Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 24-25 (24.6.1931)
- Date
- 1931-06-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2613366-2614107-2614127--4003-2621660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zubiläumskonferenz des Welkverbandes «Ort" in Berlin Die Jentralverwaltung des Verbandes „Ort" hat das Dainni des Zusammentretcns der IV. Allgemeinen Konferenz des „Ort" Verbundes, für den 16. bis 18. August d. I. festgesetzt und di? Einladung.. di? „Ort"-Lrganisativnen in den verschiedenen Ländern bereits verschickt. Diese .Konferenz ist eine Jubiläumskonferenz des „Ort", die das Fazit des 5l> jährigen Bestehens Her Gesellschaft „Ort" ziehen soll. Aach der vorliegenden provisorischen Tagesordnung wird die Eröffnung unter dein Zeichen des Jubiläums stehen. Außer dem einleitenden Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden der Jentratverioaltung des Verbandes, Tr. Leo Bramson, des Bericht des Agronomen I. Jegelnitzky (Moskau) über die aktuellen Probleme der „Ort" Arbeit in der Sowjet-Union und des Berichtes des Tr. T. Loovitch über die finanziellen und wirtschaftlichen Ausgaben des „Ort" Verbandes, sowie einen. Vortrage des Justizrats Tr. Julius Brodnitz über die Ausgabe» der „Ort" Organisationen in Westeuropa und den überseeischen Ländern, stehen aus der Tagesordnung der Konferenz wichtige Referate, die über den Rahmen der „Ort" Tätigkeit binausgehen. lieber den gesamten Kvinpler der wirk schastlichen Fragen des osteuropäischen JudentnniS und die Wege der jüdischen Wirtschaftspolitik wird Dr. A. Singa lowfkl), über die Konsolidierung der Tätigkeit der jüdischen sozialsnrsorgeristchen Kreise und die ivirtschaftlichen Probleme des osteuropäischen Judentums wird Dr. M. Lilberfarb (War schausprechen. Zur Behandlung steht auch das Thema: „Mittel und Wege zur Rationalisierung des jüdischen Hand werts" -Tr. I. Jaszunsky, Warschau). Tie Tagesordnung sieht ferner eine „Reorganisation der leitenden Organe des „Ort" Verbandes" vor. Tie Konferenz findet in Berlin statt, Es ist mit einer starten Beteiligung aus den verschiedenen europäischen und übersecisrhen Ländern zu rechne», da sich der Attionsradins des „Orr" und der Kreis der „Ort" Freunde in den. letzten Jachen bei räch! lieh erweitert haben. Tie Aktionsausschüsse des „Or:" in Deutschland, deren Iaht heute bereits 68 erreich: bal, werde-'i aktiven Antei! an den Arbeiten der Kon fe,l'i,'> nehmen. ttz.vster Erfolg einer «rchtigen „Or."-Fatzrtt in Lodz. Tie rem Ort Verband ins Leben gerusene Geitossenschaji für nwch attische Wrlerei „Progres" iu Lodz faini ituii aus rin- ' ittjabrige Tätigkeit zurückblicten. Tie Gründung der Sr. t'.e.sjcnschasr war als Einleinuig zu einer gröberen Aktion zur Mechanisier»rng der jiidischen .Handwederei in Lodz und Uingelnng actachl. Tie Ergebnisse des erste» Jahres über., nur.» alle E'.loarmngen. Ob.v-.'h! die Genossenschaft in einer Jeit! er sthwersten Krise der Lodzer. Teptiliudiinrie und der Man'enarbiilslosigkeit begründet tvnrde, konnte sie sich mit En,o!g »'ehanpten und batte nach lvenigen Monaten 25 mrchaitischr Wetr-maschinen iii Betrieb. Ter llnisatz rer Ge noch,irschasl errcick'.te 1100:) Dollar, ivobei die Löhne oer tKcnostenschailsniilgtieder den Tnrchschnittslohn eines Hand. :v:b-.rs bei weilem überstiegen. Tie OW'nossenschastsiabrik diente : not eich als LcPrsabrik und bildete i m Lause des Jahres >ine oröstere Anzahl jüdischer Arbeiter jür die ukechanische ABbroei ans, die sämtlich in den Fabriken Stellung ge,unden! c.bcn. Jur Frier des einjährigen Jnbiläuins des „Progreß" erschienen zahlreiche Vertreter der jüdischen Wirtschastsorgani.- satiouki'.. der jüdischen Handwerker und der Lodzer Han'o- :v"t kskamiiier. Weltbund der jüdischen Gehörlosen Bei einer Festlichkeit des Krakauer Gehörlvsenvereins „Freundschaft" hatten die aus altert Ländern zitfammenge kommenen taubstummen Damen und Herren beschlossen, ei neu internationalen Bund der jüdischen Gehörlosen zi, grün den. Provisorisch wurde als Vorsitzender Herr Erwin Kaiser ans Berlin geivählt, der mit .Hilfe mehrerer anderer .Herren die Vorarbeit leistete. Nunmehr beim 10 jährigen Bestands judiiäum des Jentralvereins der jüdischen Taubstummen und schwerhörigen der Tschechoslvivakei mit dem Titz in Prag tagte auch der 1. internationale Kongreß der jüdischen Taub stttinmkn. In den langen und schweren Telegiertensitzungen vom 26. bis 25. Mai batte man alle notwendigen Punkte, Statuten, Mitgliedsbeiträge, Ttimmrechte der einzelnen Länder vorbereitet, und am Montag, den 25., nachmittags 8 Uhr tonnte die öffentliche Titzung stattsind eu. .Herr Polaoek (Prag) * | Versammlungskalender! : ir f Berli«-Nvrden. Während der Monate Juli und August veranstaltet die Bezirksgruppe Norden des Liberalen Vereins an jedem 2. Dienstag, abends ü Uhr, in Sportrestaurant „Einsame Pappel", Cantianstratze (Rahe Hochbahn Danziger Straßei. ein gemütliches Beisammensein. Käst» und Mitglieder anderer Bezirle sind herzlich willlommen. 3 * : Gottesdienste j * j Berlin Jüdische Resormgemrinde. Gottesdienste am Sonntag, dem 28. Juni. Johannisstraße 18: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststrahe 10: vornüttazs 10 Uhr; Predigt: Dr. Rofenthal. Gottesdienste am Svnntng, dem 5. Juli. Jvhannisstraste Ui: vormittags 10 Uhr; Kastpredigt: Rabbiner Dr. Mattuck-London. Kleiststraße 10: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. wurde znm Leiter der Versammlung, Herr Direktor Tr. Reich (Berlin Weiftensee) znni Ehrenvorsitzenden ernannt. Als Name wurde bestimmt: „W e l t b u n d der jüdif ch e n G e Hörlosen". Tie Statuten wie auch das Ltimmeuverhält nis wurde iu der von beit Telegierten beratenen Form angenommen. Pro Kopf müssen die dem Weltbund a»geschlosseneit Verbände ■/,„ Tollar absühren. Dem. Bunde tratet! sofort bei: Belgien, Deutschland, Oesterreich, Polen, Tschechoslowakei und Ungarn. Frankreich hat sein Erscheinen zum nächsten Male zi^esagt, und sein Beitritt wird erwartet. Jum Präsidenten des Bundes wird Kaiser (Berlin) gewählt^ zum stellvertretenden Präsidenten Liban (Krakau), znm Schatzmeister Lederer (Wien). Ter Präsident hat sich beiin Schrift sührer und einem Beisitzer mit Zustimmung seines Landesverbandes selbst zu wählen. Ter Zweck des Bundes ist die Vertretung der Gehörlosen in allen Ländern. Ter Bund soll dafür'sorgen, das; überall, wo jüdische Gehörlose in größerer Zabl vorhanden sind, die notwendigen Bildungseinrich tungeir geschossen werden, das; zumindest die jüdischen larw sinlinnen Kinder in ihrer Religion unterrichtet werden, und dos; für Gottesdienste Sorge getrogen wird. Vor ollem soll er ober für die Gleichberechtigung der Gehörlosen arbeiten in Wirtschaft und Gesetzgebung. (In einigen Ländern sind den (Gehörlosen verschiedene Berufe durch falsche und ungerechte Beurteilung verschlossen, in anderen ist ihnen die Erd berechtigiillg ltnd die Sclbstäudigceit versagt.- Eine andere Ausgabe des Bundes ist, zu veranlassen daß altersschwache oder erwerbsunfähig gewordene Oiehörlose nicht durch die falsche Beurteilung von Aerzlen, Juristen oder Sozialfürsor gern in Anstalten für Geistesschwache untergebracht werden. Ter Bund wird sich auch zu wenden haben gegen die Ein waiidernngsbeschränrnngen für Oiehörlose in einigen Ländern. Er Hot also eine Fülle von Ausgaben. Damit er sie lösen kann, ist die Oieschlossenheit und Einigkeit alter jüdischen Ge härlosen liub darüber hinaus sogar aller Oiehörlosen uotmen dig. Und so mns; man hoffen, das; er .Hand in Hand mit der „Jnternationalen Gehörlosen Liga" arbeiten wird. Die Bevölkerung der Zuden auf der Erde nicht 1 Prozent der Gesamtmenschheit Tie „Zeitschrift für Tomographie und Statistik der In! den" bringt eine von Raymond Pearl, Leiter des Biologischen | Instituts an der I. Kopkih Universität, hergestellte Statistik! der Bevölkerung der Erde, wonach der gegenwärtige Stand der Menschheit aus 1810 500000 Seelen bemessen wird. Tie Bevölkerung mosaischen Glaubens ist an dieser Gesamtheit niit nur 0,8 Prozent beteitigt. Ten 0,8 Prozent Israeliten stehen 86,0 Prozent Christen und 62,8 Prozent Nichtchristen gegenüber. Ten absoluten Stand dc'S Gesamtjudentums gibt Raymond Pearl mit 15 630 000 Seelen an. Die absoluten Iahten für die anderen Religionen lauten wie folgt: Rv- .lnisch-Katholiken 331 5000000 * (17,9 Prozent der Gesa mibe völkerung der Erde); Protestanten 206 900000 (11,2 Prozent); Orthodoxe und andere Christen 14-1000 000 (7,8 Prozent): Mohammedaner 209 021)0000 (11,3 Prozent): Buddhisten 150180 00t) (8,1 Prozent): Hindus 2301-50 000 (12,5 Prozent); Anhänger von Konfuzius und Taoiten 350 600000 (19,0 Prozent); Animisten 135 650000 (7,3 Prozent); son stige Nichtchristen 75 870 000 (4,1 Prozent). In wundervollen, bewegten Gedichten schildert er aus seinen frühen Tagen „Tie Bibel", die jüdische Erinnerung an seine „Babe Malle", und sein enges Ghetto iu der mährischei> Stadt Gaya. Eüa echt Misch sehnsüchtiges Gedicht, spricht ,,Jm Ghetto" prophetisch und revolutionär ans, daß: ... Manchmal, o an gottgewollten Tagen In hundert Jahren vielleicht Bringen Frühlingswinde Tust zu diesen Menschen lind 'die Sonne zeigt sich scheu, entweicht. Und der Sonnenstrahl wird einen Jüngling Finden, dem er in die Seele fällt. Daß darin die Sehnsucht werde... Sehnsucht bringt den Messias der Welt!" - Und nun tvander't Svnka, wandert, wandert irr feiner Sehnsucht durch die ganze Welt. Bon der .Heimat in die Fremde, rastlos, ruhelos suchend. Er sucht! Er sucht mit der Sehnsucht des aus dem Ghetto hinausztchendeu, die Einheit des Menschentums. Sie ist ihm der Messias! Er srtcht aber auch sich und konfrontiert sich! mit sich selbst, immer, stets. Er zergliedert in inächtigen Bildern und Strophen das Unrecht dieser Welt, schleppt sich auf den Landfr rustc», diesem „Palast der Bagabundei«" und erkennt! Sv spricht er auch das Wort gegen die Ordnung, die nur Unordnung ist. „Alle Macht den Bettlern" wird sein schmerzvoll erfahrener Wahlspruch. Tort findet er noch den Menschen, den Menschen, der den Traum der Freiheit nä'mnt. Bettler ist auch Sonka um frei zu sein: Tie ivte, rauchende Opferschale Mit meinem Herzblut Leg' ich dir zu Füßen Freiheit! — •— —- Tann fragt er traurig und zornbebend im vierten Buch des Werkes: „Wann werden Ferien sein?" Wann wird die Welt erlöst sein?! Die Bettlet nud Sonka? Immer die Frage und die Sehnsucht aus allen feinen Bagabündentvegen! El antwortet. 'Wahrhaft herrliche Worte der Auflehnung, aber auch der Gedanke iu das Höchste, in die letzte Einsicht: Gott ist die Ruhe, Vollendung In nichts entwandelter Kraft. Ist bildlose Beendung Von Zeit, Tod und Wanderschaft! - Ein wahrhaft erschütterndes, großies Buch, das aus dem Sinnen und Denken des jüdischen Vagabunden entstammt. Die Sprachkraft ist gewaltig, mitreißend und tief. Wir erkennen das aufrauschende jüdische Blut in seine,» Werke. Nicht weis er genug oft von. Jüdischen spricht, sondern weil sein Ausbäumen gegen alles Unrecht, sein Mitleid mit den Getretenen, seilte tiefe Sehnsucht nach reiner Freiheit, seine Rastlosigkeit im Suchen, echt jüdisch sind! So wie oollkonunen jüdisch die Ausmündung, von Revolution gegen Menschenunrecht iu cm ganz erhöhtes Gottesbewußtsein! Und dann das Durchrieseln seines jüdischen Heimätsbewusttseius, wenn er heimatlos aus den Steinen liegt. Und das wundervolle Einatmen des Volkstums seiner Umgebung, der Slowaken! Hier gelingen ihm, dem Judenjungen zarteste slowakische Volkslieder! Ihm, den, jüdischen Vagabunden!! Ein Vagabund, der getrieben, rastlos herumstreicht... und doch: „der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du"... Ist er, Sonka, ein Vagabund? Wir sind ja alle Vagabunden auf dieser Erde! Wir wandern und wandern ... - — Nur fragen wir nicht alte! „Verse von unerhörter innerer Spannung zeichnen die Fährten seines in Wahrheit und im Geiste ab'euteuerlichsn. Rebellenlebens", so spricht der Verlag Zsolnah von Sonkas, des jüdischen Vagabunden, Buch. Ehrenpflicht ist es, auf dieses reiche, groste und schöne Buch des jüdischen Vagabunden hinzuweisen. — Wie reich ist doch dieser arme jüdisch« Vagabund! Siegmund Reis, Berlin. Schändung eines jüdischen Friedhofs im Elsaß Ulte Täter haben aus dem historischen Judenfried-, hos zu Rosenwillcr im Elsas; 24 Grabsteine umgcworfru und zum Teil zertrümmert. Darunter befindet sich auch der Grabstein des berühmten Rabbiners Johann Levy aus Obernai und seiner Frau. Es ist dies der erste Fall einer Schändung eines jüdischen Friedhofs in Frankreich. Sigmund Freud-Straße in Wien Ter Wiener Magistrat berät gegenwärtig über eine Vorlage betreffend die Umbenennung der Berggasse, in der Prof. Sigmund Freud seit 46 Jahren wohnt, in „Sigmund Freud- Straße". Tie Umbenennung wird, wie verlautet, noch im Lause dieses Sommers erfolgen. Mortimer Schiff hinterläßt 1000000 Dollar für Wohtfahrtszwecke Ter vor kurzem verstorbene Mitchcf des Bankhauses Kuhn, Loeb G Ev., Mortimer Schiff, hat eine Million Dollar für Wohlsahrtszwecke meist für jüdische hinterlasseu. Ter New Porter Verband jüdischer Wohlfahrtsvereine erhält allein -500 000 Dollar. (Jta.) Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die gesetzliche Verantwortung. Stellt die Reisezeit in den Dienst jüdisch-religiöser Propaganda; Ein klein»'» Erkebni», On» iw uuv 0»un'» Jahren in einem Badeort halte, schein! mir werrvoll;;eiiti^, e-5 der OesseiiUichleit als Anregriiia mikzuteilen. Ich desand mich zusälli,; an einem jüdischen Feiertchge an diese», Orte und ivollte einen indischen biollesdienst besuche». In meinem lebhasiesle» Bedauern mns;tr ich an dem Stur- Hanse, um B. die karholisebe» und evangelischen Gvltesdienfte mil Jeir und Lrl angeschlagen waren, sestsieUen, das; ein jüdischer bkvtlesdienst nicht bekaniiigeaeoen ivar. Bl» iet> dann mit einiger Mühe heransiand, uu> der sivtlesdienst abgehalien ivurde, fand icli darr nur eine ganz geringe Beleidigung van Einheimische!,, vv» Fremden üoerhailpi „ich!. Biese» Jchlei, jüdischer Propaganda ist meine» Wissen» säst überall z» verzeichnen. Ich möchte daher zur Hauptreisezeit anregen: 1. Tie jtidi sebe» Gemeinden, die siel, a» Knrvricn desindcn, mögen ihre gouesdienstiicheii Peraiislntuinge» an Stetten ansäNagen, die de» Unrgäste» zugänglich sind. 2. Unsere liberalen Freunde möge» darauf achte», ob solche Änschlüge ersolge», und, wenn »ich,, die jüdischen wemeindcn an solchen Orten veranlassen, das; sie die Betanntlnaelning in der angc regle» Weise vornehmen. Selbstverständlich sollen nnsere liberalen Freunde-diese löaüe» diensto selbst besuchen und Bekannte und Freunde znm Besuch ver anlasso». t. Sicherlich wird es dankbar begtüstl iverden, ivenn an einem kleinen Badeori die zur Erholung iveilenden Nabviner, Kantoren und Lehre, sich für goltesdienstkiche Fuiiklionen zur Bersügung stellen und dann, vielleicht eine Belebung des Gottesdienstes unb die Be teiligultg der jüdischen Kurgäste veranlassen. A l f r e d I a u l l> s. Aus der Bewegung Berlin. lL a m IN e r s e st.) Am 13. Juni veranslatlete der Liberale Verein, von schönstem Wetter begünstigt, ein Sommerfest in de» Parkanlagen und Gesamträumen des Landes Ausstetknngs- Parks illlap), an, Lehrter Bahnhof, das sehr gt,r besucht ivar und ausgezeichnet verlies. Ter Nachinilkag ivar den Kindern geividmet. Tie jüdischen Jugendbiinde iJli und T.J.J.G.) nahmen sich der zahlreich erschienenen Kinder an und spielten, mit ihn-eu Wettspiele, bei den,.',, es allerlei Süstes als Preis zu erringen gab (eine Kiste Schokolade gestifket von Tir. W. Kleemanit). Tie Spiele waren von M. Tobotter und kti. Aockman» ansgezeichnel organisiert und vorbereitet ivordeu, so das; alles großartig klappte. Wie groß lvor die Freude der Kleinen, als es hieß: alles in den Saal, >vo Frau Rose Hosfmauir. ihr Kino ausgebaul hatte, und zwei sehr nette Filme vorführte, die den Jubel der tleiuen Zuschauer nuslösten. Ter Schauspieler Gerda las mit seinem Einfühluugsvermögeu zwei Andersen'sche Märchen vor, denen die Kinder unter größter Auteiknahiue folgten. Ter Abend gehörte den Erlvachscneii, aber die Freude ivar ebenso groß >vie bei de,, Kleinen am Nachmittag. Dafür sorgte schon die ausgezeichnete .Kapelle „Jaro Michalel", die unermüdlich zum Tanz aufspielte und die zahllose», zum Teil recht ivertvolle» gestiftetes (tzewimie {u. a. zlvei Seereisen Ha in bürg -Helgoland, Bremen -- .Helgoland, ein Tisch, Teppiche, silberne Kunstgegeuständc und weit über 0lü> andere hübsche Tinge) der kunstvoll ausgebaule» Tombola; vor allein aber das Kabarett, das de» Höhepunkt des Abends bildete. Frau Jsaaesohn halte i» liebenswürdigster Weise die Zusammenstellimg überiiomine», die ihr ansgezeichnel gelungen ivar. Kapellmcister Hugo Leonard begleitete mit seinem Verständnis die musikalischen Tarbietunge». Tie Conference hatte Georg Tücher vom Wintergarten, der mil einem trockenen, unividerstchlichcn Humor die Zuhörer zu Lachstürme,r hinriß. Aus der Fülle der Ta,bie,u»geii seien hier genannt: Die Tänze von Dorothee 6Khn, rassig und voll Cinsühlnugsvermögen in die Musik, die machtvolle und doch von ci^zückendem Schmelz klingende Stimme Sonja Lcnnrds, die ausgezeichnet potiilierlcn Chansons von Hedh Haas, von denen besonders ihr „Sez;' Appeal" ganz besonders gefiel^ Werner Fink aus der Katakombe mit seinen bekannten Dichtungen, Lili Flohr mit einigen geistreichen Chansons, der Blitzdichter Richard Schwarz, der aus zugerufenen Zitaten klingende Verse machte, Lili Grün mit eigenen Dichtungen, und Frau Gerta Jtal in musikalischen Schöpfungen von H. Leonhard. Auch Hugo Fischer-Köppe, der vielgenannte Schauspieler und Regisseur, hatte sich zur Verfügung, gestelll. Eingeleitct wurde das Kabarett mit der Ansprache des ersten Vorsitzenden des liberalen Vereins, Laudgerichlsrats Tr. Martin Lesser, der in seinen herzlichen Worten so recht die Stimmung der zahlreich erschienenen Gäste wiedergab. So war das Sommecfcst in seinem harmonischen Verlauf ein schöner Abschluß der Wimcrarbeit, zugleich eine Propaganda für ihn und ein sichtbares Zeichen für sein Wachsen, Blühen und Gedeihen! * Dem Schriftführer des Liberalen Vereins ist eine auf das Sommerfest bezüglicl-e anonyme Ansrage zugegangen. Der Vorstand des Vereins ist grundsätzlich der Auffassung, daß anonym« Zuschriften keine Beachtung verdienen, und daß es völlig unstatthaft ist, auf Grund solcher Briese irgend welche Maßnahmen zu treffen. Der Betreffende, der dem Bcreinsvorstand Wünsche oder Beschwerden vorzutragen hat, mag mit seinem Namen hervortrcten.