Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 40-41 (14.10.1931)
- Date
- 1931-10-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Jli-Vewegung Verantwortl.: Ardeitsgemeinjchasl jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Redaktion: Dr. Ellen Littmann, Berlin i i Grundlagen der Jli-Arbeik Wir veröfftntlichen mit diesem Artikel die Ausführungen eines Mitgliedes des neutralen Jugendbundes Bingen und erwarte,«, daß sich in unsern Blättem eine lebhafte Auseinandersetzung ergeben wird. > Die Redaktion. „Uns ist die Religion das Wesentlichste, das Hauptsächlichste; das Staminesgefühl ist uns ein Mittel zur Erhaltung der jüdischen Religion, .nicht aber Selbstzweck." So schreibt ein Offizosus der Vereinigung für das liberale Judentum. Den Jli-Leuten ist auch „Religion das Wesentlichste". Wenn dein aber so ist, warum zeigt sich das nicht in der Art der Bildungsarbeit? Ich bin zwar nicht in der Lage, eine Statistik über die .Jli-Programme vorzulegen, aber meine Beobachtungen scheinen zu ergeben, daß zwischen Idee und Arbeit eine Kluft ist, die zu überbrücken ich mich vergeblich bemühe. Da lese ich von vielen Fahrten und Wanderungen, die an sich sehr lobenswert, aber nicht Jli-Aufgabe sind. Da lese ich, daß man sich mit der neuesten amerikanischen Literatur beschäftigt, mit den „Grundlagen der Philosophie", mit „Romantik in der deutschen Literatur", „Die Aufgaben des Theaters". Die geselligen und bunten Abende scheinen auch ziemlich üppig zu wuchern. Man findet natürlich auch jüdische Thernen, aber selbst die sind oftmals im Vergleich zur Idee der Jtis reichlich peripher. Seid Ihr zum Zwecke einer negativen Demonstration im Jli, nämlich um hervorzuheben, daß Ihr nationaljüdische Bestrebungen nicht teilt und nicht unterstützen wollt? Selbst danndürftet Ihr derartige Themen wie oben angegeben nicht in einem separierten jüdischen Kreise behandeln, sondern nur in allgemeinen Vereinen, es sei denn in Freundeszirkeln. Aber die Jlis wollen doch hoffentlich in erster Linie keine Freundeszirkel, sondern idecngebundene Kreise sein. Oder? Habt Ihr ein positives Bekenntnis zum Religionsjudentum, so muß Eure Arbeit auch dem Judentum als religiöse oder „hauptsächlich"-reügiöse Erscheinung gelten. In Euren Arbeitsprog^ammen muß das klar zum Ausdruck kommen. Trennt Euch von der Umwelt mehr als die Religion? Ihr sagt doch: Nein. Diesem Bekenntnis muß aber auch Eure Arbeit entsprechen. Anerkennt Ihr das Hebräische als Gebetssprache? (In welchem Umsange bleibt gleich.) Dann müßt Ihr auch lernen, diese Sprache zu verstehen. Ist Euch die Bibel ein heiliges Buch? Dann wisset auch, daß sie nur im Original ihre ganze Kraft ausströmt, und lernt Tenach. Sind Euch die Propheten Idealbilder religiöser Neuerer? Dann lernt sie lesen und verstehen. Die Religionsgeschichte Israels wollt und müßt Ihr kennen. Etwas Talmud, Mischna, Rambam, Schulchan Aruch läßt sich da nicht umgehen. Die jüdische Geschichte muß Euch interessieren, ebenso die „Lehren des Judentums". Wenn Ihr darüber hinaus .noch den Wunsch habt, weil Ihr durch Eure Bünde auch menschlich Euch näher gekommen seid, gemeinsam nichtreligiöse Erscheinungen der Umwelt zu betrachten, so wird niemand in solchem Wunsch und Tun einen Verrat an Eurer Idee und Arbeit erblicken, wenn die Zeit hierfür zusätzlich herausgeholt wurde, wenn Eure wesentlichen Arbeiten getan sind. Ich weiß, daß jede Idee mit der Trägheit der Menschen zu känitzfen hat. .Ich weiß auch von den Erfordernissen der Propaganda. Man muß die Menschen anziehen und auch Themen bringen (und Redner), die als „Lockspeisen" wirken. Aber nimmermehr darf die Idee überwuchert uno unkenntlich gemacht werden. Wenn ein Architekt ein Haus renovieren oder weiterbruen will, so geht er zunächst auf das Katasteramt und studiert grürwlich den Bauplan dieses Hauses. Erst auf Grund dieser Kenntnis kann er technisch einwandfrei weiterbauen. Auch der Bau des Judentums kann nur auf Grund eines Mindestmaßes an Kenntnissen und Wissen weitergeführt oder verändert werden. Ob wir mehr erhalten oder mehr reformieren wollen, zuerst müssen wir wissen. Unb um zu wissen, müssen wir „lernen"! Vielleicht mit anderem Ziel, aber mit nicht geringerer Hingabe als etwa der Bachur einer Jeschiwah. Wenn nicht, dann seid nicht erstaunt, wenn man Liberalismus vielfach mit Bequeinlichkeitsjudentum identifiziert. Jawohl, es ist bequemer nicht zu lernen und nicht zu wissen. Ihr müßt aber gegen die Bequemlichkeit kämpfen, sonst verdient Ihr den Namen Jugend nicht. Ihr müßt Eure Arbeit Eurer Idee unterordnen. Dann mögt Ihr zuweilen auch feiern. Aber erst nach getaner Arbeit. Wie, Ihr fürchtet für Eure Gefolgschaft? Dann frage ich Euch, ob Ihr Führer Bildungsvereine leitet, oder einen Jdeenbund, der Wegbahner und Verbreiter des jüdischen Liberalismus sein will! Laßt sie ziehen, die Bequemlichkeitsjuden, die Indifferenten, die Mimikry-Juden, die Lässigen und — Unterhaltungsbedürftigen. „Wer verzagten Herzens ist, der kehre um, daß er das Herz seiner Brüder nicht auch verzagt mache." Laßt die Menschen mit der Deklaration auf den Lippen und der Lüge im Herzen. Und solltet Ihr im Verfolg einer Reinigungsaktion auch an Zahl abnehmen, an Bedeutung werdet Ihr gewinnen. Denn die Wahrheit — ich sage nicht etwa die inhaltliche Richtigkeit, sondern ich meine die Übereinstimmung von Idee und Werk, von Denken und Tun — die Wahrheit ist noch immer eine sieghafte, mindestens aber eine achtunggebietende Kraft. Jssi Bayer, Bingen a. Rh. Zur Eröffnung der Schule der Jüdischen Jugend Am 12. Oktober beginnt die Schule der Jüdischen Jugend ihr Herbsttrimester mit dem unten bekanntgegebenen Programm. Als die jüdische Jugend Berlins sich diese Schule schuf, dr war es das Verlangen nach vertiefter Kenntnis von Juden und Judentum und das^ Bedürfnis, sich diese Kenntnis auf eine der Jugend gemäße Weise zu erwerben, das die Führer aller Bünde zu gemeinsamer Tat trieb. Auch in unseren Reihen wurde damals und wird immer wieder erneut der Ruf nach jüdischem Wissen laut. Und doch nehmen verhältnismäßig wenig Jlimitglieder aktiv an der Arbeit der Schule teil. Das ist aus doppeltem Grunde bedauerlich. Ihr entzieht Euch hier einer Aufgabe, die allen Bünden, gleich welcher Richtung, gemeinsam gestellt ist. Zum Zweiten aber kann die Möglichkeit, gründliches Wissen um unser Judentum zu erwerben, uns heute vielleicht mehr denn je über die Schwere der Zeit hinweghelfen. Auch in unfern Reihen beginnt Arbeitslosigkeit oder aber die Verzweiflung über die wirtschaftliche und geistige Wirrnis unserer Tage mehr und mehr um sich zu greifen. Wir Juden haben von jeher mit schweren Zeiten zn kämpfen gehabt. Wir haben sie immer überwunden, weil wir wußten, daß uns kein Geschick der Welt den Besitz geistiger und kultureller Güter streitig machen konnte. Darum ergeht auch an den Berliner Jli erneut der Ruf, geht in die Schule der Jüdischen Jugend, nehmt aktiv an ihrer Arbeit teil und festigt Euch in Eurem Wissen um Juden und Judentum. Ellen Littmann. Schule der Jüdischen Jugend, N. 24, Oranienburger Straße 29, Weidendamm 5921. Das Prograrnin. des Herbsttrimesters umfaßt folgende Vortragszyklen: Tages frag nt: Tr. Aljred Marcus und Dr. Max Kreutzberger: Die Wirtschaft der Juden, ihre Struktur und Krise in Deutschland und außerhalb. Beginn: Montag, deu 12. Oktober, 8—10 Ilhr, Auguststraße 11—13. Dr. Georg Lubinski: Milieukunde für die jüdische Sozialarbeit. Beginn: Mitte November. Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. Geschichte: Dr. Hans Lewy: Geschichte der Stadt Jerusalem im Altertum. Beginn: Mittwoch, den 14. Oktober, 8—10 Uhr, Fasancnstraße 79—80. Dr. Georg Landauer: Grundzüge der Geschichte der Juden in Deutschland, von den Anfängen bis zur Emanzipatidu. Vorbestrcchuirg am Dienstag, dem 13. Oktober, 8 Uhr, Auguststraße 11—13. Zur geistigen Gestalt des Judentums: Dr. Walter Mecklenburg: Anfänge der Menschheitsgeschichte in Bibel und Midrasch (Besprechung an Hand von Texten in deutscher Sprache). Beginn: Donnerstag, den 15. Oktober, 8—10 Uhr, Auguststraße 11—13. Dr. Hermann Gerson: Ansgewählte Jesajalapitel. Beginn: Montag, den 12. Oktober, 8—10 Uhr, Auguststraße 11—13. Erwin Loewenson: Probleme der Gerechtigkeit. Beginn: Donnerstag, den 15. Oktober, 8—10 Uhr, Anguststraße 11—13. Dr. I. N. Steinberg: Begründer des jüdischen Sozialismus. Beginn: Donnerstag, den 15. Oktober, 8—10 Uhr, Auguststraße 11-13 Dr. Ernst H. Seligsolhn: Aus Franz Roseuztveigs Werken. Beginn: Mittwoch, den 21. Oktober, 81/2—10 Uhr, Fasanenstr. 79—80. Werkunterricht: Arbeitsgemeinschaft für Werkarbeit unter Leitung, von Hermann Bone und Annie Sborowitz/Herzfcld. Beginn: Mittwoch, den 14. Oktober, i/27—y39 Uhr, Auguststraße 11—13. Hebräisch: Elementarkurse, Anfängerkurse und Kurse für Fortgeschrittene, Lehrer: Josef Braslawski, Dr. Bloch) Jizchak Efrati, Dr. Hermann Gerson, Dr. Walter Mecklenburg, Manfred Rosenberg, Dr. Moritz Spitzer. Der ausführliche Arbeitsplan ist unentgeltlich in allen.jüdischen Buchhandlungen und in der Geschäftsstelle, Oranienburger Straße 29 (Weidendamm 592 1), erhältlich. * Aus der Ili-Arbeik Ratibor. (Generalversammlung.) Zu Anfang der am Mittwoch, dem ,23. September, einberufenen Generalversammlung gab Herr Dr. Weber einen kurzen Rückblick über die Arbeit des Jli. Nach dem von Franz Pick erstatteten Kassenbericht schritt man zur Wahl des Vorstands. Herr Dr. Weber wurde einstimmig wieder zum ersten Vorsitzenden gewählt. Ebenfalls einstimmig wurde zur zweiten Vorsitzenden Fräulein Fränkel ernannt. Die Verwaltung, der Jli-Kasse übernahm Eva Calmann. .Zur Schriftführerin wurde Hilde Kohn und zum Beisitzer Herr Nicklas gewählt. Ratibor. (Sukkaus-Feier.) Dienstag, den 29. September, versammelten wir uns in der Laubhütte zu einer Sukkaus-Feier. Nachdem Erwin Weißmann ein kleines Gedicht, „Laubhüttensest", vorgetragen hatte, hielt Fräulein Anni Fränkel eine kurze Ansprache, die die Bedeutung des Festes hervorhob. Rolf Lowitsch las Bernhard Cohns sinnreiche Erzählung von der kleinen und der großen Menschen-- liebe vor. Zum Schluß sprach Herr Willi Nicklas die sehr schönen Verse „Gebet" von Rabbiner Dr. Gottschalk. Danach blieben wir noch lustig plaudernd eine ganze Weile zusammen. Das Ili-Programm * Berlin. «emeivfame Veranstaltungen. Sonntag, den 18. Oktober, findet neben der Radpartie eine Fahrt nach Nikolassee statt. Trchfen 8.30 Bhf. Zoo, Normaluhr. Pankow-Osten. Donnerstag, den 15. Oktober, abends 8.15 Uhr, Heimabend bei Ilse Cohn, Schönhauser Allee 132. Freitag, den 23. Oktober: Jreitagabendfeier bei Ilse Cohn. Treffen um 7.15 Uhr vor der Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Gruppe Savigny. Mittwoch, den 21. Oktober, abends 7.3V Uhr, bei Eva Simon Tannenbergallee 8. Thema: Brahmanismus und chinesische Kultur. Mittwoch, den 28. Oktober, abends 7.30 Ahr, bei Schlesinger, Prinzregentenstraße 53. Thema: Buddhismus und Abraham. Gruppe Westen. Dienstag» den 20. Oktober, um 8 Uhr, bei Krotoszyner, Hansaufer 6. Thema: Aischylos, Agamemnon. Dienstag, den 20. Oktober, um 8 Uhr, bei Hildegard Neumann, Prinzregentenstraße 7. Thema: Aischylos, Agamemnon. Grupp« Oliva. Mittwoch, den 21. Oktober, um 3 Uhr, bei Rose Seligsohn, Douglasstraße 8. Mittwoch, den 28. Oktober, um 8 Uhr, bei Gerhard Bolders, Westendaklee 98 b. Berlin. Jugend-emelnfchaft der Jüdischen Reformgemeinde. Donnerstag, den 22. Oktober: Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Z. Lehmann im Mofse-Haus, Am Leipziger Platz 15, abends 8 Uhr: Das Wesen einer Wektreligio«. Breslau. Hauptgruppe. 14. Oktober, 20.30 Uhr: Modernes jüdisches Geistesleben. 1. Abend: Aus Montaftore „Umrisse des liberalen Judentums". 21. Oktober, 20.30 Uhr: Bortrag von Herrn Philipp Lachs: „Wirtschaftsfragen und Judentum". 28. Oktober, 20.38 Uhr: Modernes jüdisches Geistesleben. 2. Abend: Aus der Zweimonatsschrift „Der Morgen". Ziiugeren-Gruppe. 20. Oktober, 16.30 Ahr: Bortrag von Walter Guttmann: „Soziale Gesetze im Judentum". 27. Oktober, 16.30 Uhr: Arbeitsnachmittag. Jüugsten-Gruppe. 14. Oktober» 16.00 Uhr: tzeimnachmittag im Jugendheim. 21. Oktober, 16.00 Ahr: Heimnachmittag im Jugendheim. 28. Oktober, 18.00 Uhr: Heimnachmittag im Jugendheim. Soweit nicht anderes angegeben, finden die Zusammenkünfte im Jüdischen Jugendheim (Paula Ollcndorss-Hoiis), Schweidnitzer Stadtgraben 28, statt. Freitag-Abend-Spätgottesdienst ln der Wochentags-Synagoge der Reuen Synagoge am 23. Oktober, 19.15 Uhr. Frankfurt a. M. Dienstag, den 20. Oktober: Bibelkritik (Paradies, Fortsetzung). Dienstag, den 27. Oktober: Vortrag von Rabbiner Dr. Lazarus: „Jude und Deutscher". Für die „JIi"-Rubrik bestimmte Artikel und Berichte sind bis;um Freitag jeder Woche;» richten an Dr. Ellen Littmann, Berlin-Eharlottenburg 9» Bayernallee 27. Bersammlungsanzeigen gehen direkt an die Redaktion der J.L.Z., SW 11, Hallesche Straße 1. Gesunde Zähne — frohe Menschen! * In den meisten Fällen findet erst der von Schmerzen gepeinigte Mensch den Weg zur Zahnbehandlung. Natürlich ist es dann in vielen Fällen zu spät. Wer Arbeitsverlust, Wege, Geld und . . . Schmerzen sparen will, der tut gut, seine Zähne in bestimmten Zeiträumen kontrollieren zu lassen. Alle Vierteljahr einen Zahntagl Inslifuf flir Zahn- und Mundleiden Bei Bezugnahme auf dieses Inserat lOProzent Rabatt Berlin W50, Passauer Sir. 37a, neben KaDeWe (Wittenbergpl.) Femspr.: B 4 Bavaria 2232 * Sprechstunden: lagl. von 9 bis 1 und 3 bis 7 Uhr Neueste Behandlungsmethoden * Modernster Zahnersatz Beratung und Untersuchung gratis Günstige Zahlungsbedingungen Eigenes Laboratorium Langjährige Garantie