Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 36-37 (16.9.1931)
- Date
- 1931-09-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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tzamhur-. (Ründfunkvortrag über die .Hohen Feiertage.) Herr Oberkantor Hermann Lieber, Hamburg, der vor kurzem bereits in der Norag über synagogale Liturgie , mit großem Erfolg sprach undseine Ausführungen musikalisch unleriHlte, wurde neuerdings zu einem weiteren Borlrag eingeladen. Herr Lieber spricht am 20. September (Rüsttag des Bersöhnungstages) vorchittags um 8 Uhr im Norddeutschen Rundfunk über das Thema: „Sjnn und Bedeutung der hohen Feiertage bei den Juden". Hamburg. (Einbruch in die portugiesische Synagoge.) In die-Synagoge der portugiesisch-jüdischen Gemeint« in der Marcussdraße zu Hamburg ist in der Nacht vom' 17. zum August von unbekannten Tätern ein Einbruch verübt worden. Es^handelt sich dabei nichtivic Zuerst angenommen wurde, pm eine Synagogen - schändung. > 1' / KärlttUhr. ' <£ iß u n g der b a d i s che,u R abbinervcx cinlgttng.) Eine Sitzung, der badischen Rabbinervereiniguilg -am Nachmitsag des 28. Juni 11)31 in Karlsruhe, bei dey die pfälzischen Kollegen als Gäste -erschienen ivaren, bot zunächst / zwei Refechtc: Von Kollegen LvuechManuheim über „Bedingte- Txauung und die Möglichkeit, einen Gaitten zur religiösen Scheidung zu zwingen",- post - Kollegen Steckelmachcr-Bad Dürkheim über „Bemerkungen zech Grabrede unterbesonderer Berücksichtigung ihrer Problematik", ^ine -eingehende Besprechung schloß sich dem zweiten Referat an, >rührend sür das erste eine besondere Aussprache nach seiner'Drucklegung in Aussicht genommen ist. Erörterungen fanden statt über das/Verhältnis zum Allgemeinen' Ra-bbinerverband, den Entwurs des Lehrplans, die Gehaltskürzungen, die wissenschaftlichen Kurse der „Stlddeutschen Arbeitsgemeinschaft" usw. usw. Wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit mußte die Behandlung mancher Angelegenheiten sür eine spätere Zusammenkunft zurückgcstellt werden. . Dassel. (Interessengemeinschaft Züdis chcr Er4, werbsloser und Mi n d c r b e in i t t e l t e r.) Unter dem Drucke wirtschaftlicher Not hat sich hier eine Jntcrcssengemcinschast jüdischer Erwerbsloser und Minderbemittelter gebilde!, dir durch einen Arbeitsausschuß mit der Zenlralwohl fahrtsstelle und dem Vorstand der Gemeinde in Unterhandlungen trat, um eine Erleichterung der Lage der' Notleidenden zu erreichen. Die Wünsche sind in mehreren Forderungen zum Ausdruck gebracht worden. So wurde die Einrichtung einer Äleidersainnrelstclle, die nach den Feiertagen in Aktion treten soll, verlangt. Aus einer Speiseküche, die iin Altersheim untergebracht wird, soll gegen die geringe Bezahlung von t0 bis A5 Pfennigen pro Person schmackhaftes Essen vcrabreftht loerdcn. Der Arbeitsausschuß will bei der Beschaffung von Gelegenheitsarbeit durch eine ständige Vermittlung Mitwirken. Tie Lebensmittel sollen nach der Kopfzahl der bedürftigen Famitien zur Ausgabe gelangen. Auch Beihilfen zur Miete wurden verlangt und grundsätzlich zugc'agt- Tie Forderung, zivei Beisitzer in dm Wohlfahrtsausschuß entsenden zu können, wurde verneint und darum zurnckgcstcllt. Tic Anträge der Erwerbslosen sollen in einer besonderen Kommission beraten werden, der auch ein Vertreter der Erwerbslosenkommission angehör«. Der Sprecher des Arbeitsansschusscs erkannte in einer Versammlung Erwerbsloser den guten Willen der Zentralwohlfahrtsstelle an, zur Linderung der Rot beizutragen. Als -Vertreter der Gemeinde harte auch R.-A. Talberg den Verhandlungen und der Versammlung beigewohnt und die Bereitwilligkeit betont, daß den Erwerbslosen seitens des Gemeindevorstandes geholfen werden soll. Kassel. (Das Heim des S ch w e st c r n b u n d e s schließt seine Pforten.) Sicherem Vernehmen wird das Heim des Schwesternbundes infolge der wirtschaftlichen Not am 1. November geschlossen werden müssen, da die Unterhaltungskosten nicht mehr bestritten werden können und zahlende Insassinnen immer seltener wurden. Die Zahl der Zöglinge »var überhaupt stark zurückgegangen. Kippentzefm t. B. (T odasfall.) Tie langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenrereins, Frau Therese Maier, ist im Alber von 70 Jahren entschlafen und unter starker Beteiligung zu Grabe geleitet tvorden. Durch ihr hilfsbereites und gemeinnütziges Wirsen hat sich die Verstorbene in allen Kreisen Liebe und Verehrung erworben, die auch bei ihrem Ableben deutlich in Erscheinung traten, Aönlgsberg. (R ep r äs e n t a nt e n s i tz u ng.) Nach attgemri-. iven geschäftlichen Mitteilungen des Repräsentanlenvorstehers, Universitatsprofessor Tr. Rudolf Cohn, teilte dieser mit, daß der Vorstand beschlossen habe, den Gemeinderabbincr Dr. Lew in zu bitten, während des Winterhalbjahrs an Sonntagvorrnittagen in der Neuen Synagoge Lehrvorträge ans dem Gebiet des Judentums abzuhalten, die liturgisch und gesanglich umrahmt »verden sollen. Zu diesen Vorträgen soll neben den Gemeindeangehörigen auch die breiteste Oesfentlichkcit Zutritt haben. — Für die Verstärkung des Synagogenchors an den hohen Feiertagen lvurden von der Repräsentanten^ Versammlung Mk. 250,— bctvilligt. Der gleiche Betrag wurde für die Renovierung der Dienstwohnung eines Synagogenbcamten ausgesetzt. — Eine Sonderunterstützung von Mk. 400, - wurde für Reparaturarbciten in der Chassidiin-Synagoge zugebilligt. Königsberg. (D r. Erich Altertum gestorben.) Im besten Mannesalter verstarb hier der praktische Arzt Dr. Erich Altertum, was in weitesten Kreisen der Gemeinde aufs schmerzlichste bedauert wird. Dr. Altertum stand eine Reiht von Jahren hindurch im jüdischen Leben der Gemeinde, wo er sich an führender Stelle innerhalb der Vereinigung sür das liberale Judentum als deren Schriftführer betätigte. Dieses Amt >vie ein solches innerhalb der Gemcindevertrctnng versah er mit großem Eifer und Hingabe. Ganz besonders förderte er die Interessen der Musikalischen Kommission der Synagogengemeinde, der er längere Zeit hindurch angchörte. Aktiv beteiligte er sich auch am Synagogcngesangc durch Teilnahme am Chor. Die Trauerscier bewies die große Beliebtheit des Verstorbenen. Ein großes Trauergefolge hatte sich in der .Halle des Krematoriums eingesuiiden, wo nach einem Prälndinm des Kol Nidrei von Bruch Genre inderabbiner Dr) Reinhvld Lcwin die Gedächtnisrede hielt. Er schilderte das Leben und Ringen Altertums und wies daraus hin, daß dieser unendlich viel Gutes getan habe. Vielen sei er ein helfender Arzt und Mensch gewesen. Nach Leichenrede und Gebet sank der Sarg unter Orgelklcingcn in die Tiefe. Kön-igshoseil. (Todesfall.) Im Alter von 82 Jahren verstarb am 25. August die allseits vcrchrre Kaufmaunswitwe Frau Gietchen Friednrann geb. Gutmann, tiesbetranert von ihren Kindern und Anverwandten. Sie war eine tiesreligiöse Jüdin, eine edle, ans opsernde Mutter und eine Menschensreundin, die sich in allen Kreisen der BevHllcrung der höchsten Wertschätzung erfreute. Die ganze Gemeinde erwies ihr die letzte Ehre. Aus den Nachbargcmeindcn waren die jüdischen Lehrer herbeig-eeilt, um der tiesreligiösen Frau das letzte Geleit zu geben. An der Trauerseier beteiligten sich neben zahlreichen Freunden aber auch außerordentlich viele nichtjüdische Freunde. Köslin. (Neuwahl des Vorstände s.) In der Gemeinde Köslin hat eine Neuwahl des Vorstandes stattgefunden. Es sind gewählt worden die Herren: 1. Rechtsanwalt und Notar .Hermann Friedländer, 2. Kaufmann Max Arndt, 3. Kaufmann Adolf Levy. Vorsitzender des Vorstandes ist Rechtsanwalt Friedländcr; Stellvertreter Herr Max Arndt. München. (Todcssoll.) Hier verstarb plötzlich und unerwartet Kommerzienrat Sigmund Weil, einer der angesehensten und tapfersten Vorkämpfer der deutsch jüdischen Emanzipationsbewegung. Der Verstorbene war auch ein Freund unserer religiös liberalen Idee und gehörte während einer Anzahl von Jahren dem Vorstande der Vereinigung für das liberale Judentum an. Wir werden das Andenken dieses liebenswürdigen und aufrechten Mannes in Ehren halten und sprechen allen Angehörigen deS so jäh Tahingegangenen unsere wärmste Teilnahme aus. Os)enbach. (F r i e d h o s s s ch ä n d u n g.) Tic zweite Schändung ereignete sich in Osfcnbach, wo aus dem jüdischen Frieichos zwei Grabsteine vom Sockel gestürzt wurden. Hier fehlt von den Tätern noch jede Spur. Osnabrück. (Persönliches.) Am ersten Tage des Neujahrsfestes begeht Frau Jcttchen Meyer, erste Vorsitzende deS Israelitischen FrauenvereinS, in voller Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag. Tic Jubi larin. steht seit 15 Jahren im Dienste gemeinnütziger Hilfsarbcit, die vorn Israelitischen Fraucnverein in Verbindung mit dem Vaterländischen Frauenverein und der städtischen WohlsahrtSpslcgc ausgeübt wird. Paservalk. (Todesfall.) Nach langem schweren Leiden verschied hier Herr Siegfried Rosenbaum, der in unserer Synagogengemeindc und »veit darüber hinaus in unserec Stadt seit vielen Jahren eine führende Rolle gespielt hat. Der jüdischen Ocssciitlichkcit ist der Verstorbene besonders während der letzten Jahre durch seine Tätigkeit im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bekannt geworben. Er gehört als liberales Mitglied der Landesversammlung an und leistete in der Liberalen Fraktion, sowie in mehreren Kommissionen besonders fruchtbare Arbeit dadurch, daß er cs verstand, die Arbeit des Landesverbandes stets wieder aus die besonderen Aufgabengebiete der kleinen Gemeinden hinzulenken. Er war einer von denjenigen, die sich in der praktischen Kleinarbeit mit Hingabe und Tach Verständnis beteiligte und die Lücke, die durch das .Hinscheiden verursacht wird, wird sich sobald nicht «nieder schließen. Plauen i. 33. (G c m e i n d e r a 1 S s i tz u n g v o m 2 0. A u g u st 103 4.) Unser allvcrehrter Vorsitzender .Herr Rechtsanwalt Tr. Goldberg feierte am 1. d. M. seinen 50. Geburtstag. Daher nahm in der Sitzung des Gemeinderats der 2. Vorsitzende Herr I. Goldman» das Wort, um auch von dieser Stelle aus nochmals dem Jubilar zu gratulieren und ihn seiner Verdienste gemäß zu feiern. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit ist ein „Dr. Goldberg-Fonds" unter den Mitgliedern der Gemeinde und den sonstigen Freunden des Herrn Tr. Goldberg gesaminelt worden, der die stattliche Höhe von mehreren tausend Mark erreichte. Hierauf dankte der Gefeierte sichtlich betvegl für die reichen ihm erwiesenen Ehrungen und versprach seine Dienste wie bisher immer in den Dienst der Oessentlichkeit zu stellen. Tie ihm überreichte Spende glaubt der Jubilar nicht besser verwenden zu können, als sie dem Hausbaufoirds der Synagoge zur Verfügung zu stellen. Sein Dank galt picht nur den Spendern, nicht nur den Organisationen, in dencir er selbst tätig, ist, sondern auch den Vereinen, die weltanschaulich auf ganz anderem Boden als der Jubilar stehen, und die irr ihren Wünschen die strenge Wahrung der Neutralität und das Interesse, das der Jubilar auch ihnen entgcgenbringt, zum Ausdruck gebracht haben. Sodann gedenkt der Vorsitzende des Todes unseres Stadtoberhauptes, des Herrn Oberbürgermeister Lehmann, und des Todes des Stadtvcrordnetcnvorstchers Dr. Otto. In beiden Personen habe die Stadt viel verloren und auch unsere Gemeinde stehe trauernd an der Bahre dieser streng rechtlichen und gerecht gesinnten Männer. Die Versammlung erhob sich zu deren Ehre von ihren Plätzen. Das Gleiche geschah nach einem weiteren Nachruf für den verstorbenen ^Präsidenten der Eugen-Fuchs-Loge, Georg Türk. — Der Hamburger Tempelverband I>ot die Gemeinde zur Einiveihung seines neuen Gotteshauses cingeladen. Eine Kommission Hamburger Herren hatte im vorigen Sommer unser Gotteshaus besichtigt und sicher für den eignen Neubau wertvolle Anregungen von uns mitgenommen. Aus dem Verlaus der Sitzung ist «veiter der Bericht des Predigers über den 'Religionsschulbetriebertvähnensivert. Im ganzen «verden 97 Kinder in Plauen selbst unterrichtet, «vozu nach einige Unterrichtsstunden in den Kleinstädten der Umgebung kommen. Es ist oeab-sichtigt, auch Jugendgottcsdicnstc wieder cinzusühren, wie es vor dem Krieg schon der Fall «var. Beim Bericht des Schäch-tausschusscs «vurde bekannt, daß die Nationalsozialisten, weil ihr Antrag aus Erlaß eines Schächtvcrboles im Stadtparlament abgclehnt «vocdcn ift, einen Antrag cinbr achten, wonach die Kosten sür das Schächten im Stadt. Schlachthof um ca. 500 ch» erhöht werden sollen, «vährcnd die sonstigen Schlachthoskosten um 25 o» gesenkt «vorden sind. Dieser Antrag unterliegt gegenwärtig noch dein Gutachten eines Ausschusses. Als Zeichen der Zeit muß in diesem Jahr der seit 30 Jahren geübte Brauch, zuin Neujahrsfest eigene Kalender anszugeben, Wegfällen. Es ich geplant, sich dem Leipziger Kalender airzuschließen. Bei dem Kapitel der Wairderarmensürsorge wird mitgcteilt, das; in erheblicher Anzahl sich jetzt auch deutsche Juden dort «ncldcn, «nährend bisher diese Stelle nur von Ausländern frequentiert »vurde. Der Vorsitzende «veist dabei noehinals darauf hin, daß er niemals bettelnde Wanderer zu Gemcindemitgliedern schicke und bittet in jedem Fall, in dem sich solche Leute aus ihn berufen, ihn sofort in Kenntnis zu setzen oder die Polizei zu informieren. Deutsche Juden sollte mau überhaupt nicht aus der Wandcrarmenkasse unterstützen, da dazu die öffentliche Wohlfahrtsstclle da sei, die aus Stenermittcln aller Deutscher unterhalten ivürde und die daher auch an alle bedürftige durchreisende! Deutschen Unterstützungen zu geben habe. Rothenburg (Tauberj. (Persönliches.) Der Senior und Ehrenvorsitzende der hiesigen Gemeinde, Herr Karl Wimpshammer, ist im 82. Lebensjahre verstorben. Seit mehr als 50 Jahren «var er Mitglied der Verwaltung, 18 Jahre erster Vorstand und dann Ehrenvorsitzender. Auch im bürgerlichen Leben erfreute er sich hohen Ansehens; darum wählte man ihn zum Mitglied der Handelskammer, ernannte ihn zum Ehrenmitglied des kaufmännischen Vereins und berief ihn in viele städtische Ausschüsse. Sein Leichenbegängnis fand unter starker Anteilnahrnc der Ortsbevölkerung statt. Prediger Marx entwarf an der Bahre ein eindrucksvolles Bild von den Vorzügen und dem gemeinnützigen Wirken des Verstorbenen. Den Tank der Gemeinde stattete Vorsteher Mann in bewegten und herzlichen Worten ab. Bemerkensivert ist noch, daß der katholische Stadtpsnrrer in seinem Beileidsschreiben die Fürsorge des Entschlafenen für die Annen der katholischen Gemeinde betonte und davon Kenntnis gab, daß im Kirchcngcbct des vorbildlichen tiesreligiösen Mannes gedacht «verden sollte. , Wongrowitz. (.Hohes Alter.) Am Sonirabeud, dein 12. September d. I., feierte Herr Josef Engel in Wongroivitz, früher Provinz Posen, jetzt Wagroioiec-Poleii, in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Am 28. Luni 1922 «vurde er in ge hässiger Weise des Ritualinordes an seiner Hausangestellten Käthe Wenzel beschuldigt. Während dieser Zeit hatte er sehr schwer zu leiden und zu dulden. Allein nur durch seine «vahrhastc Frömmigkeit, durch sein unerschütterliches Gottoertrauen, durch sein bescheidenes Wesen und vornehme Gesinnung konnte er diese schivcrste Heimsuchung seines Lebens bestehen. *\ BUCHERSCHAU Schalorn Asch, Die Kinder Abrahams. Novellen aus Amerika. Autorisierte Uebertragung von Siegfried Schmitz. Paul Zsolnay Verlag, Berlin—Wien—Leipzig 1931. 234 S. Heute, wo Sch. A. auf der Höhe seines künstlerischen Schaffens steht, erscheint es nahezu überflüssig, seinen Büchern ein Wort der Empfehlung mit auf den Weg zu geben. Wer den Dichter der großen Romantrilogie „Petersburg“, „Warschau“, „Moskau“ kennt, wird ihn auch in den Novellen wiederfinden, unter denen der Erzählung „Der Ruf der Stadt“ die Palme gebührt. Sie ist eine eindrucksvolle Illustration zu der Erkenntnis, „wie wichtig die Landarbeit für die Juden und daß sie die einzige „Lösung“ der „Judenfrage“ sei, denn ein jüdischer Bauernstand werde die beste Antwort auf die Hetzreden der Antisemiten über die Unfähigkeit der Juden zu körperlicher Arbeit sein“ [S. 145]. Prof. Dr. O o 1 i n s k i. Gog. Von Giovanni Pagini. Verlag Paul Neff, Berlin, 1931. Ein eigenartiges, wenn man will ein kariöses, bizarres Werk. Der Titel und das vorgedrückte Motto, wo von „Gog und Magog“ die Rede ist, lassen den Leser zunächst an eine alt-hibLische Erzählung denken. Aber weit gefehlt. Der Inhalt des Buches ist etwas ganz anderes. Gog ist eine phantastische Erscheinung, ein Milliardär, der ewig auf der Suche nach Neuem ist und die ganze Welt durchirrt, um das Wesen unserer heutigen Kultur zu erfassen. Dabei erlebt er allerhand seltsame Abenteuer und kommt in Unterhaltungen mit den Großen unserer Zeit, so mit Edison, Ford, Shaw, Lenin, Einstein, Freud u. a. Aber auch hier spielt bei allem Bemühen, sich in die Theorien und Gedankengänge dieser Großen unserer Zeit einzufühlen, die Phantasie eine Hauptrolle. Der Verfasser äst ein universeller Geist von einer erstaunlichen Belesenheit und Vielseitigkeit, der sich, wie man zu sagen pflegt, in allen Problemen der modernem Wissenschaft, Kunst und Literatur „auskennt“. Aber alles betra/chtet er mit den Augen des Satirikern, und selbst da, wo er ein bißchen zu weit zu gehen scheint, z. B. in dem Kapitel „Die Idee des Ben Rubi“, das stark an Stellen aus dem Buche „Die Weisen von Zion“ erinnert, ist man nachsichtig, da man merkt, daß der Schalk es miit seinen Paradoxien nicht so böse meint. Alles in allem ein amüsantes, lehrreiches Buch, welches zeigt, daß man die Dinge dieser Welt ganz gut auch einmal aus einer anderen als der gewohnten Perspektive ansehen kann. Sanitätsrat Dr. Sc herbei, Lissa i. P. Statistische Mitteilungen von den deutschen evangelischen Landeskirchen vom Jahre 1929. Verlag von Emst Kielt iit Stuttgart 1931. Das im Deutschen Evangelischen Kirchenbundesamt in Berlin-Charlottenburg nach den Angaben der obersten Kirchenbehörden der im Deutschen Evangelischen Kirchenbund zusammengeschlossenen Landeskirchen gefertigte Büchlein enthält auf 47 Seiten statistische Angaben aus den deutschen evangelischen Landeskirchen. In Verbindung hiermit werden wir gen.au über die Geburten aus evangelischrjüdischen Mischehen, über die evangelischen Kindertaufen dieser Mischlinge, über evangelisch-jüdische Mischehen, Uebertritte von Juden zur evangelischen Glaubensgemeinschaft und umgekehrt usw. informiert und hierauf beruht insbesondere das Interesse, das wir dem seit Jahrzehnten erscheinenden Werke entgegenbringen. Herbert Philippsthal. Sendet den fälligen Beitrag für das 4. Quartal 1SS1 auf das Postfcheck-Kouto der Bereruigung für das liberale Judentu«« Berli« Nr. 4L7VSS ein. Pmat-Kinfleryarten ür. 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September Predigt: Dr. Andorn Noch verfügbare Karten sind in der Geschäftsstelle bei Frau Michaelson, Kaiserdamm 82, erhältlich. Sonntag, den 4. Oktober Simchath-Tbora- Gottesdienst vormittags 10 Uhr in der Leistikowstraße 7/8 Barmizwahfeier Predigt: Dr. Swarsenski 8454