Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 11 (1931)
- Issue
- 11 (18.3.1931)
- Date
- 1931-03-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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In dem Entwarf eines Gesetzes über öffentlich-rochtlichen Religionsgesellschaften, wie er mit verschiedenen Abänderungsvorschlägen nunmehr dein neuen Landtag vorliegt, spielt u. a. das Dienststrafverfahren für Rabbiner, Lehrer und Beamte der sächsischen israelitischen V.eligionsgemcinden eine Rolle. Hierzu ist es notwendig, den Begriff „Beamter" erst einmal einwandfrei feftzustellen, da hierüber Meinungsverschiedenheiten — auch infolge brrsüqedener Handhabung hei den einzelnen Gemeinden selbst - herrschen, wird eine Kommission gewählt, eine allgemein gültige Formel für den Begriff des jüdischen Beamten zu finden. — Ein Fall von Kirchenaustritt in Mecklenburg hat eine R c i ch s g e r i ch 1 s e n 1 s ch e i d u n g hervorgerusen dahingehend, daß, wer aus der Gemeinde austrete, trotzdem Jude bleiben könne. Der sächsische Standpunkt ist bekanntlich ein ganz anderer, und an ihm soll trotz des Urteils dieser höchsten Instanz so lange sestgehalten werden, bis etwa das Reichsgericht selbst das für Sachsen maßgebende Sächsische Kirchenaustrittsgesetz ausdrücklich außer Kraft setzt; dies dürfte aber nachdem neuen Gesetzentwurf kaum der Fall sein. — Für einen wesentlichen Ausbau des Religions st euere ech t s tritt die Gemeinde Plauen ent. Herr Heimann Uat sich damit sehr eingehend befaßt; es wirb beschlossen, firn Referat zu vervielsältigen und in einem Arbeitsausschuß zusammen mit'den anderen Kirchengemeinden (mit welchen uns ja überhaupt viele gemeinsame Verwaltungsinteressen in Bezug aus das neue Gesetz verbinden), darüber zu beraten, welche neuen, unbedingt notwendigen Stenerquellen erschlossen werden können. Betr. des vom Verband übernommenen Ariowitsch- Heims erfolgen nunmehr, da das Ministerium die Stiftungsurkunde genehmigt hat, die Wahlen zum Kuratorium. Ferner wird gewünscht, daß die schon mehrfach in Aussicht bestellte Eröffnung bald erfolgt und daß so einengende Bestimmungen fallen wie die, daß genau je zur Hälfte Männer und Frauen ausgenommen werden sollen und daß die Aufnahme erst ab 60 Jahren in Betracht kommt. — Betr. des noch immer drohenden Schächtverbols wird einmütig, ohne daß eine nochmalige Verständigung erfolgen soll, die Klage beim Staatsgerichtshos beschlossen, falls das Verbot kommt. — Schließlich! wird noch kurz über den Stand der Verhandlungen zur Gründung des „ReichsVerbandes der deutschen Juden" gesprochen und hierzu vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß Sachsen sich bereits für den Reichsverband ausgesprochen hat unter Anschluß an die sogenannte süddeutsche Richtung, welche im Gegensatz zu Preußen (Richtung Freund) mit einem wesentlich kleineren Gremium und infolgedessen nicht nur viel erfolgreicher, sondern auch sparsamer zu wirtschaften gedenkt. Dr. R. E. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Am 15. Februar b. Js. traten in München Rat und Tagung yes Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, ferner Rat und Ständiger Ausschuß der Tagung und schließlich Rat, Ständiger Ausschuß and Finanzausschuß zu einer Sitzung zusammen. Rat und Tagung waren zu dem Zweck einberufen, um einen gemeinschaftlichen Antrag der Fraktionen auf Verlängerung der laufenden Wahlperiode zu verabschieden. Da es sich um eine Aenderung ser Verfassung handelt, zu der nach den Satzungen die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitgliieder des Rats und zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder der Tagung erforderlich sind, waren die Parteien überein gekommen, daß zur Ersparung von Kosten nur die aus Anlaß oer Sitzung des Ständigen Ausschusses der Tagung und des Finanzausschusses einberuseueu Mitglieder der Tagung an der Versammlung teilnehmen sollen. Die in dieser Weise zusammengesetzten Berbandskörperschaften haben nun mit der erforderlichen Mehrheit auf Grund oes gemeinschaftlichen Antrags der Parteien beschlossen: „In Abänderung der 5 und 15 der Berbandsverfassung wird der gegen wärtige Wahlabschnitt für die Mitglieder der Tagung und des Rats bis znm 1. April 1932 erstreckt." Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Damit ist dem Wunsche Rechnung getragen, in der gegenwärtig politisch und wirtschaftlich überaus ernsten Zeit von NeuwaPen abzusehen. In der Sitzung des Rats und des Ständigen Ausschusses der Tagung wurde im Anschluß an die Verordnung des Reichspräsidenten oom 1. Dezember 1930 und die Verordnung des bayerischen Gesamtministeriums vom 31. Dezember 1930 die Kürzung der Gehälter der Beamten und Angestellten behandelt. Der Präsident des Rats, Obersttandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, stellte fest, daß die Gehaltskürzungen aus die Religionsgesellschaften Amocudung finden, toenn diese die Kürzungen beschlichen. Er erklärte, daß die Staatsregierung die Durchführung dieser Kürzungen erwarte. Seinem. Antrag entsprechend wurde die Vornahme der Kürzungen ab 1. Februar 1931 für die Berbandsbcamten und -Angestellten angenommen und weiter beschlossen, sah der Verband bei den von ihm gewährten Zuschüssen zu den Besold vungs- und Versorgungsbezügcn der Beamten der leistungsschwachen Gemeinden und Rabb matsbezirke ab 1. Februar 1931 die um 6«/o gekürzten Bezüge zugrundelege. Dabei sollen diejenigen Beamten und Angestellten, die gegen die Kürzung eine Rechtsvcrwahrung nicht eingelegt haben, für den Fall der Ungültigkeitserklärung der zugrunde^ liegenden Verordnungen denjenigen Beamten gleichgestellt rverben, die eine solche Verwahrung erhoben haben. Ju der Versammlung nmrde alsdann außerhalb der Tagesordnung ein von Kommerzienrat Weil-München gestellter Antrag als Dringlichkeitsantrag belanntgegeben, nach dem der Ständige Ausschuß sich heute bereits mit dem Etat befassen und ihn endgültig verabichicden solle, da die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eine offizielle Tagung, dir in Nürnberg stattsinden sollte, nicht zweckdienlich erscheinen ließen. In der Aussprache wird allgemein anerkannt, baß die wirtschaftlichen Verhältnisse mit Tagung in der hergebrachten Form mit Eröffnungsakt und Festabend nicht gestatten würden, daß man allenfalls zu einer rein geschäftlichen Tagung nochmals Zusammenkommen könne, daß es aber zweckmäßiger sei, wenn der Ständige Ausschuß heute schon in die Beratung des Etats eintrete und ihn wenn möglich verabschiede. Jedenfalls solle im Interesse der Kostenersparnis von einer ossrziellen Tagung Abstand genommen werden. Der Rat überwies darauf die Beratung über den Voranschlag 1931 der Beratung des Ständigen Ausschusses, der in die Beratungen emzutrcten beschloß, sich jedoch für den Schluß der Sitzung die Stellungnahrne vorbehielt, ob er sofort den Etat verabschieden oder ihn einer neuerlichen Beratung unterstellen wolle. Nach eingehender Beratung wird weiter beschlossen: 1. In Zujchußgemeinden darf eine Neubesetzung von Beamtcnstellen nur mit Genehmigung des Verbandes erfolgen. Bor Abschluß eines Anstellungsvertrages sind die Verhandlungen mit den Bewerbern dem Verband zur Genehmigung vorzulegen. Die Genehmigung hat sich auf die sachlichen Bestimmungen des Vertrages zu beschränken. Der Verband lann bestimmen, welche Tarisstelle des Beamtenbesoldungsge' setzes als Höchstgrenze für die Neuanstellung in Anwendung zu kommen hat. 2. Hat ein Beamter die Dicnstaltersgrenze erreicht, so darf in Zuschußgrmeinden eine Verlängerung des Dienstverhältnisses zwischen der Gemeinde und dem Beamten nur init Genehmigung des Verbandes vereinbart werden. 3. Die gleichen Grundsätze gelten für Zuschußdezirke. Zuschußbezirk ist derjenige Rabblnatsbezirk, der einen höheren Berbandszuschuß erhält, als durch Beschluß der Berbandskollegieu für alle Rabbi-natÄbezirke gewahrt wird. Die Beschlüsse bezwecken, daß der Verband in den Fällen, in denen er zu Besoldungen Zuschüsse gewährt, auch Einfluß aus di« durch Anstellungsverträge sich ergebende materielle Belastung der Gemeinden und die Höhe seiner eigenen Zuschüsse nehmen kann. Nach einem eingehenden Bericht des Präsidenten des Rats über die Schächtsrage wurde zur Prüfung und Genehmigung der Jahresrechnung 1930 und zur Beratung des Etats 1931 übcrgrgangcn. Die Jahresrechnung 1930 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 678 938,01 Mark. Anstelle des am Erscheinen verhinderten Schatzmeisters Kammerzienr.f Roscnzwcig erstattete Justiz rat Dr. Strauß Bericht. Er führte «tg, daß der Staatszuschuß für das Jahr 1930 infolge dev schwierigen Finanzlage des Staates um 10 000 Mark gekürzt worden sei und daß noir den hierdurch verbleibenden 60 000 Mark 47 500 Mark bisher zn Auszahlung gelangten. In der Ausg,penseitc seien die Positionen Besoldungszuschüsse und soziale und kult^elle Aufgaben etwas überschritten worden, vor allem deshalb, weil die Sparmaßnahmen des Vorjahres sich nicht auf das ganze Jahr hätten -»uswirken können. Immerhin seien die Miirdereinnahme des Strats^schusses und die erwähnten Mehrausgaben dadurch ausgeglichen, dap Einnahmen aus Landesumlagen ca. 21000 Mark mehr ergeben hcweu, als im Voranschlag 1930 angenommen worden sei. Darum bctr^ per Fehlbetrag nur 10181 Mark, sodaß mit den Außenständen sedch unter Berücksichtigung der Verbindlichkeiten gegenüber den Fonds, die Ausgaben und Einnahmen ungefähr ausgeglichen werden konnten. Die Jahresrechnung 1930 wurde einstim,«ig genehmigt. Desgleichen die Abrechnungen über den Bersorgungsfoiks uiid den LandestoohlfahrtSfonds. Justizrat Dr. Strauß berichtete alsdann über \ie Grundsätze, die der Aufstellung des Voranschlages 1931 zugrunde gelegt worden seren. Man habe bei der Etataufstellung von dem voramsichtlichen Mindereingang an Umlagen ausgehen müssen. Hier irgendwelche sicheren Berechnungcn anzustellen, sei nicht möglich. Aus gewissen Erfahrungen heraus sei anzunehmen, daß der Umlagerückgang, *et bereits im vor igen Jahre erheblich gewesen sei, etwa 100 000 Man betragen werde, sodaß man statt mit 260 000 Mark Umlagen aus dem Jahre 1930 im Jahre 1931 mit 420 600 Mark rechnen könne. Die fehlenden 100 000 Mark müßten nach Möglichkeit durch Einsparungen in den Ausgaben hereingebracht werden. Hier sei zunächst eine Herabsetzung bei dm Desoldungszuschüssm vorgesehen und zwar um 28 000 Mark, die durch die 6<>/oige Gehaltskürzung ermöglicht werde. Weiterhin seien die Bauzuschüsse auf 10 000 Mark, das ist auf eigentliche Notausgaben beschränkt. Die Aufwendungen für soziale und kulturelle Ausgabm habe man entsprechend dem Verhältnis der Mindereinnahmen um ca. 20% gekürzt. Mit all diesm Sparmaßnahmen loerde abcr nur «ine Minderung von 60 000 Mark erreicht, sodaß noch 40000 Mark zu decken blieben. 20 000 Mark würden durch Einbeziehung des Betriebsfonds erzielt; es bliebe daun noch ein Fehlbetrag von 20 000 Mark, für den keine Deckung da sei und der aus dein Landeswohlfahrtsfonds genommen, werden müsse. Erhöhe sich der Fehlbetrag, so sei ein« größere Entnahme aus dem Landeswohlfahrtsfonds erforderlich. Es sei unter den gegebmen Verhältnissen jedenfalls nur auf diese Weise möglich, den Etat aufzustellen. Die Grundsätze der Budgetaufstellung wurden sowohl vom Rat wie vom Ständigen Ausschuß der Tagung und dem Finanzausschuß gebilligt. Alsdann wurde in die Beratung der einzelnen Positionen eingetreten. Zu der Einuahmmfeite des Voranschlags wurden ernstliche Bedenken geäußert, ob die Umlageneingänge den angesetzten Betrag von 420 000 Mark erreichen würden. Die Mehrheit der Kollegien neigte jedoch der Meinung zu, daß man den eingesetzten Betrag von 420 000 Mark belassen und etwaige Fehlbeträge aus dem Landeswohlfahrtsfonds decken solle, da es sonst unmöglich sei, einen Voranschlag aufzustellen, der der Not der Zeit einigermaßen Rechnung trage. Auch mi,t der Hinübernahme des Betriebsfonds in dm ordentlichen Etat 1931 erllarten sich die Kollegien einverstanden. Hinsichtlich der Ausg-abeposten wurde sestgestellt, daß diejenigen Positionen, die rechtliche Verpflichtungen des Verbandes darstellten, nicht gekürzt werden könnten. So ergab sich, daß Einsparungen nur vorgenommen werden konnten: 1. an den Besoldungszuschüssen, 2. an den Bauzuschüssen und 3. an dm Ausgaben für soziale und kulturelle Aufgaben. Die Minderung an dm Besoldungszuschüssen ist im wesmtlichen ermöglicht durch die 6%ige Gehaltskürzung und die im vorigen Jahre beschlossen« Verringerung der Zuschüsse an leistungsschwache Gemeinden, die sich erst in diesem Jahre voll auswirkm. Es konnte aus diese Weise eine Einsparung von 28 000 Mark erzielt werden. Der Posten für Bauznschüsse wurde auf 10000 Mark herabgesetzt, wobei beschlossen wurde, nur die dringlichsten Baumaßnahmen, auszuführen, sei eS, daß eine amtliche Bauauflage vorliegt, oder daß die Verhältnisse die Beseitigung eines unmittelbaren Notstandes erforderlich erscheinen lassen. Die Ausgabm für soziale und kulturelle Ausgaben wurden grundsätzlich um etwa 20% herabgesetzt. Gestrichen wurdm als weniger dringlich die Bewilligungen für die Erholunigsfürsorge. Größere Einsparungen wurden schließlich bei dem Posten Inventarisation jüdischer Kunstdcnkmäler und Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeiten gemacht, da Aussicht besteht, daß die hierhertresfenden Ge Haltsausgaben zum Teil von dm übrigen süddeutschen Verbänden mit übernommen werden. Bei diesen allgemeinen Abstrichen wurde der ebenfalls in Höhe von 20% vorgenommene Abstrich für die Lehrerbildungsanstalt Würz bürg besonders schmerzlich empfunden. Die Kollegien haben deshalb beschlossen, daß die Kürzung in der Höhe von 10% wenn möglich dadurch ausgeglichen werdm solle, daß diejenigen Mittel, die für Tagung, Rats- und Ausschuß-Sitzungen im laufenden Jahre nicht benötigt würden, der Lehrerbildungsanstalt zugute kommen. Die sozialen Ausgaben wurden alsdann in der Gesamthöhc von 173 100 Mark genehmigt, ebenso die übrigen Posten. Nach Abschluß der Einzelberatungen erllärte der Ständig« Aus schuß, in die Beschlußfassung über den Voranschlag 1931 eintreten zu wollen. Er nahm den Voranschlag, wie er in der letzten Nummer der Gcmeindezeitung abgedruckt ist, einstimmig an. Auch im Rat fand dieser Voranschlag einmütig Billigung. Es wurde weiterhin von Rat und Ständigem Ausschuß «in stimmig beschlossen, von einer allgemeinen Tagung in diesem Jahre abzusehen. Der Umlagensatz wurde in Tkz bisherigen Höhe von 3o/o festgesetzt. Ein Antrag des Justizrats Dr. Hommel auf Erhöhung des Umlagensatzes fand im Stüiüngen Ausschuß nicht di« erforderliche Mehrheit. Der Rat ist dem Beschluß auf Erhebung einer 3%igen Landesumlage in seiner Eigenschaft als Steuerverbandsvertretung bei getreten. Nach Behandlung mehrerer Rechtsfragen im Rat konnte die Sitzung um 6 Uhr geschlossen werden. Sie hat es ermöglicht, daß in diesem Notjahre di« Geschäfte deS Verbandes auf Grund des mit großer Vorsicht ausgestellten Etats durchgeführt werden können, ohne daß es einer nochmaligen Einbe> rufung der Berbandskollegien bedarf. So sehr im allgemeinen Wert darauf gelegt werden muß, daß die Tagung regelmäßig Zusammentritt, so wird es in dieser wirtschaftlich und politisch so überaus schwierigen Zeit doch wohl allseits verstanden werden, wenn die nicht unerheblichen Kosten für eine große BersammluuH in diesem Jahr« vermieden werden. Die nächste Tagung wird darum nach Beendigung der gegen wart igen Wahlperiode im Frühjahr 1932 zusammentreten. Tagung des Preußischen Landesverbandes Die diesjährige Tagung des neu zusammengesetzten Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden findet am Sou«- tag, dem 22. und Montag, dem 23. März 1931, statt. Die Sitzung am Sonntag beginnt um 12 Uhr mittags. Die Verhandlungen sind öffentlich. Zuhörerkarten find im Büro des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Berlin- Charlottenburg, Kantftraße 168, zu erhalten. Aus den Gemeinden Dortmund. (Wohltätigkeitskonzert.) Zum Besten der Wohlfahrtspflege innerhalb der hiesigen Gemeinde fand am 6. März unter Leitung des Organisten der Synagoge, Herrn Gerard Bunk, ein Wohltätigkeitskonzert in der Synagoge statt. Außer Herrn Bunk, der zu den führenden Organisten Westdeutschlands gehört, wirkten mit die Damen Fran Else Koppel, Sopranistin, und Frau Lili Röttgen, Altistin, beide aus Bochum, und der Oberkantor der Kölner Gemeinde, Herr F l e i s ch m a n n; dazu der verstärkte Synagogenchor unter Leitung von Herrn Erich Hör n. Es waren überaus hohe künstle rische Leistungen, die von sämtlichen Mitwirkenden geboten wurden: alles in allem — sagt der Musikreserent einer hiesigen Tageszeitung — „ein sehr bekömmlicher Abend!" — Ob das auch für den materiellen Erfolg zu sagen ist, kann bei dem nicht gerade allzu starken Besuche augezweiselt tverden. Dir „Fehlenden" sollen durch andere lokale Veranstaltungen verhindert gewesen sein (!?). Hamburg. (Vergrößerung des Krankenhauses der D e u t s i s r a e l i t i s ch e n Gemeinde.) Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg hat ihr Krankenhaus um 111 Betten erweitert. Der Vorsitzende der Verwaltung, Dr. F. M.. Marburg, wies in seiner Begrüßung daraus hin, daß das Krankenhaus Angehörigen aller Bekenntnisse zur Verfügung stehe. Gerade di« Bevölkerung St. Paulis hat die Vorteile dieses Krankenhauses oft in Anspruch genommen, wofür ein Vertreter der protestantischen Kirche noch besonders dankte. Der Neubau enthält die modernsten Einrichtungen, wsi Zander-, Röntgen-, Diathermieinstitut und Höhensonne. Kaiserreich. (Persönliches.) Die Eheleute A. Mayer und Frau begingen das Fest der goldenen Hochzeit, an dem auch die nichtjüdische Bevölkerung den lebhaftesten Anteil nahm. Die katholischen Vereine brachten dem Jubelpaar Ovationen dar, und auch der Kirchenchor saug vor dem Hause mehrere Lieder. Der Gemeindevorsteher betonte die konfessionelle Eintracht der Ortseingesessenen und überbrachtdie Glückwünsche der Ortsvertretung. Lehrer Götzosf aus Cochem hielt eine gottesdienstliche Feier ab; an einer häuslichen Feier nahm auch der Dechant Sauer teil. Lehrer Götzosf sprach seine Genugtuung über die Eintracht in der Gemeinde aus, Bürgermeister Trilsbach gratulierte namens des Landrates und der Regierung. Kassel. (Sitzung des Ael te ste n- Kol leg i u m s.) Ju der letzten Sitzung berichtete Rechtsanwalt Dalberg über «ine Sitzung der Zentralwohlfahrtsstelle, die von fast allen Mitgliedern besucht war. Zur Beratung standen Organisationssragen. Namhafte Beträge gelangten an bedürftige Familien zur Verteilung. Es »ourde betont, daß die Versorgung mit Mazzoth in diesem Jahre wesentlich höhere Beträge erfordere. In längerer Aussprache beschäftigte sich das Kellegium mit der durch die Veränderungen in der Volksschule akut ge- »vordewen Frage der Anstellung neuer Lehrer. Auf eine Anfrage über die Dauer des Rechnungsjahres wurde darauf hingewiesen, daß nach der kurhessischen Verordnung von 1823 nur das Kalenderjahr in Frage komme. Die Gehälter der Beamten und die Vorbesprechung über die Weiterberatung der Friedhofskommission gaben Anlaß zu regem Meinungsaustausch. Die Gesuche des Elternbeirats der Volksschule betr. hygienis-che Reformen wurden Reg.- und Baurat Siche! zur Begutachtung unterbreitet. Ueber die noch zu leistende Zahlung des Restbeitrags zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wurde Beschluß gefaßt. Eim von der Zentralwohlfahrtsstelle in Berlin eingercichter Fragebogen betr. die Verhältnisse innerhalb der Gemeinde wurde eingehend erörtert. Bezüglich der Steuerakten wurde bvchlossen, daß nach dem Dezernenten das gesamte Kollegium von dem Inhalt Kenntnis nehmen soll. In längerer nichtöffentlicher Sitzung wurden 'Personal- und Steuersragen beraten, auch standen interne Angelegenheiten zur Debatte. Rbnissberg. (Ehrung für Geheimrat Fallenheim.) Anläßlich seines goldenen Doktorjubiläums wurde dem Vorsitzenden der Synagogengememde Königsberg, der auch liberales Ratsmitglied des Preußischen Landesverbandes ist. Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Hugo Falkenheim, vom Preußischen Wohlsahrtsminister die Staatsmedallle für Verdienste um die Volksgesundheit in Bronze verliehen. Der Minister wies in einem Schreiben auf die großen Verdienste Falkenheims, insbesondere auf dem Gebiet der Säuglings- und Klemkinderpflege, hin. Regierungspräsident Dr. von Bahrseldl überreichte dem Jubilar die Medaille. Schwäbisch-Emünd. (Persönliches.) Auf eine fünfzigjährige Lehrtätigkeit blickte Lehrer Uhlmann zurück, der drei Jahrzehnte der Gemeinde als geistiger und seelsorgerifAr Führer wertvolle Dienste geleistet hat. Vom Israelitischen Oberrat Württembergs wurde dem Jubilar, der sich bei der gesamten Ortsbevölkerung großer Sympathien erfreut, eine Ehrenurkunde als sichtbarer Beweis besonderer Wertschätzung überreicht. Neues vom Große« .Brockhaus. Wie wir soeben erfahren, wird der achte Band dieses größten volkstümlichen deutschen Nachschlrgetverks Ende März d. I. erscheinen. Er wird alle Stichwörter um fassen, die mit dem Buchstaben H beginnen. Wir kommen nach Erscheinen des Bandes au dieser Stelle darauf zurück. Aus der Bewegung Berlin. (Neuwahl des Vorstandes der Bezirksgruppe Halensee-Gruncwald.) Am Donnerstag, de« 5. März, fand in der Konditorei Leon, Kurfürstendamm 155-56, eiue Mitglieder-Versammlung der Bezirksgruppe Halensce-Grnwewald deS Liberalen Vereins statt. ES wurde der Vorstand der Bezirksgruppe in folgender Besetzung gewählt: 1. Vorsitzender: Landgerichtsrat Dr. Martin Lesser, 2. Vorsitzender: Moritz Steinitz, 3. Vorsitzender: San.- Rat Dr. Goldbaum. Schriftführerin: Frau Jenny Goldbaum. Beisitzer: Rechtsanwalt Dr. Auerbach, Benno Becher, Carl Fuchs, Alfred Jaulus, Leo.Ilsen, Dr. Reichmauu, Ignatz Schwersenz, Paul Schlomc, Frau Fanny Steinitz, Leo Steinitz, Frau Toni Steinitz, Alfred Vogel. — Im Anschluß daran hielt Herr Landgcrichtsrat Dr. Lesser einen mit regem Interesse aufgenommenen Vortrag über das Thema: „Nach den Wahlen", der zu einer lebhaften Diskussion Anlaß gab. Berlin. (Liberaler Verein für dir Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.) Die neugegründete Bezirksgruppe Nord osten hatte ihre Mitglieder und Freunde der liberalen Sache am Sonnabend, dem 14. März, zu einem geselligen Abend ringelnden. Dem Rufe wurde so zahlreich Folge geleistet, daß der Plenarsaal im II. Verwaltungsgebäude der Geschöftttches Ist das Zimmer noch jo Flein, Blume» feilen drinnen fetal! Zu deu Kennzeichen des wirklich kultivierten Menschen zählt zweifelsohne auch die Liebe zu den Blumen. Auch das Wohnen in der düsteren Mietskaserne gewinnt einen Anflug von Gemütlichkeit, wenn die Kinder Floras ihr Dasein bekunden. Die Liebe zur Natur kann daher wohl nicht besser geweckt und angeregt werden als dadurch, daß man sich selbst mit der Anzucht von Blumen befaßt und Sein, Werden und Vergehen dauernd beobachtet. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, einen Garten sein eigen zu nennen. Jndeß verfügt jeder über ein Fensterbrett oder gar einen Balkon, Ampeln Basen, wo man mit meinen weltberühmten Tiroler Gebirgshängvnelken und Calestegia gen. Balkonröschen ein reichen, dankbar blühend«» Blumenflor mit bescheidenen Mitteln erzielen kann.