Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 44-45 (11.11.1931)
- Date
- 1931-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Tic sich anschließende Sitzung des Reichsvorstandes der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise befaßte sich mit den durch die gegenwärtige Situation gestellten besonderen Ausgaben und Notwendigkeiten der sozialpolitischen Arbeiten im Reich. Der Vorstand war einhellig der Meinung, daß die Wandersürsvrgearbeit aus Grund der bisherigen Richtlinien fortgeführt werden müsse. Die neueren gesetzgeberischen Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Arbeits und Aufenthaltsrecht wurden eingehend erörtert. Dc'c Vorstand begrüßte die in den letzten Monaten herbeigeführte Zusammenarbeit mit den Wanderfürsorgezentralen von Oestewreich, Tschechoslowakei, .Holland, Belgien und Luxemburg. Der Vorstand nahm schließlich Kenntnis von den nunmehr abgeschlossenen Vorarbeiten zur Errichtung der jüdischere Arbeiterkolynie, die durch die Unterstützung der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Landesverbände jüdischer Gemeinden nunmehr in nahe Wirklichkeit gerückt ist. Er ermächtigte den geschäftsführenden Vorstand gemeinsam mit einer Vertretung des Bayerischen und des Sächsischen Landesverbandes oie abschließenden Verhandlungen zu führen. Berliner Repräsentantenversammlung Schulangelegenheiten — Bekämpfung der Austritte — Der Revifionsbecicht soll vvrgelcgl werden. Rach der stürmischen Sitzung vom 22. Oktober, die zu r»em bekannte^ Mißtrauensvotum gegen das zionistische Vorstandsmitglied Kareski geführt hatte, gestaltete sich die Sitzung vom 5. November zu einer äußerst friedlichen und fachlichen Aussprache. Der öffentlichen Sitzung war eine geheime vorangegangen, in welcher, als Wichtigstes, Finanzsragen besprochen wurden. Unter Leitung des Finanzdezernenten des Gemeindevorstandes, Herrn Wilhelm Graetz, ist eine Kommission gebildet worden, deren Berichterstatter demnächst in öffentlicher Sitzung ein erschöpfendes Referat halten wird, damit auch die Oesfentlichkeit Kenntnis erhält, auf welche Weise unter den heutigen schwierigen Umständen die ordnungsgemäße Abwicklung aller Ausgaben durchgeführt und die Kaffen liquide erhalten werden. — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung bestand in der Wahl eines Rektors der Vereinigten Mittelschulen. Bekanntlich sind die früher in der Großen Hamburger Straße gelegene Knaben Mittelschule und die Mädchenmittelschule Kaiserstraße in das Gebäude der letzteren zusammengelegt worden. Angesichts der Tatsache, daß diese Schulen eingehen werden, würden wir gewünscht haben, daß die Gemeinde sich mit der Anstellung eines Rektors nicht inehr hätte zu belasten brauchen. Da aber bei den beteiligten Körperschaften Einigkeit darüber bestand, daß bis zum endgültigen Abbau in fünf Jahren und gerade für oie ordnungsmäßige Durchführung desselben ein Leiter berufen werden mußte, so begrüßen wir es, daß diese Wahl auf.Herrn Dr. Heinemann Stern gefallen ist, einen ebenso treuen Liberalen wie ausgezeichneten Pädagogen, der auch der breiteren Oesfentlichkeit durch seine Tätigkeit im Großen Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden sowie durch umfassende wissenschaftliche und journalistische Arbeit bekannt geworden ist. Die öffentliche Sitzung würbe um 9 Uhr abends eröffnet. Bemerkenswert unter den geschäftlichen Mitteilungen, die der Vorfitzende, Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, einleitend machte, war ein Appell an die im Saale befindliche jüdische Presse. Bekanntlich wird in Berlin seit einiger Zeit ein jüdisches Wochenblatt vertrieben, welches sich als „Organ für die Gesamtinteressen des Judentums" bezeichnet, sich aber von feinen ersten Nummern an eindeutig als antiliberales Kampfblatt im Sinne jener bekannten gegen die Liberale Fraktion gerichteten „freundlichen" Bestrebungen der sogen. Ueberpartei erwiesen hat, und dessen Herausgeber, sei es aus Mangel an Mut, sei es um des leichteren Verkaufs willen, davon Abstand nehmen, sich offen als Parteigänger der Zionistischen Volkspartei zu bekennen. Doch dies alles kann noch als Privatsache jenes Verlages oder seiner Redaktion betrachtet werden. Nicht Privatsache, sondern Sache der jüdischen Oesfentlichkeit ist es aber, dagegen aufzntreten, daß ein Blatt, welches durch seinen Titel für die Gesamtinteressen des Judentums einzutreten vorgibt, durch seinen der wüstesten Boulevardpresse nachgeahmtcn Ton und persönliche Verunglimpfungen in Wirklichkeit gegen die Gesamtinteressen des Judentums sich auswirkl. Tie gesamte übrige jüdische Presse ist sich in der Verurteilung dieses unser Niveau herabbrückenden Blattes einig, und es kann nur begrüßt werden, daß der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung jene Redaktion — allerdings ohne Namensnennung — öffentlich gerügt und ihr die Entziehung der Pressekarten angedroht hat, falls sie auch weiterhin unter Verletzung des journalistischen und allgemein menschlichen Anstandes das Gastrecht der Repräsentantenversammlung in so empörender Weise verletzen werde. Es folgte die Erledigung einer großen Reihe geschäftlicher Angelegenheiten: Zuwendungen und Erbschaften wurden angenommen und eine größere Anzahl Subventionen bewilligt, darunter auch diejenige für die „Liberale Synagoge Norden". Ein Antrag der Liberalen Fraktion, die Redezeit in der Nepräsentantenvcrsammlung für Antragsbegründungen auf zwanzig, für Diskussionsreden auf zehn Minuten grundsätzlich zu beschränken, wurde bis zur einheitlichen Durchführung einer neuen Geschäftsordnung zurückgeftellt. Leider verfiel auch ein weiterer Antrag, der schon vor Monatsfrist auf der Tagesordnung gestanden hatte und die so sehr notwendige Beschleunigung der Steuereiukünfte sichergestellt haben würde, wiederum der Vertagung. Es handelte sich um eine Vorlage des Gemeindevorstandes, derzufolge die Jüdische Gemeinde, analog den öffentlichen Steuerbehörden und den Kirchengcmeinden, für nicht rechtzeitig entrichtete Süeuerbeträge Verzugszinsen erheben solle. Obwohl bereits in dcr Sitzung vom 5. Oktober der Genreindevorstand diese Maßnahme für die ordnungsmäßige Abwicklung seiner finanziellen Ausgaben als unaufschiebbar bezeichnet hatte, wurde der Antrag infolge Widerstandes der Volkspariei und des Vertreters rer Ueberpartei wiederum vertagt. Auf dem Gebiete des S ch u l w e s e u s lag eine Anfrage, wieweit es der Gemeinde möglich sei, die Stadtgemeinde Berlin zur finanziellen Stützung der auch nach Durchführung des Schulprogramms noch aufrechtzuerhallenden Schulen heranzuziehen. Die verschiedenen hierzu vorliegenden Anträge wurden aber zurückgestellt, nachdem das liberale Mitglied des Gemeindevorstandes Dr. Alexander, der im Aufträge des Gemeindevorstandes die Verhandlungen mit den Schulbehörden führt, berichtet hatte, daß diese Verhandlungen zurzeit noch nicht abgeschlossen sind. Der interessanteste Punkt der Tagesordnung betraf eine Angelegenheit, die nicht nur für Berlitt, sondern für alle g,üd if ch eu Gemeinden im Reiche akut ist. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse nimmt die Austritt s g es a h r einen bedrohlichen Charakter an. Die Liberale Fraktion hat sich daher den Dank aller am Fortbestände des deutschen Judentums interessierten Kreise erworben, als sie den Antrag stellte, die Jüdische Gemeinde möge Kurse einrichten für diejenigen Gemeindemilglieder (Herren und Damen), die sich an der Bearbeitung der Austritte beteiligen. Schon lange versucht ja die Gemeinde, jedes einzelne Austrittsgesuch zu bearbeiten und durch persönliche Besuche und Aussprachen die Austretenden zurückzngewinncn. Da diese Austretenden den verschiedensten Kreisen angehören und aus den verschiedensten Beweggründen zu ihrer Abmeldung veranlaßt sind, so muß jeder einzelne Fall anders und ganz individuell behandelt werden. Es liegt aus der Hand, daß die Gemeinde solche Arbeit nicht durch Beamte vornehmen lassen kann, daß sie dazu einen großen Stab ehrenamtlicher Mitarbeiter benötigt, die ebenfalls den verschiedensten Kreisen angehören, für ihre schwere Aufgabe aber gründlich geschult werden müssen. In der Debatte über die Einrichtung der hierfür notwendigen Schulungskurse kam es zu außerordentlich interessanten religiösen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen. Die liberalen Redner Dr. London und Dr» Fleischer hatten darauf hingelviesen, daß bei den Austritten auch die Frage der Mischehen eine Rolle spielt. Es kommt vor, daß Eltern, die in Mischehe leben, also jüdisch-religiös nicht getraut sind, ihre Kinder dem Judentum zuführen und jüdisch erziehen lassen wollen. Bei derartigen Fällen sei es vorgekommen, daß orthodoxe Rabbiner die Aufnahme solcher Kinder in das Judentum abgelehnt haben, weil diese Kinder nach dem jüdischen Religionsgesetz keine Juden seien. Aus den Reihen der Volkspartei war von Vertretern konservativer: Richtung das Religionsgesetz als in diesen Fragen maßgeblich hingestellt worden. Dieser Auffassung gegenüber vertraten die liberalen Repräsentanten Dr. Max Mayer und Tr. Sachs den Standpunkt, daß die jüdische Religion ihrer geschichtlichen und messianischen Ausgabe gemäß größere Weitherzigkeit üben müsse; auch gehe es nicht an, in einer Einheitsgemeinde jüdische Religion mit jüdischer Orthodoxie gleichzusetzen. Für den religiösen Liberalismus habe das Religionsgesetz keine Gültigkeit, weil hier die Formen als wandelbar betrachtet werden. Da die Austretenden ohnehin nicht gerade der Orthodoxie anzugehöreu pflegen, so müsse gerade in diesen Dingen der Betätigung liberaler Auffassung weitester Spielraum gelassen werden. Der Verwaltungsdirektor der Berliner Jüdischen Gemeinde, Dr. Walter Breslauer, beendete die Debatte mit dem Hinweis, daß der Gemeinde- Vorstand die Maßnahmen für die Einrichtung der Kurse bereits getroffen habe. Ein weiterer Antrag der Liberalen Fraktion befaßte sich ebenfalls mit einer Angelegenheit, die für alle Gemeinden im Reiche von Bedeutung ist.. Es soll in Zukunft bei Beerdigungen gestattet sein, daß gemischte oder Damenchöre Mitwirken, daß Instrumentalmusik aufgesührt wird und daß üescdiedten aus dem Talmud Uebersetzt von Rahel bin Gorion. 3. Vom E h e s t i f t e n. Eine hohe Römerin fragte einen jüdischen Weisen: In wieviel Tagen hat Gott die Welt erschaffen? Er erwiderte: In sechs Tagen schuf Gott die Welt, wie dies auch die Schrift berichtet. Da fragte die Römerin weiter: Und was tut der Herr seitdem? Der Weise erwiderte: Er stiftet Ehen; er fügt zusammen, die zueinander gehören; er macht den einen reich und den anderen arm. Da sagte die Römerin: Solches könnte auch ich vollbringen. So viel Knechte und Mägde ich habe, ich will sie in einer Nacht miteinander vermählen. Womit der Schöpfer die ganze Zeit hindurch sich abmüht, das will ich in einer knappen Stunde vollbringen. Der Rabbi sprach: Den Menschen dünkt manches leicht, was dem Herrn schwer ist. Mann und Weib zusammenzufüliren, das ist bald eben so schwer wie der Durchzug der Kinder Israel durchs Rote Meer. Allein die Matrone kehrte sich nicht an diese Weisung; sie nahm ihre tausend Knechte und tausend Mägde, stellte sic in zwei Reihen auf und rief: Diese Magd geb ich diesem zum Weibe, jener Knecht wird der Mann jener Magd! So schuf sie in einer Nacht lausend vermählte Paare. Als sie aber am Morgen die Neuvermählten alle aufsuchte, da war Jammern und Wehklagen, Schreien und Toben: dem einen war ein Auge ausgeschlagen, der andere blutete aus einer Kopfwunde, dem dritten war der Arm ausgerenkt, dem vierten war der Fuß gebrochen. Ein jeder Mann sprach: Ich mag diese, die du mir gegeben hast, nicht zur Frau. Und eine jede Frau sprach: Ich will diesen nicht zum Manne haben. Da ließ die Römerin den Weisen kommen und sagte: Ich muß bekennen, euer Gott ist wahr, seine Lehre ist wahr, und du hast in allein wahr gesprochen. Der Lehrer antwortete: Ja, der Herr sitzt oben und führt die Menschen zusammen, ob sie es wollen oder nicht wollener umschlingt mit einem Band den Hals des einen Mannes und zieht ihn von einem Ende der Welt an das andere, daß er die Frau heim hole, die dort weilt und die für ihn bestimmt ist. Frauen für Organisationen Ansprachen halten. Es wurde beschlossen, hierüber zunächst Gutaä)ten der Gemeinderabbiner einholen zu lassen. Sehr zu begrüßen ist es schließlich, daß die Liberale Fraktion einen Antrag eingereicht hatte, in welchem der Gemeindevorstand ersucht wird, nunmehr umgehend den Revision s b e r i ch t in der vorliegenden Originalform sämtlichen Mitgliedern der Repräsentantenversammlung zu übersenden. Zu diesem Anträge bedarf es einiger grundsätzlicher Bemerkungen. In früheren Jahren, als der Zionismus noch eine aufstrebende Bewegung war, bestand eines seiner Hauptargumente gegen die damals in den meisten deutschen Gemeinden an der Spitze stehenden Liberalen in der Behauptung, alles, was diese Männer leisteten, sei bloßes „Berwaltungsjudentum". Es kam den Zionisten zustatten, daß in jenen Zeiten die Gemeindeverwaltungen noch vielfach in jener Form gehandhabt wurden, die allgemein als Notabelnverwaltung bezeichnet wird. ES lag im Zuge der Zeit, daß mit dieser Form gebrochen werden mußte und modernere demokratische Berwaltungsformen angestrebt wurden. Demokratisierung der Gemeinden — das ist vielleicht der einzige Punkt, in welchem in den letzten Jahren die jüngere Generation der Liberalen und die Zionisten einig waren, eine unausgesprochene Einigkeit übrigens. Als nun in Berlin die Zionisten an die Herrschaft gelangten, da waren es Männer, die durch die Schule der Demokratie gegangen waren, die unter das Volk gingen und sich populär zu machen verstanden, die obendrein noch getragen wurden von der ganzen Aktivität und Agilität, die jeder Oppositionspartei eigen zu sein pflegen. Diese Eigenschaften im Verein mit der Tatsache, daß gerade während der zionistischen Herrschaftsperiode eine größere Anzahl von Gemeindeeinrichtungen geschaffen wurde — zum Teil in Ausführung von Projekten aus einer früheren Verwaltungsperiode, zum Teil in Wahrnehmung der durch die nunmehrige zionistische Mehrheit gegebenen Möglichkeiten — ließ in der Oeffentlichkeit den Glauben auskommen, die Zionisten seien in der Verwaltung noch tüchtiger als die vielgeschmähten „VerwaltnngSliberalen". Nur der engere Kreis der Eingeweihten wußte schon damals, daß sich hinter der Betriebsamkeit der zionistischen Führer eine Großzügigkeit und eine mit sehr leichter Hand ausgeführte Arbeit verbargen, deren Wirkungen irgendwann einmal in unheilvollster Weise zutagetreten, mußten. Schon im Mai 1929 wurde von dem Revisor dem Gemeindevorstand ein Bericht vorgelegt, in dem es heißt: ..Die Depression, unter der zurzeit die gesamte Wirtschaft leidet, ist auch an der Kassen- und Finanzlage der Gemeinde nicht spurlos vorübergegangen. Im Hinblick daraus hat der Gemeindevorstand Sparmaßnahmen angeordnet, deren wirksame Durchführung innerhalb der bestehenden Organisation des Verwaltungskörpers zumindest sehr schwierig sein dürfte. Ein Erfolg nach dieser Richtung hin ist nach Lage der Dinge überhaupt nur dann zu erwarten, wenn mit der Sparaktion! gleichzeitig eine durchgreifende Verwaltungsreform in die Wege geleitet wird." Kurz vor den Repräsentantenwahlen im November 1930 erschien dann eine Schrift von dem Konservativen Moritz A. Loeb „Um die Zukunft der Berliner Jüdischen Gemeinde" (Verlag Ernst Nickel k Cie, Berlin NW 23), iüa. der an Hand eines umfassenden Zahlenmaterials nachgewiesen wurde, daß der damalige Gemeindevorstand trotz der oben erwähnten Warnung in großzügigster Weise weitergewirtschaftet hatte und daß das ganze Finanz- und Kassenwesen sich im Zustande völliger Desorganisation befindet. Immer dringlicher wurden daher zwei Forderungen: es mußte eine gründliche, einwandfreie Revision und die Aufstellung eines genauen Status des Gemeindevermögens erfolgen, und es mußte eine grundlegende Verwaltungsreform durchgeführt werden. Dieser beiden Forderungen hat sich der neue Gemeindevorstand unmittelbar nach seiner Wahl im Jum 1931 angenommen. Zur Durchführung der Verwaltungsresorm ist Herr Rechtsanwalt Dr. Breslauer als Verwaltungsdirektor der Gemeinde gewählt worden; und zur Klarstellung der Finanzlage wurde eine Treuhandgesellschaft mit der Durchführung einer grundlegenden Revision beauftragt. . Wenn man die Einzelheiten jener Desorganisation kennt acnd z. B. weiß, daß die Desorganisation des Finanzwesens nicht geringer ist als diejenige, die wir voriges Jahr zu unser aller Entrüstung aus dem Zustande der Wählerlisten kennengeternt haben, so kann man sich ein Bild davon machen, daß die Revision nur nnter allerschwierigsten Umständen möglich war. Nichtsdestoweniger liegt dieser Bericht nun seit längerer Zeit dem Gemeindevorstande vor. Bei der Unübersichtlichkeit aller Unterlagen mußten sich die Revisoren natürlich den Vorbehalt machen, daß nicht alle gegebenen Zahlen endgültig seien und daß Jrrtümer unterlaufen sein könnten,. Immerhin wird das Bild unverantwortlicher Großzügigkeit des früheren zionistischen Gemeindevorstandes bestätigt. Ueber die parteipolitische Personalwirtschaft ist hier schon des öfteren geschrieben worden. Jetzt erfährt man, daß es ähnlich mit den gewährten Subventionen liegt. Dem nationaljüdischen Turnverein Bar Kochba sind in knapp achtzehn Monaten 56 000 Mark gezahlt worden. Der Sportplatz, für den seinerzeit von den Gemeindebehörden 20000 Mark bewilligt worden sind, wird etwa das Zehnfache dieses Betrages kosten. Ueber andere Dinge dieser Mißwirtschaft wird später noch zu reden sein. Der Revisionsbericht befindet sich zurzeit noch in .Händen des Gemeindevorstandes. Nichtsdestoweniger ist vieles von seinem Inhalt bereits durchgesickert. Nun ist es eine alte Erfahrung, daß alle halben Kenntnisse schlimmer sind als die noch so schlimmen ganzen. Wie wenig die heutigen Liberalen noch von jener früheren Notabeln-Verwaltung wissen' wollen, wie sehr auch sie weitgehende Demokratisierung wünschen und jeder veralteten Geheimdiplomatic abhold sind, geht nun daraus hervor, daß sie seit langem die Offenlegung des Nevisionsberichtes fordern unb diese Forderung in der Repräsentantenversaminluug durchgesetzt haben. Sehr zu Unrecht fürchten die Zionisteu, die wegen eines Artikels von Herrn Moritz Rosenthal eine Interpellation cingebracht ha- J r NIeDR»* *£» *USWAHL,, PR|NDU eEgCHT— S»CH ■J}: WUNSCH ZAHUUNe» fftOBEls Hamb v r 9 ^£7 / *r nfo rabrätXa OEUTSCHfTEPflCHC l A 0 F l t S I Q M ( CAftOINCN»ST€tCS NT. TEPPICHE DIVANOICKCN FOITKBIN OCKORATONEN VOfilACEN UND**OCKEN STfFPQiCKIN SMNNSTOf f I ■ K <I<C* B17TUMIAH0U NCEN MOMIIT 07 f l DE K O R A TIO NS S VOMt 1