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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-04-01 · 13 (1.4.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
13 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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unbeanstandet verwendet »verde. Die Freideuter wollten zwar mit ihr die Religion betcnnpfen, sic zu beschimpfen läge ihnen aber fern. Demgegenüber ist in liebere instimmung mit dem Amtsgericht zu sagen, daß zwar selbstverständlich für jedermann Meinungs und Bekenntnisfreiheit besteht, daß auch für jede Weltanschauung geworben werden darf, daß aber der Werbung nicht bloß durch das Gesetz, sondern auch durch die Gesellschaftsordnung Grenzen gesetzt sind, deren Ueberschrcitung sie zum groben Unfug im Sinne des 8 360 Zifs. 11 St.G.B. stempeln kann. Tavei kommt es auf die Umstände des Falls namentlich auf Ort und Zeit der Kundgebung an. ES ist in letzterer Hinsicht ein Unterschied, ob die Propaganda für das Freideiikertum in geschlossenen Räumen entfaltet wird vor Personen, die sie hören »vollen und hierzu die Veranstaltung selbst aufsuchen, oder ob sie sich im Freien auf öffentlichen Plätzen Und Straßen oder in deren unmittelbarer Nähe vor den Augen der Allgemeinheit vollzieht, so daß sie auch denen, die nicht davon Kenntnis nehmen wollen, »vahrnehmbar oder sogar völlig aufgcdrängt »vird, tvie es nach den getroffenen Feststellungen hier der Fall geivcsen ist. Eine Werbung, die sich in dieser Form vollzieht, verstößt gegen die Gesellschaftsordnung und stellt sich als Unfugshandlnirg dar, »venu sie mit verletzenden Angriffen auf die Weltanschauung oder die religiösen Anschauungen .Andersdenkender verbunden ist." Ich vermag auch gegen dieses Urteil Bedenkeit nicht zu erheben, und zwar, obwohl gerade einer allzu weiten Ausdehnung des Groben-Unfug-Paragrapheu entgegeugetreten werden muß. Wenn das Urteil sich auch gegen allgemeine Angriffe gegen die Religion richtet, so kamt es doch für die jüdische» Gemeinschaft von besonderem Interesse werden, und zwar in solchen Fallen, kvo etwa öffentlich aufreizende Plakate gegen das Judentum in Frage stehen. Verkäufe von Synagogen Poti Bezirksrabbiner Tr. Beermann, Heilbronn. Aus der letzten Ratstagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeutdcn, über die w'.r in der vergangenen Woche ausführlich berichteten, wurde auch das Schicksal solcher Gemeinden erörtert, in denen Juden nicht mehr ansässig oder die durch den Wegzug zahlreicher iüdischer Einwohner in ihre»» Beständen stark herabgesetzt sind. Insbesondere wurde dabei auch das Schicksal der Synagogen erwähnt, die entweder garnicht inehr benutzt werden oder für das jetzige Bedürfnis viel zu groß. sind. Auch außerhalb Preußens ist die hier angeschnittene Frage nicht ohne Bedeutung. Wir glauben, daß in diesem Zusammenhang die nachfolgenden Ausführimgen von Herrn Bezirksrabbiner Tr. Beermann nicht ohne Interesse sind, auch wenn sie nur die Teilfrage behandeln „Turf eine Synagoge nach dem Religionsgcsetz für nichtjüdische Kultzwecke verwendet werden?" Allerdings möchten wir annehmen, daß auch btefe Frage nicht lediglich nach dm Religionsgesetzen entschieden werden kann, sondern ihre Beantwortung auch aus dem jüdisch-religiösen Geiste der Gegenwart finden muß. Tie Red. Tic Pfälzer Gerneinde W a t t e n h e i m hat, w>e auch im Israel. Familienblatt berichtet wurde, ihre Synagoge, die nicht mehr für jüdische Andachtszwecke benutzt wird, der katholischen Gemeinde des Ortes zum Geschenke geinacht. Bei dem Fortzug der Inden aus den kleinen ländlichen Ortschaften entsteht die Frage, ob das nunmehr völlig unbenutzt stehende jüdische Bethaus gegen Entgelt oder gcschenlterweise für nichtjüdische Kulturzweüe überlassen werden kann. Bereits die Mischnah 'Megilla III, 2, gestattet einen dauernden Verkauf der Synagoge, nur nicht zu einem Tauchbad, Badrhaus, Gerbern oder Kloake. Tie Genrara (S. 26a) bringt eine im Namen R. Samuels wichtige Einschränkung, die bereits der Palästinenser Rabbi Jochanan dazu gemacht hat: Das Verkanfsrecht gelte nur bei Torssynagogen, aber Stadtsynagogen, die auch von Fremden, etwa Marktbesuchern, benützt werden, können von den wegziehenden Dorfbewohnern nicht ohne weiteres verkauft werden (vergl. dazu Mrimonides Tesch. XI, 16). In anderer Beziehung wird aber vom babylonischen Amoräer Raba das Verkaussrecht erweitert, für den Fall, daß eine ordentliche Religionsbehörde, selbst lediglich örtlichen Charakters, es zu allen Zwecken, selbst zu den ^tzier in der Mischnah Megilla III, 2 verpönten, belaufen kann (vergl. Maimonides a. a. O. 18, dagegen Rabad z. Süt.), wenn sie einen diesbezüglichen rechtmäßigen Beschluß herbcigesührt hat (vergl. Orach Chaj. Kap. 153. 7). Freilich mußi der Erlös frommen Zwecken, etwa der Förderung des Religionsunterrichts zugeführt werden. (O. CH. a. a. O.). Eine ges'chenkweise Ueberlassung ist zwar nicht direkt in den Quellen erwähnt, aber statthaft aus Analogien, deren Darlegung hier zu weit führt. Völlig abwegig ist die Befürchtung, als kollidiere die Ueberlassung einer jüdischen Andachtsstätte zu nicht!üdischen Kultzwecken mit dem Verbote, abgöttische Relig'onseinrichtungen zu fördern. Die im Jore dea Kap. 139 u. f. aus dem Talmud geschöpften Bestimmungen gelten ausschließlich für die vorchristlichen Heidenknlte. Gn Gebäude würde den Charakter eines Taschmisch leaboda sarr haben, d. h. eines Gegenstandes, der indirekt heidnischen Kultzwecken dient. Nedarnn 62 a wird nun berichtet, daß R. Aschi ein ihm gehöriges Grundstück parsistischen Feueranbetern für ihre Kultzwecke veräußert habe, in Rücksicht auf ein friedliches Einvernehmen mit den Parsen, demgemäß gestattet auch Jore dea 135, 15 selbst für heidnische Kultzwecke solchen Verkau,. Aus alle»» diesen Gründen stehen der Bejahung obiger Frage religionsgesetzliche Bedenken, soweit wie ich sehe, nicht im Wege. * t Aus den Gemeinden :: * Becskow. (A nflösung der S hn a g og c ng e m c i n d c.) Durch Verfügung des Regierungspräsidenten wird die Synagogengcineinde Bceskow zum 1. April ausgelöst. Berlin. (Ablehnung eines j ü d i j ch - n a t i o n a l e rr U n t e r r i ch t s a u S j ch u s s e s des Landesverbandes.) Zu dem Berich» über die Tagung des VerbandStageS des Preußischer Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist noch nachzutragen: Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei hat die Einsetzung eines dritten (volkspartcilichen) Ausschusses für den Unterricht auf Grund des Art 26 der Verfassung des Landesverbandes beantragt. Der Antrag wurde von Dr. Jacobsohn-Breslau damit begründet, daß die Fraktion dcr Jüdischen Volkspartei besondere Forderungen in Bezug auf Gottesdienste * Berttn»St»rhe«. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Mittwoch, den 1. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Prediger Dr. Andorn. Donnerstag, den 2. April, vormittags 10 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Mittwoch, den 8.. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Dr. Plotle. Freitag, den 3. April, vormittags 10 Uhr, Predigt: Rabb.-Kand. Mehler. Freitag, den 3. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Prediger Dr. Andorn. Sonnabend, den 4. April, vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Hirschberg. Dienstag, den 7. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Dr. Hirschberg. Mittwoch, den 8. April, vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Swarseusty. Mittwoch, den 8. April, abends, Seelenjeter, Predigt: Dr. Plaut. Donnerstag, den 8. April, vormittags 10 Uhr, Seelenfeier, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 10. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Dr. Plotle. Sonnabend, den 11. April, vormittags 10 Uhr, Neumondsweihe, Predigt: Dr. Swarsensky. Berttn-Often. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30. Freitag, den 3. April, vormittags 10 Uhr, Predigt: Prediger Dr. Andorn. Freilag, den 3. April, abends 7.30 Uhr, Predigt: Dr. Plotle. Mittwoch, den 8. April, abends 7.30 Uhr, Seelenseier, Predigt: Dr. Swarsensky. Freitag, den 10. April, abends 7.30 Uhr, Predigt: Dr. Cohn. Berltn-Vestrnd. Liberale Synagoge Westend, Leistikowstraße 7-8, Aula. Freitag, den 3. April, vormittags 10.30 Uhr, Predigt: Dr. Swarsensky; abends 7.15 Uhr, Jugendgottesdienft, Predigt: Rabb.-Kand. Mehler. Freitag, den 10. April, abends 7.15 Uhr, Predigt: Rabb.-Kand. Mehler. Berlk». Jüdische Reform-vemetude. Peßach -Festgottesdienst am Freitag, den 3. April. Zohcuinisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Jelsti. KleiWraße 10: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. — Einsegnung am Sonntag, dem 5. April. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Jelsli. Der Gottesdienst Kteiststrahe fällt an diesem Tage aus. die Gestaltung des Religionsunterrichtes erhebe. Sie »vünsche, daß iin Unterricht dem Hebräischen als lebender Sprache ein breiterer Raum gewährt, und daß die jüdische Geschichte in einer Weise vorgetragen »verde, die die Jude»» nacht bloß als Objekt historische»« Geschehens, sondern als Subjekte schöpferischer Tchicksalsgcstaltung darstellt. Gegen den Antrag sprach Frau Schöne»vald-Bochum (tib.), die erklärte, eine Differenzierung des Unterrichtsplans sei auf Grund dcr Verfassung des Landesverbandes nur nach religiösen Gesichtspunkten möglich, die VolkSparlei könne ihre Wünsche in den bestehenden Unterrichtsausschüssen liberaler und konservativer Richtung Vorbringen. Nachdein sich noch Dr. Silberstcin (Volksp.) für die Annahme des Antrags ausgesprochen hatte, wurde auf Verlangen dcr Fraktion der Volkspartei eine namentliche Abstimmung vorgenommen, die die Ablehnung des Antrags mit 69 gegen 32 Stimmen bei 5 Stiinnicnthaltungen ergab. Berlin. (K o n z c r r u n d G e s e t l s ch a s t s a d c n d de s Hilfsvereins der deutschen Jude n.) Dr. James Simon, Generalkonsul Eugen Landau, Willy Dreyfus und Dr. Sigmund Wassermau»t hatten für Dienstag, den 24. März, abends, in das Hotel „Der Kaiserhos" zu einem Konzert und Gesellschafts abend zu Gunsten des Hilssvereins der deutschen Juden eiugeladen. Diese schon traditionell getvordcnc alljährliche Veranstaltung des Hilssvereins, die immer ein gesellschaftliches und künstlerisches Ereignis der Reichs- Hauptstadt ist, »rahin auch diesmal dank der Erlesenheit des Programms und der ausübenden Künstler und der Fülle der in Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft führenden Persönlichleiten auS Berlin und dem Reiche, die sich zu dem Abend cingesunden hatten, einen imponierenden Verlauf. In den Dienst des Hilfsvereins stellten sich diesmal Künstle« vom Range einer Maria Jvogün, die, von Michael Raucheisen am Flügel begleitet, neben der Pagen-Arie aus Mehcrbeers „Hugenotten" eine Reihe schweizerischer, bayerischer und österreichischer Volkslieder, sowie Johann Strauß' „O schöner Mai" sang, dann der berühmte Cellist Professor Emanuel Feuermann, dcr, von Sophie Feuermann begleitet, Werke von Boccherini, Beethoven, P. E. Bach und Frescobalai vortrug, und die hervorragenden Pianisten Bruno Eisner und Franz OsLorn, die vierhändig Schuberts Phantasie F-inoll, Marsch H-moll und Marsch G-moll vortrugen. Den künstlerischen Darbietungen schloß sich ein gemütliches Beisammensein in den Räumen des Hotels „Der Kaiserhos" an. Außer den Einladenden bemerkte man unter den — meist mit ihren Gattinnen — Anwesenden Prof. Dr. M.. Soberithcim, Prof. Eugen Mittwoch, den Leiter der staatlichen Museen Gcheimrat Prof. Friedländer, Pros. Hermann Strauß, Prof. Dr. Hermann Zondck, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Ernst Feder, Dr. Max Osborn, Direktor Heinrich Arnhold-Dresden, Bankier S. Würzweiler-Mannheim, Alfred Flcchtheim, Sicgmund Hirsch, Generaldirektor Oliven, Kommerzienrat Haberland, Direktor Bodenheimer, Kominerzienrat Julius Berger, Frau Dr. Lotte Fürstenberg, Frau Mascha Herzfcld, Frau Zissu u. a. m. — Das Ergebnis des Abends »vird zu Gunsten der Emigranten- und Jugendhilfe, der Notstandsaktionen und der Kulturarbeit des Hilfsvereins verwendet. Blumtvthak. (Jubiläum.) Kürzlich blickte Herr Moritz Kayser auf eine 25 jährige Tätigkeit :als Rechnungsführcr der Gemeinden Aumund—Vegesack—Blummthal zurück. Die Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde ehrten den Jubilar 'durch eine besondere Feier und überreichten ein künstlerisch ausge'führtes Diplom. Lehrer Heinemann hielt eine Ansprache und würdigte die gemeinnützige Arbeit des Gefeierten, der seinen Dank in bewegten Worten aussprach und besonders betonte, daß der Geineindc auch seine Großeltern schon augehörten und er sich darum gen» in ihren Dienst gestellt habe. Borgentreich. (Persönliches.) Der älteste Bürger dcr Stadt, Kaufmann Bendix Nosenstein, der früher viele Jahre die Olemcinde mit Umsicht leitete, ist fast hundertjährig gestorben und unter großer Bcteiligu»rg der Ortseingesessenen und auswärtigen Freunde bestattet »vorden. Prediger Cohn aus Marburg »vidmeic dem Verblichenen a»n Grabe herzliche Worte des Abschieds uird des Dankes für die im Interesse der Gesamtheit geleistete segensreiche Arbeit. Dortmund. (R e p r ä s c n t a n t e n s i tz u n g.) In dcr dieswöchigen Sitzung, an der dcr Vorstand vollzählig teilnahm, standen 4 Punkte zur Tagesordnung; doch dauerte sie länger als 4 Stunden. Die ncugegründcte Darlehnskasse hat die Gewährung -eines einmaligen Beitrags oder eines zirrsloseu Darlchns beantragt. Nach längeren Verhandlungen, einen einmaligen Beitrag von 1600 Mark und ein Darlehen von 4000 Marl zu bewilligen, tvurde der Antrag des Vorstandes angenommen: Bewilligung eines zunächst aus zwei Jahre unkündbaren DarlehnS von 1500 Mark. Dieser sowie alle folgenden Beschlüsse erfolgten nach längerer GeschäftSordnungsdebatte in geheimer Abstiminnng. Sodann wurde ein Antrag dcr Chcrora Kadischa auf Abschluß eines Versicherungs-Vertrages für einzelne ihrer Mitglieder angenommen. Für die Vornahme einer Taharo sind jeweilig 6 Mitglieder — Frauen öder Männer — gegen Anfall infolge einer Infektion oder dergl. versichert. Es folgt nun ein Gegenstand, der wiederholt die Kollegien beschäftigt hat. Die Herren Stettner, Preschet, Lauser und Nußbaum haben die abermalige Ansetzung eines „Gesuches dcr Talmud-Thora-Schule um Unterstützung" mit folgender Begründung beantragt: Bei der Abstimmung ihres Antrags zu Pu»»kt 1 der Tagesordnung vo»» der Rcpräsentautenversammlung am 18. Februar d. I. haben sich mehrere Herren teils der Abstimmung enthalten, bez»v. dagegen gestimmt, »veil, wie uns bekannt ist, diese durch den erregten Verlauf der Debatte die Präzisierung ihres Antrages nicht genau gehört haben, so daß ihnen bei Vornahme! der Abstiinmung der Wortlaut dieses Antrages nicht genau bekannt »var. Die 4 genannten Herren haben sich in jener Versammlung der Abstimmung enthalten, »vodnrch die Vorlage abgelehirt »vurde. Rach eingehender Verhandlung »vird auch diesmal die Vorlage mit 7 gegen 6 «Stimmen abgelehnl. An dcr Sitzung, die anstelle des verhinderten ersten Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt 'Dr. Koppelt von dein 82jährigen Herrn Schild geleitet wurde, nahmen auch die beiden Rabbiner »nit beratender Stiinme wegen der Talmud- Thora Schule teil. Es folgte sodann eine geheime Sitzung »vegen personeller Frage». Ter Antrag auf Abschluß eines neuen Schächtvertrages »nit Herrn Schächter Rosen seid »nuhie vertagt »verden. Der Vertrag soll zunächst auf 4 Wochen verlängert, die Angelegenheit nochinals voi» der Ostjüdischen Bereinigung und der Schächt-Komniission durchbcraten werden. — Im Gcineindehanse finden Sedtrabende statt von der Liberalen Vereinigung und voin Jüdischen Jugcndbund. Kelsenkirchen. (Von der Repräsentanz.) In der Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums am 4. März d. I.. »vurden die neubcz»v. wiedcrgewählten Repräsentanten von dein 1. Vorsteher des Kollegiums, Herrn Rechtsanwalt Back, begrüßt und durch Handschlag auf ihr Amt verpflichtet. In dcr nachfolgenden Wahl wurden als 1. Vorsteher Herr Rechtsanwalt Dr. Back, als stell«. Vorsteher Herr Albert Steinberg wicdergeivähtt. Als Protokollführer »vurde Herr Julius Levie geivählt, als Stellvertreter Herr Ewald Stern. Im Verlauf der »veiteren Sitzung wurden noch die Mitglieder für den Finanzunb Steuerausschuß, sowie dcr Friedhofsausschuß in der bisherigen Zusammensetzung bestätigt. Für den Satzmigsausschutz »vurden gewählt die .Herren R. A. Back, Albert Stcinberg, Dr. Löwenthal von liberaler Seite, Herr Ewald Stern von der Jüdischen Volkspartei; ergänzt »vird der Ausschuß durch dcic Rabbiner Herry. Dr. Galincr soivie einem Mitglied des Vorstandes. Trotz der ang-espanntcn »virtschaftlichen Lage des GemcindcetatS »vurde beschlossen, die Subvention zur Förderung jüdischer Studierender der Gemeinde in Höhe von RM 300,— zur Auszahlung anzutvcisen. - - Für die Sitzung ain 10. März d. I. stand zur Beratung: Aenderung der Gemeindesatzungen 88 12 und 14, »vozu seitens des Vorstandes eingereicht »vorden »var. Herr Joses Stainin begründet den Antrag des Vorstandes uird gibt eine kurze Erläuterung zu dem Errttvurf. Nach einer Aussprache »vurde dcr Entwurf des Vorstandes abgelehnt: Ein von volkspartcilicher Seite ciugcbrachter Antrag, der sich mit den Forderungei» dcr Jüdischen Volkspartei an§ früheren Jahren deckt, fordert die Abschaffung der Karrenzzeit, des Zensus, Herabsetzung des Wahlalters und Einführuirg des Frauen»vahlrechtS. Ein^ längere Debatte schloß sich an die Verlesung deS Antrages, die sich in der Hauptsache uin das Frauenwahlrecht drehte; eine Einigung »var nicht zu erzielen, da die Mehrheit den gegenwärtigen Zeitpunkt für die Einführung deS Frau-eulvahtrechtS nicht für geeignet hielt. Dcr Antrag auf Ueberweifung dcr Aend-crungsanträge an den Satzungsausschuß und nach Beratung dem Plenum erneut vorzulegen, wurde ebenfalls abgelehnt. Dann stand ein Antrag von liberaler «Seite auf Aenderurcg der 88 12 und 14 zur Debatte, »vonach in der neuen Fassung des H 12 wählbar als Repräsentant ist, der während der Dauer seiner Zugehörigkeit zur Gemeinde mindestens 3 Jahre seine steuerlichen Abgaben entrichtet und das dreißigste Lebensjahr vollendet hat. 8 12 »nurdc in der neuen Fassung mit großer Mehrheit angelioinmen. Die neue Fassung des 8 14 sieht eine Heraussctzung des Mahlalters aus 25 Jahre vor, jedoch ist »vahlbcrechtigt, »ver mindestens ein Jahr im Gemeindegcbiet wohnhaft und mit den steuerlichen Genreindcabgabeu nicht mehr als ein Jahr im Rückstand« ist. In der namentlichen Abstimmung »vurden'? Stimmen für den, Antrag abgegeben, gegen 2 'Stimmen der Jüdischen Volkspartei. Im Anschluß an die Abstimmung wurde von liberaler' StzM ^ü Protokoll gewünscht, daß noch rechtzeitig vor den nächsten Wahlen - die Einführung des Frauenwahlrechtes zur Beschlußfassung dem Plenuin vorgelegt »verden soll. Wir »volle», zugcbcn, daß die neue Fassungt der 88 12 und 14 nicht die Lösung dcr Fragen ist, die auch iy> unserer Gemeinde schon des öfteren der Anlaß zu größeren Debatten innerhalb des Kollegiums getvescn sind, aber praktisch kommt narnenblich 8 14 in der heutigen Fassuirg den Wünschen der Jüdischen Volkspartei entgegen. Die Heraufsctznng des Wahlalters ist nicht nur in unserem Gcmeindeleben eine umstrittene Tatsache, aber ha in der Durchführung jede Seite einige Ausfälle — wenn auch prozentual nur geringe — hat, so ist hier ein Ausgleich geschaffen. Die Jragdder Heraufsetzung des Wahtalters politisch auszu»verten, dürfte ab- »vegig sein, da es sich innerhalb dcr Gemeindeverwaltung nicht um. Soeben erschien: Jüdisches Jabrbuchl93l 1. Teil: Die Berliner Jüdische Gemeinde im Jahre 1930. Von Leo Kreindler. Die Berliner jüdische Bevölkerung. Von Herbert Philippsthal. Die Juden im deutschen Geistesleben der Gegenwart. Von Dr. Philippsthal. Der jüdische Kultbau. Von Alexander Beer. Die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland. Von Dr. S. Kaleko. Jüdische Siedlung in Deutschland. Von Martin Goetz. Wert und Wirken der jüdischen Kreditgenossenschaft. Von James Goldschmidt. Krankheiten der Juden mit Berücksichtigung der einschlägigen Badekuren. Von Dr. Julian Marcuse. Die Schallplatte im Dienste des jüdischen Gottesdienstes. Von Dr. Hermann Schildberger. Nekrologe. Ludwig Haas, Marc Rosenberg, Ludwig Stein, Eugen Goldstein, Rudolf Schildkraut. 2. Teil: Organisationen und Vereine. 3. Teil: Berliner Gemeinde-Verwaltungen und Einrichtungen. 4. Teil: Die Jüdischen Gemeinden in Deutschland. 5. Teil: Tätigkeitsberichte. Abbildungen: 1. .Porträts: Gerson Simon, Eugen Caspary, Prof. Dr. Adolf Marcuse, Dr. Ludwig Haas, Prof. Dr. Ludwig Stein, Prof. Dr. Eugen Goldstein, S. Fischer, Carl Neuberg. 2. Synagogenbilder: Berlin (Prinzregentenstraße), Plauen, Marienwerder. 3. Bilder vom jüdischen Sport. 4. Zwei Bilder vom Isenburger Heim des Jüdischen Frauenbundes. 5. Jüdische Kriegerdenkmäler. Das Jüdische Jahrbuch kostet bei vorzüglicher Ausstattung in Halbleinen gebunden nur RM 4.80. Zu beziehen durch: Verlag «indisches «lahrbuch Berlin S 42, Luisenufer 34, Postscheckkonto Berlin 80032.

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