Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 40-41 (14.10.1931)
- Date
- 1931-10-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gefallen „Israelitischen Aucrshei ines" in Karlsbad einen Namen gemacht. Er hat das Altersheim mit Unterstützung des amerikanischen Philanthropen C. Brown errichtet. » Die historisch denkwürdige Ga o n - S y n ag o g e i n Wilna, die „Klase" des Wilnaer Gaon Rabbi Elija, ist zum Teil durch Brand vernichtet worden. Viele alte schwer ersetzbare Bücher ans der Bibliothek des Gaon sind mit verbrannt. tt Der allgemeine Rabbi nerverba nd in Deutschland wird seine sür die letzte Dezember-Woche bereits festgesetzte Hauptversaibmlung der Zeitverhältnisse wegen nicht abhalten und hat die Sitzung aus vorläufig unbestimmte Zeit verschoben. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat eine authentische Liste sämtlicher in Deutschland in den Jahren 1923 bis 1931 verübten Friedhofsschändungen herausgcbvacht. Das Verzeichnis enthält nicht weniger als 103 Fälle derartiger Schändungen, die auf alle Teile des Reiches entfallen. * Der bekannte Wiener jüdische Gelehrte, Rabbiner Tr. M a x Ä x u n w a I d , begeht im Oktober seinen 60. Geburtstag. w Eine Zuhörerschaft von mehreren Tausend Personen, unter ihnen zahlreiche Politiker und geistige Führer Frankreichs, versammelte sich, um. den Vortrag des Berliner Rechtsanwalts und Politikers Dr. Bruno Weil über sein neues Buch „Glück und Ende des Generals Bottlang er" zu hören. Dr. Bruno Weits vor kurzem im Verlag Walter Rothschild, Berlin-Grunewald, erschienenes Vonlanger-Buch wurde auch schon in der deutschen Presse vielfach besprochen, wobei auf die frappierende Aehnlichkeit der Boulanger-Epoche in Frankreich und der Hitler-Epoche in Deutschland, sowie auf die Aehnlichkeit zwischen den beiden „Helden" dieser Epoche hingewiesen wurde. Dr. Bruno Wells Wort rag hat auch der großen 'französischen Presse, die demselben längere Berichte und Betrachtungen widmet, Anlaß gegeben, solche Vergleiche zu ziehen mnd auf die Vergänglichkeit pseudo-heroischer Bewegungen hinzuweisen. Die französische Presse begrüßt Dr. Bruno Weil, der als erster deutscher Redner nach dem französischen Ministerbesuch in Berlin sich einem französischen Auditorium vorstellt. Herr Oberrabbiuer von Pieslany, Koloman Weber, Vorsitzender der Orthodoxen Zentralkanzlei und einer der Führer der slowakischen Agudah, verunglückte tödlich in Bratislawa. * Wie allseitig bekannt, ist der Schauspieler Alexander Moissi, der gegenwärtig mit der Abfassung eines Romanes „Die Sehnsucht der Mutter nach dem Kinde" beschäftigt ist, in zahlreichen Zeitungen Gegenstand heftigster antisemitischer Angriffe, da er mit Erlaubnis der zuständigen Stellen als. Zuschauer in einer Salzburger Gebärklinik bei einem Geburtsakt teilnahm. Moissis Gattin, Frau Termin, stellt nun fest, daß sowohl Alexander Moissi wie auch sie rein arischer Abstammung sind, was auch durch Moissis Taufschein, ausgestellt von einem Triester Pfarrer nach seiner Geburt, jederzeit erweisbar ist. Allenstein. (Versammlung der Gemeindevertretung.) Die Gemeindevertretung hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Etatsberatung zu befassen. Der Vorsitzende des Vorstands, Rechtsanwalt Neumann II, gab ein Bild über fan Stand der Finanzen und die durch die finanzielle Krise notwendig gewordenen Maßnahmen der Einschränkung. Der Etat sei gegenüber dem Vorjahre ermäßigt worden. Es sei der Gemeinde möglich gewesen, ein niedrigeres Steuersoll vorzuschlagen als im vergangenen Jahre. Für die Zeit vom 1. April 1931 rückwirkend bis zum 31. März 1932 sollen 14 o/a des Reichseinkommensteuersolls als Gemeindesteuer erhoben werden. An das Referat schloß sich eine Aussprache über die einzelnen Etatspositionen an. Der Etat fand dann einstimmige Genehmigung der Repräsentantenversammlung. Nach der Sitzung fand ein geselliges Beisammensein statt. Arnswalde. (5l) jähriges Amtsjubiläum.) Am 11. Oktober konnte der hiesige Prediger und Kantor der jüdischen Gemeinde, A. Alt mann, sein 50 jähriges Amtsjuviläum in geistiger und körperlicher Frische begehen. Im Frühjahr dieses Jahres wurde A. 80 Jahre alt. Die jüdische Gemeinde feierte dieses seltene Fest in würdiger Weise. Berlin. (6 0. Geburtstag.) Frau Clara Birnbaum, Frankfurter Allee 67, begeht am Montag, dem 19. Oktober 1931, ihren 60. Geburtstag. Seit mehr als 30 Jahren in der Wohlfahrtspflege tätig, war sie eine der ersten ehrenamtlich tätigen Frauen in der Armenkommission der jüdischen Gemeinde. Sie ist jetzt Vorsitzende des Bezirks Fricdrichshain II des Wohlfahrtsamtes und steht auch als eine der leitenden Persönlichkeiten in der interkonfessionellen. Wohlfahrtspflege an der Spitze des Kinderheims Borgsdorf und gehört dem Vorstand des Vereins Hauspflege an. Berlin. (Persönliches.) Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Südlvestliche Vororte des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten Aus den Gemeinden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin", Herr Lehrer S. Sander, Hai seine Gattin nach kurzer schwerer Krankheit verloren. Die so plötzlich Verstorbene stand erst im 48. Lebensjahre. Die Trauerfeier in Keißensee, bei der Rabbiner Dr. Winter einen warmempfundenen Nachruf hielt, lvies eine ungewöhnlich große Beteiligung auf. Unserm Gesinnungsfreunde Sgnfar und seinen.Kindern sei auch an dieser Stelle unser aufrichtiges Beileid ausgesprochen. Bremen. (5 0. Geburtstag.) Am 11. Oktober beging die Jüdische Gemeinde Bremen den 50. Geburtstag ihres ersten Vorsitzenden, Max Markreich, der ihr seit 30 Jahren angehört, 1916 dritter und 1924 erster Vorsitzender der Gemeinde ivurde. Max Markreich gründete und leitet den Vorsteherbund der nordlvestdeutschen Gemeinden, ist Herausgeber des Bremischen Gemeinbeblaties, in letzter Zeit ist er auch mit verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen an die Oeffentlichkeit getreten. Sein spezielles Interesse gilt der Familicnforschung. Er schrieb u. a.: „Historische Daten zur Geschichte der Israelitischen Gemeinde in Bremen", ,,Die Beziehungen der Juden zur freien Hansestadt Bremen von 1065 bis 1848". Dortmund. (Kantor Adolf Hehmaun gestorben.) Von einem herben Verluste ist unsere Gemeinde betroffen worden. Herr Adolf Heymann, der Rektor unserer Volksschule, der zugleich über zwei Jahrzehnte als Kantor in der Synagoge amtierte, ist eines plötzlichen Todes gestorben. Am Jom hakippur tönten noch seine Weisen in alt gewohnter Frische an unser Ohr, Mittwochs erkrankte er schwer und schon am Samstag-Abend trennte sich die Seele von seinem kranken Körper. Bestürzung bereitete die Trauerpost allenthalben in der Gemeinde. Am Mittwoch trugen wir den allzu früh Vollendeten — er stand im 55. Lebensjahre — zu Grabe. Ein schier unübersehbares Trauergefolge begleitete ihn auf seinem letzten Wege. An der Bahre gab in einem trefflichen Lebensbilde Herr Rabbiner Dr. Appel, tief betvegt, dem Schmerze Ausdruck, den der Verlust dieses Mannes für seine Familie, die Schule, die Synagoge, die Gemeinde, die Chewrah, die Loge, den R.j.F. u. a. m. bedeutet. Am Schemini azeres lvies Herr Dr. Appel in seiner Predigt nochmals die Lücke auf, die der Tod allenthalben gerissen hat und die nicht sobald wieder ausgefnllt sein wird; er dankte dem Entschlafenen für sein umfassendes Wirken in unserer Gemeinde und flehte den Segen Gottes über die trauernde Familie herab, die allzu früh des liebenden Gatten und treusorgenden Vaters beraubt ist. Dresden. (8 0. Geburtstag.) Am 23. Oktober feiert Oscar Le s se r, langjähriges treues Mitglied der Vereinigung für das liberale Judentum, seinen 80. Geburtstag. Die jüdische Gemeinde, deren Ehrenvorsteher er ist, ehrt ihn durch nachfolgende kurze Würdigung: „Repräsentant einer glücklicheren Zeit, in der fern von Parteienkämpfen die Mitglieder der Gemeinde sich einig in der Pflege des Kults zusammenfanden, ragt die ehrwürdige Gestalt dieses Mannes in unsere Tage. Die Arbeit eines Lebensalters, die er mit Umsicht und Energie aus den verschiedensten Gebieten der Gemeindeverwaltung geleistet hat, wirkt heute noch lebendig weiter, und heute noch gibt er, dem eine gütige Vorsehung Frische des Geistes bewahrte, manchen Rat und manche Anregung denen, die sein Werk zu tvahren und ausznbauen haben. Und so ist Oscar Lessers Geburtstag willkommener Anlaß, ihm, dem aufrechten wie schlichten, jeder äußeren persönlichen Ehrung sich entziehenden Manne, mit herzlicher Gesinnung zu danken und ihm alles Gute und alle Freude zu wünschen." Zu Ehren Oscar Lessers plant die Gemeinde Dresden zugunsten des Henriettenstifts, das bekanntlich Oscar Lesfer unermüdlich betreut, ein Synagogenkonzert für Ende November. Duisburg. (P e r s ö n l i ch e s.1 Frau N. Lilienfeld, die erste Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, dem sie seit 35 Jahren als eifrige Mitarbeiterin im Vorstand wertvolle Dienste leistet, beging in erfreulicher Gesundheit ihren 75. Geburtstag und wurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten in Anerkennung ihres gemeinnützigen Wirkens geehrt. Kirchhajv. (Persönliches.) Lehrer M. Rapp beging am 1. Oktober sein 40 jähriges Amtsjubiläum und wurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Fast zwanzig Jahre seiner erzieherischen Tätigkeit verbrachte er in hiesiger Gemeinde; nach Auflösung, der öffentlichen Volksschule übernahm er den Religionsunterricht und die seelsorgerischen Funktionen. Königsberg. (Zur Fusion der konservativen Synagogen.) In einer Mitgliederversammlung der Konservativen Gemeindesynagoge wurde das Problem der Zusammenlegung der Konservativen Gemeindesynagoge Adaß Jisroel mit der gleichfalls konservativen Alten Synagoge eingehend durch den Vorsitzenden Bankdirektor Hermann Marx erörtert. Hierbei ergriff auch der Vorsitzende der Königsberger Synagogengemeinde, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Falkenheim, das Wort, um sich seitens des Gemeindevorstands aus Gründen der Ersparnis ebenfalls /'ür die Fusion einzusetzen. Der Zusammenschluß werde auch einer Stärkung der ckouservativen Riöbtuna der Gemeinde dienen. In der Aussprache wurde in erheblichem Maße Widerspruch laut, der im wesentlichen Gründen der Gemeindetradition entsprang. Schließlich beschloß die Mitgliederversammlung mit allen gegen drei Stimmen, dem Fusionsvorschlag des Vorstands beizutreten. Für den neuen Synagogenausschuß wurden die Kaufleute Hermann Lewin (Jägerhofstraße), Hermann Lewin <Rhesastraße). Dr. Perlmann, Sally Wolfs und praktischer Arzt Dr. Hes als Mitglieder und die Kauflente Brande, Kasper, Hugo Lewin und S. Simon sowie Bankdirektor Hermann Marx als Ersatzmänner gewählt. — Mit der gleichen Frage hatte sich die Außerordentliche Generalversammlung der Alten Synagoge zu befassen. Dieser wohnten ebenfalls Vertreter des Gemeindevorstands bei. Nach Schusters Rappen von Wilna nach Berlin.zu pilgern, um Moses Mendelssohn zu sehen. Er schlug sich als Wanberprediger bis nach Preußens Hauptstadt durch. Von der ersten Begegnung Abbas mit Moses Mendelssohn wird folgendes erzählt: Eines Tages, noch vor Morgengrauen, stand ein armer Jude in polnisch-jüdischer Tracht vor dem Mendelssohnschen Hause und wartete. Als dann Moses Mendelssohn aus dem Hanse trat, grüßte der Mann ehrfurchtsvoll, Mendelssohn indessen, der in sein Geschäft eilte, erwiderte flüchtig den Gruß, ohne sich weiter um den Mann zu bekümmern. Erst gegen Abend kehrte Moses Mendelssohn heim, und siehe da, der Mann stand noch immer vor der Schwelle seiner Wohnung. Mendelssohn griff nun in die Tasche, um dem Mann, den er sür einen Bettler hielt, ein Almosen zu geben. „Nicht doch," sagte Abba, „nicht um eine Gabe zu empfangen, sondern um Euer lebendiges Wort zu hören, bin ich zu Fuß von Wilna hierher gewandert." Mendelssohn lud ihn darauf ins Haus, und alsbald entspann sich zwischen beiden ein Gespräch, das dem Berliner Philosophen die Gelegenheit bot, Geist und Scharfsinn des litauischen Talmudgelehrten zu bewundern. Beim wogenden Gespräche, beim häuslich trauten Mahl, Beinr Becher edlen Weines, dem slüß'gen Sonnenstrahl, Erblüht dem fremden Bettler die Rede wunderbar, Ein Gläub'ger und ein Denker, wie nie noch einer war. Moses Mendelssohn faßte eine Zuneigung zu dem gelehrten Manne und nahm sich ^seiner sehr warm an. Wie es scheint, hat Abba eine Zeit lang im Hanse Mendelssohns gewohnt. Da sich damals ausländische Anden, wenn sie nicht irgendein Gewerbe hatten oder in irgend einem Dienstverhältnis standen, in der preußischen Hauptstadt nicht aushalten durften, so verschaffte Mendelssohn dem Abba eine Stelle bei einer Witwe. Als bald darauf zwei Amtspersonen erschienen, um Abba von Berlin abzuschieben, da konnte sich dieser mit einem Dienstschein ausweisen und die Polizisten mußten unverrichteter Dinge abziehen. Dafür aber erhielt er die Aufforderung, eine bestimmte Gebühr an die 'Büttel zu zahlen, die den Schub nicht vornehmen konnten und mithin den Weg zu Abba umsonst gemacht hatten. Auf recht heitere Weise erhob Abba gegen diese Zahlungsaufforderung Einspruch, er erzählte nämlich folgendes wahre Geschichtchen: „In Lemberg pflegten die Jesuitenschüler mit Vorliebe jeden Juden, dessen sie ansichtig wurden, mit Steinen zu bewerfen. Einmal bemerkte ein Jude, wie ein Schüler nach ihm mit einem Stein zielte; er bückte sich schnell, der Stein flog in ein Fenster und zertrümmerte eine Scheiba Der Jude wurde daraufhin verurteilt, die Scheibe zu b^ahlen, denn hätte ec sich nicht gebückt, so hätte der Stein ihn und nicht die Scheibe getroffen." Das Gleichnis wirkte; Abba wurde die Zahlungsgebühr erlassen. (Chamisso Hai den Vorfall sowie das von Abba erzählte Geschichtchen in seinem Gerichte verwertet.) * Abba Glosker hielt es nicht lange in Berlin. Er ging wieder auf die Wanderung. Er durchwanderte viele Städte in Deutschland, überall lehrend und predigend. In Altona besuchte er den berühmten Gelehrten .Jakob Emden. Abba wurde sehr freundlich ausgenommen. Im Verlause der Unterhaltung kamen sie aus den Fall Jonathan Eibeschütz zu sprechen, gegen den Emden jahrelang einen erbitterten Vernichtungskampf geführt hatte. Abba Glosker, der gewohnt war. stets das Herz aus der Zunge zu tragen, meinte, die Angriffe Emdens gegen Jonathan Eibeschütz seien nicht einem heiliger Eifer, sondern persönlichen Beweggründen entsprungen. Diese Aeußerung versetzte Jakob Emden in eine solche Wut, daß er Abba mit Stockhieben aus dem Hause jagte. Später schrieb Emden an Moses Mendelssohn: „Ich habe mir sagen lassen, daß Euer Würden einen bösen und im Hause beherbergten." Mit dem ,chösen Hund" war Abba Glosker gemeint. Abba verließ Deutschland und wandte sich nach Holland. Bon hier ging er nach England. Dann verliert sich von ihm jegliche Sony. Es heißt, er sei später als gebrechlicher Greis, halbgelähnit und halberblindet, in seine Heimat zurückgekehrt und dort in Not und Elend gestorben. Abba Glosker ist heute verschollen und vergessen. Kein Buch, kein Blatt meldet von seinem Erdenwallen. Nur in einem deutschen Liede lebt sein Name fort. einem Bericht fas Vorsitzenden der Allen Synagoge Ephraim Piczenik wurde beschlossen, der Fusion beizutreten. An den Vorstand der Synagogengemeinde wurde die Forderung gerichtet, daß der derzeitige Kantor der Alten Synagoge Weinstein für die vereinigte neue Synagoge, die den Namen Konservative Gemeindesynagoge' — Alte Synagoge und Adaß Jisroel tragen wird, als Kantor übernommen werden solle. Nitderaula. (Persönliches.) Lehrer Gans, der 45 Jahre in der hiesigen israelitischen Gemeinde als Lehrer und geistlicher Führer segensreich gewirkt hat, ist in den Ruhestand getreten. Ihm zu Ehren, fand eine eindrucksvolle Feier in der Synagoge statt. Provinzialrabbinec Dr. Cahn-Fulda lvidmete dem Scheidenden ehrende Abschiedsworte. Schulrat Wendling überreichte ein Dankschreiben der Regierung. Dann sprachen die Vertreter fas Bezirkslehrervereins und der Gemeinde. Chorgesänge unter Leitung von Lehrer Simon umrahmten die Feier. Der jetzt aus dem Dienst Scheidende erfreut sich in weiten Kreisen großer Achtung und Wertschätzung. RfaS. (Persönliches.) Der seit säst 60 Jahren im Dienst der Gemeinde wirkende Herr B. Bernhard feierte in körperlicher Gesundheit und geistiger Frische seinen 60. Geburtstag. Da er sich' tu jüdischen und andersgläubigen Kreisen besonderer Beliebtheit erfreut, wurde er auch von vielen Seiten geehrt. Tirgenhof. (Nochmals die Sy u a g o ge u s ch ä u d u ug.) Zu. der in der vorigen Nummer gemeldeten Synagogenschändung erfahren wir, daß die Thoralade nicht demoliert und auch nicht besudelt worden ist; es ivareu auf dem Fußboden und an verschiedenen Stellen des Almemors Sudeleien angebracht worden. Nachdem die örtliche Polizei versagt hatte, hat sich dank des hervorcageill» tatkräftigen Eingreifens des Vorsitzenden des Centralvereins Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens, Konsul Alfred Weinkrantz, die Danziger Kriminalpolizei eine genaue Untersuchung eingeleitet, und als die Täter drei Nationalsozialisten seftgestellt, die, um den Verdacht von sich abznlenken, ihre Sudeleien in Form von kommunistischen Inschriften gemacht hatten. Zwei der Täter sind flüchtig; des dritten ist man habhaft geworden. Gegen alle drei Täter, von denen keiner älter als 20 Jahre ist, ist inzwischen von der Danziger Staatsanwaltschaft das Verfahren eröffnet worden. Westercappelv. (Friedhofsschändung.) Auf dem jüdischen Waldfriedhof in Westercappeln in Westfalen tvurdcn vier Grabsteine gewaltsam beschädigt und der Versuch gemacht, weitere Grabsteine umzuwerseu. Auf die Ergreifung der Täter hat die jüdische Gemeinde Westercappeln eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Wetzlar. (Synagogen-Jubilänrn.) Die hiesige israelitische Gemeinde konnte am Laubhütten feste das Jubiläum ihres 175 jährigen Bestehens festlich begehen, da im Jahre 1756 der Rat der Stadt Wetzlar die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge gegeben haben soll. Bon einer besonderen Feier war mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit Abstand genommen worden, doch wies Prediger Katzenstein in seiner Festpredigt auf das Ereignis und seine Bedeutung! sür die Gemeinde hin. Wormditt. (100 jähriges Synagogenjubiläum.) Die Synagoge der Wormditter jüdischen Gemeinde in der Liebstädter Straße erlebte im Laufe ihres hundertjährigen Bestehens eine grundlegende Renovierung mit Neubau des Altares im Jahre 1867. Die jüdische Gemeinde ist um die Wende Hes 18. Jahrhunderts entstanden. Als Enistehnugsjahr wird die Zahl 1804 angegeben. Zwei Jahre später, im Jahre 1806, ist der Friedhof an der Nordseite der Stadt angelegt worden. Die ersten Gräber mit Grabsteinen stammen aus demselben Jahre. Zerf. (S yn ag og e n e i nw e i h u ng.) Am Freitag, dem 2. Oktober, fand in Niederzerf durch Oberrabbiner Dr. Altmann die feierliche Einweihung der nach den Plänen des Architekten Adrian- Trier rmd durch den Maurermeister Schmitt-Oberzerf erbauten Synagoge statt. Gibt es eine jüdische Alufik? Humoristischer Beitrag zu einer ernsten Frage. Besonderer Beliebtheit erfreut sich in den Berliner Orgelsynagogen das Gebetstück^V'je'essoju Kol awodecho int Muffafgebet des Neujahrs- und Berföhnungsfestes. Die Beliebtheit ist hauptsächlich auf die sangbare Melodie zurückzuführen, welche, was viele nicht wissen, von Zelter stammt. Jawohl, von Goethes Freund Zelter. Lewandowskys Bearbeitung besteht im wesentlichen nur darin, daß er der Zelterfchen Komposition den hebräischen Text unterlegt hat. Ein Freund von mir sah und hörte am letzten Verföhnungstag, wie sein Platznachbar, begeistert und ganz hingegeben an die Melodie, mitsang. Nachher flüsterte er ihm zu: „Wissen Sie auch, daß bie XV'je'e8soju-Komposition von einem Christen stammt?" Der schaute ihn erstaunt durch die Brillengläser an. „Nein", sagt er gedankenvoll, „das ist mir gar nicht ausgefallen." tz. Eine Geschmacklosigkeit Die „Weltbühne" vom 29. September bringt folgende Glosse: Jom Kippur. Am 21. September, am vergangenen Montag also, erfahren wir früh morgens von der Krise der Bank von England und von dem Unglück des englischen Pfunds. Und dann tuten wix uns durchs Telephon die Schreckensnachricht durch und sind, wie es sich gehört, wie aus den Wolken gefallen. Nur meine Schwägerin ist gar nicht überrascht. „Das weiß ich schon", sagt sie ganz erhaben, „Onkel Jacob hat doch gestern Abend Georg Bernhard in der Synagoge getroffen, der hat es ihm erzählt." Der erstaunte Leser, der, vorsichtshalber, gleich uns dieses Histörchen zweimal durchgelesen hat, fragt sich, ebenfalls gleich uns: Was ist an diesem Witze witzig? Antwort: lediglich die Wörter ,^Jom Kippur" und „Synagoge". Man stelle sich vor, der Pfundsturz wäre am Karfreitag erfolgt und das gleiche Histörchen würde von Geheimrat Hugenberg in der Kirche berichtet. Selbstverständlich, daß über die englische Bank- und Währungskrise auch das Publikum in der Kirche getuschelt haben würde; aber dann wäre es nicht mehr „komisch". Was also bleibt von dieser Komik? Wie gesagt, ausschließlich die Wörter Jom Kippur und Synagoge. Die „Weltbühne" ist sonst geistvoller. —tz. Briefkasten Rach Nürnberg. Sie schreiben uns: „Wer Herrn Rabb. Dr. Stein in Schweinfurt kennt, weiß, daß dieser einer der edelsten, vornehmsten und feinsinnigsten Männer ist, die wir im deutschen Judentum haben. Ein wahrer und würdiger Priester, welcher sich in orthodoxen wie in liberalen Kreisen gleich hoher Wertschätzung erfreut." Wir sind Ihnen für diese Mitteilung aufrichtig dankbar und teilen sie an dieser Stelle mit, weil die sehr notwendige Kritik in der letzten Nummer ja durchaus kein Angriff gegen die Person des Herrn Rabb. Dr. ,Sttiu sein sollte, und wir überdies mit dem Centralvcreiu unt» seinen leitenden Persönlichkeilen im besten Einvernehmen zusammenarbciten; aus unserm Artikel ging das ja auch hervor. Rach Berlin. Auf die sich immer wiederholenden Anfragen teile» wir nochmals mit, daß das Mitglied des Gemcindevorstandes, Herr Moritz Rosenthal, nicht identisch ist mit dem stüheren Stadtverordnete» gleichen Namens. De. Mar Ravmaui». Mit Ihnen freuen wir uns, daß die Diskussion nunmehr auf sachliches Gebiet geschoben worden ist. Ihre Erwiderung auf den „Offenen Brief" in unserer vorigen Nummer soll nun, wie zwischen Ihnen und uns verabredet, in der nächsten Nummert der Jüdisch-liberalen Zeitung erscheinen.