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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-10-14 · 40-41 (14.10.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
40-41 (14.10.1931)
Date
1931-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Erster Beratungsgegenstand war eine Vorlage des Vorstandes betr. Erhebungvon Verzugszinsen in Höhe von 2 Prozent für den halben Monat für Steuerbeträge, die nicht rechtzeitig entrichtet werden. In Vertretung des zuständigen Stcuerdezernenten, Herrn Wilhelm Graetz, begründete Herr Moritz Rosenthal die Vorlage, die jedoch mfolge des Widerstandes der Volkspartei vertagt werden mußte. Diese Vertagung ist außerordentlich bedauerlich. Auch, die staatlichen Behörden haben zwecks Beschleunigung der Steuereingänge Poenalsteuern für säumige Zahler eingeführt, und Herr Rosenthal hatte recht, als er die Vorlage als unaufschiebbar bezeichnete. Wie unsachlich, lediglich der Parteitaktik folgend, die O b st r u k t i o n der V o l k s p a r - lei gegen die P o e n a l st e u e r ist, geht daraus hervor, daß, im Verlauf der nachfolgenden Debatte über das Wohlsahrtswesen, der Poale-Zionist Alfred Berger mit größtem Nachdruck eine Erhöhung des «Steuersatzes forderte, da in dieser Zeit des aug espannten Wohlfahrtsetats der jetzt geltende Steuersatz ö o 11 11 Prozent kein Dogma sein dürfe. Der kurzen Steuerdebatte folgte die Beratung über das Wohlfahrlsweseu, zu der von allen Seiten des Hauses, insbesondere auch von der Liberalen Fraktion, diverse Anträge und Anfragen Vorlagen. Unter gespannter Aufmerksamkeit der Versammlung und des Publikums führte der liberale Gemeindevorsteher und Dezernent für das Wohlfcchrtswesen, Herr Direktor Heinrich Stahl, etwa folgendes aus: Die Gemeinde kann in der Hauptsache nur ergänzende WohlfahrtsHilfe leisten. Der Staat hat eine großzügige Aktion der Winterhilfe eingeleitet, an der auch das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde beteiligt ist. Der Vorstand ist entschlossen, das Wohlfahrtsamt in die Lage zu versetzen, den Notleidenden soweit als nur möglich zu Helsen. Zahlreiche Personen, die früher in gut bürgerlichen Verhältnissen gelebt haben, sind jetzt unterstützungsbedürftig geworden. Durch den Zusammenbruch einer Reihe von Unternehmungen im Textil-, Bankwesen usw. sind auch zahlreiche Angestellte brotlos geworden. In Charlottenburg, wo im vorigen Jahre 1000 Unterstützungsbedürftige gemeldet waren, ist diese Zahl jetzt auf 1600 gestiegen. Sogar der Bezirk Fasanenftraße, der in früheren Jahren kaum irgendwelche Unterstützungsbedürftige aufwies, zählt jetzt 300 Bedürftige. Zahlreiche Familien sind von Exmission bedroht. Wir helfen den Leuten durch Rat, helfen ihnen in kleinere Wohnungen ziehen, versorgen sie mit dem Notwendigsten, helfen ihnen aus momentaner Not. Der Zukunft sehen wir mit schweren Sorgen entgegen. Wir organisieren die Lieferung von Brot, Kleidern, Feuerung. Wir geben das Brot, statt zu 50, zu 25 Pfennig oder gratis. Für Brot ist also gesorgt. Die bestehenden 8 Küchen des Wohlfahrtsamtes werden um 2 bis 3 vermehrt werden, Speiseräume werden errichtet, Familien soll das Essen ins Haus geschickt werden. Von großer Wichtigkeit, über nach den bisherigen Besprechungen scheinbar nicht durchführbar, ist eine Organisation der Nachbarhilse. Eine Sammlung für Kleiderhilfe hat 10000 Mark ergÄen, sie wird fortgesetzt. Die Kinderspeisung in Schulen wird organisiert. Von Bedeutung ist auch die Abend- Hilfe: In den Räumen, in denen am Tage gespeist wird, werden am Abend die Bedürftigen mit Tee und Brot bewirtet und durch musikalische und andere Veranstaltungen unterhalten, damit ihnen über die Schwere ihrer Lage hinweggeholfen wird. Eine Reihe j u g e n d p f l e g e r i s ch er Maßnahmen, besonders für erwerbslose Jugendliche, von denen [ Die Zuden in Südafrika*) Es ist kein Wunder, daß in einer Geschichte der Juden in Südafrika eine Reihe von Kapiteln der Teilnahme der Juden an den Reisen der Portugiesen nach Ostindien, an den Beziehungen zwischen Portugal und Holland einerseits und Ostindien andererseits, gewidmet ist. Die Bedeutung Südafrikas, der Wert der Gebiete, welche jetzt das englische! Dominion, das den Namen Südafrika-Union trägt, neben den angrenzenden Ländern, wie Rhodesia usw., bilden, ist erst im Laufe des 19. Jahrhunderts erkannt worden. Erst ihn 19. Jahrhundert wurde es klar, welche ungeheure Reichtümer, nicht nur in den Vorräten von Gold und Diamanten, sondern auch in den landwirtschaftlichen Möglichkeiten der südafrikanischen Besitzungen des Britischen Reiches enthalten find. Früher aber, seit der Entdeckung Südafrikas durch die Portugiesen im 15. Jahrhundert bis zum Anfänge des 19. Jahrhunderts, betrachtete man den Cap der Guten Hoffnung und sein Hinterland (soweit man es überhaupt kannte), nur als eine Station auf den Weg nach Ostindien, der eigene Wert dieser Gebiete wurde sehr gering eingeschätzt. Schon an den ersten Reisen der Portugiesen, die im 15. Jahrhundert zur Entdeckung des Seeweges nach Ostindien um Afrika herum führten und zusammen mit der Entdeckungsreise des Kolumbus nach Amerika den Beginn der neueren Zeit der Geschichte des Abendlandes bilden, waren die Juden in ganz hervorragender Weise beteiligt. Der Begründer des portugiesischen Kolonialreiches, Prinz .Heinrich der Seefahrer, dessen Tätigkeit so viel zum Erfolg der Reisen der Portugiesen beitrug, war übrigens selbst zum Teil jüdischer Abstammung. Sein Vater, König Johann 1. von Portugal, dessen vierter Sohn Prinz Heinrich war, war der Sohn einer durch ihre Schönheit bekannten Jüdin, Theresa Lorenza. Prinz Heinrich inachte zum Leiter seiner 1418 zu Sagres gegründeten Schissahrtsschule einen damals sehr bekannten jüdischen Äarthographen und Astronomen Jahuda Cresques, der von der Insel Majorca stammte, wo cs damals eine bedeutende Schule jüdischer Karthographen und Hersteller von nautischen Instrumenten gab. Jüdische Mathematiker und Gelehrte haben damals sehr viel zur Vervollkommnung des Kompasses und sonstiger zur Seefahrt notwendigen Instrumente beigetragen. Nach dem Tode Prinz Heinrichs des Seefahrers setzten die Portugiesen ihre Erforschung der afrikanischen Küsten und des Seeweges nach Indien fort. Es war ein Jude, Joseph Zapateiro, welcher nach Lissabon nach vielen komplizierten Reisen einen Brief des portugiesischen Edelmannes Pedro de Covilham an den König brachte, in welchem Covilham, der in Abessinien stecken geblieben war und nicht *) Louis Herrman, A history of the jews in South Afrika ftom the earlest times to 1895, London 1930, 287 Seilen. man 528 männliche und 553 weibliche im Alter von 17 bis I 20 Jahren zählt, ist vorgesehen. Direktor Stahl schloß mit der Versicherung, daß der Vorstand, der in dieser Zeit der schweren Krise gezwungen ist, ans allen Gebieten Einsparungen zu machen, trotzdem jetzt keine wichtigere Sorge als die Aufrochterhaltung und den Ausbau der Wohlfahrtssürsorge kennt. In der nun folgenden Aussprache gaben die Vertreter aller Fraktionen ihrer Genugtuung über den durch Direktor Stahl kundgegebenen Willen des Vorstandes, die Wohlfahrtspflege aus der Höhe ihrer Aufgabe zu halten, Ausdruck. Als erster Redner sprach Bruno Woyda, der in den Dank an Direktor Stahl auch den Leiter des Wohlfahrtsamtes, Dr. Fritz Lamm, eingeschlossen wissen will. Er bringt eine Reihe von Wünschen vor, die u. a. die Stärkung der Darlehnskassen der Gemeinde und Anschluß der Gemeinde an die Kleinsiedlungsaktion des Staates betreffen, wodurch die Unterbringung von mindestens 800 Gemeindemitgliedern auf den zu schaffenden Kleinsiedlungen möglich werden würde. Eine derartige Aktion läge auch im Sinne der sehr notwendigen Berufsumschichtung der deutschen Inden. Dringend erforderlich sei eine sehr weitgehende individuelle Behandlung aller Wohlsahrtsfälle, sowohl in den Aemtern selbst als auch von Mensch zu Mensch. Deshalb müsse auch von der Gemeinde die Organisation der Nachbarhilfe erneut versucht werden, da gerade diese Seite der Fürsorge auch einen Gesinnungswandel in den Menschen, ein menschliches Verhältnis zwischen Pflegern und Pfleglingen herstellt. Der Redner wünscht Umbildung des Gesamtetats der Gemeinde nach der Richtung, daß manches Kultische zurückgestellt und das Soziale in den Vordergrund gerückt wird. Der wesentlichste Ausdruck der religiösen Gesinnung sei die soziale Tab Diese Auffassung müsse auch dadurch zur Geltung kommen, daß die Verpflegung nicht einseitig nach den Gesichtspunkten der rituellen Lebensführung vorgenommen werde: die Gemeinde schädige sich selbst und das Gesamtwohl, wenn sie, um nur ein Beispiel zu nennen, die Annahme nichtrituellen Geschirrs ablehne, anstatt es zur Verpflegung nicht rituell lebender Pfleglinge zu verwenden.. In der Einheitsgemeinde dürfe es bei der sozialen Tätigkeit keinen Unterschied zwischen Rituell und Nichtrituell geben, sonst stünde nicht allein die Einheitsgemeinde, sondern die Zukunft des Judentums in Gefahr. Alfred Berger (Poale-Zion) schließt sich den Ausführungen der Herren Direktor Stahl und Woyda au und stellt eine Reihe von Einzelforderungen, z. B. Ausbau des jüdischen Arbeitsamtes, Schaffung einer jüdischen Wirtschafts¬ und Paßberatungsstelle, Bereitstellung der Synagogen für die von Herrn Direktor Stahl erwähnte Abendhilfe u. a. m. Martin S o b o t k e r (lib.) begründet den liberalen Antrag auf Fürsorge für erwerbslose Jugendliche und verspricht sich von der Jugendarbeit der Gemeinde eine Auflockerung des Verhältnisses der jüdischen Jugend zur Gemeinde und zum Judentum und ein Entgegenwirken gegen Sendet den fülligen Veitrag für das 4. Quartal 1931 auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für daliberale Judentum Berlin Nr. 137089 ein. nach Portugal zurückkehren konnte, dem König mitteilte, er habe festgestellt, daß man beim Umfahren Afrikas nach Indien gelangen kann. Dieser Brief wurde später, wegen der ungeheuren Bedeutung der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien, von einem Geschichtsschreiber als „einer der wichtigsten Briefe, die in der Geschichte geschrieben wurden" bezeichnet. Als Vasco da Gama nach Indien kam, war der erste portugiesische Seemann, welchen er aufs Land geschickt hatte, um mit beit Eingeborenen zu verhandeln, ein zum Christentum übergetretener Jude, Joao Nun es, welcher Hebräisch und Arabisch verstand, und sich auf diese Werfe mit beit Mohammedanern in Calicut verständigen konnte. Ganz ungewöhnlich, namentlich bei den damaligen Verkehrsverhältnissen, ist die Geschichte eines anderen Juden, welcher zum portugiesischen Admiral in Beziehung trat. Als Vasco da Gama sich auf den Rückweg nach Europa machte, hielt er inr September.1498 an einer kleinen Insel, Anchediva, an, etwa 100 Kilometer von Goa entfernt. Dort kam an das portugiesische Admiralsschiff ein Boot herangefahren, in welchem sich ein Mann befand, welcher die Portugiesen iu spanischer Sprache begrüßte. Vasco da Gama vernrutete in ihm einen Spion und ließ ihm, obwohl ihm Sicherheit versprochen war, solange prügelrt, bis er seine Lebensgeschichte erzählte. Es stellte sich heraus, daß dieser Mann'ein ursprünglich polnischer Jude war, der in der Kindheit nach Spanien gelangte, dort einige Zeit mit seinen Eltern lebte, die später mit ihm nach Aegypten zogen. Auf einer Reise von Aegypten nach Arabien wurde dieser Jude von Räubern gefangen genommen, als Sklave verkauft, gelangte nach Indien, wo er zum Islam übergetreten war uitb allmählich beim mohammedanischen Fürsten von Goa, Sambajo, eine hohe Stellung als Minister einnahm. Er lebte in Indien ca. 40 Jahre und hat das Land und seine Verbindungen mit Afrika, gut kennen gelernt. Sein Fürst, Sambajo, hatte ihm in der Tat den Auftrag erteilt, die Stärke der Portugiesen auszukundschasten. Vasco da Gama ließ ihn nicht fort, zwang ihn zum Katholizismus überzutreten, und wurde zu seinem Taufpaten; der Jude erhielt den Namen Gaspar da Gama, und der Admiral nahm ihn mit nach Lissabon. König Manuel II. unterhielt sich sehr gern mit diesem Gaspar über die Länder des Orients und beschenkte ihn reich. Gaspar beteiligte sich darauf noch einigemale an weiteren Expeditionen der Portugiesen nach Indien, erhielt vom König Manuel den Titel eines Kavaliers des königlichen Haushalts. Heber seinen Tod ist näheres nicht bekannt, es scheint, daß er beim Sturm von Calicut durch die Portugiesen im Januar 1510, an dem er sich persönlich beteiligte, gefallen ist. Derselbe Gaspar erteilte übrigens noch sehr wertvolle Ratschläge dem Seefahrer Amerigo Vespucci, der im Aufträge oer Portugiesen Brasilien entdeckt hat und welchem zu Ehren die ganze Neue Welt den Namen Amerika erhielt. In einem Brief vom 4. Juni 1501 spricht Vespucci mit großer Anerkennung von den Kenntnissen des Gaspars. die „rote Assimilation". Der Redner entwickelt ein Programm der Jugendlichen-Kurse. Dr. Alfred W i e ner (Mittelp.) spricht eingehend über den Ausbau der Familienhilfe. Bereitwilligkeit zur Hilfe besteht überall, die Gemeinde muß die Familien für das Wohlfahrtswerk organisieren. Redner beantragt die AbWMAg einer repräsentativen Sondersitzung unter Teilnahme der großen Männer der Gemeinde. Bon biefcr Sitzung soll ein großer Ruf zur Hilfeleistung ergehen. Die Mittelpartei und die Uckerpartei sehen in der von echter Humanität getragenen Rede Stahls ein gutes Porzeichen. ■; •* Hans Goslar (Volksp.) schließt sich dem Dank der Vorredner für Stahl an und erinnert an die grandiose Leistung des verstorbenen liberalen Organisators des Wohlfahrtsamtes Eugen Caspary. Der Redner widerspricht den Ausführungen Woydas. Die Gemeinde müsse Wohlfahrt auf jüdische Weise üben unter Beobachtung des Thoragesetzes. Dadurch werden alle. Wohlfahrtsübende und Wohlfahrtsempfangende, insbesondere die Jugend, auch seelisch in freu jüdischen Kreis hineingeführt. Der Redner fordert eine Aktion des Vorstandes bei den jüdischen Arbeitgebern, daß diese einen gewissen Prozentsatz Sabbattreuer anstellen. Berta Falkenberg (lib.) spricht ihre herzliche Freude über den Verlauf dieser Debatte aus und gibt praktische Anregungen für neue Wohlfahrtspflege, so u. a. für „Pfundsammlungen". Die Rednerin ist dafür, daß möglichst viel Juden in der allgemeinen Winterhilfe arbeiten. G o t t f e l d (lib.) berichtet über die Praxis der Wohlfahrtspflege in der Zentrale und in den Bezirken. Dr. Kurt Fleischer (lib.) bespricht die Organisation der Kleider-, Kohle- und Brotsürsorge und empfiehlt eine Zentralisierung in der gesamten Hilfsarbeit. Direktor Stahl dankt allen Rednern für die ihm gegebenen Anregungen und verspricht deren Durchführung in den Grenzen des Möglichen. Die nächste Nummer des Gemeindeblattes werde ganz den Fragen des Wohlfahrtswesens gewidmet sein und auch einen ausführlichen Bericht über die heutige Aussprache bringen. Er gedenkt der großen Arbeit Eugen Casparys, in dessen Wegen er gehen wolle, spricht von der hingebungsvollen Arbeit der Herren Dr. Lamnt, Rudel und aller Beamten des Wohlfahrtsamtes und wiederholt die Versicherung, daß das Wohlfahrtsamt bemüht sein werde, auf der Höhe seiner Aufgabe zu bleiben. Die vorgeschtagenen Anträge werden einstimmig angenommen. Die Sitzung schließt gegen 1 Uhr morgens. Es ist ein Lichtblick in dieser traurigen Zeit, daß auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge zwischen allen Parteien der Gemeinde Einigkeit besteht. Diese Einigkeit bedeutet, wie auch von einigen Redtiern betont wurde, nicht, daß die weltanschaulichen Gegensätze beseitigt wären. Sie bestehen nach wie vor; aber es wäre doch möglich, daß von derartigen Beratungen, wie es die letzte Repräsentantensitzung war, ein erziehlicher Einfluß auch auf das übrige jüdische Parteileben ausginge. Der Verlauf der zionistischen „Massenkundgebung", die am Tage nach dieser Repräsentantensitzung stattfand und auf einem kaum zu schildernden niedrigen Niveau stand — wir berichten darüber an anderer Stelle dieses Blattes —, zeigt leider, daß bei den zionistischen Demagogen und „Volkstribunen" die Eindrücke der Repräsentantensitzung, der Beratung über die drückende Not, schnell verflogen sind. Sie ergingen sich in unsachlichen, persönlichen Schmähungen und Beschimpfungen; unsere liberalen Gemeindeführer aber werden nicht aufhören, wie bisher sachliche Aufbauarbeit im Dienste der Gesamtheit zu leisten. Portugiesische „Neu-Christen", wie die zwangsweise zum Christentum bekehrten Juden in Spanien und Portugal genannt wurden, waren in hervorragendem Maße am Handel mit Gewürzen aus Ostindien, die damals besonders in Europa geschätzt wurden, beteiligt, und damit auch an allen Schiffsfahrten, um Südafrika herum nach Indien. Sie setzen den Handel mit Indien von den Niederlanden.aus, als sie dorthin zogen, um den Verfolgungen der Inquisition auf der Iberischen Halbinsel zu entgehen. Im 16. Jahrhundert lag der Gewürzehandel zunr größten Teil in den Händen eines portugiesisch-jüdischen Hauses Francis ko und Diogo Mendes, das durch seinen Reichtunt einen großen Einfluß ausübte. Zu dieser Familie gehörte u. a. der berühmte jüdische Staatsmann in der Türkei, der den Titel Herzog von Naxos erhielt, auf die Sultane Süleiman und Selim einen so grotzen Einslutz ausübte, daß europäische Monarchen, wie Kaiser Maximilian II., Wilhelm v. Oranien usw., zu ihm in Verbindung traten, wenn sie Verhandlungen mit der Türkei zu führen hatten. Tie Geschichte des Kaplands beginnt um die Mitte des 17. Jahrhunderts, als 1652 dort die 1602 gegründete Niederländisch-Ostindifche-Koinpanie eine Niederlassung errichtete. Bei der Gründung dieser Gesellschaft, deren Tätigkeit bekanntlich die Grundlage des jetzigen Kolonialreiches der Niederlande schuf, waren die Juden nur in geringem Maße beiteiligt, allmählich wurde aber die jüdische Beteiligung immer größer, sodaß die Unterstützung der jüdischen Armen in Holland zum Teil von der Besteuerung der jüdischen Aktionäre der Nicderländisch-Ostindischen-Kompanie gedeckt wurde. In der ersten Zeit ihres Bestehens konnten Juden, die ihrem Glauben treu geblieben waren, in der Gesellschaft keine irgend welche bedeutenden Posten einnehmen, um die Mitte des 18. Jahrhunderts aber findet man schon Juden in hervorragender Stellung bei dieser Gesellschaft, so z.B. den u. a. durch seine Polemik gegen Voltaire bekannte Jsaac de Pluto, der 1748 einer der Direktoren der Gesellschaft wurde. Zum ersten Mal ist 1669 in den Taufregistern der holländisch reformierten Kirche in Kapland vou Juden die Rede, da damals der Uebertritt von zwei Juden, Samuel Jakobson und David Heiljbronn, zum Christentum verzeichnet wird. Es ist aber anzunehmen, daß ess chon früher unter den Soldaten und Angestellten der Niederländisch-Ostindischen-Kompagnie Juden gab, wenigstens Personen jüdischer Abstammung, die offiziell nicht als Juden galten. In den Registern der Gesellschaft finden sich oft Personen mit Namen, wie Jakobs, Israels, usw., deren jüdischer Ursprung kaum einem Zweifel unterliegen kann. Im 18. Jahrhundert wird die Zahl von Personen mit ausgesprochenen jüdischen Namen, darunter Levi, Abraham, Rosendal, Davids, usw. immer häufiger. Zum Teil waren das Angehörige von jüdischen Familien, die aus Polen oder Deutschland nach Holland eingewandert waren, und von dort fick nach dem Kapland wandten. Als 1806 das Kapland infolge der napoleonifchen Kriege von Holland an England kam, setzte eine weitere Einwanderung von Juden eng-

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