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Jüdisch-liberale Zeitung · 1931-03-18 · 11 (18.3.1931) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
11 (1931)
Issue
11 (18.3.1931)
Date
1931-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Tieften! Und schließlich projiziert ei« jeder ja nur seine eigenen Erfahrungen auf das vor ihm ruhende, dis dahin unbescholtene Schreibpapier. Ein Goethe durste es wagen, sich immer urrd alleweil nur einen „Gelegenheitsdichter" zu nennen. Ein moderner, schon mit Recht in Vergessenheit geratener Schriftsteller, benamste einstmals ein Werk von sich „Erlebtes, Erlauschtes, Erlogenes". In eine dieser drei Kategorien wird wohl jede literarische 'Schöpfung' einzugliedern sein. Und wo die Phantasie fehlt, muß man sich mit oem englischen Sprichwort trösten: „Truth is Manger than fiction". Das Leben i> unwahrscheinlicher als jede Dichtung. Insbesondere aber auch das Frauenleben."Darum sollte man aber auch am 22. März, dem Tag des Buches, eine ganz besondere Neugierde bekunden, auf alles das ,was Frauen in Büchern, über Bücher oder von Büchern zu erzählen wissen. Je ergiebiger die Mitteilungen der Frauen über ihre Beziehungen zum Buche am 22. März.sein werden, desto empfänglicher werden wir ihnen unsere Herzen und Hirne offnen. Doris W i t t n e r. II. Im Anfänge war das Buch reines Erzeugnis des wLnrrlichen Geistes und ausschließlich für den Mann bestimmt. Erst mit dem Auffommen der allgemeinen Bildung, das heißt, Allgemeinzustandes geRiger Kultur, die wir mit dem Worte Bildung bezeichnen, hat sich das Buch buch die Frauenwelt erobert. Zunächst war es das Erbauungsbuch, zu dem die Frau griff; das Erbauungsbuch las die Frau an Feiertagen in feiertäglicher Stimmung, da war das Lesen noch die Andachtsübung eines frommen Gemüts. Später wurde oie Hauspiystille durch das schöngeistige Buch verdrängt. Das schöngeistige Buch ward recht eigentlich das Biloungsmittel des schönen Geschlechts. Seitdem sind die Beziehungen der Frau zum Buche verständnisinnig geworden. Zur Vewrtttung des Buches hat die Frau am meisten beigctragen. Sie war es auch, die den idealen Wert des Buches entdeckt hat. Ter Mann suchte im Buche den geistigen Gewinn, die Frau den geistigen Genuß. Der Mann schöpfte aus dem Buche Belehrung, die Frau machte es zu einer Quelle der Unterhaltung. Es will mir scheinen, daß das Bücherlesen überhaupt eine Erfindung der Frau ist. Tenn bevor die Frau mit dem Manne in eine Art Buchgemeinschast eintrat, hatte man Bücher selten gelesen, fast immer nur studiert. In ähnlichen Formen, aber auf wesentlich anderer Grundlage entwickelte sich im Judentum das Verhältnis der Frau zum Buch. In Beziehung aus das Buch haben die Juden gewisse zeitliche Vorrechte: sie nennen das älteste Buch der Welt ihr eigen und besitzen ein Schrifttum, das Jahrtausende umfaßt. Aber das alte jüdische Schrifttum war für die Frau ein verschlossener Garten, zu dem sie keinen Zutritt hatte. Tie Bücher dieses Schrifttums handeln ja Vornehmlich von den Gesetzen der jüdischen Religion, und eben an diesen Religionsgesetzen hat die Frau fast gar keinen Anteil. Das jüdische Religionsgesetz Hai lediglich für den Mann seine verpflichtende Kraft, wogegen der religiöse Pflichtenkreis der Frau sehr engbegrenzt erscheint. Demgemäß war auch das Studium des Gesetzes ausschließlich Aufgabe des Mannes. Tie Frau wurde vom Lernen und Lehren serngebalten, ja es war sogar verboten, die Frau mii dem Gesetzes'studinrn zu befassen. Die Rabbineu des Talmud waren überstreng in der Verurteilung des Frauenstudiums. Die Weisheit der Frau habe sich auf den Spinnrocken zu beschränken, meint einer der Talmudweisen. Mit verstimmender Ilebertreibung erklärt ein anderer: „Wer seine Tochter im Buch des Gesetzes unterweist, der leitet sie auf Abwege." Wieder ein anderer spricht von dem angeborenen Leichtsinn des Weibes und sucht damit die Abneigung gegen jegliches Frauenstudium zu begründen. Trotz solchen Anschauungen und Meinungen, die übrigens nicht unter den Juden allein vorherrschend waren, gab es bereits im talmudischen Zeitalter Frauen, die mit dem Buche in Berührung kamen, das heißt, sich in der Schristauslegung und in der Gesetzeskunoe ausgebreitete Kenntnisse erwarben. Wir erinnern bloß an Beruria, die Gattin Rabbi Meirs, die es in der Kenntnis oes Gesetzes | Die alten Synagogen Als ich durch Wolhynien und Pavolien reiste, um dort ethnographisches Material zu sammeln, mußte, ich mich ber einer seltsam anmutenden Erscheinung auchalten: In kleinen, elenden Judenstädtchen, deren Einwohner kümmerlich ihr Leben fristeten, deren Wohnhäuser klein und ebenerdig, vielfach morsch und baufällig waren, fand ich stattliche, schöne Gebäude, prächtige Zicgelbanten mit sehr dicken Mauern, — Bauten, die an Große und Schönheit fast den reichen Häusern der Großgrundbesitzer gleichkamen. Der Stolz und die Zierde dieser Städtchen — die alten Synagogen. , Wer hat sie errichtet? Wo trieb man die Mittel aus, um diese stattlichen Bauten aufsühreu zu können? Es lebten dott früher vielleicht glückliche Menschen, die sich das leisten konnten? Ich studierte eifrigst die alten Annalen, konnte aber aus ihnen nur ersehen, daß vor hundert und vor zweihundert Jahren die jüoische Bevölkerung in jenen Städtchen noch ärmer war als zurzeit. Ein „Gülden" (40 Pfennigs war damals viel Geld, ein Groschen galt als eine große Münze. Nun, die alten Chroniken erklären uns dieses Geheimnis. Wir erfahren aus ihnen, daß die steinernen Sy- : nagogen mit den Dicken Mauern und den schönen Türmchen , kein Luxus und nicht um des Himmels willen erbaut, sondern eine traurige Notwendigkeit jener Zeit waren, ein vielsagender Beweis der schrecklichen Hilflosigkeit, in der bte jüdische Bevölkerung einst lebte. Lange Jahrhunderte wohnten die Juden tu Städten; : und Städtchen in steter Angst tun ihr Leben und um ihre \l Habe. Sie wurden von Zeit zn Zeit von Räuberbanden, oder auch von regulären Heeresabtcilungen überfallen, die 'I das Hausgerät zettrümmerten und die Einwohner ermordeten. Wenn sich die Räuber einem Städtchen näherten, H liefen die Juden in oie Synagoge beten und in den meiste:: k; Fällen fand dort auch die eigentliche Abschlachtung der ^Juden statt. Manchmal wurden Synagogen, die mit Deutenden volkgeftopst waren, angezündet und die versammelten i Juden verbrannten mitsamt dem Gebäude. "A Als Denkmäler an jene schrecklichen Ereignisse Weben Mn vielen Städten und Städtchen umzäunte Gräber vor den so weit gebracht hatte, daß sie halachische Entscheidungen zu treffen imstande war. Neben Bcruria finde« wir im Talmud erwähnt: Jma Salom, die Tochter des Rabbi Simon den Gamaliel, Jalta, die Tochter des Exilssürsten. Abba-Mari, Em, die Erzieherin Abajis, und noch anoere gelehrte und gesetzeskundige Frauen. Auch im Mittelalter und in der Netlzeit (bis zum Ausgang des 18, Jahrhunderts) begegnen wir öfter jüdischen Frauen, die fleißig Bibel uno Talmud studierten, also mit Büchern Umgang pflogen. Die Gattin des Staatsnnnisters Joseph Jbn-Nagrela — iw der zwci.en Hälfte des 11. Jahrhunderts — war im jüdischen Schrrfttum gut bewandert. Die Tochter des berühmten Dichters Jehuda Halevi las mit Eifer die hebräischen Tichtungswerte und soll selbst in hebräischer Sprache gedichtet haben; eine Elegie im Divan ihres Vaters (mit dem Akrostichon „Bath Levi") wird ihr zugeschrieben. Raschis Tochter, Rahel, genannt Bellejeune, und seine Enkelinnen, Mirjam und Anna, befaßen reiche Kenntnisse in den biblischen, rMstttschen voll erwähnt. Eine gewiegte Kennerin des Talmud war Mirjam Schapira aus Konstanz; sie stand viele Jahre einer Hochschule vor, die von zahlreichen Talmudjüngern besucht wurde. Eine große Gelehrte war Dolze, die Gattin des Rabbiners Eleasar aus Worms; sie soll, nach den Angaben von Kayserling, an Sabbaten öffentliche Vorträge gehalten haben. (Dotze erlitt 1214 den Märtyrertod.- Ti nah Wahl, die Enkttin jenes Saul Wahl, den die Sage zum Eintagskönig von Polen gemacht hat, wurde wegen ihrer Gelehrsamkeit nicht minder als wegen ihrer vornehmen Abkunst „die große Frau" genannt. Von rabbinisch gelehrten Frauen im 17. und 18. Jahrhundert sind zu nennen: Eva Bacharach, die Matter des Wormser Rabbiners Samson Bacharach, eine gewiegte Kennerin des Midrasch und der synagogalen Poesie. Sp-rinza Kempner, die die gesamte Mischna und die agadischen Erzählungen des babylonischen Talmud auswendig kannte. Tie Paduanerin Bienvrnida Ghirondi, die neben Bibel, Talmud, Raschi-Kommentar auch die Schriften des Maimonides sleiß-g studierte. Und Sara Oser, eine Polin, die eine gründliche Kennerin der Heiligen Schrift und der hebräischen Grammatik war. Wir haben hier nur einige, und zwar die bedeutendsten jüdischen Frauen erwähnt, die sich mit edler Wißbegierdr in die Bücher des alten jüdischen Schrifttums vertieften. Im buchstäblichen Sinne mit dem jüdischen Buche in Berührung kamen die jüdischen Abschreiberinnen, Setzeriw-- neu und Druckennnen. Paula der Mansi in Rom hat in den Jahren 1288 bis 1293 zwei Quartbände Bibel-Kommentare und das handschriftlich ebenfalls zwei Quartbrnde umfassende Werk „Halachoth" des Rabbi Jesaja aus Trani sauber und fehlerfrei abgeschrieben (die Handschrift der Kommentare befindet sich in der BibliothT des jüö'sch-theologischen Seminars in Breslau, die der Halachoth in Oxford).'Sara Oppenheim, die Tochter des Prager Oberrabbrners Taoio Oppenhenn, schrieb aus Pergament und nach ritueller Vorschrift eigenhändig eine Estherrotte. Besonders tüchtige Arbeit bei der Herstellung des hebräischenn Buches haben einrge Jüdinnen am Setzkasten geleistet. Das in der ältesten hebräischen Druckerei gegen 1480 zum erstenmal erschienene Moralbuch „Bechinoth Oianr" (Tie Prüfungen der Welt) wurde' von der wackeren Estellina Konat, der Gattin des Arztes und Tcuckereibesitzecs Abraham Konat, gef'tzt und gedruckt. Die hebräische Grammatik „Siach Jizcha!" wurde 1627 .in der Lembergschen Ossizin kn Prag von Gütel Cohen gesetzt. Tie wackere Czerna Meifels in Krakau war in der 1631 von ihrem Vater errichteten Druckerei beschäftigt; viele hebräische Druckwerke, an denen sie mitarbeitete, zeugen von ihrer Umsicht und Sachkenntnis als Typogravhin. Jung- Gella, eine Tochter des ProselyLen Moses ben Abraham, arbeitete einige Jahre als Seherin in Halle an der Saale. Aus der letzten Seite eines 1710 erschienenen Gebetbuches findet sich ein (von Gela verfaßtes) Gedicht, das mit sorgenden Versen beginnt: Werbt neue Mitglieder! Synagogen, die „heilige Gräber" genannt werden. Bon diesen Gräbern wird immer die gleiche Legende erzählt: es liegen dott Braut und Bräutigam begraben, die der Hetmann Chmelnitzky ermorden ließ^ als sie nach der Trauung aus der Synagoge kamen. In Wirklichkeit sind es Gräber der von Räubern oder Soldaten ermordeten Juden. Allmählich kam man auf den Gedanken, Synagogen za bauen, die als Bollwerke bei Ueberfällen dienen könnten. Man begann sestnngsartige Gebäude zu errichten, die selbü eure längere Belagerung aushalten konnten. Die polnische Regierung, die keine Möglichkeit hatte, die Juden vor Ueberfällen zu schützen, sah dem Bau solcher jüdischer Festungen wohlwollend zu. Es ist möglich, daß sie selbst den Juden den Gedanken eingab, sich auf diese Weise zu schützen, sie hals dabei vielleicht werktätig mit. Ja, mehrere Urkunden bestätigen, daß die Regierung selbst verlangte, oaß die Juden ihre Bethäuser in bewaffnete Festungen umwandelten. Im Jahre 1626 hatte König Sigismund III. der Gemeinde Luzk die Erlaubnis erteilt, eine Synagoge zu bauen, aber unter der Bedingung, oaß die Synagoge einen Turm bekomme, in diesem Turm ein Geschütz ausgestellt werde und ein fachkundiger Mann dieses Geschütz bediene. Außer der Luzker Synagoge hatten viele andere oas Aussehen von Festungen gehabt: die Ustriper (aus dem 14. Jahrhundert), die Synagogen in Schakeswa, Tarnopol, Lnbomir, Trembowla, Tarnogr. Die jüdischen Chroniken und Legenden erzäh'en uns fast gat nichts darüber, wie die arme jüdische Bevölkerung so große und reiche Bauten ausführen konnte. Bon den ältesten heißt es, daß sie „unaufgesühtt" seien, daß man sie vielmehr unter der Erde fertig gebaut „fand": Kinder spielten am Hügel, gruben im Sand und sahen ein Dach, sie meldeten den Erwachsenen, man begann zu graben und fand bald eine Synatzoge. In einigen Legenden wird noch hinzugefügt, daß 'man in. der Synagoge einen alten Mann mit langem Bart vorfastd, der über einem Buche saß und „lernte". Wie alle Legenden, hat auch diese ihre Begründung. Biele von den alten Synagogen wurden tatsächlich gefunden. Während der Ucberfälle von Hontas Banditen wurden in manchen Städtchen alle Juden ausgervttet. Aus anderen flüchteten die Einwohner. Ms sich später die Juden in den Diese schöne neue Tephilta von Anfang bis zu Ende Hab' ich gesetzt alle Außijans (Buchstaben) meine eigene Haube, Ich, Gela, die Tochter des Druckers Moses, Abrahams Sohn, Meine Mutter, Frau Freude, Tochter des seligen Herrn Israel Eoh». Auch ihre Schwester Ella war Setzerin; sie hat in Frankfurt an der Oder ber dem Druck einer neuen Talmud-Ausgabe mitgearbeitet. Bei der Drucklegung des flößen rabbinische» Wertes „Tuttm" hat eine Fürtherin, namens Fiola, j» der Setzarbeit gute Diennfte geleistet. (Bgi. Kayserling: „Die jüdischen Frauen in der Geschichte, Literatur und Kunst", Leipzig 1878, S. 146 bis 149, wo noch andere jüdische. Buchdruckerinnen und Setzettnnen genannt sind.) Im Verstehenden wurde lediglich von Frauen gesprochen, M als Studier^, ^7 oderguK nur al.s Typ»- graphinncn Beziehungen znm jüdischen Buche anknüj^dkpl Die jüdische Frau als gewöhnliche Buchleserin gibt es erß> nach dem Erscheinen der jüdischen Frauenbuches. Die erste» jüdischen Frauenbücher wurden von Männern versaßt. Wohl das älteste der jüdischen Frauenbücher war das von Jsaas ben Joseph von Eorbeil verfaßte Handbuch über die religiöse» Pflichten der Frau. SÄche Bücher, die die Frau über ihre religiösen Pflichten unterrichteten, sind spater, namentlich in jüdisch-deutscher Sprache, mehrfach erschienen. An diese schlossen sich die Andachts-, Sitten- und Erbauungsbücher an. Im 16. und 17. Jahrhundert ist bereits eine ansehnliche jüdische Frauenliteratur vorhanden. Zunächst wur> den für die jüdischen Frauen die bekanntesten hebräische» Moral- und Erbauungsbücher ins Jüdisch«-Deutsche üöerscltzL; daraus erschienen mehrere Original-Frauenbücher. Viel gelesen wurden: das „Bovobnch" des Elia Levita (gedruckt 1507 in Venedig), „Das Buch der guten Sitten" (1542L die „Herzenspslichten" (1609), ferner „Die Freude der Settel (1706 in Frankfurt am Main), „Das gerechte Maß" (ebenda 1724) und andere. Aber keines dieser Bücher ist so volkstümlich geworden und hat unter den jüdischen Frauen eine solche Verbreitung gesunden wie das gegen Ende des 16. Jahrhunderts erschienene Buch „Zeena Urecnce" des Jakob den Isaak von Janow. Das „Zeena Ureena^ ward zum Frauenbuch schlechthin; Frauen und Mädchen lasen es an Sabbaten und Feiertagen mit wahrer Andacht, sie lasen ejahraus jahreitr und stets von neuem fanden sie darin Belehrung und Erbauung. Man kann getrost sagen, oiese- Buch hat sich bis in die Gegenwart eine gewisse VolkStüm-- lichleit bewahrt, wofür schon der Umstand spricht, daß es erst vor wenigen Jahren in einer neuen deutschen Ueber-- setzung erschienen ist. Das erste jüdische Frauenbuch, das eine Frau zur Bersassenn hat, ist eine biblische Epopöe, das sogenannte Samuel-Buch einer Frau Lstte aus Regensburg (um 1513). Das Buch der Frau Litte ist in deutscher Dyracho geschrieben, und ein bedeutender Literaturhistoriker stellt der Versesfen'n das Zeugnis aus, daß „sie nicht schlechter fchrieß als bte christlichen Schriftsteller der damaligen Zeit". Jüdische Sitten-^ und Erbauungs'bücher, von der Frau für die Frau geschrieben, lieferten die jüdisch-deutkchen Schriftstellerinnen des 17. Jahrhunderts. Rebekka Tiktiner, eine Polin, schrieb „sich zu ein Gedächtnis und allen Frauen zur Ehre" ein Sillenbuch unter dem ein wenig seltsamen Titel „Rebekkas Amm^ (Prag 1609). Eine andere Frau, namens Hannah Aschkenasi, ließ in jüdisch-deutscher Sprache eine „Predigt" in Amsterdam drucken. Um diese Zeit veröffentlichten Edel Mendels, Rösel Lewi, Ellusch Götz und andere jüdisch-deutsche Schriftstellerinnen verschiedene Sittenbücher, Psalmenübersetzungen, gereimte Techinoth, biblische Even und erbauliche Erzählungen. Das herrlichste Buch, das wir einer jüdische» Frau verdanken, sind die „Denkwürdigkeiten" der Glücke! von Hameln. In sieberr Büch eichen hat die Glücke! ihre Lebmserinnerungen niedergeschrieben, und es ist daraus ein Buch entstanden, das den Mann wie die Frau, ben Gelehrte» wie den Laien gleicherweise fesselt. In neuerer Zeit — vom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart — hat sich auch in jüdische» verlassenen Gegenden wieder anzusiedeln begannen, „fanden" sie dott fettige Synagogen. Aus den meisten Legenden geht hervor, daß die reiche» Gutsbesitzer, denen die Städtchen ja damals gehört hatte», Geld und Material zum Bau der Synagogen beisteuerten» Von der alten Synagoge in Ludmir (Wladimir-Wolhynsk) wird erzählt, daß sie vom Fürsten Lubvmirsky errichtet wurden Er besaht, die Mauern sehr dick zu legen. Als der Baumeister ihn fragte, wie dick sie sein müssen, antwortete er: „So dick, daß ich auf der Grundmauer in dreispännrgem Wagen fahren kann." Als das Fundament aufgesührt wurde, fuhr Fürst Lubomirffy tatsächlich mit seinem Wagen auf der Mauer und es blieb noch freier Raum an den Rändern. Von der Synagoge in Meseritsch heißt es, daß de, Gutsbesitzer Ziegel und Holz für den Bau beschafft hatte, während die Juden aus Geheiß des Rabbi die Arbeiten ohne Entgelt ausgeführt hatten. Die schönste und edelste Legende wird von der altm Synagoge in Berditschew erzählt. Zur Zeit Reb Leb-Jizchak Berditschewers lebte dort ein großer Zadik als Rabbiner, Reb. Liber. Er mar ein verschlossener Mann und weilte oft einsam im Felde, um zu beten. Einmal, als er so im Felde unter einem Baume stand und betete, fuhr des Weges der Gutsbesitzer. Ec sah einen Juden unbeweglich im offenen Felde stehen, wunderte sich darob, ließ die Pferde anhalten und schickte den Heiducken (Diener) fragen, mrs der Jade im Felde mache. Reb Liber sah den Heiducken nicht an und gab ihm auch keine Antwort. So befahl der Gutsbesitzer, den Juden zu ihm zu bringen. Der Heiduck schleppte den Juden mit Gewalt zu seinem Herrn. Aber soviel der Gutsbesitzer den Juden auch befragte, er gab keine Antwort. Der Gutsbesitzer getttt in Zorn und ließ dem Juoen eine Tracht Prügel verabreichen. Reb Liber ertrug ohne Stöhnen die Folter und kehtte zum Baum zurück. Dieses Verhalten Überraschte sehr den Gutsbesitzer und er beschloß, auf oer Straße zu verweilen, um zu sehen, was weiter folgen wird. Als Reb Liber das Gebtt beendet hatte, ging er selbst zmn Wagen und sagte ruhig dem Gutsbesitzer:

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