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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-18 · 11 (18.3.1931) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
11 (18.3.1931)
Date
1931-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Gemeinde in der Rosen straße die Erschienenen kaum zu fassen vermochte. erner kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden der Grupp«. Bruno Selberberg wurde ein reichhaltiges künstlerisches Programm ^boten. Herr Gad Shelaso brachte Rezitationen aus dem biblischem Vchrchtum: Hwbs glückliches Leben und plötzliches Mißgeschick und tie Friedensverheißung Jesajas in Uebersetzungen meisterhaft zu Go «r; von packender Wirkung waren die im Urtext vor««tragencu Stellen aus dem Buche der Psalmen (137) Schnsuchtsschmerzj (6) Bedrängnis. Fräulein Lilli Heinemann sang einige Hteder. Ihnen folgten ernrge Chansons, vorgetragen von Fräulein Dora Gcrson. Wahrend der Kaffeetafel forderte die stellvertretende Vorsitzende. Frau Regina Jsaacsohn, die Anwesenden zu rca^r Mit- §52 * ^iCran ./'ch Vorträge deutscher und Jargon- ^Crnt be» Weißmann. Den hei eren Teil bestritten abwechselnd die Herren Gerhard Gottschalk (Otto Rcutter-Vorträge) und «ad Shelaso (Jargon-Dichtungen). Letzterer beschloß den geselligen Abend-met einem eindrucksvollen Vortrag ans dem Schwalbenbuche »rnst Tollers. D„e gesanglichen Darbietungen begleitete einfuhend Beifal^^^ Epstein. Alle Darbietungen fanden ungeteilten rcichm Abends, die Freunde unserer Bewegung gesellig naher zu bringen, darf durch diese Veranstaltung als erreicht angesehen werdest. Dortmund. (D i s k u s s i o n s a b e n d.) T ic hiesige Ortsgruppe veranstaltete in voriger Woche einen Gemeindeabend, der sehr gut be- Mcht iva«. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen die „Nichtliberaler Gemeindcpolitik" unter Beachtung Dortmunder Ber-- « ^en er^fn Teil, den religiösen, referierte an der Hand «r Richtlmren.Herr RabbincrDr. Appel, zeigte was hier für Gottesdienst, Schule und Religionsunterricht schon geschehen ist, was _^Jocr auch noch dringend der Erledigung wartet. — Das Wirtschaft^ «bei» mit seinen sozialen Forderungen und Nöten schilderte Herr Michatd-Llörsheim, wie die Wohlfahrtspflege einschließlich der --Krankenpflege zeitgemäß auszubauen, wie für die religiöse, geistige Pfleg« oet Jugend und edc.isö für deren wirtschaftliches Fortkommen »n sorgen fei. — Das Referat über den verivaltungstechnischcn Teil hatte Herr Albert H i {n c m a n ir. Seine Ausführungen galten dem Wahlrecht und dem Steuerwesen. Bezüglich des vielumstrittenen Wahlrechtes forbctft unsere Richtlinien: geheimes, direktes, gleiches MaÄrecht — aktives und passives - für alle volljährigen Inden 'Beiderlei Geschlechts, die sich km Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte »esinden. Eine etwaig« Karrens eit (Wartezeit) darf nicht übe «in Jahr ausgedehnt tverbeit. Einführung des Berhältniswahlsysternc — Besteuerung unter Zugrundelegung der Reichscinkommen- I» MÜgenssteper bei Schonung der Minderbemiitelten. Alle j."' fanden lebhaften Beifall, und es schloß daran «»n{. Hafte Aussprache, an der sich die Herren Jacoby, der ^>orsi^ende »nserer Gemeinde, Gustav Döernberger, St<anheim $tau Borreuter fetctn beteiligten. Die versammln.ng, die in Abr^nrheit des ersten Vorsitzenden Herrn ArthurRose.nberg Bön dessen Stellvertreter Herrn Äonrettor a. D. Gold^chmidt trefflicher Weise geleitet wurde, nahm für alle Teilne^^mrr mnen sehr befriedigenden Verlauf. Dortmund. (Ortsgruppe der liberalen Vereint. gnng.) Für Sonnabend, den 14. März, abends, hatte der Vorstand zn einem Unterhaltnngsabend eingeladen, der sehr gur d«sucht war. Di« Räume des Gemeindehauses erwiesen sich als viel zu klein, um Gesinnungsfreunde und Gäste alte zu erfassen. Das Referat des Abends hatte Herr Max Rh6c übernommen, der in einem gut aufgebauten und ausgearbciteten Vortrag über: Markante jüdische Persönlichleiten in der deutschen Wirtschaft sprach. Ausgehend von dem Gründer der Dortmunder Union, Straußberg, nachher Struußberg, führte er über Ludwig Löwe und viele bedeutende jüdische Männer tu der deutschen Wirtschaft des vorigen Jahrhunderts uns zu den allen belannten Wrrtschaftsführern unserer Tage. Seine Darstellung zeigte wieder, daß aus Deutschlands Wirtschafts- und Kulturleben die Juden garnicht wegzudenken sind. Ebenso zwingend, daß die Mehrheit der deutschen Juden, trotz allen Hasses, den sie erfahren, ein ausbauendes und kein zerstörendes Element sind. — Umrahmt war der Bortrag von einigen Gesängen von Schubert und Hiller, die unser Mitglied Frau Herz zum Besten gab. Herr Max Neuberg und Frau Ärrreutcr hatten das Programm für den Abend ausgearbeitet nnd hat Herr N. uns allen durch seine heiteren Borträge angenehme Stunden bereitet und die Jugend uns mit ihrem Gesang und Spiel hehr erfreut. Alles in allem ein sehr schöner, erfolgreicher Abend. — Eine Bitte darf ich hier aussprechen, unsere Mitglieder mögen sich stets bewußt bleiben, daß liberales Judentum nicht weniger Judentum, sondern lebendige Religiösität bedeutet; nicht im Sinne einer toten Vergangenheit, sondern lebendig für Gegenwart und Zukunft. Daß heißt Mitarbeiten an allen jüdischen Aufgaben von unserer Weltanschauung aus. Unsere Glaubensgenossen, die ganz abseits stehen, wieder ju gewinnen, scheint mir eine der größten und schwersten Aufgaben, die wir zu erfüllen haben. Wuppertal-Elberfeld. (Jüdisch-liberaler Gemeinde- Verein, Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum E. V.) Eine nummerisch nur schwach besuchte, intellektuell dafür aber stark interessierte Mitgliederversammlung, die am Donnerstag, dem 12. März, abends 81/2 Uhr, in einem der oberen Logenräume staitsand, nahin ein Referat des liberalen Gemeinde- Repräsentanten, Oberkantor Hermann Zivi entgegen, dessen Thema lautete: „Wie verhalten wir uns zu den Wünschen der Orthodoxie Innerhalb unserer Gemeinde?" Um es gleich zu sagen, die vorgetragene Materie war so stark, daß eine Diskussion einsetzte, die sich in höchst interessantem Verlauf über 1l/-> Stunden ausdchnte, und deren resolutionsmäßiger Niederschlag widerspruchslos im Sinne des Referates erfolgte. Herr Zivi behandelte drei Fragen: 1. die Schechita; 2. die Kaschrut-Kommission; 3. die Mikwö (das Quellbad). Zur Frage der Schechita berief sich der Referent aus das Wesen der Einheitsgemeinde, die, wenn es sich um den Glaubensinhalt weiter Kreise handelt, liberal, d. h. tolerant sein müsse. Die Jrage her ordnungsmäßigen Schechita sei deshalb auch für unsere Gemeinde zu bejahen. Zu verneinen dagegen sei die Frage der Kaschrut Kommission, und zwar aus prinzipiellen Gründen. In den riiuellcn Angelegenheiten der Gemeinde sind nur die Gemeinderabbincr zuständig. Eine übergeordnete, auf ihre Lehrmeinung angewandt« Funktion gibt es nicht. Im Interesse ihrer Autorität muß, da sic beide der liberalen Richtung angehören, verlangt werden, daß die Gemeindevertretung die von orthodoxer Seite beanspruchte Kaschrut-Kommission «blehnt, und es dem Ermessen der Petenten anheimstcllt, ans eigener Kraft das zu tun, was man in ihren Kreisen für nötig erachtet. Eine Ablehnung müsse auch die Mikwö — das Quellbad — erfahren, und zwar aus Gründen, die im Wesen unserer Gemeinde liegen. Innerhalb unserer Gemeinde gibt es kaum noch Leute, die auf das Borhandcnsein einer Milwe zu kultischen Zwecken Anspruch erheben, während im übrigen die hygienischen Einrichtungen so vollendet seien, daß ein Jeder nach seiner Fasson selig werden könne. Um ganz verschwindend Weniger willen eine so kostspielige Sache einzurichten, die für das weitaus überwiegende Gros der Gemeind« gar keine Bedeutung mehr hat, wäre überdies ein frivoles Attentat auf die Steuerkraft der Gemeinde. Dem Ermessen der Petenten müsse «ebenfalls die Anheimstellung zuteil werden, aus eigener Kraft das zu tun, was man in ihren Kreisen in puncto dessen für nötig erachtet. Köln. (Spinoza und per Geist des Judentums.) Die Bereinigung für das liberale Judentum der Synagogengemeind« Johann-Georg- Garagen (am Kurfürstendamm) Johann - Georg - Str. 9/10 Ta:. H 2 an c 5300-9825 Modernster Komfort Äoln und tue Gemein,chift hatten gemeinsam zu «ine« Vortragsabend "ngeladen, der am Samstagabend in der «heinlandlom stattfand. Der Vorsitzende der Vereinigung. Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kaufmann, sprach einleitend über die Politik der Li-beralen m der Gemeinde und im Preußischen Landesverband. Er [21 bie lie veranlaßt hätten, einen Wahlkamps durch Abschluß «no Kompromisses unmöglich zu machen und zeichnete dann m knappen^ Darlegungen die Situation zur Zeit, da der Libehatte, und zur Zeit, da er Minderheitspartei war. Mittoc Erfolge im Sinne der liberalen Auffassung seien drst .^kicht worden, und der Liberalismus habe ferne Macht als Maiontät nicht ausgenutzt. Als solche Erfolge bb.H.jBilbun9 getrennter Kultuskommissioote Begrtlndung der Gemeinschaft und die Durchsetzung ihres F bei der Wahl o«s Gemeindevorsitzenden. Mit besonderer stellte der Redner fest, daß Bereinigung und Gemeinschaft ke- Tonung gebilde des Liberalismus seien, sondern daß sie weite ‘w Sondern sammengehürten. Spaltungslendenzen innerhalb des L'' -«schaulich znlcrneswegß vorhanden. Weiterhin gab Dr. Kaufnw ^ralismus seien auf die zukünftige Politik der Liberalen. Sie «inen Ausblick allen Umständen dem Prinzip der Freiheit gewillt, unter treu zu bleiben und nicht znzulassen, daß ' in religiösen Fragen meinde als einer religiösen und sozialen ** dem Charakter der Ge- Den Hauptvortrag hielt der G Institution gerüttelt werde, für has liberal« Judentum e. V., r Generalsekretär der Bereinigung Thema: Spinoza und der Geist l-.«perr George Goetz, über das hervor, daß er dieses Mal ni" *' Judentums. Er hob einleitend sation darlegen werde, sonbe' offizielle Auffassungen der Organiwissenschaftlichen Ueberzeu>' ** lediglich das Ergebnis seiner privaten gerade' in Köln für nöt- Er habe die Behandlung des Themas, jüdischen Oefscnllichke' 4 erachtet, »veil in den letzten Wochen in der über die Auffassun'' A eine starke Erregung zu verspüren gewesen sei gegangen sei. (?; j bestimmter religiöser Fragen, die von Köln aus- Goltcsbegriffes handle sich im wesentlichen um die Fassung des einer!Einig'- Spinoza und im Judentum. Die Schtvierigkeit Worte ein'- liege in der Unmöglichkeit beschlossen, Wörter und eruieren ventig zu verwenden und den ihnen unterliegenden Sinn zu sichten . Nach einer grundlegenden Betrachtung der verschiedenen An-- gar Aber das Wesen Gottes verficht Goetz die These, daß Spinoza i , nicht der Schöpfer des Pantheismus gewesen sei. Er habe jede >»vlistisch ausgerichtete Weltaussassung abgelchnt, und da der Begriff Pantheismus Dualismus voraussetzc, könne er nicht von Spinoza vertreten »vorden sein. Vielmehr sei man berechtigt, auch bei Spinoza von einem Akosmismus zu reden, wie ihn etwa Hegel gelehrt habe. In diesem Sinne könne sehr wohl Gottheit und Hcrzcnskrast gleichgesetzt iverden. Und es bedeute einen ungeheuren Trost für jeden, der das Absolute in sich selbst vorsinde. Auch innerhalb des Judentums habe eine derartige Auffassung vom Göttlichen durchaus ihren Platz, uud man sei sehr wohl berechtigt, Spinoza einen großen Juden zu nennen. Abschließend verbreitet« sich der Redner über die verschiedenen Richtungen innerhalb des Liberalismus. Er vertrat die Meinung, alle seien berechtigt und müßten gepflegt werden. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine glänzende und geistvolle Darstellung eines der schwierigsten Gebiete der Religion. Königsberg/Pr. (Hauptversammlung den Qrts>- gruppe der Bereinigung für das liberale Judcnt um.) Die Bereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Königsberg, hielt ihre diesjährige Hauptversammlung die von Kaufmann Isidor Fabian geleitet wurde, am 9. März ab. Kaufmann Max Simon referierte über die Finanzlage der Gemeinde und ihre Steuern. Er führte aus, daß die Gemeinde gezwungen sei, durch die zunehmende Proletarisierung weitester Schichten und des dadurch bedingten Steuerausfalls besonders hohe Steuern zu nehmen. An diese Tatsache habe oftmals eine geknüpft, die mit Austrittsdrohungcn aus oer Gemeinde oj^r aus dem Judentum verbunden gewesen sei. Bor au*1 Wßf ^-iien in der Gemeinde viele reiche russische und polnisch« au? ^en 9«kebt, die die Handelsbeziehungen nach Rußland hl» wllT ^hielten. Diese Glaubensgenossen seien .aus Königsberg Ebenso hätte der früher sehr wohlhabende Pferde- und stark ^erstand unter der Wirtschaftslage ungeheuer gelitten. Sehr k Ausfälle habe die Gemeinde auch durch Abgang von verstor- - L«n, verzogenen und ausgetretenen Mitgliedern. Früher seien 1609 Zensiten vorhanden gewesen, jetzt nur 1300. Auch sei ein starkem Geburtenrückgang zu verzeichnen. Auf eine Geburt kämen 2,3 Sterb»'. fälle. Eine besondere Belastung stelle innerhalb des Gcmeindeetats der Gehaltssond von Mk. 149000 dar, da die meisten Beamten vo» früher her lebenslänglich angestellt seien. Auch habe die Anlagr des neuen Friedhofs bisher Mk. J180 000 verschlungen und man »visse noch nicht, ob nicht infolge baulicher Fehler der Halle weitere Ausgaben gemacht werden müßten. Die Not der. Zeit zwinge zu Ab strichen am Wohlsahrtsetat. Auch müßten die Beiträge für dev Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden herabgesetzt »verden. Der Gemeindevorstand habe eine Reihe von Sparmaßnahmen beschlossen. Notfalls müsse der Gottesdienst in der Neuen Synagoge auch ohne Chor vor sich gehen. Von allen Gemeindeeinrichtungen sei lediglich das „Königsberger Jüdische Gemeindeblatt" ohne Zuschuß ausgekommen. Die Erhaltung von drei Synagogen fei für die GemeirL« sehr schwierig. Es müsse darauf gedrungen werden, daß nur eine liberale und nur eine konservative Synagoge bestehen bliebe. Fusionsbestrcbungen zwischen der Alten Synagoge und der Synagoge „Adaß Jisroel" seien im Gange. Doch sei es noch sehr ztveifelhast, ob diese durchgehen würden. Der jetzt vorhandene Steuersatz betrage 21 o/o der staatlichen Einkommensteuer und '40»/0 per staatlichen Vermögenssteuer, wobei Einkommen bis zu Mk. 1800 steuerfrei blieben. Der Finanzdezernent des Gemeindevorstands habe eine Erklärung abgegeben, die dahin geht, die Steuer für das kommende Etatsjahr nicht zu erhöhen. — An den sehr interessanten Bortrag schloß sich eine Diskussion ^rn, an der sich neben dem Vorsitzenden Fabrikbesitzer Lesser Hirsch, Kantor Wollhcim, Justizrat Dr. Lichtensiem, Kaufmann Schlohberg, die Rechtsanwälte Dr. Grumach und Dr. Lichtenstein junior sowie der Referent beteiligten. Nach Schluß der Aussprache fand dke eigentliche Generalversammlung statt, in der der Vorsitzende der wahrend des Jahres dahingegangenen Mitglieder Frau Caroline Levy und Kaufmann Haas gedachte. Darauf erstattete der Schatzmeister de» Jahresbericht, der von einer starken Betätigung der Bereinigung Ausdruck gab, uno den Kassenbericht. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die Neutvahlen wurden bis zur Einberufung einer besonderen. Hauptverfammlung im Herbst vertagt. Vereinsnachrichten Verein Reue Synagoge. Vortragsabend am 24. März, abends 8 Uhr, in der Ressource, Oranienburger Straße 18. Thema: Seder-» gebrauche und Sedergesänge. Vortrag: Rabbiner Dr. Blumenthal. Gesang: Oberkantor Äollanin. Gäste willkommen. Eintritt frei. Eyvagvgett-Konzrrt. Am Sonntag, dem 22. März, abends 7.39 Uhr, findet in der Synagoge Lindenstraße zum Besten der Wohlfahrt des Bezirkes ein Festkonzert statt. Ihre Mittvirkung haben zugesagt: Irene Triesch, Irene Eisinger (Staatsoper), Hermann Schey, Manfred Lewandowskr, Fel. Rob. Mendelssohn, Alfried Mai. Die Festansprache halt: Rabbiner Dr. Warschauer. Preise der Plätze: ü, 3, 2, 1 Mark in den Warenhäusern der Firma Hermann Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz, Belle--Alliance-Straßc, Kottbusserdamm, ü» ff. d. W., im Plätzebüro der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße, und in der Synagoge Lindenstraße 48—50, Zimmer 8. Aus der Jli-Vewegung! Veroalworll.: Arbeitsgemeinschost jüdisch-liberaler )ugendverei«e Deatfchlaud» k Redaktton: Dr. Lllea LMmaun, Berlin f Verletzung religiöser Empfindungen Bon Martin Glaß. Nach Zeitnngsmeldungen ist für das Land Thüringen die Aufführung des Films „Die Drergroschenoper" vom thüringischen Innenminister verboten worden. Gleichzeitig ist bei der Filmoberprüfsielle der Widerruf der Zulassung des Films für das ganze Reich beantragt. Diese Tatsache bietet an sich keine Ueberraschung, steht sie doch mit der herrschenden kulturellen Tendenz in Thüringen in vollstem Einklang. Verwunderung muß aber Hervorrufen, daß der Antrag u. a. damit begründet ist, daß der Film religiöse Empfindung verletze. Man kennt Brecht, den Neubearbeiter des alten englischen Stoffs, dessen Einfluß auch auf die Verfilmung unverkennbar ist, als politisch und kulturell linksradikal und als reichlich extravagant auf künstlerischem Gebiete. Der unbefangene Beschauer muß aber zuerst förmlich suchen, um in dem Film Szenen zu entdecken, die die religiöse Gefühlswelt berühren und die vielleicht religiöse Empfindungen verletzen könnten) Daß ein Pfarrer, Hochwürden Kimball, eine lächerliche Rolle svielt — er wird gezwungen, auf einer Banditen- Hochzeitdie Trauungshandlung norzunehmen —, dürfte wohl kein zureichender Grund für Verletzung religiöser Gefühle sein, sonst müßte man schließlich noch Wallenfteins Lager verbieten, und das kann hoch gewiß nicht im Sinne -er Urheber des Verbots sein. Bedenklicher könnte eine andere Szene fein: Peachum, Bettlerkchn.g von London, entwickelt seine Geschäftsmetbode. Grauenerregend ausgemachte Gestalten erhalten Schilder, auf denen sich Bibelsprüche befinden (Gib und dir wird gegeben usw.), um damit das menschliche Mitleid zu erregen. So wird aus der Armut Kavital geschlagen. Es wäre aber grundfalsch, dies als Verhöhnung der heiligen Schrift auszufassen. Nicht die Zitate selbst, sondern ihre Adressaten sollen durch diese Darstellung gebrandmarkt werden. Erst bringen die Menschen die Schwachen ins Elend, so sagt Peachum selbst, und dann können sie das Elend nicht sehen, suchen sich daher durch Almosen zu erleichtern. Sinn dieser Szene ist also Kritik der Gesinnung des Almosengebcrs, der nicht, um eine sittliche Pflicht zu erfüllen^ (Almosen-Zedokoh), sondern um sich von körperlichem und seelischem Unbehagen zu befreien, seinen Penny in den Hut wirft. Oder sollte vielleicht der dröhnende Einleilungschor verletzend auf religiöse Gemüter gewirkt haben? „Erft kommt das Fressen, dann kommt die Moral!" Unzweifelhaft ein kräftiger Ausdruck, aber ins Leben der Völker übersetzt ergibt sich daraus ein Satz, dessen Wirkung augenblicklich ungleich größer ist als alle religiösen Lehren. Da heißt es nämlich „Right or wrong, my country", und das dürste den Urhebern des Verbots doch gar nicht so unsympatisch sein. — Aber dieser Satz kann nicht als gegen die Religion gerichtet aufzufassen sein, sondern nur gegen diejenigen ihrer Anhänger, die die Religion in Erbpacht zu haben glauben und darüber ihre dringendsten religiösen Pflichten vergessen; .nur aus diesem Widerspruch kann sich dieser materialistische Satz entwickeln. Und damit rührt er an die Tatsache der menschlichen Unvollkommenheit, die doch die Grundlage jeder Religion bildet und die nicht laut genug gepredigt werden kann. Man kann nicht behaupten, daß die Dreigroschenoper religiöses Empfinden verletzt. Sie stört die Selbpzufriürenheit aus ihrer Ruhe auf; aber die Religion ist ja auch nicht die Ruhe, sondern die ewige Aufgabe. Das Ili-Programm Berlin. Gemeinsame veranstaltmrge«. Freitag, den 3. April biz Montag, drn 6. April: Fahrt nach BIvmeathal—Chori«. Kosten: ungefähr 12,— Mk. Anmeldungen umgehend an Marti« Glaß, Zehlendorf, Am Lappjagen 11. Sonntag, den 22. Marz, Tressahrt mit dem Potsdamer IN. Treffen: 9.30 Uhr Bahnhof Lharlottenlmrg, Ausgang Stuttgartep Platz, »der 10.00 Uhr Bahnhof Wanusee. Führung: Helmut Salliuer. Aeltercngruppe. Der Helmabend am Donnerstag, dem 19. März, wird verlegt auf Donnerstag, den 26. März, abends 3.30 Uhr, bei Ellen Littmann. Reue Kantstratze 6. Panlow.Osten. Heimabend am Donnerstag, drm 19. März, abends 8.15 Uhr, dkl Ilse Cohn, Schönhauser Allee 132. Thema: P'aton, Phaidou. Oliva und Nen-Charlotteaburg. Heimabend am Sonnabend, drm 21. März, abends 3 Uhr, bei Herbert Schwarz, Jagowstraßr 43. Thema: Diskussion über den Vortrag von Julius Bab. Kesten. Heimabend am Montag, dem 23. März, abends 8 Uhr, bei Werner Lazarus, Sersenheimer Straße 12. Hermsdors. Heimabend am Mittwoch, drm 13. März, abends 8 Uhr, im Heim, Albrechlstraße 10. Thema: Wassermann, Mein Weg als Deulscher und Jude. Heimabend am Dienstag, dem 24. März, abends 8 Uhr, im Heim, Albrechistraße 10. Thema: Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude. Hermsdors (KLIengruppe). Heimabend am Donnerstag, dem 19. März, nachmittags 6.30 Uhr, im Heim, Albrechlstraße 10. Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 25. März, 20.15 Uhr, Bvrtrag vvu Frau Dr. Else Meidner: „Ueber Werke moderner jüdischer Autoren". — JLngeren-Ernppe: Dienstag, den 24. Marz, 20.15 Uhr, Borkrag von "Heinz Silbermann: ..Chassidismus". Gemeinsame Veranstaltung der Haupt« uud der Jüngeren-Gruppe: Sonntag, de» 22. März,' 11 Uhr, im Saal des Jugendheims: „Morgenfeier". — Jüngsten- Gruppe: Montag, den 23. Marz, 16 Uhr, im Jugendhest«. — Arbeitsgemeinschaften und Stndienkreise sieh« Programm. Frankfurt a. M. Dienstag, dr» 24. März 1931: Al« Jatobfohn: „Die e»igr« Wahrheiten des Judentums". Lirgnitz. Dienstag, de» 24. Mörz: sind, theol. Ullrich Steuer, Brrslaa, spricht über: „Die Stetlung des Judentums unter den geiteeligivne»^ tw Gemeindehaus. Beginn 8.15 Uhr abend».

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