Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 34-35 (2.9.1931)
- Date
- 1931-09-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrstuhls vorlag. Bel der Abmachung, die seinerzeit zur Begründung des LchrstuW führte, haben die ÜntechäMer der Liberalen, was Herr Tr. Kollenscher selbst zugeben mußte, erklärt, daß jte nur die damalige Fraktion, mcht aber bie künftige, nach den Neuwahlen eintretende Fraktion, verpflichten können. Obendrein ist aber dreierlei geschehen, was bei jenen Besprechungen unmöglich vorausgesehen werden konnte: Erstens haben während der Wahlen — nicht einmal, sondern unzählige Male — in den Debatten über die Neugestaltung der Gemeindrarbeit die Wähler zum Nusdruck gebracht, daß fte in den Zeiten finanzieller Bedrängnis eine Einengung der Gemeiudeausgabrn wünschten, und daß Ausgaben, die in guten Zelten vullcicht gerechtfertigt werden konnten, jetzt zu unterbleiben hätten. Keine Fraktion der Welt könnte über diese wiederholt deutlich ausgesprochene Meinung der Wählerschaft hinweggchcn. Ter zweite Punkt ist d-e grrnicht voranszuschcilde Steigerung der Notlage der Gemeinde. Es werden noch ganz andere Kulturaufgaben der Gemeinde vernachlässigt werden müssen, um nur das Gefüge der Genieinde m die Zukunft h'nüberretten zu können. Dritteiis aber, und darauf wies Herr Rechtsanwalt Stern mit besonderem Nachdruck hin, als die Unterhändler der Liberalen und der damaligen Fraktion die Gründung des Lehrstuhls beschlossen, glaubten sie, in der Universität Jerusalem eine wissenschaftliche, d. h. streng neutrale Einrichtung vor sich zu sehen. Nachdem haben die Verhandlungen aus dem Kongreß in Basel mit erschreckender Klarheit enthüllt, daß die zionistische Partei die Universität als eine rein z-,onistische Angelegenheit, als eine Institution ansieht, die in den Dienst der Pflege des jüdisch-nationalen Geistes gestellt werden soll. Tiefe Beschlüsse des Kongresses wäscht kern Regen ab und es kann keiner Gemeinschaft zugeinutet werden, ein Institut zu unterstützen, das nach beut Willen der Gründer in eine bestimmte Parteirichtung gedrängt werden soll. Rechtsanwalt Stern wies darauf hin, daß. selbst wenn die Notlage der Gemeinde nicht vorhanden wäre, kein Liberaler heute in der Lage sei, für eine gewollt national-jüdische Institution heute noch Mittel zu bewilligen. Die Erhaltung der Universität muß. solange diese Tendenz besteht, Sache derer sein, die die Tendenz billigen. In der Frage der Jewich Agency wurde wiederum die bekannte Gegensätzlichkeit der Anschauung über die Neutralität dieser Institution bekundet. Zeit und Ort waren für erne grundsätzliche Debatte sehr wenig geeignet. Tie Volks- Partei wird sich damit abftnden müssen, daß die Liberalen vorläufig sich der Agency fern halten. Rechtsanwalt Stern wies auf die seinerzeit gepflogenen Verhandlungen hin, in welchen der gute Wille der Liberalen, in eine wirklich neutrale Agency cinzutretcn, zu Erfolgen nicht geführt hat und er erklärte ferner, daß die Liberalen es für ein Unrecht hielten, die Kräfte der Gesamtjudenheit nur aus Palästina zu konzentrieren, während im Osten Millionen von Juden vor dem Untergang ständen. Tie Liberalen seien zu einer wirklich neutralen Gemeinschaftsarbeit auch heute bereit, vorausgesetzt, daß sich diese auf allen Gebieten auf eine großzügige, wahrhaft neutrale jüdische Siedlungsarbeit ausdchnt. Er machte ferner mit Nachdruck darauf aufmerksam, daß die seinerzeitige Beteiligung der Gemeinde an der Agency tatsächlich zu Unrecht erfolgt sei. Berlin sollte der nichtzionistischen Gruppe der Agency angchören. Es war also seinerzeit eine Verfälschung des Willens der Nichtzionisten, wenn die Zionisten in der entscheidenden Abstimmung mit ihren Stimmen die Nichtzionisten majoristerten. Hätten seinerzeit nur die Zlonistcn, wie es allein richtig war, mitgestimmt, wäre ein Eintritt der Gemeinde in die Agench überhaupt nicht erfolgt. Wir wiederholen mit allem Nachdruck das, was in der vorigen Sitzung gesagt worden ist: man möge endlich aufhören, allgemeine Fragen zu diskutieren, in einer Zeit, rn welcher das Nächstliegende zu erledigen schwer genug ist. Wenn es gelungen sein wird, die Gemeinde über den Abgrund hinüberzusühren, der sich jetzt vor ihr austut, dann wird es vielleicht wieder Zeit sein, sich in interessante, aber rein theoretische Diskussionen vor der OeffentliclMt einzulassen. Neues Gebetbuch für die Berliner Orgel-Synagoge Es wird in allgemeiner Erinnerung sein, daß seit langer Zeit Erwägungen über die Einführung eines neuen Gebetbuches für die Berliner Orgelsynagogen angestellt werden. Die Ursachen sind teils praktischer Natur: die Bestände an alten Gebetbüchern sind vergriffen; teils ideeller und organisatorischer Art: die jetzige Liturgie stammt in allen Hauptteilen aus einer sechzig Jahre zurückliegenden Zeit, ist also revisionsbedürftig, und die von einzelnen Synagogen, z. B. von der Prinzregentenstraße, selbständig Angeführten Aenderungen haben den Anstoß dazu gegeben, daß die Gebetbuchstage grundsätzlich aufgerollt wurde, daß man versucht, sie jetzt einheitlich zu regeln. Das vom Liberalen Knltusausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden herausgegebene liberale Einheitsgebetbuch konnte von der Berliner Gemeinde nicht übernommen werden; es find aber Verhandlungen geführt worden, das Einheitsgebetbuch in einer besonderen Berliner Fassung herauszugeben. Diese Verhandlungen sind .bisher nicht abgeschlossen und sind, sofern wir richtig unterrichtet sind, durch die vorjährigen Gemeindewahlen unterbrochen worden. Wie uns mitgeteilt wird, veranstalten die Vorstände der Synagogenvereine Neue Synagoge, Lindenstraße, Lützowstraße, Fasanenstraße, Levetzowstraße und Prinzregentenstraße gemeinsam ani Mittwoch, dem 2. September, abends 8 Uhr, in der Synagoge Fasanenstraße 79/80 einen Vortragsabend, bei dem Professor Dr. Jsmar Elbogen über: „Das neue Gebetbuch für die Berliner Orgelsynagogen" sprechen wird. Im geselligen Teil wird die bekannte Vortragskünstlerin Edith Herrnstadt-Oett i n g e n Mitwirken. Wir werden über die Veranstaltung in der nächsten Nummer berichten. Für heute wollen wir die jüdische Oeffentlichkeit auf den Bortrag Hinweisen und zugleich bemerken, daß es uns ausgefallen ist, unter dm veranstaltenden Vereinen den „Liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" vermissen zu müssen. Der „Liberale Verein" befaßt die Besucher aller Orgelfynagogen in sich und ist der Exponent aller liberalen Bestrebungen innerhalb der Berliner Gemeinde. Bei den Vorarbeiten für eine so bedeutungsvolle religiöse Angelegenheit, wie es die Einführung eines neuen Gebetbuches ist, Tann die führende Mitwirkung des Liberalm Vereins nicht entbehrt werden, ganz abgesehen davon, daß schließlich dre Gemeindeinstanzen: Liberale Fraktion, Repräsentantenversammlung und Vorstand es sind, die nach Abschluß der Vorarbeiten die ausschlaggebenden Entscheidungen zu treffen haben. Die Vorarbeiten aber müssen auf breiteste Grundlage gestellt werden, alle religiös interessierten Liberalen müssen daran Mitwirken, und das kann nur dadurch geschehen, daß dem Liberalen Verein gemeinsam mit den Synagogenvereinen die Leitung dieser Arbeit übertragen wird. Noch eine Frage: Warum ist der F rieben Stempel nicht dabei? Auch er ist ja eine Orgel-Synagoge, und die Mehrzahl seiner Besucher legt Wert darauf, dem Liberalismus zugezählt zu werden und an den Angelegenheiten des Liberalismus mitzuwirken. —tz. Vom Jugendgottesdienst der Liberalen Synagoge Norden in Berlin Von Hermann F a l k e n b e r g. Tie Liberale Synagoge Norden hat feit mehreren Jahren einen Ingendgottesdienst von besonderer Prägung für die hohen Feiertage eingerichtet, der über den Rahmen der gegenwärtigen Jugendgottesdienste der Jüdischen Gemeinde weit hinaus geht, sowohl in der Zahl der Gottesdienste als auch in der Auswahl und dem Inhalt der Gebete. Er umfaßt — neben den üblichen Tagesgottesdiensten — auch die Vorabende von Rausch haschono und Jaum Kippur. Der Aufbau der Liturgie ist inehr dem großen Gottesdienste angepaßt; doch ist dem Bedürfnis wird der Fassungskraft der Jugend Rechnung getragen. Dabei ist natürlich auf Vollständigkeit und Lückenlosigkeit der Stchfe des großen Gottesdienstes verzichtet, Wiederholung möglichst vermieden. Neben den grundlegenden und wesentlichen Stammgebeien, den Vorlesungen u. ä. und den für die Jugend besonders geeigneten Gemeindegesängen, sind vorzüglich d i e Teile des Gottesdienstes ausgewählt, die nach ihrem Inhalt oder nach ihrer sprachlichen Form oder nach i h r e m musikalischen Gehalt den Charakter und die Stimmung der hohen Feiertage besonders wirkungsvoll errki Ilgen lasse n. Dazu gehören z. B. Hammelech, U'n'ssLrrne taukef, die Awaudo, Psalm 130 (Aus der Tiefe), al taschlichenu, die Seelenseier. Eingeschaltet werden an bestimmten Stellen Psalmen und religiöse Gedichte (auch neuerer Dichter) sowie eine Anzahl Uebertragungen einzelner Gebete, Vorsprüche, Schlüsse, die teils umgearbeitet, teils fast neu geschaffen sind, da die vorhandenen weder nach ihrenr Umfange noch nach ihrer Sprache für die Jugend sich eignen. Als selbstverständlich kommt hinzu die Vorlesung der Thora (zuerst deutsch im 'Zusammenhang, dann hebräisch im Trop), die für den zweiten Tag anders gewählt ist (5. Buch Mose, 30, 1-16 und 19—20), die Vorlesung der Hastara (deutsch) sowie die Predigtansprache von ca. 10 Minuten Tauer. Eine neue Einrichtung stellen die kurzen, ca. 2—3 Minuten dauernden Einleitungen zu den Haftarot dar, die der Vorlesende frei zu schaffen und vorzutragen h«t. Sie haben, ebenso wie die Vorsprüche dre Aufgabe, in kurzen Zügen Wesen und Inhalt der Gebete und Vorlesungen dem Gefühl nahezubringen. Charakteristisch für diesen Jugendgottesdienst ist ferner die andersartige Beteiligung der Funktionäre. Der Versuch, die Jugend zur aktiven Mitwirkung heranzuziehen, ist in weitestem Maße — und mit bestem Erfolge — durchgeführt und der Jugendgottesdienst ganz auf aktive TeilnahmederJugendeinge stellt. > Es muß aber unter allen Umständen verhindert werden, daß die Würde des Gottesdienstes und seine Wirkung auf die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen nicht etwa durch minderwertige Leistungen, wie sie bei nichtberufsmäßigen Funktionären leicht eintreten können, beeinträchtigt werde. Deshalb sind vorher im Kreise der Jugend, in eingehender Besprechung mit Vertretern religiös eingestellter Jugendoerbände, die Notwendigkeiten und Schwierigkeiten eines solchen Gottesdienstes, die Wünsche der Jugend und die Wegrichtnng ihrer Beteiligung beraten und festgelegt worden. Es stellten sich dabei genügend geeignete jugendliche Kräfte freiwillig zur Verfügung, so daß alle Funktionen von ihnen ausgeübt und die Auswahl und Verteilung unter sie nach eigenen Wünschen vorgenommen werden konnte. Alle Alijaus, Pesichaus, der Vortrag der deutschen Gebete, Psalmen und Gedichte, die Vorlesung der deutschen Thora- und Haftara-Abschnitte, das Leinen der hebräischen Thora-Abschnitte im Trop, das Schofar-Blasen ist ihnen überlassen. Neu und bedeutsam ist, daß nicht bloß die kürzen freien Einleitungen zu den Haftara-Vorlesungen, sondern auch die Predigtansprachen Jugendlichen übertragen sind, meist jungen Studenten oder Schülern höherer Lehranstalten. Tie einzige Ausnahme bildet der Kantor, der, gemeinsam mit dem Organisten, den ungestörten Ablauf des Gottesdienstes gewährleisten und bei etwaigem unvorhergesehenem Versagen eines jugendlichen Funktionärs (z. B. Bet der hebräischen Thora-Vorlesung) einzuspringen hätte. Seine Tätigkeit ist aus die kantoralen Gesänge beschränkt, die eine stimmlich, musikalisch und liturgisch vorgebjldete Kraft voraussetzen. Ein eigentlicher Chor ist nicht vorhanden. Chor ist die singende Jugend-Gemeinde, wobei 'das Harmonium und eine berufsmäßige Sängerin als Chorsührerin eine wesentliche Rolle spielen. Auch den Vorsteherdienst üben fast nur Jugendliche aus. Ein Anfsichtsbeamter ist nicht vorhanden. Tie Selbstzucht der Jugend ist im allgemeinen so, daß ern solcher Beamter sich nicht als notwendig erweist. Ein Gebetbuch ist leider noch nicht vorhanden. Tie Agende für die großen Jugendgottesdienste der Gemeinde reicht nicht aus, das Gebetbuch für den großen Gottesdienst ist für diese Zwecke ungeeignet. Um den Kindern wenigstens irgend eine Möglichkeit zur aktiven Betätigung bei Gebet und Gesang zu geben, ist eine kleine Agende unserer Gemeindegesänge zusümmengcstellt und mit Maschinenschrift vervielfältigt worden. Ties kleine Büchlein, das allen Kindern unentgeltlich in die Hand gegeben wird, erfüllt, so unzureichend auch dieser Notbehelf ist, seinen Zweck vollkommen: aber er regt umso mehr den Wunsch nach einem gedruckten Gebetbüchlein für den Jugendgottesdienst an. Der Versuch, den Jugendgottesdienst «us die oben beschriebene Basis zu stellen und nach diesen Grundsätzen zu gestalten ,r st — nach dem einstimmigen Urteil aller anwesenden Erwachsenen und der Jugendlichen — aufs glücklichste gelungen. Der starke Eindruck und die andächtige Stimmung waren bis zum Ende ungeteilt. Das erfreulichste Ergebnis aber ist der Eifer und Gewandtheit, die Wärme und Hingabe. mrt der die Jugend die ihr anvertrau, len Funktionen ausübt. Bei allen Funktionen, auch bei den Ansprachen, wird es deutliche daß die Wirkung, die von Jugendlichen auf die thnxn nach Alter und Empfindung näher stehenden Jugendgenossen stärker zu fern scheint als von den fernerstehenden Erwachsenen. ' * , _ Der Jugendgottesdienst der Liberalen Synagoge Norden, der leider in völlig unzureichendem, unfestlichem Raum (Saal des Wohlfahrtsamtes Prenzlauer Berg, Metzer Straße 1) stattfindet, wird auch in diesem Jahre, auf der gleichen Grundlage aufgebaut, ab geh alten. -- Noch ist er der einzige seiner Axt. 5)öffentlich wird die Gemeinde-Verwaltung die bisherigen liberalen Jugendgottesdienste, die sich als völlig unzureichend erwiesen haben, inhaltlich und organisatorisch baldigst auf eine andere Grundlage stellen und nach unserm Beispiel ausbauen, auch das Gebetbüchlein schaffen, das zur vollen Wirksamkeit des Jugendgottesdienstes notwendig ist.^ Tre Vorarbeiten für beides sind längst getan. Das Beispiel der Liberalen Synagoge Norden hat gezeigt, daß ein wirklich von der Jugend getragener Jugendgottesdienst auch die Jugend (wie selbst Erwachsene) zu fesseln und zu wahrer gottesdienstlicher Weihe zu führen vermag. Rabbiner Dr. Georg Mlde zu seinem 2Sjährigen Amtsjubiläum Unter denjenigen Rabbinatssitzen, die in per neueren Zeit und in der Geschichte des liberalen Judentums durch hervorragende rabbinische Führer berühmt geworden sind, steht die Synagogengemeinde Magdeburg mit an vorderster Stelle. Rabbiner Dr. Ludwig Philipson, Rabbiner Dr. Moritz Güdemann, Rabbiner Tr. Rahmer — alle drei sind unvergessen, und unvergessen wird auch bleiben, der nach mehrjährigem, auf Tr. Rahmer folgendem Interregnum im Jahre 1906 sein Nachfolger wurde und Anfang August dieses Jahres sein 25jähriges Amtsjubiläum begehen ko:nute: unser Gesinnungsfreund und Führer Rabbiner Dr- Georg Wilde. Ter Name braucht nur zu erklingen, und schon steht die ebenso gütige wie aktive, die ebenso humorvolle wie heilig-ernste Gestalt dieses Mannes lebendig vor uns. Lebendig wie sein Naturell ist auch seine Sprech- und Schreib-, art, und das, was ihn unvergessen machen wird, sind seine religiösen Bilder. Unter dem Titel „Religiöse Bilder" hat er 1914 zum erstenmal seine Pcedigtsammlungen veröffentlicht; jede Predigt beginnt mit einem Märchen, einer Erzählung, nach altjüdischer Weise also mit einew^ Midrasch, an Hand dessen der Redner und Autor die Gedanken seiner religiösen Verkündigung lebendig veranschaulicht. Aber nicht nur seine Predigten beginnen so; wer seine wissenschaftlichen oder polemischen Aussätze gelesen hat, wer seine programmatischen Reden auf den Tagungen dev „Vereinigung für das liberale Judentum" in Frankfurt a. M. (1927) und in Breslau (1930) gehört hat, der weiß, baß Dr. Wilde auch in den Angelegenheiten des Tageskampfes sich der selbstgedichteten Erzählungen als des lebendigen Ausdrucks mittels zu bedienen pflegt. Diese seine ErzMerkunst iH auch das Geheimnis, mittels dessen er in keiner Gemeinde Magdeburg sich in die Herzen der Jugend eingesungen hat, die ihn liebt und verehrt und die sich als Jüdisch-liberaler Jugendbund „Heimat" um ihn als den freigewählten Führer geschart hat. Leider sind die wirtschaftlichen und soziologischen Verhältnisse der Stadt Magdeburg so gelagert, daß der größte Teil der schulentlassenen Jugend Magdeburg verläßjt, die Universitätsstädte und Wirlschastszentren aussucht, so daß die Früchte von Dr. Wildes religiöser Erziehungsarbeit anderen Gemeinden zugutekommen werden: aber verloren wird diese Arbeit nicht sein, denn keiner von seinen Schülern und Schülerinnen wird dem Jndifferentismns anheimfallen. Auch seine Tätigkeit fm Dienste der Humanität und sozialen Wohlfahrt ist hoch zu rühmen: seine tiefinnerliche Anteilnahme an den Nöten der Wirklich" seit war es auch, die ihn 1914 dazu trieb, als Erster sich dem Kriegsministerium als Feldrabbiner zur Verfügung zu stellen. Aus dem theologischen Seminar in Breslau hervorgegangen, ist er den Breslauer Traditionen gemäß ein aufrechter Vorkämpfer des Liberalismus. Er gehört dem Vorstande der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" und, als Vertreter seiner Gemeinde, stellvertretend dem Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden an. Dem ehrenden Tank, den dem „maggid" von Magdeburg aus. Anlaß seines 25 jährigen Amtsjubiläums seine Gemeinde darbnngt, schließ sich ans vollstem Herzen und mit Glück- und Segenswünschen die „Bereinigung für das liberale Judentum" a n. George G o e tz. vereinsnachrichten Das Freizeit- und Wochenendheim des Jüdischen Frauerbundes. Vom Jüdischen Frauenbund wird uns mitgeteilt: Das seinerzeit von Henriette May in Woltersdorf ins Leben gerufene Freizeit- und Wochenendheim für berufstätige Frauen und Mädchen des Jüdischen Frauenbundes (Ortsgruppen Wilmersdorf, Grunewald, Dahlem) befindet sich, wie bereits bekannt gegeben, in diesem Jahre in Fangschleuse bei Erkner, Werlseestraße 8. Das streng rituell geführte Heim (Pensionspreis Mk. 3,50) hat herrliche Lage und ist auch über den Winter, da Zentralheizung vorhanden, geöffnet. Auch an den Hohen Feiertagen werden die Erholungsbedürftigen harmonische und schöne Stunden dort begehen können. Sendet de« fälligen veitrag für das 3. Quartal 1981 auf das Postscheck-Konto der Bereiuiguug für das liberale Judentum Berlin Rr. 137030 ein. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung. bei alle« Postämter« Deutschland»