Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 24-25 (24.6.1931)
- Date
- 1931-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»vollen, immer wird, s olanae die M"Ock'i» wahrhaft te bonbin sind, der Ausruf d.T?,.:: ous ifc.-.icit. Ter?lnsrnh» als Verfassung, die Umgestalluirg uiti> Uimnnl^mtn als ein für alleinal vorgesehene Reget, die Ordnnng durch de» Geist als Vorsatz; das war das Große und Heilige an dieser mosaischen Gesellschaftsordnung. Tas brauchen wir wieder: eine N»'nregelung und Um Wälzung durch den Geist, der nicht Tinge und Einrichtungen endgültig festsetzen, sondern der sich selbst ,als permanent erklären wird. So hat Gustav Landauer gesprochen. Seine Worte wurden nur mm wenigen gehört, fast scheinen sie verhallt. Ist das Geschlecht der Gegenwart zu klein, um Taten zu vollbringen, wie sie die Vergangenheit gelehrt hat und die Ankunft' erfordett? Als in, vergangenen Monat Snoivde»» im Unterhaus das neue Grundfteuergesetz einbrachte, führte er nach bcu Zeitung« berichten aus: „Land ist verschieden von allein anderen Besitz. Ter Schöpfer hat es uns gegeben, nicht zu»»» Gebrauch der .Herzoge, sondern zuin gleichen Gebrauch aller seiner Miit der. Durch die neue Maßnahme stellen wir somit das Recht der Gemeinschaft aus den Besitz des Landes fest." Wie ist das Bild der' Bodcnbewirtfchast iit Deutschland? Rach den Ergebnissen der BodeubenutznngSerhebung vorn Jahre 1927 werden im Teutschcn Reiche 29,4 Millionen Hektar landivirtschaftlich genutzt, Rach der landivirtschaftlichen Be triebszählung des Jahres 1925 haben sich 5,1t Millionen Land- und Forstiviclschaftsbetriebe die Bewirtschaftung der Bo densläche des Deutsche»» Reiches zur Aufgabe geinacht. Tavon sind annähernd 4 Millionen Zwerg-, Parzellen und klein bäuerliche Betriebe bis höchstens 5 Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläche, 1«S 7(K) Betriebe sind Großbetriebe mit je über HM» Hektar Nutzfläche. Aber diese 18 700 Grostbetrieoe bewirtschaften 5,2 Millionen .Hektar deutschen Bodens, die 4 Millionen Kleinbetriebe hiligegen nur 4,5 Millionen Hektar. Ter Zug in die Großstädte, bei de»n die Inoen in Tentschland als Vortrupp marschierten, trägt nicht zuletzt Schuld wenn inan hier von Schuld überhaupt sprechen kann an der unheilvolle» Entwicklung der letzten Jahr zehnte In» Fahre 1875 wohnte»» (50 Prozent der Reichs bevölkern na in Landgemeinden bis 2000 Einwohnern, im Jahre 1925 »m noch 35 Prozent. Andererseits wohnten im Fahre 1875 nur 0 Prozent der Reichstuwölkernng in Groststädien mit Ober 100 000 Einivotzuern, im Fahre 1925 hingegen übe» 215 Prozent! So ist es nur zu verständlich, wenn mit stärkster Energie die Herbeiführung einer Rückwandunla versucht wird. Das Bewußtsein von der Siedtuugslioltven digkeil in Tei>tschta»»d /vird immer stärker. Ans Grund des Reichssicdtlingsgesetzes von» I I. August 1919 wurden von 1910 bis 1928 im Trutschen 9!eich 215 500 Reusiedlnngen mit einer Gescinnsiäch» von 200 000 Hektar begründet. Tas ist nur ein Anfang. Aber ein Anfang, der hoffen läßt. Tie deutsche Fudenheit ist in besonderen» Unifange dein Boden entfremdet. Das hat historische Ursachen, aber aucki solche pshchologis»her Ar». Tas Milieu des Bauern war bis vor gar nicht tauge» Zeit mit der Tatsache des „Verbauern«" identisch: es ividerfprach denn Kulturbedürfnis des deutschen Fudei». R'ach der von Silbcrglcit veröffentlichte» preußischen Statistik waren in der WirtschastSabteitung „Lalwivirtschaft, (tzärtnevei, Tierzucht, Forst.virtschaft und Fischerei" bei der Berufszählung des Fahres 1925 über 20 Prozent der Ge sanitbevölkerung enverbstätig, aber nur 1,5 Prozent der jü dischen Bevölkerung. TaS Interesse der jüdischen Gemeinschaft an der SiedtnngStätigkeit nn»ß also ein besonder« reges fein. Unt so betrüblicher, das; bisher unzweifelhaft der jüdische An keil an der Siedlung-Stätigkeit »»och unter durchschnittlich ge »vesen sein dürfte und daß jahrelang die SiedtnngStätigkeit jüdischer Organisationen mehr in der Propaganda als in» Siedet»» zu erblick»'»» ivar. Erst in jüngster Zeit hat sich durch die Tätigkeit des „Reichsbnndes für jüdische Siedlnug in Dentschland" ci»»e erfreuliche Wandlung vom Wort zur Tat vollzogen. Professor Dr. Franz Oppenheimer hat in einer beachtlichen Rede in wenigen Worten das Wollen dieser Organisation dargelegt: „Was wir hier als die Ausgabe der jüdische»» Sied lnng in Tcntschland ansehen, geht über eine Wohlfahrts aktiou weit hinaus. Wir verstehen darunter eine groß artige Maßnahiue, die bcu Juden einen gebührenden Atiteil a»» der so notwendigen nnd vo>n Reich uub den Staaten geförderten innere», Kolonisation in Te»itsehla»»d sicher»» soll. Wenn wir in Betracht ziehen, daß eine jüdische .Kolo »isatio»» in Argenti»»ien, Palästina i»»d neuerdings auch in Rußland sieh unter weil nngi'ulstigeren Voranssetznngen und Bedingung»'»» entwickeln konnte, können wir es als sicher annehine'n, daß unsere jüdische» Siedlungsbestrelmn gen in Deutschland vo»» Erfolg begleitet seilt werden. Wir werden den antisemitischen Vorwurf, der Jude löitne nur Intellektuelle»- oder Händler sein, durch die Tat entkräfte»» und außerdem den Wille,: funb tun, daß auch wir Juoei» Menschen und Mittel zur Verfügung stellen, um au der Ansiedlung von Bauern uub Gärtnern in Deutschland und dalnit an der Gesundung der deutsche>r Volkswirtschaft mitzuarbeiten." Schon hieraus ergibt sich, daß die praktische Tätigkeit des Reichsbundes für jüdische Siedlung vielgestaltig sein muß. Um zunächst einen Ueberblick über die Grundlagen nild Rot »vendigkeiten seiner Arbeit zu ge»vinneu, bemüht er sich um die Erfassung der in.Deutschland bestehenden jüdischen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe und der in der Landwirtschaft und Gärtnerei beschäftigten jüdischen Personen. Durch einen Arbeitsnachweis für jüdische junge Landwirte und Gärtner und durch Unterstützung jüdischer Landwirte und Gärtner übt fr eine segensreiche Tätigkeit aus. Dann aber widmet er sich, tvie bereits betont, vor allein der Siedlungs tätigkeit. Fm vergangenen Fahr ist nun in Groß. Gaglow bei Eotlbus ei» eigenes Gut für die Durchführnug der jüdische,» Sied lungstätigkeit er»vorben worden, auf dem in diesen Tagen die Grulldsteintegnng für die erste»» Siedlungshäuser erfolgt, lieber dieses (Hut »vird in einen» Bericht des ReichSbunde« für jüdische Siedlung ausgeführt: „Tas Wut Groß Gaglow ist ca. 820 Morgen groß, liegt etiva 3 Kilo»neter von der F»»dnstriestadt Eottbus entfernt, ist mit dieser durch Ehaussee verbunden und eig»»er sich vor »ehmlich für gärt»»erische Siedlung. Das Gut befindet sich in besten» Kulturzustaiid, totes und lebendes Inventar sind komplett vorhanden. Es wH'd bereits feit längerer Zeit von einem jüdischen Inspektor geleitet, der de» landwirtschaftlichen Betrieb vorläufig in alter Weise »veiterführt. Wir haben in Grost-Gagiow eine Lehrivirtschast ausge zogen n»ld sofort mil der Vorarbeit für die Siedlung begonnen. Da der größte Teil der bei »»ns vorgemerkten Anwärter Wärt ner find, wird eine (Hutsgärtnerei errichtet, die die (slärtncr stette»» »nit »»»»seren eigenen Kulturen versorgen soll. Für die GulSgärtne'.'ei uub 05ä»rnersiedlui»g lorvoci» nach nnd nack; die in Betracht kommende»» Ackerschläge dem tand wirtschastlichc» Betrieb entzogen und in gärtnerische Kultur genommen. Zur Z>eit wird die (butsgürtnerei i» Größe Von 15 Morgen angelegt, außerdem die Kulturen für die ersten 15 Siedterstellen;» 8 Morgen. Die (tzärtnerei n»»d die Sied iling besehästigt einen verheirateten jüdischen Obergärlner m»d 18 luv 20 jüdische Oiärtnerpraktikanten, unter denen sich bereits die Anwärter für die ersten 15 (Kärtnersiebterstellen be Es tö»n»en in Gaglow der Besiedlung zugesührt -werden: ca. 300 Morgen für reine Gärtnersiedtnng, ra. 25l> Morgen für Geflügelfarmen, ca.!80 Morgen für bäuerliche Siedlnngei». Bei einer SiedlnnaSgröße von 8 Morgen für die Gärtnerstellen, 10 Morgen für die (Keilügetfarnu'n und 150 Morgen für die Pauernstellen könne», »nithin etiva 38 Gärtnersteller!, 25 Geslügelfarineii und 3 Banernstellen errichtet »verden. Reden der Beschäftigung von bereits im Berns stehende», jüdischen Landwirten und Gärtnern, sott sofort auch eine ge ivisse Anzahl von Gärtnerlehrlingen und ungelernten Landarbeitern ansgenoinine» werde»». Sobald »vir unsere eigenen jüdische» Gärtner, Geflügelzüchter und Bauern angesiedelt ha den, »verden ihre Betriebe selbst die Möglichkeit der Ausbildung junger, jüdischer Landivirte mit» Gärtner geben. Der Sied lungsplan i» Groß-Gaglo»v geht also darauf hinaus, vornehinlich Gärtnersiedtungen zu srhassen, die, »oie übrigens auch die anderen Siedlerftellen durch Rentengi»tsv»'rfahren finanziert »verden sollen. Die Gestehungskosten einer Gärtnerstelle von i etiva 8 Morgen inkt. massive»»» Hans von etwa 5 Zinnnern »»nd Beregnungsanlage etc. dürsten sich in Gaglvtv aus etiva 20 000 RM. belaufen, von beucu etiva 17 000 RR,', in Ren tengutsversahren lb. h. durch HauszinSstcuer und Rentenbank kredit) n»»»gelegt »verden, während der Betrag von .3000TRM. als Anzalilnng von den» Siedler aufgebracht werden muß" Da unsere Zeit großzügigen Schlagwvrten lieber vertraut als schlichten Maßnahmen, »st von unberufenen Seiten da« Beginnen des ReichsbundeS für jüdische Siedlung leider ,viede! Kr nnzni,. 'ieno dargestellt worden. Insbesondere muß, gesaj,; »veu-rn, die ganze Angelegenheit »nit den» üblichen Gerede von der Berussumfchichtung nichts zu tun hat. Es ist völlig umnögtich, jetzt etwa stellungslos gewordene .Kanjleute auf dein Lande anzusiedtlri. Weder den .Kausleuten noch den SiedtuirgSbestrebnnge» »vürde bamit gedient sein. Die Einstellung auf eine landtvirtschastliche Lebenstätigkeit i»»uß bereits tu jungen Fahre»» erfolgen. Deshalb kommt in diesem Zusain»»»enha»»g der Ahlemer Schule besondere Bedeutung zu. Und von größte»»» Wert dürste die gesarnte Entwicklung auch für die künftige Berussberntung sei»»... Ich habe vvr einigen Wochen das Gut in Groß Gaglow besichtigt. Ich habe tu dieser Zeit wieder einmal glückliche und zufriedene Menschen gesehen, Menschen, die sich an dein Werden in der Natur freuen. Da Radio u»»d Berkehrstechnik das Kumnnivcan d?s Landwirts gewandelt haben »»nd die Arbeit des Gärtners niemals so entseelt sein kann »oie die des Industriearbeiters, so wird hoffentlich die ko»n»nende Gene ration der deutsche»» Iudcnheit die Bodencntfremdung »oenigftens zu»»» Teil rückgängig gernacht habe»:, die heute die Krise de« städtische,» jüdische'»»'Mittelstandes verschärft. Groß Gaglow ist ein Beginn, eine Hoffnung. Hoffentlich ei» Beginn zu ,iener (Kenieinschast des Geistes. Der Festakt Tie Besiedlung von Grost-Gagloni stellt die erste Etappe in der Durchführung des von» Reichsbund für jüdische Sied lung in Deutschland propagierten Programm« der Sesthast »nachung deutscher Ftlden ans deutsch?,» Boden nrit staatlicher Siedtungshilfe und damit einen Versuch dar, dem von füllre»»den .Kreisen der deutschen Fudenheit aller Richtungen be sondere Bedeutung im Hinblick aus die künftige Gestaltung de« Schicksals der deutsche» Fudenheit beige»nesse,i »vird. Ties kam dadurch zun» Ansdrltck, daß neben den jüdischen Ge- »neindebehörden alte sührendeir jüdischen Organisationen in Deutschland ihre Vertreter entsandt hatte». Auch die Behör denvertreter nahmen an der Feier teil. So konnte, nachdem Obergärtner Gerson c-inige technische Erläuterungen gegeben hatte, der Vorsitzende de« Reichsbnndes für jüdische Sieb lung, Rechtsanwalt Tr. Heinrich E 1 k e! e s, n. a. den Vertreter der Kreisbehörde, Landrar D»'. Eichte »> den Ober bürgenneister der Siadr Eottbu«, Dr. .Kreutz, den Vertreter des .Kulturanits Eluben, Inspektor Lange, und den Gerneindevorsteher von Grosp-Gagton» begeüßcn. Landrat Dr. Eich ter erklärte i» seiner Ansprache, im Hinblick aus die idealen Motive eines jüdischen Zusaimnenschillsses zur Wiederverbin düng städtischer Elemente »nit der Schotte müsse der Gedanke do« Reichsbnndes für jüdische Siedlung, der der »vohuvolle» de» Förderung seitens der Behörden sicher sein könne, vorbildlich genannt werden. Ranrens der Geschäftsführung des Rkichsbundes dankte Rittergutsbesitzer Mosse den» Vertreter! der .K reisverwaliung für seine Ansprache. J Die eigentliche Grundsteinlegung fand ans dem festlich geschlnückten Baugrund des ersten Siedlungshauses statt. Ein leitend sang Oberkantor Wilheln» Fried »nanu da« „Mah taimm", Rabbiner Dr. B aeck hielt die Festrede, in der er u. a. daraus hiurvies, daß in der heiligen Sprache das Wort Mensch Ada»»» und da« Wort Erde Ad an» ah - zusaininengehören. Rabbiner Dr. Pos »er Cotttns »ahn» die Weihezcreinonie, Dr. Leo L ö >v e n st e i n, der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, die eigentliche (Krund steinlegung vor. An den Hannnersprüchen beteiligten sich rviederurn die Vertreter der Behörden und der grasten jüdischen Organisationen, u. a. war der Preußische Landesverbaitd jü bischer Gemeinden und der Vorstand der Jüdischen (Keineiude zu Berti», durch .KanunergerichtSrat Leo Wotff vertreten; Rechtsanivalt Heinrich Stern widmete namens der Repräsentantenversammtuug der Berliner Jüdischen Gemeinde seine drei Haniinerschlüge den Männern und Frauen, die dieses Land bedauen, de», deutschen Fudcntnn» und dem deutschen Vaterlande. Für die „Vereinigung für das liberale Indentun," begrüßte 0-eorge Goetz in der neuen Siedlung ein Werk jüdischer sozialer Hilfe, deutscher Gesundung und »nessianischer Tat. Für die Gesellschaft „Ort" sprachen Wilhcltn Graetz und Professor Frankfurt; in» ganzen »varen es über 20 Redner, die durch Hanimersprüche die Gtückivünsche von Organisationen überbrachten. An die Feier schloß sich sodann ein sehr instruktiver Rundgang durch das Gutsgelände und eine Besichtigung der neuangclegten gärtnerischen Kulturen soivie der Stallungen. Das Buch eines jüdischen Vagabunden Am Dienstag, den 26. Mai, sprach in» Berliner Rundfunk oer Dichter Hugo Souka (Sonnenschein) an« seinen Werken. F», einer Gruppe ist es ein Berus'? glaubte »nan jüdische Personen nicht anzutressen. Oder wollte oer bürgerliche Verstand ihn» nicht begegnen: in» Kreise oer Kunden. Oder wie sie sich ernst in neuester Zeit, mit stolzer Sehnsucht und Ueberzeugung nennen: bei oen Vagabunden! Was sind Vagabunden'? Man »tußt strenge jchciden. Hier g»bt es eine soziale Entwicklungsgeschichte. - Früher gab es ja Handwerksbnrschen, Gesellen, denen »'»ne gesetzmäßige Psltchl des Wa»»derns auferlegt war. Der Geselle durchzog das Land, nin be» Handwerksmeistern anzutlopsen. Nebenbei „tip pelte" er. Es »var keme Scha»lde. Man bildete sich ans^ Dann hörte daS aus. — D»e irgendtvie aus oe»n Produktionsprozeß Ausgestoiseucn: Deklassierte, Lumpenproletariat, »nachten zur Zeit die Landstraße zu ihren» Gewerbe, oas sie ernähren »nutzte. Es waren Landstreicher, sehr oft Arbeitsscheue. F»n»ner aber Einzelne, Nichleinzuordnende. — Heute bei der Weltkatastrophe der Arbeitskatastrophe, verhütet nur soziale Vorsorge, daß nicht Hunderttauseude und Millionen das La»»d durchstreiche»». Rcbc»' den sozial Verfluchten oder Verruchte»», die nichts anderes zu suchen im Sinne hatten als leichtes Brot nno vielleicht Losgelöstheit von Arbeitspiage, gibt es... und oas Lsind die ementlichen, von i,rnen heraus Getriebenen, Menjcheil, S'.e jich w Ehrentitel „Vagabunden" zulege»». Die trotz aller Seßhaftigkeit der ailderen. *».* o-aü aller modernen Gebundenhe.t, auf oie Landstraße noch heute geye»». Eigei»rlich getrieben werden. Ob wir nun Eiseitkahn, Auto »md Flugzeug haben: ihr innerer seelischer Zwang, ihr innerer Beruf«weist sie auf das „Landstörzelt", aus die weite unabsehbare Landstraße. Es ist nicht eine gelegentliche Abschweifung von den» sonst Gebotenen. Ein innerer Zwang au« den» Herzen heraus. Eine seelische Leidenschast! Es rst »in künit lerZcher Berus besonder« gestimmter Menschen, die sich nicht cinordneu in da« kalte Z»vangsgetriebe von Geschäft und Rechnen... Vielleicht lebt La ein Dropsen Blut iuut.it ans, dos erlösttngsbcdürstig irgendwie von einem Spätahnen, einem Menschen der nur so die U»3t ersah, überkonvnen ist. Vielleicht! Und so begegne» uns de» jüdische Vagabund Sonka in seinem ausrüttelndei», schönen und tiefschürfenden Buche: „Der Bruder Sonka und di? allgemeine Sache... oder da« Mort gegen die Ordnung", erschienen in» Paul Zolnay Verlag in Berlin, Wien und Leipzig. Ein Vagabund als Dichter! Ei»> jüdischer Vagabund! Und einer dazu, der sich seines Judentum« bewußt ist, sich sogar stolz desselben rühmt! Verwunderlich, ein jüdischer Vagabund? Rein! Sind doch in grauen Zeiten die Inden als Roinaden unter Gottes Führung hin und hergezogen. Ist doch als Gottesanwei sung geboten worden, daß sie die Wüste durchpilgern, oierzög Jahre. Allesamt! Sind sie doch dann flüchtig u»»d unstet durch alle Reiche der Welt und durch alle Länder verstreut worden. Haben sie doch bis in die »reueste Zeit, das Wandern, das traurige Wandern, heiillattos und ohne Obdach, hinausgestoßeil, stets vo»n Reuen lerne»» müssen! War es doch ihr Los, »nit Weib und Kind, ini Mittelalter und weit darüber hinaus, die Lairdstraßen, verjagt, getricbe". zu Tausenden bevölkern zu inüsien^, u.'.ß r« nnd doch ms in unsere Zeit in Pol.'" Rumainen f»> oft zwaugs- '«ouHucrt'oTf, das gezwungene, gewesen! Wie soll nicht auch da ein dunkles Tröpfchen des alten Wanderblutes, des überkonnneneu, wieder iu Einzelnen aufleben? So wundere ich mich nicht rnehr über de»» rafttos dahinziehende»'» Juden-Vagabmlden Souka! Nicht mehr! - - Er hat uns, den Seßhaften, vieft viel zu erzählen. Er ist auf die Landstraßen der Welt hingetricben worden. In- »erlich! Er sucht! Er flicht die Freiheit, die er zu Hause nicht findet, so nt« Rebelte gegen alle« Herkonl»»»en!' Als Revolutionär, der in Mitleid mit seinen Mitmenschc»», Menschlichkeit sucht! Und Erkennen aus den Straßen, die sich »veit unter Gottes Himmel dahiriziehen ... Die dumpfe Hänserwüste erdrückt ihn, weil sie ihn nicht finden läßt, was ihr eigentlicher Sinn sein sollte. Draußen ist er der Erkenntnis näher... auch den, höchsten Wesen: Gott! - Denn da« Wunderliche: Ter Revolutionär, der allem Zwange und aller Unterdrückung Kampf und blutige Auflehnung ansagt, er ist in eine Religiositäh tiefer Art eingesponnen und spricht lrotzde,» »nit der Ewigkeit, »nit Wutt und mit dem hohe»» Unerklärbaren in hinreißende»» Strophen ... Vielleicht ergreift ihr» der unlösbare Zauber der Welt und der Weite! Aber das Wunderbarste ist bei seiner vollkomnieneu (Gelöstheit von der gebündelten Welt der Ordnung, sei»» starker, inniger und lyrisch weicher Zusa»n»ne»»hang »nit dein Iudeiltmn seiner Jugend. Mit dem jüdischen Erlebnisse! Er hat de», Stolz des echten Menfch-en, dieser Vagabund! So bekennt er laut: wer er ist: „Deutscher Dichter Sonka: Juden junge, Slowakenkind, Kulturbastard!" Mit dieser Ahnentafel leitet er sei»» Buch ein. Und zuerst steht mrvpvwh'chHar: „Iudenjunge"! Und wieder»»» finde»» *ii: meses auch jüdische Bekenntnis noch sptäer nt dem schönen Gedichte: „I n n e r c L » b! ry a ft" --- ~ Sckstieß, die Auge,» und blicke tief Jl» deiner Seele sturrnbewegles Ehaos... Fest schließe die Augen Daß. du dich erschauest!... Und er beendet dieses Gedicht: ... Alles grau uitb dunkek Und feinen einzigen Sonnenstrahl. So findest du das Laitd deiner Seele, einsamer Souka, Iudenjunge, Slowakenkind, Kulturbaftärd!