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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-09-02 · 34-35 (2.9.1931) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
34-35 (2.9.1931)
Date
1931-09-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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forderlich gewesen, wenn die Gemeinde Berlin nicht nur die Errichtung, sondern auch die dauernde Erhaltung des Lehrstuhls hätte übernehmen sollen, denn es ist» durchaus nicht etwa selbstverständlich, daß der Begründer einer Einrichtung auch Idie Mittel zu ihrer laufenden Erhaltung aufzubringen hat. Wenn dies der Fall /sein soll, wird gewöhnlich ein Kapital sichergestellt, aus dessen Erträgen die jährl'chen Bedürfnisse befriedigt werden. Im übrigen unterliegt es dem freien Belreben des Stifters, ob er über das ursprünglich gespendete Kapital hinaus weitere Mittel hergeben will. Nach alledem haben die Liberalen die in der Ueöereinkunfi von 1928 enthaltene Vereinbarung innegehalten und das ihnen entgegengebrachte Vertrauen nicht, wie Dr. Klee aussührt, enttäuscht. Niemand hat das Recht, den Liberalen vorzuwerfen, daß sie dex Uebereinkunft zuwidergebandelt Huben. Verwalkungsumbau — Personalabbau der Berliner Gemeinde Von Moritz Rosent lial. Seit einigen Wochen hat die im November v. Jhrs. gewählte liberale Mehrheit die Verwaltung der Berliner Gemeinde übernommen. Der neue Gemeindevorstarrd ließ sich durch eine Treuhänder-Organisation ein Gutachten über den Stand der Verwaltung und der Finanzen machen. — Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß die Organisation der Gemeinde auf eine neue Grundlage gestellt werden muß. — Der Plan für diese Neugliederung der Gemeinde ist nunmehr fectiggestellt; wir glauben, in kurzer Zeit alle Zweige der Verwaltung so organisiert zu haben, daß mit möglichst wenigen Arbeitskräften eine einwandfreie Führung der Geschäfte gewährleistet ist. Der neue Gemeinde-Vorstand mußte einem sehr großen Teil der Angestellten kündigen, 1.) weil, wie oben ausgeführt, die Verwaltung überhaupt mit einer geringeren Anzahl von Menschen geführt werden soll und kann, 2.) weil aus den verschiedensten Gründen Angestellte in die Gemeinde gekommen sind, für welche heute kein Platz mehr ist. — Die Finanz katastrophe der letzten Wochen kommt als verschärfendes Moment bei dem Angestellten-Abbau hinzu. Eine Verwaltung, die mit Voraussicht geführt werden soll, muß sich überlegen, welche Ausgaben bei den jetzigen Verhältnissen unbedingt durchgeführt werden müssen und welche Beträge für Personalkosten überhaupt tragbar erscheinen. Bei einem Steuereingang von ca. 7 Millionen Mark hatte die Gemeinde Personalunkosten von ca. 6> Z Millionen. Mit größtem Optimismus kann man wohl für das nächste Jahr ein Stenereinkommen von mehr als 4 Millionen Mark nicht annehmen. Auf dieser Zahl muß der gesamte neue Etat aufgebaut werden. Die Gemeinde wird gezwungen sein, bei dem Personalabbau in einer Weise vorzugehen, die auch Härten nicht ganz vermeiden läßt. Immerhin werden die Geineindemitglieder es eher verstehen, daß beim Abbau Härten in Kauf genommen werden müssen als daß in dieser besonders schwierigen Zeit am Etat des Wohlfahrtsamtes, der ja den Aermsten der Armen zugute konrmt, Einsparungen zu Gunsten von Angestellten vorgenommen werden. Die Jüdische Rundschau schreibt in ihrer letzten Nummer, es sei den Vertretern der Jüdischen Bolkspartei in unermüdlichen Anstrengungen gelungen, den geplanten Massenabbau zu verhindern. Diese Mitteilung beruht auf einer falschen Einschätzung der Kräfte der Volkspartei. Alle Milderungen des Massenäbbaus, die die Volkspartei als Großtat auf ihre Liste schreiben möchte, sind bei Beginn der Mbauaktion schon geplant gewesen Es ist von dem Personaldezernenten, bevor die Kündigungen herausgegangen sind, der Angestellten-Vertretnng mitgeteilt worden, daß bei dem Abbau, soweit es die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde gestatten, Rücksicht auf die Verhältnisse des einzelnen genommen wird. Daß aber etwa alle Angestellten bis zum' Frühjahr des nächsten Jahres in der Gemeinde bleiben sollen, ist von der Angestellten-Vertretnng niemals verlangt und vom Personal-Dezernenten auch nie zugesichert worden, versprochen wurde nur, die abzubauenden Angestellten, soweit sie sich in einer Notlage befinden, möglichst während des Winters mit Notstandsarbeiten zu beschäftigen. Die Gemeinde-Mitglieder haben ein Recht, von der Verwaltung zu verlangen, daß bei allen Verwaltungs- Maßregeln nicht nur das Herz, sondern auch in gleicher Weise der Verstand zu sprechen hat. In ihrer letzten Sitzung hat die Repräsentanten Versammlung dem Anträge des Geineindevorstandes ans Emgruppierung der Beamten und Angestellten in die Reichsbesoldungsordnung zugestimmt. Diese Eingruppierung, die leider viel mehr die mittleren als die oberen Grupppen trifft, wird eine Mind e r ausgabe von ca. 600009,— Mark verursachen, eine Summe, die, so hoch sie auch erscheinen mag, doch nur klein ist zu den bei der heutigen Lage der Gemeinde-Finanzen notwendigen Einsparungen. Die Verhandlungen nüt der Stadt Berlin auf Ucberuai)me_ der Schulkosten sowie auf Zahlung von Renten für in unseren .Heimen befindliche Wohlfahrtsempfänger werden mit größter Energie durchgeführt, damit die Einnahmeßite unseres Etats erhöht wird. Auf der anderen Seite wird man besonders im Schuletat große Abstriche machen müssen, nur auch diesen den veränderten gemeindepolitischen und finanziellen Verhältnissen anzupassen. Sobald der neue Verwaltungs-Apparat eingespielt sein wird, werde ich in einem zweiten Artikel die treue Gliederung der Berliner Gemeinde darstellen, sowie einen Ueberblick geben über die Ausgaben, die dem Gemeinde-Vorstand als die dringendsten und unter allen Umständen ausreckt zu erhaltenden erscheinen. Sitzung der Berliner Repräsenkanlen-Bersammlung Die Repräsentanten-Versammlmrg hatte sich in ihrer Sitzung am 17. August neben einer Reihe laufender Verwal tungsgeschäfte vor allem mit drei grundsätzlichen Fragen zu beschäftigen, mit der Frage des Beamtenabbams, des Lehrstuhls für die Universrtät Jerusalem und mit der Frage der Stellung der Gemeinde in der Jewish Agency. Das Nebeneinander dieser drei Punkte ist bezeichnend. In dem Augenblick, in welchem der Personal-Dezernent der Gemeinde ein erschütterndes Bild von der Finanzlage der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands entrollte und mitteilte, daß der bisherige Etat verrnutlich ebenso halbiert werden müsse, wie die Steuereingänge nur noch zur Hälfte eingingen, in dem Augenblick hätte eine verantwortungsbewußte Gemeindeverwaltung sich ohne Diskussion einmütig hinter den Gemeindevorstattd zur Herbeiführung der notwendigen Maßnahmen stellen müssen. Stattdessen hörte man eine Reihe von Reden, die von Mitleid für die durch den notwendigen Abbau betroffenen Beamten überguoll, aber der Sachlage sehr wenig gerecht wurden. Die „Jüdische Rundschau" hatte in ihrer letzten Nummer diese Fäden fortgesponnen, indem sie die dankbare Rolle des Beamtenschützers übernimmt und die Beamter: und Angestellten ihrer unentwegten Hilfsbereitschaft versichert. Das ist natürlich eine Geste, die leicht zn machen ist. Denrgegenüüer muß aber mit voller Schärfe und Deutlichkeit darauf hrngewiesen werden, erstens, daß es keine Richtung und feilte Verwaltungs- Körperschaften in der Gemeinde gibt, die nicht mit sehr schwerem Herzen an eine Maßregel herantritt, welche Einzelne, vielleicht sogar viele Einzelne und viele Familien in schwere Bedrängnis bringt. Es ist daher nichts weiter wie billige Popularitäts-Hascherei, lverm jetzt die Volkspartei sich allein als die Schätzerin der kleinen Leute hinstellt. Zweitens. Keine verantwortungsbewußte Gemeindkwerivattung darf so gewissenlossein, Angestellte und Beamte weiter zubeschäftigen in. einem Augenblick, in. dem sie die unumstößlichst Gewißheit hach daß sie zu einer Bezahlung außerstande nt. Tre Gemeindeverwaltung handelt direktpflichtwidrig, wenn sie Rechtsansprüche eingeht, zu deren Erfüllung sie sich von vornherein, außerstande sieht. Endlich nnd allein ist es nicht Schuld der jetzigen Gemeindeverwaltung, wenn eine Reihe von Angestellten brotlos wird. Nicht derjenige ist schuld, der um der Erhaltung der großen Gemeinschaft willen, um die Erhaltung unserer Anstalten, unserer Wohlfahrtspflege willen den Beamtenapparat in dem leider nötigen Ausmaße verkleinert, sondern die schwere Verantwortung fällt zurück auf diejenige Gemeindeverwaltung, welche den Beamten- und Angestellten-Apparat in. einer Weise aufgebläht haben, die zu den Notwendigkeiten des Gemeindeapparates in keinem Verhältnis stand. Kein Büro dürfte mit mehr Angestellten besetzt werden^ als unbedingt nötig. Das ist leider im großen Ausmaß-., geschehen. Es waren nicht die Stellen da, die mit Menschen besetzt werden konnten, sondern es waren teils aus Mitteid, teils aus Gründen der Politik Menschen zu versorgen und hierfür wurden Stellen geschaffen. Wenn man die Gemeinde Berlin arbeitsfähig erhalten wollte, so mußte man wieder einem normalen Arbeitsapparat herbeiführen. Die Männer, die sich dieser schweren Aufgabe unterzogen haben, verdienen Dank und Unterstützung' und keine Gegnerschaft. Natürlich inuß danach getrachtet werden — und darüber sind sich alle an der Gemeindeverwaltung mittätigen Menschen einig —, daß versucht werden muß, einen Weg zu finden, der das Gemeindeinteresse mit dem Interesse der Einzelnen vereinigt. Zu diesem Zweck bat auch die Repräsentanten-Versainmlung eine Kommission eingesetzt, die hoffentlich ganze Arbeit leistem wird. Wenn man sich nun in der volksparteilichen Presse darüber aufregt, daß trogdem die Kündigungen herausgegangen sind, so wird wohl übersehen, daß eine Frist zu wahren ist und daß diese Frist vorsorglicher Weise eingehalten werden mußte. Es brauchte nach dem Beschluß der Repräsentanten- Versainmlung und des Personal Dezernenten, daß überflüssige Harten vermieden werden sollen, gar keine Beunruhigung der Beamtenschaft einzutreten und es wäre Pflicht der Presse, eine etwaige Beunruhigung zu dampfen, statt sie zu schüren. Der Gemeindevorstand wird, wie wir hoffen, seinen Weg gehen, ohne .Härten, aber auch ohne falsch angebrachte Sentimentalität. Wer eine große Gemeinschaft erhalten will, kann nicht nach seinem Herzen gehen, sondern muß den veranrwortungsbewußten Vorstand mitsprechen lassen. Neben der Frage des Angestelltenabbaues wurde auch noch die Frage der Einführung der Reichsbesoldungsordnung besprochen und beschlossen. Eine Kommission ist gebildet worden, welche die Angleichung der jetzigen Gehaltsstufen an die Reichsbesoldungsordnung fordert. Die- Vertreter der Beamten weisen mit Recht darauf hin, daß die Einführung der Reichsbesoldungsordnung ein schweres Opfer bedeute^ und daß es ihnen kaum möglich sein wird, zu Gunsten anderer Angestellter und insbesondere der mittlere: Stufen, um diese in ihren Stellungen zu erhalten, noch wesentliche Opfer zu bringen. Es war daher völlig überflüssig, daß von volksparteilicher Seite eine Partei gegen die andere ausgespielt wird. Wenn nun im Anschluß an die Frage des Beamtenabbaues, welche die Notlage unserer Gemeinde grell enchüllte, dre Frage der 15 000 RM. jährlich für den Palästimr- Lehrstuhl besprachen wurde, so hätten cs die Gegner der Weiterbewilligung der 15000 RM. leicht gehabt, wenn sie auf die Notlage der Gemeinde hingewiesen hätten. Sie hätten sich sogar aus der Angelegemhett mit diesem Hinweis gut herausziehen können. Herr Tr. Klee hielt es für nötig, in eurer großen Rede, die inzwischen auch in der „Jüdischen Rundschau" veröffentlicht worden ist, Ken Liberalen Bruch eines gegebenen Versprechens vorzuwerfen! Ja, er rief sogar das Andenken des verstorbenem Parteiführers der Liberalen, Herrn Professor Türk,, zur Hilfe, um eine rechtliche und moralische Pflicht zur Erhaltung des Lehrstuhls herzuleiten. Demgegenüber konnte Rechtsanwalt Heinrich Stern mit Recht darauf Hinweisen, daß weder eine moralische, noch eme rechtliche Pflicht zur Weite-rbewilsigung des Bernard Shaw über das Judentum Durch die jüdische Presse geht die Nachricht von einem Interview, das Bernard Shaw während seiner Rußland- Reise dem Vertreter der „ITA" gewährt und in dessen Verlauf er sehr eigenartige Aeußcrungen über die Judensrage von sich gegeben haben soll. Das Wesentliche ferner sehr ausführlichen Bemerkungen besteht darin, daß er von den Juden behauptet, sie hätten nicht, wie man allgemein annimmt, Minderwertigkeitsgefühle, sondern im Gegenteil Ueberwertigkeitskomplexc, übertriebene Arroganz und Rassenstolz. Die Juden sollten „der Welt, die mit ihnen Frieden gemacht habe" (!), auch ihrerseits entgegenkommen und durch die Mischehe'das jüdische Problem zum Verschwinden bringen. Er selbst stamme auch aus einem arroganten Volke, nämlich den Iren. Gerade er dürfe daher den Inden den Rat erteilen, durch die Mischehe mit der Welt „Frieden zu machen". Wir haben davon Mstand genommen, das wie gesagt sehr ausführliche Interview in seinem vollen Wortlaut unseren Lesern knitzuteilen. Der Hauptgrund für diese unsere Zurückhaltung bestand in der Unsicherheit und Unnachprüsbarkeit der meisten aus Rußland stammenden Nachrichten. Da aber andererseits die Meldungen über dieses Interview bisher unwidersprochen geblieben sind, möchten wir heute, in aller Kürze, bemerken, daß die Mischehe ein zn ernstes Problem ist, als daß man sie mit einigen aus dem Aermel geschüttelten Stegreif-Bemerkungen behandeln dürste. Ganz allgemein aber möchten wir hier etwas zum Ausdruck bringen, was in der Wiener „Wahrheit", dem Organ der „Union österreichischer Juden", Dr. David Feuchtwang in so ausgezeichneter und treffender Weise geschrieben hat, daß wir uns darauf beschränken dürfen, seine Worte hier zu wiederholen: „Ich halte es für unvernünftig und sinnlos, bedeutende Männer durch Befragen über Dinge, welche sie trotz ihrer Größe durchaus nicht zu verstehen brauchen, zn unüberlegten, weil spontanen Aeußerungen zu zwingen. Sie sind nicht allwissend. Es ist ein Mißbrauch, der solchen Menschen nur Verlegenheiten bereitet, auch wenn sieHauptmann, Einstein, Shaw usw. heißen." ~_tz- Eonstanttn Brunner über die I Selbstemanzipation der Juden Erst vor wenigen Wochen, in Nr. 28/29 vom 22. Juli, wurde in diesen Blättern von einem der bedeutendsten und führenden jüdisch-liberalen Theologen Deutschlands, Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld, die große Bedeutung aufgezeigt, die das philosophische Gesamtwert von Constantin Brunner für uns deutsche Juden hat. Dr. Norden hatte seine Ausführungen im Anschluß an das vor Jahresfrist erschienene Werk von Brunner „Von den Pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates" sowie au die neuerschienene Schrift „Höre Israel und Höre Nicht-Israel?" (beides im Gustav Kiepenheuer Verlag) gemacht. Soeben teilt nun die „Jüdische Telegraphen-Agentur (ITA)" mit, daß die bekannten, altrenommierten „Preußischen Jahrbücher", s. Zt. von Delbrück begründet, in ihrem August-Heft 1931 einen Aufsatz von Brunner „Ueber die notwendige Selbstemanzipa-' tion der Juden" veröffentlichen, der auch als Sonderdruck der „P.J." erschienen ist. Die „ITA" bringt ans diesem Aufsatz einen Auszug, dem wir folgendes entnehmen: Brunner will die Emanzipation der Juden vorantreiben „durch das einzige, wodurch sie vorangetrieben werden kann: durch die Selbstemanzipation". Er verlangt vom Central- Verein, daß dieser die Juden zu einer solchen Selbstemanzipation erweckt. Der Central-Verein, schreibt er, ist die Organisation für die politische Führung der Juden; doch darf sich seine Politik nicht aus Abwehr beschränken. Keine noch so klag organisierte Abwehr kann Helfen, wenn nicht die Vollführung der Selbstemanzipation die .Hauptarbeit leistet. Der Zionismus, meint Brunner, ist polittscher Unsinn, er ist der Unsinn in der neueren Geschichte. Br. führt das Leiden der Juden darauf zurück, daß sie, dem Aberglauben zuliebe, das Gebot der Natur, die Anpassung, übertreten haben; und immer noch, als wären sie ewig gebunden an diesen Aberglauben, saugt er sie weiter vorwärts in das Verachtet- und Gehaßtwerden, in das Los des Nichtvolk-Volkes. Brunner erklärt, er rede hier nicht von den zionistischen Juden, sondern von dem latenten Zionismus in denjenigen Juden, die sich selbst nicht für Zionisten halten. Latenter Zionismus ist der Unsinn, der sie noch heute am freien Ergreifen ihrer Wirklichkeit behindert; er schafft ihnen dm Zwiespalt der in sich sich trennenden Seele. Solcher Art Menschen, in sich zerworfen und wie fußlos stehend, gilt es freilich auch mrter Nichtjudeu, unter Indem denn aber insbesondere durch den latenten, in verkleideter Form sich äußernden zionistischen Separatismus^ wovon den meisten Juden auch in Deutschland immer noch eignet. Die deutsche Judenheit, führt Brunner weiter aus, muß von der Notwendigkeit ihrer Selbstemo.nzipatton zu hören bekommen. Man müsse dem Deutschen in ihnen gegen den Juden in ihnen zu Hilfe kommen. Brunner weist auf seine Schrift „Höre Israel!" hin und erklärt: Man hat nun gesagt, ich forderte von den Juden die Selbstausgabe? Und doch fordere ich nur die Selbstaufgabe ihres Menschenunglücks. Allerdings fordere ich die Aufgabe des jüdischnationalen Namens „Juden", weil es in Wirklichkeit nur noch solche von jüdischer Abstammung gibt, keine Juden mehr, kein jüdisches Volk mehr. Denn Inden ist dasselbe wie: die vom Volk der Juden. Daß sich „die Juden" nicht mehr für das jüdische Volk halten, liegt eingeschlossen im Begriff der Judenemanzipation. Daß die noch mosaisch Religiösen, erklärt Brunner, ihre Religion anfgeben sollten, fordere ich nicht; meine Forderung, ihre Religion wäre letzten Endes von jüdisch-nationalem Charakter zn entkleiden, bedeutet keineswegs Aufgabe ihrer Religion. Aber darin, daß ein Teil derer von jüdischer Abstammung an der mosaischen Religion noch hält, will man darin einen Grund erblicken, deswegen nun diesen Teil mit samt dem übrigen, nicht mehr mosaisch religionisievten Teil, nach d?m jüdisch-nationalen Namen Juden, also nach dem Namen eines anderen Volkes als ihres wirklichen Volkes, zn benennen? Oder glaubt man, mit dem Namen Juden für gewisse Menschen werde auch das Judentum aus der Welt verschwinden? Das Judentum (nicht zu verwechseln mit der mosaischen Religion!) scheint ein ewiges Ferment aller Geschichte zu bleiben und trä.qt sich selbst durch die Völker, durch die Menschheit. Wegen seines Egoismus darf ich dem Menschengeschlecht trauen, es wird so Wertvolles wie das Judentum des alten jüdischen Volkes nicht umkommen, es wird einen seiner schönsten Krondiamanten nicht verloren gehen lassem Der heutigen Juden bedarf es nicht zur Erhaltung dieses geistigen Judentums: wenn nur mit seiner Herrlichkeit recht viele von den heutigen Juden das Herz sich überfüllten, das wäre schön!

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