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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-18 · 11 (18.3.1931) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
11 (18.3.1931)
Date
1931-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kreisen das Verhältnis der Iran zum Buch allmählich geändert. Auch hier wurde das Erbauungsbuch durch bas schöngeistige oder allgemein-wissenschaftliche vielfachverdrängt. Gleichlaufend mit der allgemeinen Entwicklung war auch bei der jüdischen Frau das Lebensbedürfnis stärker. Maß und Umfang der Bildung größer geworden, hatte sich auch bei ihr der Kreis der geistigen Interessen wesentlich erweitert. Auch die jüdische Frau war aus ihren verschwiegenen Gemächern herausgetreten in die weite Welt geistiger Beziehungen und. Bindungen. Nun machte sie von der aus Kunst, Wissenschaft, Literatur, Sprachkenntnis und sonstigen Geistsubstanzen hergepellten Mischung, die wir Kultur nennen, ausgiebig Gebraiuh. Einst gab es vereinzelt jüdische Frauen, die das Buch „lernten", hernach gab es ihrer viele, die das Buch lasen, die moderne jüdische Frau aber hatte das Verlangen, nicht nur ausnehmend, sondern auch schaffend das Buch zu pflegen, btö Buch im allgemeinen und das jüdische im besonderen. Das neunzehnte Jahrhundert war reich an jüdischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen, die achtbare Leistungen vollbrachten. Viele unter ihnen schrieben hauptsächlich oder u. a. jüdische Bücher, nämlich Bücher jüdischen Inhalt. Wir nennen hier bloß: Fanny Lewald, Rahel Meyer (Verfasserin des Romans ,Ln Banden frei"), Johanna Goldschmidt (schrieb „Rebekka und Hlmalia. Briefwechsel zwischen einer Jsraeütin und einer Aderigen über Zeit- und Lebensfragen"), Lina Morgenstern; Rachel Morpurgo, Eugenia Pavia; Judith Montefiore, Grace Aguilar, Anna Goldsmid; Julienne Bloch (Verfasserin der im Univers Jsraelite erschienenen „Lettres d'une Parisienne"). Ebenso wie bei der literarisch tätigen jüdischen Frau war auch die jüdische Literaturfreundin, die gewöhnliche Leserin, aus ihrer früheren Begrenztheit herausbetreten: sie las nunmehr das gute Buch jeglicher Herkunft, nicht allein das jüdische. Es wäre indes eine arge Uebertreibung, zu behaupten, dadurch sei das jüdische Buch aus dem jüdischen Heim fast völlig verdrängt worden. Bei der jüdischen Frau, der bewußten Jüdin,' hat das Interesse für das jüdische Buch eigentlich nie nachgelassen. 'Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die gesamte Ghettoliteratur, von Leopold Kompert bis zu Ulla Wolfs-Frank, zumeist von Frauen gelesen wurde. Freilich, .am Ausgang des Jahrhunderts schienen sich die Beziehungen der jüdischen Frau zum jüdischen Buche ein wenig zu lockern; eine gewisse Interesselosigkeit dem jüdischen Buche gegenüber machte sich bemerkbar. Doch hielt dieser Zustand nicht lange an. Die jüdische Frau fand bald wieder zum jüdischen Buche zurück. Und wenn in den letzten Jahren das jüdische Buch von neuem einen Aufschwung nahm, so ist dies nicht zuletzt auch der jüdischen Frau zu danken, die in edlem Wetteifer mit dem Manne, teils ausnehmend, teils hervorbringend, auf allen Gebieten jüdisch-geistigen Schaffens mittätig ist. S. Meisels. Die )uden dürfen zahlen Nach einem Bericht, welchen die „Jta"-Nachrichten brinist kürzlich an der Universität Nottingham eine sehr interessante Rede gehalten worden. Der Redner hat folgendes ausgeführt: „Das Leben vieler Engländer mußte geopfert werden, um die Araber von der türkischen Herrschaft zu befreien. Wir haben auch den Juden versprochen, ihr Heim in Palästina zu gründen, und in Erfüllung dieses Versprechens haben wir Verantwortlichkeiten übernommen, um das Werk vorwärts zu bringen, durch welches dieses Versprechen erfüllt werden kann. Sollen wir nun, nachdem wir eine Reihe von Millionen hierfür ausgegeben haben, unsere Versprechungen rückgängig machen und die Treuhänderschaft aufgeben, die uns der Völkerbund anvertraut hat? Kein Befürworter der Balfour-Deklaration würde das jemals anregen können. Der einzige Weg, der die Ausgaben rechtfertigen kann, welche bereits erwachsen sind, besteht darin, daß wir mit unserer Politik treu und mutig Vorgehen, bis wir ihre Früchte geerntet haben. Wenn wir uns jetzt zurückziehen, werden wir alle Vorteile der bisher geleisteten Ausgaben verlieren. Bleiben wir aber, so werden nur noch geringe finanzielle Opfer gebracht werden müssen. Der einzige ehrenvolle Weg für uns ist der der Arbeit für die Mandatspolitik. In Palästina werden neue Industrien installiert und neuer Reichtum wird „Mein Bruder, was wolltest du von mir wissen? Ich bin bereit, dir zu antworten." Ter Gutsbesitzer wurde noch mehr überrascht und jagte: ,Hch will, daß du mir zwei Fragen beantwortest« Elstens, warum gabü du mir keine Antwort, als ich dich ries und zu dir sprach? Zweitens, wie kannst du mich Bruder nennen, nachdem ich dich prügeln ließ?" Daraus antwortete Reb Liber: „Ich konnte dir keine Antwort geben, weil ich in jenem Moment vor dem König der Könige stand und ihm Rechenschaft über mein Leben gab. Meinen Bruder nannte ich dich, weil wir Menschen alle Gotteskinder sind und als Kinder eines Vaters natürlich Brüder." Diese Worte machten auf den Gutsbesitzer einen tiefen Eindruck und er sagte: „Ich sehe, daß du ein Gottesmann bist und bereue es sehr, daß ich dich prügeln ließ: Ich bitte dich, mir zu verzeihen und mich sühnen zu lassen." „Ich verzeihe dir", sagte Reb Liber, „und wenn du sühnen willst, so verspreche mir, niemals mehr die Hand auf deinen Bruder zu heben." „Und wie soll ich mich gegen meine Leibeigenen verhalten? Soll ich auch meine Bauern nicht prügeln dürfen?" „Tie Bauern sind auch Gotteskinder und deine Brüder", antwortete Reb Liber. Der Gutsbesitzer gab das Versprechen. Um aber noch mehr zu tun, sagte er zu Reb Liber: „Aus der Stelle, wo du gebetet hast und ich dich prügeln ließ, werde ich eine Synagoge errichten." Er hatte sein Wort gehalten. — Legenden umgeben die alten Synagogen — wie die großen steinernen, so die armen hölzernen — mit tiefer Heiligkeit. Die Synagogen dürfen nicht umgebaut und nicht ausgebessert werden. Dieses Verbot hat einen tieferen Sinn. In den wenigen, wo die Synagogen trotz ves Verbotes renoviert wurden, sind Malereien von großem künstlerischem Wert und architektonische Feinheiten verloren gegangen. Benjamin H alp er in * Verfammlungskalender Berit». ftm Sonntag, de« 29. März, 11.30 Uhr, findet in der Lochentagsfynagoge, Fasanenstraße 79» et» einmaliger Kursus für Da««» und Herreu statt, die de« Seder geben möchte«. DK Heeren Falkenderg »nd Iakubowski habe» die Leitung Übernommen. Als Grundlage mied die Hagada von Falkenderg tenntzt, die bei de« Kursus ausgrhSndigt wird. Damen und Herren, die sich dafür intet* essiemr. sind hierzu herzlich geladen. Der Vorstand des Liberalen Vereins für die Angelegenheit«» der Jüdische» Gemeinde. Berttu-Charlolttnburg-Ost. Montag, 23. März, abends 8 Uhr, im Friedrichssaal des Land« wehr-Kaftuos, Gharlottenbnrg 2, Iebeustraße 2 (am Bahnhof Zoo), Mitglieder-Verfammlung und Reuwahl des Vorstandes der Bezirksgrnppe Lharlottendarg-Ost de» Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdische« Gemeinde zu Berlin. Anschließend daran Vortrag der Herr« Dr. Manfred Swarsensk»: „Was dedeutet die Religio» de« moderne» Menschen?" Musikalische Dardietnnge« von Herrn Dr. Fritz Salomonsli «ad Fräulein Elisabeth Lee, Konzertsängeri«. Begleitung Frau £111 Svetz. — Zu dem Hortrag «ad dem geselligen Teil -es Abends, der «« 8.39 Uhr beginnt, hadea auch die Mitglieder anderer Vezittsgrnppe» and Freunde «»serer vewegnug Zntritt. Gottesdienste ¥ Beriin-Xorvt». Liberale Synagoge Korden, Schönhauser Allee 162. Freitag, de« 29. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Logelstein-Bresla«. Sonnabend, vormittags 19 Uhr. Gottesdienst. ’ Berti» »Osten. Liberale Synagoge Oste», Kaiserstraße 39, Aula der Mädchrufchule. Freitag, Leu 29. März, abends 7.39 Uhr. Gottesdienst.. Predigt: Mehler. Berii».«estr»d. Liberale Synagoge Westend. Leistikowstraße 7-8. Aula. Freitag, den 20. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdirust. Predigt: Rabbiner Dr. Seligmann-Fraulfurt a. Mai». Berlin. Jüdische RrforM'Temeiube. Gottesdienste am Sonntag, dem 22. März. Johannisftratze 16: vormittags 10.39 Uhr; Predigt: Dr. Rosevthal. Kleiststraße 19: vormittags 19.39 Uhr; Ansprache: Fron Ottilie Schönewald-Bochum. geschaffen. Die Erzeugung elektrischer Kraft und die Er-; bauung von Eisenbahnen ist vorgesehen, welche das Mittelmeer und den Indischen Ozean verbinden und welche das Land zu einem reichen industriellen Gebiet und zu einer großen Handelsstraße nach Rußland und dem Osten machen werden. Alle diese Dinge konnten nur mit Hilfe von jüdischem Kapital, Unternehmungsgeist und Tätigkeit vollbracht werden. Die Interessen der Araber sind identisch mit denen der Juden, soweit es sich darum handelt, Palästina zu einem reichen Lande zu machen und eine freie, sich selbst regierende palästinensische Nation zu schaffen. Die einen können das nicht ohne die andern tun. Ein rein jüdisches Palästina kann sich nicht selbst erhalt ert. In der Schaffung einer palästinensischen Nation, welche Juden, Araber und Christen zu verteidigen bereit sein wird, liegt die einzige Hoffnung von Palästina." Diese Rede hat nicht irgend ein Beliebiger gehalten, sondern vielmehr der Earl of Lytton. Er hat die höchsten Posten innerhalb der englischen Diplomatie eingenommen und schließlich keine geringere Stellung bekleidet, als die eines Vizekönigs von Indien. Dadurch, daß er Präsident der Gesellschaft ist, welche aus dem Toten Meer Kali gewinnen will, ist er auch mit den Dingen in Palästina sehr vertraut. Er kennt also wie Wenige die Dinge im Osten und die Absichten, welche England mit der Ausübung des Mandats verfolgt. Sie liegen rein auf dem Gebiete der hohen englischen Politik und des damit verknüpften Geschäfts. Vom Aufbau eines selbständigen Judenstaates ist nicht die Rede. Es soll vielmehr dort eine neue Nation — natürlich Unter englischem Protektorat — geschaffen werden, in welcher Juden, Araber und Christen frichlich und wohlhabend Zusammenarbeiten. Das Geld dafür sollen die Inden geben. Der Earl of Lytton spricht es klar aus, daß dieses hohe Ziel englischer Politik und englischen Geschäftsgeistes nur mit Hilfe von jüdischem Kapital, jüdischem Unternehmungsgeist und jüdischer Tätigkeit erzielt werden kann. Das klingt ein bißchen nach dem bösen Satz „le boche payera tont". Es ist ober wenigstens eindeutig. Kirchen und Synagogen in Berlin Anläßlich der Einführung einer Kopfsteuer seitens der evangelischen Synode zu Berlin gibt das „Berliner Tageblatt" einen Ueberblick über die Zahl der Angehörigen der einzelnen Konfessionen in Berlin sowie über die Zahl der Gotteshäuser und kirchlichen Versammlungsräume. Bei insgesamt 3,2 Millionen, die zum evangelischen Bekenntnis zählen, hat die evangelische Landeskirche in Groß-Berlin 180 Kirchen, 65 Kapellen und 161 sonstige Versammlungsräume. Die Zahl der Pfarrer beträgt in ganz Berlin 427. Die römischkatholische Kirche zählt 440 000 Mitglieder, die sich auf 62 Pfarreien und Filialbezirke mit 20Ö Geistlichen usw. verteilen. Die Jüdische Gemeinde als drittgrößtes Religionsbekenntnis zählt bei rund 170000 Mitgliedern 14 Synagogen mit 36 Rabbinern. Die übrigen Religionsgemeinschaften in Groß-Berlin verfügen über 145 Kirchen bez'w. Kapellen und Versammlungsräume. Ohne Religionsbekenntnis sind rund 290000 Personen. Rabbiner Gustav Lohn 50 Zahre Am 19. März feiert Rabbiner Gustav Cohn in Leipzig seinen 50. Geburtstag. Rabbiner Cohn ist in Stettin geboren, kam aber schon als Kind mit seinen Eltern mach Berlin. Dort besuchte er die Schule und später die Universität. Er hörte Vorlesungen über Geschichte, Philosophie und Literatur. Seine theologische Ausbildung erhielt er am Berliner Rabbinetseminar. 1908 wurde er Prediger urtd Leiter der Rvligionsschule beim Religionsverein „Osten". 1912 ka« ep als Rabbiner nach Krotoschin, und seit 1981 ist er i» Leipzig als Gemeinderabbiner tätig. Cohn ist aus dem Konservativen Judentum hervoravgangen. In dein liebevollen Verstehen, das er dm Gedanke« und Forderungen echter konservativer Frömmigkeit entgeaewbringt, lebt noch die Erinnerung an seine Kindheit und Studienzeit fort. Aber er hat erkannt, daß das Judentum ei» geschichtlich gewordenes Gebilde ist, daß Menschen und Zeite» mitgeholfen habm, den Bau des Judentums erstcheu z» lassen. Und er hat daraus die Lehre gezogen, daß jedes <8* schlecht berechtigt, ja verpflichtet ist, an der Gestaltung der Ideen- und Formenwelt des Judentums mitzuwirken. S» ist Cohn schließlich ein liberaler Rabbiner geworden. Sei« Liberalismus beruht auf wissenschaftlicher Einsicht und persönlicher Gewissenhaftigkeit. Er gehört in die Reihe derer, dem» Liberalismus die Wahrheit vom Judentum bedeutet, bene» ihre' liberale Einstellung sitlliche Pflicht und religiöses Geb» ist. Bei aller Achtung vor einer anderen aufrichtigen Überzeugung weiß er darum das Recht und das Arisch» daß Liberalismus mit Festigkeit zu wahren. Seine ehrliche Ueberzeugung gübt ihm den Mut und die Sicherheit, auch auf der Kanzel und im Unterricht seine Gesinnung zu bekennen. Sein Wissen und Können haben in mehreren wisse«- •; schaftlichen Aufsätzen und Abhandlungen, auch in seiner Mitarbeit an der Enzyklopädie Ausdruck gefunden. Er ist' ei« guter Kenner der Geschichte des jüdischen FriedhofsweseuÄ. Eine, wohl nur vorläufige, Arbeit „Der jüdische Friedhof" gibt davon Kunde. i Neben seiner rabbinischeu Tätigkeit hat er sich in Leipzig verdient gemacht durch Gründung und Leitung des'Gemeinden blattes und durch seine Arbeit am Aufbau einer Gemeindebücherei. Seine Freunde und näheren Bekannten schätzen in ihm vor allen Dingen den ehrlichen, eblen und liebenswürdigen Menschen, mit dem im ernsten und heiteren Gespräch zusammen zu sein immer einen Gewinn und eine Freude bo- deutet. Die gütige und liebevolle Art seines Wesens offenbart sich aufs schönste in seinem inrnHtzn Familienleben, t» der echt jüdischen Häuslichkeit, die er im Verein mit seiner Gattin sich geschaffen hat, die ihm auch in seiner Atbeit, treue Genossin und Helferin ist. Möge der jugendliche Jubilar noch viel Freude erleben im Kreise seiner Familie, in der Freundschaft mit Mensche«, im Dienste seiner Gemeinde und -seiner Arbeit fürda» Judentum. Rabbiner Dr. W o l f. Bmjamin Segel Hn Bad Pistyon, wo er sich zur Kur aushieit. oerstar» anr 13. März im Alter von 64 Jahren der bekannt« jüdische Schriftsteller und Publizist Benjamin Segel, der viele Jahre lang in Deutschland gelebt und in den letzten Jahren in Wie» , seinen Wohnsitz gehabt hat. Segel war einer der beste« Kenner des Ostjudentums, eine Reihe seiner Arbeiten galt dessen Probleinen. 1910 setzte er sich mit Theodor Lessing in einer viel beachteten Broschüre „Die Entdeckungsreise deg Herrri Dr. Theodor Lessing zu den Ostjuden" auseinander. Zu Beginn des Krieges verfaßte er eine vielgelesäne Schrift „Der Weltkrieg und das Schicksal der Juden", zu gleicher Zeit hie apologetische Studie „Moriah und Golgatha". 1918 schrieb; er „Rumänien und seine Juden" und eine von starker Begabung zeugende Novelle „Am Tage des Gerichtes". Nach dem Kriege erschien eine Reihe seiner literarischen Arbeite« im Philo-Verlag, so u. a. „Die Philosophie des Pogroms" . (eine scharfe Auseinandersetzung mit Blühech, und eine grundlegende Entlarvung der „Protokolle der Weisen vöu Zion" (1924), der er zwei Jahre später eine Studie unter dem Titel „Weltkrieg, Weltrevolution, Weltverschwörung" folge» ließ. Einige Jahre lang war Segel Redakteur der Berliner Monatsschrift „Ost und West". In den setzten Jahren war Segel auch eifriger Mitarbeiter unserer „Jüdisch-liberalen Zeitung". Neben eigenen Arbeiten veröffentlichte er hier auch zahlreiche Uebersetzungen, so erst in allerjüngster Zeit die Uebersetzung des Vortrages über: „Was hat das Alt» Testament für die europäische Kulturmenschheit geleistet?" von Claude G. Montefiore. ^Imnes^Ilberstein Seit Wochen schon wußten Eingeweihte, daß Todesschatten einen der rührigsten der Mitstreiter des Berliner liberalen Judentums, James Silberstein, umlagerten. Und als in der vergangenen Woche die Nachricht bekannt wurde, daß der Tod die schwere und schmerzvolle Krankheit beendet hatte, die ihn schon seit Monaten an das Bett fesselten, da wußte man, daß der Verlust auch Erlösung bedeutete. James Silberstein war keiner von denen, die durch Phrasen zu glänzen verstehen oder neuschöpferisch Wege zu weisen wissen. Er war ein treuer Soldat der Sache, die er als recht erkannt hatte, für die er sich in treuer Pflichterfüllung und in aufopferungsvoller Kleinarbeit einsetzte. Ob er im politischen Leben in der demokratischen Partei wirkte, ob er im jüdischen Leben für die liberale Sache kämpfte, überall war sein Tun von dem Wissen beseelt, daß die Idee zu ihrer Durchsetzung der Organisation bedarf, die es zu erhalten und zu fördern galt. So hat er an vielen Stellen wertvolle! Dienste geleistet. Und die rege Teilnahme der verschiedensten Kreise bei seinem letzten Erdengang legte Zeugnis dafür ab, daß sein Wirken Anerkennung gesunden hat. Nach den Worten von Rabbiner Dr. Blumenthal, der noch einmal das Bild dieses arbeitsamen, pflichttreuen Mannes zeichnete, sprach als Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Herr Paechter. Dann rief ihm für den Liberalen Verein der Berliner Jüdischen Gemeinde R.-A. Dr. Manfred Meyer die letzten Abschiedsgrüße nach, der mit ihm außer durch die Tätigkeit im liberalen Lager auch durch gemeinsame Arbeit für die Synagoge Lindenstraße verbunden war. Für den Centralderein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach dessen Syndikus Arthur Schweriner. Nach dem Gesang des El mole rachamim durch. Oberkantor John wurde der Sarg zur Gruft getragen, über der sich die Standarten der militärischen Korporationen, denen der Verstorbene angehörte, senkten.

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