Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 26-27 (8.7.1931)
- Date
- 1931-07-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Israels lwndelt, aber sie wird nicht darin begründet. Sie i trurd begründet dadurch. dH der Ofsenbanrngsakt, das göttliche Gebot, an uns Heutiige ebenso vom Ewigen ergangen ist wie an unsere Väter, daß auch wir am Sinai stehen und die Gottesstimme hören, aber nicht die Gottesstimme über uns, sondern die Gottesstimme in uns. Mit anderen Worten, es ist eine freiwillige Bindung, nicht weniger schwer und ernst und verpflichtend, weil sie eine freiwillige ist, nein, vielmehr ungleich gewichtiger, weil sie aus eigener Erkenntnis und freiwilliger Einordnung in den göttlichen Weltplan beruht. Wenn wir also vom Gesetz sprechen, vom Sittengesetz und vom Zerernoniialgesetz, so ist dieser Ausdruck falsch, wenn man Gesetz so ausfaßt, wie es Herr Dr. Jacob auffaßt und wie es die Rechtssprache ausfaßt, und darum hat kein Geringerer als Moses Mendelssohn, der bekanntlich in der Lebenshaltung streng orthodox war, worauf übrigens Rabbiner Max Freudenthal in seinem Referat über das Zeremonialgesetz bei der Richtlinientagung in Posen mit Recht hingewiesen hat, ausgesprochen: „Nur der Staat gebietet und zwingt, die Religion belehrt und überredet; der Staat erteilt Gesetze, die Religion Gebote." Aus dem vorher Gesagten folgt, und es ist eigentlich verwunderlich, daß dies einem liberalen Rabbiner gegenüber ausgesprochen werden muß, keineswegs die Minderwertigkeit derjenigen Religionsauffassung, die eine Bindung kraft Gesetzgebungsakt verwirft, die aber eine Bindung kraft freiwilliger Uebernahme des Gebotenen, weil es als wahr und recht erkannt worden ist, bejaht. Nur das eine ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit aus iprserer Auffassung: Es ist .nicht alles, was einmal geboten ist, Noch heute bindend, sondern nur das, was kraft der Offenbarung an uns, kraft unserer Erkenntnis und unseres Gewissens, für bindend, für göttlich, für wahr erachtet wird, und hieraus folgt weiter: Das, was mau gemeinhin Sittengesetz nennt, oder, wie es in den „Richtlinien" beißt, die „ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgebote des Judentums", sind im wesentlichen unverändert geblieben, nicht, weil kein Gesetzgeber kam, der größer war als der erste, sondern weit ihre heilige Kraft der Bindung sich von Generation zu Generation bewährt hat. Das sogenannte Zeremonialgesetz aber, oder, wie es in den Richtlinien heißt, die „Erscheinungsformen für das religiöse Leben", sind wandelbar. waren wandelbar schon immer, nicht deshalb, weil wir die Notwendigkeit religiöser Erscheinungsformen verwerfen, fonbent weil sich an ihnen „die Kraft der Wandlung" vollzogen hat, die mühevolle aber großartige Arbeit jeder Generation, das Gottesgebot wieder zu erleben und ihr Erleben zum Ausdruck zu bringen. Eiie ganz typisches Beispiel, das nach meinem Dafürhalten von Herrn Dr. Jacob durchaus nicht richtig .angezogen wird, ist der Sabbath. Steht man aus dem Standpunkt, daß das Sabbathgcsetz das Gesetz eines unsichtbaren übernatürlichen Gesetzgebers ist und daß das Sabbathgesetz all die unzähligen Einzelheiten und Erschwerungen des Arbeitsverbots mit inbegreift, so gibt es kein Rücken und Rühren an dem einmal Gesetzten. Nach unserer Auffassung aber ist der Sabbath in erster Linie überhaupt nicht Zeremonialgesetz, sondern ein gewaltiges soziales Gebot, das nicht nur an das körperliche Ruhebedürfnis, sondern vor allem auch an die Seele gerichtet ist, welche einer religiösen Erhebung.aus dem Alltag bedarf. Es gibt keinem religiösen Juden, er stehe rechts oder links, der diese Sabbathidee.als solche nicht für verpflichtend hält um ihrer Größe und Wahrheit willen. Wenn es nun aber an die Ausführung der Idee geht, so nimmt der liberale Jude das Recht für sich in Anspruch, zu prüfen, welche Ausdrucksform heute dem großen sozialen Ruhegedanken entspricht, und welche nicht. Die Notwendigkeit religiöser Ausdrucksform für die große Sabbathidee wird von uns anerkannt, nicht nur die Erkenntnis der Notwendigkeit des Ruhetages selbst; darüber kann kein Streit herrschen. Wohl aber kann ich Herrn Dr. Jacob absolut nicht darin folgen, wenn er sich auf den Standpunkt stellt, daß auch alle die Sabbathgebote des Schulchau Aruch „Gesetz" sind, welches nur aus augenblicklichen wirtschaftlich zweckmäßigen Gründen „gemildert" wird. Das ist keineswegs unsere Ueberzeugung. Als im Jahre 1923 die erste Weltkonferenz des liberalen Judentums in London eröffnet wurde, erschienen an dem sehr heißen Sabbathtage einige Teilnehmer nach einer über zweistündigen Fußwanderung völlig erschöpft im Gotteshaus. Sie haben sicherlich mit viel weniger Teilnahme und innerer Sammlung sich der Sabbathsruhe hingeben können als die große Menge derer, die zum Gotteshaus fuhren. Damals bestand auch für uns Fahrende keine wirtschaftliche Notwendigkeit zu fahren. Wir waren in Ferien und hätten ebensogut laufen können. Weil wir aber glaubten und glauben, daß das wesentliche an dem Sabbathgesetz ist, sich in einen Zustand innerer Ruhe und Sammlung zu versetzen, so haben wir das getan, was hierfür am zweckmäßigsten war, nicht das, was vor' Hunderten von Jahren geboten wurde, als an moderne Verkehrstechnik überhaupt noch nicht gedacht werden konnte. Es gibt streng orthodoxe Kollegen, die am Sabbath aus dem Gericht plädieren und dabei vollkommen das „Gesetz" innehalten, indem sie nicht schreiben und keine gebührenpflichtigen Akte am Sabbath vornehmen. (Nicht jede einzelne Verhandlung wird nach unserer Gebührenordnung bezahlt, sondern es ist durchaus möglich,.daß der einzelne Akt an einem bestimmten Tage dem Anwalt kein Geld einbringt.) Dieser Anwalt also, der ohne zu schreiben vor Gericht verhandelt, also seinem Berufe nachgeht, hat nach dem strengen Religionsgesctz gehandelt, dennoch aber zweifellos — natürlich aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus — das größere ungeschriebene Sabbathgesetz verletzt. Während also für den orthodoxen Juden dieser orthodoxe Rechtsanwalt dem Gesetz gemäß handelt, ist der liberale Jude, der zur gleichen Stunde zur Synagoge fährt, ein Sabbathbrecher. Nach liberaler Auffassung ist es umgekehrt. Ich habe diesen Fall so ausführlich dargelegt, um zu zeigen, um was es geht. Das Zeremonialgesetz, das heißt die historisch gewordene Sammlung des jüdischen Brauchtums, ist nicht etwa nur deswegen wandelbar, weil man es infolge wirtschaftlicher Nöte nicht halten kann, (das wäre eine recht schwache Begründung für Ge.setzcsbru.ch, etwa dem Diebe gleich, der aus edlen Motiven, um für seine Kinder zu sorgen, einen Taschendiebstahl begeht), sondern weil es eben kein „Gesetz" ist, sondern nur eine historisch gewordene freiwillige Bindung, über die jede Generation neu richtet und jede Generation neu zu richten verpflichtet ist. Man mißverstehe mich nicht. Ich bejahe die Notwendigkeit der Zeremonien, weil zur Erhaltung einer Religion jn einer Gemeinschaft die bloße Erkenntnis und das bloße Fühlen reicht ausreichen, sondern weil eine Erkenntnis und eine Uebung des Erkannten und Geglaubten notwendig ist. Daher sind Symbole und Bräuche notwendig, und wir üben sie aus innerem Zwang heraus, weil und soweit wir sie fürnotwendig, richtig und zur Erhaltung und Fortpflanzung ^unserer Rengion für nötig halten, nicht aber, weil der Gesetzgeber mit dem ausgeschlagenen Kodex hinter uns steht. Aus demütig dankbarer Anerkennung der Größe Gottes und seiner Wahrheit' bekennen wir uns, unserem tiefsten Glauben gemäß, zu den „ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgeboten" des Judentums. Wegen der Erkenntnis der praktischen Notivendigkeit einer Erhaltung dieser Wahrheiten auch in dem äußeren Gemeinschaftsleben Israels üben wir die Bräuche. Das eine ist Glaubens- und Gewissenssache, ein heiliger Zwang der Seele, das andere ist nur eine freiwillig geübte Norm, uns lieb und teuer, weil fxe einem hohen Zweck dient, von unsl geübt, weil sie uns ein sichtbares Symbol unserer historischen Gemeinschaft ist, aus der wir nicht herauslönnen und nicht herauswollen. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich die verschiedenartige Bewertung der beiden Gruppen von Geboten. Ich stimme Herrn Dr. Sternfeld vollkommen zu; die Gebote des Sittengcsetzes sind für uns verbindlich, weil sie in uns leben, weil sie von uns aus Grund der auch uns gewordenen Offenbarung anerkannt worden sind. Das Zeremonialgesetz aber steht nicht unter diesem inneren Zwang. Claude Montefiore sagt in seinen „Umrissen" sogar von den zehn Geboten: „Ihre letzte Größe kann wahrlich genau so wie die letzte Größe der Worte des Propheten nur durch ihr inneres Zeugnis erwiesen werden. Sie müssen sich selbst bezeugen, sozusagen durch ihren eigenen Wert." Dieses Sichselbstbez uzen allein bindet uns erst recht an das, was Zeremonialgesetz genannt wird.. Soweit sie sich selbst bezeugen, sind diese Bräuche verpflichtend, auch wenn sie nachweislich historisch Menschenwerk sind. Soweit sie sich nicht bezeugen, haben sie ihre bindende Kraft verloren, auch wenn in u'nserm heiligen Buch die Worte gebraucht werden, daß sie von Gott zu Mose gesprochen sind. Das ist das Schwere an dem liberalen Judentum, daß wir es ernst mit uns meinen. Wir stehen nicht einem ausgesprochenen Gesetz gegenüber, vor dem es nur ein Sichbeugen gibt; wir stehen einer ständigen Offenbarung gegenüber, einem ewigen Ringen mit dem Ewigen, und es braucht keineswegs, wie Herr Dr. Jacob meint, „oberflächlicher Sinn" zu sein, der sich von der orthodoxen Anschauung des Religionsgesetzes zu der liberalen Auffassung der eigenen Bindung an das Gesetz durchgerungen hat. Dieses Ringen hat vielen unserer Besten schwere Kämpfe, schlaflose Nächte, Bruch mit ihren Nächsten und Liebsten gekostet. Die Hauptsache ist der innere Glaube, Gottes Willen mit dem zu tun, was man übt, und der Wille, es sich nicht leicht zu machen mit der inneren Bindung. Ich habe Herrn Dr. Sternfeld nicht so verstanden, daß er ein Mensch der Bequemlichkeit ist; aber er ist ein Mensch der Wahrhaftigkeit, auch da, wo ich ihm nicht in allem folgen kann. Um dieser Wahrhaftigkeit willen muß ich gegen einen Mann wie Herrn Dr. Jacob, den ich hoch verehre als einen der größten Gelehrten und eigentümlichsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums, mit allem Ernst, dessen ich fähig bin, meine Stimme erheben. Was er sagt, ist sicherlich sein Judentum, liberales Judentum ist es nicht. Aber auch unser liberales Judentum verlangt Respekt und die Würdigung, die jede ehrliche, sich zu Gott ausschwingende religiöse Ueberzeugung verdient. Judentum und Weltkultur Dr. Maituck predigt in Berlin. Es war eine wahre Festgemeinde, die sich anr vergangenen Sonntag in dem schönen Gotteshaus der Jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstraße etilgefunden hatte. Wohl lockte das strählende Sommerwetter hinaus in Berlins herrliche Umgebung, aber unser Gesinnungsfreund Rabbi Dr. Israel Mattuck von der Liberal Jewish Synagvgue in London ist in Berlin durch sein mehrfaches rednerisches Auftreten schon so bekannt und erfreut sich so großer Wertschätzung, daß weiteste Kreise das Bedürfnis empfanden, diesen hinreißenden Redner auch einmal aus der Kanzel zu hören. Das Gotteshaus war überfüllt; in der gespannt lauschenden Gemeinde gewahrte man — wenn man so sagen darf — die geistlichen und weltlichen Führer der Berliner Judenschast: Professor Dr. Jsmar Elba gen von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die Berliner Gemeinde-Rabbiner Tr. Julius Galliner, Dr. Baeck, ans dem Kreise des Gemeindevorstandes die Herren Bankier Wilhelm Graetz und Direktor Heinrich Stahl, sowie eine größere Anzahl der Repräsentanten, darunter auch Rechtsanwalt Heinrich Stern, den Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum. Vorstand und Repräsentanz der Resormgemeinde waren fast vollzählig erschienen, und in der Menge sah man — das sei besonders hervorgehoben — viel, viel Jugend. Alle wollten den Freund grüßen, den Führer hören und sich wieder einmal dem Zauber dieses faszinierenden Redners hingeben, dessen Suggestivkrast so groß ist, daß auch diejenigen seinen Gedanken folgen können, die seiner Sprache — des Englischen — nicht mächtig sind! Rabbi Mattuck predigte über das Thema: „Judentum und W e l t k u l t u r" — in England und Amerika ist es ja üblich, daß die Prediger ihre Themen vorher bekanntgeben; und es mag. obwohl diese Zeilen im übrigen lediglich berichten ftllen, in diesem Zusammenhang die Frage ausgeworfen werden, ob eine derartige Einrichtung sich aus mehreren Gründen nicht auch' für Deutschland empfehlen würde. — Dr. Mattuck führte einleitend aus, es sei ihm eine besondere Ehre und Freude, auf der Kanzel zu stehen, die ft bedeutungsvoll für die Geschichte des liberalen Judentums ist. Das Judentum nnt ftiner GottesausfaUung, seinem sinaitischcn Zebnwort. seinem Messiasglauben sei die Grundlage der abendländischen Kultur. Heute aber sei diese Kultur selbst ins Wanken geraten, und da müssen wir fragen, ob das Judentum selber zuknnstskräftig sei. um der Menschheit auch fernerhin ein Führer sein zu können. Der Redner bejaht diese Frage au? vollem .Herzen. Die jüdische Gotteslehre hat nicht nur in alter Zeit einem ganzen Volke inneren Halt gegeben, sie befriedigt auch das moderne wissenschaftliche Deuten. Tie jüdische Ethik, die im Gegensatz zu anderen Religionen nicht Ask'ese.'nicht Abtötung unserer Wünsche und Triebe, sondern deren Heiligung und rechte Benutzung lehrt, gibt die Grundlage ab für modernste Lebensgestaltung im Hinblick auf soziale, wirtschaftliche und politische Forderungen. Gerechtigkeit und Friede ist diese alles andere umfassende Parole für die Lebensgestältung des Einzelnen, der Nation und auch der Nationen untereinander. Nötig zur Erreichung dieser messianischen Ziele sei freilich, daß die Juden sich der tragenden Ideen des Judentums wieder bewußt werden: wie die Völker nicht in Chauvinismus fallen dürfen, so dürfen auch die Juden nicht durch Schaffung eines jüdischen Nationalismus ihrer eigenen Geschichte untreu werden. Nur als religiöse Gemeinschaft hat das Judentum Sinn und Berechtigung, alsolche hat es der Menschheit die Ideen der Demokratie, moderner Wirtschaftsethik und Sozialpolitik — hier hörte man aus den: Munde des englischen Redners einen Hinweis auf Walther Rathenau — soivie der internationalen, pazifistischen Zusammenarbeit gegeben. Gerade die neueste Phase der Geschichte gibt den Juden daher Gelegenheit und erneute Verantwortung, durch Verwirklichung altjüdischer Ideale au unserer heutigen Kultur mitzuarbeiten: „The Jews live by their sermce to humanity, and humanich lives by the service of the Jews." („Tie Juden leben durch ihren Dienst an der Menschheit, und die Menschheit lebt durch den Dienst des Judentums.") * Dr. Mattuck weilt gemeinschaftlich mit The hon. Lily H. Montagu hier in Berlin zu einer Sitzung des Governing Body der World Union for Progressive Judaism (Vorstand des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum), über deren Verlauf und Ergebnisse wir in nächster Nummer berichten werden. Amerikas liberale Rabbiner gegen kriegsdienstzwang 45. Jahresversammlung der Central Conference os American Rabbis. In Wawasee wurde unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. David Lefkowitz die 45. Jahresversammlung der Central Conference of American Rabbis (Verband der amerikäniischeu Reformrabbiner) abgehalten. Rabbi Lefkowitz (Dallas) empfahl in seiner Eröffnungsansprache die Annahme einer Protestresolution gegen den Antisemitismus in Amerika und einer Erklärung, in der die Konferenz sich der an die amerikanische Judenheit ergangenen Aufforderung, für die Bedürfnisse der Juden Palästinas und die Bekämpfung der Not der osteuropäischen Judenheit Sorge zu trag.cn, anschließt. Ferner trat Dr. Lefkowitz für ein Vertrauensvotum an den Weltverband für liberales Judentum in Würdigung der Leistungen dieses Verbandes ejn. Rabbi Ferdinand M. I s s e r m a n (St. Louis) hielt ein Referat über die Lage des Judentums in Rußland. Seine Ausführungen wurden von Rabbi Philip Bernstein (Rochcster) ergänzt, der erklärte, innerhalb von 30 Jahren würden alte Synagogen in Rußland verschwunden sein. An der Diskussion beteiligte sich auch der ehemalige Oberrabbiner Ovon Kasan in Rußland) Dr. George Leit in. Es wurde folgende von der Kommission für internationalen Frieden vorgelegte Resolution angenommen: Dir Zentralkonftrenz der amerikanischen Rabbiner bringt ihre Meinung dahin zum Ausdruck, daß es, wiewohl Bekenner des jüdischen Glaubens zu verschiedenen Zeiten ihre Religion so interpretiert haben, daß sie ihre persönliche Teilnahme am Kriegsdienst rechtfertige, der höchsten Auslegung des Judentums entspricht, sich ans Gewissensgründen gegen jede solche persönliche Teilnahme zu wenden. Wir sind daher Gegner jeder Gesetzgebung, durch die jene Bekenner irgendeiner Religion, die die persönliche Teilnahme an irgendwelchen militärischen Operationen auf Grund ihrer religiösen Aeberzeugung ablehnen, mit Strafe bedroht werden. Ferner wurde nach Befürwortung durch Rechtsanwalt B. H. H a r t o g e n s i s (Baltimore) ein Vorschlag des unter dein Vorsitz von Rabbr Edward N. Catisch (Richmond) stehenden Komitees für Fragen von Kirche und Staat angenommen, wonach eine Untersuchung über den Rechtsstatus der religiösen Minoritäten unter der Bundestegierung und in den verschiedenen Einzelstaaten eingeleitet werden soll. Schließlich wurde eine Resolution gefaßt, in der die von jüdischer Seite ausgehenden Bemühungen, einen gesetzlichen Schutz der Kaschruth durch besondere Gesetze der Einzelstaaten zu erreichen, mißbilligt werden. # Aus der in Wawasee abgehaltencn 45. Jahresversammlung der Central Conference of American Rabbis (Verband der amerikanischen Reformrabbiner) wurde nach lebhafter Aussprache eine Revision des in 400 amerikanischen Reformgemeinden ejngesührten Gesangbuches beschlossen. Während bisher im Gesangbuch das Kol Nidre enthalten war, wird in die neue Auflage nur noch die Melodie, jedoch nicht mehr der Text des Kol Nidre ausgenommen werden. Ein Antrag, bte Hatikwah aus dem neuen Gesangbuch auszuschließen, wurde mit 54 gegen 42 Stimmen abgelehnt. Ferner wurden 177 von nichtjüdischen Dichtern und Komponisten verfaßte Hymnen des alten Gesangbuches durch 200 neue Hymnen ersetzt, deren Melodie und Text durchweg jüdischen Ursprungs sind. Rabbiner Dr. Seligmann Ehrendoktor des Hebrew Union College in Eincinnatt Der Vorsitzende der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands, Mitbegründer und Ehrenmitglied der Vereinigung für das liberale Judentum, unser Freund Cäsar Seligmann, bat durch die amerikanisch-jüdische Wissenschaft eine hohe Auszeichnung erhalten, die wir um ft höher bewerten, als es in den letzten Jahren schien, als habe Deutschland, das Mutterland des liberalen Judentums in der ganzen Welt, heute nicht mehr die Stellung innerhalb des Gesamtliberalismus, die cs unbestrittenerweise einst gehabt hat. Das repräsentative liberale Rabbinerseminar Amerikas, das Hebrew Union College in Cincinnati, hat in einer Festsitzung Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann iu Frankfurt a. M. zum Doctor honoris causa ernannt. Das Diplom hat folgenden Wortlaut: „Die Fakultät und das Kuratorium des Hebrew Union College ernennen hiermit zum Doctor of Hebrew Law Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, den gelehrten und hingebungsvollen Rabbiner, geistigen Führer, zweier Generationen, Interpret des geschichtliche'Judentums, den unerschrockenen, schöpferischen Vorkämpfer des liberalen Judentums, den maßgebenden Geschichtsschreiber seines Entstehens und seines Wachstums und Wegcbahner seiner Wiedergeburt in Deutschland, den eifrigen Mitarbeiter an der Organisation und dem Wirken der World Union sor Progressive Judaism und Verständnis- und verantwortungsvollen Mitberater an deren Ziel» setzung und Programm." . J