Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 18-19 (13.5.1931)
- Date
- 1931-05-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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..Nationalsozialismus, Judentum, i^itcvliuib". Zum elfte» bicicr btci Teilt nahm bann P v l i z e i v i z e p r äs i b t w t 'S r. B f tu Harb Weiß (Berlin) das Wort. Er zeigte sich als berufener Kenner des Nationalsozialismus dieser parteipolitischen Errungen schast deS neuen Denlschlanb. Er legte bie Gründe bar, aus denen heraus diese Beivegun-g entstanden. Er unterschätzte durchaus nichl deren zahlenmäßigen Erfolg bei de» Wähler», verivarf aber jeden Pessimismus, tveil ein wirklicher politischer Erfolg nur einer Partei hcschiedcn sein könne, die sittliche Befähigung zeige und in deren Programm nicht an erster Stelle die Phrase stünde. Tr. W. verfehlte nicht, auf die Friedhossschändnngen in Breslau rind Trebnitz hinznlveisen. Jeder der scharf poiinierten Sätze seiner Rede tvar voller Beweiskraft und zeugte deirtlich von einer umfassenden Kenntnis dieser politischen Materie. Lauter Beifall dankte dem Redner, der feiire Ausführungen mir dem Wort Lichtes an den Deutschen schloß. — Zu dem zmeilen Punkt „Judentum" sprach Herr M i u i st e r i a l direkt or Tr. Spieker (Berlin». Es >var erhebend und er Kreisend, aus deir Worten dieses gläubigen Katholiken ein tiefes Verständnis und Mitgefühl für die seelische, drtrch Feindeshaß ent standenc Not seiner jüdischen Mitbürger zu entnehmen, dieser Mit bürger (so ungefähr sagte Tr. 2p.), deren treue Liebe zrun deutschen Vaterland er bei seiner amtlichen Tätigkeit ivährend der Besatzung und Abstimmung in Oberschlesien erlebt hatte. Tr. Sp. legte dar. weshalb gerade iu den. politisch weniger vorgeschulten Kreisen des Mittelstandes, der Akademiker und des akademischen Nachwuchses der Nationalsozialismus so viele Anhänger gesunden, während die gewerkschaftlich znsammengefasite Arbeiterschaft und Katholiken ihn grundsätzlich ablehnten. Deshalb könne nur Religion u»b Gewerk schart diese 'Betveguug des Hasses ivirksam bekämpfen. Einsichtsvolle Behandlung der materiellen Wünsche des Bolkes und Befriedigung seines seelischen Hungers, das müßten auch iveilerhi» die Leitsätze jeder Regierung sein. Auch diesem Redner dankte anhaltender Beifall. — Und zum Thema „Vaterland" sprach E. V. -Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) in seiner belaniiten parkenden Art. Er sprach als Frontsoldat, als deutscher Jude und als Führer des C.V. Er zeigte, ivie der Judenhaß das deutsche Volk verderben müsse. Unter Hinweis auf die Schändung jüdischer Friedhöfe er inuerte er au daS Wort, ein Volk müsse Achtung haben vor dein unmündigen Kinde und vor dem Tode, sonst sei es nicht tvert zu bestehen. Er zeigte aus zahlreichen deutsch völkischen Presse stimmen uitd an vielen Beispielen, ivie der Gegner auch bei dein Inden die deutsche Art preise und lobe, tvenn er (der Jndenseind) nämlich ahnungslos sei und nicht tvisse, daß das Objekt seines Lobes zum Judentum gehöre. „Wir bangen ilicht für uns, >vir baitgen um Deutschland, unser Vaterland", rief Tr. W. ans und schloß seine Rede mit dem 3. Vers des Deutschlandliedes und einem Pfalmwort. Nachdem sich der Jubel der Zuhörerschaft gelegt hatte, eirtließ Herr Dr. Tarirotvski mit treffendem Schlußivorl die Teil nehmer der Versammlung, die noch lauge im (Gedächtnis der Breslauer Juden und der getadelten Vertreter hoher Behörden und Vereine haften tvird. Breslau. (H a u p t v e r s a m rn l n n g d e s P e r b a » d e s der 2 y it a g o g e n g e in e i n d e it der Prvvi n z Li i e d e r s ch l e sicn.) Am Donnerstag, dem lt. "Mai l!>ttl, vormittags '10 Uhr. f-indet im kleinen Saal der Lessing Loge zu Breslau die Hauptversammlung des Verbandes der Shnagogeii Gemeinden der Proviuz Niederschlesien statt. Bezirksrabbincr Tr. Wahrmann wird über ,,Wesen und Bedeutung des Eemeindevorsteheramtes im alten Juden tum" Vorträgen, der Vorsitzende, Herr Gcmeindeältester Waldstein, tvird den Tätigkeitsbericht, Herr Tavid Fo-erder den Kassenbericht erstatten, I. R. Ka lisch tvird über die Festsetzung des Haushalts für 1031 32 referieren, Gem. Rnbb. Tr. Hoffmann über Wirlschaftssrageu sprechen. Wir tverden noch darüber berichten. Dransfeld. (I r i e d h o s S s ch ä n d u It g.) Auf dem über 150 Jahre alten israelitische» Friedhof in Dransfeld (Hannover) tvurden, vermutlich iu deu Ostertagen, 12 Grabsteine umgeivorseu. Ter Friedhof ist bereits 11V24 einmal geschändet tvorden, ohne daß es damals gelang, der Täter habhaft zu tverden. Dufsburjl. (E t a t s b e r a t u n g.) In drei langen Sitzungen der Vertretung der Jüdischen Gemeinde wurde der Haushaltsplan für 1931/32 aufgestellt. Während der vorjährige Voranschlag aus 68 000 RM. lautete, gelang cs durch Streichung vieler Ausgaben Posten den diesjährigen Voranschlag aus 54 000 RM. zu ermäßigen. Ter größte Teil der Ausgaben besteht in Gehältern, bei welchen ein Abbau nur in dein gesetzlichen Rahmen vorgenommen tverden sonnte. Daß aber dabei manche Institution nicht mehr mit einem Beitrag bedacht tverden konnte, liegt in der Not der Zeit. Tie Zweckmäßigkeit mancher Streichungen, aber auch die mancher Bewilligungen läßt sich stark anzweiseln. Jedenfalls aber ist es bedauerlich, daß ein Antrag der liberalen Fraktion in der Gemeinde Berlretung, den Posten des Chorleiters mit dem des Organisten zu vereinigen und den Posten einem jüdische» .Herrn zlt überlrageu, mit 0 :5 Stimmen abgelehnt wurde. Für die Annahme dieses Antrages sprachen u. a. nicht nur besonders günstige personelle Verhältnisse, sondern auch die Möglichkeit, nennenswerte Ersparnisse zu machen. Gegen den Antrag stimmten die Vertreter des jüdischen Einheilsblocks (Volkspartei) und ein Mitglied der Miltelpartei. Zur Tecknng der Ausgaben tvurde die Erhebung ciueS 1 (*11«.i»ion (statt bisher 14"„igen) Zuschlages zu der für das Jahr 1030 festgestellten Reichseinkommeiisteuer- und eines 50-l>ige,i Zuschlags zur Vermögenssteuer, berechnet nach dem Stichtag des 1. Januar 1030, beschlossen. Tie Beträge der einen Steuerart tverden aus die andere angerechiiet, so daß nur der höhere Steuerbetrag zur Erhebung gelangt. Obwohl man sich darüber klar tvar, daß die Ergebnisse insbesondere der Erhebung des Zuschlages zur Vermögenssteuer man gcls Unterlagen völlig unklar sind, gnrubte man doch, auch diese Steuerart heranziehen zn müssen. Freihmg. (5 0 jähri g e s S l i f t u n g s f e st des israelitischen F r a tt e u v c rein s.) Am Sonntag, dein 3. Mai, vormittags II Uhr, beging der israelitische Frauenverein im Tlädti scheu .KornhauSsaate mit einer erhebenden Morgenfeier sein 50 jähriges Stiftungsfest unter überaus zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Gemeinde und in Antvesenheit von Vertretern der Staatsbehörde, der Stadtverlvattnng, des StinagogenratS, der lonsessionellen intd paritätische» Franeitvereine auS Stadt und Land und sonstiger all gemeiner Wohlsahrtsvrganisationeii. Nach einem musikalischen Vor trag begrüßte die Präsidentin, Frau Rosa Geismar, die Versammelte», besonders die anwesende» Gründer de:- Vereins. Tie Festrede hielt .Herr Bezirksrabbiner Tr. Zimels. Tie Reihe der Gratulanten eröfsnete Landrat Wöhrle im Namen der staatliche» Vertvaltungs bchörde deS Bezirks und des FürsorgeverbandeS Freiburg Land. Verwaltungsdirektor Zopp, Vorstand des Stadt. Fürsorgeamts. gedachte in herzlichen Worten der freunbfchasttichen Beziehungen des israe iilischen FranenvereinS und des Fürsorgeausschusses der israelitücheit Gemeinde zu seinem Amte. Ter Gemeindevorsteher Professor L. D. Maier übcrbringt die Glückwünsche der israelitischen (Gemeinde. Ober regierungsrat Kölblin, Direktor des Landesgefängnisses, weist daratif hin, daß der Verein für Jugendschup und Gefangeiiensürsorge, als dessen Vorsitzender er hier daS Wort ergreife, mit dem israelitischen Fraueuverein immer einträchtig und herzlich znsammeugearbeit-et habe. Es gratulierten fernerhin Bruno Tauziger für den jüdischen Jugend Hund und Badischen Verband jüdischer Jugendbüude, Rechtsanwalt Hcrzfcld für die Breisgauloge, Frau Beck für deu israelitischen Fraucnvcrein Lörrach, Frau Margerit Weil für die Schtvesternlog-e, Rechtsanwalt Tr. Gustav Mäher für den Meudelssohnvereiu und den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Fron Clementine Marx für den Verein für Wochenpflege. Mit dem vom Chorverein gesungenen 19. Psalm von Lcwandowski ging die ein drucksvolle Fei.r zu Ende. Mil dankbarer Anerkennung sei de sonders der schätzeuswerieu und erfolgreichen Mitarbeit des isracli tischen Chor>ereins an dem hervorragenden Gelingen der festlichen Veranstaltung gedacht. Freistetl. B r a n d st i f t u n g.) Tie T aunenhecke, die deit israelitischen Fri.-dhos in Freistett (Baden) umzäunt, ist von zwei 10 jährigen Burschen in Brand gesteckt worden, der Haupttäter ist ein eifriger Anhänger per Nationalsozialisten.. Tie Äe:idarine-.ic hat Anzeige »vegen sahrlässiger Brandstiftung erstattet, der Friedhofverwalter Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt. Hamburg. (Sitzung des R e p r ä s e n l a u t e u - K o l l e g i - ums.) I» der unter Vorsitz des Herrn Alfred Lisser stattgehabten Sitzung des Repräsentanten Kollegiums vom 30. April ds. Is., tvurde eine Interpellation der liberalen Fraktion behandelt, die sich ans einen iu der Agudas Jisroet gehaltenen ösfenttichen Vortrag bezog, dessen Thema lautete: „Wo steht der Feind?" Ter Vortragende hatte in seinen Ausführungen den Liberalismus iu einer Weise angegriffen, die den heftigsten Unwillen weiter Kreise inner halb der Gemeinde hervorgerufen hat. — Zur Begründung der Interpellation betonte Herr Rechtsantvalt Tr. Fränkel einlei,cnd, daß der »velranschauliche Gegensatz zivischen Liberalismus und Orthodoxie nicht zur Debatte 'stehe. 'Tie Liberalen haben dein orthodoxen Slandpunkt seit jeher volles Verständnis entgegengebracht und erblicken darin, baß bie Orthodoxie sachlich ihren den Liberalismus ablehnenden Standpunkt vertrete, nichts Feindliches. Die Liberalen ließen es aber »ich: zu, daß die liberale Richtung verunglimpft tvürbc, daß man sich voll Haß gegen sie tveiibe und in respektloser Weise von den liberalen Rabbinern spreche. Tie Liberalen wünschen nicht, daß sich die verschiedenen in der .Hamburger Einheilsgemeinde veriretenen Richtungen in unsachlicher, feindseliger und gehässiger Weise bekämpfen. In dem genannten Vortrag habe man sich gegen den Liberalismus in einer Form gewandt, die die schärfste Zurück lveisung verdiene. Ter Vortrag sei in dein von der Gemeinde der Jugend zur Verfügung gestellten Geineinbehaus gehalten worden. Tie Liberale» würden nicht dulden, daß hier Vorträge mit ge meindeseindlichcr Tendenz geholten würden. Daß der Vortragende die Gemeiiideiiileresseii hintangestellt habe, ergebe sich auch daraus, daß er der Gemeinde nicht angehöre, ihr vielmehr vor kurzem den Rücken gekehrt habe. Auch dem Leiter der Versammlung tvurde von .Herrn Tr. Fränkel der Vorivurs gemacht, daß er die in ihrer Form nnznlässigen Ausführungen nicht zurückgewiesen habe. Ter Interpellant ersucht den Gemeindevorstand um Auskunft, was er gegen eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse gn tun ge denke. Von» Gemei'iidevorstnild wird erklärt, daß man sich mit der Angelegenheit bereits besaßt habe und beschlossen habe, daß für die Zulnnst denjenigen Personen, die aus der Gemeinde ausgetreten sind, nicht mehr gestattet sei, daß sie in Veranstaltungen im Gemeindehaus als Vortragende oder Diskussionsredner auftreteu. Ter Vorstand habe ferner augeordnet, daß öffentliche Vorträge der be sonderen Genehmigung bedürfen, ohne daß damit eine Präventiv zensur eingesührt werden soll. Bei der Besprechung tvurde der Befriedigung über diesen Boc standsbeschluß Ausdruck gegeben, der geeignet sei, eine Wiederholutig dieser Vorkommnisse zu verhiuberu. Herr Tr. .Kalmus (Volksp.) itub Herr Tr. Wohlgemuth (streng koui.) betonten, daß auch sie jede unsachliche, hetzerische und gehässige Kampsesart mißbilligen. Einen interessanten Beratnngspiintl bildete ein politischer Antrag der jüdischen Volkspartei, der die Zusammensetzung deS Vorstandes der Gemeinde nach dem Verhältnis der Stärke der Parteien in» Repräsentanten Kollegium herbciflihren wollte. Tie Verfassung der .Hamburger Gemeinde weicht insofern von der der preußischen Gemeinden ab, als in Hamburg der Vorstand nicht jedes Mal nach der Wahl der Repräsentanz neu gebildet tvird. Die vor einigen Jahren revidierte .Hamburger Versassuitg hat sich für das Prinzip bet Kontinuität entschieden so ztvar, baß jedes Mitglied des Vorstandes auf 3 Jahre gcivählt wirb. Eine Wiederwahl ist ztveimal zulässig, so daß nach einer Amtsdauer von 9 Jahren jedes Mitglied ausscheiden muß. Tie Neuwahl der Repräsentanten bedingt keine Veränderung des Vorstandes. Tie Volkspartei, für bercu Antrag sich .Herr Tr. KalmuS einsetzte, hält diesen Zustand für unerwünscht; dieS umso mehr, als sich, tvie Tr. Kalmus aussührle, iu Hamburg eine Art Gewohnheitsrecht gebildet habe, tvoncrch bei Ausscheiden eines Mitgliedes das neue Mitglied regelmäßig derjenigen Richtung entnommen tverde, der der Ausscheidende angehört habe. T«durch kämen neue Gruppen, die sich gebildet batten, zu kurz. Tie VolkSpanei »volle zwar zunächst voit einer Aenderung der Verfassung absehe», »vünsche aber den von ihr vertretenen Standpunkt dadurch realisiert zu sehen, daß die Repräsentanten sich untereinander dahin verständigen, daß das von ihr beiür- »vortete Prinzip bei Neuivahlci» zum Vorstand berücksichtigt werde. Herr Lisser (lib.) — der während dieser Aussprache den Vorsitz .Herrn Alexander Levy übergibt — lehnt den Standpunkt der Volks- Partei ab. Sein hauptsächlichstes Argument bildete die These, daß die Politisierung der Gemeindearbeit nicht auch aus den Vorstand übergreisen solle, daß vielmehr das Prinzip der Kontinuität und Stabilität in der dem Vorstand obliegenden Executive gewahrt bleiben solle. Derjenige sei der beste Vertreter im Vorstand, der sich als Vertreter aller fühle. Tie Macht uird der Einfluß des Repräsentanten Kollegiums, in dessen Beratungen und Beschlüssen sich die Differenzierung nach den verschiedenen religiösen und politischen Richtungen zeige, sei groß -genug, um auf denjenigen Gebieten, auf denen dies erforderlich fei, die Entscheidung nach Maßgabe der Machtvcrhällnisse zu beeinflussen. .Hier sei die Stelle, Ivo die tvellanschaulichen Gegensätze ausgetragen tverden. Bei der Wahl in den Vorstand brauche aber die Richtung, der jemand gngehörd, nicht maßgebend zn sein, vielmehr müsse hier ganz besonderes Gewicln auf den Wert der Gesamtpersönlichkeit gelegt tverden. Ter von der Volkspartci vertretene Gedanke tvürde dazu führen, baß bie Expo nentkn der Partei für bie Arbeit in den Vorstand bestimmt werden tvürbeu, tvas der sachlichen Arbeit nichl unter alten Umständen dienlich sein tvürde. TaS Hamburger System habe sich überaus bewähr: Tie Tatsache, daß ein Vorstandsmitglied unter Umständen 0 Jahre im Vorstand arbeiten könne, sei als ein erheblicher Vorzug gegenüber einem Zustande anzusehen, der eine Neuwahl des Gefaintvorstandes nach jedesmaliger Wahl des Repräsentanten Kollegiums Vorsicht. Man könne diejenigen Grundsätze, die für die große Staatspolitik gelten., nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse eines jüdischen GemeindebezirkeS übertragen. Im »vcsenllichen komme es bei 'der Wahl iu den Vorstand darauf an, daß man zuverlässige, arbeitsame, friedfertige und treu jüdische Persönlichkeiten tvähle. —• An der weiteren Aussprache beteiligten sich noch .Herr Tr. Wohlgemurh ' streng Ions. , ber als Vertreter der unpolitisch konservativen Richtung sich ebensalls für die Ausschaltung der Politik aus der Gemeinde aussprick>t, und Herr Jsanlsen (Wirtschastsp.), der zwar eine Vertretung feiner Partei im Geincindevorstand gegebenenfalts wünscht, jedoch im we'enr lichen sich dem Standpunkt des .Herrn Liner anschließr, daß man den Vorstand von den jüdisch politischen Auseinandersetzungen nackt Möglichkeit sreihaltcn solle. Es tvird von Herrn Alexander Leo» festgestellr, daß gegen den Antrag des Herrn Tr. Kalmus eine Reihe von ablehnende.! Aeußernngen erfol-gt sei, daß aber die Tnrchsührung des Kalmus scheu Gedankens die Uebcrciuslimmung sämtlicher Mitglieder des .Kollegiums erfordert. Ta solche nicht gegeben sei. sei für eine Abstimmung kein Raum, was von Herrn Tr. Kalmus anertanut wird. Einen tveiteren Punkt der Tagesordnung bildete ein Bericht des Herrn Alexander Levy (tons.k über die Tepositenkasse. Der Bericht gibt eine historische und statistische Uebersievt über das gesamte Ttistnngswesen der Gemeinde und betont die Notwendigkeit, jede einzelne Stiftung daraufhin nachzuprüsen, ob solche noch als existent anzusehen sei, tvclcher VermögenSbetrag ihr aus dem Ge samtvermögcn zukomme und ob die Erhaltung noch evtl, bestehender aber ivegen ihrer zusammengeschinotzenen Mittet so gut tvie wertlos geivvrdener Stiftungen sich noch empfehle. TaS Kollegium beschließt, die Ueberprüsung der gesamten Angelegenheit einem Ausschuß zu übertragen, in den Herr Levy (kons.) und Herr Dr. Urias (tib.) getvählt tverden. Tie Verlegung des Pflegeheims har das Kollegium lviederholt beschäftigt- Ter Vorstand legt dem Kollegium ein Gutachten vor über die Kosten, die durch eine Verlegung in das Grundstück Bieberstraße 4 entstehen würden. Mit Rücksicht auf die späte Be kanntgabe dieses Gutachtens wird von einer Beratung abgesehen; es werden vielmehr die Mitglieder des Kollegiums, Frau Dr. Karow (VolkSp.), -Herr Dr. Wohlgemuth (streng, kons.) und Herr H.'inenrLtln (MirtschaftSp.) mit einer Nachprüfung beauftragt. Es folgte alsdannn die Beratung der Satzungen des Jugendamte-, die vom Jugendamt entworfen waren, ivorüber Frau Dr. Meyer Wedelt (lib. j Bericht erstattete. — Die Tcdatte konzentrierte sich auf die Frage der Zusammensetzung des Jugendamtes und ztvar insbesondere aus die Beteiligung der Vertreter der jüdischen Jugend. In Vorschlag gebracht war, daß der Landesausschtiß der jüdischen Jugendorganisation 3 Vertreter nominieren sollte, die von der Gemeinde bestätigt werben müßten. (Kegen diese Bestimmung tvcnben sich bie Herren Dr. Löwenberg (lib.), Kurt Nathan (lib.) und Herr Dr. Marx (Volksp.), die verlangen, daß die Zahl der Vertreter der Ingend aus 5 erhöht tvürde uub daß das Bctätigungsrecht der Gemeinde nicht aufrecht erhalten tverde. Es tvurde die Fassung des Enttvurses abgelehnt und dem Anträge des Herrn Dr. Löivenberg zugkstinrml/ mit der Maßgabe, daß die Wahl der Jugendlichen jeiveils auf^zwei Jahre zu erfolgen habe. Es tvurde ferner beschlossen, daß der Syudrkus der Gemeinde, der das Jugend-Dezernat bearbeitet, ferner die Jugendpflegerin und die Jugendleiterin der 0)e» meiiide, Mitglied des' Jugendamtes sein sollen. Ta dem Jugendamt ferner 10 von der Gemeinde entsandte Gemeindebürger, sotvie Mitglieder des Vorstandes, des Repräsentanten-Kollegiums, der Schulen, die Rabbiner und der (Kcmeindearzt angehören, so ist das Gremium, ivelches das Jugendamt bildet, allerdings numerisch recht stark. Man hält aber mit Rücksicht aus die Vielseitigkeit die Beteiligung einer so großen Zahl für erforderlich. Bei der Beratung kam auch der Wunsch zum Ausdruck, daß ein besonderes Jugend Dezernat nach Berlin-er Muster in Hamburg eingerichtet tverde. Das Budget der Gemeinde für das out 1. April 1031 begonneue EiatSjahr konnte mit Rücksicht auf die Ertrantuug des hierfür zuständigen Syndikus bisher »och nicht vorgelegl werden. Ter Vorstand erhält die tstenehntigung, die fitr die Monate April uub Mat ds. Js. nonvendigeu Ausgaben zn machen. Schließlich tvurde der neuen Dammtor Synagoge, die als selbständiger Kultusverband innerhalb der Gemein»de besteht, mit Rücksicht auf deren angespaintt-e Finanzlage ein Tarlehen von RM. 5000 beivilligt für unabweisbare Ausgaben, die von dem Verband gemacht tverden müssen und für die zurzeit die Mittel nicht zur Verfügung stehen. Hamburg. (Todesfall.) Ter frühere Fiitauzsenalor Ham-- burgs, einer der verdienstvollsten älteren Führer der .Hambnriger Temolroren, ist im Alter von 74 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Senator Eolni tvurde am 10. November >857 in Neustrelitz geboren. 1013 tvurde er aus der Liste der Vereinigten Liberaleir in die Hamburger Bürgerschast gewählt, wo er sich bald als Mitglied der Finanzdeputatiou betätigte. Im Jahre 1023 tvurde er Mitglied des Hamburger Senats. Nach dem Ableben von Bürgermeister Tiefte! tvurde er als Finanzexperte der Demokraten Präsident der Finanzdeputation, welches Amt er bis Juni 1020 bekleidete. Tie Teutschnationalen und Völkischen nahmeir ihn oft zur Zietichetbe heftigste t, auch amiiemitischcr, Angriffe. Sie erklärten es für untragbar, daß eiir Jude das ivichtige Amt eines Finanzsenators inne hat. Sie erceichlen es, daß Senator Eohtt auttsinüde wurde und vorzeitig zurücktrat. Cohn, der vor seiner amtlichen Tätigkeit als Gründer und Mitinhaber der hauptsächlich nach Südamerika arbei-- lenden angesebeiteit Export intb Importfirma Arndt n. Cohn umfasienve kaufmännische Fähigkeiten entwickelt hatte, har sich um Hamburgs Finanzen als Führer ans der Inflation in gesicherte Verhältnisse große Verdienste erivorben. Er hat be u Wellkredit Hamburgs wieder ansgcbaut und gesichert. Senator Cohn hat auch als Vorsitzender des Anssichcsrals der Hamburger Hochbahn A G-, deren Fiiianzgebahrnng geleitet und gestützt. Er erfreute sich dank seiner großen persönlichen Liebenswürdigkeit und seiner Aktivität bei fast alten Parteien Hamvnrgs großer Beliebtheit. Karlsbad. (G r ü n d u n g eines I f r a e l i l i s ch e n A t r e nh e i m s und eine r 0) e m e i n d e b i b l i o t h e k.) Imposant in seiner Einfachheit, in seiner vornehmen, dem Lluge ivohttueaden Gliederung, ist das Israelitische Altenheim, ein Meisterwerk deS Karlsbader Architekten Rudolf Wels. Das .Haus, am 10. Mai feierlich eingeweiht, ivird am 17. Mai feiner Bestimmung üv-ergeben. Wie alle Altenheime, die in letzter Zeit, namentlich in Teutschland, entstanden sind, hat auch Vas israelitische Altenheiin in Karlsbad einen doppelten Zweck: es soll bedürftigen braven Menschen, die in Karlsbad selbst oder in seinem engeren Ihnfreu'c lebten und für ihre atlcir Tage zu sorgen nicht in der Lage waren, teils unentgeltlich, teils gegen einen minimalen Regiebeitrag, einen glüchlichen, iorgenfreien Lebensabend schenken. Das ist der .Hauptzweck des .Heims, den es finanziell erstarkend immer mehr und mehr anstrebt und anstreben ivird. Aber auch jenen Männern und Frauen, die in trauriger Verlassenheit, lvenn auch -nicht ohne die notivendig-- sten Mittet ihre alten Tage gebrechlich und ängstlich verleben müssen, öffnet das Altenheim tvillig seine Tore, um sie vor Vereinsamung zu schützen, vor dieseni düsteren Geschick des Alters. In solchen Fällen ivird das Kuratorium des Altenheims auch Nichtkarlsbader gegen einen jeweils zu bestimmenden Regiebeitrag in das Altenheim au'- nehmen. Zur Erhaltung und Förderung des Altenheims ist der Verein „Altenheim" gegründet tvorden, dessen vornehmste Ausgabe die Beschaffung des jährlichen Betriebskapilates sein ivird. Anfragen über Aufnahme in das Altenheim find an das Kuratorium des israelitischen Altenbeims in Karlsbad zu richten. * Mit der Ecöst'nung des Altenheims tvird auch ein Herzensivunsck zahlreicher Mitglieder der Karlsbader Judenschair in Erfüllung gehen: Tie Gründung einer Gemeindebibliothek. Herr Rabbiner Tr. Ziegler bat seine nahezu 1000 Bände umfassende Biblio-- chek der jüdischen Gemeinde in Karlsbad zum Oieschenk gemacht als Zeichen seines Tankes an die Mitglieder feiner Gemeinde für die Förderung seines Lebenswertes, des israelitischen Altenheims. Damit ist die jüdische Gemeinoebibltothet ins Leben gerufen, die alten Bewohnern Karlsbads, die sich in irgend einem Punkte über oas Judeuturn orientieren wollen, zur Verfügung stehen tvird, worüber rechtzeitig weitere Mitteilungen grtolgen werden. Die Gemeinvebtbliothek ivird aber nicht nur Hebräica und "Judaica umfassen, sondern auch hervorragende Werke der allgemeinen Wcllliteralur, der iviisen-- schaftlichen und belletristischen. Tie Gemeinde ivird auch dankbar Bücherschenkungen annehmen und bittet ihre Freunde, bei passender Gelegenheit an der Bereicherung der Gemeindebibliothek initzuarbeit-cn. Kassel. > I u b -i l ä n m S > e i e r im I s r a e l i l i s ch e n W a i -> 'enyaus.l Am 3. Mai fand im Israelitischen Waisenhaus die Feier deS 75 jährigen Bestehens stall, zu der sich zahlreiche ttZäste, Vertreter von Behörden und Vereinen nebst ehemaligen Zöglingen eingefnnden hatten. "Nach dem Chorgesang „Ter Herr ist mein treuer Hirte" entbot der 90 jährige Herr Fiorino als Vorsitzender des Kuratoriums allen herzliche Grüße. Er ließ in kurzen Zügen die Geschichte des Hanfes erstehen, gedachte der Stiiter, widmete ehrende Worte den Hause ltern und bat um kerne res Wohlwollen. Land rabviner Tr. Waller hielt die Festrede und beleuchtete Judentum und Ehristentum in ihrem Verhältnis zur Waisenfürsorge. Er ermahnte dann die Zöglinge, die weihevolle Erinnerungals bleibenden Ein-' Regen oder Sonne? Pfingsten immer schön mit £ & W Zigarren! - An den Schaufenstern der Firma Loeser & Wolfs prangt oit allen Brennpunkten Groß-Berlins dieser originelle Hinweis auf die weltbekannten Fabrikate dieser größten Zigarrenfabrik Deutschlands.