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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-25 · 12 (25.3.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
12 (25.3.1931)
Date
1931-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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vnd Beihilfen, ine (Stemeintai durch Verteilung von Etatposten zugebiUigt tverden, bis Ende Februar 1932 nur -is zur Höhe von 80 o/o auszuzahlen. Es soll zu diesem Zeitpunkt festgestM tverden, ob hinreichende Mittel für die RestanSzahlung zur Verfügung stehen. T>ie Beiträge der Mitgliedsgemeinden wurden wie bisher mit ®/io Prozent beibehalteri. Ter Redner appMerte an die Verbanosabgeordneten, sich für die finanzielle Sicherstellung des Etats euizusetzeu. Tie Gemeinden müssen restlos ihre Pflichten erfüllen. Je schlimmer und bedrohlicher unsere Lage draußen ist, desto wichtiger ist unsere Organisation nach innen. Wir müssen gerüstet sein, um jedem widrigen Geschick ins Auge sehen zu können. Die allgemeine Aussprache Die Aussprache über die von den Vertretern des Rates erstatteten Referate erstreckte sich auch auf Fragen politischer und weltanschaulicher Art und führte stellenweise zu recht lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der verschiedenen Richtungen. Sie wurde von R.-A. Ehrlich - Königsberg (lib.) einaeleitet, der es als erschütternde Tatsache bezeichuete, daß einzelne Großgemeinden die Umlagen für den Landesverband für das Jahr 1929 noch nicht erlegt haben. Er begrüßte die im Haushaltsplan vorgesehene Erhöhung der Beihilfen an leistungsschwache Gemeinden und forderte, daß mit allem Nachdruck auf die Gewährung einer dem prozentualen Anteil der Judenheit an der Gesamtbevölkerung entsprechenden Subventionen seitens des Staates hingearbeitet werde. Wenn von seiten der Staatsbehörden erklärt werde, die Gewährung verhältnismäßig höherer Zuschüsse an die nichtjüdischen Religionsgemeinschaften sei auf Ansprüche zurückzuführen, die mit der Säkularisation der Kirchengüter Zusammenhängen, so sei darauf zu antworten, daß jüdisches Vermögen schon Hunderte Jahre vorher in den verschiedensten Formen „säkularisiert" wurde. Weiter forderte der Redner tatkräftiges Einschreiten des Staates gegen die Herabwürdigung der Religion unter dem Deckmantel „freidenkerischer Bestrebungen" und richtete an den Verbandstag den Appell, der Gefahr vorzubeugen, daß anstelle des immer wieder verschleppten Judengesetzes unter ungünstigeren politischen Verhältnissen ein „Gesetz über die Rechtlosigkeit der Juden in Preußen" erlassen werde. Er protestierte gegen die Schwierigkeiten, die der Einbürgerung von sogenannten Staatenlosen, die zum größten Teil aus Gebieten stammen, die ehemals unter der Herrschaft Deutschlands oder seiner Verbündeten ftaitben, entgegengestellt werden. Schließlich setzte er sich für eine Erweiterung der Ausbildungsmöglichkeiten für Religionslehrer liberaler Richtung ein. Direktor Georg Kareski (Volksp.): Der Streit „BolkSgemeinde" oder „Religionsgemeinde" muß endlich aufhören. Es liegen auch von liberaler Seite Anträge vor, die nicht in den Rahmen einer bloßen Religionsgemeinde hineinpassen. Die heutige politische und wirtschaftliche Not ist kein vorüber-? ehender Zustand, deshalb ist nicht ein Notetat zu beschließen, ondern eine Rationalisierung des gesamten jüdischen Lebens auf die Dauer anzustreben. Es ist fraglich, ob eine so arme Gemeinschaft wie wir sich den Luxus dreier Hochschulen und dreier Lehrerseminare erlauben darf. Auch das jüdische Vereinswesen muß rationalisiert und die Uebcrorganisation, ebenso überflüssige Pressegründungen, bekämpft werden. Dagegen ist eine Kürzung der Subvention für die Sportbewegung abzulehuen. Die Erfassung der Jugend durch die jüdische Volksbewegung bietet die Gewähr dafür, daß es auch in hundert Jahren ein deutsches Judentum geben wird. Namens der Konservativen stellte Dr. H or ovi tz -Frankfurt a. M. fest, daß der Landesverband es bisher nicht vermocht habe, Popularität zu erlangen. Die Tätigkeit der jüdischen Kehillah werde durch den Aufgabenkreis einer bloßen Religionsgemeinde nicht erschöpft, sei aber auch nicht die einer Volksgemeinde. Das Judentum verdanke seine Erhaltung der Verwirklichung des jüdischen Gesetzes im Leben. Es müsse gefordert werden, daß mehr Bezirksrabbinate sowie größere Bezirkslehrer- und -Schächterschasten gebildet werden. Die Errichtung jüdischer Schulen zur Vermittlung jüdischer und allgemeiner Bildung müsse mit Rücksicht darauf, daß das Bildungsniveau der jüdischen Bevölkerung auf dem Lande und in den Kleinstädten stark gesunken sei, gefördert werden. Hier müsse das Beispiel der Winlerschulen der Landwirte und Genossenschaften nachgeahmt werden. Auf die Beschäftigung sabbatbtreuer Angestellter in jüdischen Betrieben muß ljingewirkt werden. Der antireligiösen Kampagne der Kommunisten müsse eine religiöse Propaganda entgegengestellt werden. Dr. Jsmar Freund (Ueberpartl. Vereinigung) befaßte sich u. a. mit den Sch ächtverboten und den Parteikonstcllationen, die in verschiedenen Städten zu solchen Verboten geführt haben. Mit dem Wohlwollen der Behörden könne nicht gerechnet werden. Der Paritätsgedanke werde nur dort in Anwendung gebracht, wo er sich gegen die jüdischen Interessen auswirke. So sei es bezeichnend, daß nur für 68 von 900 Gemeinderabbinern staatliche Beihilfen geleistet werden. Staatliche Bewilligungen für jüdische Zwecke konnten den Behörden nur durch zähen Kampf abgerungen werden. Es gebe nur den Weg zur Selbsthilfe durch Ausbau der organisatorischen Einrichtungen des Judentums. Wichtig sei' für die kleinen Gemeinden neben der Einrichtung der Bezirksrabbiner die Aktivierung des „Baalbos" zu ehrenamtlichem Dienst an der Gemeinde, die Förderung von Literaturvereineu, Bereitstellung von Wanderrednern, ev. Einrichtung von Wandergotiesdiensten. Vor allem aber müsse Ernst gemacht werden mit der Beendigung des Bruderzwistes im Judentum. Wahrend der nunmehr folgenden Rede des Herrn Sanitätsrat Dr. Peyser (Deutsche Listet der sich als Hospitant der liberalen Fraktion angeschlossen hat, kommt es zu stürmischen Austritten. Dr. Peyser führte etwa aus: Ich freue mich, mit Herrn Kareski in einigen Punkten einig zu sein. Er hat recht, wenn er mahnt, nicht einen Notetat für ein Jahr aufzustellen, sondern daran zu senken, daß wir wahrscheinlich einer sangen Zeitv-eriode wirtschaftlicher Not entgegengehen. Ebenso unterschreibe ich. was er über die Neberorganisation der jüdischen Bewegung gesagt hat. Würden sich die Herren Zionisten mit einer einzigen Zeitung begnügen, so wäre ich sofortdafür, daß, ihr Beispiel von liberaler Seite befolgt würde. Auch das Schreibwerk innerhalb de? Landesverbandes nimmt einen unerträglichen Umfang an. Ganz besonders freue ich mich, daß er einen Satz der Liste 6 für berechtigt gehalten hat. aus die hin ich gewählt worden bin, und begrüße das als einen vielversprechenden Anfang. Wir nationaldeutschen Juden haben bei jeder Gelegenheit betont, daß wir den klaren bewußten Zionisten als ehrlichen Gegner achten. Was er durch Betonung eines jüdischen Nationalgefühls erreichen will, das Wüllen wir erreichen durch Betonung unseres«' deutschen Rationalgefühtls. Gerade darum müssen wir uns dagegen wenden, daß «an aus unfern Religionsgemeinoen Bolksgemeinden machen will. Tie Gründe des Herrn Kareski haben mich nicht überzeugt. Nicht ein einziger Punkt findet sich in unserm Haushaltsplan, der nicht unter die wohlverstandenen Ausgaben einer sorgsamen Religionsgemeinde fiele. (Zwischenruf des Herrn Kareski: Einbürgerung.) Es war mir bisher nicht bekannt, daß es der Wunsch des Herrn Kareski ist, die Befugnisse des Staates, Ausländer einzubürgern, auf die jüdischen Religiousgemeinden zu übertragen. (Wiederholte Zwischenrufe des Herrn Kareski.) Herr Kareski, ich spreche zur Gesamtheit. Hier sind Sie nicht das „Zentrum" der Versammlung. Was nun die immer wieder betonten Einignngsbestrebungen betrifft, so klingt das sehv schön. Aber geistiger Kampf war, ist und wird sein. Wir möchten herzlich bitten, zunächst den Anfang einmal mit einer Behandlung des Gegners in würdiger Form zu machen. (Zwischenruf des Herrn Goslar: Litsassäulen.) Es ist mir nicht bekannt, ob die Ueberwachung der Litsassäulen unter das Dezernat des preußischen Pressechefs fällt. Ich sche aber nichts Bedenkliches dabei, in einem Wahlkampf die Oeffentlichkeit wie durch die Presse so auch durch Sänlenanschläge aufzuklären. (Herr Goslar ruft wiederholt „Litfassäule".) Herr Goslar, ich zweifle nicht daran, daß. Sie, wenn es Ihr Interesse erforderte, Hunderte oon Litsassäulen bekleben würden. Sie machen es hier, wie bei den Wahlprotesten. Uns war et verboten, ihnen aber ist er erlaubt. (Herr Goslar: Denunziation.) Genau so steht es mit den Denunziationen. Ihre Führer können sich nicht genug darin tun, meinen Gesinnungsfreunden das Judentum abzusprechen. Wie anders aber ist es, wenn wir ihnen nachzuweisen versuchen, bafr Sie ein Deutschtum, wie wir es perlangen, nicht vertreten wollen. ((Ungeheurer Tumult her den Volksparteilern, einige ergreifen ihre Mappen und drohen den Saal zu verlassen. Herr Kareski: „Herr Präsident, erfolgt daraus kein Ordnungsruf?" Der Präsident, Herr Rechtsanwalt Stern: „Ich sehe nicht die geringste Veranlassung." Er wiederholt den Sinn der Worte des Redners. Erneuter Lärm bei den Volksparteilern.) Sie verlangen Einigkeit unter den Juden und sind da, wo es Ihnen nicht paßt, Hasser uud rücksichtslose Agitatoren. Was die Form betrifft, in der Sie den Gegner behandeln, so stch-n ihre heutigen Unterbrechungen ungefähr auf der Höte der Svrechchöre zur Sprengung von Versammlungen. Wo es Ihnen abergenehm ist, da umhüllt sich der Wols mit dein Fell eines Tieres, nun ich will es nickt nennen, damit Sie mir mir nicht wieder beleidigende Absichten unterschieben, also sagen wir eines Tieres, dem zur Nahrung Klee dient. Und dann sollen wir plötzlich glauben, die sanften Töne wären echt. Ich wiederhole, ehe Sie sich nicht dazu verstehen, die Formen rücksichtsloser Agitation und dauernder Unterbrechungen des Gegners aufzugeben, eher kann auch von einer äußeren Einigkeit keine Rede seim (Sehr starker Beifall.) Rechtsanwalt Weis (liberal): Es ist übereinstimmend ausgesührt worden, daß, die Lage der Juden niemals ernster gewesen ist als im gegenwärtigen Augenblick. Nicht allem, daß am 14. September 1930 107 Nationalsozialisten ihren Einzug im Reichstag gehalten haben: auch im Rechtsleben wird der Schutz des Judentums von Entscheidung zu Entscheidung geringer. In den letzten politischen Erklärungen der maß geblichen Reichsiusiamen vermißt man eine klare Stellungnahme gegen die relwiöse und rassemnäßiqe Bekämpfung des Judentums. Wirtschaftlich ist das Judentum um 60 bis 80 Jahre zurückgeworfen. Diese Notlage muß auch den Landesverband zwingen, seinen Verwaltungsavparat zu verbilligen und zu bereinsachen. Nichts wäre aber perfekter, als wenn die oeutschen Juden sich entmutigt znrückziehen würden. Wir müssen uns anch vor Ucbertreibungen hüten. Es ist ein Irrtum, daß da? Programm der Nationalsozialisten nur antisemitische Forderungen enthülle. Ter Naftanas'ozi^lis'nus ist eine bestimmte politische Bewegung und muß politisch bewertet und bekämpft werden. Alles in der Welt nur o-om jüdischen Standpunkt aus zu betrachten, ist eine Verkennung der Welt. So wenig wie das französische Judentum allein den Fall Drcpfus klären konnte, so wenig kann der jüdische Teil des deutschen Volkes allein e^wa? aegen den Na0'-nalsa'iglis!nus tun. Es verlangt die Gerechtigkeit, auch sestzustellen. daß dne Katholische Kirche und die Zentrnmsvartei, daß ferner die großen Arbeiterparteien einen entschiedenen und energischen Abwehrkämps gegen die nationalsozialistische Bewegung führen, und auch im evangelischen Bakksteil gibt es vieK. die bereit sind, sich an diesem Mwehrkamvs zu beteiligen. Es liegt an uns, mit diesen Teilen de? deutschen Belkes gemeinsam den Kampf wenn möglich zu einem glücklichen Ende zu führen. Tiefer Kamps muß aber bei der Erziehung der Kinder beginnen. Ter junge Jude muß den jungen Christen, der iunge Ehrist den jungen Juden kennen lernen. Darum lehne ich die jüdische Volksschule. f»:c das eine Kind von dem andern fernhält, entschieden ab. Daher werden Sie auch verstehen können, daß ich den Entsrenckmigsmetboden der stionisten ablehnend gegenüberstehe. Wohin die -iouistische Ideologie führt, beweist wohl am. klarsten ein Zitat an.? der Jüdischen Rundschau vom 17. März 1931. Dort heißt es in einem Bericht über den Abschied Sckmaria Lenins von Deutschland u. a.: ..Uber zu dem ist er (Leoin) heute der palästinensische Jude, der sich ganz als Bürger Erez Israels süblt. Nur dort ist der Jude in einer Atmosphäre guter Gesinnung. Was ist der Unterschied zwilchen Nalästina und Galuth? fragt Levin. Hier fir Deutschland oder in einem andern Land leben wir unter Millionen von Menschen, die potentielle Feinde sind. Wenn ich au? der Straße gebe, so fühle ick lauter feindselige od-r dock kokte Blicke ans mir ruhen, und begegne ick etnm Men sch »'n mit freundlichem Blick, so weiß, ich. er ist ein Bekannte-. Ganz in T>1 Awiw: .Hier in einer Stadt von 10000 oder Ist 000 Meuicken, die ick nicht persönlich kenne, b-aegne ich tun freundlichen Blicken, ich kann mich komm i-ettm vor dieser Atmosphäre des Woblwosftns der Unbekannten. Sckaut mich aber einer unfreundlich an. dan!t mnß es ein Bekanntet sein." Zn den Leuten, die unfreundlich geblickt haben, werden sicherlich auch die Leute des Pro Palästina-Komitees gehören. Es mutet dann auch eigentümlich an, wenn man in der Jüdischen Telegravhen-Agentur liest, daß in dem Lande, in dem angeblich eitel Liebe und Wohlwollen herrscht, der Präsident der zionistischen Executive, Herr Professor Weizmann, nur mit Leibwache reisen kann. Es ist eine bedauerliche Ilebertreibung, wemr die Tinge von zionistischer Seite immer so dargestellt werden, als ob in Palästina alles Gold und glänzend, hier aber alles furchtbar sei. Wer soll nun die Abwchrarbeit betreiben? Wenn Sie mir irgend eine Organisation nennen, die die Abwehrarbeit besser leisten kann als die privaten Organisationen, so will ich mich sofort dafür einsetzen und würde ihr folge». Es ist aber unmöglich, daß die amtlichen Organe, mag das Landesverband oder Gemeinde sein, eine derartige Tätigkeit aus sich nehmen. Ter Landesverband ist nur möglich und kann nur leben, wenn er Staatsbeihilfen erhält. Dadurch wird er aber stets gezwungen! sein, die Wege zu vermeiden, die gegangen werden müssen, um den Nationalsozialismus wirksam zu bekämpfen. Ich fürchte auch, der Versuch, unS in einer Kommission zu vereinigen, die die Formen der Abwehr regelt, wird scheitern. Wiv haben Vertrauen in die Zukunft des deuffchen Judentums. Aber nicht, weil wir zu den 101 bestehenden Nationen noch eine 102. hinzusügen wollen, sondern weil wir das Judentum als Träger geistiger Werte empfinden und wollen, daß die Generation, die nach uns komnit, es auch so empfinden soll. Dr. Nahum G o l d m a n tt (Volksp.) erklärte im Gegensatz zu Tr. Peyser, eine Auffassung von deutschem Volksbrwußtsein, die es einem deutschen Juden, unmöglich mache, sich frei z» seinem jüdischen Wesen zu bekennen, verstoße nicht nur gegen die jüdischen, sondern auch gegen die besten deutschen Traditionen. Wenn der Verband auf die Abwehrarbeit verzichte, schließe er sich selbst von seiner natürlichen Zentralaufgabe aus. Eine solche Erscheinung wäre in einem anderen Lande, etwa in England, Frankreich oder Amerika, undenkbar. Dort sehen die Repräsentanten der jüdischen Gemeindeverbände ihre Aufgabe auch darin, die Interessen der ausländischen Juden wahrzunehmen. Wenn der C. V. nicht existierte, würden wahrscheinlich auch die Liberalen nicht zögern, dem Verband die jüdische Interessenvertretung auch nach außen anzuvertrauen. Der C. V. repräsentiere nicht das gesamte Judentum Deutschlands und gefährde die Gleichberechtigung, weil er nicht für die unbedingte Gleichberechtigung, sondern für eine Gleichberechtigung ä condition eintrete. Rabbiner Dr. H o f fm an »- Frankfttrt a. M. forderte, der Rat solle seine Tätigkeit darauf konzentrieren, eine Beschleunigung der Erledigung des Judengesetzes zu erreichen. In der Frage der Vertretung nach außen stehe er durchaus auf dem Standpunkt der Volkspartei. Solange kein Reichsverbanö der deutschen Juden existiere, müsse der Preußische Landesverband die jüdischen Interessen nach außen vertreten. Bezüglich des Schulwesens bemerkte der Redner, es können gar nicht zuviel Jeschiwoth geben, da auch ein talmudisch geschultes Laientum ungemein wichtig sei! In bevölkerungspolitischer Hinsicht müsse darauf gesehen werden, daß die Gemeinden kinderreiche Beamte anstellen und diesen Beamten, insbesondere in den unteren Kategorien, erhöhte Zulagen geben. Tr. Foerder (rel. Mittelpartei) erklärte, die Debatte habe die Notwendigkeit der Mittelpartei bewiesen. Aus der Frage „Volksgemeinschaft" oder „Religionsgemeinschaft" dürfte kein Schiboleth gemacht werden. Jnstizrat Dr. Brodnitz (lib.) wehrte die Angriffe, die gegen den Central-Berein deutscher Staatsbürger' jüdischen Glaubens erhoben wurden, ab und erklärte, der Lcnrdesverbattd könne sich auf Grund seines Statuts nur mit der Wahrung religiöser Interessen befassen. Wenn auch der Centralverein nur Juden bestimmter Anschauung einschließe, so vertrete er doch die Interessen der Gesamtjudenheit. Kurt Blumenfeld (Volksp.) stellte demgegenüber, fest, daß der Paragraph 3 des Statuts die Zusammenfassung der Synagogengemeinden zur Wahrung aller ihrer Interessen vorsehe. Jene deutschen Juden, die sich nicht zur Anschauung des Centralvereins bekennen, müssen es ablehnen, ihre Jllteressen von ihm vertreten zu lassen, sie lehnen es ab, er.t Schutzjudentum innerhalb des Judentums anzuerkmnen. Damit war die a lgem ine Aulsprache beendet. Es wurde eine Reihe von Aenderungen einzelner Bestimmungen der Verfassung des Preußischen Landesverbandes, die sich auf die Bildung der Ausschüsse und die Satzungen für den liberalen und den konservativen Kultusausschuß, für den liberalen und konservativen Unterrichtsausschuß, für den Wohlfahrtsausschuß und für den Rechtsausschuß beziehen, angenonnnen. Zu den von der liberalen Fraktion eingebrachten Anträgen über die Einbürgerungs- und Staatenlosensrage führte R.-A. Dr. Klee (Volksp.) aus, daß sich die Einbürgerungspraxis gegenüber des Ancien Regime, unter dem die Einbürgerung auch bei Erfüllung der Voraussetzung 20 jähriger ununterbrochener Ansässigkeit auf Schwierigkeiten stieß, wesentlich gebessert habe. Der Redner hob die dankenswerte Praxis des preußischen Innenministeriums unter Leitung des Ministers Severing und Grzesinski hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Widerstände gegen die zuletzt geübte Einbürgerungspraxis, wie sie insbesondere von Thüringen geleistet werden, überwunden werden würden. An der Verzögerung der Erledigung der Einbürgerungsgesuche seien in der Regel nicht die preußischen Staatsbehörden, sondern die früheren Heimatsgemcinden der Einzubürgernden schuld. Rabbiner Rosenthal-Köln (kons.) sprach über die Schwierigkeiten der Beschaffung von Heiratspapieren für Staatenlose und Ausländer und ine hierdurch bedingte große Anzahl illegitimer Ehen und Kinder. Ein von Alfred Berger begründeter Antrag der Volkspartei, die Mitgliedszahl des Wohlfahrtsausschusses von 9 auf 12 zu erhöhen, wurde abgelehnt. Die daraufhin vorgenommen cn Wahlen in den Haushaltsausschuß und in den ständigen Ausschuß des Verbandstages ergaben folgendes Resultat: Haushaltsausschuß, Liberale: Franken, Ehrlich, Frau Ollcndorff, Gach, M. Abraham. Felsenthal, Galliner, Charig, Lazarus. Volkspartei: Alfred Berger, Dr. Emmerich, Kareski, Dr. Altschul, Isidor Bach. Konservativ: Fraenkel. Ständiger Ausschuß: Liberale: Dr. Breslauer, Dr. Holländer, Ollendorsf, Jacoöi-Köln, Tr. Bruno Weil, R.-A. Seligsohn, Rabbiner Weyl, Merzbach-Frankfurt, Cohn-Hildesheim. Volkspartei: Dr. Altschul, Berger, Benario, Hans Goslar. Mittelpartei: Professor Dr. Sobernheim, Konservativ: Rabbiner Horovitz. s f Aussprache über die Mrtschafisnok Am Montag, dem 23. März, 10.45 Uhr vormittags, eröffnete der Vorsitzende Heinrich Stern den zweiten Sitzunostag der Laudesversammlung und kündigte an, daß s das Plenum den ganzen Tag ohne Pause tagen wird. Direktor Georg Kareski stellt im Geschäftsordnungsweg den Antrag, die allgemeine Aussprache wieder zu eröff-

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