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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-05-27 · 20-21 (27.5.1931) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
20-21 (27.5.1931)
Date
1931-05-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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hätte ja die ausdrücklich ausgesprochene Zufriedenheit der hiesigen Gemeindeorthodorie eutgegengestanden. Aber Herr Fürder wußte auch da einen Ausweg. Er wies auf die Sünden der „Vereinigung für das l i b e r a l e I u d e n t n m" und der „Jüdisch-liberalen Zeitung" hin, in d enen die Richtung des äußersten Neformjudentums seit einigen Jahren bedenklich an Einfluß gewonnen hätte, verurteilte den offiziellen Eintritt dieser Richtung in den Liberalismus überhaupt von Grund aus. Außerdem verwandte er den angeblich von einem Liberalen bei einer Besprechung angewandten Ausdruck „M a ch t p o l i t i f" als Wahrzeichen bezw. Warnung vor einer künftigen, noch stärkeren Knechtung unter das liberale Joch. Zu Ende seiner Rede warf er den hiesigen Liberalen die in deren einmal erschienenen Nachrichtenblatt ausgesprochene weitere Gegnerschaft gegen den Zionismus vor. Und nun kam etwas, was geradezu humoristisch wirkte. Während Herr Förder bei den Liberalen immer nur die wehr radikal eingestellten Worte gelten ließ, hob er bei den Zionisten die Aeußerung eines einzelnen Kulturzionisten hervor und sah sie als Beweis für die Ungefährlichkeit und Bündnisfähigkeit des Zionismus an. Hierfür erhielt er eine besondere „Dankesguittung". Zum Schluß der Debatte trat ein Zionist auf, der den deutschen Juden das Recht absprach, sich Deutsche zu nennen. Es hatte nur noch gefehlt, daß dieser Diskussionsredner „Heil Hitler" ausrief. Von liberaler Seite erwiderten zwei Redner. Herr Förder mußte sich zunächst den Hinweis auf die völlig persönliche Färbung der „Fürberschen" Mittelpartei gefallen lassen. Er mußte weiter hören, daß gerade in Berlin, dem Ursprungsort jüdischer Mittelparteien, im Gemeindeparlament diese Partei fast völlig verschwunden sei. Er mußte sich seine Vorwürfe gegen den Liberalismus und die hiesige liberale Fraktion völlig widerlegen oder doch stark entkräften lassen. Er und seine Parteifreunde mußten sich sagen lassen, sie, die sich immer stark betont „au'ch liberal" nennen, bei einigem guten Willen doch auch Platz zu ehrlicher liberaler Mitarbeit in der Partei gefunden hätten. Es sprachen außerdem noch ein weiterer Vertreter der Mittelpartei und ein Angehöriger einer neu gegründeten „jüdischen A r b e i t e r p a r t'e i". Der letztere ließ sich leider zu wahrscheinlich völlig unbegründeten Angriffen gegen Herrn Förder in dessen Eigenschaft als Arbeitgeber hinreißen und zweifelte die Bereitwilligkeit Förders zur Anstellung jüdischer Arbeitnehmer an. Das war ein bedauerlicher Mißklang in der sonst immerhin ziemlich anständig verlaufenen Versammlung. Herr Förder zeigte sich natürlich durch die liberalen Einwendungen nicht überzeugt^ Den Angriffen der Arbeiterpartei gegenüber konnte er sich aus sein aufopferungsvolles? Wirken für die jüdische Arbeiterschaft berufen. Auf eine richtige Erwiderung der Z i o n i ft e n r cb e, in der doch auch sein, des „E.-B. - I u d e n", Deutschtum bestritten w u r d e, schien Herr Förder verzichtet zu haben. — Alles in allem machte die Versammlung cqif alle Nicbtmittelparteiler den Eindruck: „Die Mittelharte i i st für die E i n b e i t s g e m e i n d e nicht förderlich." . I. W. Berlin. (Jüdische Gemeinde g e g c->n Naziredalte u r.) Ter Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat gegen oen verantwortlichen Schriftleiter der Aprilnummer der „Nationalsozirliftrschcn Monatshefte", Alfred Roseuberg, Strafantrag wegen Beschimpfung der jüdischen Religion gestellt. In der Aprilnummer der „Nationalsozialistischen Monatshefte" war ein Aufsatz veröffentlicht, der die gröblichsten Beschimpfungen gegen die jüdische Religion enthielt. Insbesondere war in dem Artikel ausgesührt, daß durch den Talmud die Juden zu einer einheitlich bandelnden Betrugs - gemeinschast verbunden seien. Berlin. (2 b jährig es T i e n st j u b i l ä u m.) Der Hauptbuchhalter bei der Jüdischen Gemeinde, Herr Tiegm. Will). R a w a ck, beging am 15. Mai 1931 das Jubiläum der 25 jährigen Dienstzeit. 1906 trat er als Buchhalter bei der Jüdischen Gemeinde ein, stellte seine umfangreichen kassentcchnischen und buchhalterischen Kenntnisse hier zur Verfügung und verstand es, durch Fleiß und Ausdauer die Stelle des damaligen .Hauptbuchhalters nach dessen Beförderung zum Revisor zu erreichen. Daneben fand er Zeit, sich in sportlichen, beruflichen und karitativen Vereinen besonders stark zu betätigen. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins zur Ausstattung bedürftiger jüdischer Bräute „Hachnassath Kallah" und seit mehreren Jahren dessen Schatzmeister, außerdem Schatzmeister des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen, gehört seit Gründuna der Ortsgruppe Norden des liberalen Vereins deren Vorstand an und hat seine vielseitigen Verivaltungskenntnisse auch in der liberalen Synagoge Norden betätigt. Seit drei Jahren ist er im jüdischen Turnverein Berlin 1905 und tvurde vor kurzem zum 1. Vorsitzenden ernannt. In der vorletzten Legislaturperiode gehörte er erst als Stellvertreter, später als Mitglied der Liberalen Fraktion der Repräsentantenvcrsammlung an. In der Beamtenbewegung tvar er auch an hervorragender Stelle tätig, war bis zur Selbstauslösung des Beamtenausschusses viele Jahre dessen Obmann, dann Vorsitzender des Beamren-iVercins und ist seit 1930 Ehrenvorsitzender des Vereins der Beamten und Angestellten der Jüdischen Gemeinde E. V. Daß er in und nach der Inflationszeit trotz der außerordentlichen großen und umfangreichen Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, noch Feit fand, sich außerhalb seiner Arbeitsstätte zu betätigen, ist ein besonderes Zeichen seiner Selbstlosigkeit. Breslau. (Sitzung der Gemeindevertretung.,' Als die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung vom 15. April d. Js., noch bevor der Etat für 1931/32 vorlag, einen Steuersatz von 11 Prozent der Reichseiukommensteuer (wie im Vorjahre) bewilligte, befand sie sich in einer Zwangslage. Die Ankündigung dieses Steuersatzes war nämlich bereits vom Finanzamte erfolgt, und eine Erhöhung dieses Satzes war auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht empfchlensiverr, obgleich damals bereits feststand, daß das dadurch aufkommende Steuersoll nicht entfernt ausreichen würde, den Haushalt auszugleichen. — Am 20. Mai endlich lag der Etat der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vor. Die Verzögerung war durch die Neuwahl des Vorstandes, des Haushaltsausschusses und dadurch entstanden, daß der Etat nochmals auf die Möglichkeit von Kürzungen aui der Ausgabenseite überprüft wurde. Dadurch^ daß die .Herren Ge meindcverireter ihrer Redelust keinerlei Zügel anlLgten und bei den einzelnen Etatspositionen alles vorbrachten,, was sie aus dem Herzen hatten, dabei vielfach auch zum Fenster hinaus redeten, wurde die Etatsberatung auch am 20. Mai noch nicht beendet. Nach Mitternacht wurde sie nach über fünfstündiger Dauer vertagt Sie wurde durch ein Referat des Volksparteilcrs Jacobsohn eingeleitet., der daraus hinwies, daß alle mit diesem Notctat unzufrieden wären, daß an Ausgaben gestrichen worden wär^, was sich nur irgend streichen ließ und daß die finanziellen Schwierigkeiten noch größer wären, als der Voranschlag erkennen ließe. Nur wenige Postum seien vorhanden, über die ein Streit möglich wäre. Er vermißte in der Vorlage die programmatischen Grundsätze des Vorstandes für die fernere Verwaltung der Gemeinde, insbesondere darüber, wie dzer Kontakt zwischen den Mitgliedern und der Gemeinde, zwischen Jugend und Judentum zu erhalten wäre. Der Vorstand müßte alle Mittel ausnützen, die ihm zu diesem Zwecke zur Verfügung stünden. um den Forderungen der Gegenwart entgegenznkommen. Verkleinerung des Apparates, Vergrößerung der Leistultg müßte gefordert iverden. Die eingesetzte Sparkommissioir müßte sofort mit der Arbeit beginnen. Alle Mitglieder der Gemeindeverwaltung müßten sich sofort zu einer großen Aktion in den Dienst des Wohlfahrtsamtes stellen, um den bei diesem durch die Not der Zeit erzwungenem Abstrich von 30 000 RM. durch Sammlung wieder cinzubringen. Das Defizit des Etats könnte einmalig durch Aufnahme einer Anleihe gedeckt iverden. Dem widersprach der Mittelparteiler Dr. Alfred Wolfs. Er will keine Ausgabe ohne Deckung bewilligen und Wünscht, daß heute schon darüber beraten wird, wie die Gemeinde vor dem Zusammenbruch bewahr! werden kann. Gemeindevertreter Gins (liberal), der den Hauptrefcrenten ergänzt, kann nicht zugcben, daß die Gemeinde jemals ihre Aufgaben außer acht gelassen habe. Er Iveist auf die Jugendfürsorge Hin, die durch die Errichtung eines Jugendheims mächtig gefördert worden ist. Alle Wünsche könnten wegen Mangels an Mitteln nicht erfüllt iverden. Er wünscht der produktiven Fürsorge ein größeres Feld eingeraumt und bittet das Wohlfahrtsamt, über die Verwendung der Mittel mehrmals im Jahre Bericht zu erstatten. Der liberale Fraktionsführer R.-A. Spitz betont, daß er mit bitterer Sorge an den Era: herangegangen sei. Programme blieben häufig auf dem Papier stehen. Er siebe Privatsammlungen skeptisch gegenüber. .Die Wirtschaftsberatung müsse gefördert tverdcn. Tie Gemeinde stehe hier vor gänzlich neuen Aufgaben. Er bittet, die Etatverabschiedung nicht zu verschieben. Der Vertreter der Konservativen, Tr. Schlesinger, schrickt vor höheren Steuern nicht zurück, wenn sie zum Ausgleich des Etats notwendig find. — Tie weitere Beratung schließt sich au die einzelnen Etattitel an. Der .Haushalt der Ziveiggollesoieuste, de:- Bestattungsivesens und der Grabpslege wurden vertagt. Breslau. (Hauptversammlung d es Verbandes der S h >r a g o g e n g e in e i n d e n der Provinz Nieders-chles i e n.) Am 11. d. Mts. fand in Breslau im kleinen Saal der Lessingloge, wie wir schon in der letzten Rümmer unseres Blattes inilgeteilt hatten, die Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Niederschlesien statt. Sie erfreute sich trotz der gleichzeitig stattfindenden Ratstagung des Preußischen Landesverbandes einer lebhaften Teilnahme: die Gemeinden hatten zahlwiche Vertreter entiandt. Den Oberfchlesischen Verband vertrat wieder Herr Wiener aus Oppeln. Die Zentralwohlfahrtsstelle hatte Herrn Dr. .Kreutzberger entsandt. Herr Gemeindeältefter Emil Waldstein, der die Versammlung in bewundernswerter Frische leitete, wies in seiiven Begrüßungsivorten darauf hin, daß die Erörterung von Wirtichaflsfragen überall zur Zeit im Vordergründe stünde. An Stelle des verstorbenen Herrn Georg Tocknß Oels, dessen Andenken man in der üblichen Werse ehrte, wurde Rechtsanwalt HülsenBunzlau in den Provinzial-Ausschuß berufen. .Herr Bezirtsrabbiner Dr. Wahrmann hielt ^einleitend einen Vortrag über „Wesen und Bedeutung des Gemeindevorsteheramres im alten Judentum". Er legre dar, daß sich das Wesen des Borsteherainies nach der Struktur der Gemeinden gewandelt hätte und daß es stets von der Lage de'r Juhew abhängig war. Nicht der Arzt, nicht der Schriitgelehrte, nicht Frauen kamen für dieses Amt in Betracht. Er beloicke die zur Verwaltung eines solchen Amtes norivendigen Eigenschaften und wünschte, daß sich sters Männer finden möchten, die die Verwaltung im jüdischen Geiste zum Wähle der Gemeinden führen möchten. — Den gedruckt vorliegenden umfassenden Tätigkeitsbericht ergänzte der Vorsitzende mit dem .Hinweis daraus, daß eine starke Kleinarbeit geleistet werden mußte und daß die Schwierigkeiten zur Hauptsache in den wirtschaftlichen Verhältnissen, namentlich in denen des Preußischen Landesverbandes, begründet lägen, von denen man mehr zu fordern berechtigt wäre. Der Zug nach der Großstadt hätte aufgehört, ein Rückstrom wäre erforderlich. Opferwilligkcit und Sparsamkeit müßten Hand in Hand gehen. In bezug aus die Filialgcmeinde,. tvären die Satzungen meist überholt. Tie steuerliche Behandlung von in Mischehen lebenden Gemeindemitgliedern und die Erreichung der Befreiung von der Hauszinssteuer für Kultusbeamte in Dienstwohnungen bildeten den Gegenstand der Aussprache. — Auf Antrag des Kassenprüfers David Foerder wurde dem Vorstande die Entlastung ausgesprochen. Der .Haushaltsplan 1931/32 wurde nach dem Refera: des Justizrats Kalisch mit geringen Aenderuugen nach dem vorliegenden Entwürfe angenommen: er schließt in Einnahme und Ausgabe mit RM. 23 219,12. — Das größte Interesse tvurde dem letzren Punkte der Tagesordnung „Wirlschaflsfragen" eutgegengebracht, den Gemeinderabbiner Dr. Hosfmanu Breslau mit -einem ausführlichen Referate einleitete. In diesem wies er daraus hin, daß die Krise nicht durch die bisherige Wirtsckansanschauung gelöst iverden könnte, daß jeder nur an sich denke: wir wären füreinander verantwortlich. Zunächst müßte der Staat helfen: die jüdische Hilfe wäre nur zusätzlich gedacht. Der falsche Stolz müßte aufhören, jeder müßte fein Reckt verlangen. Jüdische Kredithilie durch jüdische Darlchnskassen müß:e erstrebt iverden. Ter Referent zählte dann die Einrichtungen auf, die in Deutschland neben den Gemeinde-Wohlfahrtsämtern bereits für die provuktive Fürsorge bestünden, verglich sie mir den diesbezüglichen Auslandsinstitutionen und schlug die Gründung einer jüdischen Provinzial-Darlehuskasse vor, für die bei allseitig gutem Willen Kapital billig zu besorgen wäre. Nachdem noch Dr. Kreutzberger-Berlin, Seisen'oerg-Liegnitz, Justizrat Peiser und Gins Breslau und Bruck-Fra iltenstein nebst Frau Paula Ollendorff ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete eingehend vorgctraqen hattstn, beschloß der Provinzialverband einstimmig die unverzügliche Gründung einer Kreditgenossenschaft ans breitester Grundlage und stellte seine Miltvirkuug in Aussicht. — Ein von der Gemeinde Breslau dargereichtes Mahr beschloß die harmonisch verlaufene Tagung. Danzig. (A n t i s e m i t i s ch e A u s s ch r e i t u n g e n u n d B o y k o : t h e tze de r N a t i o n a l s o z i a l i st e tu) Am Sonntag, sein 17. Mai, wurden in den Danziger Straßen jüdische Passanten von Nationalsozialisten überfallen und zum Teil blutig geschlagen. Die jüdischen Kauileute Markowski, Bloch und Frankel lvurdeu leicht verletz:, der Schustermeister Tenncnzweig aber wuroe so zugerichrer, daß man ihn ins .Hospital transportieren mußte. Unter der jübi scheu Bevölkerung herrsch: über diese Uebersülle große Aufregung. Die Danziger Polizei ha: eure Untersuchung zur Ermittlung der Täter citigeienct. An dem gleichen Sonntag, dem 17. Mai, tvurde eine Gruppe junger Danz:ger Zionisten, die einen Seeausftug nach Nickelswalde unternommen hatte, der der Rückkehr um 9.30 Uhr abenos an der Landungsstclte Milchkanne durch Hitlerleute, die in drei Lastautos herangekommen lvaren, überfallen und mit Stöcken schwer mißhandelt. Etwa 10 Personen wurden verletz:. Einige der Verletzten mußten in das Ho'pilat überführt iverden. Unter den Ausflüglern und ihren Angehörigen, die sie an der Landung: stelle Milchkanne erwartet hatten — rm ganzen 500 Personen — herrschte ungeheure Aufregung. Die Hirlerl-eute hatten sofort nach dem überraschenden Uebersall wieder die Autos bestiegen und sind davongefahren. Das Organ ^der Danziger Nationalsozialisten „Der Vorposten" hat aus seiner ersten Seite in Riesenlette m die Parole: „Kauft nicht oei Juden und Polen!" ausgegeben. In einem nachfolgenden Artikel werden die Juden als Freunde der Polen hingestellt. Dann heißt cs, die Lage der deutschen Kauileute Danzigs verschlechtere sich, weil die Deutschen jüdische Geschäfte aufsucken. Die gesamte Danziger deutsche Bevölkerung wird aufgesordert, die jüdischen Geschäfte zu meiden. Der Artikel schließt: „Alle, die in der Zukunft bei Juden oder Polen kaufen, werden nicht mehr das Recht haben, sich freie Dgnziger oder Deutsche LU nennen: jeder, der bei einem Juden oder einem Polen kauft, ist ein Verräter an seinem Volke!" Dortmund. (R e p r ä s e n t a n t e n si tz u n g.) In der Sitzung der Repräsentanten stand als erster Punkt die Abnahme der Jahresrechnungen für 1929/30 und 1930 31 auf der Tagesordnung. Berichterstatter des Vorstandes war Herr Konsul I a c o b y, derjenige des Kollegiums und der Prüfungskommission Herr Arthur Rosenberg. In einem ausführlichen Berichte, der auch dem Kollegium vorlag, führte Herr Jacoby u. a. aus: Das Rechnungsjahr 1929/30 weist noch einen Üeberschuß auf, das Rechnungsjahr 1930/31 schließt dagegen mit einem Zuschuß ab. der durch die außergewöhnlichen einmaligen Aufwendungen des Jahres 'begründet ist. Für die Neuerrichtung des Tauchbades (Mikwoh) in. der Leopoldstraße lvurdeu 23 317,18 RM. verausgabt, für Reparaturen in der Synagoge (Dach- und Mauerwerk) 19 851,60 RM. Die Jahresrc-chnung für 1929/30 schließt mit 130 631,16 RM-, für 1930/31 mit 185 649,47 RM. Herr Roseuberg gibt einen ausführlichen Bericht zu den Rechnungsabschlüssen. Er äußert sich anerkennend über die ordnungsmäßige Buchführung und dankt dem Vorstand für die Einrichtung einer kaufmännisch geordneten Buchhaltung, obwohl er die frühere einfachere Buchhaltung auch durchaus anerkennt. Es lvird die Entlastung ausgesprochen. Herr Jacoby berichtet von seinen Besuchen bei dem Obervräsidenten in Münster und bei dem Kultusminister in Berlin, die durch die Eingaben des Herrn Dr. Aerl an die Behörden tvegen der neuen Gemeindesatzungcn notwendig geworden waren. Im Beerdigungswesen soll auf Grtlnd längerer Verhandlungen mit den beteiligten Vereinen eine Aenderung geschaffen werden, daß die Taharo (Einsegnung) luic bisher durch die Frauen und Männer der Chewrah Kadischa ftattuubct; den Dienst auf dem Friedhof übernimmt die große Ehetvrah. Durch eilt Rundschreiben sollen sämtliche Gemeindemitglieder von dieser Neuordnung in Kenntnis gesetzt werden; dazu kommt noch die Anmeldung aller Todesfälle im Gemeindebüro, an die Zentralstelle. — In geheimer Sitzung wird in. längerer Debatte über einen Anstellungsvertrag mit dem Schächter Herrn Julius R o - senfeld beraten. Wegen der Höhe der Schlachtgebühren für das Koscherfleisch und die Arl der Abführung dieser Gelder an die Gemeindekasse, ferner wegen der Frage, für welche Metzger Herr R. als Schochet zuständig sein soll oder kann, herrschen Unklarheit und Bedenken. Der Vertragseutlvurf lvird deshalb an die Kommission zurückverwieseu. — Frau Else Weinberg, die bereits seit dem l.'März d. Js. im Gemeindebüro als Hilfskraft tätig ist, soll für eine monatliche Vergütung von '100 RM. weiter vertragsmäßig angestell: bleiben. — Für die Verschickung von erholungsbedürftigen Kindern lvird der Bereinigung für Erholnngsfürforge vorschußweise ein Velrag von 1000 RM. bewilligt. — Es folgt noch eine längere Aussprache über innere Geineindeangelegenheilen, so daß die Sitzung erst gegen 24 Ilhr durch Len Borsitzcilden .Herrn Rechtsanwalt Dr. Koppel geschlossen werden konnte. Dresden. (A m t s j u b i l ä u m.) Am 1. Juni vollenden sich 4 0 Jahre, daß der in der hiesigen Hauptstmagoge tätige Oberkantor R. H o f st e i n, von Krotoschin kommend, in Dresden eine Lebensstellung und zweiie Heimat gefunden hat. Mit seinem zu Herzen gehendeit Organ der gegebene Vorbei er, ist Hofstein noch heule als stützender Mittelpunkt aller Festgottesdienste zu betrachten und sein Wirken lvird mit den Jugenderinnerungen ganzer Generationen hiesiger 'Synagogenbesucher immerdar verknüpft bleiben. .Hofstein betätigt sich auch lehrend und genießt, ngchdem er bei Beginn seiner Dresdner Tätigkeit das Konservatorium zur Vervollständigung seiner Ausbilduua besucht hat, in Fachkreisen Luten Ruf. Im letzten Gemeindeblatt, das dem 'bewährten Chassen mir einigen Artikeln huldig!, schildert der Jubilar launig und voll Dankbarkeit selbst seine Anfänge in Dresden. Außerdem ist ein feierlicher Gottesdienst zu Hossteins Ehren für den letzten Schabbosabeiid dieses Monats geplant. * . Hamburg. (Jubiläum.) Am 1. Juni d. Js. sind 15 Jahre verflossen * feitbem .Herr Igna tz Mandl am Hamburger Israelitischen Tempel beamtet ist. Den größten Teil dieser Zeit, nämlich 37 Jahre hindurch, war Herr Mandl zweiter Kantor und führte außerdem alle Kassen-, Buchführrmgs- und Sekretariatsarbeiten aus. Seil nuinnehr 8 Jahren hat Herr Mandl alle Kultusfunktionen niedergelegt und ist seither als Büroleiter tätig. — Alle, die .Herrn Mandl kennen, wissen, wie untrennbar er mit 'der Tempelgemeinde, ihrer Tradition und ihren Tendenzen verwachsen ist und wie großer Wertschätzung er sich überall erfreut. Mit der Bewegung und Organisation des liberalen Judentums ist der Jubilar besonders eng verbunden und gehört als Kassierer dem Borstande der Ortsgruppe Hamburg der Vereinigung für das liberale Judentum an. ZWir sprechen dem bewährten Gesinnungsfreunde zu seinem Amtsjublläum" unsere besten Wünsche aus. Wir wünschen unserem treuen Mitglied und Kämpfer für die liberale Idee und Organisalion noch viele Jahre starker Gesundheit. Hauail. (Umbau der F r i e d h o f s h a l l e.) Die Friedhofshalle hat in den letzten Monaten durch einen notwendigen Umbau eine zweckmäßigere und gefälligere Gestalt erhalten. Nun wurde vor kurzem in Gegenwart der Baukommission und anderer Vertreter der Gemeinde die Einmaueruug einer Bauurkunde vorgenommen. Rabbiner Dr. Gradenlvitz betonte in seiner Ansprache die Opferfreudigkeit der Gemeinde, die trotz wirtschaftlicher Bedrängnis sich zu diesem Umbau entschlossen habe. Er erkannte auch die Verdienste des Gemeindeältesten Nathan Sichet an,, der sich um den "Bau besonders bemüht habe. Der Gemeindeälteste N. Sichel dankte allen, die ihn bei her Ausführung der Aufgabe unterstützt hatten. Die in eine .Kupferbüchse eingelötete Urkunde lvurd-e vom Architekten Hack dein Genreiudeällcsten übergeben, der sie am Bestimmungsort niedsrlegte. Tie Anwesenden beteiligten sich durch Festlegen eines Sdeines am Einmauern der Urkunde, die künftigen Geschlechtern ein ruhmvolles Zeugtiis vom Opfersinn ihre» Vorfahren geben soll. Jever. (8 0. Geburtstag.) Der langjährige Beisitzer der hiesigen Gemeinde, Herr Simon G rösch 1er, feierte kürzlich feinen 80. Geburtstag und lvurde aus diesem Anlaß von vielen Seiten geehrt. Tie Gemeinde ließ ihm in Anerkennung der treu geleisteten Dienste einen silbernen Becher überreichen. Dassel. (Persönliches.) Dem Vorsitzenden des hiesigen -Vorsteheramts der Israeliten, Juftizrat M. Rothsels, der am 5. Mai sein 5,0 jähriges Jubiläum als Rechtsanwalt beging, wurde vom Justizminister Dr. Schmidt ein Glückwunschschreiben gesandt, in dem er ihm zu dem seltenen Festtage in Würdigung der Verdienste, die er sich um die Rechtspflege erworben habe, seine und der Justizverwaltung aufrichtigste Glückwünsche aussprach. Dr. Rothfels ist trotz seines hohen Alters auch heule noch beruflich tätig. — Am 10. Mai lvaren 50 Jahre verflossen, seitdem Dr. Rothfels dem Vorsteheramt der Israeliten in Kassel angehörte. Seit fast 25 Jahren ist er Vorsitzender des Kollegiums, dem er auch heute noch mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue vorsteht. Mit ausgezeichneter Kenntnis der kurhessischen Gesetze und Verhältnisse ausgerüstet, hat sich der Jubilar während der fünf Jahrzehnte die nachdrückliche Vertretung der religiösen Interessen vieler kleiner und mittlerer Gemeinden im ehemaligen .Kurhessen besonders angelegten sein lassen. Manche Institution, die schon der Auflösung verfallen schien, ist dank seiner Vermittlung erhalten geblieben, und so ist sein Wirken dem Interesse der jüdischen Gesamtheit bestimmt gewesen. Mit Dank und Anerkennung werden die dem Kasseler Borsteheramt unterstellten Gemeinden am Ehrentage des Jubilars sich der wertvollen Dienste erinnern, die Dr. Rothfels für ihre Erhaltung und Förde» derung leistete. Mtzingeil. /Friedhofsschändung.) Der Friedhof der Jüdischen Gemeinde Kitzingen (in Nödelsec), der bereits im Jahre 1929 von unbekannt gebliebenen Tätern geschändet worden tvar, tvurde Ende April abermals heimgesucht. Zwei Grabsteine wurden umgeworfcn. Die Nachforschungen nach den Tätern sind noch im Gange. Köln. (Neuer Repräsentant.) Herr Hans Blnmenau hat sein Amt als Repräsentant niedergelegt, an seine Stelle ist Herr Ludwig Sternberg in die liherale Fraktion eingetreten. Köln. (Ausstellung „Das Kind".) In der vor wonigen Tagen eröffneten Ausstellung „Das Kind" ist von der hiesigen jüdischen Schule eine Unterrichtslektion dargestellt, in der gezeigt wird, wie das Lichtbild im Religionsunterricht verwendet werden kann. Die Anregung dazu gab Herr Stadtschulrat Dr. Hawel. Sonnabend, den 13.3nni: Sommerfeft im Alap

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