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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-25 · 12 (25.3.1931) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
12 (25.3.1931)
Date
1931-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zur Neuordnung wegen der Trennung von Kirche und Staat wurde im Jahre 1923 eine Synode durch Hinzuziehung weiterer Veureter der mecklenburgischen Juden gebildet, der auch ich angehörte. U. a. gehörte der Austrittsparagraph zu den stark umstrittenen Teilen der neuen Verfassung der Landgemeinde. Der Wortlaut des Entwurfs sagte: „Wer aus der Gemeinde austritt, tritt aus dem Judentum aus." Dieser Text wurde gegen eine erhebliche Minderheit, zu tvelcher auch ich gehörte, angenommen. Ich konnte mich aus folgenden Gründen nicht entschließen, dieser Fassung mein Jawort zu geben: Nach jüdischem Empfinden ist das Kind einer Jüdin durch seine Geburt Jude, ohne jegliche Zeremonie, er bleibt Jude, wenn er nicht seinen Glauben von sich selbst aus ablcgt. Kein Jude kann daher einem anderen Juden das Judentum absprechen, wenn er es selbst nicht ausgibt. Es können wohl Verhältnisse eintreten, wegen welcher ein durchaus jüdisch Empfindender veranlaßt werden kann, nicht mehr Mitglied der Orts- oder Landesgemeiude sein zu wollen, so rief auch solch Entschluß bedauert werden muß. Allerdings war ich mir darüber klar, daß der Austritt erleichtert wird, wenn er nicht gleichzeitig den Austritt aus der Religion, in sich schließt, und aus rein praktischen Gründen wäre der Entwurf wohl richtig gewesen, aber eine religiöse Vereinigung darf nicht nur nach rein materiellen Gründen handeln, und dahin lief die Fassung de facto doch hinaus. Trotz.der Annahme wurde der Austrittsparagraph nicht in dem strengen Wortlaut Gesetz. Die Regierung erklärte nämlich, daß die angenommene Fassung gegen das Reichsgesetz verstoße. Merkwürdig war die Zusammensetzung der Minorität. Außer mir und meinem Parchimer Mildelegierten, der aus gleichen Gründen wie ich stimmte, befand sich dabei das einzige orthodoxe Mitglied der Synode, ferner ein bereits aus hier nicht zu erörternden Gründen aus seiner Gemeinde ausgetretenes Mitglied des alten Oberrats, dann ein religiös ganz links stehender alter Justizrat, einer der angesehensten Männer des Landes, und der (christliche) Regierungsvertreter. Wir haben seither in ucherer und in anderen Gemeinden des Landes leider manchen Austritt erlebt, und so manchen dabei wohl aus rein materiellen Gründen, aber trotzdem stehe ich auch jetzt noch auf dem Standpunkt, daß ein Religionsverband nicht aus rein praktischen Gründen ein Gesetz erlassen darf, welches nicht dem jüdischen Empfinden entspricht. Wilhelm L a n g st e i n, Parchim. Israels Mission in der religiösen Krise der Gegenwart Line Bille um Aufklärung von Rabbiner Dr. S. Jamptzl. Der Gedanke, daß Israel von der Vorsehung dazu berufen wurde, den andern Völkern den höheren Gottesglauben sowie die darauf beruhenden geläuterten Moralbegriffe zu vermitteln, zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze biblische und jüdische Religionsgeschichte, von den frühesten Anfängen bis in die Gegenwart. In der sehnsuchtsvollen Erwartung der Erfüllung jener Mission forderten Propheten und Psalmisten die Völker auf, mit ihnen gemeinsam dem wahren Gotte Lob- und Danklieder anzustimmen, und das gleiche Hoffen bildet bis auf den heutigen Tag den Hauptinhalt der wichtigsten jüdischen Gebete, am Alltag, wie in den weihevollsten Stunden des Jahres. Alle rohe Gewalt, alle Bosheit und Lüge haben es nie vermocht, dem Inden seinen Glauben an den endlichen Sieg der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu erschüttern. So sehr aber auch dieser Missionsgedanke heute noch in oer Gesamtjudenheit lebendig ist, und so sehr auch alle religiösen Richtungen im Judentum mit dem Propheten (Jes. 19, 6) der Ueberzeugung sind, daß diese Mission die höchste Aufgabe des Judentums darstelle, so muß doch gesagt werden, daß das Bestreben, diese Mission heute noch zu aktivieren, in der liberalen Judenhcir am deutlichsten zum Ansdruck gebracht wird, und zwar hauptsächlich dadurch, daß sie in;enec hohen Mission den einzigen Daseinszweck des Judentums auch in Gegenwart und Zukunft sieht. Daraus ergibt sich, saß diese Religionskrise der Gegenwart, die viel tiefgreifender isst, als der Uneingeweihte glaubt, — da das Verhältnis zur Religion aus seiten des Bolschewismus, Kommunismus, Bund der Gotrlosen und der verschiedenen Freidenkervereinignngen von dem der Toziatdemokratie und alter andern linksgerichteten Parteien lediglich dem Tempo nach sich unterscheidet —, ri.r das liberale^ Judentum ein ungleich ernsteres Problem bedeutet, als für die anderen jüdischen Kreise. Daß die erschreckende Ucberhandnahme der gegenwärtigen Religionsseindschaft der jüdischen Religion weit mehr Abbruch tut, als den andern Religionen, weil gerade jene Länder, in denen die religionsfeindlichen Parteien am stärtsteu vertreten sind, brn» Gros ucr Juoen beherbergen und weil ferner die Juden, als unterdrückte Minoritäten regelrecht in den Reihen der Entrechteten, also der Marxisten kämpfen - diese betrübende Erscheinung löst natürlich in allen jüdischen Reihen ein tiefes Bedauern aus; jedoch fomnjt bei der liberalen Judenheit noch das subjektive Moment hinzu, daß sie, infolge der besremoiichen Stellung der verschiedenen Parteien zur Nettgion, an ihrer Missionstätigkcit verzweifeln must Denn wenn der ethische Monotheismus der Propheten dem sozialen und polittscst'n Rechtsprinzip die einzige wissenschaftliche Basis abgibt, die Kirche hingegen ans sozialern wie politischem Gebiete das Gewaltlprinzip verteidigt und so die Verfechter des Rechtsgedansens in das rdligionsseindliche Lager drängt, sodaß die Vertreter der Religion den Vertretern der prophetischen Moral! feindlich gegenüberstehen, so kann doch das Judentum nur eines von beiden, u. z. entweder Religion oder Moral zu seiner Missions-aufgabe machen. Nun mahnen aber die Propheten, die Religion nicht als Selbstzweck anzusehen, sondern nur als Mittel zur moralischen Erziehung. Dann bleibt aber der jüdischen Mission nichts übrig, als die Moral auf Kosten der Religion zu verteidigen und den Parteien beizusteheu. die, um dem Rechtsprinzip zum Siege zu verhelfen, der Religion den Boden abzngraben suchen, um so den Vertretern der Religion, die die Herrschaft der Gewalt fördern, den reaktionären Einfluß aus das Volt zu nehmen, damit das messianische Reich aufgerichtet werde. Hier zeigt sich die Verlegenheit des Judentums beim Ausarbeiten seines Misst onsplanes für die Gegenwart. Soll das Judenttnn, das in der Verbreitung des reinen Gottesglaubens seinen Daseinszweck sehen soll, nun zum Förderer der Gottesleugnung werden?! Soll das Volk, das berufen war, das Licht der Völker zu werden, der Menschheit das wahre Licht dos beseligenden Gottv erträumen s, die Quelle olles Heils und Trostes rauben?! Und doch bleibt dem Judentum vorerst kein anderer Weg offen, als den Bestrebungen der linken politischen Vorschub zu leisten. Tie frohen Sederabeude nahen und wenn wir beim Türöffncn daran denken, oas unsere Vorfahren in jenen Stunden ber offenen Türen Ausschau hielten, nur sich vor Ritualmerdbeschuldigungen zu schützen - und uns dabei freuen, daß. wir heute solche Katastrophen weniger zu gewärtigen haben, dann stört uns der betrübende Gedanke, das. während unsere Vorfahren in jenen Schreckenssttmdeu denen fluchten, die „Gott nicht' kannten und seinen Namen nicht anriesen", verdanken wir heute unsere ungestörten Sederabeude gerade den Gottsremden. Denn die heute Gott ia kennen und seinen Namen ja anruftu. stempeln ims heute noch in ihrer Presse zu Menschenblutfressern. Sollte das Judentum keinen neuen Plan für die vrartische Missionstätigkeik anfzustellen imstande sein?! Das ist zweifellos die brennendste Frage der religiösen Pädagogik der Gegenwart! Wer gibt uns darüber Aufklärung? Theater-Aufführung im Hause von Dr. Fritz Kahn Es ist eine alle, schöne und vornehme Pflicht für de rühmte Persönlichkeiten, ihr Haus und ihren Namen wertvollen und der Allgemeinheit dienenden Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Der weithin bekannte Verkünder einer volkstümlichen Biologie, der beliebte naturwissenschaftliche Schriftsteller und Arzt Dr. Fritz Kahn, dessen Köcher „best-sellcrs" geworden sind und der auch du Standardwerk über die Kultur und das Wesen des Judentums geschrieben hat, gab am. letzten Sonnabend und Sonntag-Abend seine künstlerisch eingerichtete Wohnung — ein kleines, schenswürdiges Museum — zu einem guten Zweck her: Die Frauenarbcitsgemeinschaft für Palästina veranstaltete in seinem Hause einen Theater-Abend, der in Form und Inhalt nach jeder Richtung hin etwas Ungewöhnliches war. Gespielt wurde von einer Gruppe junger Schauspieler unter Führung und Regie Gad Shelasos Lessings Jugendlustspiel „Die Jüdin", und Schalom Aschs einaktige Tragödie „Mit dem Strom". Ueber die beiden Werte, die so garnichts miteinander zu tun haben, und die durch fast zwei Jahrhunderte voneinander getrennt sind, läßt sich mancherlei Kritisches sagen. Des großen Aufklärers und Wahrheitssuchers Jünglingsarbeit fesselt mehr durch die jugendliche Treuherzigkeit und edle soziologische Tendenz, als durch künstlerische Substanz und Charakterisiernngskunst. Das Stückchen Unsterblichkeit verdankt das Lessingsche Lustspiel seinem Streben nach Gerechtigkeit inmitten einer noch sehr ungerechten Zeit und dem in ihm enthaltenen Beweis für die einzigartige Makellosigkeit der Persönlichkeit Lessings. Traurig übrigens, daß sein Thema heute noch so zeitgemäß ist, wie im 18. Jahrhundert. Schalom Aschs Drama ist mehr folkloristisch interessant, als für uns unmittelbar bedeutungsvoll. Denn nur jemand, der das Judentum nicht kennt, kann ihm im Sinne des Dichters untreu werden; es gibt keine Religion und ethische Disziplin aus Erden, die richtig verstanden so sehr mit Wissenschaft und Humanität in Einklang steht, wie das Judentum. Jenseits aller Diskussion aber steht die Anerkennung für die liebevolle Eindringlichkeit und hingebungsvolle Freude, mit der di« Schauspieler ihre Aufgaben lösten. Es lag ein so festlicher Glanz und eine so suggestive Spiel-Lust über den beiden Ausführungen, wie man sie selbst aus größere öffentlichen Bühnen selten sieht. Alle Darsteller spülten so vortrefflich, daß man nur summarisch loben kann. Gad Shelaso verfällt ohne die Zügel eines ihn beherrschenden Regisseurs leicht in Outriertheiten, aber diesmal im Rahmen dieser Darbietungen störten seine kleinen Uebcrtreibungen nicht. 'Reizend sah Gerda Ehrlich als „junges Fräulein" in dem Lessin.qschen Stücke ans; sie wirkte durch ihre äußere Erscheinung ebenso, wie durch ihr talentiertes Spiel. Es war ein schöner, einprägsamer Abend, an den alte, die ihn mit-- erlebten, noch lange zurückdenken werden. Der jüdischen Frauenorganisation, die ihn veranstaltete, und dem freundlichen Gastgeber (diesmal ein Medikus für Miscnithropie-Heilung!), der ihn ermöglichte, muß ans das herzlichste gedankt werden. Tr. Ludwig Davidsohn-Bcrlin. j *'j Aus den Gemeinden ji * f 4-»»-»♦♦ »♦»»»•»♦»++»♦♦♦♦♦»♦»»»♦»»♦♦♦♦♦♦»♦»♦»♦♦♦ t »»»♦»♦♦♦ ♦♦♦♦»»■! Berlin. (D c r G e b u r t e n r n ck ga n g unter den Juden Berlin s.) Im Halbjahr Juli bis Dezeinber 1930 sind in der Jüdischen Gemeinde Berlin bei 1176 Sterbesällen 582 Geburten zu verzeichnen. Demnach sind also in diesem Halbjahr 59-1 Personen iveniger geboren als gestorben. Rechnet man die in Mischehen geborenen jüdischen Kinder dazu, was man ohne weiteres gewiß nicht kann, dann stehen 1176 Todesfällen 722 Geburten gegenüber, so das, selbst bei dieser Rechnung ein Minus von 454übrig bleibt. Bielefeld. (S ch ü ch t v c r b o t.) Das neugewählte Stadtpartamenc von Groß-Bielesetd hat auf Antrag der Nativualscziatisten beschlossen, das Schächten auf dem städtischen Schtachihvf zu verbieten. Für den Antrag, der von dem Nationalsozialisten Stadtrat Höcker begründet wurde, stimmten die Vertreter sämllicher Parteien. Frankfurt am Main. (Lehrauftrag a n Martin Bube r.) Martin Vuber, der als Honorarprofessor an der Universität Franlj furt «. M. lehrt, hat einen Lehrauftrag für Religionswissenschaft «r-! hallen. Sein bisheriger Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und jüdische Ethik ist zurückgezogen worden. Hamburg. (Sitzung des R c p rä s c u t a n t e n - Kol l c 6 i -! ums.) Hamburg war, wie die Tagesbläiter berichtet haben, in der letzten Zeit der Schauplatz schwerer Bluttaten, die von Anhäcrgern der national-sozialistischen Bewegung begangen sind. Aus Herrn Regierungsrat Dr. Lassally wurde wegen seiner jüdischen Abstammung! von einem Beamten, der zur Vernehmung vorgelad-en tvar, geschossen, und ein kommunistisches Mitglied des hamburgischcn Parlaments ivurde von 3 National-Sozialistcn auf einer Autobusfahrt getötet, j Der weitesten Kreise bemächtigte sich wegen dieser ruchlosen Taten eine! starke Erregung. Diese trat auch in der letzten Sitzung des Reprasentanken-Kollegiums zutage und fand ihren 'Ausdruck in einer Kundgebung, die von der liberalen Fraktion beantragt war und von Herrn Dr. Urias ausführlich begründet wurde. Das Kollegium nahm einstimmig die Kundgebung an, die folgendermaßen lautet: „Das Repräsentanten-Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde erklärt aus Anlaß der in den letzten Tagen geschehenen Bluttaten und bittet den Borstand, diese Erklärung auch zu der seinen zu machen: Die Deutsch-Israelitische Gemeinde steht als eine religiöse Gemeinschaft jenseits jeden politischen Kampfes. Sie gibt aber dm Empsiudungen weiter Kreise Ausdruck, indem sie mit wachsender Sorge und mit eindringlichem Ernst darauf hinweist, daß die furchtbaren Verbrechen die Früchte jener zügellosen und rohen .Verhetzung sind, wie sie durch Beschimpfungen, Verleumdung und fortgesetzte Herabsetzung aller Einrichtungen bisher insbesondere gegen die jüdischen Menschen in Deutschland gerichtet gewesen und in letzter Zeit immer mehr gegen alle wirklichen oder vermeintlichen Gegner und den Staat selbst hemmungslos in Anwendung gebracht worben ist. Sie tveiß, daß Regierung und Behörden lvie alle in Frage kommenden Instanzen unserer Stadt stets alles getan haben und tun, um den öffentlichen Frieden für alle zu gewährleisten. Sie erwartet aber». daß Staat und Behörden wie die Parteien und alle rechtlich Denkenden dieser zügellosen Berleumdungshetze mit allem Nachdruck Einhalt gebieten." Alsdann trat die Bersaminlung in die Tagesordnung ein. Den ersten Berntungsgegenstaud bildete ein von Frau D r. Meyer Wedelt (lib.) gestellter und begründeter Antrag, der die Anstellung einer Persönlichkeit für das Jugendheim Johnsallce wünscht, die die Ausgabe hat, der bündisch organisierten und der freien Jugend, die sich in dem Jugendheim einsindet, pflegerische Fürsorge zuteil werden zu lassen. Insbesondere sei dies, wie die Rednerin aussnhrle, erforderlich für die jüdische freie Jugend, um diese nicht dein Radikalismus verfallen zu lassen. Der Antrag wurde der Budget- Kommission überwiesen. Die Versammlung hat sich in den letzten Sitzungen wiederholt mit der Frage der Ausgestaltung des Pflegeheims beschäftigt. Der Vorstand ließ inilleile», daß er mit Rücksicht auf die Finanzlage von einer Verlegung des Pflegeheims zurzeit abznsehen sich gezwungen sehe. Mit diesem Beschlüsse erklärte sich Herr Tr. W »h I g e >m n t h (ortf).) nicht einverstanden, da das von ihm befürwortete Projekt der Verlegung in ein in der Bieberstrnße belegencs Grundstück zu irgendwie nennenswerten Ausgaben durch die Gemeinde nicht führe. Die Behauptung, daß dieses Grundstück wegen des morastigen Bodens nicht in Frage käme, halte er nicht für zutreffend, zu in mindesten nicht solange, als dies nicht durch eine Prüfung von sachverständiger Seite bestätigt sei. Ter Hinweis auf eine 'finanzielle Belastung, die mit einer Verlegung verbuirden sei, käme ebenfalls nicht in Betracht, solange nicht eine rechnerische Durcharbeitung des Projcites ergeben habe, daß mit solcher Belastung zu rechnen sei. Ter Vorsitzende des Pflegeheims, der Gemeindevorsteher H e r r .Heinrich L e v y , der den Standpunkt des Vorstandes vertreten hatte, sagte eine nochmalige Prüfung des Projektes im Sinne der von .Herrn Dr. Aohlgemuth geäußerten Wünsche zu. Der Neubau des Israelitischen Tempels schreitet vorwärts. Das Richtfest hat bereits stattgefunden, und es tvird demnächst die Ausführung der Jnnenarbeiten zu vergeben sein. Dazu benötigt der Tempel-« verband den Betrag von RM. 250 000,—, die die Gemeinde ihm auf Grund des zwischen beiden Körperschaften geschlossenen Vertrags zur Verfügung zu stellen hat. Die Gemeinde wird den Betrag durch Eintragung einer Hypothek auf dem Tempelgrund stück von einer hamburgischeu Sparkasse beschaffen. Die Gewährung des Gelbe» wird aber von der Hamburger Sparkasse davon abhängig gemacht, daß die Hypothek an erster Stelle eingetragen werde. Es ist aber an erster Stelle für den hamburgischen Staat das Restkaufgeld für den Platz des Tempel- Neubaues in Höhe von 110 000 RM. eingetragen. Die Verhandlung mit dem Hamburger Staat betreffend Einräumung des Vorranges an die Hamburger Spaarkasse hat zu einer Bereitwilligkeit des hamburgischen Staates geführt, sofern die Gemeinde für dieses Restkaufgeld dem Staat gegenüber die selbstschuldnerische Bürgschaft übernimmt. Der Gemeindevorstand hat dic Zustimmung des Repräsentanten-Kollegiums hierzu erbeten. Der Antrag wurde von den Vertretern der Wirtschastspartei und der Wolkspartei zum Anlaß genommen, gegen die Bauleitung des Tempclverbandes den Vorwurf zu erheben, daß bei der Vergebung der Arbeiten nicht, zum mindesten nicht genügend jüdische Handwerker und Arbeiter .beschäftigt worden seien. Diesem Vorwurf trat Herr Dr. Urias (lib) der Leiter der Baukommission des Tempelverbandes, entgegen. Er führte aus, daß die Jnnenarbeiten überhaupt noch nicht vergeben seien, daß die Ausführung des Rohbaues einer Firma zugewicsen sei, deren Leiter ein jüdischer Ingenieur sei und daß für diese Arbeiten auch andere jüdische Bewerber nicht in Betracht gekommen seien. Es sei selbstverständlich, daß bei Vergebung der Arbeiten das jüdische Handwerk, soweit dies nur irgend möglich sei, berücksichtigt werde. In der weiteren Erörterung wurde von den Vertretern der streng konservativen Richtung, den Herren Dr. Meier und Peine, erklärt, daß sie, wie auch seinerzeit bei der Schließung des Vertrags mit dem Tempelverband auch jetzt ihre Zustimmung versagen müßten, weil von ihrem religiösen Standpunkt aus der Tempelneubau nur aus Mitteln des Tempelverbandes selbst hätte finanziert tverdeu sollen, die durch höhere Ueberweisungcn abseits der Gnueindc hätten beschafft werden können. Der Antrag des Gemeindevorstandes wurde angenommen, jedoch auf Antrag von Herrn Heinemann (Wirtschastspartei) hinzngefügt, daß der Erwartung Ausdruck gegeben werde, daß die weiter zu vergebenden Aufträge tunlichst an jüdische Handwerker erfolgen. Dem in der letzten Sitzung geäußerten Wunsche des Kollegiums entsprechend war der Religionsunterricht an der: höheren Schulen auf die Tagesordnung gesetzt worden. Als Mitglied des Schulausschusses erstattete Herr Dr. Frankel (lib.) einen ausführlichen Bericht über das Schulwerk innerhalb der Gemeinde. Er legte dar, daß dieses sich in erfreulicher Entwicklung befinde. Die Erteilung des Religionsunterrichts sei inzwischen auf 2 weitere höhere Schulen ausgedehnt worden, sodaß jetzt Unterricht erteilt werde an 6 höheren Schulen; dazu komme der an 3 Privatschulen gegebene Unterricht und außerdem der Unterricht, der am linken Alsteruser von der Gemeinde selbst -eingerichtet fei. Es beständen außerdem noch 3 au die einzelnen Kultusverbändc angegliedcrtc Religionsschulen. Dic umfassende Organisation gewährleiste, daß der iveitaus größte Teil alter jüdischen Kinder in Hamburg nunmehr für den Religionsunterricht erfaßt würde, eine Tatsache, die im Interesse der Gemeinde nicht hoch genug gewertet werden dürfe. Herr Dr. Frankel verbreitete sich dann noch über die Verteilung der Lehrkräfte aus die einzelnen Schulen, die teils der liberalen, teils der konservativen Richtung angehören. Die Kommission habe bisher davon abgesehen, besondere Prinzipien über die Art, wie die Lehrkräfte der einzelnen Richtungen auf die Schulen verteilt werden sollen, aufznstellen, sondern habe die Frage immer von Fall zu Fall ohne wesentliche Schwierigkeiten zu lösen vermocht. Die liberalen Lehrkräfte bestehen aus denjenigen Lehrkräften, die vom liberal-jüdischen Sclmlvercin in dessen Religionsschulen tätig sind. Es ««UIIMIIIIlMNlMMllllNNINMMllMIMIsilMIIMMlMMMlMlMMIlllMMM»» Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands

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