Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 26-27 (8.7.1931)
- Date
- 1931-07-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Entweihung der Ra t h ena u - G ed e n k st ä t.t e. In der Pacht zum 29. Juni trieben Nationalsozialisten im Grunewald, vornehmlich an der Königsallee, ihr Unwesen. Unerkannt .entkommene Täter entfernten von den Kränzen an der Erinnerunbstafel sür Walther Rathenau die schwarzrot-goldenen Schleifen und beschmierten die Straße mit großen Hakenkreuzen. Auch di« Wände des Grunewald-Ghinnasiums wurden von ihnen nicht verschont. Arbeiter hatten den ganzen Vormittag zu tun, um die Hakenkreuze und Hetzinschriften von den Wänden zu entfernen. Die Polizei hat die Fahndung nach den Tätern ausgenommen. In München. In München hat die seit mehreren Tagen gegen den Staatsrechtprofessor Nawiasky, der jüdischer Abkunft ist, geführte Hetze zu derart schweren Lumnltszenen geführt, wie sie die Münchener Universität noch nicht erlebt hat. Der völkische Beobachter" hatte einen Hetzartikel gegen Nawiasky veröffentlicht, in welchem behauptet wurde, Nawiasky hätte die Friedensverträye in Brest Litowsk und in Bukarest als ebenso ungerecht bezeichnet, wie den Versailler Frieden. Obwohl seitens der Universität offiziell festgestellt wurde, daß Nawiasky oen Versailler Friedensvertraa entschieden verurteilt hat, ging die Hetze weiter. Am 30. Juni besetzten nationalsozialistische Studenten die Korridore, die zum Lehrsaal Nawiaskys führen, sangen Hitler-Lieder und riefen im Chor: „Juda verrecke!", „Nieder mit dem Juden Nawiasky!", „Tod dem Juden Nawiasky!" Rowdies überfielen zu Dutzenden bald den einen, bald den anderen jüdischen Studenten und schlugen ihn blutig. Der Rektor Professor Rehrn, der die Demonstranten zu beruhigen versuchte, wurde nicht angehört. Polizei mit Gummiknüppeln räumte die Universität. Uebec die Motive der Demonstration, die planmäßig vorbereitet war, orientiert die Aeußerung eines hakenkreuzlerischen Führers vor der Universität, die von zahlreichen Ohrenzeugen gehört wurde. Es handle sich gar nicht um die Frage, ob Nawiasky den Versailler Vertrag verteidigt habe oder nicht, sondern man wolle sich eben von jüdischen Professoren nichts mehr sagen lassen. Man hat Beweise dafür, daß viele der Demonstranten gar keine Studenten, sondern Abkonnnandierte des Braunen Hauses (Hitler-Palais) waren. Die Universität bleibt für einige Zeit geschlossen. * Zu Köln. Nationalsozialistische Studenten und Mitglieder der Hitlerschen Sturmabteilungen veranstalteten schwere Krawalle vyr der Universität Köln zum Protest dagegen, daß eine geplante Kundgebung gegen den Versailler Vertrag im Universitätsgebäude vom Rektorat nicht zugelassen worden war. Tie Krawalle arteten in antisemitische Excesse aus. Eine Gruppe jüdischer Studenten wurde von den Nationalsozialisten angerempelt, weil einer der Studenten angeblich beim Absingen des Deutschlandliedes nicht tief den Hut gezogen hatte. Der jüdische Student wurde zu Boden geschlagen und mit einer eisernen Stange so lange bearbeitet, bis er bewußtlos liegen blieb. Der Rektor ließ durch ein rasch herangezogenes Polizeikommando die Vorhalle der Universität räumen. Auch die angrenzenden Straßen wurden von den randalierenden Studentengruppen gesäubert. Die Presse ist der Ansicht, daß es sich um eine planmäßige Ausschreitung handelt, die durch antisemitische Ruse und Handlungen verschärft wurde, um das Einschreiten der Polizei zu erzwingen und damit Propaganda machen zu können. * In Wien. Am Dienstag, dem 23. Juni, gegen Mittag, verkündete der Präsident des Verfassurigsgerichtshofes der österreichischen Bundesrepublik, Hofrat Dr. Durig, das Urteil des Verfassungsgerichtshofes in der Frage des Rassestudentenrechtes an der Wiener Universität. Das Urteil lautet: Die Verordnung über das Studentenrecht der Universität wird als gesetzwidrig aufgehoben. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß ein.Gesetz auf Rassegrundlagen der Verfassung widerspricht und daß weder der akadenüsche Senat noch das Unterrichtsministerium berechtigt sind, solche Verordnungen zu" erlassen. Nur die Gesetzgebung kann solche Bestimmungen treffen. Unmittelbar nach der Verkündung des Urteils schritten die antisemitischen Studenten zur Ausführung ihres vorher schon gefaßten Beschlusses, eine Aushebung des Studentenrechtes mit antisemitischen Ausschreitungen zu beantworten. Nationalsozialistische Studenten kamen im Laufschritt zur Universität, drangen in die Bibliothek ein und schrien dort: „Das Studentenrecht ist aufgehoben! Juden hinaus!" Mit den gleichen Rufen drang ein anderer Trupp Nationalsozialisten in die Aula ein. Jüdische Hochschüler wurden attackiert und wollten die Universität verlassen, sie wurden aber von den Nationalsozialisten zurückgetrieben und verprügelt. Die Nationalsozialisten formierten eine „Prügelgasse" und schlugen aus alle jüdischen und sozialistischen Hochschüler, die den Ausgang erreichen wollten, ein. Fünf Studenten, darunter ein ägyptischer Staatsangehöriger, erhielten schwere Kopfverletzungen. Im Laufe des Bormittags wurden weitere zwölf Hochschüler verletzt. Ein ungarisch-jüdischer Hochschüler, der vor den ihn. verfolgenden Nazistudenten flüchtete, sprang in seiner Not aus einem Fenster und wurde mit einem Beckenbruch zur Unfallstation gebracht. Die Anschlagkästen der jüdischen, sozialistischen und demokratischen Hochschüler wurden zertrümmert. Der Ermahnung des Rektors zur Ruhe wurde nicht Folge geleistet. Die Polizei, die eingreifen wollte, wurde vom Rektor ersucht, den akademischen Boden nicht zu betrel/n. Diese indirekte Unterstützung ermutigte die Nazistudenten, die Angriffe gegen jüdische Studenten fortznsetzen. Alle Augenblicke flog ein jüdischer oder ausländischer Student blutüberströmt aus der Tür auf das Pflaster. Auch etwa ein Dutzend Studentinnen befindet sich unter den Verletzten, die draußen von der Rettungswache übernommen und verbunden wurden. Auch Professoren, die ihrem Unwillen über die Ausschreitungen Ausdruck gaben, wurden bedroht, so der bekannte Rechtslehrer Professor Merkt. Professor Ludwig Hupka wurde gezwungen, aus dem Lehrsaal zu flüchten. Am Nachmittag hielten die völkischen Studenten eine Protestversammlung ab, in der die Forderung aufgestellt wurde, das Rektorat solle eine „judenreine Woche" bis zürn 2. Juli xinführen, in der es „Nicht-Ariern" verboten sein soll, die Universität zu betreten. Die Völkischen beschlossen ferner, zu Ehren des für ihre Sache eintretenden Rektors Uebersberger am 2. Juli einen Fackelzug zu veranstalten. Im Zusammenhang mit den Studentenunruhen wurden die Universität, die Technische Hochschule, die Hochschulen für Bodenkultur und für Welthandel bis auf weiteres geschlossen. In der Bevölkerung herrscht große Empörung über das Verhalten der Hakenkreuzter, man sieht es als besonders bedauerlich an, daß die Hitler-Leute'ihre Ausschreitungen gerade in der Stunde anzettelten, in der mehr als 4000 Rotarier aus allen Erdteilen in Wien versammelt sind, um eine Botschaft der Brüderlichkeit an alle Nationen zu richten. Tie Unruhen wiederholten sich am Morgen des 24. Juni und griffen diesmal auf die Umgebung der Universität über. Am Mittag kam es vor dem geschlossenen Universitätsgebäude zu neuen blutigen Ausschreitungen. Sozialistische Studenten, die an Armbinden kenntlich waren, wurden von einer zehnfachen Hakenkreuzler-Uebermacht überfallen und schwer mißhandelt. Unter den Rusen „Deutschland erwache! Juda verrecke!" versuchten starke nationalsozialistische Trupps einen Sturm auf das der Universität benachbarte Rathaus. Tie Gitter vor den Höfen mußten geschlossen werden. Beim Zurückfluten der Studenten wurden aus dem viele hundert Mann starken Hausen Stimmen laut, die zu einem Zuge in die Atser-Borstadt und zur Plünderung der dortigen jüdischen Geschäfte aussorderten. An der Ecke der Lievigstraße und der Ebendorferstraße wurde der Trupp von Polizei abgedrängt und von Polizei auseinandergetrieben. In der Umgebung der Universität versuchten nationalsozialistische Studenten immer wieder jüdisch aussehende Passanten anzngreisen, sie wurden aber von der Polizei daran gehindert. An den Eingängen zur Universität wurden wiederholt Aufschriften „Juden Eintritt verboten!" angebracht, aber sofort von der Polizei entfernt. Wien, 25. Juni. (J.T.A.) Ter Rektor der Wiener Universität, Professor Uebersberger, hat im Namen der Rektoren der Wiener Hochschulen eine Kundgebung an die Studenten erlassen, in der es heißt: „Die Rektoren der Wiener I Hochschulen werden die deutsche Studentenschaft in allen Bei mühungen unterstützen, ihren Zusammenschluß auf neuer recht-! licher Grundlage zü erhalten. Die Rektoren, die, der großen Erregung der deutschen Studentenschaft Rechnung tragend, die Schließung ihrer Hochschulen verfügt haben, mißbilligen die vorgesallenen Ausschreitungen auf das schärfste und ermahnen die Studierenden zu Ruhe und Ordnung." Im übrigen wird erklärt, daß die Entscheidung des Bersassnngsgerichtshofes bindend sei. * Protest der amerikanischen Liga in Wien. Die amerikanische Liga zunr Schutze der ausländischen Studdnten in Wien hat eine scharfe Protestnote gegen die Hochschulkrawalle an der Wiener Universität an den Präsidenten Hoover, an den amerikanischen Gesarrdten in Wien und an die österreichische Regierung gesandt. Es heißt darin: Wir Unterzeichneten Anrerikaner protestieren gegen die wiederholten Angriffe auf ausländische Minoritäten, wie Ungarn, Polen, Juden. Wir sind hierher gekommen voll Bewunderung und Respekt für die österreichische Kultur. Durch die Auswüchse, die wir miterleben mußten, sind wir aber aufs tiefste empört und bedauern, daß auch die übrige Kulturwelt tu gleicher Weise über diese Vorgänge entsetzt sein wird. Wir warm Zeugen, wie einzelne Studenten von 50- bis lOOköpfigen Banden feige und mitleidslos niedergeschlagen wurden. Sogar Frauen wurden verletzt. Wir protestieren gegen das kulturelle Unikum, das der Rektor der Universität, Pros. Hans Uebersperger, es verabsäumt, diese Opfer zu Goethe und Judentum Bon Heinrich K u r tz i g. In meinem Buche „Ostdeutsches Juoentum" berichte ich über ein schauerliches Drama, das sich in: Jahre 1840 in Damaskus abgespielt hall Tort war ein Pater Thomas ermordet worden, und man hatte die Juden in der Stadt beschuldigt, daß sie ihn geschlachtet hätten, um sein Blut sür rituelle Zwecke zu verwenden. Tie Unglücklichen hatten unter dieser lügenhaften Verdächtigung unsägliche Leiden zu erduldeil, aber sie fanden auch unter hervorragenden Männern, Christen und Juden, ihre Annehmer, die das ruchlose Lügengewebe erfolgreich zerstörten. Unter diesen Persönlichkeiten befand sich auch der aus Glcgau stammende Professor der orientalischen Sprachen an der Pariser Unioersttät, Ritter der Ehrenlegion, Salomon Munk, der als Sekretär und Dolmetscher Crömieux' in der traurigen Angelegenheit in Alexandrien tätig war. Der der Darstellung dieses Ereignisses bemerkte ich in meinem Buche, dar. lein Geringerer als Goethe dieses Solomon Mnnk, der ihn in Weimar besucht batte, in seinem Tagebuch Erwähnung tut. Damals glaubte ich, das die Beziehungen Goethes zu einem Juden eine seltene, bemerkenswerte Erscheinung wären. Inzwischen bin ich aber darüber informiert worden, daß. Goethe viel mehr Beziehungen zu Juden gehabt hat, wie man wohl im allgemeinen annehmen möchte. Meine Belehrung schöpfte ich aus einem im Jahre 1925 erschienenen Buche*), und da dieses wenig be- *) Goethe und die Juden dort Heinrich Teweles. Hamburg 1925. kannt ist, dürfte meine nachfolgende Darstellung wohl weitgehenderem Interesse begegnen. Aus zwei Quellen hat Goethe vornehmlich seine Kenntnis des Judentums und der Judetr erworben, einerseits aus. der Bibel, die er im Urtext lesen konnte, da er sich neben dem „Judendentsch" das Hebräische angeeignet hatte. Seine Tagebücher verzeichnen 1811 wiederholt Beschäftigung mit der hebräischen Geschichte und Sprache. Neben der Bibel und dem Studium jüdischer Antiquitaten, Besichtigung von Synagogen usw., war es die Frankfurter Judengasse, die sein jüdisches Wissen bereichert hatte. Cr hatte öfter die jüdische Schule besucht, einer Beschneidung und einer Trauung unter der Ehuppa beigewohnt, Laubhütten besichtigt, und so hatte er sich schon frühzeitig ein Bild jüdischen Zeremoniells und jüdischen Lebens gemacht. Sein Gesamturteil über die Eindrücke im Frankfurter Ghetto lassen sich in 2 Sätzen erkennen, die er später nieoergeschrieben hat. Einerseits sagt er: „Die Enge, der Schmutz, das Gewimmel, der Akzent einer unerfreulichen Sprache, alles zusammen machte den unangenehmsten Eindruck." Dagegen äußert er sich an einer andern. Stelle freundlicher über die Ghettojuden: „Sie waren ja auch Menschen, tätig, gefällig, und selbst dem Eigensinn, womit sie an ihren Gebräuchen hingen, konnte man seine Achtung nicht versagen." Das Interesse an den Juden und die Beschäftigung mit ihnen begleiten den Dichter sein ganzes LebM hindurch.! Hierfür lassen sich aus seinen Tagebüchern viele Beispiele anführen. Das mochte bei einer deutsch-völkischen Zeitung > den Zweifel an Goethes echtem Deutschtum erweckt haben, l Tie Innsbrucker „Volksstimme" vom 31. März 1922 zitiert verteidigen, vielmehr feinen eigenen Studenten den Eintritt in die Universität vechietet, und der Polizei untersagt, dm Angegriffenen zu Hilfe zu eilen. Wir protestieren dagegm, daß ein solcher Mann im Amte verbleiben darf und fordern seine Entlassung! Wir protestieren gegen das Berhaltm der Polizei, die immer zu spät kommt und die Festgmommenm ohne Bestrafung wieder entläßt. Wir werden von diesm Vorgängen die amerikanischen Organisationen und Philanthropen, welche die Wiener Universität bisher unterstützt haben, in Kenntnis setzen. Wir fordern. Schutz von der amerikanischen Regierung! Denn das Lebm von Amerikanern ist in Gefahr! Der Brief enthält die Unterschriften namhafter in Wien lebender Amerikaner, sowie des Exekutivkomitees der „Members of the American Medical Association of Vienna". ' # Pogrome in Saloniki. Die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki haben folgende Vorgeschichte: Auf der vor etwa zehn Monaten abgehaltenen Makkabiade in Bulgarien hatte sich der jüdische Sportklub Makkabi in Saloniki durch Herrn Jsaac Cohen, der sich damals gerade in Sofia aushielt, wo er mit Dr. Alexander Rvsenseld aus Berlin über die Bedingungen eines Anschlusses des Saloniki er Makkabi an den Makkabi-Weltverband verhandeln sollte, vertreten lassen. Ungefähr zur selben Zeit fand in Sofia ein Kongreß der mazedonischen Jugend statt. Nach seiner Rückkehr nach Saloniki wurde Herr Cohen einem polizeilichen Verhör unterzogen. Er teilte den Zweck seiner Reise nach Sofia mit. Vor wenigen Tagen hat die Salonikier antisemitische Zeitung „Makedonia" die Angelegenheit aufgegrisfen und berichtet, der Makkabi in Saloniki stehe im Einvernehmen mit den bulgarischen Komitatschis und dem Lazaristen-Orden in Saloniki, die die Autonomie Mazedoniens proklamieren wollen. Jsaac Cohen sei der Delegierte Salonikis auf dem Kongreß der bulgarischen Komitatschis gewesen. Diese Mitteilung wurde dann auch von anderen Zeitungen wiederholt und znin Anlaß heftiger Allgriffe gegen die Juden, die angeblich gegen den Staat arbeiten, genommen. Am 23. Juni wurden von Hörern der Universität in Saloniki Flugzettel verteilt, in denen es hieß, die Juden hätten im Jahre 1821 den Patriarchen Gregor durch die Straßen Konstantinopels geschleift; die Juden arbeiteten im Einvernehmen mit den Kommunisten und den Komitatschis daran, Griechenland das Grab zu graben. In dein in Tausenden Exemplaren verteilten Flugblatt wurde zunr Boykott der Juden als Vorspiel für spätere „größere Kämpfe" aufgesordert. Saloniki, 25. Juni (J.T.A.). In Saloniki kam es am 23. und 24. Juni zu jndenfeindlichen Ausschreitungen schwerer Natur, die mit einer scharfen antijüdischen Hetze verbunden waren. Griechische Studenten verteilten unter der Bevölkerung Flugzettel, in denen die Christen zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott der Inden aufgesordert wurden. In den Flugzetteln wurde behauptet, daß der Salonikier jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betreibe. Gleichzeitig übersielen Studenten jüdische Passanten in den Straßen und mißhandelten sie schwer. Unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis herrschte wegen dieser Angriffe und falschen Beschuldigungen starke Erregung. Die jüdischen Abgeordneten Salonikis in der griechischen Kammerr wurden aufgesordert, die Regierung um Schutz der Ehre und der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung zu ersuchen und von dem Forum des Parlamentes aus die gegen den Makkabi erhobenen Beschuldigungen zurückzuweisen. Gouverneur Gonostas versandte eine Erklärung an die Presse, in der er die antisemitischen Ausschreitungen rügt und betont, daß die Juden ihre staatsbürgerlichen Pflichten stets treu erfüllen. Athen, 25. Juni (J.T.A.). Die jüdischen Abgeordneten von Saloniki erklärten heute im Parlament, daß die gegen den Salonikier jüdischen Sportklub Makkabi und gegen die jüdische Bevölkerung Salonikis im allgemeinen vorgebrachten Beschuldigungen der Illoyalität gegen den Staat vollkommen grundlos seien. Die Judenschaft Salonikis weise solche Beschuldigungen mit Entrüstung Zurück und fordere, daß die Regierung gegen die Urheber der Beschuldigungen und die Veranstalter der antisemitischen Straßenausschreitnngen vorgehe. Die Regierung veröffentlicht einen Ausruf, in welchem die Bevölkerung aufgefordert wird, Ruhe und Ordnung zu bewahren und die jüdischen Mitbürger, deren Loyalität gegenüber dem Staate außer allem Zweifel stehe, nicht zu belästigen. Saloniki, 25. Juni (J.T.A.). Auch heute kam es zwischen Christen und Juden in Saloniki zu kleineren Zusammenstößen. Die Mehrheit der christlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Der Gouverneur von Mazedonien, Gonostas, hat verfügt, daß alle antisemitischen Flugschriften zu beschlagnahmen seien und daß gegen die Verfasser ein Verfahren eingeteitet werde. folgenden Ausspruch eines Wiener Blattes: „Sieht man Goethe an, diese vorquellenden, dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns. Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise, und fragwürdige Ehe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr ein Semite als ein Deutscher war." Nun, verehrte Redaktion in Wien! Goethe ist und bleibt, trotz Ihrer „geistvollen" Ausführungen doch wohl ein „deutscher" Dichter, und man wird ihm sein Deutschtum auch deshalb nicht absprechen, wenn er aus der Zeit seiner Theaterleitung zornig eine Verspottung der Juden von der Bühne herab verboten hat. Er sagte damals: „Es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talente in Kunst und Wissenschaft auszuweisen hat, gleichsam an den Pranger zu stellen." Wollte man aus solchen Aeußerungen eine konsequente Judenfreundlichkeit Goethes erkennen, so würde man irren. Er muß von Stimmungen abhängig gewesen sein oder seine Ansichten gewechselt haben. Er schrieb z. B. am 24 Jum 1816: „Tie sämtliche Judenschaft erzittert, da ihr grimmiger Gegner nach Thüringen kommt. In Jena darf nach altem Gesetz kein Jude übernachten. Diese löbliche Anordnung dürfte gewiß künftighin besser als bisher aufrecht erhalten werden." Wer denkt hier reicht unwillkürlich arr Frick? Aber es handelt sich natürlich nicht um den nationalsozialistischen Exminister, sondern um einen jndenfeindlichen Professor ähnlichen Na-