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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-09-16 · 36-37 (16.9.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
36-37 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Darum heran an alle, die für unsere Sache gewonnen werden können, heran auch an die Ostjuden, die nicht nur materieller Hilfe, sondern auch geistiger 'Aufklärung bedürfen. Hier blktet sich dem jüdischen Liberalismus ein Betätigungsfeld, auf dem wahrhaft jüdisch-positive Arbeit geleistet werden kann. Alexander Szan 1 o. Der Zewish Guardian stellt sein Erscheinen ein „The Jewish Guardian", eines der drei in englischer Sprache in London erscheinenden jüdischen Wochenblätter, hat am 14. August nach fast 12 jährigem Bestand sein Erscheinen eingestellt. Zu den Gründern des Blattes, das als Organ jenes Teiles der englischen Judenheit gedacht war, der sich gegen die zionistischen Anschauungen wandte, die von den beiden anderen englisch-jüdischen Wochenschriften, „Jewish Chronicle" und „Jewish World", vertreten werden, gehörten Sir Charles Henry, Lord Swaythling, Dr. Israel Abrahams, Sir Philip Magnus, Dr. Claude G. Montefiore und andere der League vf British Jews nahestehende Persönlichkeiten. Dr. Claude G. Montefiore war seit ihrer Gründung Direktor der Zeitschrift, seit 1925 auch Borsitzender des Verwaltungsausschusses. Chefredakteur war Laune Magnus, ein Sohn von Sir Philip Magnus. In der letzten Nummer des „Jewish Guardian" veröffentlicht Dr. Claude G. Montefiore einen Artikel, in dem er darlegt, aus welchen Erwägungen heraus seinerzeit die Wochenschrift gegründet wurde.' Es sollte die Anschauung, daß die Juden eine Nation wie alle übrigen, etwa wie die Dänen oder Schweden, nicht aber ein Volk von besonderer religiöser Eigenart seien, bekämpft werden. .Heute habe „Jewish Guardian" seine Aufgabe erfüllt. Die Mehrheit der Zionisten, zumindest in England, sei in ihren Anschauungen gemäßigter als damals. Sie haben den Gedanken der Gründung eines Judenstaates aufgegeben und ihn den Revisionisten überlassen. In einem Brief an die „Jüdisch-liberale Z eitu n g" teilt Dr. Claude G. Montefiore mit, der Jewish Guardian habe zumindest in Bezug auf den reinen nationalen Zionismus seine Aufgabe erfüllt, in dem er diese nationalistische Richtung nach Kräften bis zur Erreichung des heutigen Tiefpunktes geschwächt hat. Wenn aber ein Teil der deutschjüdischen Presse Dr. Montefiores Abschiedsartikel so ausgefaßt habe, als spreche er sich für einen geistigen, d. h. für den Kulturzionismus aus, so sei er durchaus falsch verstanden worden. Seine Ansichten sind nicht identisch mit denen des Redakteurs des Jewish Guardian, weder im Hinblick auf den Zionismus noch im Hinblick auf liberales Judentum. Dr. Montefiore ist nach wie vor schärfster Gegner des jüdischen Nationalismus oder, was das Gleiche ist, des nationalistischen Zionismus. Da aber kultureller und nationaler Zionismus oft ineinander übergehen und nahe Verbündete sind, so ist Herr Dr. Montefiore schon allein aus diesem Grunde auch Gegner des Kulturzionismus, und er betont uns gegenüber, daß er noch weitere Gründe für die Ablehnung des Kulturzionismus hat. Dr. Montefiore ist bekanntlich der Führer der religiösliberalen Juden Englands und Präsident des Jüdisch-liberalen Weltverbandes. Es darf deshalb in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, daß auch der Vorsitzende der deutschen Vereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern, rednerisch und publizistisch gerade gegen den Kulturzionismus wiederholt scharf aufgetreten ist. Neues Gebetbuch für die Berliner Orgelsynagogen Unter dieser Ueberschrift berichteten wir in der vorigen Nummer, daß die Vereine der Berliner Orgelsynagogcn eine Vortragsveranstaltung aus den 2. September einberusen hatten. Wir äußerten Bedenken dagegen, daß für die Einführung eines neuen Gebetbuches der Weg über die einzelnen Synagogenvereine der richtige sein könnte. Ueber diese lediglich formale Frage hinaus hätten >vir auch zu dem Bortrag des Herrn Professor Etbogen, bzw. zu dem von ihm interpretierten Gebetbuchsentrvurf Bemerkungen von wesentlicher und grundsätzlicher Bedeutung zu machen. Indessen soll eine sachliche Besprechung der Gebetbuchfrage für später Vorbehalten bleiben, so daß wir uns für heute daraus beschränken, lediglich den Verlauf der Veranstaltung nach der Schilderung unseres Berichterstatters wieder,;ugeben. Die Red. Die von Herrn Dr. Mendelssohn (Verein Neue Synagoge) geleitete und erfreulich gut besuchte Veranstaltung begann mit einem Rezitationsvortrag von Frau Edith Herrnstadt-Oettingen über „Beten und Andgcht", einem Prosakapitel zur stillen Andacht aus dem neuen Gebetbuch. — Prof. Etbogen leitete seinen Bortrag mit dem Hinweis auf die Historie ein, die nicht selten Wandlungen des Gebetbuches gebracht I habe; was aber früher Tat einer Autorität war, soll heute Gemeinschaftsarbeit einer Gemeinde, ja der Gesamtheit der deutschen Juden sein. Aus dieser Ueberlegung heraus lassen sich schon die großen Schwierigkeiten erkennen, die heute der Annahme eines Einheitsgebetbuches entgegenstehen. Dazu kommt, daß ein innerer Zwang zur Aenderung des liberalen Gebetbuches nicht vorlag, toie etwa zu Beginn der gesamten Reformbewegung, die sich mit dem Sinn mancher Gebete nicht mehr identifizieren konnte und also aus dogmatischem Anlaß die alten Texte veränderte. Diesmal war es vor allem der wirtschaftliche Zwang während der Inflationszeit, die Herausgabe der Gebetbücher zu vereinheitlichen und damit zu verbilligen; denn nicht nur hatten die meisten Gemeinden in Deutschland eigene Gebetbücher bei geringer sachlicher Verschiedenheit, sondern auch bieder Berliner Orgelsynagogen wichen voneinander ab. — Das neue, seit zweieinhalb Jahren fertiggestellte Gebetbuch soll ein Rahmengebetbuch sein, das ohne Zwang der einzelnen Gemeinde Bewegungsfreiheit und Möglichkeit läßt, den Gottesdienst nach eigenem Geschmack zu variieren. Besonderer Wert ist auf die Ausgestaltung der deutschen Gebete gelegt worden, die am Schluß zusammengestellt sind und für Berlin in einem herausnehmbaren Anhang gedruckt werden sollen. Sie bieten einx große Auswahl nicht nur für den Geschmack und die Tradition der einzelnen Gemeinden, sondern auch für Art und Temperament der Rabbiner. Da sie z. T. Bearbeitungen alter Gebetsinhalte darstellen, bedeuten sie einen wahren Schatz religiöser Lyrik. Als Beispiele wurden der Versammlung der 130. Psalm (Aus der Tiefe) und „Vom Vorabend des Neuen Jahres" durch Frau Herrnstadt-Oettingen zu Gehör gebracht. Bon den Veränderungen für die hohen Feiertage, mit deren Gebetordnung die Gemeinden an, innerlichsten verbunden sind, erwähnt der Vortragende die Wiedereinführung des alten, vollständigen Sündenbekenntnisses und die Erweiterung des Al Chet, sowie die an das Original-Kolnidre anklingende Neugestaltung des Kolnidretextes, dessen Anfangsworte dem Vorabend des Jom Kippur seinen Namen gibt. Diese Aenderungen entsprechen,!vie Pros. Etbogen ausführlich begründet, dem allgemeinen Wunsche zur Pflege des Traditionellen. Aehnlich sind an den Stellen, wo sie sinngemäß hingehören, die Worte: we al jeruscholojim u. a. wiedereingeführt, ohne daß deshalb der Argwohn auftauchen könne, das Einheitsgebetbuch propagiere die nationale Idee. (? Die Red.) — Einem oft empfundenen Fehler unserer Gottesdienste, nämlich dem überstürzten Tempo besonders bei den stillen Gebeten, ist dadurch Abhilfe geworden, daß man die Psalmen, die sonst alle hintereinander gelesen werden, auf die einzelnen Wochentage und die vier Sabbate des Monats verteilt hat. Für die Feiertage hat man andere, dem Sinn der Tage besser entsprechende Thora- und.Prophetenabschnitte ausgewählt, allerdings zur Auswahl auch die traditionellen mitabgedruckt. Hohe Worte des Lobes findet der Vortragende für die deutsche Uebersetzung, die Herr Dr. Seligmann (Frankfurt am Main) besorgt hat. Mit dem Vorzug, wörtlich zu sein, verbindet sie den anderen, religiös ergreifend zu wirken, so daß auch denen, die das Hebräische nicht mehr verstehen, die Möglichkeit einer Andacht gegeben ist. Mit einer Dichtung Jehuda Halevis und Stücken ans der Seelenfeier, von Frau Herrnstadt-Oettingen besonders ergreifend vorgetragen, endet der Hauptteil des Abends. In der Diskussion fand der Gedanke des Herrn Sanitätsrat Leibholz lebhaften Beifall, der es als Mangel empfand, daß dem Einheitsgebetbuch alle Gebete zur häuslicher: Andacht (Tischgebet, Nachtgebet, Brochaus) fehlten; doch konnte Prof. Elboger: erwidern, daß Dr. Seligmann bereits an einen: solchen Buch für die häusliche Andacht arbeite. Dr. Alfred Wiener, der Syndikus des Centralvereins und mittelparteilicher Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, begrüßte die Wiedereinführung des Kolrftdre (das er sogar mit dem alten Texte wünscht), und des messianischen Gedankens. Jnr ganzen aber solle ein neues Gebetbuch mehr die religiöse Orientierung im Auge haben, belehrend wirken im Hinblick auf die Entstehung der Gebete u. a. Die immer mehr sich ausbreitende Vorstellung, als sei die Predigt der Mittelpunkt, ja der „Clou" des Gottesdienstes, müsse entschieden abgelehnt werden. Besonders lebendig wirkten die Ausführungen Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohns, die zum Teil auf Widerspruch stießen, obgleich es sich um reinen Tatsachenbericht handelte. Dr. Seligsohn schilderte, nach seiner Erfahrung in der Fasanenstraße, die vollständige Hilflosigkeit der Synagogenbesucher, dem Gottesdienst mit Verständnis zu folgen. Werde das Deutsche im Gebetbuch noch weiter ausgeschattet, so würden noch mehr Besucher aus der Synagoge vertrieben. Jnr Grunde müsse man ein Gebetbuch für die Nichtbesucher verfassen, um diese allmählich mit dem Gottesdienste vertraut zu machen. \ Im wesentlichen ergab die Diskussion das Bild, daß auf dem Gebiete der Aufklärung und Belehrung, oer Erziehung zum Gottesdienste, noch unendlich viel zu tun ist. ' Dr. Fritz S a l o m o n s k i. Jda Arndt-Heinrichs Lebenswerk In einer Zeit größter Not wurde Jda Heinrich 1917 nach Berlin gerufen, um die Leitung des Mädchen-Waisenhauses des „Frauenvereins von 1833" zu übernehmen, eines Waisenhauses im alten Sinne. Damals wußte man in deutschen Waisenhäusern noch nichts von allgemeinen Menschenrechten. Damals Hürde das Wort „Waisenkind" noch als degradierend empfunden, und ihre Träger, die sich schon äußerlich durch die grausame Uniformierung von anderen Kindern unterschieden, galten in den Zeiten des Dreiklassen- Wahlrechtes als Menschen vierter Klasse. Mit Jda Heinrich zog plötzlich in das dunkle Haus in der Schönhauser Allee ein neuer Geist ein. Sie brachte neben großen pädagogischen Fähigkeiten vor allem ein weites offenes Herz mir, das sie liebevoll den ihr anvertrauten Zöglingen schenkte. Schnell entstand eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens, und aus dem Waisenhause im alten Sinne wurde eine große vielköpfige Familie. Jetzt wurde auch früher nie gekanntes jüdisches religiöses Leben im Hause lebendig. Der Freitagabend erhielt die ihm zukornmende Bedeutung; er wird noch heute mit einem Gottesdienst der Kinder eingeteitet und als Höhepunkt der Woche gefeiert. Wer diese Abende miterlebt hat, wird sie als schönsten Ausdruck wahren jüdischen Familienlebens und echter jugendlicher Fröhlichkeit nicht vergessen. Auch alle Feiertage wurden jetzt festlich begangen; durch die der modernen Zeit angepaßten Formen bekamen alle enge persönliche Beziehung zum Judentum und seiner Tradition. So wurde im Heim später eine Gruppe des „Jli" gegründet, die auch jetzt noch besteht und in der Berliner Ortsgruppe lebhaft rnitarbeitet. Bald gesellten sich Freunde dazu, die das Leben im Hause bereicherten. Unter ihnen der unvergeßliche Ludwig Lew in, der schnell die Herzen der Kinder eroberte und ihnen aus seinem reichen Wissen viele neue Quellen erschloß. Für Jda Heinrich bedeuteten die langen Jahre ihres Wirkens eine Zeit rastloser Arbeit. Sie hat das Heim über schwere Kriegs- und Jnftatiousjahre hinübergerettet, oft unter größten persönlichen Einschränkungen und Entbehrungen, immer unter.Hintansetzung ihrer eigenen Person. Endlich gelang es ihr, 1926, das heiß erkämpfte Ziel zu erreichen urrd die enge Wohnung mit einem eigenen Haus fern der Großstadtluft zu vertauschen. In Hermsdorf hat sie nahe am Walde ihrer großen „Familie" ein auch äußerlich schönes Heim geschaffen und dort — inzwischen als glückliche Ehefrau — unter Mithilfe von zwei anhänglichen ehemaligen Zöglingen weitergearbeitet. Jetzt aber haberr sie neue Känrpfe um den Bestand des Heims müde gemacht. Nachdem sie sich in selbstloser Arbeit für die Sache, die ihr. ans Herz gewachsen ist, aufgeopfert hat, will sie sich nunmehr in die Ruhe des Privatlebens zurückziehen. Wenn am Jaum Kippur der Mahnruf des Schofar das Ende des Tages verkündet und der Alltag wieder beginnt, ist ihre Lebensarbeit beendet. Auch das Werk, das sie so vorbildlich ausgebaut hat, wird in der alten Form nicht weiterbestehen. i Wehmütig und dankbar sehen wir Jda Arndt-Heinrich scheiden. Wir hoffen und wünschen, daß sie nach kurzer Zeit des Ausruhens am religiösen, sozialen und politischen Leben der Berliner Jüdischen Gemeinde wieder aktiven Anteil nehmen wird. Wir wissen, daß sie den Vielen, die sie mitt mütterlicher Liebe großgezogen hat, auch fernerhin unendlich viel bedeuten wird. Paul Loewenftein. Zum 80. Geburtstag von James Simon James Simons Autobiographie. (Zum 17. September.) Vor 20 Jahren ließ James Simon anläßlich seines 60. Geburtstages auf Wunsch seiner Freunde seine Selbstbiographie für einen engeren Kreis erscheinen. Heute, wo dev selten bescheidene, verdienstvolle Mann in hervorragender körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag feiert, ist eine Reproduktion dieser Autobiographie wohl angebracht. „Geboren am 17. September 1851 in Berlin, besuchte ich von 1857 an die Königftüdtische Realschule, später das Gymnasium zum „Grauen Kloster", das ich 1869 nach abgelegtern Abiturientenexamen verließ. Ich fühlte mich am meisten zum Studium der alten Sprachen und der Geschichte hingezogen, doch war die Neigung nicht so stark, daß es mich besondere Ueberwindung gekostet hätte, dem Wunsche meines Vaters zu entsprechen, der mich, den einziger: Sohn, gern zum Mitarbeiter in dern Geschäft, das er mit seinen: jüngeren Bruder im Jahre 1852 begründet hatte, haben wollte. Ich trat daher in: November 1869 in die Handlung Gebrüder Simon als Lehrling ein und habe seither ihr den Hauptteil meiner Arbeitszeit ununterbrochen — abgesehen von einem halbjährigen, durch der: Krieg abgebrochenen Aufenthalt in England (1870) — gewidmet. Gemeinnützigen Unternehmungen trat ich erst 1880 näher. Mein erstes Amt war das eines Mitgliedes im Aussichtsrat des Kauftnännischer: Hilfsvereins, das ich heute noch bekleide. Der Fürsorge für die Jugend wandte ich mich zuerst bei Begründung des Vereins „Mädchenhort" durch Frau Emilie Mosse zu.' Die Mitarbeit in diesem Verein, der seither bekanntlich zu großer Blüte gelangt ist, erweckte in mir auch reges Interesse für die Tätigkeit des Vereins für Ferienkolonien. Ich verfocht im Vorstande des Vereins den Gedanken der Errichtung eigener Häuser für unsere Pfleglinge, und so entschloß ich mich 1895, ein solches mit Solbadeeinrichtung versehenes Haus in Kolberg zu erbauen und dem Verein zu schenken. Es nimmt alljährlich in vier Monaten 600 Schulkinder auf und erzielt gute Erfolge. Bei Gelegenheit meiner erster: Reise nach Kolberg lernte ich den unbefriedigenden baulicher: Zustand des dortigen „Jüdischen Kurhospitals" kenrren und leitete eine Agitation eir:, dessen Frucht das stattliche neue Haus mit 100 Betten geworden ist. Seit dem Tode des Herrn Gustav Löwenberg führe ich den Vorsitz in: Kuratorium des Hospitals. Im Verein für Ferienkolonien bewirkte ich auch die Ausnahme von Wanderfahrten gesunder und kräftiger Kinder seit dem Jahre 1901. Sv wurde der Zentralverein für Schulwanderungen begründet, dessen stellvertretender Vorsitzender ich wurde. Der Verein kam zu raschem Aufblühen. Bereits irr: zweiter: Jahre oes Bestehens konnten wir 2800 Kinder auf die Wanderschaft entsenden. Einem anderen Zweig der Fürsorge für Kinder trat ich auf Veranlassung rneines Freundes Franz von Mendelssohn nahe, indem ich der: stellvertretenden Vorsitz hm Verein zum Schutz der Kinder vor Mißhandlung und Ausnutzung übernahm. In vielen Orten besitzt er Zweigkomitees; in dem von Franz von Mendelssohn und meiner Wenigkeit erbauten Hause „Kinderschutz" in Zehlendorf werden über 100 Kinder bis zur Konfirmation erzogen. Auf hygienischem Gebiet habe ich mich durch Teilnahme an der Begründung des Deutschen Vereins für Volksbäder, auf kulturellem durch die Anregung zur Begründung des Vereins für Volksunterhaltungen, dessen erster Vorsitzender ich nach dern Ausscheiden von Geheirnrat Küster wurde, betätigt. Auf kommerziellem Gebiet wirke ich seit 1896 als Mitglied des Kollegiums der „Aeltesten der Kaufmannschaft" und dann seit Bestehen der Handelskammer in dieser. Durch meine Neigung zum Sammeln aller Kunstwerke wurde ich mit Geheirnrat Bode bekannt, mit den: mich nunmehr langjährige Freundschaft verbindet. Auf seinen Wunsch wurde ich Mitbegründer des Kaiser-Friedrich-Museums. Ich bekleide ferner das Amt des Vorsitzender: im Verein für Volkskunde, bin stellvertretender Sachverständiger für die Gemäldegalerie und vorn Reichskanzler ernanntes Mitglied des Berwaltungsrates des Germanischer: Museums in N ü r n b e r g. Ein besonderes Interesse wandte ich seit 1895 bei: Ausgrabungen in: Orient zu. Mit Prinz Heinrich zu Carolath- Schörraich und Staatssekretär von Hollmann begründete ich die Deutsche Orientgesellschaft, ferner 1901 auf Anregung von Dr. Paul Nathan den Hilfsverein zur Unterstützung deutscher Glaubensgenossen, wie ich auch schon früher dern Hilfsverein für jüdische Studierende als Vorstandsmitglied und dern Kuratorium für das Reichenheirnfche Waisenhaus sowie für das Dina Nauen-Cohnsche Wohltätigkeitsstift angehörte. Ferner sitze ich irr: Kuratorium der Städtischer: Höheren Webesckulle und des Kaiser-Friedrich-Hauses für das ärztliche Fortbildungsweser: und — mein neuestes Amt — irr: Berwaltungsrat der Jewish Colonization Association." In den seitdem verflossenen zwei Dezennien hat James Simon, trotzdem auch er die Schwere der Zeit wohl empfunden hat, an seinen Idealen unbeirrt festhaltend, unablässig als Apostel der Humanität für die Allgemeinheit gewirkt. Möge ihm noch ein recht langer, von Sorgen und Beschwerden jeglicher Art freier Lebensabend zuteil werden! Dr. Oscar S i n c e r u s. „James Sinivn-Stiflmrg" des HilfsVrreins der Deutschen Juden. Anläßlich des 80. Geburtstages vor: Dr. James Simon, Präsidenten des Hilfsvereins der Deutschen Juden, wird eine „James Simon-Stiftung" beim Hilfsverein der Deutschen Juden geschaffen, für die bisher zunächst von einer Anzahl dem Hilssvercin und Dr. James Simon besonders nahestehender Persönlichkeiten sowie von Organisationen namhafte Beiträge gezeichnet worden sind.

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