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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-09-16 · 36-37 (16.9.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
36-37 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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wie wir sie jetzt erleben, in einem kleineren Raume und von dem Verwaltungskörper eines kleineren Gebietes leichter überwunden werden können als von einer größeren Organisation, weil die Hilfe den Verhältnissen des Einzelfalles mehr angepaßt werden kann. Es ist darum der Schwerpunkt der Hilfeleistung auf die Gemeinden zu legen, nicht auf die Landesverbände, deren Mittel in höherem Grade beschränkt ^ind, die vielmehr im Benehmen mit der Zentralwohlfahrtsstelle Richtung geben sollen und berufen sind, die Grundlagen der Gemeinschaft zu erhalten und größere Schäden auszugleichen. Durch einträchtiges Zusammenwirken der behördlichen Wohlfahrtspflege und der freien Liebestätigkeit wird es uns gelingen auch diese schwere Zeit zu überwinden, die wir gewohnt sind, auf weiten Wegen in der Geschichte viel größere Hindernisse zu meistern. Eines aber tut not: Daß wir ungeachtet aller Entbehrungen, die wir uns auferlegen müssen, unsere Lebenskraft, unsere Fruchtbarkeit bewahren, daß nicht der Kern schwindet, dem alle unsere Sorgfalt gilt. Wir müssen uns als Gemeinschaft erhalten, um die Aufgaben zu erfüllen, die uns bestimmt find. An den hohen Feiertagen aber, die wir jetzt begehen, mag es gestattet sein, von der Not des Tages den Blick auf weitere Sicht zu heben. Einer der besten Männer unserer Zeit, Albert Schweitzer, bemüht sich in Gedankengängen, die dem Ethos unserer Propheten nahestehen, darzutun, daß der Wiederaufbau nach'dem Verfalle unserer Kultur im Grunde nicht durch äußere Geschehnisse, nicht durch Technik und Wirtschaft, sondern durch geistig-sittliche Umstellung erfolgen muß, von der wiederum die Geschehnisse beeinflußt werden. Ich war tief berührt, als ich bei Schweitzer den Satz gelesen habe: Die Rabbinen der' alten Zeit lehrten, daß das Reich Gottes kommen würde, wenn nur ganz Israel einmal einen Sabbat wirklich hielte. Diesen sabbatlichen Frieden der Menschheit zu geben, müssen auch wir mit allen Kräften bestrebt fein. Schon glauben wir in dem Chaos, das uns umgibt, einige Linien zu sehen, die nach einer lichteren, wenn^auch noch recht entfernten Zukunft weisen. Die Völker und Staaten beginnen sich darauf zu besinnen, daß nur durch ihr Zusammenwirken die Menschheit in geordnete Bahnen gebracht werden kann. Sie gehen ein kleines Stück aus dem Wege des messianischen Gedankens, der unser Erbteil und unsere vornehmste Aufgabe ist. Diesen sabbatlichen Frieden wollen wir aber auch in unserem eigenen Hause walten lassen. In unseren Gemeindestuben und Versammlungen müssen die einzelnen Richtungen bei aller Wahrung ihrer Eigenart und Selbständigkeit die Gemeinschaft und ihre religiös-sittlichen Ausgaben über alles stellen. Nur wenn die Gemeinschaft gedeiht und ihre Grundlagen klargestellt sind, gedeihen auch die Glieder. Organisation und Wirtschaft aber dienen nur dem Ganzen. Und wenn wir unseren Reichsverband ausrichten, wollen wir ihn nicht nach mehr oder minder verbrauchten Formen bilden. Jüdischer Geist und jüdisches Ethos sollen Form und Inhalt bestimmen, der jüdische Gemeinschaftsgedanke soll die alte umfassende Körperschaft tragen und der sabbatliche Friede möge ihr nahe sein. Professor Dr. Stein, Karlsruhe: Vorsitzender des Oberrats der Israeliten Badens. Wir leben in einer Zeit der Not; schon hat sie an die Türen auch der Landes-Organisationen gepocht; wir fürchten, in diesem Winter wird sie in ihre Häuser eintreten: die Not der Verbände, der Gemeinden und der von ihnen betreuten Beamten, die Not der Anstalten und Einrichtungen und — noch mehr — die Not der Einzelnen. Wir müssen uns wappnen, ihr zu begegnen. Wir werden zunächst versuchen, mit den verringerten Mitteln auszukommen; das bedeutet Sparsamkeit in allen sachlichen Ausgaben, wo immer es angeht. Es heißt aber auch Zurückhaltung in der Besetzung neuer und Einsparung von frei werdenden Stellen. Ruhige Erwägung wird hier einen Ausweg finden, der die Aufrechterhaltnng von Gottesdienst und Unterricht und der anderen Gemeindeeinrichtungen gewährdie Ansicht der Kabbalisten über das Händewaschen zutreffend wieder. Für Quintus Fixtein weiß der Dichter keinen schönern Beruf, als deutscher Massoret zu werden. Denn Quintus Fixlein ist ein Bewunderer der nachtalmudischen Philologie, die man Massora heißt. In einem seiner eigenhändig geschriebenen Werklein, die er im Manuskript, „vom Buchbinder in goldene Flügeldecken geschnürt", in seine Büchersammlung mit einstellt, bemerkt einmal der Quintus ein wenig bitter: „Die Juden hätten ihre M a s o r a, die ihnen sage, wie oft jeder Buchstabe in ihrer Bibel vorkomme, zum Beispiel das Aleph (das A) 42377 — wieviel Verse darin stehen, wo alle Konsonanten darin austreten — (26 Verse sind's) — wie viele Verse man habe, worin gar 42 Wörter und 160 Konsonanten erscheinen (nur einer ist da, Jerenr. XXI, 7), welches der mittelste Buchstabe in einzelnen Büchern sei — (im Pentateuch 3. B. M. XI, 42 ist's das adelige V) oder gar in der ganzen Bibel. Wo haben wir Christen einen ähnlichen Masoreten für Luthers Bibel aufzuzeigen?" Diese Bibelvers-Statistik ist eines jener Jean Panischen Einschiebsel, die satirisch wirken und doch nur Lesefrucht von alten Wissenszweigen sind. Gute Lesefrucht mit feinstem satirischem Kommentar ist folgender Satz (im „Siebenkäs"): „Obgleich die Rabbinen lehren, daß 12 Heukörbe mit leerem Gewäsche vom Himmel gefallen wären und daß 9 davon bloß die Weiber aufgegriffen hätten, so ist's doch nur mit der Einschränkung wahr, daß sich die Vorredner — und die Rechtsfreunde — besagte 9 Körbe zu ihrer Nutznießung erheiratet haben, von ihren Weibern als Eingebrachtes." Das Wort von den neun Körben ist talmudisch, und es verdient angemerkt zu werden, daß es im Talmud bei weitem jeanpaulischer klingt als bei Jean Paul selber. Im Traktat Kidduschin, Bl. * 49 b, lautet der Satz wie folgt: „Zehn Maß Gespräch kamen auf die Welt herunter, neun davon nahmen die Weiber und eines die übrige Welt." Aehnliche rabbinische Bonmots findet man fast in allen Werken des Dichters verstreut. Besonders häufig gebraucht Jean Paul biblische Wendungen, die freilich in seiner Fassung Bild und Gleichnis werden, so wenn er zum Beispiel den Vortag der Kirmes den Vorsabbath (einmal sogar den Borschabbes) nennt, oder den Spielwarenraum des kleinen Maria Wuz die Stiftshütte der Kindheit, oder die Flitterwochen eines jungen Ehepaares das Laubhüttensest des Herzens. Oder wenn er einmal den prächtigen Satz hinschreibt: Eine Braut ist für jeden, der sie nicht heiratet, ein heiliges Schaubrot. * Gottesdienste * Berltn-Rord«. Jaum Kippur-Gottesdienst: Kol nid re. Beginn 6.15 Uhr. Predigt: Dr. Mehler. Jaum Kippur. Beginn 10 Uhr. Predigt: Dr. Swarsenski. Jugendgvttesdievste am Jaum Kippur: Metzer Straße 1, vormittags 10 Uhr, Neila 4.30 Uhr. Die Predigte« werde« nur von Jugendlichen gehalten. Freitag, den 25. Srptemder, abends 7.15 Uhr. Predigt: H. Fallenderg. Sonnabend, de« 26. September, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Sonntag, de» 27. September, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Swarfensti. Freitag, de« 2. Oktober, abends 7.15 Uhr, Seelensleier. Predigt: Dr. Plotke. Sonnabend, den 3. Oktober, vormittags 10 Uhr, Seelenlseier. Predigt: Dr. Swarsenski. Sonnabend, den 3. Oktober, abends 6 Uhr. Predigt: Dr. Swarsenski. Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Salvmonfki. — Am Sonntag, dem 27. September, um 12 Uhr, Kndet eine Sukkoth-Feier für die Jugend im Auerbachschen Waisenhaus statt. Die Ansprache wird Herr Dr. Swarsenski halten. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten. Freitag, 25. September, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Freitag, 2. Oktober, abends 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Swarsenski (Seeleichier). Sonnabend, 3. Oktober, abends 6 Uhr. Predigt: Dr. Plvtle. Berlin-Westend. Gottesdienste in der 'Herderfchnle, Bayernallee 4: Borabend des Bersöhnuagsssestes: Sonntag, den 20. September, abends 6 Uhr. Predigt: Dr. Ealliner. Versöhnnngsfest: Montag, den 21. September» vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Andorn. Gottesdienste in der Leistikowstraße 7-8: Freitag, den 25. September, abends 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Swarsenski. Gottesdienst am Freitag, dem 2. Oktober, abends 7.15 Uhr. Predigt: Dr. Mehler. Sonntag» den 4. Oktober: Simchas-Thora-Eottesdienst, vormittags 10 Uhr in der Leistikowstraße 7-3 Barmizwahlftier. Predigt: Dr. Swarsenski. Berlin. Jüdische Relvrm-Gemetnde. Bersöhnungssest Borabend (Jom Kippur), Sonntag» den 20. September, 6.15 Uhr. Johannisstraße: Dr. Lehman»; Hochschule: Dr. Jelsli; Schöneberg: Dr. Rosenthal. Versöhnungsfest vormittags (Jom Kippur), Montag, den 21. September, 10 Uhr. Johannisstratze: Dr. Rosenthal; Hochschule: Dr. Lehmann: Schöneberg: Dr. Jelsli. Bersöhnungssest nachmittags (Jom Kippur), Montag, den 21. September, 5.15 Uhr. Johannisstratze: Dr. Jelsli; Hochschule: Dr. Rvsenthal; Schöneberg: Dr. Lehmann. Der Jugendgottesdienst findet gleichzeitig mit den Vormittagsgottesdiensten statt: 1. im Beisaal Johannisstratze 16, 2. in der Aula Hardenbergstratze 36, 3. im Bezirksverordnrtensaal des Rathauses Schöneberg, Rudolph Wilde-Platz. Der Besuch der Jugendgottesdienstes ist auch für Kinder von Nichtmitgliedern unentgeltlich. Ansiünfte und Eintrittskarten täglich 9—2 Uhr im Büro der Jüdischen Reform-Gemeinde, Johannisstratze 16, Telephon: D. 1, Norden 5150. Gottesdienste am Lau-hüttenfest, Schlutzfest und Simchath Thora. Sonntag, den 27. September, vormittags 10 Ahr: Laubhüttenfest, Johannisstratze 16, Predigt: Dr. Rosenthal; Kleiststraße 10, Predigt: Dr. Jelski. Sonnabend, den 3. Oktober, vormittags 10 Uhr: Laubhütten- Schlutzfest mit Seelenfeier. Johannisstratze 16, Predigt: Dr. Lehman«. In der Kleiststraße findet au diesem Tage kein Gottesdienst statt. Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 10 Uhr, Johannisstraße 16: Gefetzesfreude, Gottesdienst der Jugend, Ansprache: Alfred Hadra. In der Kleiststraße findet an diesem Tage kein Gottesdienst" statt. leistet, auch wenn manche Gewohnheit leidet und mancher Sonder wünsch nicht mehr erfüllt werd en kann. Wir müssen Zurückhaltung auch von den Gemeinden fordern. Nur dann werden wir ihnen mit unseren Mitteln wirksam beispringen können, wenn sie zunächst durch Sparsamkeit und aus eigener Kraft sich selbst zu helfen suchen. Unseren Beamten wird vielleicht noch manches Opfer zugemutet werden müssen. Wir wollen es nur mit Maß und nur im Zwang der Not fordern: mögen sie dabei bedenken, wie viele Nichtbeamtete nicht wie sie vor dem Wenig, sondern vor dem Nichts stehen. Jean Paul zitiert viel, aus allen möglichen Schriften auf allen möglichen Wissensgebieten, und es versteht sich geradezu von selbst, daß ec, der ehemalige Theologe, auch das jüdisch-religiöse Schrifttum nicht ganz vernachlässigt. Zuweilen aber griff er bloß aus diesen alten Schriftwerken, einen Gedanken auf und bearbeitete ihn auf seine Weise. Wer kennt nicht den köstlichen Brief Leibgebers an seinen Freund und Doppelgänger und einstigen Namensvetter, den Armenadvokaten Siebenkäs? In diesem Brief wandert Leibgeber zurück in die Ilrschöpfungstage und fühlt sich mit einemmal als ersten Menschen, als Adam im Paradiese. Als erster Mann, dem die Eva aus seiner Rippe geschnitten wurde, wirst er einen Blick in die Zeiten der Zukunft und läßt die tommenden Geschlechter an sich vorüberziehen, um zu ergründen, ob es sich verlohne, die Erde zu besamen. Adam sieht die regierenden Häupter, die er alle zeugen kann, wenn er will, er sieht die Männer der philosophischen Fakultäten, die Landesdeputierten, ferner Dompröbste, Senioren, Zivilisten, Kriminalisten, Publizisten, er sieht Pariser, Wiener, Leipziger, Dubliner, Kuhschnappler, und — ihm vergeht die Lust, die Erde zu besamen. Bald jedoch ändert sich das Bild: die heidnischen Evangelisten kommen zum Vorschein, Sokrates, Cato, Epiktet, Antonin, ihnen folgen die Ahnherren der Weisheit und der Dichtkunst, Aristoteles, Plato, Shakespeare, Newton, Rousseau, Goethe, Kant — und Adam freut sich, der Urpapa solcher vortrefflichen Leute zu werden. Friedrich Schlegel meinte mit Recht, daß Jean Paul schon durch diesen Brief den Namen eines großen Dichters verdiene. Umso interessanter dürfte der Hinweis sein, daß der Gedanke einer Vorschau Adams in den Schoß der Zeiten doch eigentlich recht alt ist; er findet sich bereits im Talmud. Im Traktat Aboda Sara, 5 a, heißt es wörtlich: „Der Heilige, gelobt sei er, ließ den Adam (im Paradiese) die kommenden Geschlechter der Menschheit schauen, jedes Geschlecht und seine Forscher, jedes Geschlecht und seine Weisen." Bei Jean Pauls Belesenheit auch im altjüdischen Schrifttum ist die Annahme wohl berechtigt, daß rhm auch dieser talmudische Ausspruch bekannt war. Es ist nicht gut mögliche im Rahmen eines Aufsatzes alle biblischen und rabbinischen Wendungen und Aussprüche anzuführen, die in den Werken Jean Pauls verstreut sind. Das eine steht fest: das Maß von Jean Pauls Kenntnissen im altjüdischen Schrifttum war so beträchtlich, daß es sich verlohnen würde, darüber eine Dissertation zu schreiben. MIT GAS WARMWASSER WÄW MIT GAS Einfachste Installation anstelle des Wasserleitungshahnes und Verbindung mit der Gasleitung durch biegsames Aluminiumrohr zu kaufen: 2.— RM. monatl. bei 33 Raten 3 — RM. monatl. bei 21 Raten 60.— RM. bei Barzahlung zu mieten: 1.50 RM. monatlich BERLINER STÄDTISCHE GASWERKE A.G. BERLIN C 2. NEUE FRIEDRICHSTRASSE 109 8PR.: E 2, KUPFERGRABEN 0013, APPARAI »00 Auch in allen Geschäften des Gasag-Systems zu haben iu. ie Hier febtrenneni An die Berliner Städtische Gaswerke Akt.-Ges. 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