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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-10-14 · 40-41 (14.10.1931) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
40-41 (14.10.1931)
Date
1931-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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11. Zahrgang Nummer 40/41 Züdischttberale Zeitung Beilage 14. Oktober 1031 Das neue Spanien und die sephardischen Juden Der Madrider Korrespondent der Londoner „Times" berichtet, daß in Madrid und Barcelona die Juden sich gegenwärtig anschicken, aus der Zurückhaltung herauszutreten, die sie vor dem republikanischen Regime sich haben auserlegen müssen. Sie hoffen, jetzt eine Synagoge in Barcelona bauen zu können, ebenso in Toledo die historische kleine Synagoge zurückzuerhalten, die unter dein Namen „Transits" bekannt ist und sich neben dem Haus des El Greco am Ufer des Tajo befindet. Andererseits ist die spanische Regierung jetzt bemüht, die Beziehungen zu den sephardischen Juden, die am Ende des 15. Jahrhunderts Spanien verlassen mußten, wieder fester zu knüpfen. Schon vorher dachte man in Spanien daran, die kulturellen Zusammenhänge zwischen Spanien und den sephardischen Juden wieder aufleben zu lassen. Der Senator Pulido hat wiederholt versucht, die Regierung König Alfons XIII. dafür zu interessieren, allerdings ohne großen Erfolg. Entgegenkomniender zeigte sich der Diktator Marquis De Estclla, der einen Rat für kulturelle Beziehungen zum Ausland schuf, um den spanischen geistigen Einfluß zu stärken und dabei auch an die sephardischen Juden dachte. Die jetzige republikanische Regierung reorganisierte diesen Rat durch ein Dekret vom 9. Juni. Der Rat hat die Aufgabe, literarische, wissenschaftliche und künstlerische Beziehungen zum Ausland zwecks Ausdehnung der Kenntnis der spanischen Kultur zu pflegen. Don Ernesto Gimenez Caballero, Herausgeber der „Gaceta Literaria", wurde vom Rat mit einer Studienmissiou nach dem europäischen Osten geschickt. Cr besuchte Griechenland, die Balkanhalbinsel und die Türkei .und stellte fest, daß es ca. 65 000 sephavdische Juden in Saloniki, 26 000 in Jugoslavien, 20000 in Rumänien und 14 000 in Bulgarien gibt. Diese Juden, die spanisch sprechen, zeigten großes Interesse für spanische Musik, Filme usw. Als Ergebnis dieser Reise werden jetzt spanische Bücher nach diesen Ländern geschickt, in den größeren Städten werden „spanische Häuser" errichtet, die sephardische Presse wird jetzt veranlaßt, Artikel in der modernen kastilischen Sprache zu drucken. Während die sephardischen Juden seit ihrer Verbannung Spanien als ein ihnen nicht mehr zugängliches Land betrachteten, entstanden bei ihnen nach dem republikanischen Umsturz neue Hoffnungen auf Spanien. Ein Jude aus Marokko hat sich an die Spitze einer Bewegung gestellt, welche von der Spanischen Republik eine moralische Wiedergutmachung des den Juden gegenüber von Ferdinand und Jsabella begangenen Unrechts und die formelle Annullierung des Ausweisungsdekrets vom Jahre 1492 verlangt. | Verthold Timendorfer | Einer der letzten großen Repräsentanten des deutschen Judentums der vorigen Generation ist mit Berthold Timendorser von uns gegangen, einer der Männer, die den Namendes deutschen Judentums in der ganzen Welt aufklingen ließen, an den man dachte, wenn man von den deutschen Juden des 19. Jahrhunderts sprach. Wer die Würdigungen gesehen hat, die von beiden Seiten des Weltmeeres an die Großloge für Deutschland gekommen sind, voll von Liebe und Trauer, der muß erkennen, wieviel ärmer wir wieder geworden sind, da sich diese beiden Augen geschlossen haben. Timendorfer war in der ganzen Judenheit bekannt als Großpräsident des deutschen Distrikts des U.O.B.B. Als solcher hat er die Organisation des Ordens zu ungeahnter Höhe geführt. Das war nur möglich, wenn sich in dem von Weltanschauungen zerklüfteten deutschen Judentum eine Persönlichkeit fand, die innerlich von der Größe des deutschen Judentums ergriffen war und daher über den Parteien das Ganze des Judentums nicht vergaß, die aber andererseits eben eine wirkliche Persönlichkeit war. Timendorfev wirkte ganz unmittelbar durch den Zauber seiner Persönlichkeit. Da war keine Eigenheit seines Wesens, die besonders hervorsprang, wie etwa bei Eugen Fuchs, sondern die Ausgeglichenheit seines Auftretens und vor allem die persönliche Liebenswürdigkeit gewannen ihm die Herzen auch derer, die der Sache zuerst sernstanden. Es ist kein Geringes, fast ein Menschenalter hindurch an sichtbarster Stelle die Einheit des deutschen Judentums zn repräsentieren. Dazu mußte man ein ganzer Mensch sein, und das war Timendorfer. Er war klug und gut, ohne daß er dabei je die Zügel aus der Hand ließ. Man mußte sehen, wie dieser persönlich liebenswürdige und gütige Mensch zu präsidieren verstand, wie er die Debatte im Zaum hielt und selbst bedeutende Redner oder solche, die sich dafür hielten, zur Sache brachte und sie darin erhielt. Ueber seiner Tätigkeit in der Großloge darf nicht vergessen werden, daß er auch sonst Vieles für das Judentum geleistet hat. Im Hilssverein, den er mit gegründet hat, saß er im Vorstand. Das entsprach seinem Wesen und seinen Kenntnissen von jüdischen Personen und Dingen, die weit über Deutschlands Grenzen hiuausgingen. Auch in dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat er mitgearbeitet iu jenen glücklicheren Zeiten, als es noch für die Besten der Beston ein Glück und eine Ehre war, rm Gemeindrvorftand mitzuarbeiten. Er gehörte zu der Generation der großen liberalen Führer, auf die wir zeigen dürfen, wenn wir beweisen wollen, wie die vielgeschmähte Generation unserer Väter und Großväter, die angeblich vom Judentum nichts gewußt haben soll, ausgebaut hat, eine Generation, deren Verdienst und Bedeutung man erst jetzt in einer Zeit anzuerkennen beginnt, da sie von uns zu gehen sich anschickt, und da die Lücken klaffen, die sich nicht schließen wollen. Vieles könnte man noch von ihm persönlich berichten, wie er Würde mit Humor, Entschlossenheit mit Güte verband. Es war ganz falsch zu glauben, daß er nur zu lächeln vermochte, und daß seine in liebenswürdiger Form ausgesprochenen Bitten und Wünsche von ihm nicht vertreten wurden. Er fühlte sich als Träger eines Gedankens, als Haupt einer Gemeinschaft und konnte sehr energisch deur Ausdruck geben; — desto größer war in diesem Augenblick der Respekt. Wer ihn liebte, kann heute nicht über ihn trauern. Sein Leben war erfüllt. Mtt dem Heimgang seiner Gattin war seine beste Kraft gebrochen. Der Orden, den er aufgebaut hat, soll jetzt in der Notzeit seine ganze Kraft erproben. Ein deutscher Jude, ein liberaler Jude, ein ganzer Jude ist mit ihm dahingegangen. Wir werden treu seiner gedenken. H. Sie r n. Geheimrat Berthold Timendorser wurde 1853 in Rosdzin (Oberschlcsien) geboren und lebte seil 1882 als Rechtsanwalt in Berlin. Bon 1888 bis 1924 war er Äroßpräsident des deutschen Distriktes des Unabhängigen Ordens Biiei Brith. Während seiner Amtszeit wuchs der Orden in Deutschland an Zahl der Logen und Mitglieder außerordentlich (von 33 Logen mit 3300 Mitgliedern i. I. 1898 aus 97 Logen mit 14 000 Mitgliedern i. I. 1923). Hierzu trug nicht zum wenigstens die werbende Kraft Berthold Timendorsers bei, der seine Aufgabe darin sah, den Orden Bnei Brith zu einem führenden Faktor im Leben des deutschen Judentums zu machen. Bei der Niederleguwg seines Amtes i. I. 1924 äußerte sich die Verehrung und Dankbarkeit der Logen für ihren langjährigen Groß- Präsidenten darin, daß sie ihn zum Ehren Großpräsidenten des deutschen Distriktes des U.O.B.B. erivählten. Berthold Timendorser nahm auch sonst an führender Stelle an der Gestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland teil: er war von 1905 bis 1911 Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Berlin, von 1908 bis 1921 stellvertretender Vorsitzender des Hilssv-ereins der Deutschen Juden, von 1910 an auch kurze Zeit Vorsitzender des deutschen Zweiges der Alliance Jsraelite Universelle, seit 1917 erster Vorsitzender der Zentralivohlsahrtsstelle der deutschen Juden und seit 1918 Vorstandsmitglied des „Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums". Am Tonnerstag, dem 8. Oktober, mittag*, wurde Geheimer Justizrat Berthold Timendorser nur dem indischen Friedhof zu WeiKensce bestattet. Obwohl die Familie im Sinne deF Verstorbenen vor der Bestattungsfeier keine Traueranzeigen ausgesandt hatte, auch die Stunde der Tranerfcier nicht bekanntgegeben worden war, hatten sich Hunderte von Freunden und Berussgenossen des Verstorbenen ans dem Friedhof eingesnndeu, um ihm das letzte Geleit zn geben. Die Logen des U.O.B.B. waren durch sämtliche Präsidenten ver Die zionistische .Massenversammlung" in Berlin Erschütternder Geistes- und Sittenverfall. „Unter liberaler Herrschaft" lautete die Überschrift einer Kundgebung, die die Jüdische Volkspartei nach der Berliner Stadthalle eiuberusen hatte. Es kann uns nicht zugemutyt werden, über eine Veranstaltung ausführlich zu berichten und sie sachlich zu bewerten, deren Niveau durch folgende Auswahl hinreichend gekennzeichnet sein dürste. M o s e s W a l d m a n n : Wort- und Tceubruch der Liberalen, Unglaubensgemeinschast, die Liberalen setzen Gehässigkeit gegen Leidenschaft, setzen sich Unterdrückung zum Ziele ihrer Politik. Die liberalen Repräsentanten find nur Stimmvieh (nach Rüge durch Dr. Klee: Stimmherde); Liberalismus kennt nur eine Aufgabe: Kampf gegen das Ostjudentnm, die liberalen Juden sind nichts als „Liquidatirmsjuden", „beneidenswerte Nebbichjuden". Alfred Berger: Nebbiche Staatsbürger jüdischen G-laubens. Professor Loewe: Wort- und Treubruch der Liberalen, vor dem „entweder ihre horrende Dummheit oder, ihre Unwahrhaftigleit sie nicht zurückschrecken ließ". — Der Herr Professor hält es nicht für unter seiner akademischen Würde, fast jeden der liberalen Repräsentanten unter Namensnennung auf die primitivste Weise zn apostrophieren, so z. B. wenn er von dem gerade in der Sozialarbeit hervorragend tätigen Herrn Wilhelm Marcus sagt, er habe zwar einen kleinen Mund, aber eine große Schnauze. Georg Kareski, der Mann, der noch vor sechs Monaten Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war: „Es ist besser, man verschweigt, daß man Mitglied des Genieindevorstandes oder der Repräsentantenversammlung ist, daß man einer Körperschaft angehört, die alle Tage ihren Namen mit Schande bedeckt." Die Liberalen haben keine andern Sorgen als niederzureißen und niederzutrampeln, wollen aus dem Wahlkampf, wie es in jedem Kriege ist, mit Beute heimkehren. Marodeure und Leichenfledderer gelten aber nie etwas iu einer Gemeinschaft. Die Politik der Liberalen ist eine Bcntepolitik von Menschen, die sich jetzt das Recht nehmen, zu stehlen und auszuplündern, unsere Leute zn beschimpfen, zn verleumden und zu drangsalieren. Sie halten sich für ihre Arbeit junge Menschen, die ihre Indischkeit gegen gute Bezahlung beweisen sollen. Bestimmungen werden' erlassen, Synagogen werden geschlossen, Schulen werden geschlossen, der Sportplatz wird nicht gebaut, das kann jeder Esel, dazn braucht man nicht einmal einen Verwaltungsdirektor. Die Liberale Partei ist ein Sumpf. Von allen Rednern sprach lediglich Dr. Klee dieses Mal sachlich über den Ausbau einer großen zionistischen Parteiorganisation, um für künftige Auseinandersetzungen mit den Liberalen gerüstet zu sein. Aber nicht auf seinen Ton, sondern auf den Kareskis und Loewes war die Versammlung abgestimmt. Wir Liberalen werden leider genötigt sein, so schwer uns in einer Zeit, die der jüdischen Gesamtheit politische und wirtschaftliche Bedrängnis übergenug bringt, einen innerjüdischen Kamps zu führen, uns gegen eine derartige Agitation zur Wehr zu setzen, die nicht uns Liberale als Partei, sondern, durch ihr Niveau, die jüdische Gesamtheit schädigt. Wenn Herr Kareski es als Schmach empfindet, dein Gemeindevorstand auzugehören, so kann ihm diese Schande ja genommen werden. Es ist kein Zweisel, daß die Versammlung innerhalb der Gemeindekörperschaften noch ein Nachspiel haben wird, so bedauerlich dies auch ist, nachdem in der Beratung über die Sozialarbeit der Gemeinde eine so vorbildliche Einigkeit aller Parteien bestanden hat, die aber, wie die Verhältnisse leider lehren, von den Zionisten nicht als moralische Verpflichtung empfunden wird. Me wir hören, haben in der Vorstandssitzung der Gemeinde am 13. Oktober 1931 die liberalen Mitglieder des Gemeindenorstandes eine Erklärung abgegeben und energisch gegen das unerhörte Verhallen des Herrn Kareski, Mitglied des Gemeindevorstandes, protestiert. Auch die Liberale Fraktion der Berliner Repräsentantenversammlung wird sich mit den Vorkommnissen beschäftigen. treten. Auch die Anlvaltskaminer hatte zn Ehren ihres ehemaligen Vorstandsmitglieds eine Abordnung entsandt. Dem Wunsch des Entschlafenen gemäß zeichnete Rabbiner Dr. Blumenthal nur kurz dessen Lebensbild, woraufhin der Großpräsident des U.O.B.B., Rabbiner Dr. Baeck, tief bewegt von seinem Vorgänger in der Würde eines Großpräsidenten Abschied nahm. Er sagte, der Name Berthold Timendorsers werde in den Annalen der Logen unvergessen bleiben. Trauergesängo des Oberkantors Davidsohn eröffneten und beschlossen die Feier. Dr. Carl Melchior 60 Zahre Am Dienstag, dem 13. Oktober, vollendete Herr Dr. Carl Joseph Melchior, Hamburg, Bankier und Wirtschaftspolitiker von internationalem Ruf, Berater der Reichsregierung itt vielen Fragen des Finanz- und Wictschaftswesens, sein 60. Lebensjahr. Dr. Carl Joseph Melchior, Abkömmlitlg einer dänischjüdischen Familie, deren Mitglieder sowohl in Dänemark als auch in Deutschland Bedeutung erlangten, mit der Hamburger Familie Marburg verwandt, wurde 1871 jn Hamburg geboren, begann seine Laufbahn als Amtsrichter in Hamburg, wurde 1902 Syndikus der Firma M. M. Marburg & Co., Hamburg, und ist seit 1917 Teilhaber dieser Firma. Er gehört zu den führenden Wirtschaftssachverständigen Deutschlands, war im Weltkrieg Delegierter in Rumänien zum Abschluß von Getreide- und Finanzverträgen und Finanzreferent der deutschen Delegationen in Petersburg und Kiew. In den Jahren 1918 und 1919 war er Vorsitzender des Finanzausschusses der deutschen Wasfenstillstandskommission, 1919 war er einer der sechs bevollmächtigten deutschen Delegierten bei den Jriedensverhandlungen in Versailles. 1920 nahm er als Sachverständiger an dem zwischen Deutschland und den (Lntenteländern abgehaltenen Konferenzen in Spaa und Brüssel und 1922 an der Konferenz von Genna teil. Seit 1926 ist er als Vertreter Deutschlands Mitglied des Ständigen Finanzausschusses des Völkerbundes, zuletzt fungierte er als Vorsitzender dieses Finanzausschusses. 1929 wurde er zum stellvertretenden Bevollmächtigten des Deutschen Reiches bei den Reparationsverhandlungen in Paris ernannt. An der Gründung der Bank für Internationales Zahlungswesen (B.J.Z.) in Basel wirkte er als Deutschlands Vertreter mit, er wurde auch von der deutschen Regierung in den Vorstand dieser Bank delegiert. Seinen Geburtstag verbrachte Dr. Carl Melchior in Basel, wo er neben Reichsbankpräsident Dr. Luther an der Besprechung der Leiter der Notenbanken und an der Sitzung des Berwaltungsrates der B.J.Z., die der Lösung der internationalen Währungskrise gewidmet furch teilnahm. ^Er wirkte auch an dem Zustandekommen der sogenannten Stillhalteaktion zugunsten Deutschlands hervorragend mit. Dr. Carl Joseph Melchior hat bei verschiedenen Gelegenheiteu ein warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten bekundet. Neues Gebetbuch für die Berliner Orgelsynagogen Das im Auftrag des Liberalen Kultus-Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bearbeitete neue Gebetbuch wird schon fast mythologisch, der Widerstand, gegen dasselbe fast pathologisch. 1. Die Jüdisch-liberale Zeitung (Ausgabe vom 16. September, 1. Beilage, Seite 2) äußert Bedenken dagegen, „daß für die Einführung eines neuen Gebetbuches der Weg über die einzelnen Synagogenvereine der richtige sein könnte". Sie scheint also weder zu wissen, daß die Synagogenvereine völlig private, in der Verfassung der Gemeinde nicht verankerte Einrichtungen sind, noch, daß die verfassungsmäßigen Organe der Gemeinde die Einführung des neuen Gebetbuches bereits vor geraumer Zeit beschlossen und eine besondere Ausgabe für Berlin bestellt haben. 2. Die Zeitung spricht dann weiter von einein „Gebetbuchentwurf", während einige Zeilen später in dem Bericht des Herrn Dr. Salomonski zu lesen ist, daß das Gebetbuch seit 21/2 Jahren vorliegt, und bekannt sein müßte, daß einige Gemeinden, z. B. die in Breslau, es schon seit zwei Jahren im Gottesdienst benutzen. 3. In einem Aussatz „Tie Liberalisierung des Gottesdienstes" (Beilage zur Nr. 38/39 vom 30. September, Seite 2) besaßt sich Herr Tr. H. Sachs ebenfalls mit meinem Vortrag über das Gebetbuch. Ich stelle fest: Herr Dr. Sachs hat das Gebetbuch nicht in der Hand gehabt, hat den Vortrag nicht besucht -- er leimt nur den erwähnten kurzen Bericht der Jüdisch-liberalen Zeitung, aber das hindert ihn nicht an einer scharfen Polemik. Die von ihm angeführten Worte kommen alle in dem Bericht vor, sind aber fänitiid) aus dem Zusammenhang gerissen, überdies durch zwei Zitate ans der Uebersetzung des traditionellen Gebetbuches ergänzt, die dem Leser das Gruseltt beibringen foUeu. Damit die Bearbeiter des Gebetbuches als recht schlimme Sünder angeprangert werden, wird sogar falsch zitiert: „Für die Sünde (Al Chet), für welche" usw. In allen mir vorliegenden Gebetbüchern fängt der hebräische Satz an „Weal Chatoim", und lautet die Uebersctzung „Für die Sünden". Der Unterschied ist nicht so harmlos, wie er aussieht; es soll offenbar in deni! Leser die irrige Meinung geweckt werden, daß in den kurz vorher erwähnten Sätzen mit „Al Chet" der von Herrn Dr. Sachs langeführte Inhalt steht. Dasselbe ist mit dem wieder in Uebersetzung angeführten „Kolnidre-Text" und der „tiefernsten Erklärung in der Fußnote von Michael Sachs" der Fall; es wäre für Herrn Dr. Sachs wohl möglich gewesen, in Berlin ein Exemplar des neuen Gebetbuches nachzuschlagen und dem Leser wahrheitsgemäß mitzuteilen, was dort einem „modern-liberal Empfindenden als Auftakt für den heiligsteit der Tage" an Anregung .geboten wird. Solche Ausführungen wie die des Herrn Dr. Sachs führen sicher nicht zu einer Liberalisierung, der „das Religiöse" das Wesentliche ist. 4. Auch einen Irrtum über die Aufgabe meines Amtes muß ich berichtigen. Herr Dr. Sachs bezeichnet mich als „den wissenschaftlichen Dozenten für die Ausbildung des Nach^ Wuchses liberaler Rabbiner". Nach den Satzungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sind ihre

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