb besonders bemerkenswert, weil es sich hierbei nm eine konservative Synagoge handelt, lieber die Sitzeverteilung ist Näheres noch nicht bekannt. Berlin. (Eröffnung des C.-V.-Heims für jüdische A n g e st e l l t e.) Das C.V.-Heim für jüdische Angestellte in Berlin, Magazinstraßc 17, ist vor einigen Tagen sein-cr Bestimmung übergeben worden. Die Räume des Heimes waren von einer großen Besucherzahl überfüllt. Der Hclserkreis, der sich um die Vorbereitung des Heimes gekümmert hatte, aber auch eine große Anzahl sonstiger junger Menschen, für die das Heim bestimmt ist, war anwesend. Mit kurzen Worten übergab namens des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens dessen stclloertreteird-er Syndikus, Dr. Alfred Hirschberg, das Heim seiner Bestimmung. Was heute erfolgt, so führte er ans, sei keine Eröffnung, sondern ein Beginnen. Er stelle auch keine Programme auf, weil das Wesen eines Heimes nicht durch programmatische Erklärungen, sondern durch die Erzeugung eines Heimatgefühls entstehe. Sodann versicherte der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin des C.-B., Dr. Bruno Glaserfeld, das Heim der Sympathien nnd der Unterstützung des Groß-Berliner C.-V. ■- Wie wir erfahren, ist das Heim bereits in den Tagen nach der Eröffnung stark besucht worden. Berlin. (F a m i l i c n s ch utz.) Ter Ansschuß des VerwattungS-- rats des F a in i l i e n s ch u tz, Gemeinnütziger Verein für Hinterbliebe wenfürsorge der Mitglieder jüdischer Gemeinden c. B., hielt am 10. November 1931 seine erste Sitzung unter dem Vorsitz von Herrn Pros. Dr. Seligmann-Berlin ab. Es wunde mit Genugtuung festgestellt, daß sich die Arbeit sehr zufriedenstellend enttvickelt. Eine große Anzahl jüdischer Gemeinden hat mit dem Verein Empfehlungsverträge abgeschlossen. Der ungeivöhnlich starke Zuwachs an Mitgliedern beweist, wie sehr die Bestrebungen einem wirklichen Bedürfnis entgegienkommen. Bon Seiten der Mitglieder des Vereins tvurde der dringende Wunsch geäußert, die Frage der Kindervcrsicherung, insbesondere der Aussteuerversicheruiig für den jüdischen Mittelstand zu lösen. Der Ausschuß hat dieser Erweiterung der Aufgaben des Vereins zugestimmt, so baß sich der Verein auch dieser Arbeit znwenden wird. Berlin. (6 0. Geburtstag.) Am 12. Dezember feiert Louis Lamm- Berlin, Inhaber der bekannten seit 30 Jahren bestehenden, Buchhandlung gleichen Namens, seinen 60. Geburtstag. Louis Lamm ist «ine bekannte Figur im deutschen Buchhandel. Er gilt als einer der besten Kenner des jüdisrtien Antiqnariatswesens. Sein Geschäft genießt Weltruf. Lamm ist auch durch eine große Anzahl jüdisch-historischer und anderer literarischer Arbeiten seit mehr als IS Jahren ist er schriftstellerisch tätig - bekannt geworden. Er hat es sich zu seine« besonderen Aufgabe gemacht, die antisemitischen Angriffe, die früher sehr oft im Fachorgan des Deutschen Buchhandels erschienen sind, zu wideriLgen und zurückzutveisen. Er hat es erreicht, daß diese Angriffe im Buchhändlerblatt völlig verschwunden sind. Die von ihm veröffentlichten Antiquariat-Kataloge werden vielfach als bibliographische Nachschlagebücher verwendet. Berlin. (40jähriges Jubiläum.) Am 30. November fand in her Gorniannstraße 2 eine Feier des 40 jährigen Bestehens der Abrahams Volksküchen statt. Für den Vorstand der jüdischen Gemeinde war Herr Stahl anwesend und fand Worte der Anerkennung und der Ehrung für den durch Krankheit behinderten Herrn Abraham. Herr Dir. Seckel sprach für hen Vorstand der Abraham-Vereine. Herr Prediger Wolf-Lion, 87 Jahre alt, sprach für die Tausende, die aus dem Wirken Abrahams Genuß hatten. Besonders gedacht wurde auch der 40 Jahre bei der Küche als Leiterin tätigen Frau Schlesinger und der fast ebenso lange im Büro tätigen Frau Cohn. Gesangsvorträge durch Fräulein Hertha Rolh, einer Nichte des Herrn Abraham, verschönten die Feier. Duisburg. (Gemeindehaus.) Trotz der ungünstigen Finanzlage der Gemeinde hatte die Gemeindevertretung vor einiger Zeit beschlossen, ein der Gemeinde gehöriges, bisher größtenteils als Wohnung dienendes Hans ausschließlich für Gcmeindezwecke umzugestalten, und den Vorstand mit der Ausführung dieses Planes beauftragt. Diese Arbeiten sind jetzt beendigt, und das von vielen Seiten gewünschte „jüdische Haus" in Duisburg ist damit erstanden. Das Haus enthält neben einer kleinen Kastellanwohnung die für die Gemeindcverwaltnng nötigen Räume und einen Bibliotheksraum, sowie eine Reihe von Versammlungsräumen, die die Möglichkeit geben, allen jüdischen Organisationen ein Heim zu bieten. Von dieser Möglichkeit DIEHILFE BIETET: Versidierungsverefn a. G. für Mitglieder der jüdischen Gemeinden desDevtschenReidses Berlin N 24, OranienburgerStr. 1 Versicherungsschutz -v. - bei niedrigsten Monatsprämien Doppelte Versicherungssumme bei Tod durch Unfall Vereinfachte Aufnahme ohne ärztliche Untersuchung Hohe Gewinnbeteiligung die voll zur Erhöhung der Versicherungssumme benutzt wird Mitbestimmungsrecht on der Verwaltung der „Hflfe" Grösste Sicherheit durch Anlehnung an die VICTORIA zu Berlin, Allgemeine Versicherungs-Actien- Gesellschaft Sondervereinbarungen für Gemeinden, Logen, Vere«ie und Verbände / Führende jüdische Persönlichkeiten fordern unsere Bestrebungen durch ehrenamtlidte Mitarbeit im Aufsichtsrat der „Hilfe". / Erster jüdischer Versicherungsverein a.G, unter Aufsicht des ReichspufsichtsamtsfürPrivatversicherung. Mitarbeiter zu günstigen Bedingungen gesucht. -i! 1 fommeue Aristokraten, die sich an ihn wandten, unterstützte er aufs reichlichste. Im Ganzen ist die Summe von 100 Millionen Franc s, die er für wohltätige Zwecke ausgab, eher zu niedrig als zu hoch gegriffeu. In der von ihm gegründeten Hauptkolonie Argentiniens soll am heutigen Tage ein ihm errichtetes Denkmal enthüllt werden. Im Andenken der dankbaren Mit- und Nachwelt aber hat er sich.„ein Denkmal gesetzt, dauernder als Erz". Seine ihm an hochherziger Gesinnung durchaus ebenbürtige Gattin Clara, um 2 Jahre jünger, aber auch bereits 1899 dahingeschieden, opferte einen großen Teil ihres Vermögens ganz im Geiste ihres edlen Mairnes. Dr. C. P. I e n k w i tz. M. A. Ginsberg-Porkarkhurski SO Jahre all Ein ungewöhnliches Schicksal spiegelt sich schon in dem Namen des Jubilars wieder. Am 5. 12. 1851 in einerarmen jüdischen Familie in Radziwillow an der ehemaligen russisch-österreichischen Grenze geboren, muß der kleine Moses schon als 11 jähriger Junge durch Schreibarbeiten im Zollamt zum Unterhalt s einer Eltern beitragen. 15 jährig aber verläßt er das Elternhaus und begibt sich auf di,e Suche nasch dem Glück. Odessa, Hamburg, New Jork sind die ersten Etappen, die aber kein Glück bringen. Ihn lockt das ferne China. Ta er kein Reisegeld hat, begibt er sich kurz entschlossen von New York nach San Franzisko zu Fuß, unterwegs sich als Bahnarbeiter betätigend. In San Franzisco borgt ihm ein Glaubensgenosse 1 Dollar — das ist. das Grundkapital, mit dem der junge Ginsberg als Peddler zu arbeiten beginnt, bis er nach drei Jahren sich eine Schiffskarte nach China kaufen kann. Er bleibt jedoch unterwegs' in Jokohama (im Jahre 1875) stecken, wo er, dank seiner Kenntnis des Deutschen, Englischen und Russischen, in einem Geschäft für Schiffsvorräte angestellt wird. Zwei Jahre später beginnt er mit dem Ersparten ein eigenes Geschäft derselben Art. Er beliefert zunächst nur ein russisches Schiff, seine Gewissenhaftigkeit und Promptheit sind aber derart, daß er in kurzer Zeit zum Lieferanten der gesamten Pazifischen Flotte und seit 1898 zum Verwalter sämtlicher Flottenlager Rußlands in Port Arthur wird. Durch diese Tätigkeit gewinnt er aber auch politische Kenntnisse des schon damals umstrittenen Fernen Ostens. Er ist einer der Wenigen, die die russische Regierung vor der Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts mit Japan frühzeitig warnen — ohne daß seiner Stimme Gehör wird. Im russisch-japanischen Kriege spielt ,er als Lieferant der Flotte eine hervorragende Rolle. Nach Beendigung dieses Krieges siedelt er nach Petersburg über und widmet sich der charitativen Tätigkeit — sowohl in der Hauptstadt als in seinem Geburtsflecken. Jüdische Altersheime, Synagogen und andere Wohlfahrtseinrichtungen baut und unterstützt er mit ungewöhnlicher Freigebigkeit. Im Weltkriege wird er von der russischen Regierung nach den Bereinigten Staaten delegiert, um dort Anleiheverhandlungen zu führen. Seine Partner find Lonis Marshall, Jacob Shiff u. a.; sie stellen zur Bedingung die völlige Gleichberechtigung der Juden in Rußland. Diese Bedingung, von der das Resultat der günstig begonnenen Verhandlungen abhing, teilt G. der russischen Regierung mit — bekommt aber keine Antwort... Ter bolschewistische Umsturz vertreibt Ginsberg nach Paris und beraubt ihn eines riesigen Teils seines Vermögens. Sein gutes Herz und freigebige Hand hat er sich dennoch bewahrt. Zur Ehrung seines 80. Geburtstages hat sich in Paris ein Jubiläumskomitee gebiüret. Dr. Elias Hnrwicz. „Das Mische Lieb" Unter diesem Titel veranstaltete das Dokal-Jnstrmnentrl- Quartett Maria R app-Ja nowsk «ja, Hermann Körner, H e i n z Wigand und Hermann Weil am Sonntag, 6. Dezember, eine Matinee. Der Titel ist falsch gewählt, er müßte, da es sich um Lieder in jiddischer Sprache handelt, heißen: „Das jiddische Lied". Wenn man z. B. ein deutsches Volkslied wie „Mutter, ich will ein Ding haben" ins Jiddische übersetzt, so wird es dadurch kein „jüdisches Lied". Ebensowenig, wie es eine ausgesprochen jüdische Musik gibt, gibt es „Das jüdische Lied". So wie die Juden in ihren verschiedenartigen Heimatländern, in Nord und Süd, in Ost und West, sich deren Kultur und Kunstempfinden angeeignet haben, ebenso verschieden ist: auch ihre Art, sich schöpferisch als Dichter oder Komponisten zu betätigen. Diese Lieder in jiddischer Sprache sind größtenteils deutsche Volkslieder mit ihrer tiefen Schwermut und naiven Sentimentalität, die mit den vertriebenen Juden mitgewandestt sind. In Spanien oder Italien singen auch die Juden anders. Das Vokal-Jnstrumental-Quartett hat es sich zur Aufgabe gemacht - wie seit Jahren Leo Gollanin und nach ihm auch andere — diese Art von LiÄern einem größeren Publikum lieb und vertraut zu machen. Da naturgemäß nur ein begrenzter Hörerkreis für dieses Spezialgebiet in Frage kommt,' war es erfreulich zu sehen, welch große Anzahl von Besuchern den Konzertsaal füllte. Es war ein Genuß, die schöne Stimme der Sängerin mit dem Klang der Instrumente wetteifern zu hören. Von den Liedern möchte ich. als besonders stimmungsvoll im Zusammenklang hervorheben: „Tief im Wäldele", das bekannte „Dudele" und „Der Fodim". Mit den heiteren Liedchen, die M. Janowskaja mit feinem Humor und sprühendem Temperament zu Gehör brachte, lösten die Künstler jubelnden Beifall aus — einige Stücke mußten wiederholt werden. Ob diese Art der Musik für weiteste Kreise bestimmt und geeignet ist, will ich hier unentschieden lassen; gewiß ist es, daß sich das Bokal-Jnstrumental-Quattett eine große Anhängerschaft bereits erworben hat. Lili Goetz.

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