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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-15 · 15 (15.4.1931) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
15 (15.4.1931)
Date
1931-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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v*. *i: BUCHERSCHAU Will Durant: Die großen Denker. Uebersetzt von Andreas Hecht. Zürich u. Leipzig: Orell Füßli 1930. Im Jahre 1926 erschien in Amerika eine ,,storv of philoeophy“, von Will Durant, die sofort die regste Beachtung fand. Durants Buch „bildete den Tagesgesprächsstoff, sowohl im Universitätsklub wie auch bei gesellschaftlichen Veranstaltungen und bei Unterhaltungen mit .Studenten. Auch Leute, die sich noch nie mit... Philosophie befaßt hatten, lasen es; keiner tadelte es; auch... die Philosophen von Beruf lobten es.“ Nun Ist diese „Erzählung“ der Philosophie in deutscher Uebersetzung erschienen: mit vielen guten und interessanten Bildern, mit einem Vorwort von Hans Driesch eingeführt. Durants Schrift ist eine gute volkstümliche Geschichte der Philosophie. Sie verzichtet auf jede auch nur annähernde Vollständigkeit. Sic bringt allein die Theorien einiger der wesentlichsten Denker in einzelnen größeren Kapiteln: gleichsam eine Sammlung von in sich geschlossenen Monographien. So hören wir von Platon, Aristoteles, Bacon, Spinoza, Voltaire, Kant, Schopenhauer, Spencer und Nietzsche. Zwei letzte Kapitel endlich besprechen einige der repräsentativsten Denker der europäischen und amerikanischen Philosophie der Gegenwart. Gewiß eine Sehr subjektive Auswahl ans der Geschichte der Philosophie! Aber mit der strengen Beschränkung auf diese wenigen Männer gewinnt Durant die Möglichkeit, jeden einzelnen dem Leser wirklich nahe zu bringen. Im Rahmen seiner Auswahl ist die Erscheinung Voltaires vielleicht am meisten außergewöhnlich. Sie ist umsomehr charakteristisch, als gerade das Kapitel über Voltaire ein besonders schönes Stück des Buches ist: ein grandioses Bild vom Leben des vielfältigen und widerspruchsvollen Mannes, in. dem schärfster Spott mit glühendster Menschenliebe verbunden ist. Dem Menschenfreund, dem Aufklärer, dem praktischen Philosophen ist Durant ohne Zweifel im Innersten verwandt. Aufklärerisch, jedem Mystizismus abgeneigt, den praktischen Nutzen der Philosophie betonend, ist denn auch die Haltung des Durantscheu Buches selbst. Immer wieder berichtet er weitgehend von den praktischen, den politischen und sozialen Wirkungen der philosophischen Lehren; er bespricht mit besonderer Ausführlichkeit die politischen Theorien der großen Denker. Seine Sprache ist um möglichste Einfachheit und Klarheit bemüht. Nicht selten ist eine leise Ironie: der Ausdruck eines durch und durch gesunden Verstandes. Mehr aber als alles dies, mehr als die aufklärerische Grundhaltung und die enge Auswahl, ist für Durants Buch die starke Heranziehung biographischer Daten kennzeichnend und bedeutungsvoll. Die Lebensgeschichte der' Philosophen wird meist sehr eingehend erzählt. Und sie wird nicht, wie es sonst meist üblich ist, nur berichtend und lehrhaft orientierend vorgetragen, sondern sehr anschaulich geschildert, oft in die Betrachtung der Werke hineingezogen. Fast immer sind kurze Anekdoten sehr schön zur Erhellung der Persönlichkeit genützt. Besonders wertvoll ist auch die Heranziehung sehr ausführlicher Zitate aus den Werken der Philosophen selbst. Gewiß wird man manches in der Darstellung Durants nicht völlig klar und befriedigend finden, gewiß nicht mit allem einverstanden sein. Groß ist doch die Zahl wertvoller Bemerkungen, die Neues und Interessantes gehen. Vor allem aber als Erzählung, als Schilderung von Leben und Lehre der großen Denker: als eine lebendige Einführung in die Probleme der Philosophie ist Duranis Buch begrüßenswert. Das Kapitel über Spinoza ist mit großer Liebe geschrieben. Von der Ethik Spinozas heißt es: „Hat man sie zum zweiten Male durchgelesen, so wird man nie aufhören, die Philosophie zu lieben.“ In Spinozas Ethik sieht Durant die vollendende Synthese aller ethischen Lehren überhaupt. „Es gibt im Grunde nur... drei Anschauungen über die ideale Charakterbeschaffenheit und die sittliche Lebensführung. Eine davon ist die Anschauung von Buddha und Jesus, die den Nachdruck auf die weiblichen Tugenden legt, alle Menschen für gleich wertvoll hält,... Tugend mit Liebe gleichsetzt und in der Politik zu schrankenloser Demokratie neigt. Die zweite Anschauung ist in der Ethik Macchiavellis und Nietzsches verkörpert, die die männlichen Tugenden hervorhebt, Ungleichheit der Menschheit annimmt,... Tugend mit Macht gleichsetzt und die Aristokratie des Blutes verherrlicht. Die dritte Anschauungsart, die Ethik von Sokrates, Platon und Aristoteles, leugnet die allgemeine Anwendbarkeit sowohl der männlichen als auch der weiblichen Tugenden; glaubt, daß nur der geschulte und reife Geist beurteilen könne, wann den wechselnden Umständen entsprechend Liebe und wann Macht herrsche» sollte; sie setzt daher Tugend mit Vernunft gleich und befürwortet als Regierungsform eine ... Mischung aus Aristokratie und Demokratie. Spinozas Verdienst liegt darin, daß er diese scheinbar feindlichen Philosophien unbewußt mit einander versöhnt, in eine harmonische Einheit verwebt und ... ein ethisches System entwickelt, das die höchste Leistung des modernen Denkens darstellt.“ Wissen ist ihm gleich Macht. Wissen aber ist ihm zugleich auch Verstehen und Liebe. Dr. Hans Margolius. Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Von Dr. Julius Höxter. I. Teil: Altertum und frühes Mittelalter. Von der Zerstörung des 1. Tempels bis zum Untergang des Gaonats. 586 v.—1046 n., besonders im Morgenland. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1930. 138 S. Preis 1,80 Mk. Mit dem soeben erschienenen ersten Teil der fünibändigen Blumenlese hat Höxter seine Quellensanimlung in einer nach jeder Richtung hin vollendeten Auswahl beendet. Vorliegender Band umfaßt über anderthalb Jahrtausend jüdischer Geschichte. Höxter beginnt sein Buch mit dem Abschluß der biblischen Zeit. Er macht uns mit der Geschichte der Juden unter den verschiedenen Herrscherhäusern bekannt: Mazedoniern, Syriern, Makkabäern, Römern. Ebenso wie diese Teile der Geschichte werden uns auch die weiteren Begebenheiten jüdischen Wirkens durch die Wiedergabe der Quellen in lebendigster Weise vergegenwärtigt. Die uns vorliegenden Dokumente der Geschichte führen uns in das Leben der Juden in Aegypten ein; die Zeit der Tanna’iten und Amoräer, die uns Misch»a und Gemara geschenkt haben, belebt sich von neuem durch das gebotene Quelle »material. Die Midraschliteratur ist ebenfalls berücksichtigt worden. Wir gewinnen durch vier Quellenstücke auch Einblick in die Geschichte der Juden unter den ersten christlichen Kaisern. Die Epoche, die unsere Vorfahren im arabisch-babylonischen Reiche verlebten, hat Höxter quellenmäßig fein herausgearbeitet. Das Schöne an dem Buche ist, daß es keine Geberlastung an Material bietet, sondern durch das Gegebene zu weiterer Forschung veranlaßt. Höxter hat es verstanden, Geschichte zu bieten und gleichzeitig der Gedankenwelt strenger Wissenschaft und reiner Ethik wie sie in den Köpfen und Herzen der jüdischen Kulturträger in ihrer Beobachtung tiefster Philosopheme und andererseits in ihrer Einstellung zur Volkspsyche zurni Ausdruck kommt, den beredtesten Ausdruck ziu verleihen. Auch nichtjüdische Quellen sind in sehr interessanter Weise herangezogen worden. Und nun komme ich mit einer Forderung, die im Sinne der sich verantwortungsbewußten Pädagogen gelegen ist: v B ü eher haben nur dann einen Zweck, wenn sie benutzt werden. Die Bücher müssen den Schülern in die Hand gegeben werden und dürfen nicht nur Besitz des Lehrers sein. Leider versagen aber die Gemeinden häutig, wenn man seitens der Lehrerschaft an sie mit der Bitte herantridt, eine Reihe von Quellen- Bücher» zwecks Verleihung an die Schüler anzusch affen. Hier darf keineswegs der Gesichtspunkt des Sparens . geltend gemacht werden. Denn es handelt sich nicht um kleinliche Dinge,sondern um die religiöse Ertüchtigung der'Jugend in einer Zeit, die an seelischen Negationen reich genug ist. Und die Höxter’schen Quellenbüchcr, die der J u g en dliche nach Hause mitnehmen darf, können ihm so viel Stoff und Anregung zu Diskussionen und Referaten geben, daß der Nutzen des Sparens im Schaden aufgeht, der auf der anderen Seite angerichtet wird. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Joachim Prinz. Helden und Abenteurer der Bibel. (Paul Baumaim Verlag, Berlin-Charfottenburg.) Es wäre den jüdischen Kindern zu wünschen, daß einsichtige Väter oder in der Seele ihrer Kinder lebende Mütter ihnen zuweilen ein Kapitel aus der Bibel vorläsen.. Zum Beispiel die Mosesgeschichte von Anfang bis zu seinem Tode durch den Kuß Gottes. Oder die Geschichte von Simson und den Philistern. Oder was immer. Und es wäre dringend notwendig, daß dabei den Kindern erklärt würde, daß vieles an diesen Dingen aus der Zeit heraus, aus einer ganz anderen Zeit heraus zu verstehen ist; und davon wiederum müßten die Ewigkeitsgehalte abgehoben und dem Verständnis nahe gebracht werden.. Denn ohne Ausdeutung geht es nun einmal nicht, da die Bibel, dies „Denkmal dauernder als Erz“ ohne Kommentar selbst vor den Erwachsenen allzu starr steht. Gab es doch auch darum niemals ein Werk, das so viele Ausdeutungen hervorrief und verlangte und ertrug. Das „Volk des Buches“ darf seinen Kindern so unproblematisch, wie es hier geschehen ist, das Buch nicht darbieten, wenn sie einen Hauch von der Ewigkeit desselben verspüren sollen. Clementine Krämer. Die uns vorliegende „Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum des jüdischen Lehrervereins für Bayern e. V.“ (München 1930) bietet die Geschichte des Vereins von 1905—1930. Die Geschichte des Vereins für die ersten 25 Jahre seines Bestehens ist in der Festschrift vom Jahre 1905 niedergelegt. Daß der Verein in vorbildlicher Weise für die materielle, soziale und geistige Hebung des jüdischen Lehrerstandes gewirkt hat, erhellt aus jeder Seite der Festschrift. Möge es ihm vergönnt sein, zielbewußt und einsichtsvoll —• wie bisher — weiter tätig zu sein zur Ehre des- Judentums und des deutschen Vaterlandes. Dr. M. Spanier, Magdeburg. An We Ortsgruppen und Mitglieder der »Vereinigung für das liberale Judentum", au die Mitglieder der »Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands". Montefiores „Outlines" erscheinen auf Deutsch! Die Bedeutung dieser sLr das liberale Judentum in Deutschland literarischen Neuerscheinung braucht Hier nicht Hervorgehoben zu werden; ste geht u. a. aus biem m Nr. 14 vom 8. Avril d. Js. abgÄruckten Vorwort von Herrn Rabbiner Dr. Caesar Selig mann hervor. Das Wer! wird Ende April erscheinen, der endgültige Ladenpreis RM. 6,— für das broschierte, RM. 7,60 für das gebundene Exemplar betragen. Der Verlag Gustav Engel (Leipzig gewährt aber bis zum Erscheinen einen ermäßigten Subskriptionspreis von RM. 5,— für das broschierte, RM. 5,75 für bas in Ganzleinen gebundene Exemplar. Claude G. Montesiore ist der Senior und das gewählte Oberhaupt der World Ilnion sor Progressive Judaism Weltverband für religiös-liberales Judentum) und ein Gelehrter von Weltruf — sein Werk gehört in jedes jüdisch-liberale H aus! Hier auSschneiden! An die Subskriptionsliste Vereinigung für das liberale Judentum E.V. Verlin^Sw^l Hallesche Straße 1 Die Unterzeichneten bestellen hiermit Montesiore. »Umrisse des Liberalen Judentums" ins Deutsch- Überschi von Joses Kaussmann, Berlin-Weißensee, mit einem Vorwort von Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M. zu dem bis Ende April 1931 gültigen Subskriptions-(Vorzugs-)Preis broschiert RM. 5,— oder in Ganzleinen gebunden RM. 5,75 (nähere Angabe s. u.l). Name Wohnort Straße u. Hausnummer Broschiert oder gebunden (bitte hierunter genau angeben Anzahl der be< stellten Exemplare — Der schönste Schmuck für Veranden, Balkon. Fensterbretter usw. sind unstreitig meiire weltberühmten Tiroler Gebirgs Härrgenelkeu sowie Caltpegia, gen. Balkonröschen, die «inen reichen Blumenflor erzeugen. Ein Sortiment dieser dankbar blühenden Balkonpflanze« liefere ich, solange die Bestände hergeben, zu RM. 2.60 einschließl. Gebrauchsanweisung Zwei Sortimente RM. 4.60. Willy Voigt, Leipzig C 1. Bergstraße 20. O. 16. 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