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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-25 · 12 (25.3.1931) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
12 (25.3.1931)
Date
1931-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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finfc dies die Herren Rabbiner Dr. Italiener, Dr. Beis, de Haas intfLehmann. 1 Die konservativen Lehrkräfte sind die Herren: Rabbiner Dr. Hotzer, Schuldirektor Dr. Jonas und Frau Weißmann, die auch nebes» Herrn Michaelis den von der Gemeinde eingerichteten Unterricht linken Alsterufer erteilt. In der Aussprache unterstrich der ebenfalls der Schulkommission «na^hSriH-e Herr Dr. Kalmus (Wolkspartei) die Bedeutung der von^der Gemeinde geleisteten Tätigkeit und hob auch seinerseits hervor, daß die Schulkommission, ohne sich auf Prinzipien festzulrgen, in eirtträchtiger Zusammenarbeit seiner Mitglieder alle sich ergebenden Frage« ohne wesentliche Reibung zu lösen imstande >var. Herr Dr. Ma,rx (Volkspartei) sprach ebenfalls seine Zufriedenheit über das bisher auf diesem Gebiet Geleistete aus und hob hervor, daß durch di« feit einigen Jahren erfolgte Einführung der Religionsunterrichts hundette von Kindern nunmehr wieder stärker an das Judentum heranführen würden. -Herr Philipp Peine (orth.) ist mit der Einführung des Unterrichts durch die Gemeinde nicht cinverstavden, und hätte gewünscht, daß die Kultusverbände sich dieser Aufgabe unterzogen hätten. Er polemisierte dann gegen die Anschauung des Liberalismus, dessen Vertreter nach seiner Meinung für einen Unterricht an Kinder der konservativen Kreise nicht in Frage känren. Ihm trat mit besonderer Schärfe Herr Dr. Löwenberg (lib.), sowie Herr L i s s e r (lib.) entgegen. Die These des Herrn Peine könne in einer EinheitSgxmcinde, wi« es die hamburgische sei, unter keinen Umständen zugelassen werden. Außerdem werde der Unterricht von den Persönlichkeiten der Lehr- Xr&fte in.Hamburg in einer Weise erteilt, daß die Kinder der liberalen Kreise den Unterricht konservativer Lehrer und die Kinder der konservativen Richtung den Unterricht liberaler Lehrkräfte ohne citcres genießen können. Auch .Herr Dr. Marx (Volkspartei) wandte sich gegen die Ausführungen des Herrn P-cine, die außer von dessen Parteifreunden auf keiner Seite der Versammlung Zustimmung fanden. Nachdem einige Reparaturarbciten an verschiedenen Grundstückenbewilligt waren, kam ein Antrag zur Beratung, der für die Bestellung eines Sparkommissars einen Betrag zunächst für ein Jahr anwerben wolle. — Das Kollegium hatte sich die Tätigkeit dieses Kommissars dergestalt gedacht, daß ein Mitglied des Vorstandes mit dieser Aufgabe betraut würde und daß, wenn durch die jetzigen Mitglieder des Vorstandes die Uebernahme dieser Tätigkeit wegen anderweitiger Belastung nicht möglich sein sollte, die Erweiterung des Vorstandes um ein Mittzlied erfolgen sollte. Hiervon hat der Vorstand aber Abstand geuomn»«n, um eine besondere Bürokraft für diese Tätigkeit einzustellen. Das Kollegium war mit dieser Regelung nicht zufrieden. Es wurde zwecks Prüfung dieser Angelegenheit eine besondere Kommission eingesetzt. Nachdem ein Antrag des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser auf Zahlung einer Jahressnbvention der Budgetkommission überwiesen war, gelangte der letzte Punkt der Tagesordnung zur Besprechung. Er bezog sich auf den Konflikt, der zwischen dem Oderrabbiner des Synagogenvcrbandes Herrn Dr. Spitzer und der Israelitischen Gemeinde in Altona durch eine von Herrn Dr. Spitzer erlassene sich ans die Schechita beziehende Verfügung entstanden war und zu einer öffentlichen Kundgebung durch die israelitische Gemeinde in Altona geführt hatte. Der Vorstand teilte mit, daß er bereits Schritte getan habe, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Herr Dr. Kalmus (Vollspartei) wies darauf hin, daß der Konflikt dem Ansehen der Gemeinde außerordentlich abträglich sein müsse. Herr Dr. Meier (orth.) hielt die Gemeinde nicht für berechtigt, in der Angelegenheit Schritte zu ergreifen, da es sich um eine Knlrusfrage handele, in der dem Kultusverbande verfassungsgemäß Autonomie zustehe. Jhmentgegnete der Gemeindevorsteher, Herr Rechtsanwalt David, daß die Gemeinde nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Dem Synagogen- Derbande sei zwar die Ausübung der Schechita übertragen, es sei jedoch,das Rocht der Gemeinde in den überaus unerfreulichen Streit -wischen Oberrabbiner und der Gcineinde in Altona einzugreiftn, um zu versuchen, ihn aus der Welt zu schaffen, damit nicht der Gemeinde noch tpeiterer Schaden, als bisher schon eingetreten sei, durch die in der breitesten Oeffentlichkeit bekannt gewordene Angelegenheit erwachse. DaS Repräsentanten-Kollegium stellte sich auf den Boden des Antrags der Vollspartei, durch welchen es gebilligt wird, daß der Gemeindevorstapd sich der Angelegenheit angenommen habe. Damit endete die überaus umfangreiche Sitzung. Kassel. (Dissonanzen in der Gem« in de v-er Wallung.) Nach der letzten Sitzung der Gemeinde-Aeltesten wurde bekannt, daß der Vertreter der Jüdischen Vollspartei, Rechtsanwalt Dr. Kugelmann, sein Amt als Gemeindeältester niedevgelegt habe und aus dem Kollegium ausgeschieden sei. Gerüchtweise verlautete ferner, daß auch der liberale Gemeindevertreter, Bankier Ball in, aus seinem Amt als Gemeindeältester geschieden sei. Die Jüdische Vollspartei soll außerdem an zwei weitere Mitglieder des Kollegiums die Aufforderung: gerichtet haben, ihre Aemter niederzulegen. Bisher ist nichts bekannt geworden, daß diesem Verlangen Rechnung getragen wurde. Ueber die Motive dieser Kollektiv-Auswanderung aus der Vertretung der Gemeinde hat die Oeffentlichkeit nichts Zuverlässiges erfahren können, söbaß man sich nur auf Vermutungen und Annahmen derer stützen kann, die von Differenzen innerhalb des Kollegiums wissen wollen. Bedauerlich bleibt jedenfalls die Tatsache, daß die Gemeind« in den zwei ausgeschiedenen Herren arbeitsfreudige und sachkundig« Vertreter ihrer Interessen verliert, und in der heutigen Zeit wirtschaftlicher Krisen wäre es besonders erwünscht gewesen, wenn der Verwaltung der Gemeinde solche Erschütterungen erspart geblieben wären. Kirchhain. (Persönliches.) Der Kaufmann D. Strauß, Mitglied des Gemeindevorstandes, beging unter lebhafter Anteilnahme weiter Kreise seinen 60. Geburtstag. Im Berufs- und kommunalen Leben bekleidete der Jubilar als Schiedsrichter an der Frankfurter Getreidebörse, als Mitglied der Kasseler Industrie- und Handelskammer und als Stadtverordneter mehrere Jahre die ihm übertragenen Ehrenämter zur größten Zufriedenheit aller Beteiligten. Magdeburg. (6 0 iähriges Lehrerjubiläum Dr. M. Spaniers.) Vor 60 Jahren begann einer der eifrigsten Förderer unserer Bewegung, ein Führer des liberalen Judentums in Magdeburgs Herr Dr. M. Spanier, seine Lehrtätigkeit. Herr Dr. "Spanier ist auch den Lesern unserer Zeitung durch seine zahlreichen hier veröffentlichten literarischen Beiträge bekannt. Nordhausen. (P e r s ö n l i ch e s.i Der Ehrenvorsitzende des Gemeindevorstandcs, Herr Sanitätsrat Dr. Carl Stern, beging kürzlich in erfreulicher Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Seit 50 Jahren hat sich Dr. Stern in der Gemeindeverwaltung gemeinnützlich betätigt; seit 1910 gehörte er dem Vorstände an, und bei seinem Scheiden aus dem Amte wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch im bürgerlichen Leben hat der Jubilar an führender Stelle gestanden. So gehört er dem Vorstand des Wissenschaftlichen Vereins an, viele Jahre war er Vorsitzender des Aerztevereins und Mitglied der Aerztelammer; in der Jakob Plaut-Loge war (ihm, das Amt des Präsidenten übertragen. Bei der großen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der geistig regsame und körperlich rüstige Greis erfreut, war es als selbstverständlich anzusehen, daß ihm zu Ehren besondere Feiern veranstaltet wurden. Osfetlbach. (Jubiläum.) Kürzlich beging Rechtsanwalt und Notar Dr. S. Guggenheim das Jubiläum seiner 25 jährigen Zugehörigkeit zum Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Da der Jubilar sich auf allen Gebieten jüdischen Lebens eifrig und erfolgreich betätigte, war er Gegenstand zahlreicher Ehrungen und Aufmerksamkeiten. Als Hauptvorstandsmitglied des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat Dr. Guggenheim stets auch die ihm anvertranten Interessen mit großem Geschick und vorbildlicher Rührigkeit pertreten. Platz«» I. B. (Wanderausstellung jüdischer Künstler.) In der Zeit vom 16. bis 22. März d. I. fand in den Räumen der Eugen Fuchs-Loge di« Wanderausstellung jüdischer Künstler statt, die die Großloge für Deutschland U.O.BB. veranstaltet hat. Der »oundervolle Logentempel gab einen Ausstellungsraum ab, wie ihn man sich idealer nicht denken kann. Die Sammlung wurde durch de» Direktor der Plauener Kunstschule, Prof. Hanusch, übernommen und eingerichtet. Die Eröffnung fand am Montag, dem 16. ds. Mts., in einer gemeinschaftlichen Sitzung der Schwestern und Brüder der Eugen Fuchs-Loge statt, wobei der Präsident Dr. Goldberg eine kurze Einführung über die ausstellenden Künstler und ihre Werke hielt. Anschließend hielt Frau Trude Goldberg einen Vortrag über den auch an der Ausstellung beteiligten Maler Stanislaus Bender. Der in seinem Ausbau außerordentlich klare und von der Rednerin rethorifch sehr wirksam dargebotenc Vortrag ließ die außerordentlich« Vielseitigkeit des Malers Bender vor deu Zuhörern erstehen. Besonders ist ja Bender als Maler ostjüdischer Typen bekannt, daher war es vielen ganz neu, in ihm den Schöpfer von Reklamekunst wiederzuerkennen, die durch das tägliche Leben allgemein bekannt ist. Erinnert sei nur daran, daß die Verpackung der Feurich-Kekse, di« Umhüllung der Stollwcrk-Schokolade, die ReNameplakate für Maffci- Lokomotiven und vieles andere von ihm stammen. Der Bortrag löst? allgemeine Anerkennung aus. Vom 17. ds. Mts. ab war die Ausstellung für alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zugänglich und wurde 'hn reichen Maße hiervon Gebrauch gemacht. Auch einige Verkäufe lassen erkennen, daß trotz der Schwere der Zeit das von der Vortragenden geprägte Dchlagwort „Der jüdische Künstler ins jüdische Heim" beherzigt worden ist. Ratibor. (Persönliches.) Am 25. März begehen Herr Ludwig Schwarz und seine Gattin das Fest der Silberhochzeit. Herr Schwarz ist, neben anderen von ihm bekleideten Ehrenämtern, langjähriges eifriges Mitglied des Vorstandes der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum, und wir sprechen ihm auch an dieser Stelle unsere besten Glückwünsche aus. Salzuflen. (Hohes Alter.) Am 28. März ds. Js. begeht in selten geistiger und körperlicher Frischt Herr Salomou Silberbach das seltene Fest seines 80. Geburtstages. Volle 30 Jahre war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde Salzuflen, dessen Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit er seit dem Jahre 1926 ist. Der Jubilar genießt nicht nur im engeren Kreise seiner Gemeinde größte Achtung und Sympathie, sondern auch darüber hinaus ist er bei seinen Mitbürgern aller Konfessionen angesehen und geschätzt. Trotz seines hohen Alters leitet er als Vorbcter den Gottesdienst der Gemeinde und manchem Kurgast ist er deswegen während dessen Erholungsurlaubes in Bad Salzuflen in bester Erinnerung. Schntidemühl. (HauptversammlungdesProvinzialvcrbandes für jüdische W o-hl f a h r t s p f l e g c der Grenzmark Posen-Westprcußen.) Am 15. März hielt der Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege der Grenzmark Poscn- Westpreußen in Schncidemühl seine 4. Hauptversammlung ab. Ein großer Teil der Vertrauensleute der curgeschlosscnen grenzmärkischen Gemeinden, sowie viele interessierte Mitglieder der Gemeinde Schneidemühl waren anwesend. Außer diesen konnte der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Rosenzwcig, die Vertreter der Gemeinde Schönlanke begrüßen, die sich als einzige Gemeinde dem Provinzialverband noch nicht angeschlosscn hat. Der 1. Vorsteher der Gemeinde Schneidemühl, I. Lewin, begrüßte namens der Gemeinde die Erschienenen und wies aus die Bedeutung der Tagung hin, in deren Mittelpunkt die Frage der Gründung einer Darlchnskasse stehe. Zugleich dankte er dem Provinzialverband für "die außerordentlich segensreiche Arbeit, welche dieser bereits in der kurzen Zeit seines Bestehens geleistet hat. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Rosenzweig, erstattete den Tätigkeitsbericht für 1030, in welchem er nachwies, wie auch die von der Zentraltvohlfahrtssielle in Berlin im Januar 1931 herausgegebenen Richtlinien für die jüdische Wohlfahrtsarbeit in Deutschland im abgelaufenen Berichtsjahr betätigt worden sind, soweit es die besonderen Verhältnisse in der Grenzmark gestatteten. Unter den Sozialfürsorgeausgaben, die der Provinzialverband zu erfüllen hat, steht gegenwärtig! die Gründung einer Darlehnskasse, die seit 1927 bereits geplant, aber immer noch nicht dnrchgesührt worden ist, an erster Stelle. Nunmehr hat bei Fühlungnahme mit der Zcntralwohlsahrtsstellc chiese bei Begründung der Darlchnskasse einen größeren Betrag als Gruirdstock gegen Bürgschaft einzelner Gemeinden zur Verfügung gestellt. Der Provinzialverband hat im Jahre 1930 38 Fälle bearbeitet, die sich auf 14 Städte verteilte«, und hauptsächlich Berufs-, Darlehnsuwd Erholungsfürsorge (in 15 Fällen) betrafen. Darüber hinaus hat es sich der Provinzialverband zur Aufgabe gemacht, in fast allen Gemeinden der Grenzmark das Bewußtsein zu Wecken, daß soziales Empfinden und soziale Arbeit für jeden Juden Pflicht sind. Die großen Aufgaben, die in der gegenwärtigen Wirtschaftsnot vor uns liegen, können nur durch gemeinsame Arbeit geleistet werden. Der Kassenbericht, welcher als Einnahmen Mk. 2722,85 gegenüber Ausgaben von Mk. 2421,38 aufweist, schließt mit einem Saldo von Mk. 301,47 ab. 'Der Abschluß wird von der Versammlung genehmigt, ebenso der Etat für 1931, zu dessen Ausgleich eine Umlage in derselben Höhe wie im Vorjahre, also N/z o/o des Etats für Mitgliedsgemeinden und ein nach der Mitgliedszahl abgestufter Beitrag für Mitglieds- Vereine, vorgenommen wird. Sodann hielt Fräulein Frieda Weinreich- Berlin ihr Referat über: „Wirtschaftskrise und Wohlfahrtsaufgaben", das in kurzer Zusammenfassung die besonderen Aufgaben der jüdischen Fürsorge der Gegenwart betonte. Obgleich unser Gedeih und Verderb abhängig und verbunden ist mit dem unserer Umgebung, haben wir noch besondere jüdische Sorgen. Die Darlegungen des Frl. Weinreich hinterließen einen nachhaltigen Eindruck und führten zu einer ausgedehnten Diskussion. Naivem seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinden Dt.-Krone und Schönlanke die ErNärung abgegeben war, daß sie im Prinzip zur Uebernahme der Teilbürgschast für den von der Zentralwohlfahrtsstelle zur Verfügung gestellten Betrag für die Gründung einer Darlehnskasse bereit sind, wurde diese Gründung beschlossen und eine Kommission von 6 Herren gewählt, deren Aufgabe es sein soll, innerhalb von 3 Monaten den Entwurf für die zu gründende Darlchnskasse einzureichen. Nachdem auch die Vertreter der Gemeinde Schönlanke erklärt hatten, daß der Anschluß ihrer Gemeinde an den Provinzialverband erneut erwogen werden würde, konnte der Vorsitzende die Tagung mit Dank an seine Mitarbeiter sowie an die zahlreich Erschienenen schließen. Schriesheim. (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) In dem badischen Städtchen Schriesheim an der Bergstraße (bei Heidelberg), wurden vor wenigen Tagen zwei Kindergrabstcine auf dem israelitischen Friedhof umgeworscn und ein anderer Denkstein mit Kot beschmutzt. Zwei Täter hat die Gendarmerie fcstgcstellt. Die Rohlinge, die Mitglieder der nationalistischen Partei sind, sehen hoffentlich einer empfindlichen Strafe entgegen. Die christliche Bürgerschaft Schriesheims, die immer mit den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde in Frieden lebte, ist über die rohe Tat einmütig empört. Stuttgart. (V o r st e h e r s i H u n g.) Am 18.. Marz d. I. fand eine Plenarsitzung des Israelitischen Vorsteheramtes statt. Vorsitzender Rotschild widmete zuerst einige Abschieds.v.'-te dem am Tage zuvor zur Ruhe bestatteten Regierunostal Dr. Nördlinger, Präsident des Israelitischen Oberrats Württemberg. Dann trat man in die Tagesordnung ein. Carl Levy berichtete für die Finanzkommission, die dem Plenum Vorschläge macht, um deren Genehmigung sie bittet. Es handelt sich um Herabsetzung der Gebühren für die Synagogenplätze, Zuschüsse für Vereine in Höhe von 25—60 Mark, die fast durchweg genehmigt wurden. Hingegen wurde ein« Bewilligung von 100 Mark für di« Essingerstiftung abgelehnt, und zwar mit folgender Begründung. Erstens kann das Israelitische Borsteheramt nicht einer Stiftung den Ausfall, den sie durch die Abschaffung des Schnoderns hat, ersetzen, da sonst für die anderen Vereine Präsidenzfall geschaffen würde, andererseits hat die Essingerstiftung eine Klausel, nach der vor allem Familienmitglieder aus der Stiftung berücksichtigt werden müssen, und hält Rechtsanwalt Flegenheimer es dieses Passus wegen nicht für berechtigt, Gemeindegelder herzugeben. Im Mittelpunkt d«r Beratungen stand die Frage, ob die Gemeinde in der heutigen Zeit ein Jugendheim schaffen solle. Die Ansichten gingen weit auseinander, und zwar hauptsächlich aus wirtschaftlicher Betrachtung. Zum Schluß wurde jedoch auf Antrag von Dr. Tänzer folgender Beschluß gefaßt. Das Jugendheim soll geschaffen toerben und will auch die Gemeinde die Mieterin der nötigen Räum« sein. In Anbetracht der finanziellen Schwierigkeiten, mit denen heute alles zu kämpfen hat, soll jedoch der Mietvertrag vorläufig nur für ein Jahr abgeschlossen werden. Dve Gemeinde bewilligt dafür Mk. 3000, verlangt jedoch, daß in diesem Jahve keine baulichen Veränderungen vorgcnommen werden oder ihr aus dec Einrichtung usw. irgeudroelche Kosten entstehen. Für diese Zusätze trat besonders Rechtsanwalt Flegenheimer ein, da er es den Steuerzahlern gegenüber nicht für angebracht hält, heute Neugründungen ins Leben zu rufen. Eduard Weil gab über die Tätigkeit der Friedhofsabteilung Bericht. Di« Fried Hofskommission ist bemüht, die Rebenkosten für Beerdigung möglichst herabzusetzen, ebenso sollen t>en Kosten für die Beerdigungen die Steuersätze zugrunde gelegt werden. Der Punkt, ob Dienst bei Ber brennungen und Beisetzung der Aschenreste als Amtshandlung anzusehen ist oder Privatsache dessen ist, der diese Zeremonien vornimmt, soll von der Gottesdienstabteilung geprüft werden. Nunmehr wurden zu Preisrichtern für das Preisausschreiben für den neuen Friedhof folgende Herren ernannt, und zwar sämtlich in Stuttgart. Prof. Wetzel, Otto und Bonatz. Als Architekten wurden dem Preisgericht die Herren Nathan-Frankfurt, Steno-Kassel, Landauer-Ulm, Levy Freiburg, Bloch und Guggenhejm-Stuttgart, Mendelsohn-Berlin ge nannt. Stadtrabbiner Dr. Rieger berichtete sür die Gottesdienst abteilung, daß das Lchrpensum im Lause des Jahres dnrchgesührt und erreicht wurde. Am Schluß der Sitzung dankte Vorsitzender Rotschild noch dem ausschcidenden Oberrechnnngsrat Meyer für seine in sechsunddreißig Jahren geleistete Tätigkeit und bat ihn, da er ja als Vorsteher dem Gremium weiter angehöre, seine Mitarbeit in gewohnter Weise der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Oberrechnungsra: Meyer dankte und versprach auch in Zukunft der Sache zu dienen. Stuttgart. (Regierungsrat Nördlinger gestorben. Am 17. März wurde unter großer Anteilnahme der frühere Präsiden, des Israelitischen Oberrates, Regierungsrat Karl Nördlinger, zur Ruhe beigesetzt. Regierungsrat Dr. Nördlinger leitete die Geschäfte der Israelitischen Oberkirchenbehörde Württembergs von 1928 bis vor cinern Jahre, jedoch gehörte er schon seit dem Jahre 1910 der dama ligen Oberkirchenbehörde als juristischer Beirat, wozu ihn der König seinerzeit ernannt hatte, an. Seine große Umsicht, Gerechtigkeit und ruhiges Arbeiten ließ ihn jederzeit ein besonders ivertvollcs Mitglieder obigen Behörde sein. Ebenso verstand er es in hervorragender Weise, den Wünschen und Anforderungen der Beamten, die dem Oberrat unterstellt sind, stets in korrektester und menschlichster Weise Rechnung zu tragen. Vertreter der einzelnen Körperschaften sowie der Stadtrabbiner zeichneten bei der Bestattung noch einmal ein Lebensbild dieses trefflichen Mannes. Ulm. (Z u r Sch ä ch t f r a g c.) Die deutschnationale Fraktion von Ulm hat die Schächtfrage aufgeivorfen und einen dringenden Antrag bei der städtischen Behörde gestellt, der darauf hinausläuft, die städtische Behörde möge beschließen, daß sämtliche zur Schlachtung kommenden Tiere vor der Schlachtung wirksam zu betäuben sind, daß also insbesondere der sogenannte Schächtschnitt nur nach vorheriger wirksamer Betäubung vorgenommen werden soll. Der Gemeinderat Ulm ging jedoch darüber zur Tagesordnung über, und zwar mit der Begründung, daß die Zulässigkeit des Schlichtens im Sinne der jüdischen Religion für das ganze Aürttemberger Land einheitlich durch dcn § 14 der Württemberg. B. V. vom 1. Februar 1903 zum Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz geregelt sei. Der genannte § 14 regelt diese Angelegenheiten in erschöpfender Weise und wäre aus diesem Grunde eine ortspol izciliche Behörde zur Regelung garnicht zuständig, und wer in der Frage Interessen zu vertreten habe, solle sich an das Innenministerium wenden. Während des Zeitraums vom 1. Oktober 1030 bis 31. Januar 1931, also nach Inkrafttreten des bayrischen Gesetzes vom 29. Januar 1930, durch das die Vornahme des Schächtens ohne vorherige Betäubung verboten wird, sind am Ulmer Schlachthof 1342 Stück Schlachtvieh geschachtet worden. Vor Erlaß des bayrischen Gesetzes waren es vom 1. Oktober 1929 bis 31. Januar 1930 insgesamt 109 Tiere. Die Zunahme beträgt also 1233 Stück Vieh. Der Sprecher der Deutschnationalen stellte in seiner Begründung des Antrages verschiedene Eventualanträge, die aber alle an die zuständige Abteilung verwiesen wurden. Rechtsanwalt Mann von der D. D. I. sprach sich in sehr überzeugender Weise gegen den Antrag aus. Insbesondere rückte er den deutschnationalen Antrag ins richtige Licht, indem er betonte, daß es sich bei der ganzen Angelegenheit um politische Propaganda handle. Zahlreiche Physiologen hätten nachgewiesen, daß durch den Schächdschnitt «ine unmittelbar« Betäubung erfolge. Bei den Bcgleiterschevnungen nach dem Schnitt handle es sich nicht um Empfindungen^ sondern um Reflexerscheinungen. Bor religiösen lleberzeugungen hätte» Parteikampfe Halt zu machen. Auch die den Kommissionen übergebene« Eventualanträge der Deutschnationalen haben wenig Aussicht nuf Verwirklichung. Ulm. (Rabbiner Dr. Treitel verstorben.) Am Mittwoch, 4. März 1931, ist der Nestor der deutschen Rabbiner i. R. Dr. Leopold Treitel in Laupheim, Bezirksrabbinats Ulm, nach kurze« Krankenlager im Alter von 86 Jahren sanft entschlafen. Die Beisetzung fand unter großer Beteiligung am Sonntag, 8. März, l» Laupheim statt. Zu der synagogalen Trauerseier hatten sich auch die Geistlichkeit der beiden christlichen Konfessionen sowie Vertreter der städtischen Behörden eingefunden. Nachdem der Synagogenchor et» passendes Einführungslied unter der bewährten Führung von Simo« Steiner gesungen hatte, hielt Bezirksrabbiner Dr. Cohn, Ulm, die Gedächtnisrede. Unter Zugrundelegung der Worte des 92. Psalms: „Der Gerechte, wie eine Palme blüht er" usw., schilderte er in einer gedankenreichen, alle Zuhörer tief ergreifenden Weise, das segensreiche Wirken des Heimgegangenen, der ein wahrhafter Zeddik gewesen sei, als Wissenschaftler, als Religionslehrer und als Seelsorger. An zweiter Stelle gab Oberlehrer Kahn, Laupheim, als Vorsitzender de« dortigen Gemeindevorstandes der Trauer der Gemeinde über d-n schweren Verlust ihres allverehrten, langjährigen geistlichen Führers bewegten Ausdruck. Dem Danke des Israelitischen Oberrats in Würrtemberg für die langjährigen treuen Dienste des Entschlafenen f-v _ dessen theologisches Mitglied, Stadtrabbiner Rieger, S"n:7>n' herzliche Worte der Verehrung und Wertschätzung hinzu. Für r--.e Jugend Laupheims fand Lehrer Einstein, Lanvheim. i:.im empinndene, warme Abschicdsworte. — Dr. Treitel hat seine .geologische Ausbildung a>>' dem Zeabbinerscmiuar in Breslau geno'>-r. Er war ein Schüler von Zacharias Frankel und Heinrich Gra-tz, die entscheidenden Einfluß aus seine wissenschaftliche Entwicklung ausgeübt haben. Er wandte sich hauptsächlich der Erforschung des jüdisch-hellenistischen Schrifttums zu. Die Frucht seiner Studien war ein im Jahre 1915 verössent-- lichte-s und im Jahre 1023 ergänztes wertvoll-s Werk über die gesamte Theologie und Philosophie Chilos von Alexandrien. Er war Rabbiner in Koschinin. Briefen, Karlsrub-' in Baden, uw er mit Professor Schwarz (später Rektor des Radvinerleminars in Wien) znsammenwirkte, und zuletzt 28 Jahre in Laupheim. Vereinsnachrichlen „Neuer Synagogen-Verein Rykestraße". Dienstag, den 24. ds. Mts., abends um 8 Uhr, im großen Saal der Unions-Festsäle, GreifSwalder Straße 221-223: Geselliger Abend. Bortrag des Herr» Rabbiner Dr. Wehl. Rezitationen ernsten und heiteren Inhalts: Herr Schauspieler Gab Shelaso. Gesangliche Darbietungen: Frau Leibholz-Kussel, Herr Oberkantor Ahlbeck. Streichquartett unter Leitung des Cbordirigenteu Herrn Kurt Burchard. Eintritt frei. Das Jacobsoirheim in Seesen wird am 1. Mai dieses Jahre» wieder für erholungsuchende Jugen-dliche beiderlei Geschlechts im Alter von 14—25 Jahren eröffnet. Die Aufenthaltsdauer im Heim beträgt 2 »der 4 Wochen, der tägliche BerpflegungspreiS Mk. 2,75. Es sind noch Plätze im wesentlichen für die Monate Mai, Juni uni» September verfügbar. Für Schüler und Schülerinnen sind auch noch einige Plätze für die Monate Juli und August frei. Möglichst rechtzeitige schriftliche Anmeldungen werden an den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158, Gths^ erbeten. tBcreln zur Unterstützung armer Leidtragender (Schomer Laboker Umischan Abelin). Hauptversammlung am Montqg, dem 13. April 1931, abends präzise 8 Uhr, im Versammlungslokal der Synagoge Fasaneustraße 79-80.

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