Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 28-29 (22.7.1931)
- Date
- 1931-07-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Enttäuschung In Schweden erzählt man sich folgende Episode, in der eine Fabrikmarke, ein rechtspolitisch eingestellter deutscher Industrieller und ein blondbärtiger schwedischer Hüne die Hauptrollen spielen. ' Ein schwedischer Großindustrieller, der Direktor der „Asca". in Göteborg, besuchte zu einer wirtschastlichen Verhandlung einen Berliner Industriellen. Im Lause der Unterredung erblickte der Berliner in der etwas geöffneten Aktentasche des Schweden einen Briefbogen der Güteborger Firma, dessen ausgedrncttes Warenzeichen sein Gemüt in heftige Wallung brachte: es war ein schön ausgesührtes Hakenkreuz. Gefühlsmäßig reagierte er aus diesen Anblick mit einem schneidigen Ausspringen, forschem Hackenschlagen und sprudelte, militärisch abgehackt, eine leutselige Solidaritätserkläruug herunter. Es sei ja unerhört erfreulich, äh äh.. . Gemeinschaftsgefühl nordischer Rassen, äh äh.... fremdrassige Konkurrenz einfach tot, äh äh... phantastische Ausdehnung der Bewegung, äh äh... und so weiter, äh äh... Der schwedische Hüne lächelte sein und strich sich seinen blonden Bart: „Sie irren sich leider, Herr Direktor. Das Zeichen auf der: Briefbogen ist die Fabrikmarke unserer Gesellschaft, die schon zu einer Zeit eingetragen wurde, in der es diese politische Richtung noch gar nicht gab. Ich selbst könnte mich auch gar nicht n:it dieser Bewegung identifizieren, denn ich bin Vorsteher der j ü d i s ch en G e m e i n d e in Göteborg." Gottesdienste Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Kottesdienst am Sonntag, dem 26. Juli, vormittags 10 Ahr, Johannisstraße IS. Predigt: Dr. Rvfenthal. Kleiststratze 10, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Jelski. Gottesdienste am Sonntag, dem 2. August, vormittags 10 Uhr, Johannirftraße 16. Predigt: Dr. Ielsli. Kleislstratze 10, vormittags 10 Uhr. Predigt: Dr. Rvfenthal. Aus den Gemeinden Vaifingen. (Aus der Gemeinde.) Huuptlchrer Unikower, der seit einigen Jahren hier wirkte und das religiöse Leben Vorteil- Hast zu beeinflussen ivnßtc, hat am 1. Juli die Lehrerstelle in Siin-- mern (Hunsrück) übernommen. Anläßlich seines Schemens wurde ihm ein sinniges Geschenk überreicht, das Haupllchrer Uuikvwcr mit Worten des Tankes für sich und seine Gattin, die bisher den Vorsitz im Fraucnverein führte, cutqezenneihm. Berlin. (Abgesagte R e p r ä s e u t a n t c n - S i tz n n g.) Am Montag, 20. Juli, sollte eine Sitzung der Berliner Rcpräseni tauten-Versammlung slattsinden. Zu dieser hatte die Bolkspartei folgende Resolution auf die Tagesordnung setzen lassen: „Mit Empörung gegen die Täter und voll tiefem Mitgefühl iür die Betroffenen hat die Jndenheit der Welt von den pogromartigen Ausschreitungen gegen die Jndcnschast Salonikis Kenntnis erhalten. Derselbe Ungeist chauvinistischer Verletzung, der an den deutschen Hochschulen gegen die jüdischen Studierenden sich Ivcndct, der an der Wiener Universität zu blutigen Schlägereien gesührt hat. ist mit brutaler Gewalt über unsere Brüder iir Griechenland hergesallen. Tie Jüdische Gemeinde in Berlin, getreu ihren Traditionen, erhebt ihre Stimme zu einem feierlichen Prolest vor der gesamten Kultnrivclt und versichert die griechische Jndenheit ihrer tiefempfundene,: Solidarität. Ten Opfern der Anssehrciiungcn stellt sie nach Maßgabe ihres Könnens einen Betrag für die erste Hilfeleistung zur Verfügung. Ferner beauftragt die Berliner Jüdische Gemeinde ihre Vertreter im Rate des Preußische:: Landesverbandes, den Landesverband zur Intervention beim deutschen Auswärtigen Amt zugunsten der griechischen Inden zu veranlassen. Vorfälle wie die in Saloniki, deren Urheber sich überdies mit politischen Gesichtspunkten zu rechtfertigen suchen, sind besonders iit ihrer Wiederholung geeignet, Haß zwischen den Nationen zu säen, und das schlechte Beispiel kann jederzeit jeden Minderheitsteil eines jeden Volkes aufs äußerste gefährden. Es liegt daher auf der Linie der deutschen auswärtigen Politik, gegen Vorfälle, lvie die von Saloniki, vor der Welt Öffentlich Stellung zu nehmen. Tie Fraktion der Indischen Volkspartei Gezeichnet: Tr. Klee, Berger, Rau." Auf Antrag der Liberalen Fraktion ist diese Sitzung abgesagt worden. Berlin. (Tr. Bruno Glase rseld 5 0 Jahre.) Unsere ideelle und vielfach auch personelle Verbundenheit mit dem Centralvcrcin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, hier schon oft hervorgehoden, gibt uns Veranlassung, unserem Mitgliede Tr. Bruno Glaserseld, dcni langjährigen verdienstvollen Vorsitzenden des Landesverbandes Groß-Berlin des Centralvereins auch an dieser Stelle zu seinem am 10. Juli in aller Stille und fern von Berlin begangenen 50. Geburtstag unsere herzlichsten» Glückwünsche anszusprcchen. Berlin. (Berufung.) Edith Herrnstadl-Octiingen ist als Lektor für Stimm-, Sprachbildung und Vortragskunst an die .Hochschule für die Wissenschaft des Judentums berufen worden. Tas „Berliner Tageblatt" vermerkt diese Nachricht mit der Hinzusüguug, daß zürn ersten Male eine Frau an einer solchen Stelle ivirkt. Breslau. (R c p r ä s c n t a n t e n s i tz u n g.) In der ain 8. Juli stattgesundencii Sitzung der Gemeindevertretung war der Hauptpunkt die endgültige Beschlußfassung über die „Julius und Paul Oeslreicher- Stiftung". Tiefes sehr beträchtliche Legat, dessen Uebernahine schon ungefähr 20 Jahre zurück!icgt, lvar eigentlich für ein jüdisches Waisenhaus bestimmt. Krieg und Inflation verhinderten die zweckdienliche Ausführung; inzwischen hatle sich auch insofern die Lage geändert, als für die schon hier bestehenden zwei jüdischen Waisenhäuser so wenig Pflegliirge vorhanden waren, daß sie in eine Anstalt zusammengelegt tverden sollten. Ter Gemeindcvorstand beantragte daher bei der Regierung eine Acndernng der Legatbestimmung dahingehend, daß auf dem auch ererbten Bauplatz Wohnhäuser für Klein- und Kleinstwohnungen errichtet werden, die an bedürftige Juden ca. 20 Prozent unter Sicdlungsmicte abgegeben werden sollen. Nach eingetrossener Genehmigung durch den Regierungspräsidenten wurde das Projekt (vorläufig st Häuser mit 33 Wohnungen) in finanzieller und bautcchnischcr Beziehung durchgearbeitct. Der Referent, Gemeindevertreter San.-Rat Horn, gab einen sehr anschaulichen Ueberblick. Tie Gemeindevertretung war sich durchaus darüber klar, daß der jährliche Etat durch die Ausführung und Instandhaltung mit einem Zuschuß belastet werden würde. Ta aber zwingende Gründe moralischer, juristischer und sozialer Natur für die alsbaldige Verwertung des Legates sprachen und da der Bau eine wenn auch nur kleine Minderung der allgemeinen und der jüdischen Erwerbslosigkeit bedeutet, fand die Vorlage einstimmige Annahme. — Außerdem wurde vom Vorsitzenden noch die Bitte ausgesprochen, daß die noch vorhandenen (?) kaufkräftigen jüdischen Kreise der Not der jüdischen Kunstlerschast Breslaus gedenken sollten. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung gedachte Herr Justizrat Perser in tiefempfundenen Worten der Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher, deren Beerdigung gerade an diesem Tage stattgefunden. Tie Versammlung erhob sich zu Ehren der Verstorbenen. — In nichtöffentlicher Sitzung gelangten noch einige Vorlagen zur Annahme, durch die die Bestimmungen der Notverordnung nur auf die Schultern der höher bezahlten Beamten und Angestellten der Synagogengemeinde gelegt werden. Namentlich hat man das Einkommen der Leichenwärter mit Rücksicht auf die besondere Schwere ihres Berufes aufgebessert. Ostseebad Crauz. (Einbruch in die Synagoge.) In die hiesige Synagoge, die für den Gottesdienst der Kurgäste dient, und die von der Synagogengemeinde Königsberg verwaltet wird, wurde bei Nacht ein Einbruch verübt. Der oder die Täter warfen die Fensterscheiben mit Steinen ein. Bon diesem Geräusch erwachte der Synagogendiener und tllie sofort herbei. Als die Täter den Synagogendiener kommen sahen, ergriffen sie die .Flucht und entkamen unerkannt. Es steht nicht fest, ob es sich bei' dem geplanten Einbruch um ein räuberisches Delikt handelt, oder ob nicht vielmehr von judenfeindlichen Elementen ein« Synagogenschändung geplant war. Letzterer Verdacht liegt besonders nahe, da in Ostpreußen bereits im letzten Jahre in zwei Synagogen, nämlich in die von Sensburg und die von Tilsit, eingebrochcn wurde, ohne daß etwas gestohlen tvordcn ist. Frankfurt a. M. (P r o fc s s o r Ar o n Frei m a n n 0 0 Jahre alt.) In Filehne (ehemalige Provinz Posen) erblickte Professor Tr. Aron Frcimann am 5. August 1871 als Sohn des weit über die Grenzen der Provinz rühmlichst bekannten 1881 als Rabbiner in Ostrowo verstorbenen Tr. Israel Freimann das Licht der Welt. „Wohl dem, der seinen Ahnen gern gedenket!" Mit Stolz kann dies der Jubilar des heutigen Tages von sich sagen. In einer kleinen Gelegenheitsschrist „Tie Familie Frcimann, Ettingcr, Horowitz" hat er diesen Familien, denen er entsprossen ist, oder verwandtschaftlich sehr nahe steht, eingehende und liebevolle Betrachtungen gctvidmet. Er steht in einer Reihe berühmter Ahnen, hervorragenden Rabbinern und Talmudisteu. Aron Frcimann, Stadtbibliothekar in Frankfurt a. M., der am 5. August seinen 60. Geburtstag feiert, reiht sich diesen Geistesgrößen würdig an. Wie einst Steinschneider die erste Autorität auf dem Gebiete der arabischen Bibliographie, so iß Aron Freimann unbestritten in der Gegenwart die erste Autorität aus dem Felde der hebräischen Bibliographie, die er mit Braun zusammen 1901—20 in einer diesbezüglichen Zeitschrift behandelte. Seit einigen Jahren ist er Mitherausgeber der Zeitschrift für jüdische Geschichte. Seine speziellen Bcrössentlichungen beziehen sich aus hebräische Inkunabeln, jüdische mittelalterliche Typographie und dcrgl. — Zuntz' längst vergriffene und zum Teil veraltete, seiner Zeit epochemachende Schrift über die synagogale Poesie des Mittelalters hat er jüngst neu mit Zusätzen nach den Resultaten der neuesten Forschungen herausge,reden. Hamburg. (Ter Etat der jüdischen Gemeinde.) In zwei tangeren Sitzungen beriet das Repräsentantenkollegium der Hamburger Teutsch-Jsraelitischen Gemeinde den Etat für das Rechnungsjahr März 1031 32. Vom Vorstand >var ihm vorgeschlagcn tvordcn, ein Budget mit 922 861 RM. Einnahmen und 1 081 162 RM. Ausgaben anzuuehmcn. Tiefe Lummen sollten sich im Einzelnen so verteilen, daß cltva 17 Prozent aller Gemeindegelder für das Schulwesen, vornehmlich für die Mädchenschule, 23 Prozent für Wohlfahrtszwecke, 11 Prozent für Verwaltung, 9 Prozent für Kultus, 8 Prozent für die Unterstützung lokaler und überlokaler kulturellen Zwecke und je 1 Prozent für Bcgräbnisivcsen und besondere Zwecke Verwendung zu finden hatten. An Einnahmen rechnete man mit 620 150 RM Eingang aus Steuern, 18 195 RM. ans Grundstücken, 97 100 aus Schulgeldern, 126 005 aus Bcgräbni>wescn uub 31 150 RM. aus kleineren Posten. Es hätte sich dann ein Defizit von 150 000 RM. ergeben, für dessen Deckung der Vorstand in geheimer Sitzung Vorschläge zu unterbreiten sich verpflichtete. Tas RepräsentantenkolleAium akzeptierte den ihm vorgelegten Entwurf in seinen Grundzügen. Es versuchte lediglich bei allen Positionen, bei denen ihm das möglich erschien, Einsparungen zu machen, die nicht das Defizit verkleinern, sondern der Wohlfahrt»- lasse zugute kommen sollten, die von 110 000 RM. im Vorjahre aus 86 000 RM. gekürzt worden tvar. Nach Vorschlägen der volksparteilichen Vertreter wurden die Einsparungen in der Hauptsache bei Vcrwaltungsposteu gemacht. So setzte man die Position Gemeindebüro um 10 020 auf 80 021 RM. herab, setzte für die Verwaltung, der Schulgebäude statt 25 000 nur 15 000 RM. ein und strich schließlich beim Kapitel Begräbniswcsei: 8000 RM., genau soviel, als cs bisher Zuschuß erfordert halte, so daß es jetzt 126 000 RM. als Turchgangsposten aufweist. Der lokalen Jeschiwa bewilligte man 5100 RM. Für das Jugendheim bewilligte man 1000 RM. mehr als vorgesehen, um ihm die Einstellung eines Heimleiters zu ermöglichen, schließlich subventionierte man auch die Rabbiner-Seminare, das Lchrgnt Rodges, das Kinderheim iir Wyk auf Föhr, die Jerusalemer Universität und Groß-Gaglow. Das Budget" der Wohlfahrtskasse erhöhte sich um 11 500 RM., das der ihr angeschlosseuen Mittelstandshilse um 5000 RM. — Danach sieht der Etat der Hamburger jüdischen Gemeinde folgende Ausgaben vor: Grundstücks- Verwaltung: 39 063, Büro: 79 001, Mädchenschulen: 185 000, Knabenschulen: 72 000, Heimerziehungswesen: 27 515, Jugendamt: 106 855, Religionsunterricht an Staatsschulcn:5 600, Gemeindebibliothek: 13 380, lokale kulturelle Institutionen: 11675, überlokale Vereinigungen und Institute: 8000, Abgaben an die beiden Kultrrsvcrbändc (denen nach dem „Hamburger System" die Synagogen und Rabbiuate übertragen sind): 33 000, außerdem an Pensionen und Darlehen für einen Tempelban 26 900, schließlich für Gesangenen-Seelsorge 2260, Altenhaus, Pflegeheim, Kindcrerholungsheim und Wohltätigkeitsvercine: 19 125, die WohltätigkeitSkasse der Gemeinde: 126 500, Nachbargemeinden und Verbände: 10 500, Stcucrverwaltung und Depofitcnkasse: 75 000 RM. Kassel. (Vom neuen israelitischen Friedhof.) In einer der letzten Sitzungen beschäftigte sich das Aeltcstenkollegiuin, wie bereits kurz erwähnt wurde, mit der neuen FriedhvssordnuuL. Ter neue Friedhof, der bald benutzt werden muß, stellt ein in sechs Quartiere cingeteiltes Feld eines großen Grundstücks dar, das die Gemeinde gegenüber dem alten Friedhof in Bettenhauseu erworben hat. Tie Piauicrungsarbciten, die unter der architektonischen und künstlerischen Leitung des Regierungsbaumeisters a. D. K. H. Sichel standen, nahmen längere Zeit in Anspruch und waren mühselig und kostspielig. Damit die zur Verfügung stehende Fläche auch zur würdigen Grabstätte ausgcstaltet werde, sollen di« einzelnen Gräber mit lebenden Hecken cingefriedigt und störende Steinaufbauten vermieden werden. Ehegatten werden ihre Grabstätten nebeneinander erhalten. Aschenrcste können nur in vorgeschriebenem Sarg beigesetzt werden, für orthodoxe Mitglieder der Gemeinde steht ein urnenfreics Feld zur Verfügung. Jedem Gemeindemitglied, das zwei Jahre hier ansässig ist, steht eine Grabstätte gratis zu. Die Beerdigungen werden von der Brüderschaft, dem Krankcnpflegeverein und dem Israelitischen Frauenverein übernommen, die auch die Beschaffung der Sterbeklcidcr, des Sarges, der Wachen und anderer Erfordernisse regeln und sic im Unvermögenssalle ans ihren Kassen bestreiten. Fundamente für die Grabstätten legt nur die Gemeinde an^ hinsichtlich des Gräbcrschmuckes und der Grabdenkmäler sind bejondere Bestimmungen vorgesehen. Der neue Friedhof wird wie der alte an Sonn- und Wochentagen, die keine jüdischen Feiertage sind, bis zum Eintritt der Dämmerung für den Besuch zugänglich gemacht. Köln. (Hohes Alter.) Am 22. d. Mts. vollendete Frau Theodore Breitcnbach, eine in weitesten jüdischen Kreisen verehrte Wohltäterin der Armen, ihren 85. Geburtstag. Seit Jahrzehnten verwaltet die edle Menschenfreundin in unendlicher Liebe und Treue das Erbe von Fräulein Kräh, und auch heilte noch steht sie ihm vor. Viel herzliche Glückwünsche, darunter die der Gemeinde und des Herrn Oberbürgermeisters, haben zum Ausdruck gebracht, wie sehr Frau Breitcnbach geschätzt wird. Osthofe». (Persönliches.) Der Vorsitzende der Gemeinden Osthofen-Rheindürkheim, Fabrikant Ludwig Ebert, beging sein 25 jähriges Jubiläum als Führer der Gemeinde und wurde durch eine besondere Feier geehrt. Der zweite Vorsitzende, Herr I. Emrich, würdigte in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars und überreichte ein Geschenk. Gesangliche Darbietungen des Vorbeters Rawet umrahmten die Feier. Seest« a. Har;. (S y n a g o g e n f e i e r.) Der Sabbat des 27. Juni war für unsere Gemeinde ein großer Freudentag. De» Bemühungen unseres Vorstehers, des Herrn Oberstudiendirektors Professor Tr. F r i c d l a n d, lvar es gelungen, durch Vermittlung: des Herrn Rabbiners Enelow einen alnerikanischcir Glaubensgenossen, Mr. Litta >: er in New Port, zur Stiftung einer größeren Summe für unseren „Jacobslcinpcl" zu gewinnen. Nachdem bereils vor einigen Jahren durch amerikanische Hilfe und Zuschüsse seile.,s> dcr Jüoischcn Gemeinde von Berlin itiO des Preußischen Lank.sverbandes die Wiederherstellung unseres berühmten Gotteshauses, :vo Israel Jaeoosohn als Erster die deutsche Predigt und die Orgel einführte, ermöglicht lvar, konnte jetzt die alle historische Orgel erneuert und ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Festgotlesdicnst, ker aus diesen: Anlaß von Herrn Landesrabbiner Dr. Gärtner n:>.d Herrn Oberkantor Gott lieb aus Brannschweig versehen wurde, gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Tie gedenkenrciche Prbdigt des .Herrn Landesrabbiners Dr. Gärtner, der an die Worie des Wochenabschnittes „Wie schön sind deine Zelte, Jacob" anschloß, die herrlichen Klänge der Orgel m:d die prachtvolle Siimme des Vacbeters riesen einen Eindruck hervor, der lange nachioirkcn n>r3. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Braunschweig lvar durch Herrn Georg Herzberg vertreten. Auch viele Jugendliche vn dem hiesigen Jacobsouheim waren erschienen. — Oberstudicudireuav Tr. Friedland übergab im Namen der Jaeobsonstistung, die Eigentümerin des Tempels ist, die Orgel zur Benutzung der Gemeinde und gedachte in seiner Ansprache mit herzlichen Tankcsworten 1er edlen Tat des Mr. Littaucr und der Verdienste des Herrn Rabbiner Enelow um die Erhaltung eines jüdischen Kulturdenkmals. Nebenbei sei bemerkt, daß die jüdische Hochschule (Hcbrelv College) zu Cincinnati neuerdings zum wiederholten Male bei der Jaeobsonstistung den Antrag gestellt hat, ihr die historische Orgel käuflich zu überlassen. Letztere hat dies aber abgelehni, was wohl vom Standpunkte des deutschen Judentums nur zu begrüßen ist. Ulm. (A n c r k e n n u n g eine s U (mer s.) Eine besondere ehrenvolle Auszeichnung ist dem außerordentlichen Professor der Kinderheilkunde und Oberarzt an der Kinderklinik der Düsseldorfer Medizinischen Akademie, Tr. Eckstein, einem geborenen Ulmcr, zuteil geworden. Alljährlich findet in Buenos-Aires die große Tagung der Asociation Medien Argeiuina — etwa unserer deutschen Naturforschervcrsammlung entsprechend — statt. Es ist zur Gepflogenheit geworden, zivei oder drei namhafte europäische oder nordamerikanische Forscher zur Teilnahure air dieser Tagung cinzuladei: und sie in: Anschluß daran eine Reihe vor: Vorträgen über ihr Spczialgebwr hatten zu lassen. In diesen: Jahre hat der geschäftsführcnde Ausschuß der: Wunsch gehabt, Vorträge ans dem Gebiete der Kinderheilkunde zu hörcu und die Einladung au Professor Tr. Eckstein in Düsseldorf gerichtet. Außer ihn: sind r:vch ein englischer und ein französischer Arzt aus anderen Spezialgebiete,: zi: Vorträgen eingeladen. Tr. Eckstein hat bereirs Einladungen nach Brasiliei: und Chile erhalten, um auch in diesen Länder,: Vorträge zu halten. Er ist am 15. Juli ausgereist. — Professor Tr. Albert Eckstein ist hier als Sohn des Malzsabril'antcn Bernhard Eckstein an: 0. Februar 1891 geboren. Er studierte nach dem Besuch des hiesigen Realgymnasiums und nach Erfüllung seiner Militärdienstpflicht in München, Leipzig und Freiburg i. Br., rückte im August 1911 mit dem Gnrdeiorps ins Feld und lvar rvährend des ganzen Krieges Frontarzt, in den beiden letzten Jahren Ober- und Re,gimentSarzt im Feldartl.-Regt. 26. Wcwl): Kriegsende war cr von 1919 bis 1921 Assistent an: Physik!. Institut Frciburg, dann Privatdozeut der Kinderheilkunde in Frcibnrg, seit Mai 1925 ist er in Tüsieldors Oberarzt an der Kinderklinik der Medizin. Akademie, seit Oktober 1926 a. o. Professor der Kinder- Heilkunde. Wörlitz. (Tic M o s e s - M e u d c l s s o h u - S t i s t u u g.) Jnr Schloß zu Wörritz fand unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Hesse (Dessau) die diesjährige Sitzung des Kuratoriums sta'.t, in der über die Verteilung der Sliftungserträguisse Beschluß gefaßt wurde, die satzungsgemäß an: Geburtstage des Philosophen (6. September) erfolgen soll. An der Sitzung nahmen außer den 'Vorstandsmitgliedern teil Professor Albert Einstein, Generaldirektor Heck (Dessau), Professor Tr. Junkers. (Dessau), Paul von Mendelssohn--' Bartholdy (Berlin), Professor Dr. Spranger (Berlin), Reichskunstwart Tr. Redslob (Berlin), Landcsrabbiner Tr. Walter (Dessau) und Arnold Zweig. Tie Stiftung hat bekanntlich im vorigen Jahre beschlossen, eine Preisaufgabe über das Thema „Die Aufklärungsphilosophie im geistigen Leben Berlins" zur Ausschreibung zu bringen,, und als Preis dafür die Summe von 5000 RM. ausgesetzt. Ta die Einreichungsfrist noch nicht abgelaufen ist, wurde beschlossen,, für dieses Jahr von der Ausschreibung einer neuen Preisaufgabe abzusehen. Dagegen konnten ans den vorhandenen Mitteln wie de» eine größere Anzahl Beihilfen für wissenschaftliche Forschungsarbeiten gewährt werden. Ter Rest der Erträgnisse wurde dem Vorstand zum Zwecke der Bewilligung von Sludicnbeihilfen zur Verfügung, gestellt. Wuppertal. (Jüdischer W o h l f a h r t s v c rb a n d.) Dev Jüdische Wohlsahrtsverband hielt an: 4. Juni seine Generalversammlung ab. Zu Beginn sprach Herr Gemcinderabbiner Tr. Norden warme Worte khreirden Gedenkens auf den verewig fei: Vorsitzenden i es Verbandes, Herrn In.ins Ki sch' aum. Tie Ge chästl-führcrin und Gemeindcsürsorgeriir, Fräulein Lotle Buscher, gab einen ausführlichen Jahresbericht, aus dem mit aller Deutlichkeit die besonderen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Wirtschaftslage und ihre verhängnisvollen Folgen für die wirksame Arbeit des Wohlfahrtsverbandes, aber auch die große Leistung des Verbandes hervorging. Von der Arbeitsbeschaffung über die Betreuung der Kinder und Jugendliche:, bis zu der Hilfe für die in Not geratenen Erwachsenen war kein Gebiet vergessen. Die größte Schwierigkeit bewitcte die Mjttelbeschassung. * Die Mothilsesaminlumgei: erbrachten bei weitem nicht die Ergebnisse der Vorjahre. So mußte man neue Hilfsquellen zu erschließen versuchen. Ein ganz besonders geglückter Versuch ist die — jetzt in fast allen großen und Mittelgemeinden bestchenZe — Pfuiwsammlnng. Sie ermöglicht einem jeden, der auch noch so wenig zu geben vermag, sein Scherflein zur Linderung der allgemcinicn Not beizutragen. Mit besonderer Freude wurde festgestellt, daß auch im Berichtsjahr, wie in den früheren Jahren, die Zusammenarbeit mit den staatlichen und städtischen Behörden und mit den übrigen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege eine sehr gube war. Ten Kassenbericht, der so recht über den Umfang der geleisteten Arbeit ein Bild gibt, erstattete der Schatzmeister, Herr Emil Goldschanidt. Tie Ersatzwahlen zum Vorstand'zcitigen folgende einstimmige Ergcbuiss»: Herr Gemcinderabbiner Dr. Norden wurde zum Vorsitzmden des Jüdischen Wohlfahrtsverbandes, der nunmehr die Bezeichnung Wuppertal statt Elberfeld-Barmen tragen soll, und zum Vorsitzenden des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Elberfeld, Herr Gemeinderabbiner Dr. Philipp wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Jüdischen Wohtfahrtsamtes Elberseld, Frau Dina Loeb und Herr Günzberg zu Mitgliedern des Vorstandes des Jüdischen Wohlfahrtsvcrbandes Wuppertal gewählt. Tie übrigen Vorstandsmitglieder blieben weiter im Amt. Im Anschluß an die Generalversammlung sprach .Fräulein Frieda Weinreich von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden, Brrlin, über die „Beziehungen zwischen Wirtschaft und Wohlfahrtspflege". In klaren knappen Ausführungen schilderte sie die Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Wohlfahrt und forderte, daß die Vertreter beider Gebiete einig seien in der gexsenseikigen Anerkennung ihrer Arbeit, dann würden auch jederzeit die notwendigen Maßnahmen einmütig getroffen werden können. Sie ging auch aus die besonders wirtschaftliche Situation der deutschen Juden und die besonderen Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege ein. Sie zeigte, wie durch die eigenartige Schichtung der deutschen Jude:: einerseits, durch ihren unglücklichen Altersaufbau andererseits dem jüdischen Menschenkreiße ganz besondere Aufgaben erwachsen. Sie schlug als «in Mittel zur Linderung der Rot, die Gründung von Darlehnskrssen vor, deren genossenschaftliche Bildung voraussichtlich die beste Zukunftsform sei. Sie gerichtet ferner über die demnächst erfolgende Eröffnung einer jüdischen Arbeitskolonie in der Nähe von Berlin für jüdische Wander«, Diese Kolonie wird zunächst mit 60 Arbeitsplätzen eröffnet werden. Die Anregung der Rednerin, Darlehnskassen zu schaffen, siel aüs fruchtbaren Boden. Es wurde gleich eine Kommission, der Frau Samuel, die Herren Dr. Aaron, Kamp, Krakowski und Roos angahüren, gewählt, die die Aufgabe hat, die Möglichkeit der Schaffung einer Darlehnskasse für Wuppertal eingehend zu prüfen. Verlag: Vereinigung für da» liberale Judentum e. 83-, Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: «eorge Soetz. Berlin SW. 61. — Druck: Hermann Wogner & Co., Berlin-Mariendors.