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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-01 · 13 (1.4.1931) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
13 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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politische Dinge dreht, sondern nur um Verwnllungscn'bcit zum Wohl der gesamten .Gemeinde. Inzwischen Kat Herr Rechtsanwalt Back sei» Amt als 1. Vorsteher des Kollegiums niedcrgelegt und in der Sitzung vom 18. März wurde Herr Theodor Frcnkcl zum 1. Vorsteher mehrstimmig getvählt. G-tlingr«. (Todesfall.) Das Ehrenmitglied des hiesigen Israelitischen Fraucnvereins, Frau Johanna Äräsenberg, ist wenige Wochen nach Vollendung ihres 85. Lebensjahres verstorben und unter großer Anteilriahmc zu Grabe getragen worden. Als Gründerin des Israelitischen Frauenvereins, den sie auch drei Jahrzehnte mit vorbildlicher Pflichttreue als erste Vorsitzende leitete, »vird die Entschlafene in der Geschichte der Gemeinde unvergessen bleiben. Hannover. ^Verband der jüdischen I u g e n d v e r c i n c Deutschlands.) Am 22. März 1931 fand in Hannover eine korstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt, die von den Mitgliedern der Verbe.ndsleitung und den Vorsitzenden fast aller Landesverbände besucht ivar. Ihr Zweck >var: ein Rückblick auf die seit der Münchener Tagung Pfingsten 1930 vergangene Arbeitspcriode und die Vorbereitung des Sommer- und Winterprogramnls. Es lvurde festgestellt, daß die von der Verbandsleitung gestellten Richtlinien — Bekämpfung des Nationalsozialismus, Ueberparteilicher Palästinaaufbau, Soziale Hilfe — fast durchweg von den einzelnen Bünden befolgt worden sind. Ter Verband leidet, wie alle anderen jüdischen und nichljüdischen Jugendorganisationerr auch, an einem ausgesprochenen Führermangel, den er durch Einrichtuirg von Führerschnlungskursen zu beheben sucht. Im letzte» Jahr konnten drei glänzend verlaufene Kurse in verschiedenen Gegenden veranstaltet weiden, die von durchschnittlich 130 jungen Menschen besucht wurden. Der Erfolg dieser Schulungskurse hat den Verband veranlaßt, auch für das kommende Berichtsjahr mehrere Veranstaltungen vorznschcn. Infolge der wirtschaftlichen Lage sah sich der Verband gezwungen, feinen Etat für das Jahr 1931 32 um 25 "o gegen das Vorjahr zu senken. Trotzdem ivird es ihm nur bei äußerster Sparsamkeit und Anspannung aller Kräfte möglich sein, den neuen Etat zu halten. Dem Dezernat für soziale .Hilfe ist es gelungen, einer größeren Anzahl arbeitsloser Verbandsfreunde eine Stellung zu vermitteln. Es tvurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß sich die jüdischen Arbeitgeber mehr als bisher bei Nerieinstellungen dieses Dezcrnahes bedienen. Die Richtlinien für die tvcitere Arbeit der Bünde sollen in stärkerer Weise als bisher die rein jüdische Arbeit als konstanten Faktor enthalten. Der Antrieb für die Erfassung junger Menschen und ihre Aktivierung in den Bündeir ivird jedoch weiterhin in den großen politische», wirtschaftlichen und soziologischen Fragen unserer Zeit zu suchen sein. Der stellvertretende Vorsitzende Ertvin Seegall, Stettin, stellte sein Amt infolge beruflicher Ueberlastung vorübergehend zur Verfügung. Für diese Zeit ivnrde Kurt Löivenstein, Berlin, gewählt. Harburg-WUhellNSbukg. <G e n e v n l V e v f a m m! ung d e r L yn a g og e n 0) emeind e.) Die Synagogen Gemeinde Harburg- Wilhelmsburg hielt am 2!>. März ihre ordentliche Generalversannn-- lung ab, an »uelcher erstmalig nach dein neuen Statut auch die Jugend als gleichberechtigte Mitglieder teilnahm. Nach der Erössnung der Tagung durch den ersten Vorsitzenden, .Herrn Ludwig Fließ, gedachle derselbe der Toten, besonders des kürzlich verstorbenen Herrn Justizrat Katzcnstein, der tauge Jahre im Repräsentanten Kollegium mit großem Interesse mitgearbeitet hatte. Nachdem festgestellt >var, daß die Beschlüsse der letzten Generalversammlung gültig , sind, wurde dem i. Vorsitzenden einstimmig der Dank und das Vertrauen der Gemeinde ausgesprochen. In den daraussolgcnden 9ien>vahlen zuin Vor stand und zur Repräsentanz nmrden die Herren Ludtvig Fließ als 1. Vorsteher, Herr A. Mannheim und .Herr M. Stein als Reprä sentanten per Atlamaiion 'ivicdergewählt. Da Herr Iwan .Hahn infolge seines Atters das schwere Amt des Rendanten niedergelegt' hatte, tvurde mit Stimmenmehrheit Herr Mar Pommeranz als Rendant gewählt. Tie Versammlung verlieh Herrn Jtvau Hahn, der mehr als 1(5 Jahre der Gemeinde als Kassenfiihrer in re raut wörtlicher Stelle mit Liebe und 'Hingebung gedient hat, die dauernde Mitgliedschaft der Gemeindeverwaltung als Ehrenpräsident. Heilbronn, Wlttg. (7 5. Gcbnrtst a g.) Isidor Flcgcnhciiner, Hevlbronn, feierte am 2-1. März seinen 75. Geburtstag. Bon allen Seilen kamen die Gratulanten, um ihre Glückwünsche auszusprechen. Herr Flegenheimer ist seit 1907 Vorsteher der Heilbronner Gemeinde und seit 1924 ihr Vorsitzender. Aber nicht nur in seiner Heimatstadt hat sich Herr Flegenheimer einen verdienten Namen geschaffen, sondern sein Interesse und Verständnis für die gesäurte Judenheit Württembergs ließ ihn schon seit 1912 Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde werden. Aus Anlaß seines Festtages stiftete der Israelitische Oberrat zusammen mit dem Vorstehcramt Heilbronn einen Fonds, der zur Förderung des Würltembcrgischen Judentums dienen soll. Auch in nichtjüdischen Kreisen fand sein Wort und sein korrektes Handeln Hochachtung und die Handelskammer bewies es ihm dadurch, daß sie ihn seit 1897 ununterbrochen zu ihrem Mitglied ernannte. Der Israelitische Oberrat war von Stuttgart vollzählig erschienen, um vereint mit der örtlichen Gemeindevertretung ihre Glückwünsche anszusprechen. Ibbenbüren. (Persönliches.) Tie langjährige Vorsitzende des Frauenvereins, Frau Flora Löwenstein, ist in Anrich verschieden. Seit zwanzig Jahren war die Verblichene Vorsteherin des Vereins, den sie mit bestem Erfolge führte und durch ihre selbstlose Mitarbeit zu fördern suchte. Bei der unter großer Teilnahme erfolgten Beisetzung würdigte Prediger Max Meyer aus Witten die Verdienste der Verstorbenen und ihre soziale Betätigung. Landsberg (Warthe). (Kaufmann Adolf K a p a u n e r verstorben.) Im Alter von 73 Jahren verstarb hier der altangesehene Kaufmann Adolf Kapauner, der lange Jahre der Repräsentanten-Bersammlung der Shnngogen-Gemeinde angehörte, in deren Dienst er seine ganze Äraft stellte. Pirmasens. (Jubiläum.) Der Kantor der hiesigen Gemeinde, Herr Markus Slodki, begeht am ersten Tage des Passahfestes seinen 60. Geburtstag und gleichzeitig das Jubiläum seines 35 jährigen Wirkens in der Gemeinde, die ihrem Beamten Beweise des Dantes und der Anerkennung für sein ersprießliches Wirken geben wird. Als Gründungsmitglied des Allgemeinen Deutschen Kantorenvcrbanles hat sich der Jubilar mehr als ein Vierteljahrhundcrt um die Förde rung und Ausgestaltung der Berufsorganisation verdient gemacht. — Der von Hirschbcrg hierher versetzte Rabbiner Dr.. D. NellhanS hat kürzlich in feierlichem Gottesdienst, dem der gesamte Synagogen rat beilvohnte, sein Amt übernommen. Auch die umliegenden und dem Bezirk angehörenden stiemrinden hatten Vertreter entsandt. Nach dem Einleitungsgesang des Kantors richtete der Synagogenvorstan-d Carl Treyfuß im Namen der Kultusgemcinde und des ganzen Bezirks herzliche Begrüßungsivortc an Tr. NellhanS und wies ans die Pflichten und Ausgaben des Rabbiners im Bezirk hin. De. NellhanS dankte für das ihm bewiesene Vertrauen und versprach, der schtveren Ausgabe, Rabbiner des Bezirks zu sein, nach besten Kräften gerecht zu iverden. Im Anschluß daran hielt Dr. NellhanS seine zu Herzen gehende Antrittspredigt, der Hillels Worte zugrunde gelegt waren: „Gehöre zu den Schülern Ahrons, der den Frieden liebt und dem Frieden nachgeht, der die Menschen liebt und sie dem Gottesgesetz nähcrbringlw Mit einem klebet für Gemeinde, Stadt und Vaterland schloß die erhebende Feier. 4 ♦♦♦♦♦+ ♦••♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦ : * :; BÜCHERSCHAU j : * : ► ♦♦♦♦♦»♦»4♦♦♦♦»+♦♦»♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦»♦♦♦♦♦»»♦♦♦♦» Cliajim Bloch, Das jüdische Volk in seiner Anekdote. Ernstes und Heiteres von Gottsuchern, Gelehrten, Künstlern, Narren, Schelmen, Aufschneidern, Schnorrern, Reichen, Frommen, Freidenkern, Täuflinge», Antisemiten. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1931, 340 8. Rabbi Bcroqua der Ho/aer weilte in der Straße von Lapat, und Elijahu pflegte ihn da zu besuchen. Einmal fragte er ihn: „Gibt es einen in dieser Straße, der der zukünftigen Welt teilhaftig ist?" Dieser erwiderte: „Nein!" Währenddessen gingen zwei Brüder vorüber. Da sprach er: ,,Diese sind der zukünftigen Welt teilhaftig!" Da ging er — Rabbi Beroqua auf sie zu und fragte sie: „Was ist eure Beschäftigung?“ Sie erwiderten: ,,Wir sind Spaßmacher, Arische Beduche, erheitern die Traurigen, und wenn wir Streitende sehen, so bemühen wir uns Frieden zu stiften. (Talmud babli Taanit 22 a.) Diese talmudisehe Erzählung, die Bl. selbst wiedergibt, offenbart das Verdienst, das sich der Vf. mit seiner Anekdote»- Sammlung erworben hat; denn wer in unseren schweren Zeit, in der das Lachen immer mehr aus der Welt schwindet, die Menschen froh und heiter zu stimmen vermag, darf ein Wohltäter der Menschheit genannt werden. In den vielen hundert Anekdoten, die Bl. jahrelang zusammengetragen hat, spiegelt sich das Schicksal und die Entwickelung des jüdischen Volkes wieder. Leben und Sterben, Reichtum und Armut, Tugend und Sünde, Liebe und Haß, für alles hat der jüdische Volksgeist eine knappe, geistvolle Form gefunden, daß der Vf. nicht ohne Berechtigung sagen darf, er glaube, „durch das vorliegende Buch gewissermaßen eine Sittengeschichte des'Jude nt ums der letzten Jahrhunderte gegeben zu haben". Besonders interessant und bisher wenig bekannt sind die beiden Schelme, eine Art Eulenspiegelfiguren aus dem Ghetto, von denen namentlich der Pechvogel ChoLsek Züge aufweist, die an de Costers berühmten „Ulenspiegel" erinnern. Ein instruktiver kulturgeschichtlicher Abriß über jüdischen Witz und Humor, über Anekdoten- und Zotenhaftes leitet die Sammlung ein, die „den Feinden und Freunden des jüdischen Volkes" gewidmet ist. Die Feinde wird sie nachdenklich stimmen und zur Achtung zwingen vor einem Volk, das in seinen trübsten Zeiten das Lachen nicht verlernt hat, die Freunde aber werden lachen und immer wieder lachen. Mögen sie nicht vergessen, daß sie Bloch dafür Dank schuldig sind. Prof. Dr. G o l i n s k i. Kontradiktorische Abende der freien jüdischen Volkshochschule Vor kurzer Zeit veranstaltete die Freie Jüdische Volks Hochschule drei kontradiktorische Abende, an denen führende liberale Inden mit führenden Zionisten über aktuelle Fragen des jüdischen Genteindelebens und weltanschauliche Fragen sich in öffentlicher Rede ausspracheu. Wir kommen in eitler ver nächsten Nummern noch ausführlich auf diese Veranstaltungen zurück. Berichtigung In bem Aufsach „Zur Finanzpolitik der Berliner Iü dischen (s-emeinde" von Max Eisenkrämer sind bedauerticher- Weise zwei siunenlstellende Trucksehler stehe,igeblü'bcu. '.Es muß lauten, daß feit dem Jahre 1921 (nicht' 192!)> in der Gemeinde weder Abschlüsse noch Rechnungen vor^elegr worden sind. Fernes muß es heißen: „Während von verschiedenen Seilen der Ltandpunkl einqenommen wird, daß ein solches 5ieranziehen der Reserven nicht möalich und vertretbar ist, ist der Standpunkt Äareskis. der den nur vornberge h enden lstatt vorbeugenden) Ausfall in Rechnung ftei it und in Zeiten der Not die Last der Zenfiten durch teilweise In aiuzrissuahme der Reserven erleichtern will, anzuerkennen, und es muß ihm vom finanzpolitischen Gesichtspunkte zugeüimmt werden." Werbt neue Mitglieder! Die Synagogengemeinde Bielefeld sucht zum möglichst baldigen Eintritt einen Religionslehrer und Kantor der auch die Arbeiten desGemeindebüroszuübernehmen hat. Die Anstellung erfolgt nach 3 Probejahren auf Lebenszeit und zwar in Gehaltsgruppe A 4 b der staatlichen Besoldungsordnung mit Pensionsberechtigung und pensionsfähiger Zulage für die Verwaltungsarbeiten. Nur solche Bewerber wollen sich melden, die auf einer deutschen Anstalt die volle Qualifikation als Volksschullehrer erworben haben und bereit sind dem überwiegend liberalen Charakter der Gemeinde Rechnung zu tragen. Bewerbungen unter Beifügung des Lebenslaufes, der Zeugnisse und möglichst auch sonstiger Referenzen, an den Unterzeichneten Vorstand erbeten. Der uorstsiid der spRagogengeineinde Bieieiem Dr. Katzenstein Liberaler Verein für die Angelegen heiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E.V. L; Berlin SW 11, Hallesche Straße 1; Anläßlich des Pessacllfestes veranstalten wir folgende SEDERABENDE WESTEN; Kleiststraße 10, Bne-Briss-Loge (Tel.: B 5, Barbarossa 575b) Mittwoch, 1. April, abends 81/, Uhr Z ZENTRUM: \l Schneiders Hotel, Königstr. 39, (Tel.: E 2, Kupfergraben 3851) 5j Mittwoch, 1. und Donnerstag, 2. April, abends S1/^ Uhr Leitung die Herren Kantoren Friedrich Lichtenstein und Berthold Friedmann Bei der Veranstaltung im Westen trocknes Gedeck RM 4.— Bei der Veranstaltung im Zentrum trocknes Gedeck RM 3.50 {:> Rechtzeitige Anmeldungen erbeten Der schönste Schmuck für Veranden, Balkon, Fensterbretter ufw. sind unstreitig meine weltberühmten Tiroler Gebirgs Hängenelken sowie Calestegia, gen. Balkonröschen, die einen reichen Blumenflor erzeugen. Ein Sortiment dieser dankbar blühenden Balkonpflanzen liefere ich, solange die Bestände hergeben, zu RM. 2 50 einschliesfl. Gebrauchsanweisung Zwei Sortimente RM. 4.50. Willy Voigt, Leipzig C 1, Bergstraße 20. O. 15. ■■ DMflU dodbad Tölz Geht uns Familien- Anzeigenl Student lllllllllllllllllllilllllllllillllll (jüdisch-liberal) erteilt nachhiiiesiunden nach moderner schnellfördernder Methode gegen freie Mahlzeiten. Erste Referenzen. Angebote unter I. 70 an die Expedition dieses Blattes. sucht Schriftsteller zur Druckt, seines einzigart. höchst sensat. Werkes auf d. Gebiet d. Kriegslit. HoherVerdienst sicher. Gell. Angebote unter F. C. 3 an die Expedition dies. Blattes. DRESDNER BANK Geschäftsbericht für das Jahr 1930, der in der am Dienstag, den 14. April d. Js. vormittags 11V» Uhr in Dresden, Johann-Straße 3 stattfindenden achtundfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung zur Vorlage gelangt, ist erschienen und kann von den Aktionären bei allen Niederlassungen in Empfang genommen werden. DARMSTÄDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellschaft auf Aktien Berlin Der Geschäftsbericht für das Jahr 1930 ist erschienen und kann durch unser Archiv (Behrenstrage 5) und unsere Niederlassungen bezogen werden Verlag: Vereinig««- für das liberale Judentum e. B., Berlin EW. 11. — jverautworllicher Redakteur: DipL-Jng. Brau» B oyda, Berlin EW.29.—Druck: Hermann MegnerveT»., Berlin-Martendorf.

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