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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-07-22 · 28-29 (22.7.1931) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
28-29 (22.7.1931)
Date
1931-07-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zentralstelle für Arbeitsnachweise gebeten, die notwendigen Unterlagen über die etwaige Notwendigkeit der Errichtung weiterer neuer Arbeitsnachweise und im besonderen auch über das Erfordernis besonderer Kurse für jüdische Erwerbslose zur Fortbildung und zur Erhaltung der Berufsfähigkeit in den Gemeinden zusannnenzustellm. Die notwendigen Maßnahmen sollen gemeinsam von Zentralstelle und Landesverband getroffen werden. Die Gemeinden sollen in einem Rundschreiben auf die Wichtigkeit nicht nur der materiellen, sondern auch der geistigen und seelischen Fürsorge für die jüdischen Erwerbslosen, besonders die erwerbslose Jugend im einzelnen hingewiesen werden. Im Interesse einer gedeihlichen Gemeinschaftsarbeit mit den großen Zentralorganisationen und gleichzeitig zur Sicherung eines Einflusses des Landesverbandes auf die Verwaltung und Geschäftsführung der subventionierten Anstalten und Organisationen delegierte der Wohlfahrtsausschuß Vertreter in eine Reihe von Anstalten und Organisationen. Die vom Ausschuß bewilligten Subventionen bedürfen noch der Bestätigung durch den Rat. Gebrauchsmusik und Gemeindegesang Von Oberkantor Hermann Zivi, Elberfeld. Nachdem der Berliner Kapellmeister Hans Heinrich Peys e r in seinem manchmal auch den Widerspruch herausfordernden, sonst aber bemerkenswerten Aussatz: „Gedanken zur neuen musikalischen Liturgie der Reform gemeinde"*) den lapidaren Satz geprägt hat: „Man muß sich darüber klar sein, daß gottesdienstliche Musik in gewissem Sinne „Gebrauchsmusik" ist, das heißt, das einzelne Tonstück ist nicht immer als absolute Komposition zu werten, sondern muß oft im Zusammenhang mit, man möchte sagen als „Dienerin" der einzelnen gottesdienstlichen Handlung betrachtet werden, so kann man ihm nicht dankbar genug sein für die prägnant umrisseue Formulierung eines Gedankens, den auch ich stets vertreten habe und vertreten werde, wenn es sich darum handelt, gottesdienstliche Musik, insbesondere für die Zwecke des Gemeindegesanges zu würdigen und zu werten. „Gottesdienstliche Musik" ist „Gebrauchismusik", das ist das Alpha und Omega der ganzen Gesangbuch-Frage, sie ist „Gebrauchsmusik" nicht nur im jüdischen, sondern auch im Sinne der Kirche, die wohlweislich und mit größten» Erfolge das Volkslied und den populär ansprechenden Volkston zugrunde legt und daraus die „gottesdienstliche Musik" hervorgezaubert hat. Die Größe von Joh. Seb. Bach besteht nicht allein in seiner unerreichten „Kunst der Fuge", sie besteht ebensosehr auch darin, die Eigenart der „gottesdienstlichen Musik" ersaßt und sie mit Kunst und Geschmack mit den für eine PopularitätsMöglichkeit notwendigen Eigenschaften ausgestattet zu haben. So konnte sie „Gebrauchsmusik" werden, Musik für jedermann, Musik für alle Zeiten des immer aufs neue wieder sich abrollenden Jahres und für alle in ihm sich bergenden Gelegenheiten. Musik für das Alter und Musik sür die Jugend. Alle Phasen des Lebens sind von ihr berührt und alle ihre Töne sind dem Leben geläufig. Das ist „Gebrauchsmusik" im Sinne einer volkstümlichen Kunst, deren größte Gefahr darin besteht, mehr als „kunstvoll" gekünstelt" zu sein. Was den von Zeit zu Zeit in die Erscheinung tretenden Gebrauch gottesdienstlicher Musik im Leben der Gemeinde betrifft, so kann dazu nicht oft genug gesagt werden, daß die Gesamtheit dieser Musik unter dem Vorzeichen der „Einfachheit" stehen muß. „Einfachheit", und zwar vornehme Einfachheit ist das Haupterfordernis in melodischer Beziehung, wie auch, was die Orgelbegleitung betrifft, in harmonischer. Die Stimmführung muß sich von allen Trivalitäten fernhallen, und sie muß frei sein von allen Erinnerungen an die Musik der Heilsarmee. In ihrer Einfachheit muß sie frisch und lebendig sein und vor allen Dingen gdeignet, durch die Annehmlichkeit des Wohlklanges leicht fließet»- dem Bewußtsein des gottesdienstlichen Sängers sich einzuverleiben. Die Form, in der abseits vom Choral der Kirche die Auswirkung jüdisch-gottesdienstlicher Musik sich zu vollziehen hat, entspricht in ihrer Wesenheit mehr dem Charakter des religiösen L-iedes. Sie unterscheidet sich dadurch vom protestantischen Choral, dessen isometrische Formen unjüdisch sind, weil sie kein Leben in sich bergen, weil sie zur Melancholie hinsühren, die im Pessimismus verankert ist. Wer von solchen Gesichtspunkten aus jüdisch-gottesdienstliche Musik zu würdigen und zu werten weiß, wer insbesondere weiß und davon durchdrungen ist, daß sie in der Hauptsache „Gebrauchsmusik", vielleicht auch „Alltagsmusik" im Sinne alltäglichen Gebrauches ist, der wird sich davon leiten lassen, daß künstlich geschraubte und gekünstelte Dinge dem Ohr des Alltags und der Menge nicht liegen, daß vielmehr die Struktur der gottesdienstlichen Musik so geartet und gelagert sein muß, daß ein jeder imstande ist, sich innerhalb ihrer Auswirkung als Gemeindegesang ohne weiteres zu betätigen. Eine solche Musik zu schaffen ist natürlich auch eine Kunst. Ihr gegenüber muß immer und immer wieder betont werden, daß die einfache volkstümlich« Melodie oberstes Prinzip ist und bleibt. *) Nr. 3 der „Mitteilungen der Jüdischen Resormgemeinde zu Berlin" vom 1. Mai 193l.;; * j Sprechsaal j: * Für diese Rubrik übernimmt die Schrtstleitung lediglich dt« pr«fp gesetzliche Verantwortung. Auch eine Waffe gegen den Antisemitismus Bon Meta Fuß-Op et, Breslau. Wieder bestätigt sich die alte Erfahrung, daß« die allgemeine Not ein Anwachsen der antisemitischen Bewegung zur Folge hat. Ist es doch so bequem, oen Juden die Schuld an allem Bösen zuzuschieben. Wir wehren uns gegen diese lügnerischen Behauptungen in Wort und Schrift, wir scheuen keine Mühe, keine Kosten, um sie zu widerlegen. Vielen von uns ist aber eine noch viel wirksamere Waffe in die Hand gegeben, nämlich den zahlreichen Juden, die Arbeitgeber sind. Zu ihnen können sich aurtj; die zählen, die nur einem einzigen Menschen, zum Beispiel tfner Hausangestellten, Brot und Lohn geben. Jeder jüdische Arbeitgeber möge sich einmal die Frage vorlegen, ob er auch als solcher ein Kämpfer gegen den Antisemitismus ist, oder ob er etwa durch sein Verhalten den Judenhaß noch steigert. Tie Juden als Arbeitgeber erfreuten sich bis jetzt eines guten Rufes. Besonders Hausangestellte bevorzugten Stellungen in jüdischen Häusern, aber auch Arbeiter und kaufmännische Angestellte waren gern bei jüdischen Firmen tätig. - * r Leider ist dies in den letzten Jahren vielfach, anders geworden. Die politischen Gegensätze haben sich/ verschärft. Arbeitgeber und Arbeitnehmer trennt eine immer breiter werdende Kluft. Für die Juden in ihrer Gesamtheit ist dies verhängnisvoll, denn viele christliche Arbeitgeber aus der 'Großindustrie unterstützen mit ihren reichen Mitteln Verbände, die antisemitisch eingestellt sind, vor allem den Nationalsozialismus. Sie wissen wohl, warum sie dies tun. Der Haß, den sie als Vartreter des' Großkapitals zu fürchten haben, wird dadurch auf die Juden abgelenlt... Was aber können die jüdischen Arbeitgeber tun, um solchen Manövern entgegenzuwirken? Sehr viel. Bor allem müssen sie sich darüber klar sein, oaß sie ihre Befugnisse den Arbeitgebern gegenüber nicht mit derselben Bedenkenlosigkeit anwenden dürfen wie christliche Arbeitgeber, denn wie erfahrungsgemäß alles Tadelnswerte, was ein Jude tut, so würde auch das unsoziale Verhalten eines jüdischen Arbeitgebers allen Juden zur Last gelegt werden. Sehr viele Arbeiter und Angestellte gehören heutzutage linksradikalen, also nichtantisemitischen Parteien an. Wie nahe liegt die Gefahr, daß sie aus Erbitterung gegen irgend einen jüdischen Arbeitgeber zu dem äußersten rechten Flügel überschwenken, sich! also den Nationalsozialisten anschließ,en. Es ist doch nun einmal Tatsache, oaß auf die große Masse des Volkes der Radikalismus, sei er von links oder rechts, bte größte Anziehungskraft ausübt. Uns Juden aber darf es keineswegs gleichgültig sein, wenn die radikale Rechtspartei, zu deren wesentlichen Programmpunkten die Entrechtung der Juden gehört, noch stärker wird. T>arum sei sich vor allem der jüdische Arbeitgeber feines unmittelbaren Änslusses aus den christlichen Arbeitnehmer bewußt. Er kann Haß, aber auch Liebe ernten; wenn er nur ernstlich will, soviel Liebe, daß er einen Antisemiten zürn Judensreunde wandeln kann. Ties kommt häufig vor, aber es könnte und sollte noch viel öfters geschehen. Gewiß leiden die Selbständigen unter den Juden unter der allgemeinen Wirtschastsnvt vielleicht noch schwerer als die andern, aber nicht alle, es gibt noch, manche, denen die Not bisher fern geblieben ist. Gerade diese, für die ein Rückgang ihres Unternehmens noch lange keine Gefahr oder gar Entbehrungen bedeutet, sollten die durch die Konjunktur bedingte Verschlechterung des Geschäftsganges nicht zuerst die Arbeitnehmer entgelten lassen. Sie sollten beachten, daß sie als Juden aus die Shmpathien ihrer Arbeitnehmer nicht leichtfertig verzichten dürfen, die, wenn einmal verloren, schwer wiederzugewinnen sind. Sie sollten nie vergessen, daß ihnen ihr Judentum besondere Verpflichtungen auferlegt. Jeder handle danach an seinem Platze, von der Hausfrau angefangen, die ohne verletzenden Hochmut, ohne L a u n e nh a st i g ke i t der pflichttreuen Hausangestellten mit gleichmäßiger Freundlichkeit entgegenkomm en soll As zu dem Direktor oder Inhaber des großen Jndustrieunternchmens, von dem tausende von Arbeitnehmern abhängig sind. So mancher Arbeitgeber, der sich bisher das sprichwörtlich gewordene „jüdische Herz" bewahrt hat, wurde im schweren Daseinskämpfe nervös und verschloß, sich gegen die Not seiner Mitmenschen. Er sei sich! der Tatsache bewußt, daß er sich -eine# zweischneidigen Schwertes bedient, wenn er ohne zwingende Not zur Kurzarbeit, Lohnherabsetzungen und Entlassungen seine Zuflucht nimint. Gerade diese Mittel zur Auftechterhaltung seines Unternchmeris sollte er erst dann versuchen, wenn alte anderen erschöpft sind. Der jüdische Arbeitgeber aber, dem es seine Verhältnisse noch irgendwie gestalten, sollte für seine Angestellten und Arbeiter immer etwas mehr leisten, als es das Gesetz vorschreibt. Sein soziales Verhalten sollte für andere vorbildlich sein, bis es dahin kommt, daß allgemein jüdische Arbeitgeber, Männer und Frauen, als die besten und edelsten gelten. Um dieses Zieles willen sollte man auch gern ein Opfer bringen, anstatt diejenigen noch mehr entbehren zu lassen, deren Leben meist 'sowieso nur eine Kette von Entbehrungen ist. Wer dazu berufen ist, der bediene sich dieser Waffe gegen den Antisemitismus, ehe es zu spät r'st. ★ BÜCHERSCHAU ★ M. Stengel, Religionslehrer an der Israelitischen Kultusgemeinde Wien: „Iwri onauchi“, illustrierte hebräische Fibel; Verlag Josef Belf, Wien. Man kennt sie jetzt allmählich, diese im Laufe der letzten drei, vier Jahre aufgekommenen hebräischen Fibeln, nicht mehr trockne Lehrbücher, die zunächst das ALphabeth und sodann die Vokabeln für den Siddur enthalten, sondern: Bilder, Bilder, vergnügte Bilder aus Familie und Haus, Schule und Gotteshaus, vom Spielplatz und von der Reise, und alles mit kurzen, lustigen Texten! Diese Fibeln entsprechen nicht nur den Grundsätzen modernster Pädagogik, sondern für das besondere Gebiet der hebräischen Fibeln kommt noch ein glücklicher Umstand hinzu, der diese Elementar-Lehrbücher zeitgemäßester Art als wirklichen Fortschritt empfinden läßt: Der hebräische Unterricht ist uns Teil des Religions-Unterrichts, soll also das Bibelstudium vorbereiten. Der ganze Anfang der Bibel nun, Schöpfungs- und Patriarchen- Erzähhingen weisen vorwiegend einen Vokabeln-Bestand auf, welcher der Umgebung und damit der Vorstellungswelt des Kindes entspricht, jener Welt, die vorhin genannt wurde: Familie und Haus usw., z. B. Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Tisch, Milch, Kuh; Sonne, Mond, Licht, Himmel, Erde, Wasser usf. Natürlich birgt dieser Umstand auch wieder eine Gefahr: das gleiche Vokabularium bietet auch die Uebergangsmöglichkeit zur hebräischen, d. h. zionistischen Profansprache; und es läßt sich nicht leugnen, daß von einigen Verfassern derartiger Fibeln dieses von uns abgelehnte Ziel bewußt verfolgt bezw. zumindest m i t verfolgt wurde. Das ist bei der vorliegenden Stengel sehen Fibel, obwohl der Titel zunächst derartiges vermuten läßt, erfreulicherweise nicht der Fall, im Gegenteil, bei fortschreitendem Unterricht wird der Lernstoff immer mehr religiös: Bedeutung und Bräuche unserer Feste, religiöse Erzählungen treten immer mehr in den Vordergrund, und den Beschluß bilden, sicher nicht ohne Grund und Absicht, einige Gebetstücke. Das Buch reiht sich also unter die anderen, früheren, würdig ein. Freilich dürfen gewisse Mängel nicht verschwiegen werden: die Bilder sind zwar, im Gegensatz zu denen anderer Fibeln, koloriert, aber doch recht primitiv; Druckfehler in dem von den Kindern zu lernenden hebräischen Text dürften in solchem Buch nicht Vorkommen; und, vor allem: man soll zwar morgens mit dem Hahnenschrei erwachen und sogleich beten — und es ist also gut gemeint, spricht aber nicht für psychologische Begabung, wenn der Verfasser einen buntgefiederten Hahn auf einem Erdhäufchen abbildet und i h m heiligste Worte, die hier dem Kind zum ersten Mai zu lesen gegeben werden, zusammen mit allerbanalstem Zeug in den Mund legt: „Schma Jisroel, kikeriki, kikeriki! Steh auf, Mädel, steh auf, Jung, steht auf und sprecht das Maudelv ani (das Morgengebet)!“ So ungefähr lautet übersetzt, was da mit hebräischen Buchstaben und in hebräischer Sprache gedruckt steht! — Nun 'könnte man ja \sagen: welches Buch hätte keine Mängel?, und die früheren sind auch nicht vollkommen. Das ist an sich richtig, aber es bleibt doch bedauerlich, daß, wenn bei uns Juden wirklich einmal einer eine gute Idee hat, sie sofort nachgeahmt und zu Tode gehetzt wird. So war es mit der deutschen Hagadah, deren erste Seligmann schrieb, so ist es nun mit diesen Fibeln, deren wirklich ersten Autor ich nicht kenne. Es stünde doch wirklich besser um die Sache des Judentums, wenn diese oft sehr tüchtigen Begabungen, anstatt bereits Vorhandenes zu vermehren, wirklich Neues schaffen wollten. George Goetz. Der Freitagabend-Gottesdienst in zwei Tonarten (in Es- und F-dur) komponiert von A. Z. Idelsohn. Herausgegeben von dem nationalen jüdischen Frauenverein der Vereinigten Staaten Nordamerikas. Der rühmilchst bekannte Musikforscher Professor Dr. A. Z. Idelsohn suchte in seinem Freitagabend-Gottesdienst die Frucht seiner Studien auf dem Gebiete der jüdischen Musik in den neu erschienenen Synagogengesängen niederzulegen. Idelsohn beginnt den Freitagabend-Es-dur-Gottesdienst mit einem Präludium, in dem er eine traditionelle Melodie des Freitagabend-Gottesdienstes, die im Kaddisch vor der Sch'morte Es re vorkommt, verwendet. Eine solche Anregung hat zwar Sulzer schon gegeben, nämlich, daß der Gottesdienst in den Orgelsynagogen, allerdings nur an den Feiertagen, mit einem Präludium beginnen soüe, in dem die an den betreffenden Festtagen übliche traditionelle Melodie verflochten sei. Für den Freitag-Abend aber ist Idelsohn der erste, der auf diese Weise den Beter in eine weihevolle jüdische Stimmung versetzt. Ich sage jüdische Stimmung, denn I. führt in seiner Vorrede sieben Leitsätze an, die man bei einem jüdischen Gottesdienst beachten soll. Nur die markantesten will ich hier an dieser Stelle wiedergeben: 1. Diie Synagoge muß jüdisch sein, um jüdische Gebete auszudrücken. 2. Die Synagogenmiusik muß, um jüdisch zu sein, sowohl in ihren Teilen, als auch in der Art der Komposition, rein sein, d. h. sie muß auf Motiven aufgebaut sein, die die Grundlage sind, auf der die echten Gesänge Israels bewußt oder unbewußt aufgebaut waren, und sie muß diese Motive in strikter Anlehnung an die Weisen benutzen, welche den Grundstock des jüdischen Gesanges bilden. 3. Um den Juden unseres Zeitalters die Synagogenmusik annehmbar zu machen, muß sie, an ihrer Eigenart dennoch festhaltend, auf der Basis der Europäischen Harmonie sich aufbauen. 4. Die jüdischen gottesdienstlichen Gesänge sollten, ihrer Tradition entsprechend, melodiös und leicht sein. Die Verwirklichung dieser Leitsätze sehen wir in dem Präludium und in dem darauf folgenden Sabbatpsalm Tow fhodos. Diese beiden Piecen sind im Stile von Wajechiullu und Mögen owos gearbeitet. Wohl bringen alle seit Sulzer bis jetzt komponierten Synagogengesangswerke den durch mündliche Tradition überlieferten Gesangsstil für die erwähnten Gebete. Daß es aber auch möglich ist, diesen Stil auch auf einen vierstimmigen Chor anzuwenden, zeigt uns Idelsohn. Hier sehen wir, wie Idelsohn „europäische Harmonie“ und zugleich auch den Händelsehen oratorischen Stil beherrscht. Jede seiner von ihm im Rahmen dieser Harmonie erfundene Figur legt Zeugnis davon ab. Dann weiter sein KortBichiu für Maariw, sein Schema Jisroel, sein Michomaucho mit dem Kantor-Solo, sein MaTchius’cho und W’schom’ru, alles dieses ist im Stile von Mögen owaus komponiert und melodisch und gesanglich durch die „europäischen Hanno nien“ ausgedrückt. Selbst der englische Text des Ahawas aulom atmet den traditionellen Stil von Waj'chullu und zeigt in der Bearbeitung der Chorsätze und der Soli den idealgesinnten Musiker und seinen hohen künstlerischen Ernst. Wie Idelsohn das Gebet des Knias Schema mit den N’ginos „Tropp“ vom Sabbat wiedergibt, bestätigt das wissenschaftliche Resultat, daß der Waj'diullu-Stil aus den Sabbat-N’ginos entstanden ist. Und wie schließt Idelsohn seinen Freitagabend-Gottesdienst in Es-dur! Mit einem Postludium, in dem wir viele Motive aus dem Sabbatpsalm in verschiedenen Imitationen wiederhören. Wenden wir uns nun dem Idelsohrschen Freitagabend- Gottesdienst in F-dur zu! Das Präludium und der darauf folgende Sabbatpsalm Tauw l’haudaus ist auf dem Adaunoj Moloch-Stil aufgebaut. Auch in den Rezitationen des Kantors jdomindert hier die Adaunoj Moloch-Weise. Welche Fülle melodischer Schönheiten finden wir daselbst, die von des Komponisten Inbrunst und von der Lebendigkeit seiner reichen Phantasie Zeugnis ablegen. In dem komponierten W’ahawos’cho verwendet Idelsohn die alt bekannte traditionelle W’ahawos’cho-Melodie mit interessanten melodisch kontrapunktischen Figuren. Der W'schom'ru zeigt den Stil des Waj’chullu des Gottesdienstes in Es-dur. Dies weist darauf hin, daß der Komponist mit den Stilarten voll vertraut ist und genau weiß, zu welchen Texten dieselben gehören. Auch der Schluß des Olenu-Gebetes Bajaum hahu jih’je und das Postludium sind im Adaunoj Moloch-Stil komponiert. So sehen wir, daß Idelsohn seine Freitagabend-Gesänge aus dem Quell Israels „M'kaur Isroel“ geschöpft und sie mit „europäischen Harmonien“ ausgeschmückt hat. Zum Schluß will ich nicht unerwähnt lassen, daß Idelsohn eifrig an seinem großen 10 bändigen Werke „Geschichte des Synagogengesanges“ arbeitet, das seiner Vollendung entgegengeht. 6 Folio-Bände hat Professor Idelsohn bereits davon veröffentlicht. Außerdem ist auch von ihm eine umfangreiche Arbeit „Jewish Music“ erschienen. Nicht allein die Kantorenwelt, sondern das Gesamtjudentum muß vor dieser gewaltigen Arbeitskraft voller Hochachtung stehen. „Wahrlich ein Geist ist in dem Menschen, und der Hauch, des Allmächtigen gibt ihm Einsicht.“ Musikdirektor Aron Friedmann. Weiteste Verbreitung bringend erbeten Verschollen Jizchak Schmidt aus Secureni, Bez. Hotin, Rumänien, 26 Jahre alt. Mittelgröße, dunkelblond, aus Brasilien, anscheinend geisteskrank, im April 1931 nach Bremen in Begleitung eines Herrn Ephraim Wenger zurückgekehrt. Nachricht erbittet herzlichst Rabbiner Dr. E. Munk, Berlin.

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