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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-29 · 17 (29.4.1931) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
17 (29.4.1931)
Date
1931-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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11. Jahrgang Tknmmer 17 Die Leistungen des Hilssvereins der deutschen Juden In bcc um Sonntag, dem IC. April, ftattgefunbenen 30. Jahres- Versammlung bis Hilssvereins ber brutschen Inden gab Herr Dr. Kahn einen geschichtlichen Ilcberblick über das Wirte» bes Hilssvereins. Er führte aus: 2a ich selbst säst die ganze Zeit über, mit Ausnahme der ersten drei Jahre, also 27 Jahre mit den Arbeite» bt'v Hilssvereins eng verbunden bin, so ist tvohl deshalb aus mich die Wahl gesotten, Ihne» in knappen Strichen ei» Bild der Tätigkeit des Hilssvereins in diese» drei Jahrzehnten zu geben. Um die- Gründe für die Ent' stehung des Hilssvereins richtig würdigen zu können, müssen tvrr ziemlich weil in der (beschichte zurnclgehen und die Lage der ostjübischeu Massen vor mehr als 50 Jahren betrachten. Im Jahre 1881 begannen die blutigen Bersotguiige» der Jude» in Rußland, die für die russischen Juden viele Jahrzehnte laug ei» entsetzliches Marthritrm schufen. Als zu den russischen Bedrückungen die rumänischen, sowie die wirtschaftliche Verelendung auch der Juden ßtaliziens hinzutraten, geriet die ganze sieben Millionen Menschen zahlende Dstjudeiihcit in fluchtartige, seither nicht mehr zur Ruhe gekommene Bewegung. Durch die seit 1881 erfolgte Auswanderung von vier Millionen Juden hat sich die Struktur der jüdische» Gemein-- schäften aller Länder völlig verändert. Neuartige, getvaltige Aust gaben erlvuchscn allen Juden diesen Erscheinungen gegenüber. Ter Judenhcit Deutschlands, des unmittelbaren Nachbarlandes der Gebiete jüdischer Menscheusicdlung, fielen häufig die schwersten Aufgaben zu. Schon in den 80 er und 00 er Jahren haben deutsche jüdische Komitees den Hauptteil der schweren Arbeit geleistet. Deut den vereinzelten Aktionen anhaftenden Mangel an Stetigkeit aber wurde cr|l] im Jahre 1901 durch die Begründung des „Hilssvereins der deutschen Juden" abgeholfen. Bei der Gründung, die ivir dein Weitblick und der Menschenliebe von Dr. James Simon, Dr. Paul Nathan, Justizrat Timendorscr, fxabb. Dr. M. Horowip und einer großen Reihe anderer Gleichgesinnter verdanken, wurde gesagt, daß sich die Tätigkeit des neuen Vereins nach zwei Richtungen hin zn bewegen habe: zunächst sollte er die Jeutratstelle bilden, welche bei plötzlich hcreiubrechenden Katastrophen den Gebeeiser ausruft und in zielbewußter Aktion da-s Elend lindert. Das ivichtigste aber sollte es sein, die Juden durch geistige und tvirtschafttiche Kräftigung gegen solche Katastrophen Widerstandsfähiger zu machen. Tie deutschen Inden, die allen jüdischen Problemen gegenüber von jeher starkes Mitempfinden und brüderliches Verständnis bewiesen haben, tvare» für dieses Programm leicht zu gewinnen. Schon »ach fünfjähriger Wirksamkeit übertraf der Hilssvereiu durch jeine Mitgliederzahl alle anderen gleichartigen jüdischen Vereinigungen der Welt. Infolge seiner Regsamkeit und zielbetvußlen Tätigkeit begann man auch im Ausland seine Arbeit zu schätzen. Bon Anfang an widmete er sich produktiven und konstruktiven Arbeiten, der Gründung von Vorschußkasse», der Einführung von Hansinduftrien, der Zuführung der jüdischen Jugend des Ostens zu produktiven Berufen. Die schwersten Ausgaben erivuchsen dem Hitfsverein vom Jahre 1003 ab. Damals begann eine neue lange Kette von Pogromen, die mit Kischinew ihren Anfang nahm und die leider auch heute noch nicht ganz abgerissen ist. Während der revolutionären Wirren in Rußland in de» Jahre» 1905 bis 1906 ereigneten sich (561 Pogrome in alten Teilen Rußlands, die Tausenden voir jüdische» Männer», Franc» und Kinder» das Leben kosteten uitb Zehntausende in ihrer wirtschaftlichen Existenz vernichtete»- Das war vier Jahre nach der Gründung des Hilsts-- Vereins, und schon hatte er daS Vertrauen der gesamten jüdischen West in so hohem Maße erworben, daß er den Auftrag erhielt, die gesamtjüdische Hilfsaktion, für die 42 Millionen Mark zur Verfügung gestellt tvurden, zu organisieren und dnrchzuführcn. Seit dieser Zeit bis zum Kriege blieb der Hilfsverein der Mandatar aller übrigen jüdischeu Organisationen bei großen Hilfsaktionen. Die Bauernunruhen in Rumänien i. I. 1907, der Balkankrieg 1912—1913 und die Ausschreitungen in Marokko und Persien i. I- 1912 gaben dem Hilfsverein tveilere schwere Aufgabctr zn erfülle». Von allergrößter Bedeutung wurden die Leistungen des Hitfs Vereins während des Krieges. Sie haben in der Geschichte der neuer'.'» jüdischen humanitären Tätigkeit nur noch ein größeres Beispiel, nämlich die Arbeiten der amerikanischen Judcnheit ivcihrend des Krieges und nach dem Friedensschluß. Unnüktelbar nach Ausbruch de-s Krieges nahm der Hilssvereiu eingedenk seiner humanitären Grundsätze und frei von der Kriegspsychose die Fürsorgearbeit für die in Deutschland befindlichen Ausländer ohne Unterschied der Konfession, insbesondere für die etwa 80 000 vom Kriege in Deutschland überraschle» Russen aus. Mit Unterstützung der -amerikanischen Judcnheit, die durch de» Appell des .Hilfsvereins Ende 1914 einsetzte, hat der Verein ferner in den Kriegsgebietcn durch ein Komitee, in dem die führenden Persön lichkeiten des Hilssvereins die Leitung hatte», während aller Kriegs fahre eine ganz gewaltige humanitäre Arbeit durchgesührt- In de» von den Truppen der Zentralmächte besetzten Gebieten waren Hunderttausende von Flüchtlingen und ein großer Teil der in ihren Wohnftätlen verbliebenen jüdischen Bevölkerung zu versorgen. In de» Volksküchen, die eingerichtet tvurden, wurden zeitiveise bis zu 400 000 Menschen verpflegt. Untcrknnftsstellen tvurden in großer Zahl geschaffen, die jüdischen Schulen wieder geöffnet und umfangreiche Schulspeisungen durchgeführt. Waisenhäuser wurden gebaut, Krankem Häuser eingerichtet und durch Organisierung der Gesundheitsfürsorgi der Kampf gegen bestehende und drohende Seuchen ausgenommen. Es wird das dauernde Verdienst des Hilssvereins bleiben, daß die jüdischen Massen aus diesem Kricgselcnd nicht noch mehr geschwächt und dezimiert hervorgingen. Dem Hilfstverk dieser Art schloß sich ebenbürtig als zweites Tätigkeitsgebiet die Auswanderersürsorgc an. In einer Konferenz vom Dezember 1904 in Frankfurt am Main, an der alle großen jüdischen Organisationen des Im und Auslandes teilnahmen, wurde dem Hilfsvrrein der deutschen Juden die Aufgabe übertragen, ein „Zentralvüro für jüdische Auswandcruugsaugelegeuhciteu" zu schassen und alle mit Auskunftsertcilung, AuSivanderungsregelung und Ausivandererfürsorge zusammenhängenden Arbeiten zn erledigen. Vom Jahre 1904 bis zum Ausbruch des Krieges ist düse Tätigkeit vom Hilfsvcrein durch das von ihm begründete Büro ausgeübt worden. Das Büro stand in engster Verbindung mit der dem HWvercin alle Zeit befreundeten Jewish Colonisation Association und den Auswanderungsorganisationen in Rußland. Es unterhielt mit ihnen auch gemeinsame Büros in Rußland und an den beiderseitigen Grenzübergangen und arbeitete in innigem Konnex mit den Eintvanderungs-- organisationcn Amerikas und anderer Länder. An 40 000 bis 50 000 Auswanderer jährlich haben in der einen oder anderen Weise seine Fürsorgetätigkeit in Anspruch genommen. Rund 200 000 Personen wurden beraten und betreut. Auch während des 'Krieges kam diese Tätigkeit trotz der verringerten Emigrationsmöglichkeiten nicht ganz zum Stillstand und wird auch heute, allerdings, da. die Eintvarrderungsländer sich fast alle verschlossen haben, unter ganz anderen Verhältnissen fortgesetzt. Der Hilfsvcrrin steht dabei in Verbindung mit der Jca, der amerikanischen Hias und der Gesellschaft Emigdirekt. Das dritte Tätigkeitsgebiet des Hilssvereins »var ein kulturelles. Vom Jahre 1903 bis zur Beendigung des Krieges unterhielt er ein großes Schulwerk im Orient und in den Balkanländern, das i I. 1914 50 Anstalten mit über 7000 Schülern umfaßte. Zu diesem Schulwerk gehörten Kindergärten, Elementarschulen, Seminare, Realschulen und Gewerbeschulen. In Haifa war ein Technikum errichtet worben »nd harrte der Eröffnung, die jedoch i. I. 1914 infolge des Kriegsausbruchs nicht mehr erfolgen konnte. Msch-Werale Zeitung Leilag« 29. April 1931 Die Fortführung dieser in langen Jahren mühevoll und sorg fällig ausgcbanten Erziehungsanstalten hat der Ausbruch ober der Ausgang des Krieges unmöglich gemacht. Doch tvird ihre dauernde Wirkung durch die von vielen jungen jüdische» Generationen in ihnen ertvorbeue Bildung soct bestehen. Anknüpsend an diese Erzieh»,igslätigkeit hat der Hilssvereiu jetzt wieder begonnen, i» Polen und Litauen eine größere Kindersürsorgetätigkeit und in Rumänien eine kuliuretle Arbeit mit sehr beachtenswerten Resuttnten zu entfalten. In den 30 Jahren der Tätigkeit des Hilssvereins wurden vom Verein nahe an 50 Mittionen Mark ausgewendet. Selbstvecstäudtich tvaren die 50 Millionen nicht allein tum nicht einmal zum größten Teil die materiellen Leistungen der deutsche» Judeuheit. Das vermindert aber nicht die gewaltige Arbeitsleistung de-s Vereins, im Gegenteil. Bis zum Jahre 1914 tuar der Hilssvereiu von allen jüdischen Organisationen, auch des Auslandes, und von hochherzigen jüdischen Persönlichkeiten des Anstandes als Zeutratstette gctvähtt worden. Ihm waren auch die ausländische» Gelder zur Verwaltung und zur Verwendung anverirant. Der grösste Teil der Ausgaben entfiel natürlich ans die Hilfeleistungen für die dnrch Katastrophen und die Kriegsnot Betroffenen, lieber 41 Millionen wurden für diese Hilfeleistungen aus-gegeben, auf die Auswanderung entfiele» zirka 131Millionen Mark und ans das Schul und Erzichuugstver'i über 4 Millionen Mark. Für 50 Millionen Mark wurde Arbeit geleistet, für 50 Millionen Mark Hilfe gespendet. Die Größe dieser Summen, über die der Hilssvereiu verfügen konnte, zeugt von dem Vertrauen, das ihm von der deutschen Judeuheit und der Gesamt' judcnheit eutgcgcngebracht worden ist. Ter Verein wird dieses Vertrauen auch in Zukunft rechtfertigen, in dem er trotz allen Widrigkeiten fest bleiben wird in seinem Bekenntnis zur brüderlichen jüdischen Solidarität auf dem Gebiete humanitärm Wirkens. In dieser unsagbar schweren Zeit für die jüdischen Masse» ist die deutsche Judeuheit selbst durch die Kriegsfolgeu gescluvächt, ihre Leistungsfähigkeit ist herabgedrückt und schtvere Bedrohungen schrecke» sie in der letzten Zeit. Dach das kann und tvird sie nickst abhatten, i» Reih und Glied mit den Inden anderer Länder ihre jüdische Schuldig keil auch in Zukunft zu ersülte». Dazu ruft der Hitjsverciu die deutschen Juden heute iu seinem 30. Grüudimgsjahr wieder auf wie im ersten Jahre. Ich bi» sicher, daß die deutschen Jude» diesem Ruse trotz allem Trüben, dem sie selbst ausgesctzt sind, willig Folge leisten iverdeu. Ein neuer Brauch Von Rabbiner. Tr. Wilde, Magdeburg. Tausende jüdische Schüler und Schülerinnen sind auch üt diesem Jahr c:r Ostern aus ihrer Schule entlassen worden. Jrt Abschiedsseiern von Eltern und Lehrern haben die Schulleiter den jungen Menschen die Bedeutung der Stunde nahegebrachl. Je nach ihrer Einstellung sprachen die Schulleiter von den Ausgaben, die aus den jungen Menschen, aus den jungen Deutschen, auf den jungen Ehristen, aus den jungen Kulturträger warten. Aber sicherlich sprach niemand von den Aufgaben, die aus den jungen Juden wartet!. Wir haben dies früher tmim in rin ißt. Gingen doch die frühere» Geschlechter aus der Schule in dem Glauben, daß ihr Leben nun bestimmt wird durch ihre Heimat, durch ihren Kuliurtreis, durch ihren Lebensberus, das. sie Juden nur sind an einigen Feiertagen, durch einige Brauche, in ihren familiären Bindungen. Für das Leben aber, das mit dem Verlassen der Schule beginnt, schien ihnen ihr Jude-Seiir nur etwas Nebensächliches. Wir haben uns wohl geirrt, wir haben uns wohl über uns selbst getäuscht, denn wir wissen jetzt, sür andersgläubige Menschen, ob sie uns gleichgültig, freundlich oder feindlich gegenüberstchen, sind wir immer erst der Jude, dann der Mensch eines bestimmten Berufs, einer bestimmten politischen Einstellung, eines bestimmten Kulturrreises. Ta merkten wir, daß wir umlernen müßten, um nicht dem Vogel Strauß zu gleichen, da wurde uns der Gedaine ausgezwungen, daß Judesein ein unentrinnbares Schicksal bedeutet, öaft; dieses Schicksal unser Leben ebensoviel beeinflußt wie Heimat, Bildung, Beruf. Unsere Jugend meist das besser als das Geschlecht der Väter und der Mütter. Sollte darum nicht unsere Jugend auch noch ron einer andern Stelle a’W n o u der S ch u lani a a ,r s Den W e g ins Lebe» b e g i n - n e n? Für ^unsere Jugend ist aber auch die Abschiedsstunde von der Schule ernster geworden. Sie ist nicht mehr bloß die fröhliche Stunde, in der man singt: „So leb denn wohl, Gymnasium, ich scheide ohne Trauern!" Man sagte früher zur Jugend: „Tie Welt steht euch ossen." Ich weiß nicht, ob nicht auch früher dieses Wort nur mit Einschränkung galt. Aber immerhin konnte früher ein junger Mensch fast in jedem Land der Erde Berus und Brot suchen. Aber jetzt? Tie Welt steht der Jugend nicht offen, alle Grenzen sind gesperrt, arbeitsuchende Angehörige fremder Staaten werden nicht hineing«lassen. Aber auch das alte Wort „bleibe im Lande und nähre dich redlich" ist nur schwer zu erfüllen. Das weist die Jugend, die vor der schweren Frage der Berufswahl steht. Unsere Jugend, die kurz vordem Krieg oder im Krieg geboren ist, weiß! nichts mehr davon, wie. die Menschen in Reihen anstanden, um Brot, Fleisch, Kleidung zu erhalten, daß viele uintehren mußten, weil für sie nichts mehr da war. Aber unsere Jugend weiß, daß die Menschen ssttzt anstehen müssen, wenn irgendwo eine freie Arbeitsstelle ist, weiß!, wie viele Tag für Tag vergebens den bitteren Weg gehen. Tiefes Schicksal teilt unsere Jugend mit der Jugend des ganzen Landes. Für den Juden ist der Daseinskampf noch schwerer, denn für ihn hat es oft gar leinen Sinn, sich anzustellen, er bekommt als Jude die Stelle doch nicht. Genügt es dem Gefühl unserer Jugend, von bei S ch u l a u l a aus diesen schweren Weg z n beginnen? Einst war der Ausgangspunkt die Bar Mizwoh Feier iu der Synagoge. Sie war der Abschluß der Schulzeit. Dann kam die Lehrzeit, oder es war so, wie mir in meiner Jugend noch ein ganz alter Mann erzählte: „Am Tage nach meiner Bar Mizwoh sagte mein Vater zu mir: „Ich'kann dich nun nicht mehr ernähren, denn es sind noch 7 Kinder hinter dir. Hier hast Du drei Taler." Für den einen Taler mietete er sich für eine Woche ein Stübchen, sür den zweiten Taler kaufte er sich einen Kasten, sür den dritten Taler Ware. Am Montag nach der Bar Mizwoh begann er seinen .Handel. Er starb als reicher Mann." Aber heutzutage sind sür die meisten Schüler zwei bis drei Jahre, für die Abiturienten fünf bis sieben Jahre seit ihrer Bar Mizwoh vergangen, wenn sie die Schule verlassen. , Tie Mädcheneinsegnungen pflegten etwa zwei Jahre später zu sein, als die Bar Mizwoh, aber jetzt, kvo eine immer größer» Zahl von Mädchen das Abiturienieiuxaineii machten, liegt auch diese Feier Jahre vor der Entlassung. Tie volle Verantwortung sür das eigene Leben beginnt aber erst nach der Schulzeit. ' Ich habe bi* zn diesem Jahr alle abgehenden Schüler und Schülerinnen immer in einer besonderen Feier der Religionsschule entlassen, aber das ivar doch nur eitie jüdische Schulfeier vor oder nach der allgemeinen Schulentlassung. Ties ist de r n e u e Brauch: A m 2. T a g des P a s s a h f e st e s wurden all« a b g e h e n d e n S ch ü l e r und Schülerinnen, die V o l k s f cl) ü 1 e v j o g it t w i c bi c A bi t u v i nt t tn , d i e K n a b e n >v i e di e Bi ä d ch nt, i it der 2 t) it a g o g e ' >v ä h mi D des Gottesdie n st e s (ti o r Ölen u) e n't - lassen. Sie hatten vorher ans einer Bank in der Nähe des Altars am Gottesdienst icilgenoutmen, stellten sich dann auf dem Altar aus. Aus meiner Ansprache mit dem Segen als Schluß bestand die Entlassungsfeier. Vom Gottesh a u s , v o m G ölte s d i e n st a u s, v o n ein e m jüdi - f ch e it F e iert a g ans, soll die I u g e n d de n W e g ins Leben beginnen. Darum darf die Feier nicht an einem Wochentage fein, nicht außerhalb eines Gottesdienstes liegen. Sie soll nicht Bar Mizwoh oder Mädchen einsegimng ersetzen. Bei diesen Feiern ist die Jugend aktiv, bei der Entlassungsfeier nur passiv. Tie starke Wirkung dieser Feier veranlaßt mich, sie weiteren Kreisen bekannt zu geben. Es ist auch ein Beitrag zu der in unserer Zeit so gewünschten „Lebensnähe der Religion". Wir begrüßen die Anregung von Herrn Tr. Wilde, möchten aber doch bemerken, daß auch in anderen deutschen Städten, wie uns bekannt ist, sowohl in' Leipzig als auch iir Berlin, gleiche Entlassungsfeiern in der Synagoge bereits durchgeführt worden sind. — Tie Red. Ff Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Echriftleitung lediglich die pre^ gesetzliche Verantwortung. Zur „Bibellesung im Gottesdienst" Von Hermann Falkenberg. Seih langem hat mich kein Aufsatz über gottesdienstliche Fragen so erfreut wie der von Rabbiner Dr. Max Wiener: „Bibelles,mg im Gottesdienst" (Nr. 16 der Jüdisch-liberalen Zeitung). Nicht etwa, daß ich nrit allem ganz einverstanden wäre! Aber das Erfreuliche ist, daß einmal wieder ein Berliner Gemeinde-Rabbiner vor der Oeffentlichkeil die Hand aus eine der Wunden legt, an denen der Gottesdienst der Berliner Orgelsynagogen krankt. Ter Aufsatz geht ja auch über das hinaus, was der Titel andeutet, und erörtert grundsätzliche Fragen. Wieners Anschauung ist durchaus betzustitumen, daß im Hebräischen ein „konservatives Element" des Gottesdienstes steckt, bas in ihm „historisch verankert" ist und auch „gefühlsmäßig" in ihm verankert bleiben soll, und das deshalb nicht entbehrt werden kann, weil es in der Religion „nicht bloß auf die Wirkung des gedankenmäßigen Inhalts" ankommt. Das Ausmaß des Hebräischen will Wiener leider nicht erörtern. Dabei - - und das ist doch wesentlich spricht er als von etwas Selbstverständlichem von einer Verkürzung der traditionellen hebräischen Liturgie". Aber gerade das „Ausmaß" der „Verkürzung" bedarf dringend einer Erörterung, das hat das Schicksal des Liturgie-Entwurfs sür die Prinzregenten-Synagoge deutlich bewiesm, die Einführung des neuen liberalen Einheitsgebetbuches macht sie noch dringender. Das gilt für die Auswahl der hebräischen Gebete und Gebetsteile, vor allem auch für die hebräische Thora-Vorlesung, die einer starken Sichtung und Kürzung (im Sinne von Elbogen) bedarf, damit sie aus dem starren Festhalten am dreijährigen Zyklus befreit werde. Erst dadurch wird ja Raum geschaffen sür das, was Wiener will. Freilich, Wieners Auffassung über Art und Wert der Predigt kann ich nicht beipflichten, und von der Forderung, daß grundsätzlich jeder Gottesdienst ein „Wort" des Predigers i!s FAXVIIiIEXSCHüTZ ÜE)IEl\\l'niliEH V E B E I» bietet seinen Mitgliedern außerordentliche Vergünstigungen bei Sicherstellung der Familie für einen Monatsbeitrag von 2.— Reichsmark. — Gemeinden, Logen, Chewras, Synagogenvereine und sonstige jüdische Organisationen erhalten durch den Erwerb der Mitgliedschaft besondere Vergünstigungen. Haupt- und nebenberufliche Vertrauensleute an allen Orten gesucht. FlMILIENSCnrTZ Gemeinnütziger Verein für HinterMiebenenf&rsorge der Mitglieder jüdischer Gemeinden e. V. BERLIN W 9, Friedrich Ebertstraße 2—3 Telefon Bl Kurfürst 8464

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