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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-08 · 14 (8.4.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
14 (8.4.1931)
Date
1931-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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minder das Aeuh^re vom Inneren, das Vergängliche vom Unvergänglichen zu trennen wissen; er wird Formen, die nur in freier, leichter, ununterbrochener Gewöhnung Wert hccken, nicht gewaltsam festgehalten wissen wollen, wo sie sich auflösen; er wird es der Seele der Religion Zutrauen, daß sie an der Stelle des Gewandes, das die Zeit ihr vielleicht zerstört, nachdem es sie Jahrtausende hindurch umhüllt, sich ein noch dauerhafteres, geistigeres und darum keiner Zerstörung durch die Zeit ausgesetztes zu schaffen inrstande sein würde. Aber er wird selbst ,ür die Formen, die er im Untergang begriffen glaubt, Ehrerbietung empfinden... und sie nicht feindseligem Hohne nngerechr Preissachen. Er wird fühlen, daß wir erst dann uns über jene Fprmen erhaben dünken können, wenn es außer allem Zweisei gesetzt ist, daß die ihnen entzogene Verehrung nicht dazu gedient hat, die große Summe des menschlichen Egoismus zu vermehren, sondern daß, sie einer reineren, weniger an Formen haftenden, aber nicht minder innigen, nicht minder lebendigen, nicht minder alle Gedanken und Emp. findüngen durchdringenden und läuternden Religiosität Platz gemacht hat."' (Aus: „Betrachtungen über die Verhandlungen der 2. Kammer des Großherzogtums Baden Mer die Emanzipation der Juden", 1832.) Dieses starte Bekenntnis zur jüdischen Religion und zum rellgiösen Liberalismus in seiner posttio resormerischen, nicht nur negativ „abschaffenden" Ausprägung wird für manchen ein neuer Zug an Rießer sein, und doch macht dieses Charakteristikum eigentlich erst seinen politischen Kamps und seine Haltung in diesem Kamps verftänolich. Im Jahre 1831 — aber wer das nun Folgende liest, wird zugebei», es hatte auch 1931 sein können — veröffentlichte der Heidelberger Kirchenrat Tr. Paulus eine Schrift: „Tie jüdische Notionalabsonderung", in der er den Juden den Anspruch auf Bürgerrecht absprach, weil sie eine avgesondert bestehende Nation wären mrd bleiben wollten und diese Absonderung von anderen Nationen als eine religiöse Ausgabe betrachteten, so daß man ihnen allenfalls Schutzbürgerrecht, nicht aber bürgerliche Gleichstellung geben dürfe. Rießer nun erwidert mtf'diesen Vorwurf der Fremdheit, er „sehe in der bürgerlichen Gleichstellung der Juden keine andere als eine Frage der religiösen Freiheit". Und mm folgt ein ebenso knapper wie gründlicher historischer Nachweis, daß; die Juden „allerdings einst eine Nation" waren, daß sie aber „als solche seit zwei Jahrtausenden untergegangen" und schon im Römische,: Reich, ebenso später in Spanien, Portugal, Holland, Frankreich usw. in allen gesetzgeberischen Dokumenten als Sekte oder Religionsgemeinschaft behandelt worden sind; wegen ihrer Religion allein wurden sie verfolgt, vertrieben, und trotz ihrer Religion wurden sie um materieller Vorteile willen zugelassen. „Aber", schließt Rießer diesen Teil seiner Betrachtungen, „Herr Tr. Paulus hat die Sache viel weiter getrieben..., es ist daher noch eine Reihe anderweitiger Bemerkungen nötig: Sehr richtig ist es, daß keiner Bürgerin zweien Staaten sein kann, und zwar nicht bloß nicht Staatsbürger, sondern auch nicht Schutz- oder Ortsbürger. Denn niemand kann seine Bürgerpflichten gegen zwei Staaten erfüllen; niemand kann einer zwiefachen Obrigkeit gehorchen; niemand kann vor allem ein zweifaches Vaterland verteidigen. Aber wo ist denn der andere Staat, gegen den wir Pflichten zu erfüllen haben? Wo ist die andere Obrigkeit, die ihre Befehle den Befehlen unserer geschlichen Obrigkeit an die Seite zu stellen wagte? Wo ist das andere Vaterland, das zur Verteidigung ruft? — Uns vorzuhalten, daß unsere Väter vor Jahrhunderten oder vor Jahrtausenden eingewandert sind, ist so unmenschlich, als es unsinnig ist. Wir sind nicht ei ng ewande r t, wir sind eingeboren, und weil wir es sind, haben, wir keinen Anspruch anderswo aus eine Heimat; wir sind entweder Deutsche, oder wir sind heimatlos." Rießer konnte diese seine Antwort an Dr. Paulus 1831 namens der Gesamtheit aller deutschen Juden geben; heute, 1931, könnte er das nicht. Heute beweist man uns, daß wir zwei Nationalitäten haben können; heute spricht man nicht von Deutschland als unserem alleinigen Vaterland. Und fin ilujULiuj macht sich, wer in der Judenfrage „keine andere als eine Frage der religiösen Freiheit" sieht; denn er ist: „noch ganz befangen in der veralteten Ideologie des vergangenen Jahrhunderts", ist bei Gabriel Rießer „stehen geblieben". Sei's drum, und mögen sie also reden. Denn: er Gabriel Rießer des Hamburger Tempels und der Frankfurter Nationalversammlung steht auch der uns. Sein« Gedanken, die „auch heute noch immer nicht genügend in den geistigen Besitz des> deutschen Voltes und insbesondere auch unserer Glaubensgenossen übergegangen" sind" — heute weniger als je — sollen rusgewectt werden aus dem Staub der Bibliotheken und Leben gewinnen, weil sie Leben wirken. Wodurch unterscheidet sich...? Es muß leider immer wieder betont werden, daß die zionistischen Argumente und Forderungen unverkennbare Aehnlichkeit, ja oft völlige Uebereinstimmung mit antisemitischen Argumenten und Forderungen zeigen. Diese Feststellung bestätigt auch der Borsitzerrde der deutschen zionistischen Vereinigung, Kurt Blumenfeld, der dem Antisemitismus Daseinsberechtigung zuerkennt und in einer Peßach-Betrachtung u.a. folgendes schreibt: „Der Antisemitismus ist keine zufällige und vorübergehende Erscheinung, sondern eine uns aus der Geschichte bekannte Reaktion der Umwelt auf die Existenz jüdischen Sonderdaseins und jüdischer Sonderart. Seine Auswüchse können und müssen wir bekämpfen, seine Problematik besteht weiter." Warum allerdings die Existenz eines Anderssein stets zu Antibetvegungen führen muß, statt friedliches schöpferisches Miteinander streben zu bewirken, wird immer das Geheimnis der Nationalisten bleiben. Wie stark die Uebereinstiuunung aber auch zu gleichen Methoden des Beweifens in der Praxis führt, verriet uns ein wenig die letzte Berliner Gemeindewahl, und wird bestätigt durch die nachstehende Mitteilung der Jüdischen Telegraphen- Agentur: N e n y o r t, 23. März. (I. T. A.) Anläßlich eines von der Histadruth Iwrith, dem Verband der hebräisch Sprechende,: in Amerika, veranstalteten Vortrag des Kanzlers der Annahme von Bestellungen auf 6ie Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Vostämiern Deutschlands Hebräischen Universität in Jerusalem Dr. I. L. Magnes, kam es zu stürmischen Kundgebungen der in großer Zahl erschienenen Revisionisten. Einige Tage vor den: Eintreffen Dr. Magnes' in Amerika hatte die Organisation der Zionisten-Revisionisten Amerikas eine Resolution gefaßt, in der der Council der Hebräischen Universität aufgesordert wurde, Dr. Magnes wegen seiner „gegen den Zionismus gerichteten Tätigkeit seit den Unruhen von 1929" seines Postens als Kanzler der Universität zu entheben. In der Versammlung setzten sofort, uachden: der Vorsitzende Ab Goldberg den Redner vorgestellt hatte, lärmende Kundgebungen der Revisionisten ein. Stinkbomben wurden geworfen und es kam zu einem Handgemenge zwischen den Revisionisten und den Allgemeinen Zionisten, die Dr. Magnes zu schützen versuchten. Nachdem der Tumult etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, erschien Polizei, die mit großer Mühe 40 bis 50 Unruhestifter aus dem Saale entfernte. Nunmehr konnte Dr. Magnes seinen in hebräischer Sprache gehaltenen Vortrag über die Arbeiten der Universität beginnen, wurde jedoch iti seinen Ausführungen häufig von den im Saale verbliebenen Revisionisten durch provozierende Zwischenrufe unterbrochen. Dr. Magnes ließ sich durch die Störungsversuche nicht beirren. Er erklärte, er sei schon daran gewöhnt, ein Verräter genannt zu werden. Dieses Wort, sagte Dr. Magnes auf d:e Kriegszeit anspielend, in der er wegen seiner pazifistischen Gesinnung als Verräter bezeichnet worden war, habe ich schon vor langer Zeit gehört. Nach Versammlungsschluß wurde Dr. Magnes von einer großen Menge von Revisionisten, die sich inzwischen in den umliegenden Straßen gesammelt hatten, beschimpft und bedroht. Trotzdem lehnte Dr. Magnes polizeilichen Schutz ab und erklärte, sich allein nach Hause begeben zu wollen." Ferner findet man in Nr. 3/4 der „Menorah" unter andern Nachrichten aus Palästina auch die folgende: „Die Tagung der Assefath Hamiwcharin: (jüdische Nationalversammlung) endigte mit dem Auszug der revisionistischen Gruppe, die vergeblich gegen die Teilnahme der Jischuw an den von Professor «erzmann geführten Verhandlungen mit der englischen Regierung Protest eingelegt hatte; diese Gruppe ist daher in dem neugewählten Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) nicht vertreten." Wodurch unterscheidet sich . . .?! Ruth Jacob. Ende de» Frick-Regime» in Thüringen Das Regime der Nationalsozialisten in Dhurrngen beendet. Da oie Fraktionen der ^em,chen Vottsparte: und der Kommunisten dem MiUrauenS-antrag der Soziardemalratiicyen Parrn gegen den Innen-, und Kultusmiuii^ec Dr. giiu und gegen das naliouatsozialiiuscye StaatsratSmitgtieb Marsryler znge,umint haben, wurde dieser MMrcmcrrsamrag mit einer Ä-ieyrheit angeyommen. Danlit sind Frick und Marschler gestürzt. Die Landtagssitzung begann unter ungeheurem Andrang. Ter soz:alvemvtrat:scye Frattlonsoor>itzende Avg. Frölich nahm in einer längeren Erllärung ans oie unge,etzlichen Maßp nahmen des Ministers Frick Bezug. Ter voltsparteiliche Abgeordnete Tr. Witzmann wies aus die unerhörte Kampfes», weise der Nationalsozialisten hin. Er zählte im einzelnen auf, was die Volksparte:, die sich in eine Koalition mit den Nationalsziaolisten einließ^ während der Regierungszeit FrickS alles habe ertragen müssen. Die „Sachberater", die Frick in das Ministerium hineingenommen hatte, haben stch zu einer Nebenregierung ausgewachsen, sie bauten Po.ize.bearntv und Schulmänner, die ihnen nicht paßten, ab, die Jugend wurde im Sinne der nationalsozialistischen Parteipolüit hu einflußt. Oessentliche staatliche Manifestationen, wie z. B. die Eröffnungsfeier des Bauhauses in Weimar, standen unter dem Zeichen des Hakenkreuzes. Die Nationalsozialisten haben nicht die Mehrheit im Lande und werden sie auch nie erhalten. Ter nationalsozialistische Abgeordnete Sauckel tündigte der neuen Regierung schärfsten Kampf an uiid nannte Frick einen der bedeutungsvollsten Männer Deutschlands, der, wie aridere große Männer, nicht verstanden wird. Die Nationalsozialisten würden wieder tommen über die Leiche der VolkÄpartei. Bis zun: letzten Augenblick strengten die Nationalsozialisten alle ihre Kräfte an, um das Fria'sche Regime zu halten. Hitler selbst war an: Dienstag mit großer Gefolgschaft in Weimar eingetrossen, um durch Einflußnahme auf die Koalilionsgenossen Frick und Marschler zu retten. Als er ein-, traf, waren die letzten Vermittlungsverhandlungen jedoch bereits gescheitert; er kehrte unverrichteter Tinge nach München zurück. Wichtiges Urteil in einer kollektivbeleidignng Das Glatzer Schöffengericht verurteilte den Nürnberger Stadtrat Franz Gengler „wegen Aufreizung zum Klassenkampf in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 450 Mark oder zu 45 Tagen Gefängnis. Den beleidigten. deulschenJuden wird die Befugnis zuerkannt, das Urteil in der „Frankensteiner Zeitung" zu veröffentlichen". Gengler hatte in einer öffentlichen Versammlung der NSDAP in Frankenstein (Schlesien), beleidigende Aeußerungen gegen die Inden gemacht und sie mit Flöhen und Wanzen verglichen. Bei seiner polizeilichen Vernehmung gab er zu Protokoll, er habe alle Angehörigen der jüdischen Rasse ohne Ausnahme gemeint. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Der Vertreter zweier als Nebenkläger zugelassener Mitglieder der jüdischen Gemeinde Frankenstein, führte aus, der Angeklagte habe mit seinen Ausführungen sämtliche deutschen Inder: beleidigt. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen as und verkündete das obige Urteil. Der Kampf um die jüdischen Gemeinden in Polen Die Wahlkommission der jüdischen Gemeinde in Lodz, in der die Agudisten die Mehrheit haben, hat, gestützt auf 8 20 der neuen Wahlordnung, sämtlichen bundistischen und poalezionistischen Mitgliedern' der jüdischen Gemeinderepräsentanz und des Stadtrates das Wahlrecht entzogen mit dem Hinweis daraus, daß sie bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Religion aufgetreten waren. Die Juden in Rusfisch-Zenlralasien Im letzten Heft der sowjetrussischen Zeitschrift „Sowjetskaja Asia" (Sowjet-Asien) behandelt ein ausführlicher Artikel das Leben der einheimischen Juden in Russisch-Zentralasien. Ueber den Ursprung der jüdischen Ansiedlungen in Tnrkestan gibt es verschiedene Versionen. Die zentralasiatischen Juden sprechen persisch, dem eine Reihe von hebräischen Wörtern beigemiW sind. Aus diesen: Grunde ist anzunehmen, daß sie aus Turkestan nach Persien gelangt sind. Manche nehmen an, daß diese Juden die Nachkommen von Juden seien, die in Persien gelebt hatten und von dort um das Jahr 1220 während der Herrschaft von Dschingis-Chan nach der Buchara verdrängt worden sind. Andere sind der Meinung, diese Juden seien die Nachkommen von Sefardim, die bei der Vertreibung der Juden aus Spanien nach Zentralasien verschlagen worden sind. Der vor kurzem verstorbene hervorragende russische Orientalist Bartvld weist in einen: seiner Werke daraus hin, daß in Samarkand schon im 10. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde bestanden hat, ein anderer Gelehrter behauptet, daß die Juden in Turkestan schon vordem Eindringen der Araber, welches am Anfang des 8. Jahrhunderts stattgesunden hat, vorhanden waren. Die beiden letzten Angaben widersprechen also den Annahmen, nach denen die mittelasiatischen Juden aus Persien, bezw. aus Spanien gekommen sein sollen, und scheinen mit einer anderen Theorie im Einklang zu stehen, derzufolge diese Juden von Juden abstarnrnen, welche nach der Eroberung von Jerusalem nach Babylon gebracht wurden und von dort nach Turkestan gelangt sind. Jedenfalls ist anzunehmen, daß es früher weit mehr Juden im gegenwärtigen Russisch-Zentralasien gegeben hat, als jetzt. So berichtet z. B. Benjamin von Tudela im 12. Jahrhundert, daß es bei seinem Besuch in der SkÄdt "'Samarkand 50000. Juden gegeben habe. Die Abnahme der Zahl ist wohl dadurch zu erklären, daß im Laufe det Jahrhunderte die Juden wiederholt von den Mohamme-' dauern gezwungen worden sind, zum Islam überzntreten. Es gibt bei den mittelasiatischen Juden mtb Mohammedanern Erinnerungen an Juden, welche den Islam angenonnnen haben, welche daraus dennoch während vieler Generationen ein isoliertes Dasein führten und sich mit der mohammedanischen Umgebung lange nicht verschmolzen. Noch jetzt gibt es im gegenwärtigen Tadschikistan und dem Gebiet von Khodschent eine Reihe von Siedlungen, die von den Nachkommen dieser Juden, die Tschallia genannt werden, bewohnt sind. Außer diesen, znm Islam übergetretenen Juden, ging ein Teil der Juden aus Zentralasien nach China, wo es'bekanntlich in der Provinz Honau bis ins 19. Jahrhundert hinein noch jüdische Siedlungen gegeben hat, die schließlich ganz in: chinesischen Volksmchr verschwunden sind. Auf die gewaltsamen Bekehrungen zun: Islam und die Abwanderung nach China ist die Verringerung der Zahl der Juden in Rnssisch- Zentralasien zurück;ufnhren. Im allgemeinen war das Regime, welchen: die Juden im gegenwärtigen Russisch-Zentralasien während der mohammedanischen Herrschaft unterworfen tvaren, ungefähr dasselbe, wie in den mohammedanischen Staaten Nordasrikas bis zum Eindringen der Europäer. Sie mußten in. besonderen Stadtteilen leben, eine besondere Tracht tragen, welche sie auf den ersten Blick von den Mohammedanern unterschied. Diese Tracht bestand ans einer mit Pelz verbrämten Mütze, einem schwarzen langen Rock, anstelle des Gürtels trugen sie einen Strick, sie durften in der Stadt nicht reiten usw. Gegenwärtig leben in Usbekistan — der wichtigsten von den zentralasiatischen Sowjetrepubliken, aus denen das russische Zentralasien gegenwärtig besteht — zirka 45 000 nichteuropäische Juden. Die Misten von ihnen befirsben sich im Gebiet von Samarkand, wo ihre Zahl etwa 15 000 erreicht. Bis zur bolschewistischen Revolution beschäftigte sich der größte Teil der einheimischen Juden mit Handel und Handwerk, daher hatte die Sowjetrevolution für sie dieselben verhängnisvotten FölgM, wie.für die Juden des Übrigen Rußlands, da durch sie der Privathandel und das Privateigentum ganz vernichtet worden sind. In den letzten Jahren werden Versuche gemacht, die Juden in der LaR>lv:rtschaft zu beschäftigen, die Zahl der Juden, die dazu übergegangen sind, soll schon zirka 10 o/o der Gesamtjudenzahl Russisch-Zentralasiens erreichen, es gibt aber noch jetzt unter ihnen sehr viele durch die Sowjetumwälzung entwurzelte „Lnstmenschen". In kultureller Beziehung unterscheiden sich die mittelasiatischen Juden wenig von der sie umgebenden mohammedänischen Bevölkerung, sie stehen auf einem ebenso tiefen Bildungsniveau wie letztere. Zwar ist unter den Juden der Prozentsatz derjenigen, die lesen und schreiben können, höher als bei den Mohammedanern, er erreicht 24 o/o (bei jben Männern steigt er sogar bis 40 "A>, bei den Frauen dagegen bleibt er nur bei 7—8 °,<>), ihre ganze Wissenschaft besteht aber darin, daß sie hebräische Gebete zu lesen imstande sind, meistens ohne den Sinn der Worte zu verstehen, und hebräische Buchstaben lesen und schreiben können. Vor der Revolution bestanden bei den zentralasiatischcn Inden nur religiöse Schulen, die jetzt von der Sowjetregierung geschlossen und durch Sowjetschulen ersetzt wurden. Die Lage der jüdischen Frau in Russisch-Zentralasieu unterscheidet sich kaum von der Lage der Frau bei beit übrigen Eingeborenen. Ebenso bei den Usbeken und Tadschiken wird die Frau als ein miiwerwertiges Wesen betrachtet und demnach behandelt. Die Mädchen wurden bis vor kurzem schon im Alter von 13 bis 14 Jahren verheiratet. Vor zwei bis drei Jahrzehnten gab es häufig Fälle, wo schon 9- bis 11jährige Mädchen verheiratet wurden. Erst nach der Revolution haben die jüdischen Frauen begonnen, sich mit unverhüllte:: Gesichtern auf der Straße zu zeigen, während vor der Revolution sie mit 13—14 Jahren ihr Gesicht durch sogenannte „Tarandschas" (Schleier) verhüllen mußten. Gegenwärtig ist es verboten, Mädchen, die jünger als 16 Jahre sind, zu verheiraten, jedoch wird dieses Gesetz noch immer oft

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