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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-07-22 · 28-29 (22.7.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
28-29 (22.7.1931)
Date
1931-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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an ge strebte Verständigung mit den A rabern dürfte, wenigstens für absehbare Zeit, nicht mehr e r n st h a f t zur Diskussion stehen. Bert Locker, der nun der Exekutive angehört, hat erst auf diesem Kongreß den Annexionismus mit den Worten propagiert: „Man muß auch davon sprechen, daß diese Tätigkeit nicht auf das westliche Ufer des Jordan beschränkt sein kann. Der Wrbeiterflügel, besonders d'e Poale Zion, haben die Angelegenheit Trrnsjordanien niemals verschwiegen." Und ein anderes Mitglied der neuen Exekutive, Farbstein, hat ein Sündenregister gegen die alte Exekutive in seiner Kongreßreds ausgestellt, in dem gleichfalls Transjordanien erwähnt wird und die Unterzeichnung des Churchill-Weißbuches beanstandet wird, in 'welchem es heißt: „daß Erez Israel nicht so jüdisch sein kann, wie England englisch." Er hat in seiner Rede ein eindeutiges Bekenntnis für die Forderung nach einer jüdischen Mehrheit und für die Forderung nach dem Judenstaat abgelegt. Daß all das nicht eben Vertrauen schafft, ist selbstverständlich. * » * Gefährliche Wendungen. Es würde zu weit führen, wollte man in diesem Artikel noch weitere Einzelheiten oder auch nur das finanzielle Luftgebäude der zionistischen Bewegung schildern. In einem weiteren Artikel über den Kongreß der Jewish Agency.soll über den Keren Hajessod noch einiges gesagt werden. Soviel sei aber schon jetzt festgestellt, daß in Zukunft Böswilligkeit bei denen angenommen werden muß, die weiterhin die Behauptung von der neutralen Grundlage dieser Institutionen aufstellen. Wesentlich für Deutschland werden vielleicht noch die beiden folgenden Resolutionen zum Kapitel „Die Erziehung in der Diaspora" werden. Sie lauten: Ter Kongreß appelliert an die zionistischen Organisationen aller Richtnngen und an alle verschiedenen Kultur- und Erziehungsorganisationen, das hebräische Erziehungswerk zu erweitern, in alle n L ä n d e r n der Diaspora hebräische Schulen (nach dem Vorbild der hebräischen Schalen in Palästina) zu gründen und für ihre pädagogische und materielle Entwickelung zu sorgen. Ter Kongreß appelliert an d i e Zioni_fiten aller Richtungen, allerorten ihre Kinder in hebräische Schulen zu s ch i ck e n. Und schließlich müssen wir noch einige Sätze aus einem Referat des Herrn Jizchak Grünbaum über „Die Lage der Juden im Galuth" wiedergeben, gegen die wir mit aller Schärfe Protest erheben müssen. Sie lauten: Gewisse Formen, in denen der revolutionäre Sturm zum Ausdruck kommt, enveckeir in den christlichen, insbesondere in den katholischen Massen Erregung. Und es wird schon eine Legende geschaffen: das ist die jüdische Rache. So sagte man in bezug auf Rußland, so wird man sagen und sagt man schon jetzt in bezug aus Spanien. Und wir müssen es wagen zu sagen, daß hierin eine gewisse Wahrheit liegt (Beifall). Selbstverständlich wäre es lächerlich, dies buchstäblich zu nehmen. Es ist eine Rache der Geschichte. Tie Verfolgungen der Juden in ihren blutigsten und schändlichsten Formen haben im Laufe ber Zeit Schmerz und Leiden, Haß und Grausamkeit angehäuft. So war es in Rußland, so ist es auch in Spanien. Die Verbrennung der Klöster ist wie ein später Feuerschein der Autodafes... Tas ist die Hauptforderung der jüdischen Massen: sie wollen sich finanziell und ökonomisch nicht so cxploitieren, sie wollen sich nicht den Strick um den Hals legen lassen. Sie werden durch ungeheure Steuern erwürgt. Und von diesen Steuern haben sie keinen Nutzen, denn der größte Teil der jüdischen Steuern wird für die allgemeinen Bedürfnisse des Staates verbraucht. Wenn die Juden ihre Bedürfnisse befriedigen wollen, so müssen sie sich freiwillig weitere Steuern auferlegen. Jeder Jude zahlt doppelt und dreifach, was der michtjüdische Bürger des gleichen ökonomischen Standes zahlt... Wenn wir das jüdische Leben in der Nachkriegszeit bis heute überblicken, so sagen wir: Wenn die Welt die bauenden Kräfte, die sich im jüdischen Volke sammeln, zerstört und zerbricht, dann wird die Masse des jüdischen Volkes sich in eine ungeheure zerstörende und zersetzende Kraft verwandeln. Wenn aber die Welt das andere Ivählt, >venn sie uns versteht und für uns solche Bedingungen schafft, daß unsere bauenden und schaffenden Kräfte wachsen^ dann wird sie selbst von dem Fluch der Judenfrage befreit werden und das jüdische Volk vom Fluch der Galuth. (Stürmischer Beifall.) Hier zeigt sich die ganze Vermessenheit und Verkennung der Tatsachen, die den Zionismus immer wieder kennzeichnen. Die Zionisten sind nur eine kleine Gruppe im jüdischen Leben, aber sie maßen sich an, für die Gesamtjudenheit zu sprechen. Und sie machen Aeußerungen, die der Wahrheit nicht entsprechen und die Lage der Gesamtjudenheit gefährden. Sie häufen Steine auf dem Wege der Emanzipation, der der einzig-mögliche Weg der Judenheit zu ihrer Erhaltung ist. Wie lange noch? Erzbischof Soederblom gestorben Vor einigen Tagen ist der schwedische Theologe, Erzbischof 'Nathan Soederblom, Träger des Friedens-Nobelpreises, gestorben. Selten haben es Menschen wie er vermocht, ihr Aöollen in die Wirklichkeit zu übertragen. In Wort, Schrift und Tat wirkte er, durchdrungen von den sittlichen Kräften der Religion, für die Verständigung der Religionen, für das friedliche Zusammenleben der Völker, bekämpfte die blutigen Auseinandersetzungen der Menschen untereinander, deren Ursache er im menschlichen und völkischen Egoismus erblickt. Vielen von den Menschen, die das Glück hatten, nicht auf dem Felde der Ehre zu bleiben, sondern in Gefangenschaft zu geraten, wird die persönliche Fürsorge Nathan Soederbloms, die Erleichterung zu schaffen versuchte, unvergessen bleiben. Er war der Initiator und Schöpfer der Weltkirchenkonferenz, die in Stockholm vor einigen Jahren tagte, und auf der sowohl Einigungsbestrebungen der Kirchen alis auch Fragen der Verwirklichung religiöser Ideale im Leben behandelt wurden. Es sind die gleichen Fragen, die in diesen Blättern die Forderung nach „Lebensnähe der Religion" erheben ließen. Auch rein theologisch dürfte Soederblom, der schon von seinen Studentenjahren an Anhänger und Bahnbrecher des damals noch neuen liberalen Protestantismus gewesen ist, für uns liberale Juden von einer gewissen Bedeutung sein. R. I. Der Huf der Gegenwart Von Rabbiner Dr. Gott schall, Köln. „Es raunt und rauscht eine alte Mär Aus tiefem Märchenbronnen. Mich machte dies träumetrunkene Lied Weheinsam und versonnen. Mir wollt ihr düsterbanger Klang So tränenmüde scheiden Von all dem tausendjährigen Leid Und tausendjährigem Weinen. Und dennoch lachts und schwingts darin Von hoffnungsseligen Wonnen. Wie lang noch raunst du mir alte Mär Aus tiefem Märchenbronnen?" So singt ein neujüdischer Dichter. Ist es aber nicht der uralte jüdische Sang, der Sang vom heiligen Heldentum des Juden? Was aber ist dieses Heilig-Heldische bei uns? Wir brauchen nicht immer wieder gehörte Zitate unserer Bibel zu wiederholen. Aber wertvoll ist es, wenn neuere Deuter über das Heilig-Heldische reden, als wenn sie Juden wären. „Lust und Leid", sagt Coudenhove-Kalergr, „bestimmen weder die Taten des Helden noch des Heiligen. Das Ideal beider ist: Schönheit der Seele. Der Held will sie stärken und entfalten, der Heilige will sie reinigen und erlösen." Und echt religiös urteilt auch Niebergall: '„Das Heilige ist ein Urfeuer für das soziale Gewissen. Das Heilige macht Mußestunden zu Sprechstunden Gottes, erhebt jeden ehrlichen Beruf aus dem Reich des Berdienens in den des Dienstes und zu einer Schule Gottes." Ist das das Heilig-Heldische — und alle jüdischen Zitate meinten schließlich dasselbe — so ist auch klar: nur ein steiler Weg führt zu solchen Höhen, ja mehr, all unser Streben ift nur ein Mühen mit jotcfyc Höhen. Nur zu richtig sah das Judentum, wenn es keine menschliche Heiligkeit anerkannte, sondern der Welt sein: „Heilig sollt ihr werden" zurief. Denn auf dem Weg zu diesem Ziel liegt eine dreifach schwere, schwere Aufgabe: träumen zu können^ entsagen und wagen. Drei Dinge, nichts für die Menge, aber Dinge, ohne die nichts Großes geworden, kroch werden kann, auch nicht im Judentum. Träumen zu können. Zangvill erzählt die ergreifende Geschichte von Josef, den: Träumer, nicht dem biblischen, sondern dem erdichteten, der im Ghetto Italiens lebte. Damals mußten die Juden noch die Karnevalsfreude durch Wettrennen erhöhen, und dem Sieger winkte ein Tnchlappen. Dieser Joses trat zum Christentum über. Aber er vergaß die Juden nicht. Er träumte davon, die Herzen seiner neuen Brüder für seine alten gewinnen zu können. Doch er büßte seine Leidenschaft mit dem Tode. An seinem Grabe standen zwei Frauen: Helena, die Nichtjüdin, Mirjam, die Jüdin. „Er hätte glücklich werden können," ries Helena, „glücklich mit mir, im Vollbesitz menschlicher Liebe, in der Schönheit der prächtigen Welt." „Nein," er war ein Jude," rief Mirjam aus, „mit mir hätte er glücklich werden können, im Lichte des Gesetzes. Wehe, Wehe über den Träumer!" Heiliges Heldentum — so sicher es bei diesem Josef irre ging, die Tragik des Träumers erkennen wir gerade deshalb bei ihm. Man muß nicht zu Menschen mit Träumen gehen, welche für Liebe kein Herz besitzen. Träumerseelen sind hungernde Seelen, die Satten haben für sie kein Verständnis, Träumerseelen sind Wirklichkeitshasser, die Wirklichkeit blickt darum auf sie scheel. Und doch^ sind' sie auch Wirklichkeitshasser, so sind sie dennoch nicht wirklichkeitsfremd. Sie haben unendlich mehr davon in sich, als ihre Bespötter zu glauben vermögen: die Wirklichkeit der Vergangenheit, die Wirklichkeit der Gegenwart und erst recht die der Zukunft. Träumer, die wie die Menschheitsgeschichte lehrt, doch immer recht behielten. Wer könnte die Namen nicht selber nennen? Heiliges Heldentum, es ruft die Träumer, es fordert Entsagung. „Also ergeht es dem Träumer immer," schreibt Ellen Key, „die Menschen der Wirklichkeit wollen ihn lotschlagen, mit Tatsachen... Aber der Traum ist die große Triebkraft des Lebens, denn es ist ein Gesetz der Seele, daß das Unerreichte in ihr am stärksten lebe." Vielleicht hat der Ewige gerade deshalb zu den Propheten so oft im Traum geredet. Sie hatten diese heldische Entsagungskraft, die nock immer das Leben, der Großen begleitete. Auch Zangwill führt uns in den „Träumern des Ghetto" so viele bekannte Gestalten vor. Da ringt Lassalle um die soziale Frage und bekennt: „Warum will ich mich denn zum Märtyrer machen? Weil Gott mir eine Stimme ins Herz gelegt hat, die mich zu dem Kampfe ausrnft und mir die Kraft gegeben hat, die mich zum Streiter macht. Weil ich das Vertrauen, das Gott in mich gesetzt hat, nicht täuschen will." Da ruft der „moderne Schriftsteller in Jerusalem" aus: „Die Zeit für eine neue religiöse Ausdrucksweise ist gekommen, für eine neue Sprache für die alten ewigen Gemütsregungen, angepaßt dem modernen Kosmos, eine Religion, die keiner Tatsache widerspricht und keine Forschung hemmt." Da behauptet der Dichter auf „der Matratzengruft": „Die Mission der Juden wird nicht eher vorüber sein, bis die Christen zur Religion Christi vorgedrungen sein werden. Lassalle ist ein besserer Apostel des Herrn als die Priester, die den Sozialismus verurteilen." Träumen, entsagen, wagen — ist der Mose der Thora aber nicht auch ein so eindrucksvolles Beispiel, er, den die Schmähungen seiner Nächsten treffen, dem die Bibel aber dennoch bezeugt, daß er der „demütigste war auf der Erde", er, dessen Religion man eine Religion der Rache nennt und der doch für die erkrankte Schwester, die ihn eben geschmäht hat, innig betet, er, dessen Leben eine einzige Antwort ans die Frage unserer Zeit war: Masse oder Individuum? Ir, er wußte, daß immer wieder einer da sein muß, der als Träumer der Zukunft in dieser Welt der Gegenwart leben und ihr vorangehen muß im Widerspruch zur Wirklichkeit, einer, der Ungeheures erträgt, ein Riese an Kraft ist im steten Entsagen, im steten Ertragen von Verachtung und Spott, einer, der aller Tränen lacht, die er immer wieder vergießen muß. Einer, der aber vor allem weiß, daß sein ganzes Mühn und Ringen zwecklos, wenn es nicht auf eine Masse zurückwirkt. Ja, er der Einsame, braucht doch die Augen, die begeistert, entzückt sich auf ihn richten, er atmet in allem Jubel der Menge, er trinkt die Rufe ihrer Begeisterung, er lebt in der Spannung ihrer Stille, er verzweifelt wie Mose, der erschütternd ausries: „Erschlage mich, daß ich nicht mein Unglück sehe", weil ihm die Menge, das Echo all seiner Gottesrufe genommen werden sollte; aber er ist wiederum so wenig neckisch auf anderer Größe, so bereit, sich zu verschwenden, daß er, wieder wie Mose, „das ganze Volk als Propheten" wünscht, das aan§e Volk als Träumer sehn möchte, als Entsagende und als Wagende. Auf unsere Zeit angewandt, könnte man sagen: George und Landauer gehören zusammen: „Wir fühlten, wie geringfügig alle Streite der Länder, wie alle brennenden Fragen ber Gesellschaft, in wesenlose Finsternis verblassen, wenn nach jeder Ewigkeit sich den Irdischen ein Erlöser offenbart. Der ist der größte Wohltäter für alle, der seine eigene Schönheit bis zum Wunder vervollkommnet." Und Landauer: „Alle ihr, in denen der Traum lächelt und weint, alle, die ihr Taten atmet, im Namen der Ewigkeit/ im Namen des Geistes, im Namen des Bildes, das wacht und Weg werden will, die Menschheit soll nicht verrecken." Wahrlich, solche Gedanken tun uns not, zumal der Jugend. Der dauernde Zwang zum Entsagen, der dauernde Aufruf dazu, sie können eine furchtbare Gefahr heraufbeschwören, aus dem großen Moment ein kleines Geschlecht zu erschaffen. Oder ist diese Zeit denn nicht wirklich groß, diese Zeit, in der dauernde Kämpfe nicht um das Dasein, nein den Sinn dieses Daseins ausgefochten werden. Furchtbar die Zahl derer, die als Opfer auf dem Felde der Ehre fallen, der wirklichen Ehre, nämlich der Arbeit, aber fürchterlicher die stillen Opfer, von denen man nicht spricht, die sich nm den Wert ihres Lebens bringen, die in Zahlen ersticken, im Streit um Systeme der Wirtschaft ihr Heil sehen, während dock letzten Endes nicht im System, es heiße wie es wolle, die Rettung liegt, sondern in der Gesinnung, die dahinter steht, in der Quelle, aus der es aufschießt, im Endziel, dem es dienen soll — in dem Grad der Religiosität also, wie wir dieses Letzte benennen. Sott aber zur Rettung dieser Opfer etwas geschehn, wird es nötig sein, daß die Stimme dieser Religiosität vernommen wird, daß sie ihr Wort in das Toben der Zeit hineinruft, hin zu alt denen, die nur zwei Dinge kennen: Ahndung und Wiedergutmachung! Ihnen allen gilt es zu sagen: ihr tut genau das, was ihr uns so gern vorwerft, was euch an unserein Gott — aus Irrtum' — mißfällt: ihr ahndet die Schuld der Väter an den Kindern, ihr wollt sie noch an den Enkeln ahnden und streut an jedem Tag.neu dadurch Saaten des Hasses aus. Was wissen denn die Kinder von heute, was weiß selbst die junge Generation, was werden die Enkel dereinst noch wissen, von dem, was in eurer Seele heut brennt. Schreit nicht über die „Gottlosen", die sich in unserer Zeit erhoben haben, die Gottlosesten seid ihr, wenn ihr nicht endlich einseht und zngebt: Geld kann nie „wiedergutmachen". Nur eine Wiedergutmachung gibt es: gemeinsame Arbeit, gemeinsamer Friede gemeinsame neue religiöse Gesinnung. Nur die so denken, sind zum Führen berufen, nicht ihr, die an Stelle der Waffen die Seelen morden! So sollte der Weltbund aller Religiösen die Pläne zur Erlösung der Menschheit fördern. Man wird ihn belächeln, wird ihn nicht hören? Es sollte kein Jude sein, der also spricht. Es sollte kein Jude von der Not der Tage, vom Zwang des Entsagegns sich so um den Sinn seines 'Daseins bringen, daß auch er in Zahlen, statt in der Gesinnung den Ausweg für die leidende Menschheit sieht, daß er nichts mehr wagen möchte — was doch von je sein bester Teil war. Zu uns jedenfalls spricht gerade in diesen Tagen, da die Welt die Stimme des nationalen Judentums vernimmt, das Wort Montefiores aus semem alt-neuen Buch: „Ich stehe zu der Behauptung, daß wir uns an die Ideale der Emanzipation anklarumern sollen und müssen, an die universalistischen Ideale des liberalen Judentums... Die Nacht ist lang, aber ich für meinen Teil glaube daran, daß endlich die Morgenröte kommen wird, die Morgenröte der Freiheit und Erleuchtung, des Friedens und des Willens zum Guten." Träumen — Entsagen — Wagen — das ist der Ruf unserer Gegenwart. * Zuden entrechten Zuden? Wahlrechtsverhandlungen in Dortmund. In Nr. 49 des Kölner Jüdischen Wochenblattes vom 4. Juli 1931 befindet sich ein Artikel über die Dortmunder Gemeinde mit der Ueberschrift: „Juden entrechten Juden", der von Anfang bis zu Ende Unrichtigkeiten und Entstellungen in größter Zahl enthalt. Den gleichen Artikel hat schon früher die „Jüdische Rpndschau" gebracht. Auf Einzelheiten einzugehen, erübrigt sich, man kennt in Dortmund die Weise und den. Text, man kennt auch den Verfasser. In der ersten Sitzung der ersten Lesung vom 24. Juni wurden sowohl seitens des Vorstandes als auch seitens der liberalen Repräsentanten Erklärungen abgegeben, .in denen verschiedenartige Auffassungen zum Ausdruck kamen. Diese Unstimmigkeiten haben indessen schon in weiteren Aussprachen der zuständigen Satzungskommission, welcher nicht nur Liberale angehören, ihre vollständige Erledigung gefunden. Danach steht es fest, daß auch der Vorstand dem Verlangen der großen Mehrheit des Repräsentantenkotlegiums auf Einführung des Verhältniswahlrechtes grundsätzlich zustimmt. Die Satzungskommission arbeitet auf dieser Grundlage die Bestimmungen aus und wird im Herbst der Repräsentanteuversammlung den endgültigen Entwurf vorlegen. Wenn die Meinungen über das einzuführende Wahlrecht eine Zeitlang auseinandergingen, so war das in erster Linie der Demagogie und dem Ungeschick gewisser Zionisten zu verdanken, die es für richtig hielten, die Staatsregierung gegen die Verwaltung der Gemeinde aufzuputschen. Damit haben die Betreffenden in Wirklichkeit uur die ruhige Entwicklung der ganzen Angelegenheit sabotiert. Man kann diesen wohlbekannten Herren Zionisten nur das alte lateinische Wort zurufeu: „Si tacuisses philosophus mansisses." Sendet de« fälligen Beitrag für das 8. Quartal 1*81 auf das Postscheck-Konto der Vereinigung sür da» liberale Judentum Berlin Nr. 137069 ein.

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