Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 46-47 (25.11.1931)
- Date
- 1931-11-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fdjaftäinftitiLt*. Das Projekt war angeregt durch das oben erwähnte Buch von Tr. Marcus, durch einen Beschluß des Verbandstages im März d. Js., es war auch in der C.B.-Zeitung und an anderen Stellen öffentlich erörtert wor den. Ter Referent Tr. Kreutzberge t machte leider an stelle des erwarteten Referates lediglich die Mitteilung, daß bei der ZentralwvhlfahrtSstelle der deutschen Juden, als deren Berichterstatter er hier spreche, die ganze Angelegenheit sich noch in der Schwebe und im Zustande der Vorberatungen befinde. Tr. Marcus erklärte, in seinem Buche habe er nur ganz zufällig die Zentralwohlfahrtsstelle als diejenige Einrichtung bezeichnet, bei der das Institut gegründet wer den müsse; wenn der Landesverband, n. a. wegen seiner Eigenschaft als öffentlich-rechtliche Vertretung der Juden, fürgeeigneter befunden werde, so sei er auch hiermit einverstanden. Tie Weiterberatung wird nach Bemerkungen von Professor .Hirsch, die sich auf den Beschluß des Verbandstages beziehen, aus Antrag von Wilhelm Marcus vertagt mit der Maßgabe, daß diesem Gegenstände eine Sondersitzung mit Referaten von Prof. Hirsch und Tr. - MarcuS gewidmet sein soll. In dieser Sitzung wird zunächst dkrüber be raten werden müssen, ob die Schaffung eines jü d i f ch e u Wirt f ch a f t s i n st i r u t S überhaupt not - w e u big und zweckvoll i st, bevor man zu Einzelheiten über die Art seiner Errichtung Stellung nimmt. lieber Ausbau des Darlchnskaffeiuvesens referiert Tr. Kreutzberger und teilt mit, daß aussichtsreiche Verhandlungen mit Tr. Bernhard Kahn als Vertreter der „Foundation^, einem gemeinsamen Werk von Joint und JCA, schweben. Tiefe Instanzen werden wohl für Deutschland von der für den Osten geltenden Voraussetzung genossenschaftlichen Charakters der Unternehmen abgeheu. Es find bereits Normalstcituten für alle drei möglichen Formen (Ge »osfenschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, eingetr. Verein) entworfen. Wilhelm Marcus fetzt sich für Schaf sung von Bezirksdarlehnskassen ein, warnt aber davor, ein Bedürfnis nach solchen Einrichtungen künstlich zu erzeugen. Hauptinleressenten find die Großgemeinden, da auf dem Laube j die Verhältmisse diesen Einrichtungen nicht günstig sind. Schwierig wird jey.i die Beschaffung von Bürgen. Aber andere Sicherheiten sind schwer einzufüyreu, da bei pfand leihähnlicher Umgestaltung eine ganz andere Kalkulation Platz greisen müßte. Jetzt werden in Berlin etwa 6 Prozent Zinsen von der Jüdischen Tarlehnskasse erhallen und 1500 Konten geführt Tue- Stammkapital beträgt 25!) 000 Mart, die Verluste etwa 10 Prozeut hiervon. Für den R e i ch * b u u b s ü r jüdische Siedlung begründete Tr. E t k e l e s ein Gesuch um eine Subvention von 4000 Man. Ter Verbandstag hatte den Sonderposten gestrichen, aber die Vcrbandsleitnng ermächtigt, aus anderen Positionen die Subvention zu entnehmen, Gesiedelt iuirb nach dem Siedlungsgesetz, d. h. teils mit Mitteüi des Sied lers, teils aus Hauszinssteuerkrediten. Einen Zlvischenkredit hat die Berliner Gemeinde durch Nebernahme der Bürgschaft gesichert. Tie jetzt erforderlichen Mittel werden für die dringendste Erziehungs und VorbercitungSarbeit gebraucht, die allein das Werk sicher fundieren kann. Ter Ausschuß bettet einmütig den Rat, die erbetene Subvention von 4000 Mark zu gewähret:. Ueber die Verhandlungen betrefsenÄ die Jüdische Gartenbauschule in Ahlem (Hannover) berichtet Woyda: Ahlem ist in größte Bedrängnis geraten, und der Etat weift nur jedes Jahr größeres Defizit auf. Dies zwingt zu sofortiger Sanierung ungeachtet der dahinter zu nächst zurücktretenden pädagogischen Umstellungsmaßnahmen. Geplant und durchführbar ist, daß noch 50 Kinder ohne erhebliche Kosteneuhöhullg Ausnahme finden und Haß Ahlem mit einem größeren jüdischen Waisenhaus in der Provinz vereinigt werde. Auch sind Etatabftriche im einzelnen möglich. Tic Verhandlungen schweben noch und werden vom Landesverband gefördert und kontrolliert. Ter Ausschuß stimmt dann noch dem Vorschläge seines Vorsitzenden und des Wohlfahrtsausschusses zu, daß beide Ausschüsse wechselseitig Vertreter mit beratender Stimme zueinander entsenden. Ter Ausschuß delegiert von sich aus Woyda, G u t h e i nt (tib.) und K areski (Zionist). Versammlungskalender # BerltM’Offe«. Liberal««: Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Osten. Dienstag. 3. Dezember, abends 8 Uhr, Versammlung in den Prachtsälen des Ostens, O. 112, Frankfurter Allee 48. Referenten: Bruno Woyda, Louis Wolfs (Mitglieder d. Repr.-Verf.): „Jüdische Wirklichkeit - jüdische Hoff, nung!" (Zu den Vorgängen im Mischen Gemeindeleben.j Berttn-Schönebecg. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Schöneberg. Mittwoch, 9. Dezember, abends 8.30 Uhr, im Bürgermeistersaal des Rathauses Schöneberg, Rudolph Wilde-Platz, Berfammlung. Referenten: Dr. Fritz Lamin: „Wohlfahrtsaufgaben nuferer Gemeinde", Bruno Woyda (Mitglied d. Nepr.-Berf j: „Jüdische Wirklichkeit — jüdische Hoffnung!" .(Zu den Vorgängen im jüdischen Gemeindeleben, j Berlin-Nordosten. Liberaler Verein für die AngeleLenheiten der jüdischen Gemeinde ui Berlin E. V.. Bezirksgruppe Nvrdosten. Donnerstag, 10. Dezember. abends 8 Uhr, in den Üuion-Festsälen, Berlin RO. 55, Ereisswalder Straße 221-223, Versammlung. Referenten: Rechtsanwalt Dr. Mar Mayer (Mitglied d. Repc.-Verf.j: „Was wir wollen", Louis Wolfs (Mitglied d. Repr.-Lers.j: „Was geht in der Jüdischen Gemeinde vor?" ft Zu den obigen Veranstaltungen des Liberalen Vereins ist der Eintritt frei. Mitglieder, deren Angehörige und Freunde find herzlich willkommen. * Gottesdienste Berit«-Norde«. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 27. November, abends 7.15 Ahr. Predigt: Dr. Andorn. Sonnabend, oen 2L. November, vormittags 19 Uhr. Predigt: Dr. Andorn (Kuaven.infegaungj. Freitag, den 4. Dezember, abends 7.15 Uhr. C-.anuttahgot1esdienst. Predigt: Dr. Salvmonski. Sonnabends de» 5. Dezember, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Saloinonfki. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kaiferstraße 30, Aula der Mädchen, schule. Freitag, den 27. November, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Me hier. Freitag, l»en 4. De zember, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Berliti-Westend. Liberale Synagoge Westend, Leistilowstraße 7-L. Freitag, den 27. November, abends 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Vogelslein. Freitag, den 4. Dezember, abends 7.15 Uhr. Festgvttesdienst zum dreijährigen Bestehen. Festpredigt: Dr. Swarfenfki. Berlin. Jüdische Reiorm-Eemeinde. Gottesdienste am Sonntag, dem 29. November. Zohannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Ielski. Kleifistraße 10: vormittags 10.30 Uhr. Predigt: Dr. Lehmann. Gottesdienste am Sonntag, dem 6. Dezember. Johannisstraße 16: nachmittags 5 Uhr. Chanuttah festgvttesdienst. Predigt: Dr. Lehmann. Der Gottesdienst 4n der Kleiststraße^siillt au». Pressekonferenz des EeutralvereinS Die beunruhigenden Ereignisse der letzten Zeit geben inehr denn je der jüdischen Oesfentlichkeit ein Recht zu erfahren, in welcher Weise der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Interesse des gesamten deutschen Judentums feine schwere Aufgabe zu erfüllen versucht. Diesem Zweck diente eine Aussprache, zu der der Centralverein die Vertreter der jüdischen Presse in Berlin am 9. November in seine Hauptgeschäftsstelle eingeladen hatte. Nach Begrü-- ßungSworteu des Syndikus des CentralvereiuS, Tr. Alfred W ieuc r, gab zunächst Rechtsanwalt Dr. Haus Lazarus einen lieberblicf über aktuelle Fragen aus der umfangreichen, vielseitigen Rechtsschutzarbeit des EeutralvereinS. Ein stli i tglied des Hauptvorstandes berichtete sodann interessante Einzelheiten aus dem letzten Nürnberger Talmudprozeß gegen den „Stürmers-Redakteur Holz. Dr. Alfred H i r s ch b e r g, der stellvertretende Syndikus des Eentralver- . eins, knüpfte daran Bemerkungen über die grundsätzliche Bedeutung von derartigen Prcsseprozessen und zeigte an Beispielen Art und Inhalt der Auseinandersetzungen mit kulturell gefärbter Judenfeindschast. In längeren Darlegungen beleuchtete Dr. Hans Reichinann die gegenwärtige politische Lage und umriß im Zusammenhang damit die vorausschauende politische Arbeit des EeutralvereinS, der in jeder Situation für Recht, Ehre und Ansehen des deutschen Judentums eiutritl. Zum Schluß richtete der Vorsitzende des Central-. Vereins, Justizrat Tr. B r v d u i tz, einige mahnende Worte au die zahlreich erschienenen Pressevertreter, sich ihrer verantwortungsvollen Ausgabe gerade in ernster und unruhiger Zeit bewußt zu sein und mit dazu beizutragen, daß der Kampf des deutschen Judeutrnns und feine Existenz mit Würde geführt werde. th Aus der Bewegung * Berlin. (2 i b c c u I c v V e r r i II f ü r bi« A n g e l e g e II h e i - t s n bet j ü b i i cl) ( u G nu e i it b t' z u Berlin, Bezirksgruppe H a l c n s e e G r n n e >v alb.) AlS erst« größere Veran stciltung der Wintersaison hielten bie westlichen Bezirksgruppen des Liberalen Vereins am 10. November int Cafe Leon, Kurfürstenbamiit 163-64, einen Vortragsabenb ab. Nachbein der Vorsitzende, Herr Lanbgerichtsral Dr. Lester, bie erschienene» Mitglieder unb Gäste begrüßt hatte, erfreute Herr Oberkantor Wilhelm Friedmann die Versammlung mit einigen glänzend gelungenen gesanglichen Vorträzen, begleitet von Frau Liti bloch. Tann ergriff Herr Redakteur Alexander Szanto das Wort zu feinem Bortrag über bas Thema „Weltkrise unb Jilbentum". Der Referent verstaub es, mit seine» auf hohem Niveau stehende» Ausführungen uichl nur bie gegenlväriige materielle und geistige Lage der Judeiiheil umfasseiib zu kennzeichnen, sonbeni auch Ausblicke für die Zukunft anfzuzeige» und dabei die höchsten and letzte» Probleme zn streife». Die Quiiilcssenz seiner Ausfüyrungen, aus die wir wegen ihrer prinzipielle» Bcdenrung näher ciiizugehe» uns »och Vorbehalten, ist etiva: Ter Grundthese, daß der Geist deS JndenlumS dem Lebe» zngewandt, absolut lebensbejahend ist, fleht die - Antithese gegenüber, daß bas Judentum an Kopfzahl insostze Geburtenrückganges, Abfallbeivegung nflv. ständig zuinckgehl. Weber der Zionismus, dessen 'Unhaltbarkeil der Redner schlagend bewies, noch die Orthodoxie vermögen den Fortbestand des Judentums zu gewährtristen. Dazu ist vielmehr das fortschrittliche Judeniunt berufen, das nicht allein die wertvolle» GeisteSgüler der Ansklärungszeit zu bewahren Hut, sondern darüber hinaus i» zedrr Generation und in jedem gefchichli lachen Augenblick erneut die Grundsätze seiner Lehren mit de» ständig in Veränderung befindlichen Forme» des Lebens in Einklang zu bringen suchen »ins;. Tie Protetarisieraing breiter Schichten des Judentums bringt eine veränderte geistige Einstellung dieser Massen mit sich. Der Liberalismus hat die Retigivsität dieser Menschen, in deren Mittelpunkt der unpersönliche Gottcsbegrafs und die echt jiibisch-relr- - giösen Ideale der Gerechtigkeii und der Nächstenliebe stehen, ebenso zu . achten und zn tolerieren, wie jene andere, die zcremouiielle und rituell» Gebräuche als Hauptsache ansehen. Religiös soziales Handeln ist dem religiös kultischen Handeln gleichwertig, in Notzeiten, ivie der ^gegen- , wiirtigen, hat das Elftere unbedingt den Vorrang. Redner stellt den Begriff „Religiosität" über die reine „Religion" und wendet sich auch scharf gegen das Schlagwort von einer „Gefahr der roten Assimilation", da jüdische Religiosität nicht von GesellschastSsormen abhängig sei und das Jndcntirm sich peinlichst davor hüten müsse,- stier -Schicksal mit der! bestehenden Gesellschaftsordnung zu verknüpfen. Der Referent schloß seinen Vortrag, in dem er auch sehr interessante Hinweise ans ürs anderen Religionen gab, .mit einer Darstellung der Weltmission des Judentums, wobei fr betonte, daß bei richtiger Ausfasjung der Begriffs ' Emanzipation unb Assimilation der .Horizont der Judenheit sich zum . McnschheitShorizvut erweitert. An die mit reichem Beifall nufgenommencn Ausführungen des- .Referenten Herrn Redakteur Szanto schloß sich eine rege Diskussion,; an -der sich die .Herren Dr. Jlja Goldmann, George Goetz, Tr. Lcsser, . Martin Goetz und Rabbiner Tr. Jampcl. beteiligten. Tie von Herrn , Redakteur Szanto aufgeworseneii Probleme wurden im einzelnen dabei noch näher beleuchtet und besonders die wichtige Frage der landwirtschaftlichen jüdischen Siedlung besprochen. Es war, altes in allem, eine - Veranstaltung, bei der die höchsten Probleme der Religiosität ebenso beleuchtet wurden, wie die praktischen Tagesfragen. Es ist zu hoffen, daß diese Form der Veranstaltung, bei der jeder Teilnehmer eiiven Gewinn zu buchen hat, ihre Fortsetzung findet. wie sie in deutscher Sprache bisher in Bezug aus Schärfe deS Lebensblicks, Kraft der Intensität, Schwung des Tempos noch nicht geschaffen wurden. Seine unvergleichliche Fonche- Biographie, die Darstellung dieses Luzifers der Historie, ist spannender als die raffiniertest ersonnene Detektivgeschichte und dabei gleichzeitig ein Kunstwerk höchsten Ranges. Bücher diefer Art, auf welche Dichtung wie Geschichtsschreibung gleichermaßen stolz fein können, hat es bisher bei uns noch nicht gegeben! Am reinsten und schlichtesten jedoch klingt des Dichters Stimme, wenn er uraltes, jüdisches Ethos aus neue Weise verkündet. Seine jüdische Legende „Rahel rechtes mit Gott", die wir hier vor kurzem im Rezitationsabend hörten, feine wuttdervolle Parabel „Die Augen des ewigen Bruders" find poesiegewordene Etllanationen jüdischer Religiosität. Hier wird mit herzgewinnender Klarheit und dichterischer Reinheit eine Lehre dargestellt, die überall lebendig wsrken müßte, wenn die so dringend notwendige ethische Erneuerung kommen ^olt. Indische Sittlichkeit .deinen Nächsten wie dich selbst!"... atmet auch Zweigs seine Napoleon-Tragikomödie, für die er den Titel aus der biblischen Erzählung „DaS Lamm des Armen" wählte. Zweigs Bücher wurden überall auch außerordentliche äußere literarische Erfolge. Der Leipziger Insel-Verlag allein verbreitete sie in Hunderttausenden von Exemplaren. Ruhm und Massenwirkung blieben nicht aus. Bei aller Anerkennung ist Zweig aber immer der Stille und Zurückhaltende geblieben, der in seinem Salzburger buen vetivo nur der Kunst und der Allgemeinheit dienen will und auf äußere Ehren gern verzichtet. Wir wollen nicht nur dem Dichter zu seinem 50. Geburtstage noch etliche Jahrzehnte gesegneten Schaffens wünschen, sich und uns allen zum Guten, sondern wir möchten auch der Hoffnung Ausdruck geben, daß er in ckicht zu ferner Zeit noch Besserungen des geistigen Zustandes Europas erleben möge, die, wenn sie kommen, mit das Werk Zweigs sein werden! Denn so sehr Zweig einer unserer Besten ist, und so sehr er Deutscher ist und sich als Deutscher fühlt und sein Wesen zutiefst deutscher Mentalität entspringt, so wenig ist er nur deutscher Dichter. Sein Wille, Wirken und Werk umspannt weitere Kreise. Zweig steht jetzt auf der Höhe seines -Schaffens; möge sein Weg noch immer weiter und weiter bergauf führen! Stefan Zweig-Abend Anläßlich deS 5 0. Geburtstages des großen österreichischen Dichters, dem wir Meisterwerke der deutschen Sprache, wie beispielsweise seinen „Jeremias" oder feine „Verwirrung der Gefühle" nebst einem reichen Kranz feinsinniger Novellen, Monographien und Essays danken, fand am Bußtag abend im Meistersaal eine intime Feier zu Ehren des Jubilars statt. Edith H e r r n ft a d t - O e t - tingen, die wir schon häufig als eine Birtuosin beseetter Rezitation kennen gelernt haben, bestritt diesen Abend ausschließlich mit ihrer großen, oftmals dramatisch vibrierenden Vortragskuust. Insbesondere Stefan Zweig könnte wohl kaum eine bessere Interpretin finden als diese Frau mit der natürlichen Musikalität einer von edlem Pathos schwingenden Stimme und dem ethischen und dichterischen Einfühlungsvermögen einer wahren Küuftlerin. Das Glanzstück ihrer diesmaligen VortragSsolge bildete die unendlich zarte und behutsame Wiedergabe einer epischen Leistung des Dichters, der au herbstsüßen und nahezu lyrischen Akzenten überreichen Novelle Stefan Zweigs „Dokument einer Liebe". Edith Herrnftadt-Oettingen verstand es, die sublimsten und subtilsten Weisheiten und Weichheiten dieser, ach so österreichischen, von stummer Resignation und selbstverständlichem Verzicht erfüllten Erzählung - diesem Dokument einer rein seelischen Offenbarung — die eindringlichsten Töne zu leihen, ohne jemals durch deklamatorische Rhetorik aufdringlich zu wirken. Wort für Wort, Buchstabe um Buchstabe zeichnete sie den liebesholden Wahn und das liebesholde Wesen dieser „unerhörten Begebenheit" und weckte dadurch in dem überfüllten Saal echte Rührung und Selbstvergessenheit. Mit kluger Wahl hatte die Rezitatorin dieser ergreifenden Prosadichtung Prolog und Epilog in gebundener Rede zu gesellen gewußt. Tie melodramische Episode von „Dem fremden Lächeln" bildete den Auftakt, während der tragische Furor der großartigen Auseinandersetzung „Rahel rechtet mit Gott" der Sprecherin Gelegenheit gab, auch die wuchtigeren Töne ihres großer, Könnens zur Geltung zu bringen. Rauschender Beifall und zahlreiche Blumenspenden lohnten der Künstlerin. Es war eine würdige Feier, die dem Dichter/ seiner Wortsührerin, sowie dem Sinn des Tages in jeder Beziehung gerecht wurde. Und gerade, weil Stefan Zweig uns an diesem Abend menschlich so nahe gebracht wurde, hoffen - wir, daß der erst Fünfzigjährige uns noch mit vielen Gaben seines Geistes und seiner eingeborenen Gotteskindschaft beschenken wird. D. W. Eduard Engel 80 Jahre Der hervorragende deutsche Literarhistoriker Professor Eduard Engel vollendete am 12. November sein 80. Lebensjahr. Er wurde 1851 in Stolp (Pommern) geboren, war seit 1882 Leiter des Stenographischen Büros des Reichstags, 1879 bis 1887 war er Redakteur des „Magazins für die Literatur des In- und Auslands", 1903 erhielt er den Professorentitel. Er veröffentlichte eine große Reihe von titeratur- Feschichtlichen Werken, u. a. eine Geschichte der französischen, ,i>er englischen und der deutschen Literatur, eine Ausgabe von Heines Memoiren, Bücher über Shakespeare, Byron unp- Goethe u. a. m. Sehr volkstümlich wurden feine Schriften „Sprich deutsch", „Gutes Deutsch", „Deutsche Meisterprosa'-, „Deutsche Stilkunst". Diese Werke streben die Reinigung bet; deutschen Sprache von Fremdwörtern und die Verbesserung des Sprachgebrauchs an. Engelist auch Verfasser mehrerer Novellen und einiger Betenntnisbüch'er. In dem vor Jahresfrist herausgekommenen Buche „Menschen und Dinge" hält Engel Rückschau auf sein Leben, das ihn niit vielen oedeu-. tenden Menschen, Dichtern und Denkern, Fürsten und Staatsmännern, zusammengeführt. In seinem Werke „Was bleibt?" lehrte Engel, wie man sich nach festen Maßstäben auch in der Kunst ein zuverlässiges Urteil^ Lilden kann. In diesem Buche hat sich Engel, eingedenk der in feinem jüdischen Elternhaus zu Stolp ausgenommeuert Eindrücke, auch mit der Lite^ rrtur der Hebräer beschäftigt. Engel lebt jetzt in Bornim bei,. Potsdam.