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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-09-30 · 38-39 (30.9.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
38-39 (30.9.1931)
Date
1931-09-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Liberalisierung des Gottesdienstes — eine ernste liberale Forderung Bon Dr. H. Sachs. Zu den Aufgaben des jüdischen Liberalismus gehört in erster Linie die Klärung und Förderung des liberal-fortschrittlichen Gedankens. Soll das Wort Liberalismus nicht zu einer abgegriffenen Münze werden, so muß der Begriff „Liberal" immer wieder ans seinen Wert geprüft und, wo es nötig ist, umgeprägt werden. Denn das Charakteristische des Liberalismus liegt in seiner geistigen Beweglichkeit. Das „Religiöse" ist ihm das Wesentliche, die „Religion" aber, d. h. die A u s - drucksform der religiösen Idee, ist dem Liberalismus etwas Wandelbares, ein Wachsendes, niemals ein Fertiges. Daher haben die sogen. Religionsgesetze für den Liberalen keine dauernd bindende Geltung, und der Liberalismus nimmt für sich das Rocht in Anspruch, überlebte Formen der Religionsübung aufzugeben, abzuändern, auch neue Fornren zu suchen und zu übernehmen. Dem liberalen Gedanken liegt die Tendenz des kontinuierlichen Fort schreite ns zugrunde, des „Ausgleichs zwischen Tradition und Vernunft (B. Kellerin a nn). Dabei fußt der Liberalismus auf altbiblischen Gedanken, wie sie von den Propheten verkündet worden siud. Wie wir schon dort einer scharfen Absage an die Ueberwertung des Kultischen begegnen und einer sittlichen Entrüstung darüber, daß Opferdienst und Moralgesetz etwa gleichgestellt werden, so lehnt auch unser Liberalismus die Identifizierung von Sittengesetz und Zeremonialgesetz als religiöse Einheit entschieden ab. Die Tradition als solche ist dem Liberalen kein Heiligtum. Nicht alles ist ihm heilig, was überliefert ist und weil es überliefert ist, und das Neue ist ihm an Pathos nicht geringer, weil es neu ist. Ohne den Wirkungs'wert der äußeren Form zu verkennen, will der Liberale, daß die Form aus ihre Aufgabe begrenzt bleibe, Form zu sein, sich formen und umgestalten zu lassen, Gewand und Hülle zu sein, Gefäß für einen Inhalt von Ewigkeitswerten. Eine der Hauptforderungen des Liberalismus war von jeher die Ausgestaltung des Gottes dienst es und die Anpassung seiner Formen an das Enrpfinden der Gegenwart. Das ist kein Reformprogramm. Schon zu der Zeit, als in Jerusalem der Tieropferkult wesentlicher Bestandteil des Teinpeldienstes war, vernahm man in den Betstätten der Diaspora die Bibelverlesung rm Gottesdienst in griechischer Uebersetzung, weil die Kenntnis der hebräischen Sprache ungenügend verbreitet war. Freilich blieb die offizielle Gebetsprache, von Erbanungsbüchern abgesehen, das Hebräische, und nicht allein die uralten Kernstücke, auch die neueren Gebete waren ausschließlich hebräisch. Bedienten sich doch im Msttelalter jüdische Gelehrte nicht nur in ihren jüdisch-exegetischen und apologetischen Schriften, sondern auch in ihren historischen, mathematischen Werken und in der Poesie des Hebräischen. In der Sprache des Gottesdienstes bahnten erst das Toleranzedikt in Oesterreich, die Religionsfreiheit in Amerika und die politische Gleichstellung der Juden in Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts den Weg für eine Aenderung. Aber man kam über einige Ausmerzungen von Mißbräuchen und vereinzelte Uebertragungen der alten Texte nicht viel hinaus. Die Zeit der Romantik und der „Aufklärung" war für das liberale Judentum eine Gefahr. Das destruktive Element war im Üebergewicht. Tie Zeit des Schöngeistigen war einer Vertiefung religiösen Empfindens abhold. Erst eine spätere Generation (um Leopold Zunz) brachte durch ihre historisch-kritischen Arbeiten auch dem Liberalismus eine Förderung, durch Aufhellung der Zusammenhänge im Werden des Judentums. Jetzt erst wurde dem Liberalismus eine Verknüpfung der neuen Form mit dein alten Inhalt möglich (Ab r a h a m Geige r), eine wohlbegründete Abkehr vom Dogma der „Gesetzestreuen". Doch dem Neuerwachen folgte ein Menschenalter der Stagnation, eine lässige Selbstzufriedenheit für Jahrzehnte, bis Benz i o u netter nt c n n seine „Gegenwartsforderungen des Liberalismus" ausstellte. Wo stehen wir heut e? - Die Bemühungen ö e r - manu Falkenbergs zur Liberalisierung des Gottesdienstes als Gegengewicht gegen die vielen orthodoxen Winkelsynagogen sind außerordentlich wertvoll, aber sie sind nicht imstande, die große Zahl der liberalen Juden beranzu,ziehen, die den vorwiegend hebräisch gehaltenen Andachtsübungen nicht zu folgen vermögen, auch dem wortgetreu übersetzten Inhalt fremd gegenüberstehen. Auch der Vorschlag eines Rabbiners unserer Geineinde (iit dieser Zeitung) ist beaehtenswert, die hebräische Liturgie im liberalen Gottesdienst zu kürzen und die „Bibellesung" und das jüdische Schrifttum mehr in den Vordergrund zu stellen. Was aber - in einem Bericht der Jüdisch-liberalen Zeitung der letzten Nummer - aus einer Vortragsveranstaltung der Vereine der Berliner Orgelsynagogen bekanntgegeben worden ist, kann nicht anders als rückschritt- 1 i ch bezeichnet werden. „Ein itinerer Zwang zur Aenderung des liberalen Gebet' buches" sotlle nicht vorliegen?! — Die Wiedereinführung des alten, vollständigen Sündenbekenntnisses und die Erweiterung des Al Chet, sowie eine 'Neugestaltung des Kolnidre-Tcxtes soll, wie Prof. E l b o g c n ausführlich begründete, „drin allgemeinen Wunsche zur Pflege des Traditionellen" ctt 1 sprechen! -- Auch die Worte: „lue al jcruscholojim" u. a. sollen wieder eingesührt werden, wo sie „sinngemäß hinge hören"! — -.- Nun, es ist im höchsten Grade bedauerlich, daß b:r* gelehrte Autor des ttasti scheu Buches „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", bev_ wissenschaftliche Dozent für die Ausbildung des Nachwuchses liberaler Rabbiner, sich der „sinngemäßen" Auslegung liberaler Gedanken für die liberale Praxis widersttzt. Zur Aufklärung der liberalen Juden sei hier gesagt, daß das „vollständige" Sündenockenntnis eine Auszählung der Sünden in alphabetischer Reihenfolge ist und dementsprechend 24 Variationen enthält. Ebenso ist ' dem Al Chet in 53 Abwandlungen das hebräische Alphabet zugrunde gelegt. Die letzte Gruppe des Al Chet lautet in der Uebersetzung von Dr. Michael Sachs wie folgt: „Verzeih', vergieo und sühne uns: Für die Sünde (Al Cheth für welche wir schul mg wären ein Ganzopfer, ein Sündopfer, ein höheres oder geringeres Opfer, ein Schuldopfer für gewisse oder unentschiedene Schuld, Schläge der Züchtigung, bte vierzig Geißel- .schläge, Tod durch Gottes Hand, Ausrottung und Vereinsamung, die vier Todesstrafen, vom Gericht verhängt: Steinigung, Verbrennung, Enthauptung oder Erdrosselung, für Gebote und Verbote, sei es, daß damit verbunden ist die Pflicht zur Vollbringung, oder daß eine solche fehle, die uns offenbaren und die uns nicht Kund gewordenen.. Und wie lautet der Kolnidre-Text? (deutsch nach Dr. Michael Sachs): „Alle Gelöbnisse, Verzichtungen, Schwüre, Bannformeln oder'Versagungen, Büßungen oder als solche geltende Ausdrücke, durch die wir uns etwas geloben, bekräftigen, uns verpjlichten oder uns versagen, von diesem bis zum nächsten, zum Guten uns eingehenden Versöhnungstage, bereuen wir hierdurch, daß sie alle ausgelöst, erlassen und vergeben seien, gull und nichtig, ohne Geltung und Bestand. Unsere Gelöbnisse sind keine Gelöbnisse, unsere Versagungen keine Versagungen, und unsere Schwüre keine Schwüre." Es bedarf wirklich erst der tiefernsten Erklärnng in der Fußnote von Michael Sachs, um diese Formeln dent Beter klarzumacheu. Sachs entschuldigt sie förmlich, und man wüß, wieviel Anfeindung sie dem Judentum gebracht haben. Aber ohne hier aus die Frage emzugehen, ob es richtig und geboten war, aus taktischen Abwehrmotiveu ein zu Mißdeutungen geeignetes „Gebet" zu streichen: Ist das für einen modern-liberal Empfindenden der Auftakt für den heiligsten der Tage? — Deckt sich die ergreifende Melodie mit diesem Text, oder wollen wir nicht den 13 0. Psalm beibehalten, der in unseren Synagogen „mit neuem Ritus" den Jom Kippur einleitet: „Aus der Tiefe rufe ich, Ewiger, zu Dir.... Wenn Du Sünden ausbewahren wolltest, Gott, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei Dir ist die Vergebung, daß man Dich fürchte. Ich harre des Herrn, meine Seele harret,.... von einer Morgenwache bis zur andem. Israel hoffe aus den Ewigen, denn bei Ihm ist die Gnade, und viel Erlösung bei Ihm. Und Er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden." — — Die Grundfehler, an denen unsere liberalen gottesdienstlichen Veranstaltungen kranken, sind ihre lange Dauer und das U e b e r w i e g e tt bei1 hebräischen Sprache. Wer kann am Neujahrsfeste imb am Versöhnungstage stundenlang beten und mit Andacht beten? Als in den Betstätten der „thoratrenen" Glaubensgenossen noch die Predigt als Nachahmung fremder Konfessionen verpönt war, da war die Gebetordnung des Versöhnungstages, schon um den Tag „sinngemäß" auszufüllen, mit zahlreichen Dichtungen mittelalterlicher Poeten durchsetzt, deren wörtlicher Inhalt kaum den besten Hebräern verständlich war. Selbst die Keduschah war durch langatmige Variationen einer uns -nittelalterlich amnutenden Poesie auseinandergerissen. Diese Stücke werden jetzt wohl nur noch in den Schulen der Chassidim gebetet. — Wer vergangene Zeiten in alten Synagogen miterlebt hat, wird sich erinnern, daß selbst die „Frömmstert" beim Dauergebet nicht ftandhielten, und manches Scherzwort zeigte, daß die „Andacht" gefährdet war. — Wenn heute in unseren liberalen Gottesdiensten nicht jene andächtige Stille herrscht, die der Weihe des Ortes und-der Stunde entspricht, so ist neben der ermüdenden Länge des Gottesdienstes das Unvermögen der Beter schuld, den hebräischen Text auch nur „sinngemäß" zu erfassen. Man komme uns nun nicht mit der Mahnurtg, für die eingehende Kenntnis des Hebräischen zu sorgen. So wenig wir die hebräische Sprache in dem Gebetbuch vermissen wollten, so unberechtigt erscheint uns die Forderung, mehr als das Notwendigste im Unterricht zu verlangen, (lieber die Liberalisierung des Religionsunterrichts wird noch ein anderes Mal zu reden sein.) Auch wird man heute wohl das Heer der Erwachsenen nicht gut für hebräische Sprach) Übungen gewinnen können. Darum muß für die liberalen Synagogen neben einer wesentlichen K ü r z u u g der Gebetsdauer die Mindestforderung erfüllt werden, daß, wie bei der Hastarah, auch bei der Thoravorlesung d ein hebräi - s ch e n Texte die deutsche Uebersetzung folgt, desgleichen bei den H a n p t g e b e t e n. Was hilft uns Lewandowskis schöne musikalische Interpretation der Prophetenpoesie.am Neujahrstage: „Ich gedenke Dir die Holdseligkeit Deiner Jugend, die Lieoe Deiner Brautzeit, daß Du mir nachzogest in der Wüste, in dem Lande, dem saattosen", — wenn Unkenntnis des hebräischen Textes die Synagogenplatznachbarn auch bei diesem Vortrage von Chor, Orgel und Poröeter ihre Unterhaltung über die Tagesereignisse nicht abbrechen läßt! Die Uebersetzung der Gebete und Dhoraabschnitte im Gottesdienste würde auch manche Aenderungen gebieterisch zur Folge haben. Muß denn die „Pflege des Traditionellen" im liberalen Gottesdienste wirklich so wcit gehen, daß am Jom Kippur an der althergebrachten Thora-Vorlesung des Opferdienst es sestgehalten wird? Und dies in einer getragenen, dem Tage vorgeschriebenen Melodie?! Für die s e h r g r o ß e Zahl von L i b e l e n aber, die eine Liturgie mit i h r e r alten Form des B i t t - und Wu n s ch g e b c1e s überhaupt a b1e h n t, erwächst dem Liberalismus die Ausgabe, neue Formen für Stunden der Andacht zu suchen. Oe'stml wir nufere Orgelsynagoqen für solche Aömse in d er W oche, zur Verbreitung der K cu nt n i s v o m Iudeutu m u n d v o m liberale u Iudentu m. Wie in den „alten" Synagogen in den Tämmerstundeit Lehrvorträge staltsinden, so hätten auch unsere liberalen Rabbiner, Dozenten und Lehrer eine dankbare Vor der Gründung einer Vereinigung für das liberale Judentum in Holland Die Anhänger des liberalen Judentums in Holland haben sich nach Ucberwindung mehrfacher Schwierigkeiten nunmehr zusammeugeschlojseu und treffen mm Vorbereitungen zur Gründung einer Vereinigung für das literale Judentum in Holland. Zweigvereinigungen werden in Amsterdam, dem Haag und in mehreren anderen Smdten .Hollands gegründet werden. Aufgabe, die Lehren des Judentums in liberaler Auffassung zu verbreiten. Der Hinweis darauf, daß für die Verbreitung des jüdischen Schrifttums hinreichend durch andere Einrichtungen gesorgt wäre, scheint doch nicht stichhaltig zu sein. Jedenfalls spricht der mangelhafte Besuch solcher Kurse in Vortragsräumen dafür, daß das Richtige noch nicht getroffen ist. Wo es um innere Saminlung zu tun ist, die heute nötiger ist als je zuvor, da gehört zu den Imponderabilien, die eine solche Stimmung ermöglichen, auch das Milieu, der Raum, der anspricht, bevor das Wort laut wird. — Unser Vorschlag wäre wohl eines Versuches wert, und unsere geistigen Führer sollten darin wetteifern, ihn zu verwirklichen. — — Man sieht aus alledem, wie zahlreich die Aufgaben sind, die aus der liberalen Idee herauswachsen. Vor allein gilt es jetzt, die hevan.lv ach sende Jugend für unsere Auffassung vom Liberalismus zu gewinnen. Denn unter den Alten zehrt noch mancher vom Saatgut der Vergangenheit. Für die Jungen aber, die doch unsere Gemeinde liberal erhalten sollen, mangelt es gerade im Gottesdienst an einer befriedigenden Ausdrucksform ihres religiösen Empfindens. Mögen sie später wieder umbauen, in ihrer Zeit — für ihre Zeit, nach ihrer Idee vom wandelbaren Liberalismus. Denn: „Das Judentum der Zukunft wird liberal sein, — oder es wird nicht sein!" Neues Gebetbuch der Synagoge Fasanenstraße Zu unserem Bericht „Neues Gebetbuch für die Berliner Orgelsynagogen" geht uns die nachfolgende Berichtigung von Herrn R-A. Dr. Julius L. Seligsohn zu. Die Red. In der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 16. September 1931 finde ich meine. Ausführungen aus der Diskussion nach dem Vortrage von Herrn Professor Etbogen über das neue Einheitsgebetbuch für den liberalen Gottesdienst wi-edergegeben. Diese Wiedergabe ist indessen nicht ganz zutreffend und wirkt insbesondere in ihrer gekürzten Form sehr überspitzt. Es kann natürlich keine Rede davon sein, daß heute die Besucher der Synagoge Fasanenstraße ganz oder zum erheblichen Teil unfähig wären, denr jetzigen Gottesdienst mit Verständnis zu folgen. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war vielmehr folgendes: Bereits heute ist es für einen nicht unerheblichen Teil der Besucher in der Fasanenstraße schwierig, dem Gottesdienst durchweg zu folgen. Dies gilt insbesondere für einen großen Teil der Frauen und für einen Teil der Jugend. Die Schwierigkeit beruht aus mangelhafter Kenntnis des Hebräischen, einem Untstand, dem man zunächst einmal, so betrüblich er auch sein mag, Rechnung tragen muß. Die schlechte Akustik in der Fasanenstraße Hat auch ihren Anteil daran, daß die Geineinde, ganz abgesehen von der stillen Andacht, nicht weiß, wo der Vorbeter hält. Diese Schwierigkeiten werden zur Zeit durch die Uebersichtlichkeit des bisherigen Gebetbuchdrucks überwunden. Es ist darin angegeben, was die Gemeinde, was der Borbeter, was der Chor betet, wo die stille Andacht anfängt und aufhört. Besonders markante Gebete fittb durch den Druck hervorgehoben, so daß sie schnellstens gefunden werden können. Dies Lat zur Folge, daß den Anschluß an den Gottesdienst, z. B. beim Einsetzen des Chores oder bei einem lauten bekannten Gebete, auch derjenige findet, der ihn zeitweise verloren hat. Demgegenüber beklagte ich es allerdings als einen erheblichen Mangel des neuen Gebetbuches, jedenfalls für die Verhältnisse, wie sie bei uns in der Fasanenstraße Hegten, daß alle diese Hilfsmittel fortgefallen sind. Im neuen GÄetbuch geht der gleichmäßige hebräische Druck ununterbrochen weiter, ganz gleich um welche Gebete es sich handelt. Es ist nicht angegeben, wo der Vorbeter, wo die Gemeinde, wo der Chor und wo die stille Andacht einsetzt. Wer bei diesem Gebetbuch deu Anschluß an den Gottesdienst verliert, ist allerdings ziemlich hilflos. Dies gilt insbesondere von demjenigen, der die Worte des Vorbeters aus den oben angegebenen Gründen nicht versteht und der auch nicht musikalisch genug ist, um durch das Orgelspiel zur richtigen Stelle im Gebetbuch geführt zu werden. Für die zukünftige Generation, welche hoffentlich über größere Kentitnis im Hebräischen verfügt, wird diese Schwierigkeit nicht bestehen. Zur Zeit aber scheint mir aus dem angegebenen Grunde die Einführung des neuen Gebetbuchs in der Fasanenstraße nur dann möglich, wenn von Zeit zu Zeit durch Ansage seitens des Vorbeters oder sonstwie die Gemeinde daraus hingewiesen wird, auf welcher Seite des Gebetbuchs gebetet wird, ähnlich wie in den christlichen Kirchen die Ansage der Gemeindest cder erfolgt. Dr. Julius L. Seligsohu. Berliner Repräsentanten Versammlung Sitzung am 28. S ep t emb er. In der letzten Zeit hat die Replasentanteiloersainnilung der Berliner Gemeinde zweimal getagt. Am Sonnabend, 19. September, erfolgte die 'Aussprache über die Kurfürstendainm-Krawalle: diese Beratung bildete den einzigen Gegenstand der Tagesordiiilng, und wir verweisen unsere Leser aus den Bericht in dom heute an anderer Stelle veröffentlichten Artitel „Tie nationatsozialistisck>en Exzesse am Neujahrsfest". Am Montag, 28. September, trab die Rcpräsenlanicnversammlung wiederum zusammen, diesmal zu einer ordnungsgemäßen Sitzung über die schwebenden geschäftlichen Angelegenheiten. Es erfolgteii zunächst einige Bewilligungen, darunter eine solche über 8100 RM. für neue Beerdlgtlngsfeidcr. Dagegen wurden die sämtlichen Bewilligungen für beantragte Subeenilonen vertagt, darunter die Sub-« rcntionen für Freie Jüdische Volkshochschule, Verein Talmud Thora Wois Müller, Synagogcnvercin Weißensee, sowie für du Veranstaltung von Gottesdienstcn in Dahlein. Im Verfolg der für das Schulprogrumm der Berliner Gemeinde ausgestellten Grundsätze wurde die Vorlage des Vorstandes angenommen, nach dcr nunmehr am 1. Oktober die Kuaoen- Mittclschiile und die Mädeheu-Mittelschute .zusammengelegt werden: die bisher m der Großen .Hamburger Straße befmdstche Knabenschule siedelt in die Räume der Mädchenschule in der Kaiserstraße über. Sodann nahm die Versammlung von einer Mitteilung cheuntuis, derzufolge Rabbiner Dr. Prinz sein Amt als Siudeutenseelsorger niedcrgclcgt hat. Ein Antrag des Herrn Wrpda, das Amt des Stndcntenseelsorgergs einem Gcmciuderabbmer zu übertragen, getilgte nicht zur Annahme. Da-

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