Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 38-39 (30.9.1931)
- Date
- 1931-09-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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gegen begrüßte die Versammlung die Tatsache, daß bic Stelle eines jüdischen Studentenseelsorgers errichtet wird; sie ersuchte den Vorstand, sicherzustellen, daß die Tätigkeit des Studentenseelsorgers den Charakter eines unpolitischen Amtes erhält und sich auf religiöse, soziale und wissenschaftliche Arbett beschränkt. Ten breitesten Raum in den Verhandlungen nahm eine Diskussion über die vom Vorstände geplante Reorganisation der Gemeindeverwaltung sowie über die Angestelltenkündigungen ein. Die Volkspartei hatte beantragt, daß eine gemischte Deputation zur Turchberatung der vom Borstand geplanten grundsätzlichen Berwaltungsreorganisation eingesetzt werde. Im Verlauf der Dchatte sonnte Tv. Max Mayeti (liberal) der Volkspariei Nachweisen, daß nach dem Kommentar des zionistischen Herrn R.-A. Kollenscher über das Judengesetz das Recht der Initiative un& Exekutive auf dem Gebiete der internen Verwaltung nur dem Gemeindevorstand zusteht. Der Redner gab der Meinung Ausdruck, die Repräsentantenversammlung habe nur zu einzelnen Vorlagen Stellung zu nehmen, die sich aus der vom Vorstande geplanten Reorganisation ergeben; seine Fraktion erwarte aber, daß der Vorstand bei 'Einbringung derartiger Vorlagen Gelegenheit nehmen werde, der Versammlung den Reorganisationsplan zur Kenntnis zu bringen. Gegen den volksparteilichen Antrag stimmte die Liberale Fraktion, die Vertreter der Mittelpartei und der Ueberpartei, so daß Ablehnung erfolgte. Zu erregten Szenen kam es bei Besprechung der Angestelltenentlassungen, in deren Verlauf Dr. Oscar Cohn (Poale Zion) mit außerordentlicher Schärfe den Personaldezernenten des Gemeindevorstandes^ Herrn Moritz Rosenthal, persönlich angrifs. In größter Erregung über die persönliche Art der Dr. Cohnschen Angriffe, wies Herr Moritz Rosenthal nach, daß er alle seine Maßnahmen im besten Einvernehmen mit den, Betriebsrat und Angestelltenrat getroffen habezudem handle es sich im Augenblick lediglich um 16 Kündigungen, die zum 31. . Oktober wirksam werden. Er habe es nicht nötig zu schildern, fuhr Herr Rosenthul fort, mit wie schwerem Herzen er sich zu diesen einschneidenden Maßnahmen entschlossen habe, die aber durch die außerordentlich schwierige Finanzlage der Gemeinde notwendig geworden seien. Wenn in dieser traurigen Angelegenheit, wie die Zionisten das ihm gegenüber getan haben, überhaupt Borwürfe zu erheben seien, so träfen diese ganz allein die Zionisten, die die schwierige Lage der Gemeinde wesentlich verschuldet haben, da sie in der Zeit ihrer Mehrheit durch Anstellung vieler überflüssiger Kräfte eine ebenso planlose wie kostspielige Personalpolüik getrieben haben. Wie man hierbei vorgegangen ist, ergebe u. a. die Tatsache, daß unter 70 in den Jahren 1926 1930 Neuangestellten sich nur 6 Nichtzionisten befinden. Tie Genauigkeit dieser Zahlenangaben wurde von Herrn Kareski bestritten, der in einer späteren Sitzung aus diese Sache zurückkommen will. Tie Zierate Fraktion stellte den Antrag, daß die Versammlung diese Erklärung ü>es Gemejndevorslandes zur Kenntnis nehmen und alle sonstigen zu diesem Punkt vorliegenden Anträge dadurch als erledig: betrachten solle. Bei der hierauf erfolgenden namentlichen Abstimmung erfolgte Annahme des liberalen Antrages mit den Stimmen der antragstellenden Fraktion und des Vertreters der Mittelpartei. Es kann nicht bestritten werden, daß das Ergebnis dieser Sitzung außerordentlich dürftig ist; aber ebenso muß hinzugefügt werden, daß auch in diesem Falle ein Vorwurf lediglich die Zionisten trifft, die sich seit geraumer Zeit wieder darin gefallen, die Repräsentantenversammlung zum Schauplatz ausgedehnter und hemmungsloser Agitation zu machen. Ein typisches Beispiel hierfür bildeten die Reden der Herren Tr. Oskar Cohn und Alfred Berger von der poalezionistischen Fraktion; die Herren hielten es für richtig, den menschlich zu .Herzen gehenden Gegenstand der Angestelltenentlassungen dazu zu benutzen, große Reden zum Fenster hinaus zu halten, die kaum einen anderen Zweck haben können, als der Oefsentlichkeit zu demonstrieren, wie sehr die Boltspartei und die Poale-Zionisten für die Angestelltenschaft emtreten. Tie Liberalen haben wahrlich nicht weniger ein Herz für die Nöte der Angestellten wie überhaupt jür dre Nöte der Zeit. Sie haben das oft genug bewiesen. In den Sitzungen aber wünschen sie sachliche Arbeit zu leisten. Es nnch eine schwere Schädigung der Gemeindearbeit darin erblickt werden, daß durch das Verhalten der zionistischen Redner Me Beratung der wenigen im obigen Bericht erwähnten Punlte ins il.iö 11Tr dauerte, so daß b'; fc!jv umfangreiche Tazesordnuna tuaii dun-hgestthrt werden konnte, die Sitzung abgebrochen werden mußte, worauf daun noch eine ausgedehnte geheime Sitzung stattfand. : Abgesehen von dieser Schädigung der Gemeindearbeit als solcher sind die geschilderten Zustände auch dem öffentlichen Ansehen der Berliner Jüdischen Gemeinde in höchstem Maße abträglich. Aehnlich wie die Nationalisten der allgemeinen Politik erreichen auch die Zionisten der jüdischen Gemeindestube durch die hemmungslose, oft persönlich werdende Agitation das Gegenteil des schließlich auch von ihnen gewollten Wohles der Gesaiiltheit, und es ist traurig zu sehen, wie aufgestachelte Leidenschaften und Parteifanatismus weder Maß noch Selbstkritik kennen. Und noch ein Weiteres muß hier gesagt werden: diese Art Politik ist Raubbau an den Kräften der Männer und Frauen, die sich unter schweren familiären, oft auch materiellen Opfern in den Dienst der Gemeindearbeit gestellt haben. Würde es so sein, daß dre von den Zionisten provozierten tumultarischen Szenen und persönlichen Erregungen bcn Kaufpreis für bedeutungsvolle, weittragende Beschlüsse bildeten, man wüßte, wofür man Zeit, Nervenkrast und Gesundheit daransetzt. Sieht man aber, daß all dies für nichts ist, daß die Erregungen nichts an dem durch die Notwendigkeit der Berbältnisse diktierten Beschlüssen ändert und daß überdies das Ergebnis der einzelnen Sitzungen in keinem Verhältnis zu dem vertanen Aufwand an Lungen und Nerven steht, so ist cs an der Zeit, die Verursacher dieser Zustände darauf hinzuweiftn, daß das Unheil, das sie anrichten, letztlich auch sie selber treffen wird, weil cs unabwendbar die jüdische Gesamtheit treffen muß. ' Tresc Warnung kommt aus dem letzten, tiefsten Ernst; wir würden wünschen, daß sie auch dort gehört werde, wo man infolge andersgearteter Parteidoktrm ans unsere liberalen Gedankeiigänge und Argumente km einzelnen nicht hören kann! * (Zu dem hier gekennzeichneten. Verhalten der Zionisten in der Repräsentantenversammlung gehört auch ihr Verhalten in der Presse. Tie „Jüdische Rundschau" vom 29. September, die uns während der Drucklegung dieser Zeilen zugeht, hält es für richtig, die Rede des Mitgliedes des Gemelndevvrstandes Herrn Moritz Rosenthal - in der dieser dasselbe sagt wie der Zionist Kollenscher in seinem Kommentar zum Judengesetz - als eine „schnoddrige" Erklärung zu bezeichnen; das Blatt begeht ferner die Disziplinlosigkeit, ausführlich über die geheime Sitzung zu berichten, was nur durch Indiskretion oolksparteilicher Repräsentanten möglich ist. - Wie lange soll man derartiges dulden?) Offener Brief an Herrn Dr. Max Naumann Sehr geehrter Herr Doktor! In zwei Artikeln der September-Nummer Ihres „Mitteilungsblattes des Verbandes nationaldeutscher Juden" haben Sic sich eingehend und liebevoll mit meiner Person beschäftigt. Sie ersuchen mich, ernst oder ironisch, nochmals das Wort in einer Angelegenheit zu nehmen, die eigentlich für mich bereits abgeschlossen war. Daß Sie glauben und erzählen könnten, ich hätte nichts zu erwidern gewußt, ist für mich belanglos. Mich treibt zu meiner heutigen Antwort ein anderes Motiv: Sie geben der Meinung Ausdruck, ich hätte mit den Briefkasten-Notizen in den Nrn. 28/29 vom 22. 7. 31 und 32/33 vom 19. 8. 31 dieses Blattes Sie und Ihren Verband verhöhnen wollen, und es tut mir aufrichtig leid. Sie persönlich verletzt zu haben mit Bemerkungen, die nur sachlich gemeint waren. Ich will niemals Menschen persönlich treffen, auch Sie nicht, dessen Aufrichtigkeit, Mut, Charakterstärke und Prinzipientreue ich stets ehrlich bewundert habe. Was mich freilich nicht hindern konnte, Ihre Politik für falsch zu halten. Einzig diese Ihre verhängnisvolle Politik wollte ich treffen - nachdem Sie mit einer höchst überflüssigen Polemik gegen die Jüdisch-liberale Zeitung begonnen hatten. Tenn was war geschehen? Ich hatte einen Aufsatz von Woyda gebracht - jawohl von Bruno Woyda, den selbst Ihr scharfsichtiges iAuge bisher nicht aus prozionistischen Irrwegen entdeckt haben dürfte: die Gründung der jüdischen Siedlung in Groß- Gaglow sei ein Stück Emanzipations-Arbeit. Darauf beginnen Sie, mit Lehm zu schmeißen: die „jüdische Sonderpresje" (was ist Ihr Blatt eigentlich anderes? Eine Sonderpresse der jüdischen Sonderpresse!), darunter auch die liberale, bejuble die nationaljüdische Absonderung. Ich wies daraus hin, eine jüdische Siedlung bringe die Juden ans ihrer beruflichen Sonderstellung heraus und sei, sofern man sie nicht den Zionisten überläßt, also sofern auch Liberale, C.V.er und Nationaldeutsche mitmachen, politisch nicht anders zu beurteilen als eine katholische Siedlung. Darauf halten Sie mir ein Kolleg, für die Nichtjuden seien wir nun einmal keine Religionsgemeinschaft, sondern eine Rasse. Alls meine Erwiderung, daß wir daun eben die Umwelt aufklären oder, wenn wir das nicht wollen, auch unsere jüdischen Religionsgemeinden ouslösen müßten, sind Sie mir die Antwort schuldig geblieben und „verhöhnen" nun mich, ich, bzw. „der liberale Bruchteil der deutschen Juden" hätte „beschlossen", die Judenfrage dürfe keine Rassenfrage sein. Daß Sie in diesem Zusammenhänge, »der genau besehen, ohne jeden Zusammenhang. gegen das „Berliner Tageblatt" und die „Weltbühne" Bemerkungen machen, deren Duft demjenigen deutschvölkischer Blüteu sehr ähnlich ist, will ich für eiue Entgleisung hallen, die Sie selber bedauern, sobald Sie darauf hingewiesen sind. Desgleichen auch Ihre Bemerkung, die „Jüdisch-liberale Zeitung" werde immer alljüdischer; da Sie selber genau wissen, daß dieses Blatt km Kampf gegen den Zionismus und für die Emanzipation in vorderster Linie kämpft. Hand auss Herz, Herr Tr. Naumann: wissen Sie nicht ganz genau, daß wir politisch dasselbe wollen wie Sie, und daß wir uns nur manchmal im Urteil über Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit einzelner Maßnahmen unterscheiden, wie z. B. jetzt in der Frage der jüdischen Siedlung?! Oder sieht es in Ihnen so aus) daß man schon dann „alljüdisch" und Zionist ist, wenn man nicht Freund Ihres Verbandes ist, wenn man bedauert, daß Sie und Ihre Freunde Ihre wertvollen Kräfte in einer wertlosen Splitterpartei vergeuden?! Ter „liberale Bruchteil der deutschen Juden" hat am 30. November 1930 in Berlin immerhin 41 797 Wähler auf die Beine gebracht gegen 1337 Stimmen Ihres nationaldeutschen Bruchteils sür Liste 0. Sehen Sie: das ist es, was ich bedaure; und wenn es Sie verletzt: mich wahrlich nicht weniger. 1337 buchstäblich verzettelte Stimmen, und eine verzettelte Arbeit Ihr ganzer Verband, der sich in der Bekämpfung dev großen jüdischen Organisationen erschöpft und darum Positives nicht leisten kann und nicht leistet. Was Sie im Zusammenhänge mit nur über Conftantin Brunner schreiben, ist leider ein weiterer Beweis dasür, daß Sie lilchts anderes können, als Ihre Kräfte in der Befehdung Gleichgesinnter zu erschöpfen. Brunner „wiederholt" ilicht, was Sie seit zehn Jahren schreiben, beim se:n erstes Buch über die Judenfrage erschien 1916, lag aber, wie Ihnen gewiß nicht unbekannt ist, bei Kriegsausbruch 1914 „fertig abgesetzt in der Druckerei", während Ihr Verband erst 1921 ins Leben trat. Aber selbst weirir dieser zeitliche Unterschied nicht bestünde wollen Sie sich uud Ihren Verband im Ernst mit Eonstailtm Brunner vergleichen? Brunner schöpft sein Urteil über die Juden aus deren Geschichte, die Sie nicht einmal kennen oder doch erst vorn Major Burg an. Und er hat ein Herz für die Inden wie für die Menschen, Sie aber treibt nur ein eingeklemmter Affekt, das Gekräiiktsein über die noch immer vorhandene Zweitrangigkeit der Gruppe „Judcnheit", der Sie angehören. Brunner gründet seine Erkenntnisse aus die menschliche Psyche; und mögen Sic niarichmal ähnliche Forderungen erhrckren haben wie er: wo sind Sie jemals auf den tragenden Grund des Gedankens vorgestoßen, wie Brunner etwa da, wo er den Judenwahn der heutigen Zeit mit! dem Hcxenwahn eines ganzen früheren Zeitalters in Parallele setzt?!^ Das ist fruchtbare Aufklärung^- und Abwehrarbeit, die Säe benutzen sollten, anstatt dem Bringer solcher Gaben onkelhaft aus die Schulter zu klopfen. Denn wenn auch Brunner, wie Sie das ausdrücken, „von der phantastischhochmütigen Vorstclliing ausgeht, ein Prediger in der Wüste könne schon durch die Macht feiner Jdeeu m die fernen Bezirke geschäftiger Tatsachenmenschen hineinwirken", so hat er doch, ohiie dost Sie sich wegen dieser Bemerkung wieder •fcirböDnt fühlen dürfen, immerhin einige Wirkung unter Ineen und Nichtjuden mehr hcvvorgerufen als Ihr Verband, ovn dem ich im übrigeii annehme, daß auch er nur durch die Macht seiner Ideen wirken will — mit den anderen Mitteln freilich, die eine Organisation von einem Schriftsteller unterscheiden; und es wird immer mehr Brunnerianer geben als Naumaunianer. - Daß Sie uns „Brunnerianern" (Blankenfeld hat einmal formuliert, es gebe nur Brunnerahner) solchen „Einfluß auf die Form von Brunners Wirken" zutrauen, ehrt uns, zeugt aber wieder nur von Ihrer Neigung, ohne Sachkenntnis zu schreiben, was Ihr Affekt Ihnen eingibt: denn Brunner ist schon mit seinen ersten Zeilen, 1908, nicht ganz ohne Anspruch aufgetreten; Sie könnten das Nachlesen. — Und nun bitte ich um klare Antwort: 1. Wenn für Sie maßgebend ist, daß „99 Prozent aller deutschen Staatsbürger" die Judenfrage als Rassen¬ oder Slammessrage ansehen, sodrß jeder Zusammenschluß, von Inden als nationale Absonderung gewertet wird, warum wollen Sie nicht zugeben, daß dieses Ihr Argument auch eine Auflösung der jüdischen Religionsgemeinden bedingt? Daß. also, da Sie selbst diese Auflösung nicht wollen, Ihr Argument falsch ist? 2. Wenn wir unsere Gemeinden als Rellgionsgememden aufrechterhalten, ist es dann ganz ausgeschlossen, auch andere jüdische Organisationen als Zusammenschluß einer religiösen Gruppe zu deklarieren und demgemäß z. B. eine jüdische Siedlung in den Dienst der von Ihnen wie von mir gewollten Emanzipation zu stellen? Was freilich nur gelingen kann, wenn wir Nichtzionisten daran Mitarbeiten - auch die Religionsgemeinde wäre ohne uns ja bald zur Bolksgemeinde geworden! 3. Warum verharren Sie, der Sie ehrlich bemüht sind, nach politisch zweckoollen Grundsätzen zu handeln, m einer Splitterpartei, zu einer Zeit, da alles politische Geschehen rings um uns her zeigen muß, daß Splitterparteien ein wahres Verhängnis sind und daß alle darin geleistete Arbeit vertan und verloren ist?! Ich werde den Tag segnen, an dem Sie und Ihre Freunde Ihr „hochmütig-phantastisches Einsiedlerleben" aufgeben, Ihren Idealismus und Ihre Kraft dort einsetzen, wo allein diese zu Faktoren werden können, oon denen Wirkung und Heilung ansgeht. Helgoland, am 6. 9. 31. George Goetz. *jj Aus den Gemeinden > Arnswalde. (Todesfall.) Kurz vor Vollendung seines 76. Lebensjahres verstarb hier der weit über die Grenzen seiner Heimat bekannte Kaufmann Abraham Abrahain, der Seniorchef der Firma A. Abraham. Er genoß nicht nur in seinen Kreisen größte Hochachtung, sondern erfreute sich durch sein immer freundliches Wesen und seine stets offene Hand allgemeiner Beliebtheit. Er war Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde. Fast 40 Jahre hat der Verstorbene für das Wohl dieser Gemeinde in ^.hren Vertretungen mitgearbcilet. Aurich. (Todesfall.) Hier verstarb die erste Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau G Wrllheimer, erst 50 Jahr« alt. Bei der Beisetzung am Rüsttage des Neujahrsfestes widmeten Landrabbiner Dr. Blum, Emden, und Lehrer Moses, Aurich, der Heimgegangenen ehrende und anerkennende Worte für ihr soziales Wirken; beide Redner betonten den schweren Verlust, den die Gemeinde durch das frühe Ableben der hilfsbereiten Frau erlitten habe. Berlin. (Neueinrichtung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde.) Das Krankenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Exerzierstraße 11a, das mit seinen 350 Betten Patienten der 1., 2. und 3. Klasse beherbergt, hat seit kurzem eine neue „Mittelklasse" eingerichtet. Sie dient solchen einheimischen Kranken, denen der Aufenthalt in der ersten oder zweiten Klasse schwer erschwinglich ist, die aber doch auf gesonderte Unterbringung und pflegerische Betreuung außerhalb der größeren Krankensäle Wem, legen. — Durch einen mäßigen, die Selbstkosten kaum deckenden V Pflegesatz werden Aufenthalt, .Ärztliche Behandlung einschließlich et-i waigcr Operationen usw. abgegolten. — Daß eine solche Einrichtung den heutigen Bedürfnissen entspricht, lehrt die lebhafte Inanspruchnahme der Mittelklasse in der kurzen Zeit ihres bisherigen Bestehens. Chemnitz. (I u g c n d g o t t e s d i e n st e.) In den Jugcndgottesdiensten, die von der Gemeinde eingerichtet tvurden, haben im letzten Jahr ohne Ausnahme Schüler vorgebetet und den Thora-Abschnitt vorgelesen. Die Gemeinde ließ zum ersten Male an den Hohen Feiertagen einen Jugendgoltesdienst abhalten, in dem ebenfalls Schüler mitwirkten. Der Gottesdienst stand unter Leitung des Lehrers Krämer. Dortmund. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Unter Leitung des Vorsitzenden des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Koppel fand die erste Sitzung nach den Ferien statt. Das Vorstandsmitglied Herr Jonas begründet einen Antrag des Vorstandes, dem Wohlfahrtsausschüsse unter Führung des Frauenvereins zur Errichtung einer Mittelstandsküche einen Zuschuß von 4000 Mark sür die Zeit vom 1. Oktober 1931 bis 31. März 1932 zu gelvährcn. Es soll für einen ganz geringen Betrag — in vielen Fällen unentgeltlich — ein rituelles Mittagessen nach Form und Zubereitung der Volksküchen verabreicht werden. Mit dein Rcstauratenr Wolfs, der die Verabfolgung der Speisen übernimmt, ist ein diesbezüglicher Vertrag geschlossen worden. Das Essen wird täglich, mit Ausnahme des Sabbats, verabreicht und kann auch in entsprechenden Portionen sür die Familie abgeholt werden. — Nach eingehender Besprechung wird beschlossen, daß die Steuerkommission ermächtigt ist, auch bei der Heranziehung der Vermögenssteuer in Fällen besonderer .Härte eine Ermäßigung eintreten lassen kann. Infolge der Einführung der Vermögenssteuer: neben der Einkommensteuer sind vielfache Härten bei der Veranlagung hervorgerufcn lvorden. — Am 16. Oktober soll der zweite Freitag Abendgottcsdienst als besonderer F e st g o t t e s d i c n st gestaltet werden. Elbing. (H a k e n k r c u z k r a iv a l l c im Cafe.) Im Rathaus-- cafe zu Elbing veranstalteten Hakenkreuzler einen Roheitsexzcß und warfen mit Biergläscrn nach jüdische» Gästen, wobei sich der Elbingen Nationalsozialist Jakobus besonders hervortat. Als der jüdische Kaufmann Alfred Simonsohn, der auch im Cafe gewesen war, sich auf dem Wege zu seiner Wohnung befand, wurde er von einer Gruppe von 5 jungen Leuten überholt, unter denen Jakobus, der bekannte S.A.-Fnhrer Schwolow und der Nationalsozialist Rogalsky waren. Im Vorbeigehen schlug Jakobus dem Simonsohn mit einem Stock derart ins Gesichl, daß das Nasenbein zertrümmert wurde und der Geschlagene mehrere Tage lang bei hohem Fieber und der Gefahr einer Hirnhautentzündung zwischen Tod und Leben schwebte. Die Knochen dkr Nase waren zum Teil herausgcsplittcrt und die Nase ist jetzt völlig verunstaltet. — Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt: gegen Jakobus ein Jahr Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Gericht verurteilte Jakoüus zu 5 Monaten Gefängnis und den Kosten des Verfahrens. Friedberg. (Todesfall.) Nach kurzem Leiden ist hier der frühere Lehrer unserer Gemeinde, Herr Hcinr. Ehrmanu, im 86. Lebcnssahre verschieden. 45 Jahre hat er mit vorbildlicher Treue und Berufsfrcudigkeit das Amt des Lehrers uud Seelsorgers vcrwaltet und mehrere Generationen in der Religion der Väter untere